Posts mit dem Label Wahlkampf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wahlkampf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 30. September 2013

Bühne frei


Wie der griechische Ministerpräsident sich 
binnen einer Woche 
vom Saulus zum Paulus wandelte: 


Antonis Samaras, 
kurz vor seiner feierlichen Inauguration 
zum "Antifaschisten des Jahres"


Bild: 
Carlos Latuff, brasilianischer Polit-Cartoonist


Dienstag, 17. September 2013

Heiße Phase


Aaah.
Endlich ein anständiges Hardcore-Wahlkampfthema.
Und ich dachte schon, das wird nix mehr.
Aber geht doch.
Man muss es nur kreativ rüberbringen:


So macht Wahlkampf Spass.
Aber so rischdisch.

Dienstag, 27. August 2013

Was weg muss


Ich hatte mir geschworen, dieses Jahr von dem Thema die Finger zu lassen. Nachdem ich es vor vier Jahren um die gleiche Zeit, an der Tastatur randalierend, in epischer Breite ausgeschöpft habe.

Das Thema hieß:
Wahlplakate im allgemeinen.
Im besonderen: Wahlplakate, die Radwege blockieren.
Wahlplakate, die rotzfrech mitten auf Radwegen thronen und die Radfahrer zwingen, auf Bürgersteige, Straße oder Wiese auszuweichen. Oder, bei Gegenverkehr, abzusteigen.
Wahlplakate, die wie breitärschige Platzhirsche dem Radfahrer von weitem entgegenröhren: Das ist mein Revier, klar?, ich bin hier, und wo du bleibst, ist mir so egal wie Nachbars Pisspott.

Wie gesagt, ich hatte mir geschworen. Aber manche Wahlplakate bringen es zu einer so unfassbaren Impertinenz, dass Schwüre gebrochen werden müssen. Nicht bloß, dass sie mit mehr als der Hälfte ihrer Fläche in den Radweg hineinragen. Obendrein schauen sie kackdreist in genau die Richtung, wo der Radfahrer sich an ihnen vorbeizuquetschen genötigt sieht, und röhren ihm lauthals entgegen:


Nein, Claudia, du bist nicht hier. 
Du warst hier.
Jetzt bist du weg.
Und ich?
Ich bin hier.
Das ist mein Revier, klar?
Du glaubst gar nicht, Claudia, 
wie gut sich ein verstauchter Zeh 
am rechten Fuß anfühlen kann.

Sonntag, 11. August 2013

Taxi!


Ha ha ha.
Der Hammer.
Der Hammer im Tüten.
In norwegischen Tüten.

Ich meine, kann sich ein Mensch Angela Merkel im Taxi vorstellen? Also, nicht hinten, sondern vorne? Auf dem Fahrersitz? Sie rufen ein Taxi, steigen ein, denken: hoppla?, werden von der Bundeskanzlerin chauffiert und können mit ihr einen netten Plausch halten über Gott, die Welt und ihre Politik? Einfach so, ganz locker? Und die hört Ihnen zu und gibt Ihnen Antworten, richtige Antworten, keine blöden ausgestanzten Flatusen? Und redet wie ein ganz normaler Mensch mit Ihnen wie mit einem ganz normalen Menschen? Ha!, geben Sie's zu, Sie kriegen Darmverschlingungen bei der bloßen Vorstellung, mit Angela Merkel im Taxi sitzen und Smalltalk machen zu müssen. Dann lieber zu Fuß von einem Ende der Stadt zum anderen. Oder drei Stunden aufs nächste Taxi warten. Oder nie im ganzen Leben mehr ein Taxi besteigen. Von wegen traumatisiert.

Gut, Wahlkampf ist Wahlkampf, da gibt halt jeder sein Bestes, auch der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg muss sich was einfallen lassen, aber bitte, immerhin lässt er sich etwas einfallen, nölt sich nicht kuhäugig von einem Mikrofon zum nächsten, um dann in irgendeiner volksfernen Versenkung zu verschwinden, sondern macht den Taxifahrer und zieht das Ding durch und die Leute amüsieren sich wie Bolle und er auch, so richtig zum Anfassen - ich meine, können Sie sich vorstellen, tröstlich Frau Merkels Hand zu tätscheln und sie mitfühlend zu fragen: "Haben Sie jetzt den Beruf gewechselt?"

Können Sie nicht, geben Sie's zu.







Montag, 1. Juli 2013

La(ka)ientheater


Was für ein drittklassiges Schmierentheater.

Charakterlose Hanswurste, wohin man schaut.

Echauffieren sich künstlich sich über die Ausspähmanöver der USA, deren Enthüllung sie einem gewissen Edward Snowden verdanken - einem Whistleblower, der, sollte er je auf die Schnapsidee kommen, seinen Fuß asylsuchend auf europäischen Boden zu setzen, von wem ins nächstbeste Flugzeug Richtung Amerika zurückverfrachtet würde, um ihn dort seinen rachsüchtigen Bluthunden ans Messer zu liefern?

Richtig. Von den drittklassigen, charakterlosen Hofschranzen jenes Landes, in welchem derzeit eine billige Show nach der anderen abgezogen wird - nichts als Kostümproben für das erbärmlichste aller Schmierentheater namens Wahlkampf.

Montag, 3. Juni 2013

Pfefferspray für alle



Ich jetzt auch voll im Wahlkampf.

