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Mittwoch, 20. November 2013

Ein Wettbewerber mehr


Ich liebe Cartoons.
Weil sie mit wenigen genialen Strichen mehr sagen als tausend Worte.

wurde über Nacht angemessen visualisiert:


Die Konkurrenz schläft nicht.
Nirgends.
Der Markt wird's richten.
Wer sonst.

Dienstag, 19. November 2013

Wir tun was


Wer gedacht hat, an der Qualitäts-Bullshit-Front wäre jetzt erst mal für eine Weile Ruh', der hat falsch gedacht. Hier kommt ein Stück ausgereiften Premium-Bullshits vom Allerfeinsten, frisch serviert von der amerikanischen Firma Walmart.

Zur Erinnerung: Das Unternehmen Walmart hat einen Börsenwert von 260 Milliarden Dollar und machte im letzten Jahr 17 Milliarden Dollar Profit.

Und damit zum premiumverdächtigen Bullshit des Tages - der neueste Coup jenes Lebensmittelkonzerns, der bekannt dafür ist, seinen Angestellten weniger Lohn zu bezahlen als zum Überleben erforderlich ist:
Walmart fordert seine Mitarbeiter auf, Lebensmittel zu spenden. 
Eine Meldung, die das Bullshit-o-Meter bereits heftig ausschlagen lässt - weil, wieso schreitet der Lebensmittel-Handels-Milliardär nicht selbst zur Tat und spendet Lebensmittel? Er hat doch wohl genug? Sowohl Lebensmittel als auch Geld, um sich eine karitative Spendenaktion im großen Stil leisten zu können? Ist das nicht Grund genug, sich tierisch aufzuregen? Nö.

Und zwar deshalb, weil es, einerseits, zwar zunächst eine ärgerliche Meldung ist, andererseits als Meldung lediglich Bullshit mediokrer Qualität repräsentiert - wozu sich über Standard-Kuhmist aufregen? Wo wir doch beschlossen haben, uns nur noch über echten Premium-Bullshit aufzuregen? Also nur noch dann, wenn die Bullshit-Tachonadel im obersten Segment zittert? Voilà:
Walmart fordert seine Mitarbeiter auf, Lebensmittel an andere Walmart-Mitarbeiter zu spenden.
Hey, da bebt die Tachonadel, da rockt die Kuhmist-Orgel in den höchsten Tönen! Können wir den Bullshit mal kurz rückübersetzen? Klar doch:
Walmart fordert seine unterbezahlten Mitarbeiter auf, Lebensmittel an andere, noch schlechter bezahlte Walmart-Mitarbeiter zu spenden.
Habe ich zu viel versprochen? Da lacht das Herz des high-end-Bullshit-Liebhabers! Wie, hat einer den Qualitätswitz nicht verstanden? Okay, zum Mitschreiben: Walmart, "America's real welfare queen" (wie übrigens auch McDonalds), bietet seit einiger Zeit eine firmeninterne telefonische Hotline an, wo die eigenen Mitarbeiter fachkundig beraten werden, wie sie einen Antrag auf food stamps (steuerfinanzierte Lebensmittelmarken für unter der Armutsgrenze lebende Menschen) zu stellen haben, um von ihrem Walmart-Hungerlohn nicht zu verhungern.

Und weil die Walmart-Mitarbeiter trotz food stamps und wegen Hungerlohns nicht satt werden, öffnet der Handelsgigant sein großes soziales Herz und ruft seine hungernden Mitarbeiter auf, ihren hungernden Kollegen mit einer Lebensmittelspende unter die abgemagerten Arme zu greifen. Imagekampagne, you know, à la 'Wir tun was für unsere notleidenden Mitarbeiter', also, um genau zu sein, nicht wir, nämlich der Walmart-Konzern, sondern die mittleren Walmart-Sklaven-Galeeren tun was für die armen Schlucker im untersten Sklavendeck.

Doch halt! Noch vibriert die Bullshit-Tachonadel nicht im wirklichen Premiumsegment. Da geht noch was - der saisonale Emo-Hyperbonus:

via twitter #WorkingAmerica

Thanksgiving! Das traditionelle amerikanische Familienfest Ende November, wo sich alle zum opulenten Truthahn-Dinner treffen! Wo keiner ausgeschlossen sein soll, wo alle mitfeiern, miteinander essen, trinken und für ein paar gemütliche Stunden im Familienkreis ihre Alltagssorgen vergessen sollen! Geht das ans Herz?
Bitte spendet Lebensmittel, um notleidende Kollegen in den Genuss eines Thanksgiving Dinner kommen zu lassen
Und wie das ans Herz geht. Und genau hier, Freunde des herzzerreißenden social marketing, liegt der Hund begraben, nämlich der Top-Premium-Bullshit-Faktor: Kürzlich hat nämlich der big social player Walmart entschieden, seine Filialen am Thanksgiving-Feiertag bis in die späten Abendstunden zu öffnen, damit alle, wirklich alle, selbst die schlechtestbezahlten Verkäufer im untersten Deck in den Genuss eines angemessenen Thanksgiving-Feelings kommen. 
Cold turkey, anyone?
Walmart verteidigte seine (Spenden)Aktion als einen Bestandteil seiner "Unternehmenskultur" der Nächstenliebe: "Wir sehen diese Aktion als ein Element der Unternehmenskultur, dass Kollegen sich untereinander solidarisieren und sich um diejenigen kümmern, die als extreme Härtefälle betroffen sind."
Yeah, Nächstenliebe. Sweet charity, God bless your souls.
Das war's für heute. Mehr Premium-Bullshit geht nicht. Morgen ist auch noch ein Tag.

Montag, 5. August 2013

Häuser räumen, Heime bauen


Wieder mal schlechte Nachrichten aus Griechenland.

Die griechische Regierung kündigt zum 1. Januar 2014 Zwangsräumungen an.

Zwar sind seit 2008 Zwangsräumungen von Häusern verboten, die als Hauptwohnsitz genutzt werden und einen Wert von 200.000 Euro nicht übersteigen - gewissermaßen zum Schutz der sogenannten 'kleinen Leute'. Und eigentlich war von der Troika vorgesehen, das Zwangsräumungsverbot Ende 2012 aufzuheben;  denn schließlich muss es ja vorangehen in Griechenland, dem Land, das sich laut Schäuble "auf dem richtigen Weg" befindet und dessen Weg erst dann am Ziel angelangt ist, wenn der Karren endgültig in den Dreck gefahren sein wird. Wohlgemerkt, der Karren der 'kleinen Leute'.

Doch dann zeigte sich die griechische Regierung "schockiert" angesichts der Suizidwelle, die Spanien überzog, nachdem zahlreiche Hausbesitzer - allesamt 'kleine Leute' - ihre Häuser durch Zwangsräumung verloren hatten. Die Troika - bekanntlich Freund und Helfer der 'kleinen Leute' - ließ sich von der menschlichen Tragödie erweichen und genehmigte eine Verlängerung des griechischen Zwangsräumungsverbotes. Allerdings dürfe die Gnadenfrist keinesfalls länger andauern als bis zum 31. Dezember 2013, danach müsse der menschlichen Tragödie - ergo dem Zugriff der Banken auf die geräumten Immobilien - endlich der Weg frei gemacht werden; der richtige Weg, wohlverstanden.
Aufgrund des immensen Drucks seitens der Kreditgeber des Landes - der Troika (die ihrerseits unter dem immensen Druck seitens der Banken steht) - kündigte die griechische Regierung die schrittweise Aufhebung des Verbotes von Zwangsräumungen an bei Menschen, die außerstande sind, ihre Hypothek zu bezahlen.
- also bei Menschen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit, Lohnkürzungen, Steuererhöhungen und Rentenstreichungen außerstande sind, die Hypothek auf das einzige zu bezahlen, was ihnen noch geblieben ist.

Nun steht die griechische Regierung vor der heiklen Aufgabe, jene menschliche Tragödie zu managen, die von der Troika so zielstrebig wie ergebnisorientiert eingeleitet wurde. Was tun, nachdem die Häuser geleert und die Straßen gefüllt sein werden mit immer mehr wohnungslosen Menschen, von denen wiederum immer mehr zu dem Schluss kommen, dass sich etwas Besseres als der Tod nirgends finden lässt? Noch drängender: Wie jener imageschädigenden Wirkung gegensteuern, die der heranrollenden Massenobdachlosigkeit und neuerlichen Suizidwelle auf dem Fuße folgen wird?

Mut machen in harten Zeiten, heißt die Devise. Wie macht man einem verzweifelten, von Obdachlosigkeit bedrohten, suizidgefährdeten Volk Mut? Indem man ermutigende Zeichen setzt.

Und damit zu den guten Nachrichten aus Griechenland:
Ermutigende Zeichen aus den Obdachlosenasylen Athens
Ein neues Wohlfahrtsprogramm der Stadt Athen zielt darauf ab, den Menschen zu helfen und das Image der Hauptstadt zu verbessern
Neue Heime für wohnungslose Athener werden gebaut. Die Stadt, heißt es, habe die Zeichen der Zeit erkannt. Sie gehe mutigen Schrittes voran, um die Menschen zu ermutigen und das Image der Stadt zu verbessern, indem sie die Menschen ermutige, sich von der Straße ins Obdachlosenheim zu entfernen und damit das schmuddelige Stadtbild zu verbessern. Sie nennt dies einen "Wechsel in der Philosophie der Wohlfahrtspolitik".

(Lalaounis ist das teuerste Juweliergeschäft in Athen.)

