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Mittwoch, 20. November 2013

Ein Wettbewerber mehr


Ich liebe Cartoons.
Weil sie mit wenigen genialen Strichen mehr sagen als tausend Worte.

wurde über Nacht angemessen visualisiert:


Die Konkurrenz schläft nicht.
Nirgends.
Der Markt wird's richten.
Wer sonst.

Donnerstag, 5. September 2013

Kriegsverlierer


Eine immer wieder interessante, wenn auch völlig fruchtlose Überlegung ist diese: Wo nehmen die bloß all das Geld her? Das viele Geld, das so ein Krieg (pardon: Intervention) kostet? Wächst das auf den Bäumen? Kommt es aus der Steckdose? Quatsch. Das Geld ist da. Einfach da. No need to worry. Klar? Wie ein Mitglied der Obama Administration mitteilte,
... könne eine knapp kalkulierte maßgeschneiderte Operation aus "existierenden Ressourcen des Verteidigungsministeriums" bezahlt werden.
- ließe sich also quasi aus der Kriegsportokasse finanzieren und würde "den U.S. Steuerzahler keinen Cent mehr kosten als was an Geld ohnehin bereitgestellt ist". Keinerlei zusätzliche Kosten! Ist das nicht Musik in den Ohren des amerikanischen Steuerzahlers? Hat das nicht Rhythmus, wo jeder mit muss, auf in den Krieg? Gib uns dein Jawort, Bürger, wir übernehmen die Kosten und alles weitere.

Alles weitere? Ja logisch, auch die immensen Kosten des jetzt aufflammenden, sich stündlich steigernden Propagandablitzkrieges übernehmen wir, mach dir keine Sorgen, lass dir einfach unsere unwiderstehlichen Pro-Kriegs-Argumente um die Ohren hauen, den Rest erledigen wir, denn wenn wir etwas virtuos beherrschen, dann Argumente aus dem Nichts zu zaubern, aus den Retorten unserer hochtourigen War-sells-Maschinerie, die rotiert jetzt in full swing und wehe, es meldet sich ein zaudernder Zweifler zu Wort.

Zum Beispiel so einer:
Ein anderer Bediensteter des Weißen Hauses wandte ein, ohne ein genaueres Verständnis der Operation sei es unmöglich, ein exaktes Preisschild anzubringen. 
"Who the fuck knows what it will cost? Das hängt total davon ab, was passieren wird."
What the fuck? Klingt logisch, wird aber nicht gern gehört:
"Natürlich hängt das davon ab, was wir machen werden. Aber die Mehrkosten des Krieges in Libyen waren so rund eine Milliarde, und damit sind wir ein ganzes Stück weit hingekommen. Mag sein, dass der Kongress bewilligen muss, Geld hin- und herzuschieben (innerhalb existierender Budgets), aber wirklich, da werden keine so großen Kosten auf uns zukommen."
Preisschilder.
Knapp kalkuliert.
Maßgeschneidert.
Keine Zusatzkosten.
Eventuell Mehrkosten.
Aber nicht so furchtbar doll, "wirklich", jetzt mal ganz ehrlich.
Wir werden mit dem Geld schon irgendwie hinkommen.

Und falls nicht, wozu haben wir Budgets?
Zum Hin- und Herschieben.
Zum Kürzen.
Zum Aufrüsten des Kriegs-Budgets.
Zum Herunterwirtschaften eines ganzen Landes.

Eines Landes, dessen Lebensbedingungen noch nicht "wirklich" - jetzt mal ehrlich - auf Dritte-Welt-Niveau angekommen sind. Nur auf einem guten Weg dorthin, mit klarem Kurs und voller Kraft voraus:
In ganz Amerika zerbröckeln Brücken infolge zu niedriger Reparatur-Budgets
Laut vieler Ingenieure sind Tausende von Brücken dem Zusammenbruch nahe. Das Geld, um sie zu reparieren, wird immer knapper.
Jeden Tag fahren U.S. Pendler mehr als 200 Millionen Umwege um defekte Brücken herum.
Beamte einiger Bundesländer warnen, ohne beträchtliche Bundesmittel - solche, die kürzlich im Kongress gesperrt wurden - seien sie gezwungen, viele ihrer defekten Brücken zu schließen und es damit Autos, Fahrzeugen für den Noteinsatz und Schulbussen zu verunmöglichen, komplette Stadtteile zu erreichen.
Die bankrotte amerikanische Stadt Detroit hat kein Geld mehr, um amtliche Totenscheine auszustellen. Weil sie kein Geld hat, um das Papier zu bezahlen. Und weil der Papierlieferant sich weigert, die Stadt weiterhin auf Pump zu beliefern:
Der Tod nimmt frei als Folge des Bankrotts
Nichts leichter als zu sterben im bankrotten, oft bizarren Detroit - viel schwerer ist es zu beweisen, dass du tatsächlich tot bist.
Ohne beglaubigte Kopien von Sterbeurkunden haben Hinterbliebene keinen Zugang zu Bankkonten, Lebensversicherungen oder Testamenten.
Kurz nachdem der Verwaltung das Papier ausgegangen war, teilte sie Bestattungsunternehmern mit, sie sei nicht länger imstande, an Sonntagen Leichen aus dem Leichenschauhaus freizugeben. Die Bestattungsunternehmer sind nicht erfreut. "Der Tod kennt keine Sonn- und Feiertage. Der Tod geschieht an jedem Tag der Woche und ganz besonders an Wochenenden." 
Noch eine Drehung weiter auf der tödlichen Abwärtsspirale Detroits:
Detroit geht vor die Hunde... buchstäblich
Detroit ist auf dem Weg, zur Geisterstadt zu werden, allerdings bedeutet das Verschwinden des Homo Sapiens von den Straßen nur, dass die größte amerikanische Bankrottstadt im Begriff ist, von anderen Lebewesen beherrscht zu werden - von des Menschen ehemals bestem Freund, in Gestalt Zehntausender streunender Hunde, die meisten davon eine besonders gefährliche Rasse: Pitbulls. Step aside Motown, and say hello to Dogtown.
Um die 50.000 streunende Hunde übervölkern die Straßen und leerstehenden Häuser und verdrängen Bewohner oder bedrohen Menschen, die in ihren Häusern bleiben. Hunde, die immer hungriger werden und immer weniger domestiziert:
Die Armut tobt durch Motor City, viele Hunde wurden von ihren finanziell ruinierten Besitzern zurückgelassen, um sich alleine durchzuschlagen. 
Pitbulls sowie mit ihnen vermischte Hunderassen dominieren Detroits streunende Bevölkerung -
- und vermehren sich in unkontrollierbaren Ausmaßen. Unkontrollierbar deshalb, weil das städtische Budget für Hundefänger drastisch heruntergefahren wurde. Der Südwesten Detroits wird von Postboten nur noch mit Pepperspray betreten, um sich gegen scharenweise streunende kleine, bösartige Hunde zur Wehr setzen zu können.
Die gute Nachricht: Vorläufig handelt es sich bei den Streunern um Hunde. Wie lange wird es dauern, bis Menschen sich gezwungen sehen, andere Menschen zu jagen, unter ihnen bösartige Killer, die die Straßen bevölkern werden dort, wo auch immer der nächste und größte Fall einer bankrotten Kommune auftreten wird?
So viel zu Detroit, der ersten, aber gewiss nicht letzten bankrotten Großstadt Amerikas; eher ein menetekel-artiger Mikrokosmos dessen, worauf das gesamte Land zusteuert:
Sequester-Kürzungen treffen Arme besonders hart
Essen auf Rädern, ein Programm zur Lieferung von Mahlzeiten an alte Menschen, die zu gebrechlich sind, um ihr Haus zu verlassen. Kürzlich wurden zusätzliche 11 Prozent aus den Budgets gekürzt, für den Herbst stellt man sich auf weitere Kürzungen ein.
Es ist sechs Monate her, seit die Regierung Budget-Zwangskürzungen in Höhe von 85 Milliarden Dollar verhängte, von denen am härtesten die ärmsten Amerikaner getroffen wurden.

