Ich liebe Cartoons.
Weil sie mit wenigen genialen Strichen mehr sagen als tausend Worte.
wurde über Nacht angemessen visualisiert:
Die Konkurrenz schläft nicht.
Nirgends.
Der Markt wird's richten.
Wer sonst.
Neues vom Prekariat
Walmart fordert seine Mitarbeiter auf, Lebensmittel zu spenden.Eine Meldung, die das Bullshit-o-Meter bereits heftig ausschlagen lässt - weil, wieso schreitet der Lebensmittel-Handels-Milliardär nicht selbst zur Tat und spendet Lebensmittel? Er hat doch wohl genug? Sowohl Lebensmittel als auch Geld, um sich eine karitative Spendenaktion im großen Stil leisten zu können? Ist das nicht Grund genug, sich tierisch aufzuregen? Nö.
Walmart fordert seine Mitarbeiter auf, Lebensmittel an andere Walmart-Mitarbeiter zu spenden.Hey, da bebt die Tachonadel, da rockt die Kuhmist-Orgel in den höchsten Tönen! Können wir den Bullshit mal kurz rückübersetzen? Klar doch:
Walmart fordert seine unterbezahlten Mitarbeiter auf, Lebensmittel an andere, noch schlechter bezahlte Walmart-Mitarbeiter zu spenden.Habe ich zu viel versprochen? Da lacht das Herz des high-end-Bullshit-Liebhabers! Wie, hat einer den Qualitätswitz nicht verstanden? Okay, zum Mitschreiben: Walmart, "America's real welfare queen" (wie übrigens auch McDonalds), bietet seit einiger Zeit eine firmeninterne telefonische Hotline an, wo die eigenen Mitarbeiter fachkundig beraten werden, wie sie einen Antrag auf food stamps (steuerfinanzierte Lebensmittelmarken für unter der Armutsgrenze lebende Menschen) zu stellen haben, um von ihrem Walmart-Hungerlohn nicht zu verhungern.
Bitte spendet Lebensmittel, um notleidende Kollegen in den Genuss eines Thanksgiving Dinner kommen zu lassenUnd wie das ans Herz geht. Und genau hier, Freunde des herzzerreißenden social marketing, liegt der Hund begraben, nämlich der Top-Premium-Bullshit-Faktor: Kürzlich hat nämlich der big social player Walmart entschieden, seine Filialen am Thanksgiving-Feiertag bis in die späten Abendstunden zu öffnen, damit alle, wirklich alle, selbst die schlechtestbezahlten Verkäufer im untersten Deck in den Genuss eines angemessenen Thanksgiving-Feelings kommen.
Walmart verteidigte seine (Spenden)Aktion als einen Bestandteil seiner "Unternehmenskultur" der Nächstenliebe: "Wir sehen diese Aktion als ein Element der Unternehmenskultur, dass Kollegen sich untereinander solidarisieren und sich um diejenigen kümmern, die als extreme Härtefälle betroffen sind."Yeah, Nächstenliebe. Sweet charity, God bless your souls.
... könne eine knapp kalkulierte maßgeschneiderte Operation aus "existierenden Ressourcen des Verteidigungsministeriums" bezahlt werden.- ließe sich also quasi aus der Kriegsportokasse finanzieren und würde "den U.S. Steuerzahler keinen Cent mehr kosten als was an Geld ohnehin bereitgestellt ist". Keinerlei zusätzliche Kosten! Ist das nicht Musik in den Ohren des amerikanischen Steuerzahlers? Hat das nicht Rhythmus, wo jeder mit muss, auf in den Krieg? Gib uns dein Jawort, Bürger, wir übernehmen die Kosten und alles weitere.
Ein anderer Bediensteter des Weißen Hauses wandte ein, ohne ein genaueres Verständnis der Operation sei es unmöglich, ein exaktes Preisschild anzubringen.