Blockupy hat mein Bewusstsein geschärft 
und meiner nöligen Parteipolitikverdrossenheit 
ein jähes Ende bereitet. 
Also, unbedingt das Kreuz an der richtigen Stelle machen 
und dabei keinesfalls Bündnis90 Die Grünen vergessen - 
das sind jene im engen bürgerlichen Bündnis 
(gern "pragmatische Partnerschaft" genannt) 
mit den Schwarzen 
in der Stadt des Finanzkapitalismus, 
denen partout keine Stellungnahme 
zu den polizeilichen Übergriffen 
während der Blockupy-Demo einfallen will.
Aus pragmatischen Gründen, versteht sich.

Geht wählen, Leute.
Aber richtig.
Pfefferspray für alle.

Update:
Das Rätselraten um das beharrliche Schweigen der Grünen im Römer (Rathaus in Frankfurt) ist endlich gelöst: Soeben gab ihr Geschäftsführer während der öffentlichen Sitzung des Rechtsausschusses im Römer kund: Die Grünenfraktion sei "fassungslos". Ah ja. So fassungslos, dass es bisher zu keiner Stellungnahme gereicht hat. Warum fassungslos? Weil der Polizeieinsatz als "unverhältnismäßig" eingestuft werde. Ah ja. Unverhältnismäßig. Sonst noch was? Er, der Polizeieinsatz, müsse nun "aufgearbeitet" werden. Ah ja. Aufarbeiten. Denn mal los. Wir danken für die Stellungnahme.

Samstag, 11. Mai 2013

Luftkampf


Wie kürzlich bekannt wurde, werden in russischen Kampfgebieten aufblasbare, täuschend echt aussehende Dummy-Panzer als Köderziele für feindliche Waffensysteme eingesetzt.

Zweck der Übung: die echte militärische Hardware vor Angriffen zu schützen.

Im Inneren der aufgeblasenen Attrappen sind Simulatoren eingebaut zur Erzeugung von Radar- und thermischer Strahlung ("gezielte Täuschungsmanöver mit wirkungsvollem Bluff-Effekt"), welche die Signaltechnik von echten russischen Panzern imitieren, um so den Feind hinters Licht zu führen.

Mithilfe einer langjährig erprobten Pumptechnologie lassen sich die Panzer-Plagiate in weniger als zehn Minuten zur Originalgröße aufblasen.

Unter feindlichem Beschuss hinterlässt die Panzer-Luftnummer nichts als heiße Luft.


Wie erst jetzt bekannt wurde, werden in deutschen Wahlkampfgebieten aufblasbare, täuschend echt aussehende Dummy-Parteipolitiker als Köderziele für feindlich gesinnte Wählereinheiten eingesetzt.

Zweck der Übung: die echten Parteipolitiker vor Angriffen zu schützen.

Im Inneren der aufgeblasenen Attrappen sind Simulatoren eingebaut zur Erzeugung von willkürlichen, zufallsgenerierten Geräuschen und standardisierten Phrasensätzen ("gezielte Täuschungsmanöver mit wirkungsvollem Bluff-Effekt"), welche die Signaltechnik von echten Parteipolitikern imitieren, um so den Wähler hinters Licht zu führen.

Mithilfe einer langjährig erprobten Pumptechnologie lassen sich die Politiker-Plagiate in weniger als zehn Minuten zu Lebensgröße aufblasen.

Unter feindlichem Beschuss hinterlässt die Politiker-Luftnummer nichts als heiße Luft.

Freitag, 5. April 2013

Es läuft rund


Das Ministerium für Propaganda hat wieder mal die Wahrheit verkündet, und das mit voller Härte. Strahlend ließ das Spezialressort Kommunikationsmanagement (volkstümlich: "ARD-Deutschlandtrend") sein Umfrageergebnis verlauten, nach "erfolgreicher Lösung der Zypernkrise strahle der Stern der Kanzlerin wieder".

Weiter führte der Ressort-Krisensonderstab zur Verschleierung kognitiver Dissonanzen aus: Während (erstens) 68 Prozent der Deutschen mit dem Krisenmanagement der Kanzlerin zufrieden seien und fänden, Merkel habe "in der Eurokrise richtig und entschlossen gehandelt", rechneten (zweitens) 75 Prozent der Deutschen mit einer Verschlimmerung der Eurokrise.

Nachdem es bei der Ergebnispräsentation in Teilen der Öffentlichkeit zu vereinzelten "Hä??"-Reaktionen kam, gefolgt von Zweifeln an der Sinnhaftigkeit der von den ARD-Forschern gestellten Fragen wie überhaupt an der gesamten Methodik der jüngsten Umfrage, beschloss der Krisenstab zur Verschleierung kognitiver Dissonanzen in die Offensive zu gehen und die beiden ergebnisrelevanten Fragen zu veröffentlichen:

1. Finden Sie es nicht auch toll, wie entschlossen Frau Merkel den Eisberg vor Ihrer Nase in Angriff nimmt?

a. ganz toll
b. toll
c. ziemlich toll

Aufgrund der erwartbar hohen Zustimmungswerte zu Frage 1 habe man sicherheitshalber eine Kontrollfrage 2 eingebaut:

2. Gibt es sonst irgend etwas, was Ihnen derzeit Sorgen bereitet?

a. der Scheißfrühling
b. Sonstiges, was?

