Samstag, 31. Oktober 2009

Gebiss aus Gummi


Ich bin nicht der allergrößte Halloween-Fan. Gut, ich bin auch kein Gegner von Halloween, solange sich nicht irgendwelche rotznasigen Kids mit phantasieloser Augenklappe im Ton vergreifen, bloß weil sie der Meinung sind, ausgerechnet ich hätte für ihren saisonalen Kariesschub zu sorgen. Also, eigentlich ist mir Halloween egal.

Aber der Frau Übermop ist Halloween nicht egal (heute habe ich Samstagsschicht geschoben), was mich sehr überrascht hat, und eigentlich kann ich gar nicht begründen, wieso mich das überrascht hat, halt nur: Wie kommt eine ältere deutsche Frau ländlicher Herkunft dazu, auf Halloween abzufahren? Heute nämlich hat Frau Übermop während der Kaffeepause ein paar kleine weiße Teller mit ausgewählten Halloween-Sweeties angerichtet, für ein paar ausgewählte Kollegen. Zu denen auch ich zählte.

Von weitem sahen die Süßchen aus wie buntgefärbte spacige Pralinen. Waren aber aus Weingummi. Und zwar feinste Weingummiqualität, keine klebrige Massenware. Ohne Fett, gesüßt nur mit Fruchtzucker. Delikat. Aber zum Essen fast zu schade.

Ein niedliches kleines Gruselkabinett: fette schwarze Spinnen mit behaarten Beinen und Neonbäuchen; halbtransparente Totenschädel; mobile Gebisshälften; ein dubioses schwarzes Männchen.
Vor allem das Gebiss war lustig anzuschauen. Es hat sich nämlich bewegt. Doch, hat es. In Zeitlupe, aber mit bloßem Auge wahrnehmbar. Je wärmer es wurde, desto mehr entkrümmte sich das Zahnersatzteil und wirkte plötzlich wie eine rosarote Raupe, die den Tellerrand erklimmen will. Irre.

Auf einmal fand ich Halloween doch ziemlich cool.

Freitag, 30. Oktober 2009

Kampfeinsatz


Jetzt rücken sie schon in Truppenstärke an.

Auf den Rohren sind Schalldämpfer angebracht. Habe ich mir zubrüllen lassen.

Man glaubt es nicht, aber in der Schweiz haben sie einen Sport daraus gemacht: Letzten Sonntag fand dort das Erste Schweizer Segway Laubbläser Polo Turnier (SSLPT) statt, in Interlaken. Da versuchten sie um die Wette, mit einem auf den Rücken geschnallten Laubbläser - also nur mithilfe von Luftstößen - einen realen Ball in ein imaginäres Tor zu schießen.

Was es nicht alles gibt.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Neues vom Prekariat


Der erste deutsche Putzstreik ist beendet. Heute haben sich die Tarifparteien überraschend schnell geeinigt. Der Mindestlohn soll von 8,15 Euro auf 8,55 Euro steigen. Immerhin, besser als ein Loch in der Hose.

Wenn jetzt allerdings ein Gewerkschaftsfunktionär dahertrompetet:
"Das war der erste erfolgreiche Streik des sogenannten Prekariats",
dann spüre ich ein leichtes Ziehen im Fußbereich; und tatsächlich, wenn ich nach unten schaue, merke ich, dass meine Zehennägel sich markant aufrollen wollen. Das sogenannte Prekariat. Das klingt nach einem Erwerbstätigenbiotop, das man gewerkschaftsseits allenfalls mit spitzen Fingern anfassen möchte, notfalls mit Pinzette. Mit dem Prekären tun sie sich schwer, die Funktionäre. Das Prekäre ist so unübersichtlich, so vielgestaltig, so schillernd, so weggeduckt, so wenig fassbar und schubladisierbar. Das sogenannte Prekariat - so redet keiner, der sich dem Prekariat zugehörig fühlt. Der distanzierte Sprachgebrauch verrät sich selbst.

Es gibt ein kurzes, auf poppig gemachtes Video der IG Bau über den Gebäudereinigerstreik an der TU Berlin, die im Zuge der Aktion ungeputzt blieb und daher umgelabelt wurde in Prekäre Universität Berlin:
Ganz kurz im Bild zu sehen ist die Außenfassade der TU nach erfolgter Umbenennung.

Ein besseres, weil gekonnteres Video bringt der Asta der TU, deren Studenten sich mit den streikenden Putzleuten spontan solidarisiert haben:
Beide Videos via Santa Precaria

Informativ, gänzlich undistanziert und hochinteressant zu lesen ist die Begründung der Studenten zu ihrer Solidarität mit den Putzleuten. Offensichtlich wissen die Studenten der TU genau, wovon sie reden, wenn sie von prekären Beschäftigungsverhältnissen reden. Weil sie diese bereits am eigenen Leib kennen. Oder weil sie wissen, dass auch ihnen später einmal unsichere Lebensentwürfe blühen:

Warnstreik der GebäudereinigerInnen an der Technischen Universität Berlin

Die IG-BAU fordert 8,7% mehr Lohn, die Angleichung der Ost- und Westlöhne, sowie der Löhne von Männern und Frauen und eine angemessene Altersvorsorge. Die Studierenden der TU unterstützten den Warnstreik als StreikhelferInnen.

In der Pressemitteilung des AStA der TU-B heißt es: " Wir als AStA der TU unterstützen die Forderungen der Reinigungskräfte und zeigen uns aktiv solidarisch mit dem Streik. Die an der Universität tätigen Reinigungskräfte sind über verschiedene private Firmen beschäftigt. Die TU versucht so Kosten zu sparen, indem sie sich einerseits der Verantwortung gegenüber den ArbeitnehmerInnen entzieht und Aufträge an die billigsten Unternehmen vergibt, und andererseits, verschiedene Unternehmen beauftragt und so die Konkurrenz schürt, die eine weitere Abwärtsspirale der Löhne zur Folge hat. Die Universität macht es somit wie der Staat und lagert große Teile des Tagesgeschäfts in die Privatwirtschaft aus. Die Einkommen, die so zu Stande kommen sind oft so niedrig, dass Sozialleistungen zur Aufstockung gezahlt werden müssen. Dem Land Berlin entstehen so weitere Kosten und die klammen Universitäten haben zukünftig noch weniger Geld zu erwarten.
Wir lehnen prekäre Beschäftigungsverhältnisse strikt ab und das nicht nur weil auch die meisten Studierenden unter solchen Vertragsbedingungen arbeiten. Die Unsicherheit, welche so geschaffen wird, dient nicht dazu mehr Beschäftigung zu schaffen, sondern die ArbeitnehmerInnen mit der ständigen Drohung der möglichen Kündigung gefügig zu machen. Ein Streik unter solchen Bedingungen erfordert ein hohes Maß an Risikobereitschaft.
Auch direkt im Wissenschaftsbetrieb sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse längst die Regel, Lehrangebote, wie Tutorien und Sprachkurse werden abgebaut und Pflichtveranstaltungen sind überfüllt.
Alles Symptome des gleichen Problems: Öffentliche Haushalte sollen zu Gunsten der Wirtschaft sparen. Beschäftigte und Studierende sind die VerliererInnen. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, uns mit den Reinigungskräften zu solidarisieren ihr Kampf ist unser Kampf, auch wenn er auf anderen Ebenen geführt wird.


Und jetzt noch etwas Lustiges.

Musik aus Mexiko.
Los Pikadientes de Caborca.
Ein paar schräge Musiker spielen zum Tanz auf.
Ein paar schräge Putzfrauen und -männer fangen an zu grooven, dass die Bretterbude wackelt.




