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Donnerstag, 21. Juni 2012

Oh wie schön ist Mexiko



"Meine Damen und Herren, unser Schiff hat soeben den Eisberg gerammt. Ich darf Sie bitten, alle nötigen Vorkehrungen zu treffen: Legen Sie Ihre Schwimmwesten an, hören Sie auf, nervös mit den Füßen unterm Tisch zu scharren und setzen Sie ein angemessenes Pokerface auf.

Ja, so ist es gut. Schließlich wissen wir alle, was hier gespielt wird,
you know?

Den Rest erledige ich - ich erzähle den Leuten einfach was vom Pferd, von Hope™ and Change™, so à la 'Let them eat tacos', Sie wissen schon, und alles wird gut. Abgemacht?

Hey, Fotograf, ready for shooting? Und click!"

Sonntag, 10. Juni 2012

Abwärtstrend



Fortsetzung der Talfahrt vom Idiotenhügel.

Hei, wie das flitzt und wie toll das brettert.

Und keiner angeschnallt, ts.

Samstag, 27. August 2011

Sport am Samstagabend


via Felix

Nach meiner gestrigen Ochsentour bin ich heute nur am Chillen und wende mich jetzt dem Sport am Samstagabend zu.

Heute aktuell:

Ein Trainingsvideo zu den Ruder-Weltmeisterschaften 2011 in Bled, Slowenien. Der britische Männer-Achter lässt keine Minute ungenutzt verstreichen und widmet sich selbst während der Zwischenlandung in München auf dem Weg nach Bled dem intensiven Trocken-Rudertraining. In anderen Worten, auf dem Flughafen München fanden soeben die ersten Weltmeisterschaften im Flughafen-Rudern statt.

Montag, 14. März 2011

Dem Lenin sein Moped


Sprache an sich ist ja etwas Schönes, Sprachverarmung hingegen ein eher unschönes Phänomen. Wo doch unsere Sprache für alles und jedes ein prägnantes Wort bereit hält und damit besonders die mündliche Kommunikation so sinnstiftend wie schmückend bereichert.

Nun gibt es jedoch Situationen, wo das Schmückende den Kommunizierenden sonstwo vorbeigeht, und wo gerade das Sinnstiftende nach wenig elaboriertem Duktus und möglichst knappen Sätzen verlangt. Alles andere liefe in solchen Situationen auf Ressourcenverschwendung hinaus. Ein typisches Beispiel ist die Situation des Renovierens eines Ladenlokals; wo also ein bestehendes Chaos über den Zwischenstatus des Sekundärchaos gezielt in den Endzustand der frisch gestrichenen Neuordnung transformiert werden soll. Das Ganze bei maximaler Zeitknappheit, was schon für sich ein effizientes Kommunizieren via knapper Sätze rechtfertigt.

Kein Wort zu viel, hieß also am Wochenende die Devise. Als hilfreich hat sich der Gebrauch von Schlüsselwörtern erwiesen; Wörter also, die mit einem Schlag jedem Beteiligten klar machen, worum es geht; Wörter, die umgehend Reaktionen auslösen; Wörter, die dem Handwerkelnden den zeitraubenden intellektuellen Prozess der Wortfindung ersparen. Aber eben auch Wörter, die aussagekräftiger und plastischer rüberkommen als das traditionelle Dingsda.

Im vorliegenden Fall hieß das Schlüsselwort: Moped. Und zwar kurz ausgesprochen, so als ob es mit zwei P geschrieben wird. Mir persönlich war dieses Wort völlig neu (sofern seine Bedeutung über die eines motorbetriebenen, stinkenden, lärmenden Zweirades hinausgeht). Aber obwohl ich noch nie zuvor etwas davon gehört hatte, habe ich das Moped seit diesem Wochenende unverzüglich in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen.

Es ging schon am Freitagabend los mit der pragmatischen Sprachverhunzung. Denn um am Samstag die Decke streichen zu können, mussten am Freitag alle zu Dekorationszwecken von der Decke hängenden Objekte - Liebhaber-Segelflugzeuge, schmiedeeiserne Kerzenhalter, antike Kinderfahrräder, ein monströser goldener Putto und einiges mehr - abgenommen werden.
"Kann mal einer die ganzen Mopeds von da oben runterholen?" Das war Freitagabend, und da guckte ich noch ziemlich begriffsstutzig.