Spontan hätten drei Viertel der Befragten "Sonstiges" genannt und auf Nachfragen spezifiziert, es sei "dieses ungemütliche Titanic-Feeling", welches ihnen die zufriedene Grundstimmung versaue.

Eine mögliche Korrelation zwischen "Eisberg" und "Titanic-Feeling" wird von der Auswertungskommission des Krisensonderstabes ausgeschlossen, zumal die Zauberkräfte der Eisbergbändigerin von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen ja bestätigt worden und somit keine Fragen mehr offen seien.

Wirklich wichtig, so ein Sprecher des Ressorts Kommunikationsmanagement, sei ohnehin das Kommunizieren des Kernbefundes der Umfrage: "Die Zypern-Krise ist vorerst gelöst - es läuft wieder rund für Bundeskanzlerin Merkel und die Union."

Wir schalten zurück ins Wahlkampfstudio.

Dienstag, 26. März 2013

Des einen Freud', des andern Leid


"Sehr erfreut" zeigte sich heute Angela Merkel über die rettende "Lösung, die letzte Nacht erfolgreich gefunden wurde". Sie sprach von einem "fairen Deal", bei dem die "Schuldigen ihren Beitrag zu leisten" hätten.

Die rettende "Lösung" wird es der Bevölkerung von Zypern erlauben, endlich auch zu jenen Auserwählten zu gehören, die vom einschlägigen Erfolgsrezept der Troika-Maßnahmen profitieren dürfen:
von wirtschaftlichem Niedergang, von Sozialkürzungen,
von Arbeitslosigkeit, von jahrelanger Depression.

Obwohl.

Vielleicht hat die Merkel das mit der rettenden Lösung auch ganz anders gemeint? Etwa so:
Ich bin sehr erfreut, dass ihr Zyprioten mich im September gut dastehen lasst. Euer Beitrag in mein Wahlkampfsparschwein ist ein ausgesprochen fairer Deal und war auch, ehrlich gesagt, dringend notwendig. Irgendwie wart ihr mir das schuldig. Super-Rettungspaket, echt, sehr erfreut! 


Montag, 18. März 2013

Zur Kasse, Schätzchen

Merkel macht mobil:
"Jeder, der ein Bankkonto in Zypern hat, muss auch für die Zypern(vulgo: Banken-)-Rettung zur Kasse gebeten werden, denn damit werden die Verantwortlichen mit einbezogen."
Zu der Tatsache, dass damit die kleinen Leute in Zypern als die "Verantwortlichen" der Euro-Krise auf Zypern identifiziert werden, äußerte sich Merkel nicht.
Hingegen äußerte Merkel sich in einer solidarischen Botschaft an die zypriotischen Kleinsparer, das Einbeziehen der Verantwortlichen sei alternativlos:


Update:

Donnerwetter, Chapeau: Grußbotschaft zurück aus Zypern.

Cyprus strikes back:



Montag, 4. März 2013

Talking German Wahlgetöse


Die Woche fängt gut an:



by Michel Montecrossa
"The Golden Voice and Artist of Peace, Power, Love and Happiness"

Was erlaube italienische Musicista?
Mache mir grosse Lachgetöse.
Habe fertig.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Deutsch, aber peinlich


Langsam wird es peinlich. Das war es zwar schon die ganze Zeit, aber jetzt, wo sie mal eben den Prügelknaben ausgewechselt haben, übersteigt es die Schmerzgrenze und ist kaum mehr zum Aushalten. War es bisher der faule, verantwortungslose Grieche, so muss inzwischen - der Wahlkampf naht, da legen die Deutschen so lustvoll wie zwanghaft noch eine Schippe drauf - der dumme, verantwortungslose Italiener herhalten.

Ein Anschiss jagt den nächsten. Es wird gerüffelt und gekrittelt, streng zurechtgewiesen und missbilligend Mores gelehrt, geschmäht, gedisst und mit Dreck geworfen - kurzum: Die deutschen Politiker samt Mediengefolge sind mal wieder in ihrem urbehaglichen Element, hauen auf die Standpauke und lassen es mit ohrenbetäubendem Gekeife krachen, auf dass den nichtsnutzigen, dummen, verantwortungslosen Südländern Hören und Sehen vergehe. In die Ecke mit euch, ihr Vollidioten jenseits der Alpen!