Gewidmet allen Prekariern, denen die Lebensfreude noch nicht vergangen ist.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Oktobergedicht



Schokoweihnachtsmänner im September hatten wir schon. Alles Nervensache. Jetzt also Christstollen im Oktober. Der erste wurde heute frisch angeliefert, und ich wollte schon anfangen zu lästern; schien doch draußen die Sonne, die Luft war mild, die Bäume trugen noch jede Menge Laub und ich ein T-Shirt. Und dann kommt da so ein Christstollen. Hundert Prozent biologisch, organisch und wahrscheinlich auch dynamisch. Vom Allerfeinsten. Trotzdem, zum Christstollenessen muss man einen Rollkragenpullover anhaben, finde ich.

Fand ich. Bis das Trumm ausgepackt wurde. Ein Produkttest war angesagt. Kaum war der Stollen angeschnitten, durchzog ein unwiderstehlicher Duft den Raum: voller Süße und doch irgendwie herb, würzig und zugleich fruchtig; ein zartes, dabei nachhaltig verlockendes Aroma. Augenblicklich waren mir der Oktober, die Sonne, das T-Shirt völlig wurscht. Mir war auch wurscht, dass ein frischer Christstollen eigentlich mehrere Wochen gelagert gehört, damit sich die feinen Aromen und Geschmäcker in Ruhe entfalten können. Ich kann beschwören: Auch ein frischer, unabgehangener Christstollen ist ein Gedicht, geschmacklich gesehen. Halt anders, meinetwegen. Aber sündhaft gut.

Doch, Christstollen im Oktober geht. Geht hervorragend.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Museumsinsel


Vor einer Woche

Heute

Kultur im Treppenhaus

Montag, 26. Oktober 2009

Mrs. Mop's Mops


Ich habe einen neuen Freund. Er heißt Mops.

Weil er mir zugelaufen ist, nenne ich ihn Mrs. Mop's Mops. Zugelaufen ist mir der Mops - dachte ich -, weil er mich spontan genauso sympathisch gefunden hat wie ich ihn.

In Wirklichkeit war er scharf auf den blauen Igelball (mein Jackentaschenhandmassageutensil) rechts neben mir im Gras. Das hat er sich aber nicht gleich anmerken lassen. Anfangs hatte der Mops sich als Katze getarnt...

...und ganz scheinheilig gegrinst.

So eine Art Cheshire-Grinsekatze. Schnüffelte freundlich und neugierig um mich herum, als ob er sich ausschließlich für mich interessierte. Ruck-zuck war ich ihm verfallen. So viel zum Thema Projektionen. Während ich noch überlegte, wieviel von meinem Schinkenbrot ich ihm abgeben sollte, entschied er sich für den interessanteren blauen Happen und trottete mit dem Ball im Maul über den Acker davon. Ein Fall von Mundraub, könnte man sagen. Mrs. Mop's Mops hat den Ball gemopst.

Ich kaute allein an meinem Schinkenbrot und dachte über die Schlechtigkeit der Welt nach. Dann machte ich die Augen zu und ließ mich von der selten gewordenen Spätoktobersonne wärmen. Neben mir fing es an zu rascheln. Ohne mich zu rühren spähte ich nach rechts, wo das Geräusch herkam.

Der Mops war voller Inbrunst damit beschäftigt, mit seinen krummen Hinterpfoten den blauen Ball zu verscharren. Zuvor hatte er den Ball an exakt dieselbe Stelle zurückgebracht, wo dieser schon vor der Mopserei gelegen hatte. Nach erfolgreicher Verscharrung baute der Mops sich vor mir auf und schaute erwartungsvoll hoch.

Oh je. Das Schinkenbrot war unwiederbringlich dahin. Mich zwickte das schlechte Gewissen, den Mops der Frust.

Oh je. Mrs. Mop's Mops hat Mrs. Mop's Herz gemopst.


PS: Ich hoffe sehr, dass weder Otto noch Ernst sich jetzt ächzend im Grabe umdrehen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Schrift an der Wand


Die Postmoderne ist ein rätselhaftes Ding. Da steht man vor einer Mauerinschrift historischen Datums, muss unwillkürlich ans Kreidezeitalter denken und wundert sich über alles mögliche.


Zum Beispiel darüber, wieso die vorgeschichtliche Kreideschrift nicht längst vom Regen weggewaschen worden ist. Weil, bekanntlich endete ja die Kreidezeit mit einer großen Klimakatastrophe - Kälteeinbruch und sintflutartigen Regenfällen -, was den damals überall verbreiteten Dinosaurieren schwer zu schaffen machte und ihnen schließlich keine Überlebenschance ließ. Unfassbarerweise trotzten diese Kreidehieroglyphen allen klimatischen Unbilden und haben sich bis zum heutigen Tag gut gehalten. Ich stehe vor einem Rätsel.

Möglicherweise waren es ja die letzten Dinosauriere, welche hier ein letztes Lebenszeichen hinterlassen haben? Schaut her, uns gab es, wir waren hier, lange vor euch! Könnte doch sein. Eine Art vorsintflutliches Menetekel, um uns Neuzeitler vor dem nächsten Klimadesaster zu warnen, welches ja bekanntlich auf eine dramatische Erderwärmung hinauslaufen wird, was wiederum die ausgestorbenen Dinosauriere sehr gemütlich finden werden und was sie, die Dinos, zur langfälligen Rückkehr veranlassen wird. Könnte doch sein.

Für die Dinotheorie spricht auch die seltsam archaische Schreibweise; gut vorstellbar, dass der verquere Umlaut einem eher kleinwüchsigen Hirn entsprungen ist, das sich mit überlebenswichtigeren Dingen herumzuschlagen hatte als ausgerechnet mit der englischen Rechtschreibung. Was jetzt aber keinesfalls die Dinosauriere in irgendeiner Weise diskriminieren soll. Ist ja nicht schlimm, wenn einer kein Englisch kann. Könnten die Urviecher ja noch lernen, wenn sie demnächst zurückkehren. Könnten ja mit Guido gemeinsam einen Crashkurs abfeiern. Könnte auch sein.

Es könnte aber auch ganz anders sein. Haben womöglich die Riesenechsen den falschen Umlaut vorsätzlich in die Botschaft eingebaut? War es weder Dummheit noch Versehen noch fehlendes Sprachvermögen, sondern glatte Absicht? Könnte doch sein. Machen die postmodernen Blogger schließlich auch, wenn sie ihre Mailadressen nicht unverschlüsselt rausrücken wollen, ät oder ätt oder ähnliches, kennt man ja. Plötzlich erscheinen die Kreidezeichen an der Wand gar nicht mehr so archaisch, sondern recht zeitgemäß, irgendwie. Was in aller Welt wollten die Dinosauriere uns damit sagen? Na, ganz einfach: dass wir sie mal nicht unterschätzen sollten. Die haben nämlich gebloggt, die Dinosauriere. Schon damals. Könnte doch sein.

Bloggende Dinosauriere. Wie kam ich da jetzt gleich nochmal drauf? Ach so ja, heute ist der 25.10.

Samstag, 24. Oktober 2009

Freitag, 23. Oktober 2009

Blogseufzer


Es gibt Tage, da läuft nichts. Absolut nichts. Solche Tage fangen mit bX-9d2teg an. Heute war so ein Tag. Gegen fünf Uhr früh saß ich vor dem Computer, wollte ins Blog, konnte aber nicht. Eine bildschirmfüllende bX-d2teg-Barriere baute sich vor mir auf. Fehlermeldung. Nichts lief. Absolut nichts.
Ich saß da wie vom Donner gerührt. Mein Blog war weg! Es war ein grausliger Moment. Ich fühlte mich mutterseelenallein. Wobei ich eh morgens um fünf zu denken geneigt bin, ich sei der einzige Mensch auf der ganzen Welt, der um halb fünf aufstehen und um halb sechs aufs Fahrrad muss, was natürlich, bei Tageslicht betrachtet, Blödsinn ist, aber ich schwöre es, um fünf in der Frühe wird man für solche Mutmaßungen über sich und die Welt hochgradig anfällig. Schlimmer noch: Wenn dann so eine heimtückische bX-9d2teg-Meldung hinzukommt, ist der Weg zur Paranoia ein kurzer. Weil, wie gesagt, mein Blog war weg. Ich drehte am Rad.

