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Samstag, 7. Dezember 2013

Thanks Mandela


Die Kaskaden der Seligsprechung Nelson Mandelas seitens des kapitalistischen Westens - der schon immer gegen Ausbeutung, rassistische Gewalt und Apartheid war - haben heute ihren (vorläufigen) visuellen Höhepunkt erreicht:

Zu Ehren Nelson Mandelas 
wurde das Empire State Building (New York City) 
in den Farben der südafrikanischen Nationalflagge illuminiert.

Wegen all des verlogenen süßlichen Politkitsches, der sich da stündlich eruptiv entlädt, drohe ich jeden Moment in ein gefährliches Insulinkoma zu verfallen und muss dringend gegensteuern:

Ruppiger Reggae, roh und so funky, als ob er direkt aus der Tiefe irgendeiner Mülltonne in Soweto gekrochen kommt, kämpft gegen Ausbeutung, rassistische Gewalt und Apartheid, und am Ende reichen zwei Worte:

Thanks Mandela



Mittwoch, 28. August 2013

Wahlverwandtschaft


Wahlempfehlungen sind ja zur Zeit schwer en vogue. Auf Schritt und Tritt fliegen mir irgendwelche Wahlempfehlungen um die Ohren, auch dann, wenn ich nur ganz harmlos unterwegs bin auf der Suche nach relevanten Informationen über das, was in der Welt grade passiert. Und was passiert grade in der Welt? Wahlempfehlungen. An Relevanz kaum zu überbieten. Sich gegenseitig überbietende, sich an Relevanz überbietende, ja überschlagende, die Welt in Kürze aus den Angeln hebende Wahlempfehlungen.

argh.

Nach gefühlt 783 relevanzstarken Wahlempfehlungen packte mich heute früh eine tiefe Sehnsucht nach  Maßstäbe setzender Irrelevanz. Und siehe, ich wurde fündig. Eine Wahlempfehlung, an Irrelevanz nicht zu überbieten. Bei argh!de:
Wahlempfehlung
fangt wieder an nachzudenken. verabscheut arschlöcher, immer und überall. und hört auf damit, euch um irgendwas zu kümmern, das euch nichts angeht. seid hilfsbereit und nett, und setzt auf gesunden menschenverstand und bauchgefühl im umgang mit anderen menschen. seid skeptisch gegenüber heilsversprechen, am besten generell gegenüber versprechen. seid neugierig und interessiert, und findet fortschritt gut, technischen wie auch geistigen, schafft religion ab, hütet euch vor papierkram und verwaltung und ordnungsämtern. stellt werte und wertvorstellungen anderer in frage, entwickelt eure eigenen, tut keine dinge, die scheiße sind. weigert euch, für dumm gehalten zu werden, außer ihr seid es. setzt euch für andere ein, bietet hilfe an, wenn's geht, und versucht nicht andauernd an erwartungen und erwartungshaltungen zu glauben. werdet lässiger und radikaler, werdet entspannter und bestimmter. werdet libertär. macht am 22. september meinetwegen ein kreuzchen bei den piraten oder eben nirgendwo, aber geht nicht davon aus, dass sich damit, dadurch und danach etwas ändert.
Welch ein Labsal.

Machte mich auf der Stelle entspannter. Und lässiger. Und radikaler. Mit dieser Wahlempfehlung komme ich locker durch die nächsten dreieinhalb relevanzfreien Wochen. Danke, argh.

Montag, 25. März 2013

Essensausgabe beim Friedensnobelpreisträger


In letzter Minute wurde 
in Brüssel
während eines
nächtlichen Verhandlungsmarathons 
das Frühstückshilfspaket 
der Zyprioten 
gerettet.


Mittwoch, 7. November 2012

Auf den Bush geklopft


"We are all in this together"
- wiegte beruhigend der siegreiche King of Drones alle seine Wähler und Nichtwähler gestern in den Schlaf.

Bei mir bewirken solche einlullenden Alle-in-einem-Boot-Schäfchenwolken immer das genaue Gegenteil: Ich fahre ganz verstört aus dem Schlaf hoch. Wie, zusammen? Worin? Wir? Wer?

Schlafgestört fing ich in den frühen Morgenstunden an zu googeln:
"We are all in this together"
Wie zum Teufel ist das zu verstehen?

Einer hat's verstanden: kein geringerer als George W. Bush, der republikanische Vorgänger des demokratischen Präsidenten Barack Obama. Der hat doch glatt bei den gestrigen Präsidentschaftswahlen für Obama gestimmt. Echt jetzt.

Hinterher hat Bush zwar behauptet, das sei ihm "aus Versehen" passiert, weil er sich irgendwie am Wahlcomputer verdaddelt habe. Glaubt dem texanischen Vollhorst natürlich keiner, weil, so verdaddelt kann nicht mal der Daddeljuh sein. Muss also in voller Absicht und bei klarem Bewusstsein geschehen sein.

Ein hartnäckig recherchierender Reporter wollte es genau wissen. Dem soll der Bush nach seinem Lapsus, der keiner war, verschwörerisch zugezwinkert und dabei gemurmelt haben:
"You know, we are all in this together"
- und als der Reporter ganz verstört fragte: "Wie, zusammen? Worin? Wir? Wer?", da soll der Bush kichernd gegluckst haben: "Wir alle!", worauf der Reporter - ein kritischer Obama-Wähler - verwirrt stotterte: "Wie, ich dachte, Obama sei das kleinere Übel?", was den Bush in schallendes Gelächter ausbrechen: "Ja schon, aber er ist der bessere Republikaner!" und händereibend das Wahllokal verlassen ließ.

Sonntag, 29. Juli 2012

Sommermärchen, das sechste


Viel Sommerregen heute früh, warmer, sanfter Sommerregen.

Und jede Menge rain on Spain. Es regnet sinnentleerte rhetorische Dungbrocken in Strömen aus den Wolken von EU und IMF. Kein Rettungsschirm weit und breit.