(Alles Meldungen aus den letzten Tagen, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.)


So viel zum sorglosen Hin- und Herschieben von Budgets, zum spendablen Aufrüsten des Kriegs-Budgets, zum mutwilligen Herunterwirtschaften eines Landes auf Dritte-Welt-Niveau.

Ein erstes, eher emotional gehaltenes Resümee:
Sorry, But Fuck Syria
Quer durch Amerika, in einer Stadt nach der anderen, in einem Bundesland nach dem anderen, werden die Grundlagen des täglichen Lebens (und des Todes) zerstört, nicht zuletzt durch unsere Unfähigkeit, Geld bereitzustellen für das, was für Amerikaner lebenswichtig ist, für das, was aus Amerika ein großartiges Land machen könnte. Eine Nation mit einer Stadt, die es sich nicht leisten kann, Geburts- und Sterbeurkunden auszustellen, weil ihr das Papier fehlt, ist eine Nation, die absolut kein Recht hat, Millionen, vielleicht Milliarden Dollars auszugeben, um Syrien zu bombardieren, nur weil der dortige wahnsinnige Präsident etwas Wahnsinniges angerichtet hat.
No, sorry, but fuck Syria. Sobald wir aufhören, Lehrern zu erzählen, sie müssten Gehaltskürzungen hinnehmen, und erst wenn wir den Kindern von Chicago zusichern können, dass sie nicht erschossen werden, erst dann können wir der Welt etwas über unsere moralische Autorität erzählen.
Ein zweites, kälteres Resümee, das mit dem Messer in die offene, offen zutage liegende Wunde stößt:
Wahnhaft gestört im Zeitalter der einzigen Supermacht
von Tom Engelhardt
Von Lateinamerika bis in den größeren Mittleren Osten zeigt sich das amerikanische System sichtbar geschwächt, während bei ihm zuhause Ungleichheit und Armut auf dem Vormarsch sind, die Infrastruktur zerbröckelt und die Politik des Landes in einem Zustand permanenten "Infarktes" verharrt.
Was sollen wir am Ende aus einem Planeten machen mit einer einzigen Supermacht, die keinerlei echten Feinde von Bedeutung hat und die, allem Anschein nach, gleichwohl einen permanenten globalen Krieg führt mit... nun gut, mit sich selbst - - und dabei zu verlieren scheint?
Die beste, scharfsinnigste Diagnose, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Amerika führt einen Krieg gegen sich selbst. Und wird ihn verlieren.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Welcome to Watergate


Oh Heiliger Sankt Benedikt,
jetzt sind sie völlig ausgetickt.

Haben den bolivianischen Präsidenten Morales vom Himmel runtergeholt, nachdem bekannt wurde, dass Frankreich und Portugal Snowdens Asylgesuch ablehnen und Morales die bodenlose Frechheit besaß durchblicken zu lassen, er wolle sich die Sache mit dem Asyl überlegen, und wenn einer sich die Sache mit dem Asyl überlegen will und obendrein die noch bodenlosere Frechheit besitzt, dies öffentlich kundzutun, dann sei ihm erst recht die bodenloseste aller Frechheiten zuzutrauen, dass er den geheimdienstlich gesuchten schwersten aller Schwerverbrecher heimlich am Moskauer Flughafen an Bord habe schmuggeln lassen, diesem nun auf seinem Nebensitzplatz im Flieger vorläufiges Asyl gewähre, um ihn sodann ins verräterischste aller verräterischsten Länder, Bolivien, zu kidnappen zum Zwecke der endgültigen Asylgewährung.

Immerhin, sie haben das Flugzeug, in dem der verdächtigte Morales (übrigens ohne den verdächtigten Snowden) saß, nicht vom Himmel runtergeschossen, halt bloß runtergeholt, weil, heutzutage wird ja mit verfeinerten Methoden gearbeitet, besonders seitens des verfeinertsten aller US-Präsidenten - seit, sagen wir mal, Nixon - also seitens jenes US-Präsidenten, der vor zwei Tagen noch feinsinnig den coolen Obermacker gab, als er - vor lauter Herablassung kaum mehr laufen könnend - schnöselte, er habe "es nicht nötig, wegen eines 29-jährigen Hackers irgendwelche Flugzeuge aufzumischen", na gut, das war vorgestern, was schert einen obercoolen Menschenjäger sein cooles Geschwätz von vorgestern, heute ist heute, und heute hat Barack Cool Obama halt was davon "gehört", der Bolivianer hätte einen 29-jährigen Hacker neben sich im Flugzeug sitzen, und es deshalb für cool gehalten, dieses Flugzeug mal eben im Morgengrauen aufzumischen. Kann man ja mal machen, ist ja nichts dabei.

Ist ja auch nichts dabei, sich verfeinerter Ausschnüffelmethoden zu bedienen, um im Jahr 2012 ein zweites Mal zum coolsten US-Präsidenten aller Zeiten gewählt zu werden. Kann man ja mal machen, warum auch nicht? Hat ja schließlich funktioniert.

Der zur Altersmilde gereifte Mick Jagger von den Rolling Stones mag zwar nicht mehr so obercool sein, wie er mal war, aber ein verdammt cooler Hund ist er trotzdem. Vor ein paar Tagen witzelte er während eines Stones-Konzertes, das um die Ecke des Weißen Hauses stattfand:
"Ich glaube nicht, dass Präsident Obama hier anwesend ist, aber jede Wette, der hört unser Konzert ab!"


Welcome to Watergate, Mr. Big Data President.

Dienstag, 2. April 2013

Frisch vom Ticker


+++Rekordmeldungen am laufenden Meter+++

+++optimistische Stimmung an den Kapitalmärkten+++

+++Arbeitslosigkeit auf historischem Hoch+++

+++Wachstumsprognosen positiv+++

+++Hauptbörsen zeigen sich stimuliert+++

+++Jugendarbeitslosigkeit erreicht
rekordverdächtigen Höchststand+++

+++Investoren: auf steigende Tendenz spekulierend+++

+++Zahlen für Griechenland in Kürze erwartet:+++
+++60-Prozentmarke endlich geknackt?+++

+++Zahlen für Zypern:+++
+++Enttäuschend, da nur leicht über EU-Mittelwert+++

+++Optimistisches Signal aus Zypern:+++
+++"Keine Sorge, das wird schon, spätestens bis Sommer 2013
haben wir alle anderen abgehängt!"+++

+++Reaktion auf den Märkten: verhalten euphorisch+++

+++Und jetzt alle:+++
+++Weiter so!+++
+++Nicht nachlassen!+++
+++Keep austerity rocking!+++


Donnerstag, 21. März 2013

Die Bulldozer sind unter uns


Also, jetzt mal eins nach dem andern.

Da wäre zum einen die Revolution. Dauert womöglich noch eine Weile. Und dann wäre da der Bank Run. Dauert auch noch, kommt aber höchstwahrscheinlich vorher. Beiden, der Revolution und dem Bank Run, ist gemeinsam: They will not be televised. Auf gar keinen Fall. Weil, die Medien werden ja nicht dafür bezahlt, dass sie die Leute auf dumme Gedanken bringen. Im Gegenteil. Sie werden dafür bezahlt, dass sie die Leute von solcherart systemgefährdendem Blödsinn abhalten.

Weshalb es völlig witzlos ist, vor der Glotze zu sitzen und zu zählen, wie viele Leute inzwischen vor den Bankomaten Schlange stehen. Es werden nie mehr als vier oder fünf sein. Höchstens mal der eine oder andere Bulldozer dazwischen, wie zur Zeit in Zypern, das ist dann aber schon das Höchste der Gefühle. Weil, Bulldozer vor Banken bringen Einschaltquote, und immer nur vier oder fünf Hanseln vor einem Bankomaten zu zeigen wird ja auf Dauer auch langweilig.