Dann setzte ich mich aufs Rad. Während der ganzen Fahrt kreisten meine Gedanken unaufhörlich nur um das Eine. Mein Blog war weg. Es war früh, es war dunkel, es war kalt, und jetzt war auch noch mein Blog weg. Schlimmer kann es eigentlich nicht kommen. Gut, man hätte jetzt beispielsweise die Schweinegrippe noch obendrauf packen können, und überhaupt, was im Falle eins Nuklearkrieges? Aber es hat auch so gelangt. Ich drehte am Rad.

Nachdem Frau Übermop mir beim Türöffnen prüfend ins Gesicht geschaut hatte, beschloss sie, dass ich einen durch und durch unansprechbaren Eindruck machte und handelte entsprechend. Für so etwas hat sie einen Riecher. Sie ließ mich in Ruhe. Zwei Stunden lang wütete ich unansprechbar durch die Küche und drehte am Rad.

Kurz nach acht Uhr hielt ich es nicht mehr aus. Ein Getränkelieferant lieh mir netterweise sein iPhone. Was soll ich sagen? Mein Blog war immer noch weg, bX-9d2teg ruled. Ich versank in der Tiefe meiner schwärzesten Gedanken. Dann klickte ich auf das Hilfeforum und bekam wieder Oberwasser: Inzwischen hatten sich dort ein paar frustrierte Blogger eingefunden und schimpften wie die Rohrspatzen, weil ihre Blogs nicht funktionierten. Ich schöpfte neue Hoffnung. Ich war nicht die einzige. Ich war nicht mehr mutterseelenallein. Es ging mir besser. Zumindest drehte ich nicht mehr am Rad.

Eine Stunde später ging es mir richtig gut. Erneut hatte ich mir Zugang zu einem netzfähigen Mobilteil verschafft (unglaublich, wie einfallsreich der Mensch in der Not wird), mein Blog war immer noch weg, aber ebenso die Blogs von gefühlten hundert anderen Bloggern, die im Hilfeforum reihenweise ausrasteten. Verschwörungstheorien wurden entwickelt, "gezielte Sabotage-Akte" und so Sachen. Die Massenpsychose wirkte sich harmonisierend auf mich aus. Ich bekam wieder Farbe ins Gesicht, während die anderen kollektiv am Rad drehten.

Ich glaube, es war 9:42 Uhr gewesen, als jemand endlich Entwarnung gab: alle Blogs wieder da! Das Leben war schön. Am liebsten hätte ich auf der Stelle einen Stoßseufzer der Erleichterung rausgebloggt. Ging nun aber wirklich nicht, während der Arbeitszeit.

Drum an dieser Stelle ein letztes tiefes Seufzen.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Neues vom Campus


Bekanntlich ist ja am Dienstag dieser Woche die Prekäre Universität Berlin gegründet worden, und man wüsste zu gern, was nun, zwei Tage später, aus ihr geworden ist: Konnte sie sich halten? Wie steht sie im deutschen Hochschulranking da? Gibt es bereits Exzellenzinitiativen? Erhebt sie Studiengebühren? - und ähnliches mehr wäre interessant zu erfahren, aber es ist nichts zu erfahren; netzauf, netzab - nichts.

Nochmals die magere Faktenlage: Am Dienstag drohte die (ehemalige) Technische Universität in Berlin gebäudereinigerstreikbedingt im Dreck zu versinken; als einzig sinnvolle Rettungsmaßnahme kam eine Neugründung samt Umbenennung in Frage, weshalb die ehemalige Technische Universität in Berlin seit Dienstag - oder zumindest am Dienstag - als Prekäre Universität Berlin öffentlich auftrat. Sie wurde, wenn ich es richtig verstanden habe, des studentischen Dreckes nicht Herr.

Ganz anders die Problemlösung in Frankfurt am Main. Beim dortigen Studentenwerk hat man den Stier bei den Hörnern gepackt und am ersten Oktober eine eigene Tochtergesellschaft gegründet; das neue Unternehmen führt Reinigungsdienstleistungen durch, und zwar speziell für Einrichtungen des Studentenwerks, also Mensen, Cafeterias, Wohnhäuser. Auf dass die Studierenden nicht im Dreck versinken.
Nun ist der erste Oktober noch nicht allzu lange her, und wir erinnern uns, dass Ende September der gesetzliche Mindestlohn von 8,15 Euro in der Gebäudereinigungsbranche aufgehört hat zu existieren. Da haben sich wohl ein paar kluge Köpfe beim Studentenwerk gedacht: bloß nichts anbrennen lassen, schnell und professionell reagieren, wir machen unser eigenes Ding und machen es besser als die anderen. Die anderen, das sind die Fremdreinigungsfirmen, deren Personal bis dato für das Studentenwerk geputzt hatte. Mit denen will das Studentenwerk nicht mehr. Warum und wieso, lässt sich aus seinem programmatischen Statement herauslesen:

Die Reinigungsqualität ist insbesondere in den öffentlichen Flächen der Verpflegungsbetriebe des Studentenwerks Frankfurt am Main aufgrund von Hygienevorschriften von besonderer Bedeutung. Auch für die Wohnhäuser ist dies ein Thema von hoher Relevanz. Bisher wurde die Reinigung der Flächen von Fremdfirmen vorgenommen.

Um eine gleichbleibend hohe Qualität der Reinigungsdienstleistungen gewährleisten zu können, hat sich das Studentenwerk Frankfurt am Main entschieden, mit einer Reinigungsfirma eine gemeinsame GmbH zu gründen. Dabei hält das Studentenwerk als Hauptgesellschafter 51% der Stimmrechtsanteile.

So wird sichergestellt, dass die Angestellten zu Tariflöhnen beschäftigt werden, außerdem hat das bei der neuen GmbH angestellte Reinigungspersonal eine engere Bindung an das Studentenwerk Frankfurt am Main. Die Motivation der Angestellten, die Arbeit zuverlässig zu erledigen, soll somit gesteigert werden.

Ein Unternehmensbekenntnis zum Tariflohn ist schon mal ein dickes Plus in Zeiten prekärer Beschleunigung. Die Frankfurter Studentenwerker zahlen Tariflöhne, nicht weil sie sozialromantische Träumer sind, sondern weil sie Einsparpotentiale zu erkennen und sinnvoll zu nutzen wissen. Rechnen können sie jedenfalls beim Studentenwerk:

Aufgrund der GmbH-Gründung ergeben sich signifikante Einsparungen, da durch die gemeinsame Organschaft von Dienstleister und Studentenwerk keine Mehrwertsteuer (derzeit 19%) entrichtet werden muss. Weiteres Einsparpotenzial entsteht durch effizienteren Mitarbeitereinsatz, den wegfallenden Unternehmermargenaufschlag auf in Anspruch genommene Leistungen und den günstigeren Einkauf von Verbrauchsmaterialien.