Die Schlagzeile
Italien weigert sich kindisch, die Realität anzuerkennen 
bringt - außer der Vorliebe der Deutschen für schulmeisterliches Zeigefingerwackeln - auch deren besorgniserregenden Realitätsverlust auf den Punkt. Immerhin scheint Italien das erste Land Europas zu sein, dessen Wahlbürger mit einem unmissverständlichen Vaffanculo zum Ausdruck bringen, dass sie das, was die angeblich alternativlose Realität (Wie, Austerität funktioniert nicht? Das beweist, es war zu wenig! Dann braucht ihr noch mehr davon!) von ihnen abverlangt, für unrealistisch halten. Kindisch? Kindisch ist allenfalls die starrsinnige deutsche Weigerung, die Dysfunktionalität dieser Realität anzuerkennen; und am allerkindischsten dieses trotzige, auftrumpfende Aufstampfen, dieser tobsuchtsanfallartige, reflexhafte Koller des autoritären Anschnauzens aller, die dem teutonischen Diktat sich zu beugen nicht bereit sind.
Die Italiener sind unfähig und unwillig, das tiefe Ausmaß ihrer wirtschaftlichen Misere zu begreifen, wird von deutschen Medienkommentatoren geltend gemacht.
- und die Deutschen brillieren in ihrer Unfähigkeit und ihrem fehlenden Willen zu begreifen, dass die Rechnung mit der Zwangsjacke 'Austerität auf Teufel komm raus' nicht aufgeht, obwohl es immer mehr Spatzen von den Dächern pfeifen. Die Rechnung - weiß der führende deutsche Medienkommentator -  geht natürlich nur deshalb nicht auf, weil die unfähigen, dummen Italiener den Spielverderber geben, weshalb das besagte Medium bereits gestern die bange Frage stellte:
"Machen sie jetzt unseren Euro kaputt?" 
Mal abgesehen davon, dass es immer wieder bereichernd sein kann, über das alte Thema Macht kaputt, was euch kaputt macht zu reflektieren, dürfte der chauvinistische Gebrauch des Pronomens "unseren" (vor "Euro") aus deutschem Mund bei den dummen Italienern so richtig gut ankommen und den vielbeschworenen europäischen Zusammenhalt auf eine weitere harte Probe stellen.

Man könnte das kollektive, dem Griechen-Mobbing auf dem Fuße folgende Italiener-Bashing auch einfach ignorieren, wenn es nur nicht so entsetzlich peinlich wäre. Und immer peinlicher wird es, weil es immer pathologischere Züge annimmt. Weil die notorisch deutsche Lust an der Strafpredigt, am Abkanzeln, Abwerten und Diffamieren der widerborstigen Südeuropäer nicht zuletzt auf schwere uneingestandene Störungen im deutschen Selbstbild hinweist. Weil - so viel Psychologie muss sein - hinter diesem schlecht inszenierten operettigen Donnerwetter, hinter jeder dieser selbstgerechten Hetztiraden ein kümmerliches, verkümmertes Selbstwertgefühl lauert, das sich mit so hochfahrender wie herablassender Rhetorik aufpumpt und zu seiner notdürftigen Stabilisierung des verbalen lynch mobs bedarf.

Und weil das alles irgendwie, irgendwann schon mal dagewesen ist.
Peinlichkeit, nimm deinen Lauf.

Dienstag, 26. Februar 2013

Her mit den Clowns




Isn't it bliss?
Don't you approve?
One who keeps tearing around,
One who can't move.
Where are the clowns?
Send in the clowns.

Don't you love farce?
My fault, I fear.
I thought that you'd want what I want -
Sorry, my dear.
But where are the clowns?
There ought to be clowns.
Quick, send in the clowns.

Don't bother - they're here.

Samstag, 23. Februar 2013

Nervöse Zuckungen an den Märkten


Die internationale Finanzwelt zittert. Die Märkte beben vor Schrecken. Der Untergang ist nahe:
"Ich habe die furchterregendste Grafik in Europa gesehen."
Die furchterregendste Grafik in Europa? Sollte das Unwahrscheinlichste alles Unwahrscheinlichen geschehen sein, hat etwa die Finanzwelt die furchterregenden Grafiken zur Arbeitslosigkeit in Südeuropa zur Kenntnis genommen? Und ist darüber zu Tode erschrocken? Mehr noch, fühlt sich einer "ernsten Bedrohung" ausgesetzt?


Ach was. Seit wann interessiert sich die Finanzwelt für Arbeitslosigkeit? Eben. Es muss also etwas viel Schlimmeres, Beunruhigenderes sein, was die Finanzleute dieser Welt aufwühlt und in Angst und Schrecken versetzt. Nämlich dies:


Dieses Wochenende wird in Italien gewählt. Richtig gelesen: gewählt, und nicht etwa dem Land ungefragt eine der Finanzfachkräfte dieser Welt (Mario Monti) von EU's Gnaden als Ministerpräsident übergestülpt. Es wird also gewählt - wo es sich doch bereits bei einer demokratischen Wahl um eine den Finanzmärkten höchst suspekte Veranstaltung handelt -, doch damit nicht genug: Was, wenn die Italiener einfach das wählen, was sie für richtig halten? Undenkbar! Katastrophe! Untergang!

Was die Finanzwelt bis ins Mark erschüttert und rot sehen lässt, ist die blaue Linie: Beppe Grillos Movimento 5 Stelle.
"Grillo ist ein zum Politiker gewandelter Kabarettist mit schockierend guten Chancen bei den italienischen Wahlen..."
- ein Ex-Kabarettist, der zum Politiker mutiert ist - da kann es einen Finanzler mit straightem Blick aufs Weltgeschehen natürlich nur grausen, aber dann kommt er, der Hammer, der eigentliche, schockierende, furchterregende:
"... mit einem aggressiven Anti-Banken-, euroskeptischen Wahlprogramm."
- weshalb der frühere Kabarettist Grillo eine "ernste Bedrohung" darstelle. Für wen oder was stellt er eine ernste Bedrohung dar?
"... für die aktuellen Reformbemühungen (die von Brüssel anerkannte - wohlgemerkt, nicht gewählte! - Regierung ist eifrig bemüht, die Wirtschaft zu liberalisieren, das Defizit zu reduzieren, den Arbeitsmarkt zu reformieren und so weiter). Die Finanzmärkte haben diese Bemühungen über die letzten Jahre geliebt, selbst wenn die Öffentlichkeit und die Realwirtschaft diese Liebe nicht teilten."
- und jetzt steigt und steigt dieser dahergelaufene aggressive Anti-Banken-Ex-Comedian Grillo in der Wählergunst und droht alles zunichte zu machen, was von der Finanzwelt in liebevoller Detailarbeit aufgebaut wurde. Schon bitter. Und furchterregend. Ich persönlich finde es zwar weitaus furchterregender, wenn eine handverlesene Finanzmarionette einfach so von oben den Italienern aufs Auge gedrückt wird; jedoch, der Finanzwelt klappern vor Angst die Knochen, weil dieser komische amateurhafte Kauz namens Grillo immer mehr "Kapital" ("capitalizing")schlägt
"... aus der tiefen Frustration, die in Italien existiert, wegen der schwachen Wirtschaft und infolge der Wahrnehmung, die derzeitige Regierung sei viel zu korrupt und mauschele mit dem Bankensektor."
- und das, wo doch die Finanzprofis dieser Welt die ausgewiesenen Experten fürs Kapitalisieren von allem möglichem sind, gern auch fürs Kapitalisieren von Korruption "und so weiter".