Nur, vor der Glotze sitzen und drauf warten, dass der Bulldozer endlich in die Schalterhalle reinbrettert - vergiss es, Baby. Bis auf weiteres wird der Bulldozer, mattscheibenfreundlich und dekorativ, vor der Bank so statisch rumstehen wie ein Brückenpfeiler aus Beton, wie ein uriges prähistorisches Requisit aus dem ZDF-Fernsehgarten, und sich nicht von der Stelle rühren; dafür sorgen die wesentlich dynamischeren Bulldozer der sogenannten Eurogroup, allen voran der Oberbulldozersturmführer Schäuble, der händereibend frohlockt, dass in den zyprischen Banken eh kein Geld zu holen sei, jedenfalls so lange nicht, wie kein böser Russe hinterm Steuer des Bulldozers sitzt, was zuverlässig daran zu erkennen sei, wenn aus dem Bulldozerauspuff ein paar stinkende Erdgaswolken entweichen -

Cartoon: Fricca

- weshalb sich Chefbulldozer Merkel - mit der russischen Materie seit Kindesbeinen vertraut - nachdrücklich verbeten hat, dass die zyprische Regierung mit irgendjemand anderem verhandelt als mit der Troika. Irgendwie ist der Bulldozerchefin dabei aus dem Blick geraten, dass sie zwar Kanzlerin von Deutschland, aber (noch) nicht von Europa ist, aber sie übt halt fleißig, man muss ihr das nachsehen.

Jedenfalls, die Sache mit dem Bank Run. Der muss, da sind sich alle einig, auf Biegen und Brechen verhindert werden. Nur, wie? Ein erster, wichtiger Schritt ist bereits gemacht: Die Banken in Zypern bleiben einfach geschlossen, fertig. Erst mal bis übers nächste Wochenende. Und weil, günstigerweise, der Montag nach dem nächsten Wochenende ein Feiertag ist ('Griechischer Unabhängigkeitstag', meine Güte, von wem sind die unabhängig? Doch wohl nicht von der Troika?), werden die Banken bis mindestens nächsten Dienstag geschlossen bleiben. Oder noch länger. Vielleicht für immer. Was natürlich, im Sinne der Unterbindung eines Bank Run, eine extrem praktische, auf allen Seiten bulldozersparende Lösung wäre.

Immerhin ist jetzt bis Dienstag genug Zeit, dem gefürchteten Bank Run prophylaktisch entgegenzuwirken, also die bewährten Propagandageschütze anzuwerfen und die Zyprioten aus allen Rohren zu beballern, dass ihr Erspartes sicher, wirklich garantiert sicher sei, aber nur und ausschließlich dann, so lange sie es auf der Bank lassen. Vorher, da sind sich alle einig, ist es völlig sinnlos, die Banken wieder zu öffnen. Sollten die zypriotischen Bankkunden weiterhin stur bleiben und partout an ihre Kohle ran wollen, bleiben die Banken halt weiterhin geschlossen, basta.

Sollten jedoch auch künftig, trotz allen guten Zuredens, die Leute einfach nicht zur Vernunft zu bringen sein, dann muss mit härteren Bandagen vorgegangen werden. Quasi mit Handschellen. Ein neues Notgesetz, das den Bank Run bei Strafe verbietet, liegt bereits in den Schubladen. Selbstverständlich etwas geschmeidiger formuliert, etwa so: Zu Ihrem Schutz und der Sicherheit Ihrer Bankeinlagen sind Sie ab sofort gehalten, pro Tag maximal 100 Euro von Ihrem Konto abzuheben oder zu überweisen; bei Zuwiderhandlung belasten wir mit einer nach oben offenen Zwangsabgabe Ihr Guthaben so lange, bis Sie keines mehr haben.

Völlig bescheuert oder was? Keine Spur. Hätte vor nur einer Woche irgendjemand erzählt, das EU-Bulldozerteam werde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Bankguthaben der Bürger eines europäischen Landes konfiszieren - alle hätte geschrien: völlig bescheuert oder was?

Das Grauen kommt auf leisen, aber schnellen Sohlen.
In kundenfreundlicher Bulldozerlautstärke.

Montag, 18. März 2013

Ende der Fahnenstange


Ja, das kommt halt davon, wenn die Banken einfach geschlossen werden am Montag, und dann auch noch bis Dienstag, und auf einmal auch bis Mittwoch und, gerüchteweise, sogar bis Donnerstag, ja, welcher Donnerstag denn jetzt, diese Woche, nächste Woche, nächsten Monat oder wann?

Jedenfalls, wenn die Banken dauernd geschlossen sind und die Leute nicht an ihr Geld kommen, dann gehen die Leute halt woanders hin, weil, irgendwohin müssen die Leute ja gehen oder vielmehr sie wollen irgendwohin gehen, und da bot sich heute eben die deutsche Botschaft in Zypern an:



Zur Kasse, Schätzchen

Merkel macht mobil:
"Jeder, der ein Bankkonto in Zypern hat, muss auch für die Zypern(vulgo: Banken-)-Rettung zur Kasse gebeten werden, denn damit werden die Verantwortlichen mit einbezogen."
Zu der Tatsache, dass damit die kleinen Leute in Zypern als die "Verantwortlichen" der Euro-Krise auf Zypern identifiziert werden, äußerte sich Merkel nicht.
Hingegen äußerte Merkel sich in einer solidarischen Botschaft an die zypriotischen Kleinsparer, das Einbeziehen der Verantwortlichen sei alternativlos:


Update:

Donnerwetter, Chapeau: Grußbotschaft zurück aus Zypern.

Cyprus strikes back:



Samstag, 23. Februar 2013

Von grauen Mäusen und braunen Schlangen


Heute: Die Sendung mit der Maus.

Weil, über irgendwas muss man ja schließlich lachen, auch wenn es einem pausenlos vergeht. Also lachen wir heute über Mäuse, getreu dem Motto: Je mehr Mäuse, desto mehr gibt es zu lachen. Und nein, wir gehen zum Lachen nicht nach unten, also in den Keller, obwohl dort unten ziemlich viele Mäuse zugange sind, sondern schauen nach oben, also in den Himmel, aus dem zwar keine guten Witze fallen, aber dafür Mäuse. Echt jetzt! Von dort oben fallen so viele Mäuse runter, dass man problemlos bis an sein Lebensende lachen könnte, falls man sich an keiner herunterfallenden Maus verschluckt und vorzeitig totgelacht hat.

Es fallen nämlich Millionen und Abermillionen von Mäusen vom Himmel. Um genau zu sein: Sie fallen nicht wirklich, vielmehr schweben sie vom Himmel hoch an klitzekleinen niedlichen Fallschirmen nach unten. Nein, ich spinne nicht. Doch, Millionen von Mäusen wird demnächst je ein Fallschirm um den befellten Leib gebunden und sie, die Mäuse, auf das irdische Leben hier unten auf Erden losgelassen werden, auf dass alles, was auf Erden kreucht und fleucht, sich an schwebenden Mäusen satt essen kann.