Ab Samstagmorgen fing ich an, mich an die Entkomplexisierung der deutschen Sprache zu gewöhnen. Fragte mich einer nach "dem Moped da drüben", wusste ich sofort, es kann sich nur um Pinsel, Spachtel oder Malrolle handeln, im Einzelfall auch um einen Hammer. Reichte ich statt des gewünschten Schleifgerätes irrtümlich die Bohrmaschine rüber, hieß es: "Nein, ich meine das andere Moped!", und der Fall war klar.

Später, als ich auf dem rollbaren Bistrotisch stand, um die Deckenbordüre zu streichen, ging mir ganz selbstverständlich von den Lippen: "Kann mal einer mein Moped weiterschieben?" Ohne weiteres überflüssiges Wortvergeuden wurde ich geschoben.

Irgendwann maulte ein Streicher:
"Kann mal einer das Moped (=Radio) ausmachen?"
"Wieso das denn?"
"Weil ich dieses blöde Moped (=Musik von Modern Talking) nicht mehr hören kann."
Alternativ wurde eine CD mit dem Köln Konzert von Keith Jarrett eingelegt. Als die Stelle kam, wo der Pianist seinen Kopf gegen den Flügel schlägt, entfuhr es einem der Streicher: "Mann, das ist ja 'n Moped!", wobei unklar war, was er genau damit meinte - den Flügel, den Kopf oder den musikalischen Geniestreich -, aber alle waren sich einig, dass der Streicher recht hatte und das Köln Konzert mopedmäßig gut zum Streichen passte.

Weil das Renovierungswochenende im Zeichen des Frühlings stand, blieb die Eingangstür meist geöffnet, obwohl der Laden geschlossen war, was manchen Frühlingsspaziergänger veranlasste, neugierig das Chaos zu betreten. Sehr zum Gefallen von Fräulein Jekyll, die das Gefühl bekam, endlich auch etwas zu tun zu haben: Genervt von all den Räum- und Renovierungshyperaktivitäten beschloss sie, jedem unbefugten Betreter ihres Reviers die Hölle heiß zu machen. Respektvoll wichen die Eindringlinge zurück.
"Huch. Wie heißt denn das Hundchen?"
Antwort: "Moped."
Als wenig später aus anderen Gründen Fräulein Jekyll ein wenig renitent wurde, hieß es:
"Wer geht mit dem schwarzen Moped Gassi?"
Fräulein Jekyll fühlte sich aufgewertet.

Natürlich gab es auch befugte Betreter (sprich Stammgäste), die daran zu erkennen waren, dass das schwarze Moped vertraulich an ihnen hochsprang und jegliches Randalieren unterließ. Einer von ihnen musterte mich und fragte:
"Ich kenne Sie gar nicht, sind Sie neu hier?"
und bekam höflich zur Antwort:
"Darf ich bekannt machen, das ist die Mrs. Moped."
Merke: Ein Moped sagt mehr als tausend Worte.

Am Sonntagabend schließlich war es Zeit, all die Mopeds wieder an die frisch gestrichene Decke zu hängen. Ein besonders rares Sammlerstück wurde vom Chefsammler aufsehenerregend kommentiert:
"Das ist das Original-Dreirad vom kleinen Lenin! Ich schwör's."
Es folgte eine spannend erzählte Räuberpistole, wonach ein russischer Gast vor Jahren das hölzerne Raumschiff des längst verblichenen Politpromis dem Chefsammler als Geschenk verehrt habe. Die Sache ist nicht verbürgt, klang aber geschichtsträchtig.

Der Jüngste in der Renovierungs-Combo - offenbar zu jung, um russische Revolutionäre zu kennen - machte runde Augen und fragte: "Lenin? Nie gehört. Was soll der denn für'n Moped gewesen sein?" Die ältere Generation machte rollende Augen und gab Geschichtsnachhilfe. Der Junior pfiff beeindruckt durch die Zähne, sagte: "Nee, echt jetzt? Ist ja voll der Wahnsinn!", und fuhr fort:
"Schickes Moped."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dem Lenin sein Moped

Dienstag, 17. August 2010

Urlaubsreife


Es herbstet mit Macht. Trotzdem sind wir mitten im Hochsommer, was sich vor allem daran bemerkbar macht, dass die Alltagskonversationen von zwei Fragen beherrscht werden: 1. Warst du schon im Urlaub? und/oder 2. Wo warst du in Urlaub? Nun ist mir persönlich die erste Frage lieber. Denn ich kann sie mit einem knappen Nein beantworten, um sodann den Smalltalk umzulenken auf Themen, die mich mehr interessieren und zu denen ich mehr zu sagen habe, zum Beispiel zum aktuellen Wetter - da kann ich vollkompetent mitreden.