Tja, Jungs mit den schwachen Nerven, da hilft nur Abwarten bis Montagabend (Schließung der Wahllokale). Wenn ich euch etwas von Herzen gönne, dann ein bisschen Adrenalinausstoß wegen eines Politikers, der sich weigert, nach eurer Pfeife zu tanzen. Weil, ihr gönnt euch ja sonst nichts. Nicht einmal die Spur von Nervosität darüber, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Italien unter eurer Finanz-Hofschranze Monti auf satte 37 Prozent gestiegen ist.
Schönes Wochenende.

Dienstag, 22. Januar 2013

Krankheit als Chance


Der gute Onkel Doktor ist deshalb ein Guter, weil er weiß, was für den Patienten gut ist. Wenn also der gute Onkel Doktor Medikamentengifte in den Patienten stopft, die den Kranken immer noch schlimmer dahinsiechen lassen, dann wird der Onkel Doktor schon wissen, warum er das tut.

Sollte der inzwischen Sterbenskranke irgendwann aus dem allerletzten Loch pfeifen, dann erfasst den guten Onkel Doktor ein menschlich' Rühren, weil er das Siechtum nicht länger mit ansehen kann, und verordnet großherzig eine Medikamentenpause. Weil, gestorben werden kann auch noch später, da kommt es auf ein paar Monate mehr oder weniger nicht an.

Weil es so gut klingt und weil der Onkel Doktor so ein Guter ist und unbedingt möchte, dass alle nur Gutes von ihm denken, hat er sich für die Medikamentenpause einen hübschen Wohlfühlnamen ausgedacht: Moratorium. Ah, das geht runter wie die süßeste Medizin! Moratorium heißt, die medikamentöse Zwangsbehandlung wird eingestellt (natürlich nur befristet, denn die hochgiftige Rosskur muss auf Tod und Verderben zu Ende geführt werden, sonst hätte der Onkel Doktor sie ja gar nicht erst zu verordnen brauchen).

Dem Sterbenskranken wird also mildtätig ein fast karitativ zu nennender Schonzeitraum gegönnt, und solange dieser verspricht, die bereits verschriebenen Medikamente brav weiter einzunehmen, zeigt sich, im Gegenzug, der Onkel Doktor von seiner menschlichen Seite und verzichtet auf die Verabreichung neuer, immer giftigerer Maßnahmen. Befristet, wohlgemerkt. Auf sechs Monate, um genau zu sein.

Sechs Monate hat also der gebeutelte Patient erst mal seine Ruhe und kann zusehen, wie er seinen kranken Karren mühsam aus jenem Dreck zieht, den der Doc ihm verschrieben  hat, bevor ihn der gute Onkel mit neuem, noch höher dosiertem Dreck noch tiefer in die Grütze reiten wird. Aber, ruhig Blut, erst nach Ablauf von sechs Monaten.
Die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds haben sich auf ein sechsmonatiges Moratorium geeinigt, während dessen sie keine neuen Austeritätsmaßnhmen von Griechenland fordern werden.
Wieso eigentlich gerade sechs Monate? Wieso nicht zwei, wieso nicht zwanzig? Welches therapeutische Konzept verbirgt sich hinter dem magischen Timing von ausgerechnet sechs Monaten?
Das Ziel der Troika besteht darin, der griechischen Regierung eine Chance einzuräumen, einen Maßnahmenkatalog sowie strukturelle Reformen zu implementieren, an welche - im Austausch dafür - kontinuierliche Rettungsgelder gebunden sind ...
Okay, Onkel Doktor, den Spin haben wir gerafft, du willst den Griechen also eine Galgenfrist geben, um hernach erst recht mit der Brechstange ..., wie? Keine Galgenfrist, sondern eine "Chance"? Ach so, du meinst so eine Art Verschnaufpause? Eine großzügige Chance, mal endlich zu verschnaufen, okay, aber wieso gerade eine sechsmonatige Verschnaufpause? Erklär's uns, weil, wir wollen nicht dumm sterben, und die Griechen schon gleich gar nicht, also bitte:
... wobei sie (die Troika) gleichzeitig versucht zu gewährleisten, dass Griechenland und seine Schuldenprobleme kein Thema darstellen wird im Rahmen des Wahlkampfes in Deutschland, das sich für die (Bundestags)Wahlen im September vorbereitet.
Kein Thema darstellen wird? Damit meinst du also,
Die sozialen Unruhen in Griechenland auf kleiner Flamme zu kochen, bedeutet, die wirtschaftliche Krise des Landes wird nicht als Vorwahl-Kampagnenproblem für Merkel dazwischenfunken können.
Gut, dass du, Onkelchen, uns - wenn auch etwas zögerlich - den therapeutischen Hintergrund der verordneten Rosskur-Unterbrechung erläuterst; wir wären von allein gar nicht drauf gekommen. Staunen aber nicht schlecht, dass du dir mittlerweile nicht mal mehr die Mühe machst zu vertuschen, um wessen "Chance" es tatsächlich geht: Angela Merkel braucht eine Verschnaufpause. Wahlkampfstrategisch gesehen.