Das Ganze klingt nach einer spannenden Initiative im universitären Umfeld; vielleicht nicht exakt das, was gemeinhin unter einer Exzellenzinitiative verstanden wird - aber eine exzellente Initiative ist es allemal. Ich bin mir fast sicher, dass die mit dem Dreck fertig werden.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Putzleute


Mittwoch ist Fensterputztag, jedenfalls wenn schönes Wetter ist, und heute war extrem schönes Wetter. Sieben große Restaurantfenster, Oberlichter, innen, außen, Rahmen. Das größte Fenster geht aus unerfindlichen Gründen nicht zu öffnen, so dass ich draußen auf eine Riesenleiter steigen muss, um überall ranzukommen. Weil aber genau unter der Leiter sich der Zugang zur Kellerluke für die Bierfässer befindet, steht die Leiter etwas uneben. Sie neigt daher zum Wackeln und wird deshalb von Frau Übermop festgehalten, während Mrs. Mop die Leiter hochturnt. Oben angekommen - das heißt, ein Fuß auf dem Fenstersims und der andere auf der Leiter - folgt die übliche Prozedur: Scheiben abwaschen, klarwaschen, trockenwischen. Mrs. Mop wischt, Frau Übermop hält fest. Immer eine gute Gelegenheit für ein Schwätzchen.

Natürlich hatten wir es heute von dem aktuellen Gebäudereinigerstreik. Mir fiel auf, dass jedes Mal, wenn ich 'Gebäudereiniger' sagte, die Leiter leicht ins Wackeln kam. Weil nämlich Frau Übermop bei dem Wort Gebäudereiniger so eine Art aversives Zucken bekommt. Wie das? Der Begriff Gebäudereiniger klinge "blöd", "affektiert", "so zurechtgedrechselt", "künstlich", "drumrumgeredet", "wie geschminkt". Ich gab ihr in allen Punkten recht.
Wieso ich das blöde Wort dann verwenden würde, fragte sie und schaute hoch. Ob sie ein besseres habe, fragte ich zurück in die Tiefe, schon im Interesse eines sicheren Trittgefühls. "Natürlich, Putzleute heißt das, wie denn sonst", kam es mit fester Stimme von unten, "Putzleute, und der Fall ist klar". Fand ich nicht unplausibel. Also wechselte ich die Terminologie, und tatsächlich, die Leiter blieb stehen wie ein festzementierter Bohrturm, ohne das leiseste Wackeln.

Man wird es nicht sofort bemerken, aber irgendwann sind die Fenster trübe,
orakelt heute die Frankfurter Rundschau zum gerade erst begonnenen Streik; die Putzleute Mop und Übermop können versichern, dass 'irgendwann' schneller eintritt, als manchem lieb ist, und dann gibt es ein Problem. Aber es gibt auch eine Lösung. Man muss nur drauf kommen.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Akademisches Prekariat


Heute ging es rund bei den Gebäudereinigern Gesamtdeutschlands. Nach erfolgreicher Urabstimmung wurde bundesweit gestreikt. Und zwar gezielt an solchen Stellen, wo es weh tut - Rathäuser, Schulen, Großbüros, Flughäfen. Am besten gefallen hat mir diese Meldung in den Radionachrichten:
Flugzeuge mussten verschmutzt abheben.
Ja, das müssen sie dann wohl oder übel, wenn keiner sie putzt, die armen Flugzeuge. Interessant war, dass der Nachrichtensprecher jenen Satz mit so viel Pathos auflud, dass man beim Zuhören mindestens drei Ausrufezeichen mithörte. Flugzeuge mussten verschmutzt abheben!!! Es klang in etwa so dramatisch, wie wenn er uns informiert hätte: Tausende Menschen mussten evakuiert werden!!! Wenn nicht noch dramatischer.
Verschmutzte Flugzeuge, welch ein Drama. Sollen sie halt weniger Schmutz machen, die Fluggäste; warum fordert man sie nicht via Bordfunk höflich auf, sich auf den Toiletten bitteschön ein wenig zusammenzureißen, im Interesse aller? Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän, bitte unterlassen Sie es, unser Flugzeug so zu verschmutzen wie Sie das normalerweise gerne tun, es ist nämlich keiner bereit, Ihren Dreck wegzuräumen, ich danke Ihnen und wünsche einen guten Flug. Geht doch.

Gut fand ich auch, was der Tagesspiegel brachte, nämlich eine spannungsgeladene Fast-Livereportage von einem Streikbrennpunkt in Berlin:
Um kurz vor sechs ist es am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg noch dunkel und bitter-kalt.
Ich bibbere solidarisch mit, auch außerhalb Charlottenburgs friert man sich im frühen Morgendunkel den Hintern ab.
Nur vereinzelt huschen Fußgänger vorbei, um aus der Kälte in die U-Bahnstation zu flüchten.
Gut beobachtet. Die Huscher blasen immer gigantische Atemwolken vor sich her, bevor sie hastig im Untergrund verschwinden. Doch dann zerreißt ein Schuss die dunkle Stille:
Doch hundert Meter weiter kann man ihn plötzlich hören: Den Startschuss für den bundesweiten Streik der Gebäudereiniger. Ein ohrenbetäubendes Trillerpfeifen-Konzert weist den Weg zur Technischen Universität, die heute dreckig bleiben wird.
Die Technische Universität wird heute dreckig bleiben! Das ist nicht schön, aber schön gesagt. Universitäten bleiben dreckig, Flugzeuge müssen verschmutzt abheben. Damit nicht genug:
Über einen Teil des Logos am Haupteingang haben die Streikenden ein Banner gespannt. "Prekäre Universität Berlin" ist jetzt zu lesen.
Ha! Prekäre Universität Berlin! Heiliger Strohsack, ist das gut. Mir geht ja ansonsten das gewerkschaftstypisch Humorige eher ab, aber Prekäre Universität Berlin - das ist richtig gut. Wann gibt es endlich ein schönes Foto von der Berliner Prekäruni im Internet? Leider habe ich trotz heftigen Netzabklapperns nichts gefunden.
Was umso bedauerlicher ist, als ein offenbar völlig humorbefreiter Berliner Tagesspiegelleser namens 'zacha' in seinem Kommentar an der verunstalteten Hochschulfassade herumnörgelt:
Übrigens finde ich es eine Sauerei wenn zum Beispiel an der TU "zufällig" zum Streiktag Klopapierrollen an den Fassaden hängen,
worüber man sich aber keine Sorgen machen muss, denn derselbe Kommentator findet es auch eine Sauerei, dass ein anderer Kommentator 8,15 Euro pro Stunde für einen Hungerlohn hält. So hoch ist der (seit Ende September nicht mehr) gesetzlich abgesicherte Mindestlohn für Gebäudereiniger.

A: Und wo studieren Sie so?
B: An der Prekären Universität Berlin.
A: Ach ja, welche war das gleich noch mal?
B: Das ist die, wo vorne dran lauter bunte Klopapierrollen hängen.
A: Ah. Was studieren Sie denn so?
B: Moderne Gebäudereinigungstechniken, mit Bachelorabschluss.
A: Was Sie nicht sagen.
B: Ja, ein sehr prekä-, ähm, praxisorientierter Studiengang, bei uns reiht sich ein hausinternes Praktikum ans nächste.
A: Glauben Sie, damit finden Sie mal einen Job?
B: Auf jeden Fall, die Prekäre Universität würde uns doch am liebsten jetzt schon ganztags einstellen.
A: Für was?
B: Fürs Putzen. Wo die doch jetzt eh alle streiken.
A: Ach so.
B: Na klar, zur Zeit putzen alle Studierenden täglich die Uni, komplett. Studienbegleitend sozusagen.
A: Ist ja irre.
B: Ja, nicht wahr? In zwei Wochen fange ich mein nächstes Praktikum an. Die Unitoiletten haben es mal wieder nötig. Kloputzpraktikum für Erstsemester.
A: Heftig.
B: Die Konkurrenz schläft nicht. Wissen Sie, bei den Kollegen vom naturwissenschaftlichen Fachbereich sind Theorie und Praxis ebenfalls eng verzahnt. Was meinen Sie, an was die grade mit Hochdruck forschen? Die wollen selbstreinigende Klosysteme entwickeln!
A: Ach du meine Güte. Dass Sie später mal bloß nicht arbeitslos werden.