Wie, neuer Fleischskandal? Quatsch. Es fliegen ja (noch) keine Lasagnepäckchen an Fallschirmen vom Himmel runter, und die fliegenden Mäuse sind auch (noch) nicht für den menschlichen Verzehr gedacht. Sondern nur für das, was kreucht, und das sind nun mal in erster Linie Schlangen, die sich gern von Mäusen ernähren; namentlich die auf der (als Luftwaffenstützpunkt genutzten) US-Pazifik-Insel Guam beheimatete Braune Nachtbaumnatter.
Tote Mäuse werden auf Guam aus Hubschraubern fallengelassen
- um der Braunen Nachtbaumnatter den Garaus zu machen. Weil nämlich die Nachtbaumnatter alles frisst, was nicht bis drei auf den Bäumen ist, und selbst das flinke Vogelgetier, was es bis drei auf die Bäume geschafft hat, wird von der maßlos gefräßigen Natter quasi im Fluge vertilgt, weil es nämlich die Nachtbaumnatter ruck-zuck bis drei auf die Bäume schafft, weshalb sie auch Brown Tree Snake (Braune Baumschlange) genannt und von der amerikanischen Regierung als mittelschwer bedrohlicher Terrorist eingestuft wird: Immerhin gibt es mittlerweile keinen einzigen Vogel mehr auf der Insel Guam, dafür über zwei Millionen Braune Nachtbaumnattern.
Die US-Regierung plant, vergiftete Mäuse per Fallschirm abzuwerfen, um die Schlangeninvasion zu bekämpfen
Vergiftete tote Mäuse per Fallschirm aus Hubschraubern? Ja freilich, die amerikanische Luftwaffe hat es einfach drauf - ohne ausgefeilte Logistik keine effiziente Terroristenbekämpfung. Das macht, hochgerechnet, bei mehr als zwei Millionen Nattern mindestens vier Millionen Fallschirmjäger-Mäuse, für den Fall, dass ein paar vergiftete Mäusegeschwader danebenfliegen und von hungrigen Katzen gefressen werden (für den Fall, dass auf Guam die Katzen nicht längst von den Nattern gefressen worden sind) oder die verfressene Natter beim ersten Happen noch nicht tot umfällt. Beim heiligen Natterngezücht, vier Millionen Mäuse segeln an Fallschirmen durch die Lüfte! Muss man sich mal vorstellen.

Wieso eigentlich an Fallschirmen? Könnte die Luftwaffe nicht einfach gezielt ein paar Dutzend Mega-Mäuse-Streubomben über die Bäume fallen lassen? Kann sie nicht. Weil, die Nachtbaumnatter ist zwar böse, aber erstens nicht blöd und zweitens liebt sie Frischfleisch. Am liebsten lebendige Mäuse. Nur, wie soll die Luftwaffe lebendige Mäuse vergiften und trotzdem am Leben lassen? Geht ja auch nicht. Also muss die Sendung mit der frisch vergifteten Maus (pro Maus 80 Milligramm Acetaminophen bzw. Paracetamol) quasi noch warm an einen Fallschirm gebunden werden, damit die Fallschirmstricke sich in den Bäumen verheddern, die tote Maus keinen Faden abbeißt und die Natter denkt: Praktisch, ein frisches Mäusefrühstück direkt vor meiner Nase. Ist nämlich die tote Maus erst mal ins Gras statt ins Laub gefallen und gammelt unfrisch vor sich hin, vergeht der Braunen Nachtbaumnatter der Appetit und alles war umsonst.

Unklar ist bislang, in welchen US-Produktionsstätten die vier Millionen maßgeschneiderten Mäuse-Mini-Fallschirme hergestellt werden. Insider tippen auf amerikanische Privatgefängnisse, die sich als Billigstlohnbetriebe längst einen Namen gemacht haben.

Auch fehlen verlässliche Informationen über die weitere zweckmäßige Verwendung von gut zwei Millionen vergiftetem Schlangenfleisch. Allerdings wird - hinter vorgehaltener Hand - in Insiderkreisen der fleischverarbeitenden Industrie mit Hochdruck an einer innovativen Rezeptur für ein neuartiges Fertiggericht gearbeitet. Gerüchten zufolge soll es sich um eine Art Bio-Schlangenlasagne handeln, verfeinert mit einem Schuss (80 Milligramm pro Portion) Paracetamol zur schmerzfreien Akzeptanz seitens der Verbraucher. Vorläufiger Produktname: Schlangenfraß 'Guam-Style'.

Freitag, 25. Januar 2013

Durch den Wind


Schon wieder dieses leidige Thema Arbeitslosigkeit. Dass diese Nervensäge aber auch keine Ruhe geben kann, nicht mal für eine kurze Woche!

Das heikle Sujet hat sich inzwischen - man glaubt es kaum - sogar bis nach Davos herumgesprochen. Davos, das ist jener Hochsitz in der Schweiz, wo jedes Jahr eine geschlagene Woche lang mit nimmermüder Begeisterung über Wirtschaftswachstum geschnattert wird. Da kommt dieses Ding mit der stetig steigenden Arbeitslosigkeit natürlich als veritabler Stimmungskiller für die versammelte Elite, aber was soll man machen, man muss sich des Themas irgendwie annehmen, weil, wie sieht das denn sonst aus, drunten bei denen in den Niederungen.

Wie zu lesen ist, greift man in Davos, wenn die Arbeitslosigkeit aufs Tapet kommt, besonders gern zu der Metapher "Gegenwind". Ganz schön windig, finde ich. Vermutlich bezieht sich der Gegenwind auf das zarte Pflänzchen Wachstum, dem die Arbeitslosigkeit kalt und bösartig ins Gesicht bläst, um es an seiner Blüte zu hindern. Ich warte schon auf eine großflächig plakatierte Kampagne:
"WIR sind Wachstum - DU bist Gegenwind!" 
- so mit aggressiv ausgestrecktem Zeigefinger, auf dass jeder vorbeischlendernde arbeitslose Schlendrian vor lauter Scham augenblicklich in den Straßenboden versinken und nimmermehr aufstehen werde. Damit wäre dann endlich das lästige Thema wie weggeblasen.

Bis es so weit ist, muss halt in Davos weiter geschnattert und so getan werden als ob. Geschnattert wurde gestern; das war zufälligerweise auch der Tag, an dem die neuesten Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in Spanien veröffentlicht wurden: Ihr, der Jugendarbeitslosigkeit, ist es aktuell gelungen, die 60-Prozentmarke zu knacken - mithin Gegenwind der gehässigsten Art. Also zog man in Davos alle Register und schnatterte über Jugendarbeitslosigkeit, dass die Dielen knarrten und die Designer-Skibretter sich bogen.

Eins der rhetorischen Highlights zur konzertierten Bekämpfung des verheerenden Gegenwindes war ohne Zweifel der Vorschlag des schwedischen Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt, der "sich sorgte", es gäbe "viel zu wenige Jobs im Niedriglohnbereich für junge Leute", kein Wunder, dass die Jugendarbeitslosigkeit durch die Decke ginge. Boah, der Schwede bringt frischen Aufwind in den Gegenwind; dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht dies:


Dann war da noch Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum in Davos, der - ebenfalls in großer Sorge - die überzogene Anspruchshaltung der jungen Leute beklagte:
"Die Zeiten sind vorbei, wo den jungen Leuten die Jobs auf dem Tablett serviert wurden; sie (die jungen Leute) werden sie (die Jobs) selbst erschaffen müssen."
- womit er souverän der spanischen (dicht gefolgt von der griechischen) Jugendarbeitslosigkeit jeglichen Wind aus den Segeln genommen haben dürfte - sowie, nicht zu vergessen, der sachkundige Beitrag aus Deutschland: Angela Merkel zog eine sorgenvolle Schnute. Kann sie ja auf Knopfdruck.

Dabei ist das doch alles gar nicht sooo dramatisch mit dieser penetranten Jugendarbeitslosigkeit, ich meine, pfft, 60 Prozent, bitte, was sind schon 60 Prozent? Wir warten erst mal ganz entspannt ab, bis die Jugendarbeitslosigkeit 100 Prozent erreicht hat. Das dürfte frühestens - Moment, ich muss mal kurz hochrechnen, also, letztes Jahr um diese Zeit lag die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bei 50, dieses Jahr bei 60 Prozent, na ja, noch ein paar Jährchen mit zusätzlichem kräftigem Rückenwind vom Wirtschaftswachstum, Stichwort 'jobless recovery', müsste also zu schaffen sein - im Jahr 2016 eintreten. Oder auch erst 2017.