Hättest du auch gleich sagen können, Onkel Doktor. Wir sind gar nicht so schwer von Begriff, wie du denkst. Und werden uns bestimmt nicht wundern, wenn an der deutschen Nachrichtenfront des griechischen Krankenbettes in den nächsten Monaten Funkstille herrschen wird. Ist ja für einen guten Zweck. Gut, dass wir drüber gesprochen haben.


Montag, 17. Dezember 2012

Warnschuss vor den Bug


Eigentlich dachte ich mir nichts Böses. Eigentlich suchte ich nur nach einem medialen deutschen Pendant, nachdem Angela Merkel einer englischsprachigen Zeitung ein aktuelles Interview gegeben und darin nachhaltig gewarnt hat. Gewarnt wovor? Kommt gleich.

Jedenfalls googelte ich nach 'Merkel warnt vor ...' und wurde auf der Stelle erschlagen von Abertausenden von Suchergebnissen. Wovor die Frau alles warnt! Die ist die ganze Zeit nur am Warnen, das aber hingebungsvoll. Ansonsten macht sie nicht groß irgendwas - kein Wunder, die kommt vor lauter Warnen nicht dazu, irgendwas zu machen. Geschweige denn Großes. Weil sie den lieben langen Tag warnen muss. Warnen wovor?

Merkel warnt (alles O-Ton, alles aktuelle Meldungen):

- vor schweren resp. schwierigen Zeiten
- vor Ende des Aufschwungs
- vor Staatsbankrott
- vor hohem Maß an Antisemitismus
- vor Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen
- vor Schwarz-Grün
- vor Rot-Rot
- vor einer Debatte über große Koalition nach der Bundestagswahl
- vor Kontrollverlust
- vor Krieg
- vor Überlastung Deutschlands
- vor Überforderung Deutschlands
- vor Spaltung der Eurozone
- vor falschen Sehnsüchten in der Krise
- vor überhitzter Euro-Debatte
- vor Hysterie
- vor Verrohung des Geistes
- vor (doch, ohne Scherz!) zu viel Sparehrgeiz

- und wenn sie nicht gestorben ist, dann warnt sie noch heute, nämlich in der Financial Times (via Reuters), und jetzt kommt's:
Merkel warnt vor den Kosten des Sozialsystems
Europa werde "sehr hart arbeiten" müssen, um sein Sozialsystem - das großzügigste der ganzen Welt - aufrechtzuerhalten und global wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte Angela Merkel, Kanzlerin von Deutschland.
A-ha. Ärmel hoch, Leute, Zähne zusammen, da müsst ihr durch und keine weiteren Fragen, bitte.


Sonntag, 21. Oktober 2012

Deutsche Verschwiegenheit


Paul Jay - dessen Fan ich bin wegen seiner klugen Gedanken, seiner brillianten Analysen und seiner kompetenten Gesprächsführung - von Real News Network interviewt Costas Lapavitsas (siehe Video). Lapavitsas unterrichtet an der University of London politische Ökonomie und schreibt regelmäßig Kolumnen für die britische Tageszeitung The Guardian.

"Griechenland zerstört sich unter dem Druck von Austerität" ist der Titel des nachfolgenden Interviews (via Naked Capitalism). In einer Schlüsselpassage (siehe unten) des Gesprächs zieht der griechische Ökonom historische Parallelen zwischen der (weniger schleichenden als vielmehr rasanten) Hinwendung Deutschlands zum Faschismus und der aktuellen politischen Entwicklung in Griechenland.

Meinen aktuellen Blogbeiträgen ist sicherlich anzumerken, wie sehr mich diese Entwicklung beschäftigt und beunruhigt. Wohl am meisten beunruhigt mich das unerschütterlich träge, beharrlich schweigende Sitzfleisch, mit der die politische Klasse in Europa die griechische "Gefahr" (Paul Jay) auszusitzen gedenkt: das ignorante Schweigen, mit dem die EU die wachsende Popularität einer faschistischen Partei im Süden Europas kommentiert, während es die Politik des Friedensnobelpreisträgers EU selbst ist, die eine Renaissance des Nationalsozialismus in Griechenland heraufbeschwört und dem Erstarken faschistischen Gedankenguts samt seiner alltäglich werdenden Ausschreitungen Flügel verleiht.