Montag, 19. Oktober 2009

Sonntag, 18. Oktober 2009

Raus mit der Sprache


Die Frage: Und wo arbeiten Sie? klingt ja so ähnlich wie die schon erwähnte Frage: Und was machen Sie so beruflich?, und worauf die Fragerei eigentlich hinausläuft, ist klar: Kann ich mal Ihren sozialen Status abtasten?


Wenn nun die Antwort darauf hinausläuft, einen niedrigen sozialen Status preiszugeben (beispielsweise Putzfrau oder Prostituierte), tut die Antwortende gut daran, genau zu wissen was sie tut. Und das heißt zuallererst: raus aus der Defensive! Kein Rumeiern, kein Rumgedruckse, Ross und Reiter nennen. Feste Stimme. Fester Blick. Unbefangen reagieren zu können auf die Befangenheit des Fragenden, wenn eins der P-Worte erst einmal gefallen ist - darin liegt die Kunst.
Klingt einfach. Ist schwer. Und dann doch wieder leicht. Dauert lange.

Ich bin noch am Üben. Das Üben lohnt sich. Manchmal merke ich zu meiner Überraschung, wie ich anfange, Situationen zu genießen, die ich früher gemieden habe wie die Pest.
Ich selber rede auch nicht besonders gern darüber. Obwohl mein Bedürfnis, davon zu erzählen, groß ist. Also dachte ich mir: warum nicht bloggen?,
lese ich in meinem ersten Blogeintrag. Und tatsächlich, vor fünf Monaten war ich noch bemüht, besagten Undwasmachstduso?-Ritualen aus dem Weg zu gehen. Weil sie mich genervt haben. Weil sie stets nach dem gleichen Muster abliefen. Weil ich mich ihrem stets gleich ablaufenden Muster ausgeliefert gefühlt habe. Weil mir nicht bewusst war, dass ich es mir in der Defensive bequem gemacht hatte.

Üben heißt: Bewusst aus jener Grauzone der Defensive im Gespräch heraustreten. Konturen annehmen. Auftreten. Handeln statt Reagieren. Gestalten statt Hinnehmen. Steuern statt Ertragen. Durchatmen. Sich aufrichten. Niedriger sozialer Status? So what. Kein Grund, sich zu ducken.

In Salon.com, einem amerikanischen Onlinemagazin, gibt es eine Ratgeberkolumne für alle möglichen Lebensfragen. Eine Leserin hatte sich lamentierend an den Kolumnisten gewandt: Es sei ja wohl nicht korrekt, einer Frau, von Beruf Stripperin, das Negativlabel Stripperin zu verpassen und die Stripperin tatsächlich eine Stripperin zu nennen. Das sei diskrimierend, klagte jene Leserbriefschreiberin. Nachdem der um Beistand gefragte Kolumnist in warmen Worten geantwortet und der Leserin Balsam auf die wunde Seele gestrichen hatte, brach ein kontroverser Kommentarsturm los.

So weit, so unrelevant. Wäre da nicht ganz am Ende des Threads ein bemerkenswerter Kommentar aufgeschlagen, wo sich ein Profi mit niedrigem sozialen Status zu Wort meldet. Klartext redend, mit Konturen und aufrechtem Gang:

As a sexworker, I completely understand.

Yes, that's right folks. I am a sexworker. You may know me as a hooker, prostitute, whore, etc. However, I am also your next door neighbor, the woman who generously gives to the Streetwise guys every single day, the woman who you see at the gym on the treadmill, the woman you see volunteering at a street festival or the woman out on the street walking her very cute dog. Do I look like a sexworker? Well, no, I probably don't look like any sexworker most people imagine. I'm rather average with cute face and relatively okay body. I am not hot by any stretch of the imagination. Basically, I look like any other woman living in my Chicago neighborhood.

What's the point of the above paragraph? It's because I know first hand how it feels to be judged SOLELY on the basis of my occupation. If I'm feeling sassy, I come right out with it at social events. The look of shock and horror is almost always amusing. Most people say, "Seriously?" Yes, seriously folks. I give hand jobs for a living. Their image of me completely changes though. I turn into a monster who is addicted to meth, beats her 14 children and was molested as a child by her multiple stepfathers. It doesn't bother me anymore though. People, in general, are small minded. Sexwork, stripping, illegals and all kinds of other things make them uncomfortable. People like to judge and classify. That will never change. What has to change (and I say this because I have a hunch you may be a stripper) is how you feel about yourself. People cannot hurt you unless you let them. Who cares what other people, strangers at that, say about strippers, illegals, etc. You cannot control those people. You can only control your reaction to those people. If you're a kind, compassionate person who likes and respects herself. what other people think doesn't matter.

-- windycityolive


Ich ziehe meinen Hut.


Samstag, 17. Oktober 2009

Abspann



Schwellen sind zum Überschreiten da.

Freitag, 16. Oktober 2009

Blue Barbie


Ab heute gibt es die Novemberausgabe der Zeitschrift Playboy am Kiosk. Mit einem weiblichen Cartoon als Covergirl.

via TMZ

Man weiß nicht, was Homer dazu sagt. Man kann es sich aber denken, wenn Model Marge Simpson im Playboy-Interview aus dem Nähkästchen plaudert:

PLAYBOY: As a stay-at-home mom, what do you pride yourself on doing around the house?

SIMPSON: Searching for your magazines and throwing them away.


PLAYBOY: In the bedroom?

SIMPSON: Yes, they’re usually in the bedroom.

Irgendwann beim Ausmisten hat sie bestimmt auch diesen Männertitel bei Simpsons unterm Sofa gefunden:


Seither ist Marge Simpson im Putzstreik.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Aufs Glatteis


Wenn es frühmorgens heißt:
"Gefahr der Glatteisbildung
infolge Bodenfrost
und teils dichten Frühnebelfeldern",
dann ahnt man Böses.



Es war dann aber alles halb so wild.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Müllabfuhr unplugged


Wer bringt den Müll raus? Natürlich Mrs. Mop. Wer haut dabei im Hof gern auf die Deckel der leeren Mülltonnen, weil dann so ein schön dumpf-dunkles Wummm erklingt in der unschön dunkel-dumpfen Morgenfinsternis? Mrs. Mop, wer sonst. Wenn nun sage und schreibe vier Müllträger auf vier Mülltonnen dumpf-dunkel rumwummern, dann, na klar, freut sich Mrs. Mop einen ab.


He du da heißt das afrikanisch inspirierte Stück. Die perkussive Begleitung kommt ausschließlich aus der Tonne. Jede Tonne klingt anders. Jeder Trommler trommelt seinen eigenen Rhythmus. Alle vier zusammen wummern und grooven, dass es einen aus der Tonne hüpfen lässt.
Der Song handelt - wovon wohl - von der Müllentsorgung. Und zwar von der kompletten Prozesskette oder: wie die häusliche in die öffentliche Müllhalde überführt wird. In einfachen Worten, leicht verständlich. Beim ersten Hören der zweiten Strophe verstand ich folgendes:
Hey Mama!
Hey Mama!
Hey Mama!
Mülleimer voll, Mama, Müll in die Tonne.
Mülleimer leer, geht er wieder zurück.
Nanu, dachte ich mir, schnöselt sich da einer durchs Hotel Mama? Lässt sich durchpäppeln, bringt noch nicht mal den Müll raus und singt darüber auch noch? Es stellte sich dann aber als ein dialektbedingter Hörfehler heraus; wenn ein Sänger aus dem norddeutschen Kiel ma ma singt, muss nicht unbedingt die Herbergsmutter gemeint sein. Vielmehr will uns die Müllcombo sagen: 'Mach mal Müll in die Tonne'. Wenn man es erst einmal versteht, ist der Song sehr witzig. Die bunten Klangkörper sind es sowieso. Müllabfuhr unplugged. Zum Abfahren.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Montag, 12. Oktober 2009

Rad und Tat



Aber klar doch.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Und was machst du so?