Bei der zweiten Frage wird es komplizierter. In aller Regel wird sie gestellt von einer Person mit stark gebräuntem Gesicht und einem für die derzeitige Witterung allzu offenherzigen Outfit, der den Blick auf ein Zuviel an weiteren braungebrannten Körperteilen ermöglicht, was mich immer etwas frösteln lässt, denn, wie gesagt, es herbstet. Das Gespräch verläuft dann häufig so:
(braungebrannte Person:) Wo warst du in Urlaub?
(ich:) Ich war nicht in Urlaub.
(braungebrannte Person:) Wann fährst du in Urlaub?
(ich:) Ich fahre nicht in Urlaub.
(braungebrannte Person:) Ach.
(ich:) Ja.
(braungebrannte Person:) Ach ja?
(ich:) Ja.
An der Stelle fällt der braungebrannten Person meistens nichts mehr ein, weshalb sie irritiert die Augenbrauen hebt und mich fragend anschaut, so als ob ich ihr eine Antwort schuldig geblieben sei; dabei habe ich doch zu allen Fragen wahrheitsgemäß und lückenlos Stellung bezogen.

Für mich gibt es dann zwei Verhaltensoptionen, je nach meiner aktuellen Gemütslage:

Bin ich gerade stoisch drauf, hebe ich meinerseits die Augenbrauen, um zu signalisieren, dass nicht ich, sondern die braungebrannte Person an der Reihe ist weiterzufragen. Meistens geht das Gespräch dann so weiter:
(braungebrannte Person:) Äh, wie, du meinst...?
(ich:): Was?
(braungebrannte Person:) Ja gut, also, man muss ja auch nicht unbedingt jedes Jahr in Urlaub fahren.
(ich:) Stimmt.
(braungebrannte Person:) Wo warst du denn letztes Jahr in Urlaub?
(ich:) Letztes Jahr war ich auch nicht in Urlaub.
Spätestens etwa um diesen Dreh herum wird es der braungebrannten Person sehr unbehaglich, so dass sie sich bemüht, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken, was mir willkommen ist, denn dann brauche ich das nicht zu tun. Wobei das Restgespräch meist außerordentlich kurz zu verlaufen pflegt, was mir dann auch recht ist.

Bin ich dagegen eher genervt, sei es von der Fragerei selbst oder von irgend etwas anderem, trachte ich danach, möglichst schnell auf den Punkt zu kommen, schließlich habe ich meine Zeit auch nicht gestohlen. Dann setzt sich das Gespräch wie folgt fort:
(ich:) Ich habe kein Geld, um in Urlaub zu fahren.
(braungebrannte Person:) Oh - äh, ah ja. Mhm. (Pause.) Das tut mir leid für dich.
(ich:) Muss dir nicht leid tun.
(braungebrannte Person:) Ähm, ja. (Pause.) Na ja, ich würde dir einen Urlaub schon gönnen.
(ich:) Das ist nett.
(braungebrannte Person:) Ja, also - Mensch, du, vielleicht klappts ja nächstes Jahr mit in Urlaub fahren!
(ich:) Glaub' ich eher nicht.
Spätestens etwa um diesen Dreh (meist aber schon früher) beende ich unverbindlich das Gespräch, worüber, wenn mich nicht alles täuscht, die braungebrannte Person irgendwie ziemlich erleichtert zu sein scheint. Ich auch.

Wer jetzt denkt, ich könne einem schönen Urlaub nichts abgewinnen, der irrt. Ende Juli habe ich nämlich spontan beschlossen, im August eine Woche Urlaub von der Putzerei zu machen und dies der Frau Übermop mitgeteilt. Das Gespräch verlief so:
(Frau Übermop:) Wo fährst du denn hin in Urlaub?
(Mrs. Mop:) Ich fahre nicht in Urlaub, ich bleibe zuhause.
(Frau Übermop:) Wie, du bleibst zuhause? Ich denke, du willst Urlaub machen?
(Mrs. Mop:) Will ich auch. Wer sagt, dass ich irgendwohin fahren muss, um Urlaub zu machen?
(Frau Übermop:) Du spinnst.
(Mrs. Mop:) Wieso?
(Frau Übermop:) Dann kannst du ja gleich hier weiterarbeiten, wenn du gar nicht wegfahren willst.
(Mrs. Mop:) Aber ich will doch Urlaub machen!
(Frau Übermop:) Kapier' ich nicht.
(Mrs. Mop:) Ich schon.
(Frau Übermop:) Du spinnst.
(Mrs. Mop:) In dem Fall nicht.
(Frau Übermop:) Doch.