Erst mal wird ein dickes Lob ausgeschüttet für die Erfolge von Spaniens Austeritäts-, also Totsparmaßnahmen:
Der Internationale Währungsfonds lobte am Freitag Spanien für die Maßnahmen, die es ergreift, um der Krise die Stirn zu bieten.
"Alles in allem verhielt sich die Regierung proaktiv in der Umsetzung ihrer Maßnahmen während der Krise, mit einer bemerkenswerten Intensivierung innerhalb der letzten Monate," sagte der Fonds in seinem Bericht.
Vorbildlich, weiter so, Spanien. Es kann nur noch aufwärts gehen, denn besagte Maßnahmen
...hätten das Potential, Vertrauen wiederherzustellen und die Wirtschaft auf einen nachhaltigen Weg zurückzuführen.
Sanft plätschernde Verbaltropfen, die von der segensreichen proaktiven Fruchtbarmachung der spanischen Dürre künden. Jedoch, es geht noch sanfter:
Jedoch gebe es einen Spielraum für einen sanfteren Austeritätspfad über die nächsten zwei Jahre, um zu vermeiden, dass die Rezession sich noch mehr vertieft.
Was nahelegt, dass unsanfte Austerität in eine unsanfte Rezession geführt hat, weshalb ein sanfterer Austeritätspfad - proaktiv, wie sonst? - die sich vertiefende Rezession besänftigen möge. Darum haben die Regengötter des IMF ein Einsehen und kübeln zur Abwechslung mal andersrum:
Spanien sei mit einer Rezession beispiellosen Ausmaßes konfrontiert, mit sehr hoher Arbeitslosigkeit und rasant wachsender Staatsverschuldung, sagten die IMF-Direktoren nach Abschluss ihrer Beratungsgespräche mit Spanien.
Ah, ein Lichtstreif. Hört es jetzt endlich auf zu regnen?
James Daniel, der Leiter der IMF-Mission für Spanien, sagte, die Arbeitslosenrate für die kommenden Jahre sei "unakzeptabel hoch".
Das finden die meisten Menschen in Spanien auch:
Für die meisten Menschen bleibt der Ausblick düster, denn die 65 Milliarden Euro umfassenden Austeritätsmaßnahmen der Regierung reißen Schneisen der Zerstörung durch das Land, mit allein 63.000 Entlassungen im öffentlichen Dienst von April bis Juni.
Der "einzige Effekt" der Austeritätsmaßnahmen, sagen die Gewerkschaften,
"...sei die Vervielfachung von Entlassungen um ein Fünffaches."
Unakzeptabel, findet auch die stellvertretende Ministerpräsidentin:
"Die Regierung wird fortgesetzt versuchen, diese Situation zu verbessern, die unzweifelhaft durch die Rezession verursacht wurde, durch die Reduzierung der Verschuldung und durch fortgesetzte Strukturreformen."
Zusammengefasst: Fortgesetzt unsanfte Austerität führt zu fortgesetzt sich vertiefender Rezession und unakzeptabel ansteigender Arbeitslosigkeit. War ja eigentlich klar.

Nicht jedem. Bei manchen dauert's länger, bis der Groschen fällt, zum Beispiel bei der Europäischen Kommission, und mit den Groschen - es dürfen auch Cents sein - fällt der rhetorische Regen, sanft, aber sinnentleert, auf dass ihm keine Taten folgen mögen, Hauptsache, wir haben drüber gesprochen:
Jedoch könnte am Ende die Medizin (=Austerität) den Patienten töten: Sogar die europäische Kommission steuert ihre zwei Cents bei, indem sie heute Spanien ermahnt, eine Arbeitslosenrate, die sie (die Europäische Kommission) für unakzeptabel hält, zu reduzieren.
Herr, lass bitte weiter Regen vom Himmel fallen und bloß kein Hirn, denn sie sind zu blöd zum Auffangen.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Sommermärchen, das erste


Treffen sich zwei Ökonomen. Unterhalten sich über die Finanzkrise. Sieht alles nicht so gut aus, befinden beide. Nur mit dem Unterschied, dass der eine der beiden Ökonomen ein Optimist ist und der andere ein Pessimist.

Fängt der Optimist an, die leidige Leier runterzubeten, wie beschissen es laufe in ganz Europa: überall nur Schuldenberge und Pleitegeier; insolvente Banken, so weit das Auge reiche; organisierte Kriminalität, die sich 'Finanzsystem' nenne; Politmarionetten, denen die Korrumpierbarkeit aus jedem Knopfloch quelle; unkontrollierbarer Kontrollverlust, dem, wie das Amen in der Kirche, der wirtschaftliche und soziale Kollaps folgen werde.

Und was das Schlimmste sei: Es laufe alles derart beschissen aus dem Ruder, dass die Menschen (natürlich nur die normalen) sich demnächst von Pferdemist ernähren müssten.

Mann, sagt darauf der Pessimist, jetzt sei er aber schwer geschockt. Weil, so düster habe er seinen Kollegen ja noch nie reden hören. Dessen Einschätzungen sei von seiner Seite aus wenig hinzuzufügen, meinte der Pessimist, denn er sei mit dem Optimisten in allen Punkten einig.

Fast allen. Mit einer Ausnahme:
In Kürze werde eine Verknappung an Pferdemist eintreten.


(sehr frei nacherzählt bzw. übersetzt nach:
'The Reign in Spain May Soon Be Over')

Sonntag, 1. Juli 2012

Doppelsprechklartext


Perlen der kommunikativen Kompetenz:
Merkel teilte dem Bundestag mit, die Beschlüsse des EU-Gipfels seien "gut und vernünftig", wenngleich sie einräumen müsse, dass "die sehr uneinheitliche Kommunikation" verschiedener EU-Regierungen bezüglich dessen, worüber tatsächlich Einigung erzielt worden sei, zu "sehr vielen Missverständnissen geführt" habe.
Hm? Irgendeine substantielle Offenbarung oder just another murky soundbite? Was will die Dichterin uns damit sagen?

Wir versuchen's mal so:
Leute, alles super gelaufen, so gipfelmäßig, alles nach Plan, wir waren uns alle einig.

Das einzige, was mich jetzt noch nervt, ist, dass jedes EU-Land meint seine Klappe aufreißen und seinen unmaßgeblichen Senf dazugeben zu müssen, statt einvernehmlich im Bunde des Einvernehmens, einheitlich-geschlossen-solidarisch mit einer Zunge zu sprechen, Schulter an Schulter verbündet, einstimmig und ohne Ausnahme.

Kriegen wir aber auch noch hin, das. Weil, im Zuge und Interesse des Großen Europäischen Bankenrettungsprojektes haben wir ja bereits beschlossen, dass die Mitgliedsländer ihre souveränen Kompetenzen abtreten - was gut und vernünftig ist -, drum schlage ich als Beschlussergänzungsantrag vor, dass die Länder auch gleich ihre kommunikativen Kompetenzen abtreten - was noch besser und noch vernünftiger ist, denn nur so kann Europa mit einer einzigen Stimme überzeugen, ohne dass ich, öhm, wir missverstanden werden.
Kann aber auch sein, dass ich da bloß einem jener sehr vielen Missverständnissen aufgesessen bin.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Oh wie schön ist Mexiko



"Meine Damen und Herren, unser Schiff hat soeben den Eisberg gerammt. Ich darf Sie bitten, alle nötigen Vorkehrungen zu treffen: Legen Sie Ihre Schwimmwesten an, hören Sie auf, nervös mit den Füßen unterm Tisch zu scharren und setzen Sie ein angemessenes Pokerface auf.

Ja, so ist es gut. Schließlich wissen wir alle, was hier gespielt wird,
you know?

Den Rest erledige ich - ich erzähle den Leuten einfach was vom Pferd, von Hope™ and Change™, so à la 'Let them eat tacos', Sie wissen schon, und alles wird gut. Abgemacht?

Hey, Fotograf, ready for shooting? Und click!"

Sonntag, 10. Juni 2012

Abwärtstrend



Fortsetzung der Talfahrt vom Idiotenhügel.

Hei, wie das flitzt und wie toll das brettert.

Und keiner angeschnallt, ts.