Wovon kündet dieses ohrenbetäubende stoische Schweigen? Sind vielleicht diejenigen, die in Berlin und Brüssel die Hände gelassen in den Schoß legen und keinerlei Interesse zeigen an dem Monster, was im griechischen Keller sein Haupt erhebt und im Begriff ist, die oberen Stockwerke zu erklimmen, die wirklichen, die anständigen, ehrenhaften Faschisten? Wer schweigt, macht sich verdächtig. Hartnäckiges Beschweigen unliebsamer Tendenzen kann stets zweierlei bedeuten: entweder Verdrängen oder aber stillschweigendes Goutieren dessen, was sich unterm Teppich zusammenbraut. Beides, insbesondere letzteres empfinde ich als nachgerade obszön. Ein anderes Wort fällt mir nicht ein.



Jay:
Vor ein paar Jahren interviewte ich Noam Chomsky, und er machte eine interessante Bemerkung, nämlich: Mit welcher Geschwindigkeit die deutsche Gesellschaft einen Hitler akzeptierte, und wie schnell sich ein avantgardistisches, libertinäres Berlin in ein faschistisches Berlin entwickelte. Welche Gefahr besteht diesbezüglich in Griechenland?
Lapavitsas:
Oh, die Gefahr ist sehr real. Die Gefahr ist sehr real. Weil die politische Mitte, die politischen Organisationen, die Griechenland vier Jahrzehnte lang regiert haben, ausgehöhlt worden sind.
Wissen Sie, die Leute missverstehen das, was in Griechenland passiert. Sie denken, der griechische Staat sei schon immer sehr schwach und ineffizient und die griechischen Politiker schon immer unfähig gewesen, und all das. Das ist Unsinn. Der griechische Staat ist ein sehr fähiger Staat gewesen und hat alle möglichen Dinge auf den Weg gebracht. Es war ein Land mit mittleren Durchschnittseinkommen und einem politischen System, das in punkto Stabilität seinesgleichen suchte in Europa. Zwei Parteien haben sich beim Regieren abgewechselt, und drei oder vier Jahrzehnte lang hat sich daran nichts geändert.
Damit ist es vorbei. Das ist zu Ende. Diese beiden Parteien sind vollkommen diskreditiert. Die Mitte ist ausgehöhlt. Parallel dazu erstarken die Parteien der Linken und die Parteien der extremen Rechten.
Das meinte ich, als ich zuvor über die Verunsicherung, die Niedergeschlagenheit und die Verärgerung der kleinen Leute sprach. Die erwarten von der politischen Mitte keine Lösungen mehr; stattdessen schauen sie auf die beiden Endpole des politischen Spektrums. Momentan ist dort die dominierende Seite die Linke. Die Leute orientieren sich nach der Linken. Sie erwarten die Lösung von der Linken, von SYRIZA.
Allerdings orientieren sich immer mehr Menschen - Menschen, die sich gewohnheitsmäßig an der Mitte-Rechts-Politik orientierten - mittlerweile an der extremen Rechten. Und das hat eine Logik. Es hat eine Logik. Wenn die rechte Mitte sich selbst diskreditiert hat, werden eine Menge Leute sich an der extremen Rechten orientieren, die das Versprechen von Aufrichtigkeit und Leistungsfähigkeit liefert, die mit Immigranten in dem Sinne verfährt, was sie unter Aufrichtigkeit und Leistungsfähigkeit verstehen, und all diese Dinge. Dies kann sehr schnell passieren. Das kann sehr rasant geschehen.

Von allen preisgekrönten, sich in Betonschweigen hüllenden EU-Apparatschiks empfinde ich am obszönsten und bedrohlichsten die lärmende Friedhofsruhe derer in der deutschen EU-Parteizentrale. Vielleicht ist es ja in Wirklichkeit so, dass der Exportweltmeister unter der Hand noch vieles mehr zu exportieren hat als er sich je hätte träumen lassen?

Nächstes Jahr wird in jenem Land mit der Nazivergangenheit gewählt. Die eiserne Kanzlerin mit der harten Hand, so heißt es allerorten, habe gute Chancen, denn gerade wegen ihrer harten Hand komme sie so gut an beim deutschen Volk. Gut möglich, dass die harte Hand - im Verbund mit dem hartnäckigen Schweigen der deutschen Führung zu den Vorgängen in Griechenland - ihr politisches Kapital auffetten und zu einem Siegeszug führen wird. Gut möglich, dass bis zu diesem Zeitpunkt sich der braune Mob in Griechenland fest etabliert haben und ein faschistisch gewordener griechischer Staat die deutschen Wähler nicht im geringsten an ihrer Wahlentscheidung zweifeln lassen wird.

Mir fällt kein anderes Wort ein. Ich finde das obszön.

Samstag, 13. Oktober 2012

Schwaben rockt


Ein fetter Soundtrack am Samstagabend ist nicht zu verachten. Voilà: 14 Minuten allerbeste Unterhaltung, zum Beinehochlegen und mit hohem Popcornfaktor und irgendwie sensationell. 14 Minuten lang, in allen Tonlagen! Diese Schwaben, unglaublich. Brüllen und buhen und stänkern mit anschwellender Lautstärke und wachsender Begeisterung stur durch bis zur letzten 14. Minute. Herrgottsakra, glaubsch des? Schier net.

Viel mehr als Brüllen und Buhen passiert eigentlich nicht, weil die Bundeskanzlerin nicht so recht zum Zug kommt - was soll sie machen, wenn die Leute eine geschlagene Viertelstunde lang Krach schlagen. Aber gerade das macht das Filmgucken so phänomenal entspannend. Es passiert sonst nichts weiter. Nur halt dieser fette Schwabensoundtrack.