Heute war, wie jeden Dienstag um 11:30 Uhr, Jour fixe für die große Besprechung von Geschäftsführung und Service. Normalerweise bin ich schon weg, wenn die ersten Teilnehmer erscheinen (frühestens um 11:45 Uhr); heute war ich ausnahmsweise noch im Restaurant und gerade im Begriff, meine Sachen zusammenzupacken. Einer der Geschäftsführer kommt mit strahlend braungebranntem Lächeln auf mich zu und ruft mit Begeisterung in der Stimme:
(Geschäftsführer:) Mensch, Mrs. Mop, du siehst ja richtig gut aus!
(Mrs. Mop:) Danke, mir geht's zur Zeit auch richtig gut.
Man ist ja dann auch blöd und lässt sich das Kompliment runtergehen wie Öl, ohne zu merken, dass von ferne eine Nachtigall angetrapst kommt.
(Geschäftsführer:) Ich habe gehört, du willst jetzt eine Woche Urlaub machen?
(Mrs. Mop:) Ja! Endlich mal!
(Geschäftsführer:) Wo fährst du denn hin in Urlaub?
(Mrs. Mop:) Ich fahre nicht in Urlaub, ich bleibe zuhause.
(Geschäftsführer:) Wie, du bleibst zuhause? Ich denke, du willst Urlaub machen?
(Mrs. Mop:) Will ich auch. Wer sagt, dass ich irgendwohin fahren muss, um Urlaub zu machen?
(Geschäftsführer:) Äh, ja - also, ich meine, dabei siehst du so gut aus - überhaupt nicht urlaubsreif!
Da hörte sogar ich die Nachtigall elefantengleich trampeln. Schnelles Reagieren war gefragt.
(Mrs. Mop:) Pass nur auf, wie gut ich erst aussehen werde, wenn ich aus dem Urlaub zurück komme!
(Geschäftsführer:) Äh, na ja, wahrscheinlich werden wir alle vor Neid erblassen. Sag' mal, äh, wenn du gar nicht wegfährst in Urlaub, könntest du dann nicht nächste Woche ein bisschen einspringen, weil, ausgerechnet nächste Woche wird es wohl ein wenig eng...
(Mrs. Mop:) Vergiss es.
(Geschäftsführer:) Aber warum denn?
(Mrs. Mop:) Ich mache Urlaub.
(Geschäftsführer:) Mein Gott, bist du stur. Man wird ja wohl noch fragen dürfen.
(Mrs. Mop:) Klar. Man wird ja wohl noch Urlaub machen dürfen.
(Geschäftsführer:) Aber warum denn ausgerechnet nächste Woche?
(Mrs. Mop:) Weil das mein Urlaub ist.
(Geschäftsführer:) Dabei siehst du so gut aus, als ob du gerade aus dem Urlaub kommst.
(Mrs. Mop:) Das kommt daher, weil ich mich so auf meinen Urlaub freue.
(Geschäftsführer:) (seufzend) Was haben wir uns bloß mit dir eingehandelt.
(Mrs. Mop:) Eine Putzfrau, die seit anderthalb Jahren keinen Urlaub gemacht hat.
(Geschäftsführer:) Mach doch, was du willst.
(Mrs. Mop:) Eben.
(Geschäftsführer:) Musst du immer das letzte Wort haben?
(Mrs. Mop:) In dem Fall schon.

Seit heute zähle ich die Tage bis nächste Woche und hol' jetzt schon mal meinen großen alten Koffer aus dem Keller. Weil, ich fahre zwar nicht in Urlaub, aber irgendwie eben doch, so unter uns. Wohin? Na, ist doch wohl klar. Psst, nicht weitersagen.


Freitag, 28. Mai 2010

Parkende Tigerente



Schreck lass nach am frühen Morgen.