Dienstag, 22. Mai 2012

Schatz, wir sind uns einig


Man kann von Sozialdemokraten halten was man will, aber sie haben ein legendäres Händchen für Konsens- und Kompromissbildung, vor dem jeder gestandene Ehetherapeut neidlos den Hut ziehen muss.
"Merkel war schlecht für Europa, zu dominant, total unflexibel, getreu dem Motto: der deutsche Weg ist für alle der beste. Hollande ist pragmatischer, aber er betrachtet die EU als ein vitales Bollwerk gegenüber anderen Großmächten. Seine Sicht ist, dass Europa am besten funktioniert, wenn es einen Dialog zwischen Rechts und Links gibt. Anders kann ein vereintes Europa nicht klappen. Schau dir an, was passiert, wenn das Konzept der deutschen Austerität auf die lächerliche Spitze getrieben wird: der Aufstieg extremistischer Parteien. Hollandes Methode ist eine andere."
Klingt waschecht wischiwaschi-sozialdemokratisch. Klingt nach sozialdemokratischer Vernünftigkeit. Nach sozialdemokratischer Vernunftehe. Muss man sich so vorstellen:

"Ich bin gar nicht so sehr rechtsorientiert wie alle behaupten."
"Genauso wenig wie ich linksorientiert bin, Schätzchen."

Donnerstag, 17. Mai 2012

Grün starten, schwarz landen


Zweiter Tag von Blockupy Frankfurt, Zeit für eine Zwischenbilanz.

Zwar weiß keiner, was die nächsten Tage in dieser Stadt noch so alles passieren wird - aber wir Frankfurter sind ein hartgesottenes Volk, uns kann nichts so leicht erschrecken, und überraschen schon mal gar nicht. Weil, wir sind in Frankfurt ja einiges gewohnt. Gewöhnt haben wir uns vor allem an die Grünen in der Stadtregierung, weshalb uns deren straff geführte Law-and-Order-Politik zur Bekämpfung der überall lauernden Blockupy-Gefahren kein bisschen überrascht. Alles andere hätte uns vielmehr gewundert.

Gut, ein wenig haut es selbst uns abgebrühte Frankfurter schon aus den Latschen, wenn jetzt angesichts der allumfassenden Blockupy-Bedrohung die komplette Universität geschlossen wird - "jetzt drehe se völlisch dorsch!" ist der derzeit wohl am häufigsten zu hörende Kommentar von fassungslosen Frankfurter Bürgern, gefolgt von "da langst de dir bloß noch an de Kopp".

Wir ringen um Fassung, bevor wir sie verlieren. Dabei kommt uns dieser brilliante Artikel von 'gaukler' zu Hilfe, der uns erklärt, warum es überall grünt, so grün, wenn Frankfurts Grüne von der Leine gelassen werden:


Na, wir sind in Frankfurt ja einiges gewohnt, in den letzten Jahren, Jahrzehnten, da muß nicht erst Occupy kommen. Nicht dass uns eine CDU in der Landesregierung mit rechtsradikalen Traditionen sonderlich schocken würde, sie läuft schließlich seit Jahrzehnten rund. Auch ein Ministerpräsident erschreckt uns nicht wirklich, wenn er gleich eine ganze Abteilung von Steuerprüfern bei Frankfurter Banken als geistesgestört vom Dienst suspendieren lässt. Natürlich auch nicht, dass er direkt nach seinem Rücktritt in den Vorstand einer dieser Global Finance Player eintritt.

Und dass der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses dieser Finanzmarkt-Affäre als Berater für Hinterzieher von Kapitalertragssteuer arbeitet, naja. Das lässt uns in der deutschen Kapitale der Derivate und Hedgefonds einigermaßen kalt, so wie wir uns nicht wunderten, als Josef Ackermann zum Ehrenprofessor der Frankfurter Uni gekürt werden sollte. Bei uns am Main lernt man schließlich akademisch, wie sich die Risikooptimierung im Trading des globalen Nahrungsmittelmarkts – zum Beispiel – verbessern lässt.

Wir kennen ausserdem die Grünen im Römer als gefällige Regierungsfraktion in diesem Umfeld. Ein Trupp, der sich bei der OB-Wahl um den Law-and-Order Kandidaten Rhein – seines Zeichens CDU-Innenminister – schart, den Postenhoffnungen sei Dank. Solche grünen Posten finden sich etwa bei der ABG, dem kommunalen Wohnungsunternehmen mit 50.000 Wohnungen, das „gemeinnützig“ nur noch im Namen führt, natürlich. Und wenn dann einer der Grünen in dessen Führung gleich ganze Bewohnerschaften in sozialen Brennpunkten in den Wald verfrachten möchte, wundert uns das schon gar nicht, denn all das ist im Marsch durch die Institutionen nach Art grüner Realo-Politik doch zu sehr angelegt. Die stammt schließlich aus Frankfurt, und verschaffte einigen mehr oder weniger prominenten Gang-Mitgliedern richtig lohnende Jobs.

Und als es vor ein paar Jahren im Angesicht des großen Absturzes allerorts hieß, dass jetzt endlich ein paar Schranken für die Banken kommen, da haben wir hier vor Ort nur gegrinst, weil alle Kenner die Folgelosigkeit solcher Medienmärchen kannten, und bezüglich der „Opposition“ doch schon jede Thekenhilfe rund ums Westend weiß, dass die sich gelegentlich plusternden Grünen das Deregulierungsspiel der Finanzmärkte eifrig mit angeschoben haben.

Das ist etwa der Stand bis letzte Woche.

So dachten wir hier in Frankfurt unsere Pappenheimer zu kennen. Dass aber die Grünen in der Römer-Regierung inzwischen nicht mehr davor zurückschrecken, fast eine Woche lang das Frankfurter Bankenviertel zur Sperrzone zu erklären, schlicht eine Art Bannmeile für die EZB und die Deutsche Bank AG wie um ein politisches Herrschaftszentrum herum zu deklarieren, dabei vier Tage an Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Musikveranstaltungen, ja selbst die Mahnwache der braven „Ordensleute für den Frieden“ zu verbieten und die Stadt in ein paramilitärisches Aufmarschgebiet zu verwandeln, da bleibt sogar vielen von uns erfahrenen Frankfurtern der Mund offen stehen.

Und wenn Frankfurter dann noch hört, dass auf Anraten der Behörden wegen der umfassenden Bedrohung gleich die ganze Universität für die nächsten Tage geschlossen wird, dann fällt er sofort wieder zu – „die drehn hohl“ wie´s hier so schön heißt.

Die tagelange Sperrung einer Stadt für politische Diskussionen, für substantiellen Diskurs, deren polizeiliche Durchsetzung und schließlich sogar das Verbot einer Kundgebung für das Recht auf freie Meinungsäusserung völlig unabhängig von “Blockupy” hat es wohl in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben, selbst nicht unter den aggressivsten Law-and-Order Regierungen irgendeiner Großstadt.

Es fragen sich auch viele Sympathisanten der Grünen vor Ort, die noch ein bißchen über das lokale Ökoangebot und den neuen Fahrradstreifen hinaus denken, was aus einer derartigen (Regierungs-)Partei geworden ist, die selbst zivilgesellschaftliche Diskurse im öffentlichen Raum mit einem Repertoire staatlicher Gewalt beantwortet und dazu passende Stimmungen sogar noch klandestin anheizt.

Nur mit solcher Rückendeckung kann ein Frankfurter CDU-Ordnungsdezernent feist verkünden, dass das 250 Quadratkilometer große Frankfurt wieder betretbar sein wird, weil nämlich die Blockupy Zelte, Bühnen und Stände der 100 Organisationen von Attac über Gewerkschaften bis zu den Pfadfindern an der Taunusanlage – vielleicht ein halber Frankfurter Quadratkilometer – polizeilich strikt unterbunden werden.