Hui, wie lustig das um die Ohren pfeifen wird. Bei Windstärke 100. Volle Kraft voraus, Davos!

Montag, 31. Dezember 2012

Am Schuldentresen


Ein Bier, bitte.
Für mich eine Flasche Champagner.
Wer arm ist, ist selber schuld.
Weiß doch jeder.
... der darf nicht wählerisch sein.
War schon immer so.
Und wem das Wasser bis zum Hals steht, darf erst recht nicht wählerisch sein.
Auch nichts Neues.
... der muss halt in der Brühe schwimmen, die ihm andere eingebrockt haben.
Ja klar, Eigenverantwortung übernehmen, was denn sonst.
Und wenn er dabei absäuft?
Selber schuld. Hat ihn ja keiner gezwungen, sich zu verschulden.
Und wenn er arbeitslos geworden ist?
Auch selber schuld. Schließlich gibt es ja Jobs.
Echt? Wo?
Überall. Liegen doch auf der Straße, die Jobs. Er darf halt nicht wählerisch sein. Ach übrigens, hab' ich grad in einer neuen Studie gelesen:
"Wem das Wasser bis zum Hals steht ('underwater homeowners'), der akzeptiert bereitwillig signifikant niedrigere Löhne."
Klingt wie Schuldknechtschaft.
Ach was, wir leben doch nicht mehr im Feudalismus.
Sondern?
Na ja, im Finanzkapitalismus halt.
Wo liegt der Unterschied?
Darin, dass der arme Schlucker glaubt, da wäre ein Unterschied.
Also doch Schuldknechtschaft?
Klingt irgendwie nicht nett, das Wort.
Klingt Abzocke netter?
Was heißt Abzocke, es gab da halt so 'ne Kreditblase und dann hat's den Markt gecrasht und jetzt ist er halt der Dumme, der arme Schlucker,
... und muss für einen Hungerlohn arbeiten gehen?
Tja, was soll man machen? Selber schuld.
Wer? Die Finanzkapitalisten?
Nö, die armen Schlucker. Weil, die Finanzkapitalisten brauchen nun mal niedrigere Löhne, für ihr Wachstum, da dürfen sie in der Wahl der Mittel nicht wählerisch sein.
Klingt nach von langer Hand geplanter Abzocke.
Aha. Klingt jetzt sehr verschwörungstheoretisch.
Wer steckt eigentlich hinter dieser neuen Studie?
Die wurde von der Finanzindustrie in Auftrag gegeben.
Aha. Klingt jetzt sehr verschwörungspraktisch.
Dummes Zeug.
Ach übrigens, hab' ich grad gelesen: 
"You've got to learn to think like an asshole to really see what to worry about."
Unglaublich. Wer wagt es, solche gehässigen Sprüche rauszuhauen?
Eine gewitzte amerikanische Bloggerin namens Mathbabe. Die ist Mathematikerin mit einschlägiger Berufserfahrung in der Finanzindustrie, Abteilung Hedge Fonds. Bis sie es dort nicht mehr ausgehalten hat.
Und dort hat die solch dummes Zeug gelernt?
Nö, sie sagt, dort habe sie gelernt, wie ein Arschloch zu denken.
Unglaublich!
Aber wahr. Prost.

Samstag, 29. Dezember 2012

Weitgehend niederschlagsfrei


Ächzend schrumpft sich das Jahr seinem Ende zu, was den deutschen Einzelhandel zum Ächzen über seine schrumpfenden Umsätze veranlasst. Lief wohl nicht so dolle mit dem Weihnachtsgeschäft.
"Die tatsächlichen Abverkäufe bleiben hinter den ursprünglichen Erwartungen für Dezember zurück. ... Die Dezemberverkäufe enttäuschten, gemessen an den Zielvorgaben."
Nur Ächzen und Schrumpfen - und kein Wachstum, nirgends?

Doch, an der Front der galoppierenden Verblödung. Weil, was hat die Leute daran gehindert, ihre sauer verdienten respektive nicht vorhandenen Kröten zum Jahresende unbekümmert zu verknattern?
"... die ungünstigen Wetterbedingungen ..."
- ja freilich, es war zu warm oder zu kalt oder es hat zu viel geschneit oder zu wenig oder gar nicht oder irgendein anderer Niederschlag ist - entgegen ursprünglicher Erwartungen - nicht vom Himmel gefallen, und sei es ein wenig Hirn, mit dem der Herrgott da oben immer mehr zu geizen scheint, aber sei's drum, schlechtes Wetter kommt immer gut, und sind wir nicht alle ein bisschen Hirnschrumpf und überhaupt, war's das?

Nein, auf der nach oben offenen Jahresendverblödungs-Skala geht noch was: Neben dem unerwartet ungünstigen Wetter habe nämlich
"... die unerwartet niedrige Käuferfrequenz zu den niedrigeren Abverkäufen beigetragen."
- mit anderen Worten, die ursprünglich hohen Erwartungen wurden von der unerwartet niedrigen Käuferfrequenz enttäuscht. Mit dem Hirn werde das nichts mehr in diesem Jahr, denn, so ließ der Herrgott in seinen geschrumpften Erwartungen ächzend verlauten, die da unten seien zu blöd zum Auffangen.

Donnerstag, 22. November 2012

Unbekannte Fluchobjekte




Huch. 
Was so alles passieren kann, wenn man nicht aufpasst. 
Vor allem beim Fliegen.
Drum sollte man immer gut aufpassen, 
speziell beim Besteigen eines Fliegers.
Natürlich auch auf Schuhe; 
auf die sollte man stets besonders gut aufpassen.
Am allermeisten aber auf fliegende Schuhe.
Guten Fluch!
Wenn auch mit Fluch.
Huch.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Ihre Zeit ist im Kommen


"Letzte Nacht, draußen vor dem Theater, es war wie Kristallnacht, wissen Sie, während des Dritten Reiches in Deutschland."
Sagt Laertis Vasiliou, der Athener Theaterdirektor des Stückes Corpus Christi, dessen Premiere am Vorabend gewaltsam verhindert wurde von einem Schlägertrupp der faschistischen Golden Dawn Partei.
Die Partei warnte,
"...wann immer religiöse Gefühle und die kollektive Geschichte von Griechen beleidigt werden, wird Golden Dawn dynamisch reagieren."
Was heißt "dynamisch reagieren"? Dynamisch reagieren heißt, Zuschauer und Journalisten auf offener Straße zu verprügeln und zu bedrohen, sie als "Tunten" und "Arschfresser" zu beschimpfen, die Schauspieler im Theater einzusperren und sie zum Absetzen des Theaterstückes zu zwingen.

Dynamisches Reagieren heißt ferner, sich das undynamische Reagieren der griechischen Polizei zunutze zu machen: Die Polizisten (mehrheitlich dynamische GD-Wähler bzw. -Unterstützer) standen herum, ohne einzugreifen; ohne die geringste Absicht, dem von Golden Dawn aufgeführten faschistischen Theaterstück Einhalt zu gebieten.