Früher oder später ist sie ja regelmäßig fällig, die allseits beliebte Frage: "Und was machst du so?". Jeder versteht sofort, was gemeint ist, nämlich: was man denn so beruflich mache.
Nun ist es in meinem Fall mit der ehrlichen Beantwortung dieser Frage so eine Sache. Sie, die ehrliche Antwort, gerät schnell zum Konversationskiller. Feststellbar immer daran, wenn beim Gegenüber ein Wimpernzucken stattfindet und sich die Augenlider für einen Augenblick verengen, die Lippen sich straffen und leicht nach innen gezogen werden, so als ob er/sie sich auf die Lippen beißt. Und dann weiß ich schon, ab jetzt wird's anstrengend.

Es geht auch anders. Um zu vermeiden, dass der Smalltalk übers Berufliche kommunikativ nach hinten losgeht, reichen schon ein, zwei simple Maßnahmen, damit der Gesprächskontakt locker weiterplätschern kann. Habe ich heute festgestellt.

Bei einem Essen wurde ich gefragt: "Und was machst du so beruflich?", worauf ich der Fragenden für einen Moment eindringlich in die Augen blickte und sie dann zurückfragte: "Willst du das wirklich wissen?"
"Klar", sagte sie, "deshalb frage ich doch, weil's mich interessiert, was du beruflich so machst."
"Also gut - Putzfrau."
"Nee jetzt, im Ernst mal. Interessiert mich wirklich."
"Wieso, traust du mir das nicht zu, Putzfrau?"
"Ja doch, oder nee, ja also eigentlich wollte ich..."
Ich halte den Blickkontakt. Eben war gegenüber schon die erste Wimper am Zucken. Ich frage:
"Tut's dir jetzt leid, dass du die Frage gestellt hast?"
und lächle dabei breit, woraus fälschlich der Schluss gezogen wird, ich habe bloss Spass gemacht. Sie grinst, beugt sich etwas nach vorne und fragt mit abgesenkter Stimme:
"Jetzt sag doch mal, was machst du wirklich beruflich?"
Ich schaue mich nach allen Seiten um und antworte leise hinter vorgehaltener Hand:
"Drogendealerin."
Großer Heiterkeitserfolg. Wiehernd trabte die Fragende in Richtung Buffet.

Als ich später selbst am Buffet nachschöpfte, hörte ich neben mir erneut ihre Stimme. Sie ließ nicht locker. Sie war von zäher Neugierde und setzte zum dritten Landeanflug an:
"Sag mal, warum machst du eigentlich so ein Geheimnis aus deinem Job?"
Da war ich platt. Da fiel mir nichts mehr ein. Außer dass ich das Ganze saukomisch fand. Ich musste laut lachen. Sie gab Ruhe. Gerne hätte ich noch etwas Passendes draufgesetzt, aber leider fiel mir für diese verzwickte Situation nichts Passendes ein, erst auf dem Heimweg:
"Weißt du, unter uns, in Wirklichkeit gehe ich auf den Strich."
Sahnehaubenmäßig. Muss ich mir fürs nächste Mal merken.

Samstag, 10. Oktober 2009

Kopflos


Worum handelt es sich hier? Um das, was man ein schönes Paar nennt?

Ein Herr, der seiner kopflosen Dame ritterlich das Täschchen trägt. Könnte auch seine frühreife Tochter sein, nach der Körpergröße. Arme hat sie auch keine, die Arme, weder fürs Täschchentragen noch für andere Aktivitäten. Ein echter Fall von Schwerstbehinderung.
Was zum Teufel will uns das Deutsche Rote Kreuz damit sagen?
Die DRK-Sozialarbeit wendet sich an Menschen jeden Alters. Sie verhindert, betreut und versorgt soziale Einschränkungen aufgrund von Erkrankungen und Notfällen.
Könnte hinkommen. Ohne zu dramatisieren, lässt sich hier von einem Notfall sprechen, rundum gut betreut. Wo bloß der Kopf geblieben sein mag? Vielleicht hier.

(Gesehen an einem Informationsstand des Deutschen Roten Kreuzes)

Freitag, 9. Oktober 2009

Gebäudereinigerstreik


Seit heute früh streiken am Frankfurter Flughafen die Putzfrauen. Um Punkt 4:30 Uhr ging es los. Als ich wie immer um sechs Uhr anfing zu arbeiten, hatten die Kollegen am Frankfurter Flughafen längst damit aufgehört. Noch handelt es sich 'nur' um einen Warnstreik; jedoch läuft zeitgleich eine Urabstimmung unter den gewerkschaftlich organisierten Gebäudereinigern. Sollten diese sich mehrheitlich für einen Streik entscheiden,
könnten bereits ab dem 16. Oktober die Besen in weiten Teilen der Republik stillstehen,
wie die Industriegewerkschaft Bau es ausdrückte.

Jetzt mal ehrlich, das klingt ja ganz nett, Stillstand der Besen, noch dazu republikweit. Aber soll es denn nett klingen? Baut man mit stillstehenden Besen eine angemessene Drohkulisse auf, mit welch drastischen Streikfolgen (im Falle eines Streikvotums) die Republik zu rechnen hätte? Oder würde ein irgendwo in China umgefallener Reissack die Bevölkerung eher zum Ausrasten bringen? Alle Besen stehen still. Sach bloß. Dann wird's halt ein paar Tage lang auf den Flughäfen, in den Rathäusern und Schulen ein bisschen staubiger als sonst aussehen - was soll's.

Schon klar, die Gewerkschaften verstehen sich in der Tradition der Arbeiterbewegung. Deshalb wollen sie, dass es den Leuten bei stillstehenden Besen in den Ohren klingelt und sie, die Leute, wie auf Knopfdruck denken: Aha, wie ging das nochmal - genau, Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will. Ob jetzt Räder oder Besen, ist eh wurscht. Hauptsache, in der Tradition, irgendwie. Dein starker Arm. Weh tut das garantiert keinem.

Wie wär's damit: Im Falle eines Streikes könnten bereits ab dem 16. Oktober die öffentlichen Toiletten in weiten Teilen der Republik wegen akuter Verschmutzung nicht mehr benutzbar sein. (Gleiches gälte vermutlich für die meisten privaten Toiletten.) Das klingt doch gleich viel bedrohlicher. Dreckige Klos landauf, landab - das schmerzt. Weh tun muss es. Es ist der Dreck, der weh tut, nicht der ruhende Besen.

Nun war das heute am Frankfurter Flughafen nicht die erste Aktion dieser Art. Vorausgegangen waren bereits Warnstreiks in anderen deutschen Städten, zum Beispiel in Duisburg. Grund des Konfliktes ist das Wegbrechen des gesetzlichen Mindestlohns (8,15 Euro in der Gebäudereinigungsbranche) - seit Ende September. In einem anderen Streikvideo aus Duisburg deutet eine gelernte Glas- und Gebäudereinigerin an, wie unangenehm es für die Allgemeinheit werden könne, wenn sich keiner mehr bereit erklärt, die öffentlichen Toiletten zu putzen. Sehr unangenehm, und zwar innerhalb sehr kurzer Zeit. Sie macht nicht viel Worte, aber man bekommt ein gruseliges Gefühl, wenn man ihr zuhört.