"Who the fuck knows what it will cost? Das hängt total davon ab, was passieren wird."What the fuck? Klingt logisch, wird aber nicht gern gehört:
"Natürlich hängt das davon ab, was wir machen werden. Aber die Mehrkosten des Krieges in Libyen waren so rund eine Milliarde, und damit sind wir ein ganzes Stück weit hingekommen. Mag sein, dass der Kongress bewilligen muss, Geld hin- und herzuschieben (innerhalb existierender Budgets), aber wirklich, da werden keine so großen Kosten auf uns zukommen."Preisschilder.
In ganz Amerika zerbröckeln Brücken infolge zu niedriger Reparatur-Budgets
Laut vieler Ingenieure sind Tausende von Brücken dem Zusammenbruch nahe. Das Geld, um sie zu reparieren, wird immer knapper.
Jeden Tag fahren U.S. Pendler mehr als 200 Millionen Umwege um defekte Brücken herum.
Beamte einiger Bundesländer warnen, ohne beträchtliche Bundesmittel - solche, die kürzlich im Kongress gesperrt wurden - seien sie gezwungen, viele ihrer defekten Brücken zu schließen und es damit Autos, Fahrzeugen für den Noteinsatz und Schulbussen zu verunmöglichen, komplette Stadtteile zu erreichen.Die bankrotte amerikanische Stadt Detroit hat kein Geld mehr, um amtliche Totenscheine auszustellen. Weil sie kein Geld hat, um das Papier zu bezahlen. Und weil der Papierlieferant sich weigert, die Stadt weiterhin auf Pump zu beliefern:
Der Tod nimmt frei als Folge des Bankrotts
Nichts leichter als zu sterben im bankrotten, oft bizarren Detroit - viel schwerer ist es zu beweisen, dass du tatsächlich tot bist.
Ohne beglaubigte Kopien von Sterbeurkunden haben Hinterbliebene keinen Zugang zu Bankkonten, Lebensversicherungen oder Testamenten.
Kurz nachdem der Verwaltung das Papier ausgegangen war, teilte sie Bestattungsunternehmern mit, sie sei nicht länger imstande, an Sonntagen Leichen aus dem Leichenschauhaus freizugeben. Die Bestattungsunternehmer sind nicht erfreut. "Der Tod kennt keine Sonn- und Feiertage. Der Tod geschieht an jedem Tag der Woche und ganz besonders an Wochenenden."Noch eine Drehung weiter auf der tödlichen Abwärtsspirale Detroits:
Detroit geht vor die Hunde... buchstäblich
Detroit ist auf dem Weg, zur Geisterstadt zu werden, allerdings bedeutet das Verschwinden des Homo Sapiens von den Straßen nur, dass die größte amerikanische Bankrottstadt im Begriff ist, von anderen Lebewesen beherrscht zu werden - von des Menschen ehemals bestem Freund, in Gestalt Zehntausender streunender Hunde, die meisten davon eine besonders gefährliche Rasse: Pitbulls. Step aside Motown, and say hello to Dogtown.Um die 50.000 streunende Hunde übervölkern die Straßen und leerstehenden Häuser und verdrängen Bewohner oder bedrohen Menschen, die in ihren Häusern bleiben. Hunde, die immer hungriger werden und immer weniger domestiziert:
Die Armut tobt durch Motor City, viele Hunde wurden von ihren finanziell ruinierten Besitzern zurückgelassen, um sich alleine durchzuschlagen.
Pitbulls sowie mit ihnen vermischte Hunderassen dominieren Detroits streunende Bevölkerung -- und vermehren sich in unkontrollierbaren Ausmaßen. Unkontrollierbar deshalb, weil das städtische Budget für Hundefänger drastisch heruntergefahren wurde. Der Südwesten Detroits wird von Postboten nur noch mit Pepperspray betreten, um sich gegen scharenweise streunende kleine, bösartige Hunde zur Wehr setzen zu können.