Manolis V., ein Blogger des Athener Stadtmagazins Lifo, erinnert sich:
"Ich habe ihnen gesagt, dass ich für Lifo schreibe und dachte, das würde mich schützen. Stattdessen brüllten sie, 'Diese Tunte arbeitet für Lifo, kommt und seht euch diese Tunte an.' Sie haben sich um mich herum zusammengerottet, fingen an mich zu beschimpfen, zogen an meinem Bart und einer der Golden Dawn Parlamentarier spuckte mir ins Gesicht. Ich schaffte es wegzulaufen und sie schrien mir nach, 'jetzt rennst du weg, du Tunte, du Arschfresser', und dann kommt dieser andere Golden Dawn Parlamentarier zu mir rüber und schlägt mir mit der Faust ins Gesicht. 'Heul doch, du kleines Mädchen,' sagte er, 'heul, du Tunte'. Ich stürzte auf den Bordstein und er trat nach mir. Meine Brille war weg. Ich rief 'Polizei, Polizei, Hilfe, sie schlagen mich zusammen,' und die Polizisten drehten mir den Rücken zu und taten, als ob sie nichts sähen. Als ich mich davonschleppte, warf einer von ihnen mir eine Kusshand hinterher."
Manolis ergänzt, er habe zu große Angst, Anzeige gegen die Polizei zu erstatten; weil, so sagt er, einer der Schläger ein "stadtbekannter Golden Dawn Parlamentarier" sei. Angst sei es auch, die ihn veranlasst habe, sein Facebookprofil zu schließen.

Am nächsten Abend steht Laertis, der Theaterdirektor, übernächtigt vor seinem Theater. Er schläft kaum noch, jedenfalls nicht in seinem eigenen Bett, aus Furcht vor weiteren Angriffen. Er lebt versteckt bei Freunden in anderen Teilen der Stadt.
"Ich wurde bedroht. Mein Leben wurde bedroht, meine Familie wurde bedroht, meine Eltern wurden bedroht, ich werde am Telefon bedroht. Vor 20 Jahren kam ich von Albanien nach Griechenland, und Albanien war das größte Horrorregime des gesamten Ostblocks, ein totalitäres Regime, aber noch nicht mal sie brachten es fertig, ein Theater zu schließen. Letzte Nacht schrien sie meinen Namen, 'du abgefuckter Albanier, komm raus und wir werden dich bei lebendigem Leib verbrennen. Wir werden dir den Kopf abschneiden. Wir werden dich in Stücke schneiden, du abgefuckter Albanier. Wir stecken dir einen Stock hinten rein, bis er zum Mund wieder rauskommt und hängen dich draußen vor dem Theater auf, damit die ganze Welt dich sehen kann.' Ja, ich fühle mich bedroht. Würden Sie sich nicht bedroht fühlen?"
An diesem Abend (12. Oktober) kommt das Stück Corpus Christi vor vollbesetztem Haus zur Aufführung - zum ersten und zum letzten Mal. Wegen der fortgesetzten Drohungen seitens Golden Dawn fürchten die Darsteller um ihr Leben und ziehen es vor, aufzugeben. Würden Sie sich nicht bedroht fühlen?

Würden Sie sich nicht bedroht fühlen, wenn ein Golden Dawn Parlamentarier namens Panagiotaros auf offener Straße und unter Polizeischutz seinen rassistischen, homophoben Vollrausch lautstark und ungehindert austobt (Übersetzung hier) und den Schauspielern entgegenbrüllt, "Eure Zeit wird kommen!"?

Würden Sie sich nicht bedroht fühlen, wenn ein verhaftetes Golden Dawn Mitglied von einem seiner dynamischen Kumpel direkt aus dem Polizeiwagen wieder 'befreit' wird, mit bloßen Händen und ohne jegliche dynamische Gegenreaktion der Polizei?

Würden Sie sich nicht bedroht fühlen, wenn Sie hören, was ein von Golden Dawn zusammengeschlagener Journalist zu sagen hat?
"Ich denke, in diesem Land gibt es kein Gesetz mehr. Jeder hier hat entweder Angst vor Golden Dawn oder steckt mit ihnen unter einer Decke, und du kannst beide nicht auseinanderhalten."
Würden Sie sich nicht bedroht fühlen, wenn Sie in einem europäischen Land leben, wo es 1938 eine Kristallnacht gab?

Fühlen Sie sich nicht bedroht, wenn im Jahr 2012 in einem anderen europäischen Land die Faschisten dabei sind, den Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung öffentlich zu zelebrieren?

Fühlen Sie sich nicht bedroht von dem dröhnenden Schweigen? Jenem Schweigen, das ein Land - das mit der Kristallnacht - übrig hat für ein anderes Land, in dem öffentliche Verfolgungsjagden auf Andersdenkende und Andershäutige allmählich zur Tagesordnung gehören?

Keine Ahnung, wie Sie sich fühlen. Ich fühle mich bedroht.

Quellen:
Greek Left Review
Keep Talking Greece
Ekathimerini

Freitag, 7. September 2012

Zur Sonne


Was tun, wenn eine politische Partei im freien Fall nach unten ist? Erst mal nachschauen, wie tief sie gefallen ist. Also, von welcher Höhe in welche Tiefe.

Das ist im vorliegenden freien Fall der griechischen PASOK - einer Partei, die sich ungeniert sozialistisch nennt und dabei stramm kapitalistisch agiert - eine Fallgeschwindigkeit von fast 50 Prozent, bezogen auf einen Zeitraum von gut zwei Monaten: von bereits lausigen 12 Prozent (Parlamentswahlen am 17. Juni) auf unterirdische 7,5 Prozent (6. September). Mit anderen Worten, die Partei fällt schneller in den Abgrund als ein nasser Zementsack.

Zeit zur Einkehr, zur Besinnung, zur Reflektion. Was tun? Für eine stramm kapitalistisch agierende Partei kann das nur heißen: ein Markenrelaunch mit auffrischender Imagepolitur, und darum - logo - muss ein neues Logo her:


Die neu gestylte Parteisonne leuchtet symbolstark in frühlingsfrischem Grün; dafür hat sie zwei ihrer Strahlen verloren (jetzt sieben statt früher neun) - vermutlich symbolischer Ausdruck für den Verlust an Strahlkraft, den die Partei nicht erlitten, sondern durch ihre Politik selbst verursacht hat: Sie dümpelte nach den Wahlen nur noch als drittstärkste Partei in den Niederungen der Wählerungunst und ist seit ein paar Tagen weiter abgesackt auf Platz vier; also ein in frischem Grün kolorierter Sonnenuntergang.

In launigen Worten halluzinierte Parteichef Venizelos bei der Enthüllung des neuen Parteilogos, bei "unserer Sonne" handele es sich um "das Universum unserer progressiven Werte", deren Anzahl auf magische Weise von neun auf sieben progressiv geschrumpft wurden, was sich möglicherweise abbildet in den schrumpfenden Sympathien für eine neoliberalistisch verstrahlte sozialistische Partei (die sich der Forderung nach einer Sechstagewoche bei gleichzeitigen Lohn- und Rentenkürzungen unterwirft) und die Frage aufwirft, wie zugedröhnt eine Partei sein muss, dass ihr, mitten im freien Fall befindlich, nichts anderes als ein neues strahlenreduziertes Logo einfällt.


War noch was? Ach ja, wie erwähnt ist PASOK auf Platz vier in der Parteienpositionierung abgestunken, weil es ihr - so wie allen anderen Parteien in Griechenland - nicht gelingt, gegen die erfolgreiche faschistische Neonazi-Partei Golden Dawn anzustinken (das sind die mit dem Hitlergruß und den Hetzjagden auf Ausländer). Die "goldene Morgenröte" hat in den letzten zwei Monaten einen steilen Sonnenaufgang hingelegt von 6,9 Prozent (17. Juni) auf 9,5 Prozent (6. September) und sich damit zur - demoskopisch gesehen - drittstärksten Partei gemausert.

War noch was? Eigentlich nicht, bis auf diese Grafik, die eine Korrelation zeigt zwischen dem Ansteigen von Arbeitslosigkeit und dem Ansteigen der Wählerstimmen für eine Nazi-Partei:

(zum Vergrößern auf Link klicken)

War sonst noch was? Ach so, bevor ich's vergesse: Die Arbeitslosigkeit in Griechenland ist im Verlauf nur eines Monats (Mai bis Juni 2012) um fast ein Prozent angestiegen (von 23,5 auf 24,4 Prozent).

