Sonntag, 6. Dezember 2009

Aus die Maus



Pünktlich zu meiner Abreise gab es heute früh noch ein Abschiedsgeschenk: Katze Angie präsentierte eine frisch erlegte Maus, netterweise outdoors hinterlegt. Eine absolute Rarität, wie der Gastgeber meinte, denn normalerweise würden lebende Tiere als Spielzeug bevorzugt. "Hat bestimmt so eine Art Symbolbedeutung", orakelte er mit Blick auf meinen gepackten Koffer, "du hast jetzt genug gescheffelt - aus die Maus und raus aus'm Haus!".


Samstag, 5. Dezember 2009

Jagdfieber


Heute nacht war Partytime im Hause meines Gastgebers, was ich insofern mitbekommen habe, als heute früh um halb sieben - da klingelte mein Wecker - die verbliebenen Gäste gerade ins Bett gingen. Zu letzteren zählten auch die beiden Katzen, die sich, erschöpft vom Feiern, zu Füßen des Gastgebers einrollten und auf der Stelle wegratzten. Kurz vor dem Einschlafen murmelte er, der Gastgeber, mir noch zu: "Nicht erschrecken, die Kätzchen haben ein bisschen gewütet."

Argwöhnisch inspizierte ich die kritischen Ecken, war auf alles gefasst und entdeckte dann die von den Kätzchen bevorzugte Partylocation: das Bad. Im Badezimmer steht ein sogenannter Toilettenpapiervorratsspender. Wegen der Party war er vorsorglich mit vier übereinander lagernden Rollen gefüllt worden, was den lieben Kätzchen offenbar nicht entgangen war. Abseits vom Partytrubel haben sie - findig, wie Katzen nun mal sind - den Klopapierturm als Kratzebaum missbraucht, ihn damit zum Einstürzen gebracht und es geschafft, daraus eine endlose Meterware herzustellen, diese akribisch zu zerfetzen und die Mikropartikel gleichmäßig im ganzen Bad zu verteilen. Es muss hoch hergegangen sein. Kein Wunder, dass die Miezen heute früh so platt waren.

Ich steckte dann noch kurz den Kopf durch die Schlafzimmertür des Gastgebers und fragte den Wegdämmernden höflich, ob er vielleicht eine Putzfrau brauche für die Hinterlassenschaften seiner Haustiere? Hrrmphh, kam es aus den Kissen zurück, "kümmere du dich um deine Mäuse!" Okay. Heute ist letzter Mäusejagdtag. Endspurt. Nochmal alles geben. Und dann alles mitnehmen. Von Katzen lernen heißt Jagen lernen.

Freitag, 4. Dezember 2009

Die toten Schuhe

Mein Gastgeber ist ein wunderbar sensibler Mensch. Okay, mitten in der Nacht weniger, da gilt sein Einfühlungsvermögen eher den Raubkatzen als mir ("du musst das Mäuschen als Gastgeschenk betrachten!" - "Wie bitte? Gastgeschenk?" - "Na ja, Kinderüberraschung eben, du verstehst..."). Aber wenn ich morgens den ersten Kaffee schlürfe und, still mäusezählend, in die kahlen grauen Bäume hinausschaue, kommt er wortlos um die Ecke mit dem Laptop unterm Arm, baut es vor mir auf, stöpselt alles ein und sagt dann: "Du willst jetzt blöggeln, richtig?"

Richtig. Morgens ohne Zeitdruck und schön mit Kaffee zu blöggeln ist was ganz Wunderbares und mir völlig Neues. Zum Drangewöhnen. Um beide Schienbeine schmiegt sich je ein schwarzes Katzenmonster, unten schnurrt es, oben klappern die Tasten, Friede herrscht in meiner kleinen Welt. Für Mäuse interessieren sich die Miezen nur nachts, während meine persönliche Mäusejagd erst um die Mittagszeit beginnt. Eine großartige WG ist das hier.

Einziger Wermutstropfen ist die Laptoptastatur. Das T, das R und das G sind irgendwie verhakt und kommen nicht so, wie sie kommen sollten; manchmal tun sie es, aber meistens nicht. Das führt dann zu Googleeingaben wie 'Die toten Schuhe', zu unsäglichen Suchergebnissen sowie meinerseits zu markerschütternden Flüchen. Heute kam mein sensibler Gastgeber zum zweiten Mal wortlos um die Ecke mit einer externen Tastatur unterm Arm, stöpselte sie ein und sagte dann: "Ich weiß schon, manche Buchstaben sind halt tote Hose, reg dich ab, damit wird's gleich besser gehen."
Brav regte ich mich ab. Mit der Tastaturprothese läuft alles wie geschmiert. Was kümmern mich tote Schuhe und tote Hosen, Hauptsache, die Mäuse sind quicklebendig und marschieren in die richtige Richtung. Immer rein in meinen Koffer. Da ist noch viel Platz.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Katz und Maus