Am Flughafen Frankfurt war heute früh von 4:30 Uhr bis 8.00 Uhr keine einzige Toilette geputzt worden. Dreieinhalb Stunden. Als Eingeweihte ist mir eins klar: Um nichts in der Welt hätte ich um kurz nach acht eine Flughafentoilette aufsuchen wollen müssen. Ich kenne mich aus. In dreieinhalb Stunden geschieht vieles auf einer öffentlichen Toilette. In drei Tagen noch sehr viel mehr. Drei Wochen wären das Inferno.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Hacker und andere


Knoblauch rockt. Knoblauch nervt. Knoblauch polarisiert: quetschen oder hacken? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Ich selbst bin ein erklärter Freund des Quetschens (mit dem Messerrücken) und sage auch warum: Es geht flott, duftet herrlich, und die ausgekochten Knoblauchrückstände lassen sich leicht aus dem Sud wieder heraus fischen. Wer mag, kann sie drin lassen und mitessen. So weit, so pragmatisch.
Andere Knollenliebhaber schwören aufs Hacken, sei es grob oder fein. Manche sagen, das sei gesünder - also, nicht das Hacken selbst, sondern der kleingehackte Knoblauch. Der entfalte nämlich seine ohnehin gesunden Wirkstoffe (welche, vergesse ich immer) kleingehackt auf noch gesündere Weise. Das klingt gut, ist mir aber egal. Andere Hacker behaupten, beim Quetschen gingen die Aromastoffe flöten. Das klingt nicht gut und ist mir nicht egal, denn eben wegen seines Aromas liebe ich ja die Knolle. Andererseits, egal wie ich den Knoblauch zerkleinere, es wird immer Aroma entweichen - aus diesem Grund zerkleinere ich ihn ja. Oder? Also was jetzt.

Recherche tat not. Gottseidank sitze respektive putze ich an der Quelle, sprich Gastronomie, bekomme also Expertenknowhow aus erster Hand.
Frau Übermop zum Beispiel gehört zu den Hackern. Wieso sie hacke und nicht quetsche, wollte ich heute früh beim ersten Kaffee von ihr wissen. "Weil Hacken das Natürliche ist", kam die Antwort auf gut Übermopsch; wie immer etwas kryptisch, so im ersten Moment, "es quetscht doch kein Mensch Knoblauch." Doch, ich. Sie schaute mich an wie man ein Zootier anschaut. Wieso ich quetsche und nicht hacke, wollte sie von mir wissen. Ich erklärte es ihr. Frau Übermop schüttelte den Kopf. "Je feiner ich den Knoblauch zerkleinere, desto mehr Oberfläche hat er, desto mehr Aroma kann er freisetzen." Das klingt vernünftig und überzeugt mich trotzdem nicht. Weil ich nun mal finde, mein zerquetschter Knoblauch setzt ein unnachahmliches Aroma frei.

Ich ging in die Küche und fragte die Köche. Hacken oder quetschen? Klare Ansage: entweder fein hacken oder als ganze Zehe zum Spicken verwenden, das heißt in 90 Prozent aller Fälle hacken. Begründung: a. höhere Rohstoffausnutzung, b. geht schneller. Als Quetscher sah ich meine Felle davonschwimmen. "Das Hacken ist eine Gewohnheit", ergänzte die senegalesische Küchenhilfe, während sie Kartoffeln schrubbte, "hier in Deutschland wird das halt so gemacht." Täuschte ich mich oder rollte sie bei ihren letzten Worten ein wenig die Augen? Sie fuhr fort: "In Afrika verwenden wir ausschließlich große Mörser. Kein Mensch hackt Knoblauch in Afrika." Aha. Afrika quetscht. Europa hackt. Dann grinste sie ein bisschen und sagte zu der Kartoffel in ihrer Hand: "Aber wir haben ja auch mehr Zeit in Afrika."

Einer der Geschäftsführer des Restaurants ist griechischer Herkunft. Ein Grieche! Bekanntlich kommen die Griechen ja mit Knoblauchknollen zwischen den Zehen auf die Welt. Der musste es also wissen. Als guter Grieche machte er gleich eine neue Baustelle auf: "Hacken? Quetschen?", meinte er, "Unsinn, die Zehen müssen gerieben werden." Wieso das denn? "Weil du alles vom Knoblauch willst, den Saft, den Brei, alles. Deshalb reibst du ihn. Damit der Knoblauch dein Essen möglichst kraftvoll durchdringt." Das hatte poetische Kraft. Das gefiel mir. Solange ich dabei nicht an meine Fingerkuppen dachte.
Der Poet hielt kurz inne, dann fiel ihm ein: "Meine Oma in Griechenland nahm immer einen Mörser. Darin hat sie den Knoblauch stundenlang zerdrückt und zermalmt und zerrieben, bis er ein glatter weißer Brei war." Er ließ durchblicken, dass er sich für den Gebrauch eines Mörsers irgendwie für zu jung oder "sagen wir mal, zu modern eingestellt" halte. Na ja, fügte er hinzu, was hätte die Oma auch anderes machen sollen - damals habe es halt noch keine Reibe gegeben. "Heutzutage nimmt doch kein Mensch mehr einen Mörser für Knoblauch."

Doch, dachte ich, die Afrikaner. Und, wer weiß, vielleicht bald auch ich. Weil mir das Prinzip des steten Zermalmens und Zerdrückens sehr zusagt. Jetzt erwäge ich die Anschaffung eines mittelgroßen Mörsers. Zeit genug hätte ich ja.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Unter den Linden


Lindenstraße? Als Thema in meinem Blog? Wäre mir nicht im Traum eingefallen, als ich mit dem Bloggen anfing.

Weder Lindenstraße noch Wasserstraße. Noch Mirabellenbäume. Oder dass ein Regenbogen mich je zu einem Blogbeitrag animieren würde - nie im Traum wäre mir so etwas eingefallen. Nichts gegen Regenbögen, hätte ich gesagt, sie sind schön anzusehen, aber mehr muss zum Thema Regenbogen eigentlich nicht verlautbart werden. Wegen verschärfter Kitschgefahr. Mich übers Wetter oder die Jahreszeiten bloggend zu verbreiten, wäre mir irgendwie trivial erschienen. Vorausgesetzt, so etwas wäre mir überhaupt eingefallen.

Inzwischen fallen mir solche Trivialitäten ständig ein und auf. Längst finde ich sie nicht mehr trivial, sondern immer interessanter und bewegender. Mein jetziger Arbeitsplatz bringt es mit sich, dass ich sensibler geworden bin für das Kommen und Gehen der Jahreszeiten. Weil ich so früh aufstehen und so lange radfahren muss. Es sind die vierzig Minuten Fahrweg in der Frühe (mit Steigungen) und die dreißig Minuten Rückfahrt (rollen lassen). Es ist das Draußensein. Das Unterwegssein. Die Luft. Das Wetter. Die Bäume. Die Früchte. Das Laub. Der Geruch. Die Veränderung. Die langsame, stetige Veränderung. Tag für Tag. Nichts bleibt wie es ist.

Heute hat sich in der Lindenstraße der Sommer noch einmal aufgebäumt. Regenschwere, warme, windige Luft mit viel Sonne. Im T-Shirt radfahren. Den Sommer auf der Haut spüren. Im Oktober. Mit jedem Windstoß flatterte ein Schwung gelber Blätter von den Ästen, taumelte unschlüssig durch die Luft, ließ sich schließlich am Boden nieder. Mitunter landete ein gelbes Blatt auf meiner Schulter oder meinem Arm. Die Zeit verging spürbar.
Voller Staunen dachte ich: Wie doch die Zeit vergeht!, was als Gedanke okay ist. Geschrieben wäre es trivial. Aber es trifft den Kern der Sache.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Wasserstraße


Jeden Morgen um fünf Uhr höre ich die Fünf-Uhr-Nachrichten (wann sonst). Mit einem Ohr die Meldungen, mit beiden Ohren das Wetter. Schließlich muss man als Radfahrer im Herbst auf die abartigsten atlantischen Tiefausläufer gefasst sein. Durchzug mehrerer Regengebiete, hieß es heute früh. Das klang nicht gut. Kräftiger, teils ergiebiger Regen, stellenweise schauerartig verstärkt. Klang überhaupt nicht gut. Gegen die Scheiben trommelte es bereits seit längerem. Es klang konstant niederschlagsreich und keineswegs stellenweise schauerartig.

