Donnerstag, 10. Februar 2011

Nimm Pfötchen


Es gibt Hunde, es gibt Hofhunde, und es gibt Höllenhunde. Unter den Höllenhunden wiederum gibt es gebändigte und ungebändigte. Die ungebändigten Höllenhunde lassen sich nochmal in zwei Untergruppen aufteilen, nämlich zum einen diejenigen, die zwar ungebändigt, aber noch mit einem Rest Hundevernunft ausgestattet sind, zum andern jene, die völlig durchgeknallt sind.

Zu den ungebändigten, durchgeknallten Höllenhunden gehört die besonders unberechenbare Subspezies des Anarcho-Höllenhundes. Den Anarcho-Höllenhund erkennt man daran, dass er von Kopf bis Fuß rabenschwarz ist und ansonsten wild wie die Wildsau; ferner daran, dass im Einzelfall seine Besitzer mindestens so anarchistisch disponiert sind wie ihr Höllenhund (man weiß nicht genau, wer wem die Hölle heißer macht, Hund oder Herrchen), weshalb der Anarcho-Höllenhund nicht etwa - was eigentlich naheliegend und durchaus zutreffend wäre - auf den Namen Zerberos hört, sondern auf den vertrauensbildenden Namen Fräulein Jekyll. Um genau zu sein, er (also sie) hört selbstverständlich nur dann auf diesen Namen, wenn es ihr gerade in den Kram passt.

Zu Fräulein Jekylls Lieblingsbeschäftigungen gehört es - kaum dass sie die Eingangstür sich öffnen hört -, mordlüstern um die Ecke geschossen zu kommen, ein Höllenspektakel zu veranstalten und blutrünstig nach den Hosenbeinen oder Handtaschen von Gästen, Kunden und Lieferanten zu fletschen. Aus der Küche ertönt dann regelmäßig Herrchens Ruf "Ruhe, Fräulein Jekyll!", was den Anarcho-Höllenhund allenfalls zu gefährlichem Knurren besänftigt, was so viel bedeutet wie 'Jetzt bloß keine falsche Bewegung, klar?'.

Als ich vor ein paar Wochen das erste Mal zur Eingangstür herein- und Fräulein Jekyll wie ein schwarzer Donnerdrachen um die Ecke geschossen kam, fürchtete ich um Leib und Leben; zumindest ernsthaft um meine Waden. Ich war wie vom, nun ja, Donner gerührt stehen geblieben, traute mich weder vor- noch rückwärts, und fast hätte es das Höllenviech geschafft, mich schnurstracks aus dem Laden wieder rauszubellen.

Inzwischen hat sich das Blatt dramatisch gewendet. Wenn ich neuerdings zur Eingangstür hereintrete, kommt der rabenschwarze Donnerdrachen um die Ecke geschossen mit ohrenbetäubendem Gebell, springt zur Begrüßung erst einmal im Kreis um mich herum und dann an mir hoch, wirft mich dabei jedes Mal fast um und freut sich halbtot. Ich mich auch.

Gut, heute habe ich augenblicklich bedauert, meinen Dienst in einer frühlingshaft senfgelben Jeans angetreten zu haben, denn Fräulein Jekyll hinterließ ungeniert ihre Pfotenspuren, vorne, hinten, oben, unten, überall. Aber was soll man machen - senfgelb mit anthrazitfarbenen Tupfen sieht halt nicht mehr so arg frühlingshaft aus, dafür irgendwie ziemlich anarchomäßig. Passt schon.

Kommentare:

  1. Die Hose hat jetzt den perfekten Camouflage-Look - auf in den Partisanenkampf :)!

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  2. Würdest du uns bitte noch verraten, womit du das "Anarcho-Monster" bestochen hast?

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  3. Vielleicht mag es einfach senfgelbe Hosen und hat darum sein Freund-Feind-Schema revidiert.

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  4. Hihi!

    Zeig mir deine Hosen und ich sag dir, mit wem du dich rumtreibst. :-)

    Wie gut kannst Du mit Hunden?

    Ich habe auch mal in einem Haushalt gelebt, der so einen (an-)sprunglüsternen Schäferhund hatte.

    Wenn ich Klamotten anhatte, die das abkonnten, habe ich es geschehen lassen. Später habe ich sogar schon von weitem auf die Schenkel geklopft, sodass er wusste: Jetzt darf ich.

    Bei guten Sachen bin ich immer, kurz bevor er ansetzte hochzuspringen, einen Schritt zurückgegangen und habe "Nein" gesagt. Immer und immer wieder.

    Manchmal habe ich auch, gerade wenn er hochspringen wollte, mich leicht zur Seite gedreht und meinen rechten Arm waagerecht so ausgestreckt, dass er mit den Vorderpfoten darauf landen musste. Sicherlich ist das erstmal eine "Übungssache" Aber irgendwann hatte er es kapiert. Sah bestimmt von weitem lustig aus.

    Obwohl natürlich die "Vorwarnzeit" und auch die Bewegungsfreiheit in einem geschlossenen Raum nicht ganz so groß ist. Aber man kann es ja mal probieren.

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  5. Wow, ist ja die reinste Hundeschule! Aber bitte vergiss nicht, dass die Gattung der Anarcho-Höllenhunde weitgehend erziehungsresistent ist. Der Jekyll'schen traue ich zu, dass sie über meinen ausgestreckten Arm drüberspringt und dann im Flaschen- und Gläserregal landet. Und dann so tut, als wisse sie von nix was. Kennt man ja von den Anarchisten...;)

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  6. Ach was, Jekyll! Sie will doch nur spielen. Solange keine Mrs. Hyde aus ihr schlüpft, ist doch alles iO.

    Versuch´s doch mal. Dass sie Dich mag, hat sie ja jetzt schon gezeigt.

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  7. Ich möchte fast beschwören, dass im Frollein Jekyll auch eine lammfromme (oder so tuende) Mrs. Hyde wohnt. Weil, manchmal hat sie so einen unglaublichen Augenaufschlag - das Tier ist gerissen, jede Wette. Ich fürchte, ich bin bereits auf sie reingefallen.

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  8. Verwechslung, meine Gute.

    Mrs. Jeckyll ist schon "die Sanfte". Wenn erst Mrs. Hyde aus ihr schlüpft, wird´s richtig ungemütlich. Dann sind Pfoten-Flecken Dein kleinstes Problem.

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  9. Du lieber Gott. Kannste mal sehen. Schon ist es passiert. Das Viech hat mir so den Kopf verdreht, dass ich Gut und Böse nicht mehr auseinanderhalten kann. Ich werde sie wohl in 'Wilhelmine Busch' umtaufen müssen, denn: Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt. Gilt natürlich auch andersrum. *wuff*

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