Die gute Nachricht: Vorläufig handelt es sich bei den Streunern um Hunde. Wie lange wird es dauern, bis Menschen sich gezwungen sehen, andere Menschen zu jagen, unter ihnen bösartige Killer, die die Straßen bevölkern werden dort, wo auch immer der nächste und größte Fall einer bankrotten Kommune auftreten wird?So viel zu Detroit, der ersten, aber gewiss nicht letzten bankrotten Großstadt Amerikas; eher ein menetekel-artiger Mikrokosmos dessen, worauf das gesamte Land zusteuert:
Sequester-Kürzungen treffen Arme besonders hart
Essen auf Rädern, ein Programm zur Lieferung von Mahlzeiten an alte Menschen, die zu gebrechlich sind, um ihr Haus zu verlassen. Kürzlich wurden zusätzliche 11 Prozent aus den Budgets gekürzt, für den Herbst stellt man sich auf weitere Kürzungen ein.
Es ist sechs Monate her, seit die Regierung Budget-Zwangskürzungen in Höhe von 85 Milliarden Dollar verhängte, von denen am härtesten die ärmsten Amerikaner getroffen wurden.
Sorry, But Fuck Syria
Quer durch Amerika, in einer Stadt nach der anderen, in einem Bundesland nach dem anderen, werden die Grundlagen des täglichen Lebens (und des Todes) zerstört, nicht zuletzt durch unsere Unfähigkeit, Geld bereitzustellen für das, was für Amerikaner lebenswichtig ist, für das, was aus Amerika ein großartiges Land machen könnte. Eine Nation mit einer Stadt, die es sich nicht leisten kann, Geburts- und Sterbeurkunden auszustellen, weil ihr das Papier fehlt, ist eine Nation, die absolut kein Recht hat, Millionen, vielleicht Milliarden Dollars auszugeben, um Syrien zu bombardieren, nur weil der dortige wahnsinnige Präsident etwas Wahnsinniges angerichtet hat.
No, sorry, but fuck Syria. Sobald wir aufhören, Lehrern zu erzählen, sie müssten Gehaltskürzungen hinnehmen, und erst wenn wir den Kindern von Chicago zusichern können, dass sie nicht erschossen werden, erst dann können wir der Welt etwas über unsere moralische Autorität erzählen.Ein zweites, kälteres Resümee, das mit dem Messer in die offene, offen zutage liegende Wunde stößt:
Wahnhaft gestört im Zeitalter der einzigen Supermacht
von Tom Engelhardt
Von Lateinamerika bis in den größeren Mittleren Osten zeigt sich das amerikanische System sichtbar geschwächt, während bei ihm zuhause Ungleichheit und Armut auf dem Vormarsch sind, die Infrastruktur zerbröckelt und die Politik des Landes in einem Zustand permanenten "Infarktes" verharrt.
Was sollen wir am Ende aus einem Planeten machen mit einer einzigen Supermacht, die keinerlei echten Feinde von Bedeutung hat und die, allem Anschein nach, gleichwohl einen permanenten globalen Krieg führt mit... nun gut, mit sich selbst - - und dabei zu verlieren scheint?Die beste, scharfsinnigste Diagnose, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Amerika führt einen Krieg gegen sich selbst. Und wird ihn verlieren.
"Wenn wir die Menschen nicht in die Obdachlosigkeit treiben, kollabieren die Banken."Hat er so natürlich nicht gesagt.
"Wir müssen die Menschen aus ihren Häusern vertreiben, sonst kollabieren die Banken."Schon eher so. War aber auch nicht der exakte Wortlaut.
"Wenn wir nicht wollen, dass die Banken sterben, müssen wir die Menschen in den Suizid treiben."Kommt der Wahrheit schon näher. Kommt aber irgendwie nicht gut.
"Um zu verhindern, dass die Banken zusammenbrechen, müssen wir zulassen, dass die Menschen zusammenbrechen."Trifft den Kern der Sache. Klingt nur so unangenehm melodramatisch. Dann doch lieber so:
"Lieber die Menschen in den Ruin treiben als die Banken."Ja, das hat was. Das hat fast Sloganqualität. Schön griffig, schön kurz, knackig auf den Punkt gebracht. Nur immer noch viel zu menschelnd. Geht's nicht ein bisschen versachlichter? Doch:
"Wenn wir keine Zwangsvollstreckungen erlauben, werden die Banken kollabieren."Genau. Jetzt ist der Faktor Menschlichkeit dort, wo er hingehört:
"Wenn Hausversteigerungen nicht liberalisiert werden, werden die Banken kollabieren."Damit wäre nun wirklich alles gesagt.