Aber sonst war nichts. Absolut nichts.


Sonntag, 2. September 2012

Alternativlos katastrophal


Einer von der ökonomischen Alternativlos-Front hat sich ungebeten zu Wort gemeldet und verbreitet Endzeitstimmung.

Ungebeten deshalb, weil er als Sprachrohr der UNO fungiert und es nicht so recht einleuchten will, woher ausgerechnet die UNO die Kompetenz hernimmt, den Teufel der explodierenden gesamteuropäischen Arbeitslosigkeit an die Wand zu malen, sollte das alternativlose Europa - also, das alternativlose Euro-Europa - auseinanderbrechen.

Die Kompetenz kann es nicht gewesen sein. Denn wenn einer ausschließlich mit Zahlen um sich wirft, um das kommende Horrorszenario zu prognostizieren, jedoch auf jedweden Begründungszusammenhang - Fakten, Erläuterungen, Argumente - verzichtet, dann hat ihn keine Kompetenz, sondern ideologischer Druck motiviert, mal eben zu Propagandazwecken die Kristallkugel rotieren zu lassen. Furchterregende Zahlen - sogar bis hinters Komma genau -, deren Herkunft im Dunkeln bleiben, so dunkel wie das ideologisch geschwärzte Innere der rotierenden Kugel. Furchterregend sind die Zahlen, weil sie "katastrophal" sind, drunter geht's nicht, weil, drunter wären die Zahlen ja nicht furchterregend, und nur darum geht es: um die Furcht.

Um die Furcht vor der "katastrophalen Zukunft", induziert durch den "katastrophalen Anstieg der Arbeitslosigkeit" für den Fall, dass Griechenland (wieso eigentlich immer nur Griechenland?) die Eurozone verlassen, oder gar - horribile dictu! - der komplette Euro-Saftladen auseinanderfliegen sollte. Da von dem prophetischen UNO-Ökonomen außer Zahlen, eindringlichen Warnungen sowie x-malig heraufbeschworenen "Katastrophen" nichts weiter Erhellendes, gar Analytisches geboten wird, bitte, dann halt ein paar Zahlen:

Spaniens Arbeitslosigkeit würde, so kalkuliert der UNO-Hobbysterngucker, im Jahr 2014 auf 36,9 Prozent ansteigen, die Jugendarbeitslosigkeit auf 59 Prozent. Ähnlich "katastrophale" Zahlen preist er für Griechenland und Portugal ein. Ob die Spanier, Griechen und Portugiesen von der kaffeesatzlesenden Hochrechnung nachhaltig zu schockieren sind, darf bezweifelt werden, denn sie haben sich ja bereits jetzt - als Eurozonenbewohner - mit einer schockierenden Arbeitslosigkeit herumzuschlagen; in Griechenland und Spanien wurde die 50-Prozent-Marke bei der Jugendarbeitslosigkeit längst überschritten, und Portugal (36,4 Prozent) ist - als Eurozonenbewohner - auf einem steilen Weg.

(zum Vergrößern auf Link klicken)

Diese katastrophalen Zahlen in der Eurozonenperipherie verdanken sich dem katastrophalen (alternativlosen) Euro-Krisenmanagement und werden infolge des katastrophalen (alternativlosen) Euro-Austeritäts-Konsensus noch katastrophaler in die Höhe schnellen. Jetzt können sich die arbeitslosen Griechen, Spanier und Portugiesen (dicht gefolgt von den arbeitslosen Italienern mit 35,3 Prozent Jugendarbeitslosigkeit) an einer Hand ausrechnen, welche Perspektive für sie katastrophaler ist: die in der Eurozone oder die ohne - weil auseinandergeflogene - Eurozone?

Egal, der deutsche UN-Ökonom sitzt rechnend an seiner Kristallkugel und rät dringend, alles so katastrophal weiterlaufen zu lassen wie bisher; alles andere würde katastrophal enden. Vielleicht weniger für die Südeuropäer, dafür umso katastrophaler für die Deutschen: 11,3 Prozent Arbeitslosigkeit im Jahr 2014 "und darüber hinaus", also eine glatte Verdoppelung im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone!

Deutsche! Wollt ihr das? Das könnt ihr doch nicht wollen! Habt ihr vergessen, wie miserabel es euch ging, damals, als es den Euro noch nicht gab und ihr - brotlos, in Sack und Asche gewanded, frierend in ungeheizten Dachböden - das Erfolgsmodell Eurozone herbeisehntet? Die nackte Furcht sollte euch packen, wenn die gutdotierten Systemvertreter der Eurozone euch davor warnen, dass ihr ohne das System Eurozone arbeitslos werdet! Habt ihr das verstanden?

Und jetzt alle:

Ich bewohne
die schönste Zone,
die Eurozone,
da bleib' ich drin.

Denn ohne Zone,
die Eurozone,
Gott uns verschone -
ist alles hin.

Alternativlose aller Länder, vereinigt euch. Gründet eine Alternativlosenzone, schafft euch eine Alternativlosenwährung und, ganz wichtig!, eine Alternativlosensprache. Als Grundwortschatz reichen die Vokabeln alternativlos und katastrophal völlig aus. Habt ihr das verstanden? Gut. Und jetzt einfach mal die Klappe halten, alternativlos. Weil ihr mir nur noch katastrophal auf den Geist geht.

Mittwoch, 1. August 2012

Lichtblicke


Mir wär's peinlich, innerhalb von nur drei Wochen zweimal denselben Käse zu verzapfen, aber wenn andere es können, tu ich es halt auch.

Schon wieder werden in Italien (Monti) "Lichtblicke am Ende des Tunnels" gesehen. Diesmal just an dem Tag, an dem die rekordverdächtigen - offiziellen! - europäischen Arbeitslosenzahlen (mehr als 18 Millionen Menschen) veröffentlicht wurden: In Italien sind sie mit 10,8 Prozent (2,8 Millionen Menschen) auf dem höchsten Stand seit acht Jahren; innerhalb eines Jahres ist dort die Arbeitslosigkeit um 37,5 Prozent hochgeschnellt. Allein zwischen Mai und Juni kamen 73.000 Menschen ohne Arbeit hinzu, die sich in einem sehr dunklen Tunnel fühlen dürften, einem Tunnel, der immer länger und bevölkerter werden wird, je länger die politische Klasse ihren derzeitigen Kurs beibehalten und mit ihren Totsparmaßnahmen den Trend fortsetzen wird.

Die aktuellen Zahlen hindern den italienischen Ministerpräsidenten keineswegs an seinem beschwingten Halluzinieren. Demnächst wird er mit erleuchtetem Tunnelblick verkünden, mit seinem jüngst im Senat durchgepaukten "harschen Spar- und Reformprogramm" habe er der Wettbewerbsfähigkeit seines Landes gewaltig auf die Sprünge helfen können. Das kostet zwar ein paar Arbeitsplätze mehr, hilft aber ungemein dabei, "verlorenes Vertrauen am Finanzmarkt zurückzugewinnen". Um nichts anderes geht es dem ehemaligen Goldman Sachs Investmentbanker Monti, der nach Berlusconis Abgang ins Regierungsamt installiert™ wurde (so sagt man, wenn einer ins Amt gehievt wird, ohne gewählt worden zu sein).

Statt also lang und breit drumherum zu reden, sollte einer wie Monti nicht des Halluzinierens verdächtigt, vielmehr ob seines Klarblickes gelobt werden. Denn natürlich sieht der Ex-Banker einen (für ihn) ganz realen Lichtblick am Ende des Tunnels: das Licht der sprunghaft ansteigenden Arbeitslosigkeit. Alles eine Frage der Perspektive.