Was bleibt als Resümee: die Sonntags-Reden von der „Postdemokratie“ betreffen tatsächlich die Grünen selbst: ihre Parteispitzen sind aktive Akteure solchen autoritären Spiels. Da können sie sich noch so sehr hinter ihren mediengerechten Aufregern verbergen, die sie gelegentlich betreffend Hausarresten im fernen China oder Platzverboten in Rußland ins Land streuen – geht ja ganz leicht.

Bei uns wird ein anderes Lied geträllert und wir wundern uns in Frankfurt, welche Illusionen über Grüne Regierungsbeteiligungen in Deutschland existieren, über diese armseligen Pudel der Finanzbosse.


Mir sind einige Grüne in Frankfurt bekannt, die sich bei der Lektüre dieses Artikels schwarz ärgern würden. Das sind aber Ausnahmen. Die meisten stecken so eine bravouröse Beschimpfung locker weg. Weil, die Grünen in Frankfurt sind schon ein hartgesottenes schwarzes Völkchen. Das hat auf den Rest der Frankfurter abgefärbt. Nicht das Grüne, nicht das Schwarze, sondern das Hartgesottene.

Nur, mer greift sisch dieser Taache halt scho an de Kopp, gelle.

Montag, 30. April 2012

Schamlos


Sozialdemokraten schmücken sich ja gern mit der Farbe Rot. Obwohl sie es im wirklichen Leben nicht so haben mit der Farbe Rot. Im Gegenteil. Zum Beispiel wenn sie hanebüchenes wahlkämpferisches Wortgeklapper absondern, ohne dabei schamrot zu werden.

Zum Beispiel der griechische Sozialdemokrat Venizelos von der PASOK Partei. Ohne rot zu werden, warnte er heute seine Landsleute eindringlich davor, dem "marschierenden Stechschritt der extremen Rechten" den Zugang zum Parlament zu ebnen bei den Wahlen am kommenden Wochenende. Insbesondere warnte er vor einem Wahlerfolg der rechtsextremistischen Partei Golden Dawn (Goldene Morgendämmerung):
"Golden Dawn ist ein extremes Phänomen, ich glaube, sie sind ein Beispiel für Faschismus, und wir lehnen sie radikal ab. Sie sind eine Beleidigung gegenüber unserer Geschichte und dem Parlament," erklärte er gegenüber Reuters und legte nahe, Griechenland könne womöglich seine eigene Version von Deutschlands "Weimar"-Jahren erleben, die zu einem Aufstieg der Nazi-Partei und Adolf Hitler führte.
Da hat er natürlich recht. Einerseits. Denn nicht nur tritt Golden Dawn an unter einer Flagge mit einem dem Hakenkreuz nachempfundenen Symbol, vielmehr hat die Partei es maßgeblich abgesehen auf Immigranten, die sie, ohne groß zu fackeln, am liebsten (unter Umständen auch mit Fackeln) aus dem Land rauswerfen möchte. Weshalb der Sozialdemokrat Venizelos fortfuhr:
Wir werden nicht zulassen, dass Neo-Nazis mit Stechschritt und Hitlergruß ins Parlament marschieren.
Das ist natürlich ehrenhaft für einen Sozialdemokraten. Einerseits.

Andererseits hätte ihm eine sattes schamhaftes Erröten gut zu Gesicht gestanden: Die sozialdemokratische Partei PASOK ist nämlich dermaßen alarmiert vom Aufstieg der extremen Rechten, dass eben sie, die PASOK Partei, in den letzten Wochen Tausende illegaler Immigranten in Athens Innenstadt wie Vieh zusammengetrieben und über 30 Internierungslager zu deren Unterbringung errichtet hat. Parteigenosse Chrysochoidis bezeichnet diese Lager in unverhohlen rechtspropagandistischer Manier nicht als das, was sie sind, sondern als "Geschlossene Zentren für Gastfreundschaft". Und keinem dieser sauberen, säuberungsfanatischen Genossen treibt es die Schamröte ins Gesicht.

Redner Venizelos richtete dann - unter Beibehaltung seiner neutralen Gesichtsfarbe - noch einen dringenden Appell an die Europäische Union, sich des Problems der morgendämmernden extremen Rechten anzunehmen, indem er anmerkte, der jüngste Wahlerfolg der französischen rechtsextremen Front-National-Führerin Marine Le Pen (rund ein Fünftel aller Stimmen) sei bedenklich, weil er "ein Beweis für den Rechtsruck" in Europa sei.

Ja, das ist bedenklich, noch bedenklicher ist allerdings, dass Sozialdemokraten das Erröten verlernt haben, wenn sie selbst sich ungeniert in die rechtsextreme Kurve legen, um den noch Rechtsextremeren Wählerstimmen abzujagen.

Scheint überhaupt ein neuer europäischer Politikersport zu sein, dieses Fischen in trüben rechtsextremen Gewässern. Bei open euro blog gibt es heute ein heiteres Ratespiel "Wer hat was gesagt?"
Was wir brauchen, ist eine gemeinsame Disziplin für Grenzkontrollen. ... Wir wollen kein Europa mehr, das durchlässig ist wie ein Sieb. Ein Europa, das den Immigrantenfluss nicht kontrolliert, ist am Ende. ... Ohne Grenzen gibt es keine Nation, keinen Staat, keine Republik, keine Zivilisation.
Na, wer war's? Der holländische Rechtsaußen Wilders? Ein Hardliner von der italienischen Liga Nord? Die markige Le Pen vom französischen Front National? Alles falsch. Die verzweifelt wahlkämpfenden Kopisten sind mittlerweile mit rechten Parolen fast besser aufgestellt als die Originale. Rätsels Lösung: Es war der Franzose Nicolas Sarkozy, dem derzeit die Felle davonschwimmen. Zwar kein Sozialdemokrat. Aber rot werden tut er trotzdem nicht.

"Stichwahl"
(zum Vergrößern auf Link klicken)

Freitag, 27. April 2012

Noch Fragen?


On the Turntables:
Der Fiskalpakt ist verhandelt, er wurde von 25 Regierungschefs unterzeichnet und ist bereits von Portugal und Griechenland ratifiziert. Er ist nicht neu verhandelbar.
Ende Mai werde in Irland per Referendum darüber entschieden.
Klingt nach Basta.
Klingt nach alternativlos.
Klingt nach 'Kein Widerspruch!'
Klingt so, als ob bereits feststehe, dass das irische Referendum einen von Merkel gewünschten Ausgang nehmen wird, und sollte es das nicht tun: 'mir doch wurscht'.
Klingt danach, dass der französische Präsidentschaftsanwärter Hollande überhaupt nichts zu melden hat, obwohl er angekündigt hat, den Fiskalpakt "neu verhandeln" zu wollen.
Klingt so, als ob es Merkel völlig sonstwo vorbeigeht, wen oder was die Griechen Anfang Mai wählen werden.

Klingt so, als ob DJ Merkel in absolutistischer Manier allein die Scheiben auflegt.
Klingt so, als wäre die Erde eine Scheibe, wenn es nach Merkel geht. Oder ein Wurstbrot. Oder eine One-Woman-Show.
Klingt nach Tyrannei.
Klingt nicht alternativlos.
Klingt vielmehr so, als ob sämtliche Alternativen im Keim erstickt werden sollen.
Klingt verzweifelt.

Kein Beileid.