Raus aus den Häusern, weg von der Straße, rein in die Heime.
Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Namen für die philosophische Richtung, aus der der Wind weht.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Die Straße frei den braunen Bataillonen


Griechenland, wird Finanzminister Schäuble nicht müde zu betonen, sei auf einem guten Weg. Mehr noch: auf dem richtigen Weg. Schäuble scheint den richtigen Weg zu kennen und wird wissen, weshalb er ihn unermüdlich propagiert und wiederkäut.

Zum richtigen Weg gehört flächendeckender sozialer Kahlschlag. Um diesen Kahlschlag wirklich effizient zu gestalten, muss alles aus dem (richtigen!) Weg geräumt werden, was den Kahlschlag behindern könnte. Beispielsweise Gesetze, die behinderte oder geringverdienende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes vor Entlassung schützen sollen. Falsch, schützen sollten. Seit heute ist die sogenannte Sozialklausel ersatzlos gestrichen.

Die Gesetzesänderung erfolgte
... auf Druck der Eurogruppe, die in der Schutzklausel eine "Gefahr" für den geforderten Kahlschlag sah. Vor allem Deutschland hatte Druck gemacht und mit Hilfsentzug (=Verweigern der nächsten Kredittranche) gedroht.
Erpressung also, auf gut deutsch. Wo ein Ziel ist, ist jedes Mittel recht und ebenso jeder Weg. Halt, nein, nur der richtige Weg ist recht. Der aus deutscher Sicht richtige Weg. Ist recht. Oder rechts.

Gestern veranstaltete die faschistische Partei Golden Dawn vor den Türen ihrer Niederlassung in Athen eine politische Kundgebung. Gegen den sozialen Kahlschlag. Politik gekoppelt mit Wohltätigkeit, Nächstenliebe, Almosen. Kommt immer gut. Besonders auf dem rechten Weg.
Golden Dawn spielte eine Nazi-Hymne während einer politischen Wohltätigkeitsveranstaltung, die von den Behörden versucht worden war zu verbieten.
Versucht worden war zu verbieten. Schlug leider fehl, der Versuch. Dabei wollten sie Golden Dawn doch ausdrücklich verbieten, den griechischen Bürgern karitative Tüten mit Lebensmitteln und Kleidung auszuhändigen. Wohlgemerkt, den griechischen Bürgern. Sonst niemandem.
Parteimitglieder verteilten Nahrungspakete, nachdem sie die Ausweise der Empfänger kontrolliert hatten, um sicherzustellen, dass Nichtgriechen von der Aktion ausgeschlossen sein würden.
Hat aber leider nicht geklappt, der Versuch, die rein griechische Wohltätigskeitsaktion zu verbieten. Keine Ahnung, wieso. Vermutlich war nicht genug Druck hinter dem Versuch der Behörden, die Aktion zu verbieten. Keine Ahnung, wieso nicht. Oder doch Ahnung, ganz dumpfe, trübe Ahnung. Egal, jedenfalls hat Golden Dawn das Ding unbehelligt durchgezogen.

Zwar hat der Minister für öffentliche Ordnung, Nikos Dendias, die Aktion nicht gebilligt und am Mittwoch öffentlich verkündet, bei Golden Dawn handele es sich um "eine erbärmliche Kopie des Nazi-Totalitarismus". Finde er nicht gut, so etwas, hat der Minister gemeint. Verboten wurde die Aktion trotzdem nicht. Obwohl man es doch versucht hatte, wirklich versucht hatte. Aber gut, dass der Minister darüber gesprochen hatte.

Die Golden Dawn Partei hat das natürlich gefreut, dass es nicht gelungen war, ihre Aktion - trotz wirklicher Versuche - zu verbieten. Aus lauter Freude darüber spielte Golden Dawn während ihrer wohltätigen Aktion laute Musik. Mit Gesang. Voll aufgedreht, aus Lautsprecherboxen, die auf der Straße aufgestellt wurden.
Essensausgabe zu den Klängen des Horst-Wessel-Liedes**
Eine griechische Version des deutschen Horst-Wessel-Liedes wurde aus Lautsprechern gespielt vor den Türen des Athener Büros der Partei, wo Parteimitglieder Tüten mit Essen und Kleidung aushändigten.
Natürlich wurden die Lautsprecherboxen auch nicht verboten. Erst recht nicht das Horst-Wessel-Lied, nein, es war noch nicht einmal versucht worden, das Abspielen des Horst-Wessel-Liedes zu verbieten. Sie spielten es einfach, basta. Warum auch nicht? Ist ja nicht verboten, das Lied. In Griechenland. In Deutschland schon*. Aber Hauptsache, Griechenland ist auf einem guten Weg. Mehr noch, auf dem richtigen Weg. Den aus deutscher Sicht richtigen Weg. Mit dem passenden Soundtrack.

Fast könnte man meinen, der Weg sei das Ziel.


* Auf Ekathimerini sind drei Videos der gestrigen Veranstaltung eingebettet, inklusive des von Golden Dawn gewählten Soundtracks - "Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar", heißt es dort.

** Die Überschrift dieses Posts entstammt dem Horst-Wessel-Lied. Es war zunächst ein Kampflied der SA und avancierte etwas später zur Parteihymne der NSDAP.
"Die Melodie und der Marschtritt, ein paar für sich bestehende Einzelwendungen und Phrasen, die sich an die 'heroischen Instinkte' wenden: 'Die Fahne hoch! ... Die Straße frei dem Sturmabteilungsmann ... bald flattern Hitlerfahnen ...': genügte das nicht zum Hervorrufen der beabsichtigten Stimmung?"

Freitag, 24. Mai 2013

Gehen Sie ins Gefängnis


Begeben Sie sich direkt dorthin.
Gehen Sie nicht über Los.
Glauben Sie ja nicht, von uns kriegen Sie was zu essen.

Systemrelevant müsste man sein! Heißa, wäre das ein Lotterleben!
Auf Rosen gebettet, mit Samthandschuhen angefasst, stets hofiert wie ein rohes Ei, mit öffentlichen Geldern ebenso beworfen wie mit richterlicher Milde und niemals jenen Härten ausgesetzt, die einen systemirrelevanten Normalsterblichen zermalmen können, wenn er sich mal daneben benommen hat.

Systemrelevant heißt auf Englisch bekanntlich Too big to fail, also
zu groß zum Scheitern, genauer: zu groß um bankrott zu gehen, und bezieht sich auf global operierende Finanzinstitute, die allen möglichen betrügerischen Scheiß bauen, kriminelle Geschäfte im großen Stil betreiben, sich beim Zocken gewaltig überheben, ganze Volkswirtschaften (vulgo: Menschenleben) ruinieren und eben deshalb keinesfalls bankrott gehen dürfen, denn ein Bankrott, so heißt es gebetsmühlenhaft, zöge immensen Kollateralschaden nach sich und würde - na? - genau, ganze Volkswirtschaften ruinieren.

In aller Regel zieht der Blankofreibrief Too big to fail den nicht minder ein Lotterleben versprechenden Persilschein Too big to jail nach sich, also zu groß zum Einbuchten, genauer: zu groß, um strafrechtlich verfolgt werden, und bezieht sich auf besagte verbrecherische Organisationen, deren straffällig gewordene Akteure niemals einen Knast von innen sehen werden; auch davor schützt sie ihre Systemrelevanz. Und zwar mit genau derselben Begründung: Das Verknacken von systemrelevanten Investmentbankern zöge immense Kollateralschäden nach sich und könnte ganze Volkswirtschaften ruinieren.

Woraus wir erstens lernen: Egal, ob ein systemrelevanter Banker verknackt wird oder nicht - seine verbrecherische Organisation wird ganze Volkswirtschaften ruinieren, so oder so. Und zweitens: Offenbar gehört das Ruinieren ganzer Volkswirtschaften zum Geschäftsmodell global operierender Finanzinstitute und kennzeichnet im engeren Sinne das, was unter Systemrelevanz verstanden wird.

Wo wir schon beim Reimen sind und zu fail sowie jail jeder systemirrelevante Normalsterbliche das Wort bail assoziiert: Die Logik der Systemrelevanz will es, dass all jene globalen Finanzplayer, die too big to fail und daher too big to jail sind, keineswegs als too big to bail gelten, im Gegenteil: Wer systemrelevant unterwegs ist, wird für den Scheiß, den er baut, vom Staat finanziell rausgehauen, kriegt also zur Belohnung fürs Ruinieren des Lebens anderer Leute ein Bail-out, kann somit lustig dem fail weiter frönen und dem jail entgehen, derweil der Staat die Kohle fürs bail seinen Bürgern aus der Tasche zieht, vorzugsweise denen, die eh keine Kohle in der Tasche haben, was ganz prima funktioniert über das drastische Kürzen von Sozialprogrammen, vorzugsweise denen, die eigentlich dazu gedacht waren, die Armen zu unterstützen, nun aber dringend zur Unterstützung von systemrelevanten Reichen gebraucht werden.

Potztausend, da geht noch was! Da kann noch mehr eingespart werden! Da gibt es doch dieses verschwenderische Sozialprogramm namens SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program), geschaffen, um unter der Armutsgrenze lebende Menschen mit food stamps (Lebensmittelmarken) zu unterstützen, damit sie nicht verhungern. Viel zu kostspielig, dieses Programm, hat ein amerikanischer Senat vorgestern herausgefunden - da können noch ein paar Daumenschrauben angezogen werden.