"I've decided to run hardcore with this naked/kimono theme for the rest of the UK tour."
"Die private Untervertragnahme von Gefangenen zur Lohnarbeit schafft finanzielle Anreize, Menschen hinter Schloss und Riegel zu bringen. Die Gefängnisse sind auf diese Einkommensquelle angewiesen. Großaktionäre, die an Gefangenenarbeit Geld verdienen, betreiben Lobbying für längere Haftstrafen, um ihre (billigen) Arbeitskräfte zu vermehren. Dieses System ernährt sich selbst", so eine Studie der Progressive Labor Party, die die Gefängnisindustrie beschuldigt, "eine Kopie von Nazideutschland zu sein hinsichtlich Zwangssklavenarbeit und Konzentrationslagern."- aber nicht nur die:
Der Gefängnisindstrie-Komplex ist eine der am schnellsten wachsenden Industriebranchen der Vereinigten Staaten, und ihre Investoren sind in der Wall Street beheimatet.Mit anderen Worten:
"In der Tat ist die stabile Mittelschicht eine große Gruppe in der britischen Gesellschaft. Sie (die Mittelschicht) muss verstanden werden als abgesichert und etabliert."- während der ehedem breite Hintern der traditionellen Arbeiterklasse längst nicht mehr das ist, was er mal war, nämlich breit -
"Das überlebende Hinterteil der traditionellen Arbeiterklasse umfasst nur noch 14 Prozent der Gesamtbevölkerung und ist außerdem ziemlich alt mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren."- mithin akut vom Aussterben bedroht, jener abgemagerte proletarische Hintern, der sich schon immer als Arsch der Mittelschicht fühlte und dies jetzt von Forscherseite bestätigt bekommt:
"Insofern verschwindet die traditionelle Arbeiterklasse aus dem Fokus zeitgemäßen Stellenwertes und ist ganz klar weniger bedeutend als die etablierte Mittelschicht."Dafür darf sich der Steiß der Mittelschicht jetzt extrem verbreitern auf satte vier neugeschaffene Klassen:
"... ein extrem hohes Potential für einen Volksaufstand (riot)"erkannt zu haben, für dessen Verhütung eine im großen Stil angelegte Lebensmittelvernichtung als das Mittel der Wahl erkannt worden sei.
Lebensmittel wegzuwerfen vor den Augen hungernder Familien ruft die Worte John Steinbecks in Erinnerung, der eine ähnliche Szene in Früchte des Zorns (1939) beschrieben hat:
"Es gibt Verbrechen hier, die nicht zu schildern sind. Es gibt hier Leid, das Tränen selbst nicht sprechen lassen können. Es gibt hier Misserfolg, der all unsere Bemühungen zunichte macht. Die fruchtbare Erde, die geraden Baumreihen, die starken Stämme und die reife Frucht. Und Kinder müssen sterben, weil die Orange ihren Profit nicht verlieren darf. Und die Leichenbeschauer müssen in den Totenschein schreiben - 'starb an Unterernährung' -, weil Nahrungsmittel verrotten müssen, weil sie zum Verrotten gezwungen werden. Die Leute kommen mit Netzen, um die Kartoffeln aus dem Fluss zu fischen, aber die Wächter verbieten es ihnen ... und sie stehen still und sehen zu, wie die Kartoffeln vorbeischwimmen ... sehen die Orangenberge zu einem Fäulnisbrei zusammensinken, und in den Augen der Menschen liegt ein Scheitern; und in den Augen der Hungernden steht ein wachsender Zorn. In den Herzen der Menschen wachsen die Früchte des Zorns und werden schwer, schwer und reif zur Ernte."
"Jeder, der ein Bankkonto in Zypern hat, muss auch für die Zypern(vulgo: Banken-)-Rettung zur Kasse gebeten werden, denn damit werden die Verantwortlichen mit einbezogen."