Montag, 1. März 2010

Flugobjekt


Dieses unbemannte Raumschiff hing heute früh überm Zaun. Als der Sturm gestern abend mit Stärke 9 oder so um die Restaurantecken pfiff, hat's die Outdoor-Raucherlounge gelüpft. Das Zeltdach flog zwei Straßen weiter, glaube ich. Zu Schaden kam niemand.

Tolle Außeninstallation, so kühn und futuristisch, irgendwie. Man könnte glatt Eintritt dafür nehmen. (Ich brauche Geld.)

Mittwoch, 3. Februar 2010

Busreisen


Morgens um fünf Uhr einundzwanzig ist es so weit: Der Bus kommt. Manchmal. Es wäre kein richtiger Bus, wenn man sich auf ihn verlassen könnte. Genau genommen kommt der Bus, wann es ihm passt. Also stehe ich in der Kälte und warte auf das Ungewisse, trample Schnee- und Matschhäufchen klein, um nicht zu frieren und schaue von weitem aus wie einer vom grönländischen Kneippverein. Irgendwann endlich erklingt ein langgezogenes archaisches Ächzen - der Bus bremst an der roten Ampel -, dann biegt das dicke Raumschiff um die Ecke und verschluckt mich. Die nächsten zwanzig Minuten verbringe ich in einem sozialen Mikrokosmos der besonderen Art.

Im Gegensatz zur U-Bahn herrscht im Bus ein fast religiöses Halbdunkel. Das heißt: je weiter hinten, desto dunkler. Nur vorne, direkt hinterm Fahrer, brennt eine schwache Deckenbeleuchtung.
Im Gegensatz zur U-Bahn ist der Bus gut besetzt: mit knapp zwanzig Frauen und schätzungsweise zwei Männern.
Im Gegensatz zur U-Bahn geht es im Bus durchaus geräuschvoll zu. Einige der Frauen kennen sich, haben sich entsprechend platziert, unterhalten sich lebhaft, kichern viel und begrüßen manche neu Hinzusteigende lautstark wie eine alte Bekannte mit "Morrrgeen!" - vom Rest ihrer Sprachen verstehe ich kein Wort - und dann wird noch mehr gekichert.

Kurzum, im Gegensatz zur U-Bahn kann man im Bus frühmorgens was erleben. Einer ungeschriebenen Regel folgend sitzen die Geselligen im hinteren Teil des Busses, während die schweigsamen Solisten die Fensterplätze im vorderen Teil okkupieren. In Fahrtrichtung, versteht sich. Nachgerade tabu scheint es zu sein, dort einen Platz gegen die Fahrtrichtung einzunehmen; jedenfalls macht es niemand. Lieber setzen sich die Leute neben einen Fensterhocker - ungern, aber wenn's sein muss - als ihm schräg gegenüber. Ich fahre jetzt seit Daisys Comeback morgens mit dieser Linie, und nie hat sich im vorderen Teil des Busses jemand gegen die Fahrtrichtung gesetzt, mich eingeschlossen; selbst bei maximaler Müdigkeit und größter Platznot bleibe ich lieber vorne beim Fahrer stehen und schaue den großen Scheibenwischern beim Schwingen zu. Warum? Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich vermeide es einfach instinkthaft.

Man könnte diese frühe Busverbindung auch Putzfrauenlinie nennen. Putzfrauen erkennt man daran, dass sie dicke Anoraks tragen, riesengroße Schulterumhängetaschen mit sich führen und die besten Plätze im Bus besetzen. Außerdem haben Putzfrauen meistens noch einen extra Tragebeutel bei sich, auf dem Namen wie Esprit oder Douglas stehen (nie wird auf einem solchen Tragebeutel der Name Aldi oder Lidl zu lesen sein). An einigen Haltestellen - Krankenhäusern, Bürogebäuden - verlassen sie grüppchenweise den Bus. Neue Putzfrauen in dicken Anoraks steigen zu, zielstrebig die soeben frei gewordenen besten Sitzplätze ansteuernd.

So geht das jeden Morgen. Aber seit ein paar Tagen ist es ein bisschen unruhig geworden auf der Putzfrauenlinie. Es steigen nämlich gelegentlich Menschen zu, die nicht so recht ins gewohnte Bild passen: Männer mit schweren schwarzen Wollmänteln, Laptopkoffern und Schuhwerk, das für Schneematsch nicht geschaffen wurde. Männer also, die nicht für öffentliche Verkehrsmittel geschaffen wurden. Männer, die ein Auto haben, aber mit dem Auto irgendein Problem haben.