Update:


Samstag, 31. März 2012

Sehschwäche


"Guten Morgen.
Wir begrüßen euch mit einem sehr kreativen Bild
über die gestrige Situation in Barcelona:"


Aus Wut über unverhohlen unternehmerfreundliche Arbeitsmarktreformen traten am Donnerstag spanische Arbeiter in einen landesweiten Streik und versuchten, das Land zum Stillstand zu bringen durch Verkehrsblockaden, Ladenschließungen und Zusammenstößen mit der Polizei in gewalttätigen Demonstrationen.

In den großen Städten eskalierten die Proteste; es brachen Handgemenge aus zwischen der Polizei und den Streikenden. In der zweitgrößten Stadt Barcelona bewarfen vermummte Aktivisten nicht nur Bankgebäude und Schaufenster mit Steinen, sondern setzten Straßen-Müllcontainer in Brand.
(vgl. linke Bildhälfte, "Vandalismus der Straße")

Vertreter der internationalen Finanzmärkte zeigten sich beunruhigt über die Unruhen auf Spaniens Straßen:
Investoren machen sich Sorgen angesichts der Aussicht auf fortgesetzte, um sich greifende soziale Unruhen, ähnlich wie im unlängst geretteten Griechenland.
Es bestehe jedoch kein Grund zur Beunruhigung, beruhigte ein Experte, denn Spanien sei ja schließlich nicht Griechenland und die Spanier viel vernünftiger als die Griechen:
Jedoch ist der Management Professor José Ramon Pin von der IESE Business School der Meinung, dies (=fortgesetzte, um sich greifende soziale Unruhen) würde in Spanien nicht passieren, weil die Spanier - wenn auch widerwillig - akzeptierten, dass das Land eine radikale wirtschaftliche Veränderung brauche.
Es werde alles getan werden, um die sensiblen Finanzmärkte zu beruhigen, selbst wenn dies im Extremfall darauf hinausliefe zu behaupten, es gäbe weit und breit gar keine sozialen Unruhen.
'Dieses Land ist überhaupt nicht in der Stimmung, auf die Straße zu gehen', sagte Pin.
Umgehend beruhigten sich daraufhin die Finanzmärkte, um in aller Ruhe weiter zu machen wie bisher:

(vgl. rechte Bildhälfte, "Vandalismus der Wirtschaft")

Während die spanische Führungselite - allen voran Premierminister Mariano Rajoy, der gestern die radikalsten Haushaltseinschnitte seit 1978 verkündete - nachdrücklich die schweren Ausschreitungen auf der Straße verurteilte, konnte vonseiten der internationalen Finanzelite ein möglicher Zusammenhang zwischen der linken und der rechten Bildhälfte nicht bestätigt werden.

Auf die Nachfrage, ob vielleicht die Finanzelite auf einem Auge blind sei, antwortete ein weiterer Experte und Kenner des Polit-Finanz-Filzes (der namentlich nicht genannt werden wollte), das könne schon sein, sei aber ganz normal; denn solange die Politik auf dem anderen Auge blind sei, würde sich beides vortrefflich ergänzen.

Überhaupt, fuhr der Experte fort, sei das einäugige Sehen eine unschlagbare Methode zur Beruhigung der Finanzmärkte, sonst, wie es im Wortlaut hieß, "würden wir ja sehenden Auges in den Untergang rauschen".

Donnerstag, 1. März 2012

Demokratie ohne Eier, weichgekocht


Sensationell: Und sie lebt doch! Wer? Na, die Demokratie. Nachdem ich mich schon sorgte, dass sie unter die Räder der internationalen Finanzelite kommen würde, weil ja Wahlen und Volksabstimmungen und ähnlicher demokratischer Firlefanz immer zu Verstimmungen an den Finanzmärkten führen und weil die EU-Elite das gar nicht gern sieht, wenn die Finanzmärkte schlechtgelaunt herumdümpeln. Dann schon lieber Wahlen verschieben, Referenden absagen und das ganze Ding ohne Volkes Stimme durchziehen.

Aber das war Griechenland. Jetzt ist Irland.

Hat doch der irische Premierminister Kenny verkündet, man könne das Ding mit der fiscal union nicht einfach so durchziehen, ohne vorher Volkes Stimme zu hören. Weil, wie er hinzufügte, die irische Verfassung das nun mal so verlange. Immer diese lästigen Verfassungen! Könnte man die nicht einfach abschaffen? Sorgen doch nur für Unruhe an den Märkten:
Dublin will hold a referendum on the eurozone fiscal treaty, plunging Europe into months on uncertainty and potentially placing a question mark over Ireland's future membership of the euro.
Da haben wir's - ein irisches Referendum wird Europa in monatelange Verunsicherung stürzen! Gäbe es keine demokratischen Instrumente, müsste man keinen Teufel an die Wand malen und alles wäre gut. Aber so - jetzt müssen diese dickköpfigen Iren wieder mal quer schießen, und den Brüsseler Apparatschiks rollen sich vermutlich bereits die Fußnägel hoch bei dem Wort Referendum.

Jedenfalls dachte ich zunächst, wow, wenigstens der irische Premier hat noch demokratische Eier (pardon) und lässt die Bürger zum Zug kommen, bevor er das EU-Abkommen unterzeichnet. War aber naiv von mir. Weil er nämlich auf die Idee mit dem Referendum keineswegs aus freien demokratischen Stücken gekommen ist; vielmehr hat ihm die Oppositionspartei die demokratische Pistole auf die Brust gesetzt, und jetzt kann er nicht mehr anders:
The government's decision to hold a referendum follows a threat by the Sinn Féin party to challenge in the supreme court any decision not to give the public say. Irish officials have privately acknowledged it would be more difficult to win a referendum if the government was seen to have been forced to hold a vote by the Irish courts.
So viel zu den Eiern. Schrumpfen im Zwielicht der Polit-PR auf mikroskopisch kaum erkennbare Größe zusammen.

Ferner bekommt der irische Musterdemokrat noch ein Ei - pardon: einen demokratischen Punkt - abgezogen, weil er sich zu folgender Äußerung hinreißen ließ:
He said he would sign the treaty at a European Union summit on Friday (also morgen!) and within a matter of weeks (also in ein paar Wochen!) the government would organise a referendum commission - an independent body appointed to explain the subject matter of a referendum to the public.
Aha. Erst wird das Abkommen unterzeichnet, irgendwann später darüber abgestimmt. Hat das etwas mit Demokratie zu tun? Ach was, das hat etwas mit Politik zu tun: Eleganter kann man seinen Wählern nicht sagen, dass deren Stimmabgabe ihm, dem irischen Premier, sowieso sonstwo vorbeigeht, und dass die Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und Volksabstimmung sinnvoll genutzt werden wird mit gehirnwaschenden Maßnahmen, damit es am Ende so aussieht, als hätte das Volk den Vertrag unterzeichnet.

Sollten trotzdem alle Stricke reißen und das Volk mit 'Nein' abstimmen, bringt das die irische Politik nicht weiter in Verlegenheit, verfügt sie doch über Erfahrung mit unliebsamen Referendum-Ausgängen: Passt einem das erste Referendum nicht in den Kram, wird halt ein zweites nachgelegt und in der Zwischenzeit das störrische Volk weichgekocht. Der Lissabon-Vertrag lässt grüßen. Weshalb der irische Premier - wäre er denn eine ehrliche Haut und mit demokratischen Eiern ausgestattet - eigentlich das Wort Referendum nur im Plural anwenden dürfte, denn Referenda gibt es, genau wie Eier, in Irland bekanntlich nur im Doppelpack oder gar nicht.