Im Visier der sparwütigen Schrauber: Menschen, die, irgendwann mal straffällig geworden (fail), rechtskräftig verurteilt in den Knast (jail) gesperrt wurden, eine jahrzehntelange Strafe abgesessen haben, längst aus der Haft entlassen wurden und es seither trotzdem nicht zum Millionär gebracht haben, vielmehr für sich und ihre Familien samt Kindern(!) auf Unterstützung (bail) angewiesen sind. Ha! Erst fail, dann jail, und dann wollen die auch noch bail? Nix da. Die gehören bestraft! Die sollen doch verhungern! Die kriegen ab sofort keine food stamps mehr! Und zwar lebenslänglich! Warum nicht? Weil, ja, eben darum, weil eben: Strafe muss sein. Findet der republikanische Senator von Louisiana. Ohne Widerrede abgenickt von seinen demokratischen Kollegen im Senat von Louisiana.

Weil, Strafe muss sein. Besonders für die Menschen, die ohnehin be- und gestraft, mithin von keinerlei Systemrelevanz sind, und das sind in einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten nun mal überwiegend Afro-Amerikaner. Wozu sollten die durchgefüttert werden? Die sollen hungern! Weil, je mehr sie hungern, desto größer die Chance, dass sie irgendwann vor lauter Hunger und Armut erneut straffällig und zurück in den Knast gesperrt werden. Eigentlich hätte man sie ja gleich beim ersten Mal drin lassen können. Und zwar lebenslänglich. Auch da geht bestimmt noch was.

Erfreut über die aktuelle Sozialgesetzanpassung unter dem aparten Namen "amendment" (=Nachbesserung) dürfte sich vor allem die prosperierende amerikanische Gefängnisindustrie zeigen -
"Die private Untervertragnahme von Gefangenen zur Lohnarbeit schafft finanzielle Anreize, Menschen hinter Schloss und Riegel zu bringen. Die Gefängnisse sind auf diese Einkommensquelle angewiesen. Großaktionäre, die an Gefangenenarbeit Geld verdienen, betreiben Lobbying für längere Haftstrafen, um ihre (billigen) Arbeitskräfte zu vermehren. Dieses System ernährt sich selbst", so eine Studie der Progressive Labor Party, die die Gefängnisindustrie beschuldigt, "eine Kopie von Nazideutschland zu sein hinsichtlich Zwangssklavenarbeit und Konzentrationslagern."
- aber nicht nur die:
Der Gefängnisindstrie-Komplex ist eine der am schnellsten wachsenden Industriebranchen der Vereinigten Staaten, und ihre Investoren sind in der Wall Street beheimatet. 
Mit anderen Worten:

Just fail.
Go to jail.
We take the bail.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Problemgruppe auf Rädern


Problemgruppen heißen so, weil sie Probleme machen. Wer Probleme macht, macht sich nicht besonders beliebt und gehört deshalb bestraft. Nachdem hoffnungsvolle Ansätze der Problemlösung - etwa Umerziehung mit starken Strafreizen - bereits existieren für die Problemgruppe arme Kinder, oder Kinder armer Eltern, wird es Zeit, sich einer weiteren Problemgruppe zuzuwenden.

Da wäre beispielsweise die Problemgruppe alte Menschen. Gelten alte Menschen per se als Problemgruppe? Na ja, potentiell schon, spätestens seit sich das Mantra Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen auf breiter Ebene konsensual durchgesetzt hat und alte Menschen nun mal irgendwann zum Arbeiten zu alt und darum nur noch ökonomisch nutzlose Fresser sind. Okay, okay, wollen wir mal nicht so sein, schränken wir das Problemgruppenpotential wohlwollend ein und sagen: Solange alte Menschen imstande sind, ihr Essen aus eigener Kraft zu finanzieren und zuzubereiten, drücken wir ein Auge zu. Weil, die fallen ja niemandem groß zur Last, trotz verminderter ökonomischer Nutzenstiftung, sind also allenfalls als Problemgruppe zweiter Ordnung anzusehen.

Dagegen verursacht die Problemgruppe arme alte Menschen Probleme ungeahnten Ausmaßes. Die wollen essen und nichts dafür tun! Genau wie ihre Problemkollegen am anderen Ende der demographischen Skala, nur dass die armen Kinder viel leichter in den Zwangsgriff zu bekommen sind als die armen Alten. Ein echtes Problem. Wie soll man arme alte Leute bestrafen? Geht ja irgendwie nicht, weil, wie sieht das denn aus. Ein Aufschrei der rührseligen Öffentlichkeit wäre womöglich die Folge. Also, lieber nicht bestrafen. Andererseits, es muss etwas geschehen. Denn so kann es nicht weitergehen. Schließlich ist die Problemgruppe arme alte Menschen explosionsartig am Wachsen und im Begriff, unserer tüchtigen Leistungsgesellschaft die letzten Haare vom Kopf zu fressen.

Nun hat der amerikanische Kongress eine geniale Problemlösungsstrategie aus der Tasche gezogen und auch gleich ganz schnell verabschiedet. Auf die Frage: Wie lässt sich ein Problem lösen? hat er die einzig durchschlagende Antwort gefunden: indem das Problem abgeschafft wird. Mit anderen Worten: indem die Problemgruppenangehörigen abgeschafft werden. Im Falle der problematischen armen alten Menschen geht das ganz einfach und noch dazu schön unauffällig, sodass keiner etwas mitkriegt und sich niemand echauffieren muss über drakonische Sparmaßnahmen, die wie üblich die Falschen treffen:  Man will die armen alten Menschen einfach aushungern.

Dazu wird zweckmäßigerweise der Hebel an Sozialprogrammen angesetzt. Essen auf Rädern? Viel zu teuer. Was hocken die auch alle zuhause herum - arm, alt, gebrechlich, gehbehindert - und warten gierig auf warme Mahlzeiten, Lieferung frei Haus, ohne die geringste Gegenleistung? Das kann so nicht weitergehen. Rabiates Kürzen der Zuschüsse ist das Mittel der Wahl. Im Einzelfall werden dann halt - statt bislang 1.500 - pro Tag 200 Mahlzeiten weniger ausgeliefert. Und ab 1. Mai die Zahl der Bedürftigen mit Anspruch auf Essenslieferung "eingefroren". Hungry, anybody? Pech gehabt. Dumm gelaufen.
Für euch. Wir müssen sparen, you know. An euch, you know.

Drum setzen wir euch alte, arme, nutzlose Fresser jetzt hübsch auf strenge Diät. Alles weitere erledigt sich von selbst. Passiert ja alles hinter verschlossenen Türen. Bei euch zuhause. Statt euch das Essen auf Rädern in die Wohnung reinzurollen, rollen wir euch in Kürze auf Rädern aus eurer Wohnung raus. Mit den Füßen voraus, wie man so schön sagt. Ist ja ganz normal, dass alte Menschen irgendwann mal sterben. Denkt sich keiner was dabei.

Außer uns: geschafft, wieder eine Problemgruppe weniger.


Montag, 1. April 2013

Früchte des Zorns


Schauplatz:
Augusta im amerikanischen Bundesstaat Georgia.

Offizielle Armutsquote in Augusta:
31,6 Prozent

Anteil der Bevölkerung, die mit weniger als 50 Prozent des als offizielle Armutsgrenze geltenden Einkommens leben:
11,8 Prozent

Kinderarmut in Augusta:
45 Prozent

Letzte Woche ging in Augusta ein Supermarkt bankrott. Die Nachricht von der Zwangsräumung des Lebensmittelgeschäftes verbreitete sich schnell in den verarmten Nachbarschaftsvierteln; und so strömten am vergangenen Dienstag rund 300 Bewohner Augustas, die meisten mit leeren Plastiktüten in den Händen, zu dem Geschäft - in der Hoffnung, dass die Lebensmittelrestbestände unbürokratisch und gratis an Bedürftige verteilt und damit (aus der Sicht des Betreibers) kostenlos "entsorgt"würden. Sie wurden in ihrer Hoffnung enttäuscht.

Zwar hätten, nach dem Willen des ehemaligen (jetzt bankrotten) Pächters, die verbliebenen Lebensmittel an die Bevölkerung gespendet werden sollen. Jedoch meldete der Eigentümer der Liegenschaft - eine Bank mit dem klangvollen Namen Sun Trust Bank - als Folge des Räumungstitels Besitzanspruch auf die Lebensmittelbestände an und verfügte deren umgehende Vernichtung. Dies geschah vor den ungläubigen Augen der mit leeren Plastiktüten wartenden Menschen: Unter Polizeischutz wurden sämtliche - sowohl frische als auch konservierte - Lebensmittel auf große Abfallcontainer geworfen und abtransportiert Richtung Müll- beziehungsweise Vernichtungsanlage.

Als Begründung für die gezielte Vernichtung der Lebensmittel gab der zuständige Einsatzleiter der Polizei an, erstens, auf Anordnung des Immobilieneigentümers, zweitens, im Namen von Gesetz, Recht und Ordnung gehandelt und, drittens, angesichts der hungrig dreinschauenden Menschenmassen
"... ein extrem hohes Potential für einen Volksaufstand (riot)"
erkannt zu haben, für dessen Verhütung eine im großen Stil angelegte Lebensmittelvernichtung als das Mittel der Wahl erkannt worden sei.

Das Wort hat Adam Kokesh, dem allerdings die Worte fehlen:



Mir fehlen sie auch.