Na toll. Alles im grünen Bereich. Mein Gastgeber hat nicht nur einen funktionierenden Internetanschluss, sondern auch zwei Katzen. Nachtaktive Katzen. Die dürfen nachts zum Fenster raus, gehen auf die Piste und hocken dann maunzend und frierend vor der Scheibe. Kaum waren die Stubentiger heute nacht wieder drin, ging ein Höllenspektakel los. Bitte, es war kurz nach ein Uhr nachts, ich im Tiefschlaf, und da randalierten die zwei rund um meinen Koffer herum. Ich den Gastgeber alarmiert. Gastgeber: Mach dir keine Sorgen, das ist normal, sind halt Katzen. Ich: Aha, und warum knurren die meinen Koffer so bösartig an? Wohlgemerkt, die Biester schnurrten nicht, sie knurrten.

Gastgeber inspiziert meinen Koffer. Ruft: "Oha!" Schnappt den Koffer und hält ihn kopfüber zum Fenster hinaus. Schüttelt und rüttelt. Ich höre, wie er zartfühlend zu meinem Koffer sagt: "Na komm schon raus, Mäuschen!" Ich hellwach. Eine Maus in der Außentasche des Koffers! Lebend! Mitgebracht von den Miezen, geflohen in die schützende Finsternis meines Gepäcks. Senkrecht saß ich im Bett. Zwar gehöre ich nicht zu den Leuten, die Panikattacken vor Mäusen bekommen, aber im Koffer haben muss ich sie trotzdem nicht. Weder lebendig noch tot. Mitten in der Nacht.

Heute früh murmelte ich in meinen Kaffee hinein "...unfassbar...'ne Maus in meinem Koffer...", was den Gastgeber - herzlos, wie er ist - zu der Bemerkung veranlasste: "Weiß gar nicht, was du hast. Schließlich bist du deshalb hierher gekommen, um mit einem Koffer voll Mäusen zurückzufahren, oder?" Na toll. Ich freu mich schon auf die nächsten Nächte.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Konjunkturpaket


Vier Uhr dreißig, normale Uhrzeit, aber kein normaler Tag. Denn heute setze ich mich nicht aufs Rad, sondern in den Zug. Vier Tage lang Ortswechsel. Auf der Suche nach Einkommen. Wird Zeit, dass ich mir ein Konjunkturpaket schnüre.

Eine Reise ins Ungewisse. Komisches Gefühl, das Fahrrad zuhause stehen zu lassen. Und die roten Schuhe. Am ungewissesten ist die Frage, ob ich am Ort meiner Unterkunft einen funktionierenden Internetzugang haben werde.

Los geht's.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Steuererleichterung


In der Zeitung lese ich:
Das Steuerrecht überfordert die Finanzämter.
Soll ich darüber jetzt lachen oder heulen? Mich überfordert dieses Steuerrecht schon lange, zuletzt gestern abend, ansonsten alljährlich. Jetzt fühlt sich also das Finanzamt überfordert, aus technischen Gründen, wie es dazu heißt. Schuld an der Schinderei des Amtsschimmels sei nicht etwa der unfähige Sachbearbeiter am Schreibtisch, sondern
"eine unmögliche Gesetzgebung, die augenscheinlich nicht mal mehr EDV-technisch umgesetzt werden kann".
Sprich, die Software macht den ganzen Unsinn nicht mehr mit. Mit weitreichenden Folgen: In Nordrhein-Westfalen beispielsweise lässt man bei der Finanzverwaltung die Einkommensteuererklärungen einfach liegen.

Wer muss helfend einspringen? Der Steuerzahler, wer sonst, natürlich ehrenamtlich, tut er ja eh dauernd, besonders in jüngster Zeit. Jetzt kommt's: Die Behörde empfiehlt den Steuerpflichtigen rechtliche Schritte gegen den eigenen Bescheid. Muss man sich mal vorstellen! Die schicken mir in zwei Wochen irgendeinen Steuerbescheid und raten mir im selben Atemzug an, rechtlich dagegen vorzugehen?
Es kommt noch dicker: Das Finanzamt drückt sich vor der Berechnung der individuellen Steuerlast und brummt diese Arbeit - bisher doch wohl die Königsdisziplin der Finanzämter dieser Welt - dem Steuerpflichtigen selbst auf. Hat man Töne? Amtlicherseits heißt es:
"Bitte fügen Sie dem Antrag auf Aussetzung der Vollziehung eine Ermittlung der auszusetzenden Beträge bei, da von Seiten des Finanzamts zur Zeit auch insoweit noch keine Berechnungsmöglichkeit besteht."
Im Klartext: Schreiben Sie sich gefälligst Ihren eigenen Steuerbescheid. Hätte ich mir gestern nicht zweimal sagen lassen. Wäre bestimmt ein ganz entspannter Abend geworden.

Montag, 30. November 2009

Steuerlast


Fertig mit den Nerven.
Einkommensteuererklärung gefriemelt.
Einkommen.
Welches Einkommen.
Pfft.