Nach dem Lösen eines Fahrscheines werfen sie einen prüfenden Blick in den Bus, halten inne und wissen sichtlich nicht wohin mit sich. Hinten ist es ihnen zu düster, vorne ist kein Fensterplatz frei. Sich neben einen der Fensterhocker zu setzen, kommt ihnen nicht in den Sinn - also nehmen sie gegen die Fahrtrichtung Platz, und zwar ganz vorne, wo man dank Deckenlicht noch einigermaßen etwas sehen kann. Dort sitzen sie also.

Nach einer Weile gewöhnen sich die Augen des Neueinsteigers an das Halbdunkel. Er erkennt im hinteren Teil des Busses schemenhaft die Umrisse von lauter fellbesetzten Anorak-Kapuzen mit Gesichtern, deren Augen allesamt auf ihn, den Neueinsteiger gerichtet sind. Aus den Fellkapuzen heraus gluckst und kichert es. Die Sprachen klingen fremd. Der fremde Mann fühlt sich fremd. Das fahle Deckenlicht wird zum Scheinwerferspot. Statt selbst zu kontrollieren fühlt er sich kontrolliert. Nach zwei Stationen hält er es nicht mehr aus. Er erhebt sich, dreht sich um und wendet uns für den Rest der Fahrt den Rücken zu. Obwohl neben den Solo-Putzfrauen noch genug Platz gewesen wäre. In Fahrtrichtung.

Mittwoch, 18. November 2009

Novembertiere


Es muss wohl an der Jahreszeit liegen. Oder am Wetter. Oder an was anderem.

Jedenfalls hocken zur Zeit lauter merkwürdige Tiere auf der Straße herum.

Weitere wunderschöne und witzige Novembertiere gibt es in dieser Webgalerie.

Donnerstag, 12. November 2009

Breite Katze


Erst dachte ich, das sei eine ganz normale Katze.

Typ Hauskatze, leicht zugefettet, träge im Parterrefenster sitzend, verdrießlich in den Regen starrend. Doch dann erhob sich das Viech in den Vierfüßlerstand, um die Fensterseite zu wechseln, und ich traute meinen Augen nicht.

Das Ungetüm von Katze wollte überhaupt nicht mehr aufhören, so leibesfülletechnisch gesehen. Mann, war die breit. Vor mir stand ein Riesenkatzenberg, optisch zweigeteilt durch das Fensterkreuz, und blieb dort einfach stehen. Phänomenal. Man könnte denken, das sind jetzt irgendwie mindestens zwei Katzen; aber ich schwöre es, links und rechts ist ein und dieselbe Katze. Den Unterschied zwischen träger Masse und schwerer Masse habe ich eh noch nie verstanden; hier scheint er mir komplett aufgehoben. Ein Fall von fensterfüllender Fettleibigkeit.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Museumsinsel


Vor einer Woche

Heute

Kultur im Treppenhaus

Sonntag, 4. Oktober 2009

Bike Sharing


Dolles Ding, so ein Tandem.


Als Tandem bezeichnet man ein Fahrrad, das gleichzeitig von zwei hintereinander sitzenden Personen genutzt werden kann.
Steht so bei Wikipedia.

Anders verhält es sich beim sogenannten Nebeneinandem. Doch, das gibt es. Sitzen nämlich die beiden Fahrer nebeneinander, spricht man von einem Nebeneinandem. "Schatz, lass den Wagen in der Garage, wir nehmen das Nebeneinandem." Welch ein Wortungeheuer.
Beliebt ist das Nebeneinandem übrigens bei Radlern, die sich gerne während der Fahrt unterhalten. Dies macht die Nebeneinandems sehr unbeliebt bei Radlern, die sich ungern während der Fahrt unterhalten.
Gottseidank ist mir noch nie ein Nebeneinandem begegnet.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Stretching