Das letzte Wort hat John Steinbeck:
Lebensmittel wegzuwerfen vor den Augen hungernder Familien ruft die Worte John Steinbecks in Erinnerung, der eine ähnliche Szene in Früchte des Zorns (1939) beschrieben hat:
"Es gibt Verbrechen hier, die nicht zu schildern sind. Es gibt hier Leid, das Tränen selbst nicht sprechen lassen können. Es gibt hier Misserfolg, der all unsere Bemühungen zunichte macht. Die fruchtbare Erde, die geraden Baumreihen, die starken Stämme und die reife Frucht. Und Kinder müssen sterben, weil die Orange ihren Profit nicht verlieren darf. Und die Leichenbeschauer müssen in den Totenschein schreiben - 'starb an Unterernährung' -, weil Nahrungsmittel verrotten müssen, weil sie zum Verrotten gezwungen werden. Die Leute kommen mit Netzen, um die Kartoffeln aus dem Fluss zu fischen, aber die Wächter verbieten es ihnen ... und sie stehen still und sehen zu, wie die Kartoffeln vorbeischwimmen ... sehen die Orangenberge zu einem Fäulnisbrei zusammensinken, und in den Augen der Menschen liegt ein Scheitern; und in den Augen der Hungernden steht ein wachsender Zorn. In den Herzen der Menschen wachsen die Früchte des Zorns und werden schwer, schwer und reif zur Ernte."

Freitag, 15. Februar 2013

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser


Uff, geschafft! Die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland hat die 60-Prozentmarke geknackt. Mit rekordverdächtigen 61,7 Prozent! Aber da geht bestimmt noch was:
... angesichts der nachhaltigen Rezession, die laut den vorläufigen Daten der ELSTAT das griechische BIP im letzten Quartal 2012 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum 2011 um weitere 6 % schrumpfen ließ, kann dieser neue Höchststand der Arbeitslosigkeit jedoch keinesfalls als das "Ende der Fahnenstange" bezeichnet werden.
Doch, da geht noch was. Wäre ja gelacht. Mindestens 38,2 Prozent gehen da noch. "Wir" sind nämlich auf einem guten Weg. "Wir" sind Leute vom Schlage eines Olli Rehn, Vizepräsident der Europäischen Kommission. Der Mann mit dem putzigen Vornamen lehnte eine Neuverhandlung der griechischen Austeritäts-Zwangsjacke ab, nachdem der Zwangsjackenspzialist IMF offiziell eingestanden hatte, die verordnete Zwangsjacke falsch kalkuliert, weil mit den falschen fiskalischen Multiplikatoren berechnet zu haben.


Neuverhandlungen, nur weil der IMF mit seinem Rechenschieber ins fiskalische Klo gegriffen und ein Land, eine Gesellschaft, eine Bevölkerung in den Abgrund getrieben hat? Wäre ja gelacht, kann Olli Rehn dazu nur sagen. Weil, so ein popliger Rechenfehler kann schließlich jedem mal unterlaufen, das muss doch nicht gleich auf die Goldwaage gelegt werden, nicht wahr?

Rechenfehler? Yanis Varoufakis sieht das anders. Der griechische Ökonom - sonst ein Musterbeispiel an Diplomatie und höflichem Umgangston selbst auf kontroversem Volkswirte-Parkett - verlor die Contenance und fuhr bemerkenswert aus der Haut:
"Dieser Fehler wurde vorsätzlich begangen. Das war kein buchhaltungstechnischer Irrtum des IMF, das war eine politische Entscheidung. Sie haben die Ökonomen gezwungen zu lügen. Dieser unbedarfte, feige Unterknecht will den Irrtum nicht eingestehen, denn andernfalls wäre ein sofortiger riesiger Schuldenschnitt in Griechenland fällig."
Unterknecht ("understrapper"), starker Tobak, wie ist das gemeint?
So ist das gemeint:
"Als ein drittklassiger Unterknecht nimmt er (Rehn) seine Befehle entgegen und ist verpflichtet, den Fehler des IMF zu leugnen. Und er leugnet ihn."
Zum Leugnen gehört zu behaupten, dass "wir" auf einem guten Weg seien. Also, die Griechen. Na ja, so ein Wort wie "die Griechen" würde ein hartgesottener Unterknecht niemals in den Mund nehmen; denn seit wann spielen in den Berechnungen eines Unterknechtes solche Faktoren wie "die Menschen" eine Rolle?


Olli Rehn zieht den inflationären Gebrauch des Begriffes "Vertrauen" vor und wird dafür von Leonidas Chrysanthopoulos aufgespießt und mit deutlichen Worten auf den Grill gelegt.

In einem offenen Brief an den Unterknecht, hm, Vizepräsidenten der Europäischen Kommission geißelt Chrysanthopoulos diesen wegen seines konsequent menschen-vernachlässigenden Brüsseler Technokraten-Kauderwelsch:
"In Ihrem Brief an die ECOFIN erwähnen sie häufig das Wort Vertrauen, Rückkehr des Vertrauens, Aushöhlung des Vertrauens, Unterstützung von Vertrauen etc. Ja, aber wessen Vertrauen? Die EU hat das Vertrauen der Menschen verloren. Das Vertrauen der Märkte bleibt erhalten? Kein einziges Mal wird das Wort "Menschen" erwähnt. Alles, was Sie erwähnen, sind prozentuale Anteile am Bruttoinlandsprodukt, aber wir sind keine prozentualen Anteile am Bruttoinlandsprodukt, wir sind Menschen."
Mit "Menschen", von Mitmenschen ganz zu schweigen, stehen Unterknechte professionell auf dem Kriegsfuß.


Die griechische Unterknechts-Regierung macht dies fast täglich aufs neue unmissverständlich klar. Ihr neuester Coup:
Zensur in Griechenland: Die "verbotene" Nachricht
Seit einigen Tagen ist es in Griechenland gegen Androhung von Strafe verboten, im Fernsehen Bilder von verwahrlosten Bürgern zu zeigen. Der Medienaufsicht gemäß sollen es die Sender unterlassen, die Krisenfolgen anhand personifizierter Beispiele zu präsentieren. Dass dadurch für Medienkonsumenten ein real nicht existierendes Paralleluniversum, in dem lediglich die Parolen der Regierung vom angeblich nahenden Wirtschaftswachstum geschaffen wird, scheint dem Rundfunkrat nicht nur egal zu sein, sondern das dürfte eher beabsichtigt sein.
Aus den Augen, aus dem Sinn. Über das explosionsartig grassierende menschliche Elend im öffentlichen Raum Griechenlands wurde ein Bilderverbot verhängt - eine, in der typischen Denke eines Unterknechtes, vermutlich "vertrauens"bildende Maßnahme. Der griechische Fotograf, von dem die hier gezeigten Bilder menschlichen Elends stammen, möchte lieber namentlich nicht genannt werden, "aus Angst, dass ihm etwas passieren könnte". So viel Vertrauen war selten.


Mittwoch, 6. Februar 2013

Gangnam Gaza Style



Ich hätte nie, wirklich NIE gedacht, dass ich jemals ein verdammtes Gangnam-Video in dieses Blog stellen würde.

Nie und nimmer, habe ich immer gedacht.


So kann man sich täuschen.


Hier kommt Gangnam Gaza Style, das frechste, intelligenteste, leichtfüßigste, lustigste und sichlustigmachendste, zugleich ernsthafteste Video nicht erst seit der Erfindung von Gangnam, mit einfachsten Mitteln umgesetzt und gerade deshalb so wirkungsvoll.
Ein Mobiltelefon, ein Sinn für Humor und eine Internetverbindung waren alles, was eine Gruppe von Palästinensern benötigte, um die Bedrängnisse zu illustrieren, denen sie tagtäglich ausgesetzt sind.


gefunden bei RT

Sonntag, 3. Februar 2013

Schlafzimmerblick


Andere Länder, andere Maßnahmen, gleiche Stoßrichtung:

Schrittweise Entsorgung der armen, arbeitslosen, kranken, behinderten oder sonstwie der Gesellschaft zur Last fallenden, daher nutzlosen und eben drum überflüssigen Menschen, die zwar im offiziellen Sprachgebrauch (noch) als Menschen bezeichnet, jedoch immer unverfrorener als Untermenschen gedacht und behandelt werden.

Ihnen allen hängt derselbe Makel an: Sie kosten Geld und nehmen Platz weg. Sie nehmen viel zu viel Platz weg zum Leben. Deshalb muss ihnen der Platz weggenommen werden. Räumen sie den Platz nicht freiwillig, wird ihnen halt Geld weggenommen, weil, dann können sie sich den Platz nicht mehr leisten und hauen von allein ab, und dann ist man sie endlich los, vorerst jedenfalls.

Schauplatz Großbritannien, Tatort Schlafzimmer:

Neuester Schrei der austeritätsbesoffenen konservativen Regierung:
die sogenannte "Schlafzimmer-Steuer" (bedroom-tax). Eine Schlafzimmer-Steuer! Klingt fast pikant und ein wenig oh là là; ist aber nichts weiter als ein schnödes antisozialpolitisches Instrument, das die oben genannte Zielgruppe im Visier hat, um diese zu immer enger zusammengepferchtem Wohnen zu zwingen, zu immer weniger privatem Rückzugsraum, zu immer mehr zwischenmenschlichen Kompromissen, zu immer mehr Schlafstörungen und immer mehr Alpträumen. Genau das ist der Stoff, aus dem die Schlafzimmer-Steuer gemacht ist.