Überdies würde es die Märkte, aufgescheucht von wüsten Androhungen demokratischer Willensbildung, mit Sicherheit beruhigen, wenn ihnen klipp, klar und von vorneherein gesagt wird, dass Plan B bereits fix und fertig in der Schublade liegt und keinerlei Grund zur Panik besteht für den Fall, dass Plan A in die Hose gehen sollte. Im Gegenteil. Tut sich doch im Zeitfenster zwischen Plan A und Plan B die Gelegenheit zur bewährten Propagandamasche der Panikmache (alternativlos! katastrophal! Apokalypse!) auf.

Denn merke: Panik ist schlecht fürs Geschäft, aber gut fürs Volk.


(Zitate aus der Financial Times, deren Bezahlzugang ich mir nicht leisten kann)

Sonntag, 4. September 2011

Killing us softly


(zum Vergrößern auf Link klicken)

Was passiert, wenn ein altgedienter neoliberaler Wirtschaftsjournalist wie aus heiterem Himmel eine pseudokritische rhetorische Frage stellt?
"Is austerity killing Europe's recovery?"
(Töten Sparmaßnahmen die wirtschaftliche Erholung Europas?)
Dann stürzen sich alle wie besessen auf den Artikel und schreien: Trendwende! Vernunft kehrt ein! Ein Umdenken in Sicht! Endlich! Kennt man ja von hierzulande, nur dass hierzulande die trendigen trendwendigen Artikel ein bisschen schöngeistiger daherkommen. Und dann alle so, auf die Frage des Autors: Ja! Endlich sagt es einer! Dass wir da nicht früher drauf gekommen sind!

Ich las die Überschrift und dachte zuerst: Ja. Dann dachte ich: Na ja. Dann fing ich an mich zu wundern und dachte: Welche Erholung?

Aber gut. Getreu dem Motto 'Tausend Lemminge können nicht irren' stürzte auch ich mich auf den Artikel von Howard Schneider in der Washington Post.
Die Einleitung klang gar nicht mal so schlecht:
"Nach über einem Jahr aggressiver Haushaltskürzungen seitens europäischer Regierungen konfrontiert die Wirtschaftsabschwächung auf dem Kontinent die Politiker von Madrid bis Frankfurt mit der unbequemen Frage: Sind sie dabei das falsche Problem angegangen?"
Yo, könnte man so sagen. Oder fragen. Man könnte auch fragen: Wie, die stellen sich diese Frage erst jetzt? Immerhin, besser jetzt als nie. Hauptsache, endlich kommt einer und identifiziert das (in dem Fall in Spanien) zugrundeliegende wirkliche Problem: die geplatzte Immobilienblase und die unrühmliche Rolle der Banken. Recht hat er, der Howard Schneider. Obwohl, eigentlich haben wir das schon länger gewusst. Egal. Jetzt warten wir gespannt auf Howards Lösungsvorschläge. Vielleicht irgend etwas mit Bankenkontrolle, oder sonst irgendwas Sinnvolles?

Oder auch nicht.
"Aber das überstürzte Reduzieren von Haushaltsdefiziten lenkt möglicherweise ab von politisch schwierigen strukturellen Entscheidungen, die nötig sind, um den Weg für wirtschaftliches Wachstum freizugeben."
Zugegeben, bis zu der Stelle war ich noch gespannt, was der Howard wohl so auf der Platte hat bezüglich "politisch schwieriger struktureller Entscheidungen". Doch dann folgte der Absturz und es wurde grausam:
"Diese (politisch schwierigen strukturellen Entscheidungen) könnten beinhalten: den Verkauf staatlicher/öffentlicher Unternehmen in Griechenland. Oder: den Zusammenschluss der Millionen italienischer Kleinunternehmen zu effizienteren Großunternehmen. In Spanien könnte die Macht der Gewerkschaften ausgebremst werden."
Ah, okay. Die Gewerkschaften sind an allem schuld. Die spanischen Gewerkschaften sind nämlich die eigentlich Verantwortlichen für die gecrashte Immobilienblase. Irgendjemand überrascht?

Und dann diese ineffizienten italienischen Kleinunternehmer! Sollten sich endlich mal ihren kleinteiligen regionalen dolce vita-Firlefanz abschminken und sich an McDo und WalMart ein Beispiel nehmen! Einfach alles outsourcen, wo sie gut drin sind, weg mit der Kultur, her mit den riesigen gesichtslosen Einkaufszentren, rutsch mir doch den Buckel (Apennin) und den Po (Fluss) runter!

Aber Hauptsache, endlich hat es mal einer gesagt. Wieder mal. Kaum steht irgendeine gefloppte neoliberale Null-Denke zur Disposition, wartet hinter der Tür schon der nächste neoliberale Knallkopf und läutet die nächste Trendwende mit der nächsten falschen Antwort ein. Das geht so weiter, keine Sorge, endlos. Denn hinter jeder Tür warten endlos viele korrupte Wirtschaftswissenschaftler und -journalisten auf ihren Einsatz, um uns die nächste Wahrheit über die Finanzkrise um die Ohren zu hauen: Die sozialen Sicherungssysteme sind an allem schuld; die Gewerkschaften; die viel zu teure Gesundheitsvorsorge; porschefahrende Hartz-IV-Empfänger; faule Griechen; zahlungssäumige spanische Hausbesitzer - ach, es gibt so unendlich viele Sündenböcke, die sich endlos ausschlachten lassen.

Alle sind an allem schuld. Alle, außer natürlich den Banken und Finanzcasinoexperten und den Messdienern aus der medialen Ökonomiebranche, die den Karren in den Dreck gefahren haben und jegliche Verantwortung weit von sich weisen. Obwohl sie die ganze Zeit hinterm Steuer gesessen sind.

Donnerstag, 11. August 2011

Damn it!


Ah! Endlich geht eine Welle der Empörung durchs Land.

Indignados quer durch die Bevölkerungsschichten beklagen und verdammen auf höchstem moralischem Niveau die Barbarei auf Englands Straßen sowie - mit dieser Barbarei einhergehend - das Ende von Menschlichkeit und Zivilisiertheit. Wer sich den wohlig konsensgeschwängerten Verdammungsritualen nicht anschließt, weil er sie für moralisch-narzisstisches Schaulaufen hält, wird in einem Aufwasch gleich mit verdammt und der amoralischen Barbarei bezichtigt.

Fast jeder scheint sich in diesen Tagen im Verdammungsmodus sauwohl zu fühlen. Fast jeder scheint zu meinen, das Absondern von selbstgefälligen, verurteilenden, über andere (englische Riots) richtenden Gesinnungssprechblasen sei von irgendeiner Relevanz. Mir gelingt es nicht, darin auch nur die geringste Relevanz zu entdecken. Deshalb enthalte ich mich des Verdammens und des Verurteilens jener Gewalt- und Plünderungsaktionen, was mir insofern nicht schwer fällt, als ich gar kein Bedürfnis danach verspüre.