Eine Stretchlimousine! Fast fiel ich vom Fahrrad. Noch nie habe ich eine Stretchlimousine aus der Nähe gesehen. Aus der Ferne eigentlich auch nicht. Und jetzt steht da einfach so eine ellenlange Monsterkarosse herum. Parkt in einer stinknormalen Wohnstraße inmitten lauter Kleinwagen. Leider passten die anderen Autos nicht mehr mit aufs Bild, klar, weil ja die Stretchlimo so lang war.
Dabei war sie eigentlich gar nicht so lang. Wenn man bedenkt, dass die längste Limousine der Welt 27 Meter misst und einen Swimmingpool sowie einen Hubschrauberlandeplatz mit sich führt, dann war das heutige Exemplar höchstens der Ikea-Billy unter den Stretchlimousinen. Warum das Ding in der Mitte nicht durchhängt wie ein überdehnter Dackel, ist mir ein Rätsel; erst recht bei der Vorstellung, dass innen drin lauter dicke schwerreiche Pfeffersäcke sitzen.

Es wäre aber falsch zu denken, so eine Stretchlimo repräsentiere ausschließlich die dekadenten Statusphantasien irgendwelcher neureicher Pinkel. Andernorts, auf Kuba etwa, wird viel funktionaler gehandelt. Dort werden poplige Mittelklassewagen, beispielsweise ein stinknormaler Lada, ein wenig in die Länge gezurrt, und schon hat man ein preiswertes Sammeltaxi für die ganze Bevölkerung.
In jener Wohnstraße standen auffallend viele Smarts in den Parkreihen. Diese Smarts könnte man doch eigentlich alle ein wenig stretchen, und schon hätte man...okay, geht gar nicht. Weil, dann wäre ja kein Platz mehr für die weißen Luxusschlitten. Und überhaupt, ein gestretchter Smart, wo gibt's denn so was? Hier.

Mittwoch, 12. August 2009

Freier Fall

Bekanntlich lauert der Absturz überall. Nicht nur in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, nein, auch physisch-motorisch will der Alltag bewältigt sein. Kein Mensch fällt gern auf die Schnauze. Mich ereilte der Absturz heute ungesichert auf der Kellertreppe. Gut, es waren nur die letzten beiden Stufen, aber die nahm ich im Fluge. Gottseidank einigermaßen sicher gelandet; nur die linke Wadenmuskulatur ist erheblich am Maulen. Fuß abrollen? War gestern. Fest auftreten? Vergiss es. Beine hochlegen und gar nichts tun? Aah, wundervoll.
Womöglich bin ich morgen früh ein Fall fürs Fahrradtaxi.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Nach Sonnenaufgang

Heute früh begann ich ausnahmsweise erst um sieben Uhr mit dem Arbeiten (fensterputztechnische Gründe, erkläre ich ein andermal) statt wie üblich um sechs. Herrlich entspannter Morgen. Aber nur zuhause. Kaum sitze ich auf dem Rad, bricht die Hölle los. Der Verkehr tost, die Sonne blendet, viel zu viele Leute unterwegs, alles viel zu laut und zu hell sowieso. Alles fühlt sich unnormal an und irgendwie ungut. Zwischen halb sechs und halb sieben in der Frühe liegen Welten. Augenblicklich wollte ich zurück in die Welt um halb sechs. Da sind die Straßen noch weitgehend leergeräumt und die Stadt ist spürbar noch im Ruhezustand; weshalb es auch so wunderbar ruhig ist morgens um halb sechs. Nur ab und zu mal ein paar Verkehrsgeräusche, ansonsten nichts als frühe Vögel, mal ein bellender Hund, und mein lautstarkes Geschnaufe bei den Steigungen.
Ohne Verkehrsmittel sind nur ganz wenige Leute unterwegs um diese frühe Zeit. Einer begegnet mir jeden Morgen, aber der schläft noch. Außer heute: Um 6:40 Uhr war er verschwunden. Auch das fühlte sich unnormal an.
Manchmal passiert aber auch zu normalen Zeiten Unnormales. Es war vor etwa drei Wochen um 5:45 Uhr, da kam mir auf der Straße ein orangefarbenes unbemanntes Raumschiff entgegen. Ungelogen. 
Es schien direkt auf mich zuzufliegen, fast wirkte es wie eine Mitfahrgelegenheit zum Aufspringen. Nachdem ich vorbeigefahren war, musste ich mich mehrmals umdrehen um sicherzugehen, dass das Viech mir nicht hinterhergeflogen kam. Auf der Rückfahrt um 11:30 Uhr war das Raumschiff verschwunden. Wer weiß, vielleicht wäre es um 6:45 Uhr auch schon verschwunden gewesen? Früher Vogel muss man sein.