Dann ging ich baden. Das heißt, ich fuhr los. Zu sehen war wenig, es war ja dunkel. Zu hören war der monoton rauschende Regen. Das Rad fuhr über weite Strecken fast geräuschlos, nämlich immer dann, wenn es durch eine der riesigen Wasserpfützen pflügte. An manchen Stellen konnte von Pfütze gar keine Rede mehr sein. Es war Land unter.
Dort schnürt sich das Rad seinen Weg durch stehende Gewässer und gibt dabei keinen Ton von sich. All die vertrauten Geräusche, das Knirschen und Surren je nach Bodenbelag, verstummen eine Zeitlang. Nur der Regen regnet. Und das Rad fährt. Nein, es gleitet. Lautlos. Fast beruhigend.
Nur der Regen hat gestört. Aber wie.

Montag, 5. Oktober 2009

Draculas Traum


Knoblauch rockt, aber Knoblauch nervt auch. So sehr ich die Knolle liebe, so sehr geht mir die Schälerei der Zehen auf den Geist. Ein endloses Gepussel. Überall fliegen abgepellte Hautpartikel und Schalenflusen herum; mit Vorliebe in den Nasenlöchern. Ich hasse es. Hasste es bis heute.

Seit heute finde ich Knoblauchzehenschälen cool. Weil ich seit heute weiß, wie man den pusseligen kleinen Dingern professionell zu Leibe rückt. In der Restaurantküche wurden geschätzte zwanzig große Knoblauchknollen zerkleinert und geschält. Zwanzig Knollen ergeben geschätzte 250 bis 300 Zehen. 300 Knoblauchzehen schälen! Ich kriege bei dreien schon die Krise.

Nicht so der Profi: Man nehme einen Schnitzelklopfer aus schwerem Chromstahl mit glatter Unterfläche, (sieht etwa so aus), verpasse der Knolle von oben senkrecht nach unten zwei, drei federnde Hiebe, schon springt die Knolle oben auseinander und schaut dabei fast aus wie eine skurril sich öffnende Blüte. Die einzelnen Zehen sind leicht abzublättern; sie kommen in einen Eimer mit heißem Wasser. Fertig. Nach kurzem Einweichen lösen sich Schale und Haut widerstandslos von der Zehe. An einem Stück, mit einem Griff, nur durch leichten Druck der Fingerkuppen. Ganz geschmeidig und völlig stressfrei.

Danach duften die Finger nur ein wenig zart nach Knoblauch, weil ja der Kontakt zu jeder Zehe nur ganz kurz war. Statt dieses endlosen Gepfriemels bei der Trockenmethode, wo ich mir die reinsten Draculapranken hole.
Da es so etwas wie einen Schnitzelklopfer nicht gibt in meinem Haushalt, behalf ich mich mit einer schweren Pfanne. Ging so, nur dass halt statt einer sich öffnenden Blüte mit einem Schlag elf Knoblauchzehen raketengleich quer durch die Küche schossen. Egal. Lieber elf Zehen vom Boden klauben als die Fusselschalen von elf Zehen aus den Nasenlöchern.

Wobei so ein Schnitzelklopfer schon praktisch, vor allem vielseitig ist. Größter Beliebtheit erfreut sich der Schnitzelklopfer naturgemäß in Österreich, wo er als Fleischflachmacher ebenso genutzt wird wie als Waffe. Ja eh, als Waffe - was liegt näher? Erstens ist das Viech verdammt schwer, liegt zweitens verdammt gut in der Hand und drittens sowieso in jeder österreichischen Küche herum, ist also stets griffbereit bei eskalierenden Familienstreitigkeiten. Das harmlos eingegebene Suchwort fördert Unglaubliches zu Tage, wie beherzt sie dort im Nachbarland mit den Schnitzelklopfern aufeinander losgehen, gern in Verbindung mit einem gewetzten Brotmesser, geschlechter- wie generationenübergreifend.

Ach ja, Brotmesser. Mit dem Rücken eines solchen ließen sich die elf geschälten und in Salz gewälzten Knoblauchzehen auf einen Streich zerquetschen. Das heiße Wasser hat sie gefügig gemacht - angenehmer Nebeneffekt. Und der Duft von warmem, frisch zerquetschtem Knoblauch ist einfach betörend, aber noch gar nix gegen das, was die in Knoblauch geschmorten Tomaten verströmen. Gleich wird das Nudelwasser blubbern.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Bike Sharing


Dolles Ding, so ein Tandem.


Als Tandem bezeichnet man ein Fahrrad, das gleichzeitig von zwei hintereinander sitzenden Personen genutzt werden kann.
Steht so bei Wikipedia.

Anders verhält es sich beim sogenannten Nebeneinandem. Doch, das gibt es. Sitzen nämlich die beiden Fahrer nebeneinander, spricht man von einem Nebeneinandem. "Schatz, lass den Wagen in der Garage, wir nehmen das Nebeneinandem." Welch ein Wortungeheuer.
Beliebt ist das Nebeneinandem übrigens bei Radlern, die sich gerne während der Fahrt unterhalten. Dies macht die Nebeneinandems sehr unbeliebt bei Radlern, die sich ungern während der Fahrt unterhalten.
Gottseidank ist mir noch nie ein Nebeneinandem begegnet.

Samstag, 3. Oktober 2009

Das war's


Letzter Badetag

Freibadparadies im Oktober


Freitag, 2. Oktober 2009

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Stretching



Eine Stretchlimousine! Fast fiel ich vom Fahrrad. Noch nie habe ich eine Stretchlimousine aus der Nähe gesehen. Aus der Ferne eigentlich auch nicht. Und jetzt steht da einfach so eine ellenlange Monsterkarosse herum. Parkt in einer stinknormalen Wohnstraße inmitten lauter Kleinwagen. Leider passten die anderen Autos nicht mehr mit aufs Bild, klar, weil ja die Stretchlimo so lang war.
Dabei war sie eigentlich gar nicht so lang. Wenn man bedenkt, dass die längste Limousine der Welt 27 Meter misst und einen Swimmingpool sowie einen Hubschrauberlandeplatz mit sich führt, dann war das heutige Exemplar höchstens der Ikea-Billy unter den Stretchlimousinen. Warum das Ding in der Mitte nicht durchhängt wie ein überdehnter Dackel, ist mir ein Rätsel; erst recht bei der Vorstellung, dass innen drin lauter dicke schwerreiche Pfeffersäcke sitzen.

Es wäre aber falsch zu denken, so eine Stretchlimo repräsentiere ausschließlich die dekadenten Statusphantasien irgendwelcher neureicher Pinkel. Andernorts, auf Kuba etwa, wird viel funktionaler gehandelt. Dort werden poplige Mittelklassewagen, beispielsweise ein stinknormaler Lada, ein wenig in die Länge gezurrt, und schon hat man ein preiswertes Sammeltaxi für die ganze Bevölkerung.
In jener Wohnstraße standen auffallend viele Smarts in den Parkreihen. Diese Smarts könnte man doch eigentlich alle ein wenig stretchen, und schon hätte man...okay, geht gar nicht. Weil, dann wäre ja kein Platz mehr für die weißen Luxusschlitten. Und überhaupt, ein gestretchter Smart, wo gibt's denn so was? Hier.