Mein Gastgeber ist ein wunderbar sensibler Mensch. Okay, mitten in der Nacht weniger, da gilt sein Einfühlungsvermögen eher den Raubkatzen als mir ("du musst das Mäuschen als Gastgeschenk betrachten!" - "Wie bitte? Gastgeschenk?" - "Na ja, Kinderüberraschung eben, du verstehst..."). Aber wenn ich morgens den ersten Kaffee schlürfe und, still mäusezählend, in die kahlen grauen Bäume hinausschaue, kommt er wortlos um die Ecke mit dem Laptop unterm Arm, baut es vor mir auf, stöpselt alles ein und sagt dann: "Du willst jetzt blöggeln, richtig?"
Richtig. Morgens ohne Zeitdruck und schön mit Kaffee zu
blöggeln ist was ganz Wunderbares und mir völlig Neues. Zum Drangewöhnen. Um beide Schienbeine schmiegt sich je ein schwarzes Katzenmonster, unten schnurrt es, oben klappern die Tasten, Friede herrscht in meiner kleinen Welt. Für Mäuse interessieren sich die Miezen nur nachts, während meine persönliche Mäusejagd erst um die Mittagszeit beginnt. Eine großartige WG ist das hier.
Einziger Wermutstropfen ist die Laptoptastatur. Das T, das R und das G sind irgendwie verhakt und kommen nicht so, wie sie kommen sollten; manchmal tun sie es, aber meistens nicht. Das führt dann zu Googleeingaben wie 'Die toten Schuhe', zu unsäglichen Suchergebnissen sowie meinerseits zu markerschütternden Flüchen. Heute kam mein sensibler Gastgeber zum zweiten Mal wortlos um die Ecke mit einer externen Tastatur unterm Arm, stöpselte sie ein und sagte dann: "Ich weiß schon, manche Buchstaben sind halt tote Hose, reg dich ab, damit wird's gleich besser gehen."
Brav regte ich mich ab. Mit der Tastaturprothese läuft alles wie geschmiert. Was kümmern mich tote Schuhe und tote Hosen, Hauptsache, die
Mäuse sind quicklebendig und marschieren in die richtige Richtung. Immer rein in meinen Koffer. Da ist noch viel Platz.