Zu der Tatsache, dass damit die kleinen Leute in Zypern als die "Verantwortlichen" der Euro-Krise auf Zypern identifiziert werden, äußerte sich Merkel nicht.
"Die hohen Arbeitskosten sind schädlich für die Zukunftschancen der Eurozone."Hoher Konsensfaktor bei den Zuhörern: Es gab keine Gegenrede. Alle waren sich einig, dass Draghi den Nagel auf den Kopf getroffen habe und endlich etwas getan werden müsse. Also runter mit den Arbeitskosten. Zwar schwieg sich Draghi aus über die hohen Arbeitskosten von Spitzenbankern, wurde aber auch von keinem der Anwesenden danach gefragt, weil, wer will schon einen harmonischen Gipfelkonsens inkommodieren?
"... die (zu hohen) Löhne sind verantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit heutzutage."- nicht umsonst ist das Vorzeigemodell Deutschland, in dem niedrige Löhne zu niedriger Arbeitslosigkeit führen, im Begriff, international Furore zu machen.
Dem Küchenpersonal des House of Lords werden die Löhne gekürzt, um den Adligen weiterhin das subventionierte Speisen zu ermöglichenist zu erfahren, dass - wie üblich - "wir alle" den Gürtel enger schnallen müssen, allen voran das Küchenpersonal, denn die steuersubventionierten Wirtschaftskosten des Peers' Dining Room gelten als zu hoch unter der Prämisse, dass Ihre Lordschaften bitte weiterhin für einen (steuersubventionierten) Appel und ein (steuersubventioniertes) Ei gastronomisch verpflegt werden wollen. Zwar ließ der hochhäusige Adel nichts unversucht -
Ein Sprecher des House of Lords sagte: "Das House of Lords prüft sämtliche Optionen, um die Kosten für den Steuerzahler aus dem Bewirtungsbetrieb zu reduzieren."- kam dann aber, nach Prüfung sämtlicher Optionen, doch zu dem Schluss, dass es die kochenden und kellnernden Spitzenverdiener (mit 8,55 Pfund Stundenlohn) seien, die die Bewirtungskosten für den Polit-Adel über Gebühr in die Höhe treiben und darum gekappt werden müssen. Ein freundliches Rundschreiben klärte die Kantinenbelegschaft auf, wer der Dumme sein werde - it's you, stupid! -
"Wir hoffen mit diesem Schritt auf gute Zusammenarbeit und dass sich so die erforderliche Reduktion an öffentlich verwendeten Steuergeldern erzielen lässt."Na bitte, geht doch, wer sagt's denn? Arbeitskosten runter, Wirtschaft läuft, Problem gelöst.
Was jedoch interessant war (in dem Interview), war folgendes: Armstrong erweckte nicht den Eindruck, dass die Tatsache, ein selbstgerechtes Arschloch zu sein, etwas ist, weswegen er ein schlechtes Gewissen haben oder sich gar entschuldigen sollte. Er sah die Sache ganz nüchtern. (Nämlich, "Oh, keine Frage, ich war ein Riesenarschloch. Ich wollte gewinnen, koste es, was es wolle, und habe mich nicht darum geschert, wie ich andere Leute behandelt habe. Nächste Frage?" (Business Insider)Eben. Wer auf der Gewinnerspur ist und groß rauskommen will, darf sich nicht mit gefühlig-menschelnden Petitessen aufhalten. Mit anderen Worten: Vor die Alternative gestellt, einerseits, zu gewinnen und darüber zum unsportlichen Arschloch zu werden oder, andererseits, nicht zu gewinnen, aber dafür ein anständiger Mensch zu sein, hat Armstrong sich bewusst entschieden zu gewinnen und darüber zum unsportlichen Arschloch zu werden. Vermutlich ist Armstrong darin vielen Menschen (nicht nur Sportlern) - vor dieselbe Alternative gestellt - ein leuchtendes Vorbild.