Kurz gesagt: Wer in seiner Wohnung - sie möge noch so bescheiden sein - ein Zimmer hat, von dem die Regierung der Meinung ist, es werde nicht benötigt, der wird künftig (ab April 2013) um mindestens 650 Pfund (750 Euro) seines jährlichen Wohngeldzuschusses erleichtert, sprich: bestraft werden. Wer sich das nicht leisten kann, bitte, der kann ja sein demokratisches Recht wahrnehmen und woanders hinziehen.

Wer also - nur als Beispiel - von dem überzogenen Anspruchsdenken befallen ist, zwei Schlafzimmer für zwei Kinder bereitzuhalten - ein Mädchen und ein Junge, beide unter zehn Jahre alt - dem wird von Amts wegen ein Schlafzimmer zu viel bescheinigt, will heißen: der wird mit einer Geldstrafe belegt werden. Sollte jemand so vermessen sein, ein Pflegekind in seine Familie aufzunehmen und diesem auch noch ein eigenes Schlafzimmer zur Verfügung zu stellen: Geht nur bei Strafe, denn Pflegekinder zählen amtlicherseits nicht als Kinder und ein Schlafzimmer für ein Pflegekind schon gar nicht, obwohl der Nachweis eines eigenen Schlafzimmers zwingend ist, um amtlicherseits überhaupt ein Pflegekind aufnehmen zu dürfen. Lustig, oder?

Es geht noch lustiger. Wer als geschiedener Elternteil ein Schlafzimmer bereithält für sein Kind, das ihn ein paarmal die Woche besuchen kommt - vergiss es, ab April darf das Kind in der Badewanne oder auf dem Dachboden übernachten, weil es keinen Anspruch mehr auf ein Schlafzimmer haben wird. Gleiches gilt für den vielversprechenden Nachwuchs, der infolge Jobmangels bei der Armee Unterschlupf gefunden hat und nach Ablauf seiner Dienstzeit - sofern er sie überlebt - in sein altes Kinderzimmer zurückkehren will: gestrichen. Nur nicht sentimental werden, meint die Regierung, können wir uns in diesen harten Zeiten nicht leisten, oder halt nur der, der es sich leisten kann, sentimental zu sein; bei Geldstrafe, wie gesagt.

Alle anderen: umziehen, aber flott. Wohin? Keine Ahnung - kleine bezahlbare Wohnungen, auch Sozialwohnungen, sind Mangelware in Großbritannien. Ist aber nicht das Problem der Regierung. Hauptsache bestrafen und irgendwie wegschaffen, den ungewaschenen, nutzlosen Pöbel. Hauptsache weg.

Lebenspartner, die es vorziehen, in getrennten Schlafzimmern zu nächtigen? Wie bitte? Wo kommen wir da hin? Geht gar nicht. Strafe! Kranke Angehörige, die wegen Ansteckungsgefahr, Krankheitsbeschwerden, Atemnot eines eigenen Schlafzimmers bedürfen? Ha, alles Einbildung, alles verwöhntes Luxusdenken, Strafe. Gestresste pflegende Angehörige, die wenigstens nachts ein paar Ruhestunden brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen? Wie, in einem eigenen Schlafzimmer? Geht's noch? Let them eat cake and sleep on the sofa! Ein extra Schlafzimmer für ein behindertes Kind, einen behinderten Lebenspartner? So weit kommt's noch. Lachhaft. Gehört bestraft. Sofort. Spätestens ab April.

Amtlicherseits heißt die Schlafzimmersteuer übrigens 'under occupancy tax', auf deutsch: Unterbelegungsabgabe. Unterbelegt geht im vom Austeritätswahn befallenen Endkapitalismus überhaupt nicht. Unterbelegt ist ein unhaltbarer Zustand, der von nicht ausgeschöpften Kapazitäten kündet, so was hat es gar nicht gern, das marode System. Deshalb fragt das System sich ständig und systematisch, ob da nicht noch was geht? Vielleicht eine Sonderzahlung auf unterbelegte Containerbaracken? Oder auf leerstehende Viehställe?

Oder, noch besser, vielleicht eine Geldstrafe auf unterbelegte Hühnerbatterie-Käfige? Solche mit weniger als zehn Hennen pro Quadratmeter? Wo noch genügend Platz wäre für ... na ja, man wird doch mal laut denken dürfen. Weil, bei der bekannt kostenbewussten Denke von Hühnerbatterie-Käfighaltern, ich meine, die sind doch zu allem bereit, bloß nicht zur Zahlung einer Geldstrafe wegen Unterbelegung, insofern ... gut, kann man ja mal im Auge behalten.

Und wenn alle Stricke reißen und alle Kapazitäten ausgeschöpft sind, gibt es ja immer noch die Straße. Da geht noch was! In britischen Birmingham zum Beispiel, da steigt die Obdachlosenrate um 400 Prozent! Im Monat! Da sind noch Kapazitäten frei! Also bitte. Irgendwie wird sich das Problem schon lösen. Am Ende wird es so aussehen, als habe es sich von selbst gelöst. Ein paar kalte Winterperioden, und gut ist.



Sonntag, 23. Dezember 2012

Vom Geben und Nehmen


Friede auf Erden, im Einzelhandel und den Satten ein Wohlgefallen.

Vor ein paar Tagen verhagelte der britische Fernsehsender BBC die allseits friedlich-besinnliche Weihnachtsstimmung mit einer besorgniserregenden Meldung: Laut Aussagen der Polizei schieße die Anzahl der Ladendiebstähle in die Höhe, weil immer mehr verarmte Menschen sich - "infolge des wirtschaftlichen Abschwunges in Großbritannien" - nicht anders zu helfen wüssten, um an Essbares zu gelangen.

Nachdem der Reporter von Müttern berichtet hatte, die beim Klauen von Babynahrung und Milchpulver erwischt wurden, fragte er zunächst einen Mann auf der Straße, ob er wirklich glaube, die Leute klauten "aus Verzweiflung" oder nicht vielleicht doch eher "aus Gier"? Sodann ließ er einen Vertreter des Einzelhandels zu Wort kommen, der beklagte, seine darbende Branche müsse jetzt Sicherheitsetiketten sogar auf solchen Produkten des täglichen Bedarfs anbringen, bei denen es völlig "unrentabel" sei, solche teuren elektronischen Anti-Diebstahl-Tags anzubringen.

Wer soll das bezahlen, fragte mit wachsender Besorgnis der Reporter und kam zu dem Schluss, der Ladendiebstahl - also die Ladendiebe - seien schuld an all den Preiserhöhungen, die von den Nichtladendieben bezahlt werden müssten. Und er ermahnte die Schuldigen, es gebe doch "eine Alternative" zu derart verantwortungslosem Handeln, nämlich die vielen wohltätigen Tafeln und "charity foodbanks", wo die verzweifelten Armen sich ihre gierigen Mäuler stopfen lassen könnten.

Weil, gerade an Weinachten solle keiner hungern müssen, und man müsse nur feste an den Weihnachtsmann glauben, dann werde alles gut und alle satt.

Dazu passen aktuelle Umfrageergebnisse, dass immer mehr verarmte Menschen glauben, beim Weihnachtsmann handele es sich in Wahrheit um einen dicken alten Kommunisten, der die frohe Botschaft verbreite, Reichtum gehöre angemessen verteilt, und wem davon nicht gegeben werde, der müsse sich halt, in Gottes Namen, nehmen.


Dienstag, 27. November 2012

Messages from Greece



A message from Greece:

Männer und Frauen ohne Job, ohne Einkommen, ohne Zuhause. Eine Supermarktkarre zum Transport der Überreste einer ehemals annehmbaren Bleibe: ein paar in Tüten gestopfte Klamotten, ein paar Decken, ein Schlafsack. Ein Camping-Gaskocher, ein Topf und ein Löffel. Und ein Dach aus Plastik zum Schutz gegen Novemberregen und -kälte. 
In einem öffentlichen Park, irgendwo in Griechenland. Im Griechenland des Jahres 2012, dem dritten Jahr der Troika-Rettung, der Kreditvereinbarungen und der Austeritätsgesetzgebung: 'Camper' durch Gesetzeskraft. 
A message from Greece:
Verdoppelung der Tafel-Gäste in Griechenland innerhalb der letzten zwei Jahre:
100-prozentiger Anstieg der Personen, die bei Tafeln Zuflucht suchen
A message from Greece:
Schock in Athen: Menschen suchen nach Essen in Mülltonnen
Verrottetes Gemüse, angeknackste Eier, abgelaufene Milchprodukte, alte Brotlaibe...eine Handvoll irgend etwas Essbares. Menschen, die sich noch nicht einmal einen Laib Brot für 80 Cent leisten können. Szenen einer Gesellschaft, die in verzweifelte Armut abstürzt (Video). Szenen, die sich in immer mehr Vororten der griechischen Hauptstadt abspielen.
"Bitte hängt Lebensmittel und Brot außerhalb der Mülltonne hin"
(Gefunden an einer Mülltonne in Kallithea, 
einem Mittelschichtsvorort im Süden Athens)
Ich habe mich schon einige Male gewundert, wieso die Leute Plastiktüten mit altem Brot an die Mülltonnen meiner Nachbarschaft hängen, und ob es tatsächlich Menschen in unserem Mittelschichtsumfeld gibt, die das alte Brot mit nach Hause nehmen. Dann kam dieses Bild und hat meine Frage beantwortet. In Griechenland im Jahr 2012, im Griechenland der Europäischen Union und der Eurozone.
A message from Greece:
Griechenland in der Krise - dramatischer Anstieg von Suiziden: 
3.124 Menschen in den Jahren 2009 bis 2012
Das entspricht einem Suizidanstieg von 37 Prozent zwischen 2009 und 2011.
2009: 677
2010: 830
2011: 927
2012: 690 bis zum 23. August
A message from Greece:
Was tun?
Wir müssen uns auflehnen, wir müssen etwas tun, denn sie werden uns alle arm machen. Schluss, aus fertig. Die Menschen haben Hunger.
Und wie?
Es gibt kein 'Wie'. Wenn wir über das 'Wie' zu lange nachdenken, sind wir erledigt.
Was tun?
Alles besetzen. Alles dichtmachen. Aber nicht für ein paar Tage, sondern länger als einen Monat.
Was tun?
Schwierige Frage. Irgendwie ist diese Art von Protest ermüdend geworden und außerdem unzureichend. Was soll ich sagen? Wenn der Minister ankündigt, dass die Streikenden tun, was sie zu tun haben, dann tun wir das, was wir zu tun haben. Ich glaube, wir müssen anfangen zu besetzen, um die Menschen zu mobilisieren, denn die meisten von ihnen sind müde geworden.
Und wie soll das praktisch geschehen?
Praktisch? Das will ich nicht aussprechen ...
Doch, sagen Sie es!
Im Grunde mit Gewalt, aber nicht im Sinne von losziehen und Leute töten. Ich weiß nicht, ob ...
Was tun?
Nichts, was heißt: was tun ...
Nichts?
Aufstand. Aufstand des Volkes, losziehen und all die Politiker abschlachten.
(Video 'A message from Greece' via From the Greek Streets
A message from Greece:


A message from Greece:
Wir müssen uns mit den Menschen organisieren, um dieses Regime zu stürzen.
Wir sollten uns nicht stark machen für Wahlen für ein Parlament, das zu einem Feigenblatt eines grausamen Regimes verkommen ist, das seine Menschen vernichtet und das Land ausverkauft. Wenn wir so weitermachen mit der Verfahrensweise der Parlamentswahlen wie beim letzten Mal, dann legalisieren wir de facto alle Gesetze, die den Verantwortlichen und Kollaborateuren an dieser nationalen Tragödie Asyl gewähren. Wir legalisieren die "internationalen Verpflichtungen" des Landes und die Praktiken und Ziele unserer Gläubiger (derzeit eine Opferung der ganzen Bevölkerung, internationale Stigmatisierung der Griechen, offene Erpressung, Verhängung eines Besatzungsregimes usw.). Diese Vorgehensweise ist nach den Grundsätzen der internationalen Rechtsordnung als kriminelle Handlung gegen die griechische Bevölkerung einzustufen. Sie verletzt die grundlegenden Menschenrechte und ist als solche von den internationalen Gerichten zu verfolgen.
Man kann heute nicht einfach nach Wahlen schreien, wie wir sie bisher kennen. Man muss nach Demokratie für die Menschen rufen.
Den Zähler auf Null zurückstellen und von vorne beginnen. Und zwar in einer Art, die im internationalen Recht anerkannt ist; alle rechtlichen Zusicherungen und Garantien verfallen, die von der herrschenden Clique willkürlich oder illegal vorgenommen wurden.
Unser grundlegendes Ziel ist, einen politischen Generalstreik von langer Dauer zu organisieren, der als zentrales Thema haben müsste "Übergeben Sie die Macht, gehen Sie nach Hause und nehmen Sie Ihre schlechten Chefs bloß mit!" Von diesem Ziel werden wir nicht abweichen, denn dann würden wir den Kampf für die Demokratie aufgeben.
Im Moment zeigt das Land alle Anzeichen eines Kollapses, wie ihn Argentinien 2001 erlebt hat, als es komplett kollabierte und absichtlich in einen dreijährigen Bürgerkrieg gezwungen wurde, der Tausende von Opfern hinterließ. Mit diesem Chaos droht uns (Ministerpräsident) Samaras, und damit es im Land auch wirklich herrscht, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: die Fortsetzung der heutigen Politik und politisches Personal, das so eingeschworen ist, dass es das Chaos der Massenvernichtung von Menschen organisiert. Von oben und mit voller Absicht.
Je mehr wir zulassen, dass der Weg von lokalen und ausländischen Häuptlingen bestimmt wird, umso mehr ist ein Ding sicher: Die Anzahl der Opfer wird sich erhöhen, bis selbst dem Ignorantesten das Ausmaß der Vernichtung klar wird, dem das griechische Volk anheimfällt.
Angesichts dieser Situation haben wir nur eine Pflicht: das Überleben unseres Volkes und die Befreiung unseres Landes. Viele haben nur im Selbstmord einen Ausweg gesehen, was zu vielen Tausend Toten in den letzten zwei Jahren geführt hat. Allerdings kann man sich auch für die Würde entscheiden anstatt für den Selbstmord. 
Wir sollten für unsere Würde als Mensch kämpfen, als Bürger, als Volk und als Grieche. Es steht einem Menschen nicht an, sich wie ein Tier behandeln zu lassen. Es steht dem Volk nicht an, sich wie ein streunender Hund in seiner Angst vor Gangstern zu ducken, die es all die Jahre bestohlen und haben und nun in die Sklaverei verkaufen wollen. Und es steht einem Griechen nicht an, sein Land ohne Kampf, ohne Schlacht, ohne Krieg an die zu übergeben, die ihn mehr betrogen haben als es jede Besatzungsmacht jemals vermochte.
Aus einem Interview (Übersetzung aus dem Griechischen: Edit Engelmann) mit dem griechischen Ökonomen Dimitris Kazakis, Aktivist bei EPAM ("Vereinigte Volksfront").

EPAM strebt als parteiübergreifende politische Bewegung ein unabhängiges, freies Griechenland an und organisiert im ganzen Land soziale Projekte wie Lebensmittelsammlungen, Tauschprojekte und Kooperativen aller Art. Kazakis wird - wegen seiner radikal basisdemokratischen Haltung und seines Plädoyers für die Wiedereinführung der Drachma als Währung - von den Massenmedien gemieden und meidet seinerseits die Massenmedien als verlängerten Arm der EU-Politik und damit des Ausverkaufs der griechischen Bevölkerung. Er ist Herausgeber der während der Krise ins Leben gerufenen Zeitschrift "Xoni" (auf deutsch etwa: Horn, Sprachrohr, Megaphon), die inzwischen an fast jedem griechischen Kiosk erhältlich ist.

A message from Greece:

'Utopia on the horizon', ein Dokumentarfilm von ROAR (Reflections on a Revolution) über die Krise und die Anti-Austeritäts-Bewegung in Griechenland: 
Gewidmet all denen, die sich entschieden haben zu kämpfen
Das dramatische Porträt eines Landes, das am Rande des Kollapses taumelt; und von Menschen, die sich entschieden haben zu kämpfen, um eine neue Welt aus den Ruinen einer alten Welt aufzubauen.
Utopien sind keine schwärmerischen Tagträume. 
Utopien entstehen aus harten Erfahrungen der Verzweiflung, der Enttäuschung, der Aussichtslosigkeit, des Scheiterns, des Lernens und des ungebrochenen Willens weiterzukämpfen.
Utopie heißt Kampf.


Mittwoch, 14. November 2012

Ohne Grenzen


Rockaways, Queens (New York City)

Ärzte ohne Grenzen - wer denkt da nicht an Dritte-Welt-Länder? An wirtschaftlich unterentwickelte Staaten? An medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten? Wo war die nochmal, die sogenannte Dritte Welt? Richtig, in den industriell hoch entwickelten Industriestaaten der sogenannten Ersten Welt. Der hoch entwickelte Kapitalismus schafft es nämlich nicht mehr, in seinen eigenen Krisengebieten die humanitäre Nothilfe samt erforderlicher Koordination und Logistik bereit zu stellen. Vielleicht will er es auch gar nicht schaffen. Vielleicht scheren ihn humanitäre Notstände auf eigenem Boden noch weniger, als man bislang dachte. Jedenfalls fühlt er sich überfordert.
Im Gefolge des Hurrikans Sandy haben 'Ärzte ohne Grenzen' ihr erstes Krankenhaus in den Vereinigten Staaten errichtet. Eine Woche, nachdem Sandy über New York gestürmt war und Elektrizität und öffentlichen Nahverkehr lahmgelegt hatte, eröffneten 'Ärzte ohne Grenzen' befristete Notkliniken in den Rockaways - ein abgelegener Teil von (New Yorker Stadtteil) Queens am Atlantischen Ozean -, um sich um Bewohner von Hochhäusern zu kümmern, die immer noch ohne Strom und Heizung leben und von dem Sturm isoliert wurden.
Vom Sturm isoliert wurden? Seit der Sturm die Halbinsel verwüstet hatte, wurden die Bewohner Rockaways nicht vom Sturm, sondern von jeglicher Hilfe isoliert:
Die Situation in Far Rockaways ist entsetzlich und völlig außer Kontrolle. Ans Haus gebundene alte Menschen können ihre Wohnungen nicht verlassen, weil sie keine Treppen steigen können. Sie brauchen Medikamente und ärztliche Versorgung, zusätzlich zu Essen und Wasser. Aus einem der Gebäude wurde gestern ein Leichensack gezogen. Es gibt dort keine National Guard, kein Rotes Kreuz oder sonst irgendeine Organisation für Katastrophenhilfe.
- und wer es noch nicht erraten hat, der kann es sich - mithilfe seiner Desasterkapitalismus-gestählten Phantasie - fast denken: Bei den zuerst vom Sturm, dann von offizieller Hilfe isolierten Bewohnern von Rockaways handelt es sich überwiegend um arme, alte, gebrechliche oder kranke, jedenfalls hilfsbedürftige Menschen. Was soll's, um alles und alle kann er sich nun mal nicht kümmern, der hoch entwickelte Kapitalismus. Ärzte ohne Grenzen, übernehmen Sie.