Dienstag, 31. Juli 2012

Stimmung bombig, Laune versaut


Ich bin schon den ganzen Morgen extrem gut drauf. Gefährlich gut drauf. In Bombenstimmung, möchte ich fast sagen. Und schätze, das geht nicht nur mir so, sondern vielen anderen Konsumenten (so nennt man Menschen heutzutage). Aber wie das so ist mit der gefühlten Empirie: Was letztlich zählt, sind harte Zahlen und Fakten, weil, sonst könnte ja jeder daherkommen und von sich auf andere schließen.

Nachdem erst vor wenigen Tagen von einem bundesweit anerkannten Konsumforschunginstitut eruiert wurde, dass es eine wissenschaftlich erwiesene Korrelation gibt zwischen guter "Kauflaune" und schlechter Allgemeinstimmung und ich schon am Grübeln war, ob das möglicherweise auch umgekehrt gilt, folgt heute ein ganz gemeiner Datenkracher aus Zahlen und Fakten, der sich so zusammenfassen lässt:
Der deutsche Konsumboom war und bleibt ein Propaganda-Fake.
Diese Aussage allein reicht schon, um meine Allgemeinstimmung (bei zugleich chronisch schlechter Kauflaune) signifikant anzuheben. Propaganda-Fake, ah, das geht runter wie Öl und entlarvt jenes wissenschaftliche Forschungsinstitut als das, was es ist, nämlich als Deckname einer Firma zur Produktion von Propaganda. Statt von märchenhaft guter Kauflaune ist von realiter "langanhaltender Konsumschwäche der privaten Haushalte" die Rede; und egal, mit welchen propaganda-kompatiblen Frageformulierungen die befragten deutschen Konsumenten in die behauptete Konsumeuphorie geknebelt wurden, die schnöden Zahlen der (saisonbereinigten und realen) Einzelhandelsumsätze sprechen eine andere, eben knallharte Sprache, denn sie
... zeichnen am verlässlichsten das aktuelle Konsumverhalten der privaten Haushalte nach.
- woraus wir lernen, dass Einzelhandelsumsätze und Kauflaune stets im Doppelpack in den Keller zu rauschen pflegen, weil gute Kauflaune bei schlechter Umsatzlaune nun mal nicht zu haben ist, da nützt alles gefakete Friemeln und Fummeln nichts, und sei es von noch so forschen Forschern erforscht.

Stimmungshebend, weil wohltuend Klartext statt Propagandaplapper redend, wirken auch Kommentare wie diese, bezüglich des gern nachgeplapperten deutschen "Erfolgsmodells":
... Teil des bisherigen "Erfolgsmodells" ist ja gerade die Nicht-Partizipation der Arbeitnehmer an den Produktivfortschritten in Deutschland, ein ausgeprägter Niedriglohnsektor, die u.a. die Exportorientiertheit befeuern. Da ist für Binnennachfrage und Impulse vom Konsum privater Haushalte kaum Platz.
Vermutlich warte ich auf wissenschaftliche Forschungshighlights wie
Die Kauflaune der deutschen Verbraucher ist schlecht, dennoch steigt ihre Stimmung
vergebens, obwohl bei mir persönlich diese Korrelation durchaus - zumindest punktuell - empirisch nachweisbar ist. Nur, mich fragt ja keiner.

Samstag, 28. Juli 2012

Laune gut, Stimmung im Eimer


Es gibt Wörter, von denen kriege ich auf der Stelle und so rasant schlechte Laune, so schnell kann kein Fahrstuhl in den tiefsten Keller abstürzen. Das Wort heißt:
Kauflaune.
Kauflaune ist das, was der Wirtschaft gute Laune macht. Um die deutsche Wirtschaft bei Laune zu halten, vergewissert sich alljährlich ein deutsches Gute-Laune-Institut namens GfK Marktforschung, ob die Kauflaune noch hält, was sie letztes Jahr versprochen hat, und siehe da: Die Kauflaune der Deutschen hält Wort. Sie bleibt stabil auf hohem Niveau und lässt sich "trotz der Euro-Turbulenzen" die bombigen Werte nicht versauen:
Die Krise in Griechenland, die Probleme in Spanien und Italien - all das lässt die Verbraucher in Deutschland kalt. Die Kauflaune ist weiter gut.
Bombenstimmung also im stabilen Kernland des Euro? Nah, so darf man das mit der Kauflaune nicht interpretieren. Zu den wundersamen Qualitäten der guten Kauflaune gehört nämlich, dass sich der empirisch irgendwie erfasste Deutsche ihr extrem schlechtgelaunt hingibt. Das war schon letztes Jahr so -
Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist schlecht, dennoch steigt ihre Kauflaune.
- und ist dieses Jahr nicht anders. Übellaunig in den nächsten Kaufrausch. Krisenmeldungen wie diese (heute in sämtlichen Zeitungen nachzulesen) lassen mich keineswegs kalt, vielmehr meine Kauflaune signifikant ansteigen. Ich geh' jetzt zum Bäcker.
Gute-Laune-Brötchen kaufen.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Fußpflege mit Sinn


Achtung, Fußnägel-Alarm.

Das folgende Zitat bitte nur lesen, wer über extrem robuste, deformierungs-resistente Hornschichten auf den Zehenenden
(Zehen-Enden) verfügt:
"Die Eurokrise hat zunehmend negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft."
Ruhe da unten an den Füßen! Wer wird sich denn gleich hochrollen? Ist doch nur der übliche, hochtourig sinnentleerte, halt um ein paar Drehzahlen verschärfte Ökonomen-Ausstoß und in etwa so scharf-sinnig, wie wenn ich der Welt mitteilen würde, dass die viel zu engen Schuhe, die ich mir - bei klarem Bewusstsein - vorletzten Sommer gekauft habe, zunehmend negative Auswirkungen auf meine Füße haben. Weil, meine Füße sind nämlich kerngesund und dank weltmeisterlicher Fußpflege in Topform! Wenn nur diese bösen Schuhe nicht wären.

Immerhin kann in zu engen Schuhen sich nichts hochrollen, keine Chance, obwohl es von innen deutlich hörbar gegen das Oberleder scharrt. Was dagegen von innen gegen die Großhirnrinde zu enger deutscher Ökonomenköpfe scharrt, möchte ich lieber nicht wissen.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Sommermärchen, das erste


Treffen sich zwei Ökonomen. Unterhalten sich über die Finanzkrise. Sieht alles nicht so gut aus, befinden beide. Nur mit dem Unterschied, dass der eine der beiden Ökonomen ein Optimist ist und der andere ein Pessimist.

Fängt der Optimist an, die leidige Leier runterzubeten, wie beschissen es laufe in ganz Europa: überall nur Schuldenberge und Pleitegeier; insolvente Banken, so weit das Auge reiche; organisierte Kriminalität, die sich 'Finanzsystem' nenne; Politmarionetten, denen die Korrumpierbarkeit aus jedem Knopfloch quelle; unkontrollierbarer Kontrollverlust, dem, wie das Amen in der Kirche, der wirtschaftliche und soziale Kollaps folgen werde.

Und was das Schlimmste sei: Es laufe alles derart beschissen aus dem Ruder, dass die Menschen (natürlich nur die normalen) sich demnächst von Pferdemist ernähren müssten.

Mann, sagt darauf der Pessimist, jetzt sei er aber schwer geschockt. Weil, so düster habe er seinen Kollegen ja noch nie reden hören. Dessen Einschätzungen sei von seiner Seite aus wenig hinzuzufügen, meinte der Pessimist, denn er sei mit dem Optimisten in allen Punkten einig.

Fast allen. Mit einer Ausnahme:
In Kürze werde eine Verknappung an Pferdemist eintreten.


(sehr frei nacherzählt bzw. übersetzt nach:
'The Reign in Spain May Soon Be Over')