Dagegen ist es mir ein starkes Bedürfnis zu verdammen und zu verurteilen, was an Gewalt- und Plünderungsaktionen großen Stils seit Jahren an der Tagesordnung ist und wogegen sich ein paar Riots in ein paar Stadtteilen über ein paar Tage hinweg ausnehmen wie hirnlose Kinderstreiche.

Wurden wir nicht erst kürzlich erneut Zeuge von ein paar Plünderungsaktionen gigantischen Ausmaßes? Ausgeführt von den mächtigsten, reichsten, respektabelsten und, nun ja, "zivilisiertesten" Eliten dieser Welt? Wer ist denn - nur so als Beispiel - gerade dabei, mit sogenannten Austerity-Bomben ausgewählte Länder (es werden täglich mehr) zu bewerfen; mit anderen Worten: Klassenkampf von oben herab zu führen? Weiß jemand für Austerity eine bessere Übersetzung als Plünderung? Ich nicht.

"Grab 'n' go mentality" heißt es derzeit gern in der englischen Presse, um den Abscheu gegenüber plündernden antisozialen Jugendlichen angemessen zum Ausdruck zu bringen. Hey, grab 'n' go, hallo? Wer hat den Jugendlichen das beigebracht? Vorgelebt? Wer hat ihnen diese Idee in die Hirne gepflanzt seit dem Tag ihrer Geburt? Sind es nicht die Enkelkinder von Thatcher, die Omas ideologisches Gift perfekt verinnerlicht haben? I wonder, don't you? Wer verdammt hier wen? What you reap, is what you sow.

Händeringend wurde in der britischen Tageszeitung Guardian der paralysierte Zustand der westlichen Gesellschaften beklagt. Die Finanzkrise. Der phone-hacking-Skandal. Die "Impotenz" des "demokratisch gewählten Führungspersonals". Und jetzt das: riots on the streets - wildgewordene, plündernde, brandschatzende Horden ohne Sinn und Verstand! - Empörung pur:
"...(who) have no apparent drive beyond the opportunistic desire to steal and get away with it."
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
"von nichts anderem angetrieben als von dem opportunistischen Wunsch zu stehlen und damit ungestraft davonzukommen".
Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Fällt uns dazu mehr nicht ein? Doch, mir schon: Immerhin haben diese jugendlichen Plünderer keine 17 Milliarden Bailout-Euro geplündert. Oder Dollar. Oder Billionen. Oder noch mehr. Mein' ja nur. Wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Womit ich abschließend betonen möchte, dass ich keine Art von Plünderung gutheiße, egal welche. Nur, der Kontrast zwischen dem tödlichen Schweigen, wenn antisoziale Banker im großen Stil plündern, und der geräuschvollen moralisch-empörten Aufwallung, wenn antisoziale Jugendliche ein paar Turnschuhe plündern, der ist schon...wie soll ich sagen? Lehrreich.

Donnerstag, 24. März 2011

Finden ohne Suchen


Frühmorgens auf den Balkon treten und die noch kalte Frühlingsluft schnüffeln.

Mehr ahnen als wissen, dass sie sich geschwind erwärmen wird.

Irgendeine Sehnsucht spüren, ohne sich zu kümmern, wonach.

Etwas finden, was der Sehnsucht eine Gestalt gibt:



Der katalanische Künstler Juan Miró und der amerikanische Jazzmusiker Duke Ellington begegnen sich zum ersten Mal für eine improvisierte Jazz-Session während einer Miró-Ausstellung in Südfrankreich.

Miró erzählt Ellington etwas über seine Skulpturen. Er tut es auf Französisch, und der Duke versteht kein Wort. Der Duke antwortet auf Englisch, und Miró versteht kein Wort. Beide verstehen sich großartig.

Inspiriert setzt sich der Duke ans Klavier und fängt an zu spielen. Der Schlagzeuger Sam Woodyard und der Bassist John Lamb lauschen und fallen ein. Lauschend lehnt sich Miró an eine Skulptur, genießt die Frühlingssonne und freut sich. Selbst die Skulpturen lauschen und freuen sich. Am Ende der Session ist die Luft so voller Energie, dass man die Knospen bersten hören kann.

Manchmal geschehen wundervolle Dinge, einfach so, wie aus dem Nichts.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Die lieben Nachbarn


Vive La France. Nachdem ich heute früh im Radio gehört hatte, dass im Nachbarland das Benzin immer weniger und der Widerstand immer mehr werden, dachte ich: Zeit für eine kleine Umfrage. Und zwar - wo sonst? - in meinem multiethnisch prekärgeprägten Berufsumfeld. Einfach so, aus Neugierde. Weil, ich persönlich finde das schon recht fesselnd, was sich zur Zeit auf der anderen Seite des Rheins abspielt.

Auf dem Fahrrad überlegte ich mir eine passende Einstiegsfrage. Was hältst du von den Franzosen? schien mir nicht schlecht, weil a. offene Frageform, b. schön allgemein gehalten und c. jeder irgendwie eine Meinung zu den Franzosen hat. Und wie das so ist, wenn man gefesselt ist von etwas, dann denkt man automatisch, die anderen wären davon auch gefesselt. Kann aber nach hinten losgehen.

Aber erst mal von vorne: Ich kehrte gerade die Hintertreppe, da fing der jugoslawische Getränkelieferant (ein Bosnier, der es vorzieht, sich als Jugoslawen zu bezeichnen) an, seine Kästen in den Keller zu wuchten. Er nennt mich seit längerem 'Mala' - ich ihn seit kurzem 'Malo', ohne einen blassen Schimmer zu haben, was beide Worte auf Jugoslawisch bedeuten. Manchmal sagt er auch 'Maletzka'. Heute rief er "Hallo Maletzka!" über den Hof, der Besen ruhte, Malo baute sich vor mir auf (Schrank von Mann) und wollte wissen, was es Neues gäbe.

Mein Einsatz. "Malo, was hältst du von den Franzosen?", fragte ich ihn mit einem gewissen Nachdruck in der Stimme. Malo schaute mich entgeistert an. Dann zog er seine Mundwinkel verächtlich nach unten, schnappte sich mit Schwung zwei volle Kästen, hievte sie auf die XXL-Schultern, beugte sich leicht vor, knurrte: "Phhh. Die Franzosen. Die haben keine Lust zu arbeiten!" und trat den Abstieg in den Keller an. Als er mit leeren Kästen die Treppe wieder hochkam, rief er: "Faul sind die!", und als er schließlich vor mir stand, mit Nachdruck in der Stimme: "Einfach faul und sonst nichts."

Von dieser Reaktion des Malo war die Maletzka einigermaßen überrascht, und nicht nur das, sondern provoziert. Ich bekam Lust, ein wenig rumzuätzen und meinte: "Alle Achtung, du hast dich ja ganz schön germanisiert." Malo grinste. "In Bosnien wäre ich auf der Straße, verstehst du?", antwortete er, und nach einer Pause: "Verstehst du, wie ich das meine? Ich wäre auf der Straße, weil ich keinen Job hätte, und deshalb wäre ich auf der Straße, um zu protestieren." Er hievte sich die nächsten zwei Kästen auf die Schultern und fügte hinzu: "Ich lebe aber nicht in Bosnien, sondern in Deutschland - ich will arbeiten, und in Deutschland habe ich Arbeit." Maletzka verstand, wenn auch widerwillig, und dann lachte Malo und sagte: "Außerdem, die Deutschen streiken nicht. Die Deutschen? Nie im Leben!"