Die Ehrlichkeit des Langstreckenläufers
Ist Gewinnen das einzige, was zählt? Bist du dir dessen wirklich sicher?Was folgt, ist die Geschichte des spanischen Athleten Iván Fernández Anaya: Der lief, als Zweiter, bei einem 3.000-Meter-Hindernisrennen hinter dem mit Abstand führenden kenianischen Läufer Abel Mutai. Als sich beide der Ziellinie näherten, bemerkte Anaya, dass Mutai - der sichere Gewinner des Rennens - zehn Meter vor dem Endspurt sein Tempo verlangsamte, weil er irrtümlicherweise dachte, er habe die Ziellinie bereits überschritten. Der spanische Läufer holte schnell auf; jedoch nicht etwa, um das Versehen von Mutai zu seinen Gunsten auszunutzen - vielmehr erkannte er dessen Irrtum, blieb dicht hinter ihm, gestikulierte von dort den kenianischen Läufer weiter voran in Richtung Zielline und ließ ihn als Ersten ins Ziel einlaufen.
"Ich habe es nicht verdient zu gewinnen", sagt der 24-jährige Fernández Anaya. "Ich tat, was ich zu tun hatte. Er war der verdiente Gewinner, denn er hatte einen Abstand zwischen uns beiden geschaffen, den ich niemals hätte verringern können, wäre ihm nicht dieser Fehler unterlaufen. Sobald ich sah, wie er abbremste, war mir klar, dass ich ihn nicht überholen würde."Mit anderen Worten: Anaya entschied sich bewusst zu verlieren, aber dafür ein anständiger Mensch zu sein. Schön blöd, werden sich jetzt die Gewinnertypen denken, wie kann jemand eine so einmalige Gelegenheit nicht beim Schopf packen, den unliebsamen Konkurrenten abhängen und im Hochgefühl des "Gewinnens, koste es, was es wolle" das Siegerpodest erklimmen?
"Ich glaube, indem ich das tat, was ich getan habe, habe ich mir einen besseren Namen gemacht als wenn ich gewonnen hätte. Und das ist mir von großer Bedeutung, denn so wie die Dinge heutzutage stehen - überall, im Fußball, in der Gesellschaft, in der Politik, wo alles erlaubt zu sein scheint -, kommt eine Geste der Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit gut an."Finde ich ein bemerkenswertes Statement und würde es gern überschreiben mit 'Die Ehrlichkeit des Verlierers'. Obwohl, am Ende hat der spanische Läufer sogar etwas gewonnen, nämlich die Selbstachtung als Mensch, der sich einem unsportlichen Verhalten verweigert hat? Jedenfalls hat er sich klar entschieden. So wie andere sich entscheiden, ein Arschloch zu werden. Nicht nur im Sport. Nächste Frage? Keine mehr.
Es gibt einen sehr beschränkten Persönlichkeitstyp, der sich dafür entscheidet, den ganzen Tag in einem Klassenzimmer mit Kindern zu verbringen. Die meisten Grundschullehrer sind ESFJ (-Typen). Dieser Persönlichkeitstyp hat viele Überschneidungen mit jenen Menschentypen, die auf Kindern in Horten (after school) aufpassen. Was bedeutet, dass Kinder umgeben sind von gefühlsbetonten, systemisch denkenden Leuten, die dazu neigen, in der Gegenwart zu leben statt in der Zukunft. Weil Kinder nach einer konstanten gegenwartsorientierten Zuwendung verlangen.Könnte man so stehenlassen, ohne in Schockstarre zu verfallen - wenn da nur nicht eingangs das vernichtende Urteil "sehr beschränkt" gefällt würde. Was ist an einem Pädagogen "sehr beschränkt", wenn er sich Kindern mit einer gefühlsbetonten, systemisch denkenden, gegenwartsorientierten Haltung zuwendet? Irritiert lese ich weiter:
Das Problem dabei ist, dass die Geschäftswelt, in der die Kinder vermutlich einmal Geld verdienen werden für ihren Lebensunterhalt, praktisch keinerlei Überschneidungen hat mit diesen systemischen, fühlenden Typen. Weil nämlich die Geschäftswelt solchen Typen dermaßen die Lust am Leben austreibt, dass sie (solche Typen) aus dieser Welt aussteigen. Die Geschäftswelt wird nun mal betrieben von emotionslosen, zukunftsorientierten Rechtsbrechern. Dies sind die Leute, die zu Geld kommen.- weshalb, so darf geschlossen werden, der beschriebene "sehr beschränkte" Persönlichkeitstyp es nie zu etwas bringen wird, geschweige denn zu Geld, und es vorziehen wird, "aus dieser Welt auszusteigen". Mit wachsender Irritation schaue ich nach, von wem dieser Text stammt: von einer selbsternannten amerikanischen Karriereberaterin, die die Zielgruppe Generation Y im Visier hat und der sie beruflich auf die Sprünge helfen will, und sei es, dass die Generation Y dabei ganz unsentimental über Leichen springen muss. Business as usual, you know, gelobt sei, was hart macht.