Obwohl. Andererseits ist der Desasterkapitalismus US-amerikanischer Prägung um grenzwertige "einzigartige Lösungen" zur Behebung von katastrophenbedingten Notständen nicht verlegen. Allein in Staten Island (New York) haben über 5.200 Menschen infolge des Sturmes kein Dach mehr über dem Kopf. Nur rund zwei Dutzend von ihnen konnte bislang mit einer Notunterkunft geholfen werden. Wohin mit dem lästigen Rest?


Antwort: Ab in den Knast. Zu irgendeiner Zweitverwertung müssen stillgelegte Gefängnisse ja gut sein, im Kapitalismus, auch wenn diese heruntergekommen, "mit deaktivierter Infrastruktur", also ohne funktionierendes Abwassersystem und Heizung vor sich hin gammeln. Könnte sich um ein zukunftsweisendes Konzept zur "Lösung" des im hoch entwickelten Kapitalismus um sich greifenden Obdachlosenproblems handeln: endlich alle unter einem Dach. Schlecht versorgt, aber unter Kontrolle. Und, nötigenfalls, hinter Schloss und Riegel.

Was will man mehr? Musik, bitte:


Redman's Hurricane Sandy Relief Freestyle

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Sonntag, 14. Oktober 2012

Du darfst


Neuerdings darfst du, was du früher nicht durftest.

Früher durftest du nicht gegen strenge EU-Verordnungen verstoßen, sonst drohte dir Strafe; heute darfst du das alles ein wenig lockerer sehen. Heute darfst du als Lebensmitteleinzelhändler abgelaufene Produkte verkaufen, die du früher wegwerfen musstest. Hast du früher mit abgelaufenen Produkten ein Verlustgeschäft gemacht, machst du heute Umsätze mit ihnen. Sofern du ein griechischer Lebensmitteleinzelhändler bist.

Bist du ein armer, arbeitsloser, hungernder Grieche, musst du nicht mehr - wie noch vor kurzem - in den Containern hinter den Supermärkten nach weggeworfenen, weil abgelaufenen Lebensmitteln wühlen. Du darfst sie jetzt völlig legal kaufen. Doch, darfst du! Natürlich musst du - oder sagen wir: du darfst - jetzt für die abgelaufenen Lebensmittel Geld bezahlen, während du dich früher zum Nulltarif am Container bedient hast. Aber dafür bekommst du heute auch ein wertvolles Einkaufserlebnis! Schließlich werden die abgelaufenen Lebensmittel neuerdings ansprechend im Regal präsentiert, und Regalplatz kostet Geld, also greif zu, hol dir das luschige Zeug und zahle. Und sei froh, dass es im Kapitalismus nichts, aber auch gar nichts gibt, was sich nicht gewinnbringend vermarkten ließe.

Einschränkend musst gesagt werden, dass dir - solltest du ein griechischer Gastronom sein - der Vertrieb von abgelaufenen Lebensmitteln per Gesetz verboten ist. Nicht verboten hingegen ist dir, griechischer Restaurantbetreiber, als Kunde einen griechischen Supermarkt aufzusuchen und dort abgelaufene Lebensmittel zu kaufen. Doch, darfst du! Wie man sieht, haben die EU und der Gesetzgeber an alles gedacht.

Wobei ja dem kapitalistischen Vermarktungswahn in aller Regel der kapitalistische Propagandawahn auf dem Fuße zu folgen pflegt. Wann endlich wird uns eine maßgeschneiderte EU-Pressemitteilung wissen lassen, dass es sich bei der griechischen Ramschverkaufsoffensive in Wahrheit um ein humanitäres Projekt im Dienste des Welt- oder doch wenigstens des europäischen Friedens handelt?

Noch wird hinter verschlossenen Türen um geschmeidige Formulierungen gerungen, etwa: Wir holen die Menschenwürde zurück in den Supermarkt, nachdem sie zuvor am Container in die Tonne getreten wurde! Oder: Hier vor dem Verkaufsregal bist du Mensch, hier darfst du's sein! Oder: Deine Würde ist unantastbar, dein leerer Geldbeutel nicht!

Nicht zu vergessen die Würde eines Friedensnobelpreisträgers. Die muss ja auch gewahrt bleiben. Denn so ein Preisträger schmückt sich ungern mit um die Welt gehenden Bildern von Menschen, die sich aus Müllcontainern ernähren. So hat alles seinen Preis: Die EU hat jetzt ihren, und der hungernde Grieche zahlt seinen Preis. Immerhin um zwei Drittel reduziert, denn schließlich wurde die abgelaufene Ware vor dem Zugriff auf den Müllcontainer gerettet. Kostet ja auch Geld, diese innovative Entsorgungsprozedur. Muss ja irgendwer bezahlen.
Grieche! Du darfst!


Freitag, 28. September 2012

Lasst sie doch auf den Strich gehen


Sex sells. Der Tod nicht minder. Sterben müssen wir alle, und der Sexualtrieb ist ja auch so eine Art biologischer Konstante. Kommt ja keiner dagegen an. Und um sich die unabdingbare Nähe von Todes- und Sexualtrieb einzugestehen, muss einer kein Freudianer sein. Fußballer reicht.

Wenn der Pleitegeier kreist, darf man nicht wählerisch sein, dachten sich zwei quasi-bankrotte Fußballklubs in Griechenland. Denn wer zahlt, hat schließlich recht, jedenfalls das Recht des Sponsoren, sich auf den Trikots per Werbelogo zu verewigen. Künftig wird eine der beiden maroden Mannschaften dem finanziellen Tod von der Schippe springen, indem sie als Werbeträger für ein lokales Bestattungsunternehmen über den Platz rennt (pink auf schwarz); dem anderen Team wird von einem Bordellbetrieb auf die schwachen Beine geholfen (grün auf pink).

Man mag sich die dramatischen Szenen gar nicht ausmalen, wenn demnächst die Todes- gegen die Sexmannschaft antreten sollte. Und letztere von der gegnerischen Truppe ein Tor nach dem anderen kassiert, bevor sie selbst auch nur ein einziges Mal zum Zug oder sonstwie zum Höhepunkt gekommen ist. Kampf um Leben und Tod.

"Unser Überleben steht auf dem Spiel," sagte der eine Fußballklub, bevor er bei dem Leichenentsorgungsinstitut unterzeichnete. "Wir machen das aus rein wirtschaftlichen Gründen," beteuerte der andere Verein, nachdem er sich mit dem Bordellbetrieb ins Bett gelegt hatte. Ja, aus was für Gründen denn sonst?

Sich prostituieren um zu überleben. In Griechenland, ist zu hören, boomt das Geschäft mit dem käuflichen Sex:
Während im Zuge der alles vernichtenden wirtschaftlichen Krise Griechenlands und der brutalen Sparmaßnahmen sich immer mehr Menschen fragen, was sie am nächsten Tag essen sollen, ist die Zahl der Menschen, die sexuelle Dienstleistungen verkaufen, in zwei Jahren um 150 Prozent gestiegen.
Immer mehr junge Frauen und Männer
...arbeiten als Prostituierte, um der Armut zu entkommen. Hinzu kommen Langzeitarbeitslosigkeit, Drogengebrauch und sozialer Ausschluss. Prostitution in Griechenland, besonders in Athen, ist völlig außer Kontrolle.
Die vielgepriesene Austeritätsdoktrin zeigt ihr wahres Gesicht. Ihr menschliches, unmenschliches Gesicht. Sich prostituieren um zu überleben. Aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Derweil gefällt sich die Troika (EU, EZB, IMF) in der Rolle des Zuhälters.

Montag, 3. September 2012

Vorwärts


(zum Vergrößern auf Link klicken)

Das jüngste von der griechischen Regierung geschnürte Austeritätspaket - um als Gegenleistung weitere Gelder von der Troika zu erhalten, die sie nur dann erhalten wird, wenn sie weiterhin Austeritätspakete schnürt - umfasst die "Reduktion von Steuerbefreiungen" in Höhe von 450 Millionen Euro, darunter:
- 67 Prozent weniger Steuerbefreiung für behinderte Menschen
- Komplette Streichung der Einkommenssteuerbefreiung für arbeitslose Menschen
Kommentar eines Syriza-Sprechers bei VimaFM radio, Athen:
"Da ist er - der Plan umfasst sehr harte horizontale Maßnahmen, die einen großen Teil unserer Gesellschaft in dieser Übergangszeit zerstören werden. Das Land wird hinter Jahrzehnte des sozialen Fortschrittes zurückfallen: ein Bild, das an die Nachkriegszeit erinnern wird. Eine neuerliche Runde von Austeritätsmaßnahmen wird zu einer neuerlichen Abwärtsspirale von Austerität und Rezession führen, mit Millionen von Arbeitslosen, bedürftigen Bürgern und verarmten Rentnern."
Kommentar von Francois Hollande, französischer Staatspräsident und früherer Vorsitzender der Sozialistischen Partei:
"Wir warten das europäische Gipfeltreffen im Oktober ab. Dann wird es von der Troika einen Bericht über Griechenland geben. Meine Position ist: Griechenland muss uns überzeugen, dass es den Konditionen des Memorandums nachkommt, und darf keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass es sich vorwärts bewegt."