In dem Moment erschien Frau Übermop im Treppenhaus und kommentierte lakonisch von hinten: "In Deutschland wird nicht gestreikt!" - auch sie mit einem gewissen Nachdruck in der Stimme, so als ob sie ergänzt hätte "...und das ist auch gut so". Schwerbeladen pumpte Malo an ihr vorbei und schnaubte: "Ihr Deutschen habt dauernd Angst. Angst, dass ihr eins auf den Deckel kriegt. Deshalb rührt ihr euren Arsch nicht. Für einen Jugoslawen ist es schwer zu verstehen, vor was die Deutschen eigentlich so viel Angst haben." Es klang spöttisch und ein bisschen mitleidig.

Dann fuhr der marokkanische Gemüselieferant zum Hof herein. Ich so zur Begrüßung: "Hey, was hältst du von den Franzosen?", und er, empört und mit großem Nachdruck: "Ich bin doch kein Franzose!" und weiter: "...haben die nix anderes zu tun als Chaos im Land zu machen?" und schließlich: "Die Franzosen sind ein faules Volk." Umfragen können sich vernichtend anfühlen.

Tendentiell krawallig erinnerte ich den Marokkaner daran, dass sich 'die Franzosen' zu einem erheblichen Teil aus seinen Landsleuten rekrutierten; ob er etwa glaube, die in Frankreich lebenden Marokkaner würden aus Faulheit auf die Straße gehen? Beschwörend hob er beide Hände: Marokkaner, das sei etwas ganz anderes als Franzosen, "die schuften extrem hart in Frankreich - wenn die auf die Straße gehen, haben sie einen Grund!" Ich verstand. Aber auch wieder nicht.

Beim Kaffeetrinken fragte ich den spanischen Hausmeister, was er von den Franzosen hielte. "Überhaupt nichts", knarzte er (mit Nachdruck!), "die sind zu faul zum Arbeiten. Franzosen eben. Savoir vivre." Und nach kurzer Pause: "Die Franzosen werfen uns Spaniern immer vor, wir seien faul, weil wir unsere Siesta so lieben", obwohl doch, fuhr er fort, die Produktivität eines Menschen eindeutig gesteigert werde durch eine anständige Siesta, wie sich eben an den Spaniern beweisen ließe.

Trotzdem, machte er etwas gönnerhaft weiter, "...streiken können sie wirklich - die Franzosen wissen, wie's geht, das macht ihnen kein Land nach. Sie können zwar nicht arbeiten, dafür können sie richtig gut streiken." Er sagte dies teils anerkennend, teils abschätzig; etwa so, wie man über einen ausgebufften, erfolgreichen Kriminellen spricht, der einem imponiert.

Dann allerdings verspürte er ein dringendes Bedürfnis, sein Kompliment an die Franzosen zu relativieren: "Erst mal abwarten, ob sie es wirklich schaffen." Wie?, es?, was?, fragte ich ihn erstaunt. "Na, noch haben sie keinen Generalstreik geschafft!", erklärte der Spanier triumphierend, "das müssen sie erst mal beweisen! Erst dann spielen sie in der gleichen Liga wie wir. Vor ein paar Wochen war in ganz Spanien Generalstreik. Wenn die Franzosen das hinkriegen, habe ich Respekt vor ihnen."

Ach so. Die ganze Sache lässt sich natürlich auch sportlich nehmen, mit so einem olympisch angehauchten Grundgedanken. Für einen Moment verlor ich mich in Phantastereien, wie es wäre, wenn die Völker dieser Erde in einen edlen Wettstreit träten, welches von ihnen wohl am besten streike. Dass den Deutschen hierfür jeglicher patriotische Ehrgeiz abgeht, versteht sich von selbst. Es stimmt schon, die Franzosen und die Spanier haben es drauf, die Italiener sind auch nicht schlecht, und erst die Griechen! - hat man ja kürzlich gesehen. Halt wieder mal die üblichen Verdächtigen, all diese Südeuropäer. Obwohl, erst neulich haben die Iren es ordentlich krachen lassen, und waren es davor nicht die Isländer, die, vulkanähnlich, ihren geballten Zorn öffentlich entladen hatten? Es müssen ja nicht überall die Deutschen die Sieger sein - man kann sich auch ganz sportlich mit den anderen freuen. Hauptsache, es kommt Bewegung ins Hamsterrad.

Als ich gerade Feierabend machte, erschien einer der Weinlieferanten. Ein Deutscher. Genauer gesagt, ein Pfälzer. Eigentlich machte ich mir wenig Hoffnung, dass ausgerechnet ein deutscher Weinlieferant meine Umfragewerte noch herumreißen würde können; aber da ich weiß, dass er sein Weingut direkt an der Grenze zu Frankreich hat, dachte ich, Mensch, der ist irgendwie hautnah dran, mal sehen, was er so meint.

Ich also: "Sag mal, was hältst du von den Franzosen?", und er ließ die soeben angehobene schwere Weinkiste wieder sinken, stemmte beide Fäuste in die Seiten und antwortete voller nachdenklichem Ernst: "Willst du meine ehrliche Meinung hören?", ich so: "Klar!", und er: "Ich denke, es wird allerhöchste Zeit, dass die Leute endlich aufwachen und kapieren, dass sie nach Strich und Faden verarscht worden sind und dass sie, wenn sie das nicht kapieren, in Zukunft noch schlimmer verarscht werden. Die Franzosen haben's anscheinend kapiert."

Und nach einer Pause: "Mich freut das irgendwie." Prüfend musterte er mich, dann sagte er: "Aber nicht, dass du das jetzt falsch verstehst!" Ich musste lachen und freute mich. Ich freute mich über dasselbe wie der deutsche Weinlieferant, freute mich außerdem über den Weinlieferanten sowie darüber, dass er sich über dasselbe freute wie ich.

Seltene Momente sind das im Leben, ganz seltene. Und kostbare. Und was die Umfrageergebnisse angeht - na ja, sind vielleicht nicht exakt das, was man unter fesselnd versteht, liefern aber Stoff zum Nachdenken. Ist doch schon mal was.

Sonntag, 11. Juli 2010

Strong Tobacco


Starker Stoff:
That they're no longer getting government handouts means, of course, that they're no longer unemployed - if you're a member of the Goebbels Media, which both the Department of Labor and the mainstream press appear to be.
So sarkastisch kommentiert der Wirtschaftsblogger Karl Denninger vom Market Ticker den Hype, den die kürzlich veröffentlichten - angeblich gesunkenen - Arbeitslosenzahlen in Amerika ausgelöst haben (Titel: Jobless Benefits Not Extended, Market Roars!, in etwa: Kein Geld mehr für die Arbeitslosen, und schon brüllt der Markt).

Vor kurzem war eine Verlängerung des Bezugs von Arbeitslosengeld vom amerikanischen Kongress abgelehnt worden; eine vorausschauende Entscheidung mit Sinn fürs Praktische, denn wem jetzt - nach in Amerika üblichen 99 Wochen - das Arbeitslosengeld gestrichen wird, der gilt damit als nicht mehr arbeitslos und wird von der Statistik nicht mehr geführt. Das lässt die Statistik hübsch aussehen, und das muss der Kongress jetzt feiern. Der Markt auch. Die Medien erst recht.

Denninger nennt sie Goebbels 'reporters'. Darf der das?