Warum also sperren wir unsere Kinder weg mit lauter solchen Leuten, die nicht in die reale Welt passen, und dann, nach Abschluss des Colleges, schleudern wir die Kinder in die reale Welt und erwarten von ihnen, dass sie sich anpassen? Dabei haben sie keinerlei Training für diese Anpassung erhalten.- und dann darf - wenn ich die Autorin richtig verstehe - sich niemand wundern, wenn diesen fehlgesteuerten, in die "reale Welt geschleuderten Kindern" dermaßen "die Lust am Leben" ausgetrieben wird, dass sie "aus dieser Welt aussteigen". Und zwar nicht bloß aus der angeblich "realen" - also der Geschäftswelt - aussteigen, sondern aus der Welt schlechthin.
"Unsere Gesellschaft sollte sich besser für die Aaron Swartz's dieser Welt entscheiden. Stattdessen jedoch kehrt sich ein großherziger, ethischer Verhaltenskodex - besonders wenn er sich mit technischer Brillianz paart -, um in etwas Schlechtangepasstes, wahrhaft Tödliches. Wäre Swartz der jüngste Investmentbanker an der Wall Street gewesen, wäre er heute noch am Leben."
(Lambert Strether, amerikanischer Blogger, via Rick Perlstein)
Dies liege auch an falschen Qualifikationen, sagte Andor: "In einigen Ländern, besonders in Süd- und Osteuropa, passen Fähigkeiten und Jobs nicht gut zusammen - und dies hat sich verschlechtert."Da haben wir's: Arbeitsmarkt und Ausbildung passen heutzutage einfach nicht gut zusammen; selber schuld, wer es versäumt hat, eine marktkonforme Berufsausbildung zu absolvieren. Die gute Nachricht: Auch solchen gescheiterten Berufsanfänger-Existenzen kann geholfen werden - sofern sie bereit sind zu lernen, ihre ursprüngliche, völlig am Markt vorbei gefällte berufliche Fehlentscheidung rechtzeitig zu kompensieren. Kompensieren womit? Mit marktkonformer Flexibilität.
Ein Bier, bitte.Für mich eine Flasche Champagner.
Wer arm ist, ist selber schuld.Weiß doch jeder.
... der darf nicht wählerisch sein.War schon immer so.
Und wem das Wasser bis zum Hals steht, darf erst recht nicht wählerisch sein.Auch nichts Neues.
... der muss halt in der Brühe schwimmen, die ihm andere eingebrockt haben.Ja klar, Eigenverantwortung übernehmen, was denn sonst.
Und wenn er dabei absäuft?Selber schuld. Hat ihn ja keiner gezwungen, sich zu verschulden.
Und wenn er arbeitslos geworden ist?Auch selber schuld. Schließlich gibt es ja Jobs.
Echt? Wo?Überall. Liegen doch auf der Straße, die Jobs. Er darf halt nicht wählerisch sein. Ach übrigens, hab' ich grad in einer neuen Studie gelesen:
Klingt wie Schuldknechtschaft.Ach was, wir leben doch nicht mehr im Feudalismus.
Sondern?Na ja, im Finanzkapitalismus halt.
Wo liegt der Unterschied?Darin, dass der arme Schlucker glaubt, da wäre ein Unterschied.
Also doch Schuldknechtschaft?Klingt irgendwie nicht nett, das Wort.