Samstag, 18. August 2012

Hygienisch unbedenklich


Kenny Random, Italien

Eine Frau im amerikanischen Pennsylvania wird zu einer Strafe von 600 Dollar pro Tag verdonnert, falls sie es nicht unterlässt, weiterhin 60 in Armut lebende Nachbarkinder täglich in ihrem eigenen Haus mit Essen und Trinken zu versorgen. Straftatbestand: Sie ernährt die Kinder, ohne dafür eine Sondergenehmigung eingeholt zu haben. Kosten der Sondergenehmigung: 1.000 Dollar. Begründung: gesundheitliche und hygienische Bedenken seitens der Gemeindeverwaltung: "Was, wenn ein Kind an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt?"

Jedes fünfte Kind in Amerika lebt unterhalb der Armutsgrenze. Gesundheitliche oder hygienische Bedenken, wenn hungernde Kinder Müllcontainer nach Essbarem durchsuchen, wurden bislang von keiner amerikanischen, jedoch von einer spanischen Gemeindeverwaltung geäußert. Lösung: alle Müllcontainer an Supermärkten mit Sicherheitsschlössern verriegeln. Folge: Die Kinder haben immer noch Hunger und nichts zu essen.

Das gehäufte Auftreten von chronisch unterernährten Kindern in der westlichen Welt führte bislang zu keinerlei gesundheitlichen Bedenken seitens der Gemeinde-, Stadt- und sonstigen Verwaltungen der westlichen Welt.

Ein führender Hedgefonds-Manager kam neulich zu dem Schluss, eine bedrohliche weltweite Lebensmittelverknappung stünde bevor. Ursachen: Verknappung an Wasserressourcen, Verknappung an zu bewirtschaftendem Boden, zunehmende Dürreperioden, steigende Kosten von Treibstoff und Düngemitteln. Gefehlt haben in der Ursachenaufzählung die zunehmende Privatisierung von Wasser-, Energie- und Bodenressourcen sowie die zunehmende Spekulation mit Nahrungsmitteln, besonders vor dem Hintergrund zunehmender Dürreperioden.

Das Bedrohliche an der weltweiten Lebensmittelverknappung werden, laut dem führenden Hedgefonds-Manager, unkontrollierbare "durch Lebensmittelverknappung verursachte Migrationswellen sein, die die globale Stabilität und das globale Wachstum bedrohen werden". Ausgehungerte Bevölkerungen, die wie die Heuschrecken über das globale Wachstum herfallen: Für einen führenden Heuschrecken-Manager gibt es kaum Bedrohlicheres.

Bedrohlich seien ferner die "zunehmenden Zahlen derer, die sich die Lebensmittel, die wir produzieren, nicht leisten können". Dass es bedrohlich ist, wenn infolgedessen Millionen Menschen durch Verhungern sterben werden, blieb unerwähnt; auch wurden keine gesundheitlichen oder hygienischen Bedenken gegenüber Tod durch Verhungern oder Unterernährung geäußert.

Unerwähnt blieb ferner das globale Phänomen von sich an ausgehungerten Heuschrecken sättigenden Heuschrecken.

Zwei international renommierte Ökonomen haben - angesichts der "in die Rezession zurückgeschleuderten Eurozone" (zunehmende Arbeitslosigkeit, zunehmende Armut, zunehmender Hunger, zunehmendes Elend) - den Mut, das Unaussprechliche auszusprechen:
"Es wird zu einem gewaltigen Niedergang an Humankapital kommen."
Unerwähnt blieb in ihrer apokalyptischen Analyse der Begriff Austerität.
Austerität: Einsparmaßnahmen im Sozial- und Gesundheitsbereich, Kündigungswellen großen Stils, Versklavungsmaßnahmen auf den Arbeitsmärkten.
Begründung: Wiederherstellung von Wachstum und Stabilität.
Folgen: Verarmung, Verelendung, Verhungerung sowie zunehmende Suizidraten.
Gesundheitliche und hygienische Bedenken: keine.

Donnerstag, 9. August 2012

Sommermärchen, das achte


Es war einmal ein Land im Süden Europas, da hatten die Menschen großen Hunger und nichts zu essen. Um nicht zu verhungern, öffneten sie die Mülltonnen hinter den Supermärkten, holten sich weggeworfene Lebensmittel heraus, nahmen diese mit nach Hause und verteilten sie an andere Menschen, die auch großen Hunger hatten.

Das ging eine Zeitlang gut, bis die Stadtverwaltung der spanischen Stadt Girona fand, dass das nicht ginge, und gut schon gleich gar nicht. Darum befahl sie allen Supermärkten der Stadt, ihre Mülltonnen mit Sicherheitsschlössern zu verriegeln. Diese Schlösser, so argumentierte die Stadtverwaltung, dienten der Sicherheit der hungernden Bevölkerung: Denn die weggeworfenen, abgelaufenen Produkte stellten ein "Gesundheitsrisiko" dar für diejenigen, die sie verzehrten. Die "Praxis" hungernder Menschen, sich von Lebensmitteln aus Mülltonnen zu ernähren, habe bei der Stadtverwaltung einen "sozialen Alarm" ausgelöst und deshalb zu der sicherheits- und gesundheitsschützenden Sperrmaßnahme geführt.

Seitdem haben die Menschen in Girona zwar immer noch großen Hunger, leben aber jetzt viel gesünder und, natürlich, viel kalorienärmer.

Ferner, so ist zu hören, plane die Stadtverwaltung aus Sorge um die Gesundheit ihrer notleidenden Mitbürger bereits weitere Sicherheitsmaßnahmen; so solle demnächst ein neues Gesetz in Kraft treten, das armen, hungernden, obdach- oder sonstwie mittellosen Menschen verbietet, auf den Straßen der Stadt herumzusitzen oder dort gar zu übernachten. Auch dies sei nämlich eine "Praxis", die "sozialen Alarm" auslöse, und man ließe sich nun mal im Rathaus von Girona ungern sozial alarmieren.

Seitdem herrschen in der spanischen Stadt Girona wieder Sicherheit, öffentlicher Friede, Gesundheit und soziale Hygiene zum Wohle aller, und wenn die Menschen von Girona noch nicht verhungert sind, dann leben sie noch heute.

Dienstag, 17. Juli 2012

Mit dem Leben bezahlen


Es ist ein Kreuz mit diesen armen Leuten, diesen arbeitslosen, weil arbeitsfaulen Habenichtsen, die es noch nicht mal wert sind, vom Staat durchgefüttert zu werden. Die zu nichts zu gebrauchen sind, diese Plagen der Gesellschaft, die noch nicht mal bereit sind, sich selbst zu entsorgen, um die geplagte Gesellschaft zu entlasten, sondern die, im Gegenteil, auch noch lautstark dagegen protestieren, wenn für ihre Entsorgung plädiert wird. Die geplagten Parlamentarieren gleichermaßen ein Dorn im Auge sind wie geplagten, sich für das Weltwohl aufopfernden Banklobbyisten.

Hatten letztere noch die bahnbrechende Idee zur Befriedung sämtlicher Krisenherde - "Die Armen sollen gefälligst Steuern zahlen!" -, stellen sich immer mehr dieser wertlosen armen Schlucker so stur wie quer und sagen: Nö. Machen wir nicht.

Same old story
same old song
it goes all right
'til it goes all wrong.

Summe ich schon den ganzen Morgen vor mich hin, seit ich den Brief gelesen habe, den einer dieser nichtsnutzigen Habenichtse an die griechische Steuerbehörde geschrieben hat. Dass der Habenichts aus Kreta tatsächlich nichts hat, wies er der Behörde nach, nachdem die Behörde eine stattliche Steuerzahlung von ihm eingefordert hatte. Punkt für Punkt, Posten für Posten wies er es nach. Wie es sich für einen ordentlichen Steuerzahler gehört, wenn ihm das Geld zum Leben und darum auch zum Steuernzahlen ausgeht.

Der sture Mann aus Kreta endete seinen Brief ans Finanzamt mit den Worten:
Nach allem, was ich Ihnen weiter oben dargelegt habe und unter Berufung auf den letzten Artikel der griechischen Verfassung...
Einschub zur Erklärung:
"Artikel 120 (Recht auf Widerstand)
Die Einhaltung der Verfassung ist verpflichtend für den Patriotismus der Griechen, die das Recht und die Pflicht haben, mit allen Mitteln Widerstand zu leisten gegenüber jedem, der versucht, diese Verfassung gewaltsam zu unterminieren."
...unter Berufung auf den letzten Artikel der griechischen Verfassung erkläre ich das Folgende:

a) Vor die Wahl gestellt, entweder die nächsten drei Monate nichts zu essen oder die Steuern zu zahlen, die Sie von mir einfordern, entscheide ich mich, keinen einzigen Penny zu bezahlen.
b) Vor die Wahl gestellt, entweder mich umzubringen oder zum Mörder zu werden, entscheide ich mich, Sie umzubringen.
c) Sollte Ihnen bei dieser mir übersandten Einkommenssteuerschätzung kein Irrtum unterlaufen sein, dann sind Sie nichts als ein Haufen Betrüger, Schurken und Diebe.
Gemessen an dem, was sich die Habenichtse dieser Welt so alles anhören müssen, finde ich diesen Brief ausgesprochen höflich.

It goes all right
'til it goes all wrong.