Klingt Abzocke netter?Was heißt Abzocke, es gab da halt so 'ne Kreditblase und dann hat's den Markt gecrasht und jetzt ist er halt der Dumme, der arme Schlucker,
... und muss für einen Hungerlohn arbeiten gehen?Tja, was soll man machen? Selber schuld.
Wer? Die Finanzkapitalisten?Nö, die armen Schlucker. Weil, die Finanzkapitalisten brauchen nun mal niedrigere Löhne, für ihr Wachstum, da dürfen sie in der Wahl der Mittel nicht wählerisch sein.
Klingt nach von langer Hand geplanter Abzocke.Aha. Klingt jetzt sehr verschwörungstheoretisch.
Wer steckt eigentlich hinter dieser neuen Studie?Die wurde von der Finanzindustrie in Auftrag gegeben.
Aha. Klingt jetzt sehr verschwörungspraktisch.Dummes Zeug.
Ach übrigens, hab' ich grad gelesen:
"You've got to learn to think like an asshole to really see what to worry about."Unglaublich. Wer wagt es, solche gehässigen Sprüche rauszuhauen?
Eine gewitzte amerikanische Bloggerin namens Mathbabe. Die ist Mathematikerin mit einschlägiger Berufserfahrung in der Finanzindustrie, Abteilung Hedge Fonds. Bis sie es dort nicht mehr ausgehalten hat.Und dort hat die solch dummes Zeug gelernt?
Nö, sie sagt, dort habe sie gelernt, wie ein Arschloch zu denken.Unglaublich!
Aber wahr. Prost.
In einem historisch zu nennenden Rollentausch hofierten die rezessionsgeplagten Länder Spanien und Portugal die Regierungschefs ihrer ehemaligen lateinamerikanischen Kolonien - Länder mit inzwischen stärkstem Wirtschaftswachstum.Die Lateinamerikaner, so Rajoy, sollen sich jetzt mal gefälligst erkenntlich zeigen und den Spaniern "helfen, ihre tiefe finanzielle Krise zu überwinden mithilfe von Investitionen", - jetzt, wo "die Rollen vertauscht seien", die früheren Kolonien prosperierten und also ruhig mal den krisengebeutelten Ex-Kolonialherren unter die Arme greifen könnten.
"Unsere Augen sind auf euch gerichtet: Wir brauchen mehr Lateinamerika."- sekundierte der spanische König Juan Carlos und vergaß nicht, eindringlich hinzuzufügen, dass
"... in Spanien schwierige Situationen in Erscheinung treten, verursacht durch die finanzielle und wirtschaftliche Krise."- womit er gewiss auf die schwierigen Situationen anspielte, die derzeit auf Spaniens Straßen in Erscheinung treten, wo Hunderttausende von Menschen gegen die ihnen aufgehalste finanzielle und wirtschaftliche Krise protestieren, sowie (zeitgleich zu dem Gipfeltreffen in Cadiz) über 5.000 gegen Kürzungsmaßnahmen in Madrid demonstrierende Polizisten, die wissen wollen, wie sie, bitteschön, weiterhin auf jene Hunderttausende einprügeln sollen, wenn ihnen, den Polizisten, die Renten gekürzt und das Weihnachtsgeld gestrichen werden?
"Wir sind jetzt so weit den Leuten zu sagen, wenn ihr nicht arbeitet, dann kriegt ihr von uns auch keine Rente. Wenn ihr also alt seid und nicht irgendeine Arbeit beisteuert, dann sollte das bestraft werden. Machen wir denn von allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten Gebrauch, um alte Leute zu ermuntern, nicht einfach bloß eine negative Last für den Staat zu sein, sondern ein positiver Teil der Gesellschaft?"Der das sagt, heißt Michael Bichard, war Staatsbeamter im Ministerium für Arbeit, ging mit 54 Jahren in den Ruhestand, bekam 2010 die Adelswürde auf Lebenszeit verliehen und sitzt seither als Lord Bichard im House of Lords, dem Oberhaus des britischen Parlaments, wo er gerade seine Rentner-Wiedereingliederungs-Zwangsmaßnahme verkündet hat.