Frau Merkel hat ja zwischenzeitlich - nachdem sie wieder auf sicherem deutschen Boden gelandet war - verlauten lassen, wie sehr sie sich "über den freundlichen Empfang in Athen gefreut" habe. Tja. Ob etwas freundlich rüberkommt oder nicht, ist halt immer eine Frage der Hör- und Sichtweite und somit der Wahrnehmungsstörungen. Wie es aussieht, hat sie sich heute in Stuttgart gar nicht gefreut. Also, wirklich überhaupt kein bisschen gefreut. Um genau zu sein, Merkel hat sich geschlagene 14 Minuten lang nicht ein einziges Mal kein allerkleinstes Bisschen gefreut.

Und deshalb, wie gesagt, gute Unterhaltung.



Mittwoch, 10. Oktober 2012

It's showtime, folks


Worum ging's eigentlich bei der gestrigen Show?
Schon klar, um Show, was sonst.
"Ich bin hierher gekommen, um die Situation vor Ort zu verstehen."
Verständnis. Kommt immer gut.
"Enge Kontakte führen zu einem besseren Verständnis."
Besseres Verständnis kommt noch besser.
Merkel, die Griechenversteherin.
"Was der Besuch für die Griechen bedeutet, weiß ich nicht."
Wie sollte sie auch. Mit denen pflegt sie ja keine engen Kontakte.
So weit geht das mit dem Verständnis dann doch nicht. Muss man verstehen. Die Frau hat ja genug Sorgen bei sich zuhause. Dort wartet ein Volk von Merkelverstehern auf klare Ansagen.
Die hat es bekommen.
"Griechenland ist in einer schwierigen Phase, sollte aber den Weg zu Ende gehen, den es begonnen hat..."
Kommt gut zuhause. Erst Verständnis, dann Härte.
Weil, Strafe muss sein.
"...sonst wird alles noch viel härter werden..."
Eben. Härte zeigen.
"...es geht um unsere Kinder und Enkelkinder."
Kommt auch gut. Erst Härte, dann ein bisschen Wischi-Waschi-Wärme. Um wessen Kinder und Enkelkinder ging es gleich nochmal? Egal, die Merkelversteher zuhause werden schon verstehen, was mit "unsere" gemeint war. Muss man denen doch nicht extra erklären, dass einem die arbeitslosen griechischen Kinder und Enkelkinder (knapp 55 Prozent) sonstwo vorbeigehen.

Während die Griechen "bluten" (Ministerpräsident Samaras), zeigte Merkel Herzblut,
"Sie hat Respekt bekundet für die Opfer, die wir bringen."
Respekt. Das Zauberwort schlechthin. Kommt gleich nach Verständnis. Kommt gut, kostet nix. Zwischen Respekt bekunden und Respekt haben liegen Welten, ist aber eh wurscht, so genau nimmt es der Merkelversteher zuhause nicht.

Worum ging es gestern nochmal?
"Mit ihrem Besuch hat sie ihr Image in der internationalen Presse verbessert." (Samaras)
Genau, ums Image. Hätten wir fast vergessen, vor lauter Respekt und Verständnis und Opfer und Härte. Wie, Merkel hat ein Imageproblem? Bei wem? Mit Sicherheit bei den Griechen. Muss man aber verstehen. Weil, ohne Imageproblem bei den Griechen hätte die Eiserne mit dem blutenden Herzen ein Imageproblem bei sich zuhause, bei den Merkelverstehern. Aber jetzt, wo die Griechen wie auf Knopfdruck reagiert haben und die zuhause alle sehen können, dass die da unten im Süden nicht nur faul, sondern obendrein undankbar und unverschämt sind, läuft alles wie am Schnürchen.

The show must go on.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Immer schön auf dem Teppich bleiben


Ich glaube, sie ist in diesen Minuten in Athen gelandet.

Dimitris Hatzopoulos

Roter VIP-Teppich zu Ehren des Gastes, 
originalgetreu gestaltet nach der roten Sperrzone
im innerstädtischen Athener Hochsicherheitstrakt, 
ebenfalls zu Ehren des Gastes.

*"Regierungssprechern zufolge werde der Großteil von Downtown Athen abgeriegelt, obwohl - anderen Berichten zufolge - es für Demonstranten einen gewissen Zugang geben würde; es blieb unklar, welche Reaktionen seitens der Regierung erfolgen würden, sollten Demonstranten versuchen, die Polizeibarrikaden zu durchbrechen, die für 13 Stunden errichtet wurden, um Merkel zu schützen und sie daran zu hindern, irgendwelche Proteste zu Gesicht zu bekommen."


Dimitris Georgopalis

Merkel beim solidarischen Abschreiten des roten Teppichs,
propagiert mehr "Austerität" für Griechenland.


Panos Maragos

Merkel demonstriert vor ihrem Abflug, 
wie man auf dem Teppich bleibt, 
und erwartet dasselbe von den Griechen.

Merkel: 
Was soll das, Paul (Thomsen vom IMF)? 
Die Griechen leben doch wohl nicht in Slums, oder!
Thomsen: 
(in der Hand den Troika-Report)
Wir sind ja auch noch nicht fertig mit unseren Reformen, Frau Merkel.


Dimitris Hatzopoulos

Was nach dem roten Teppich bleiben wird.


(Quelle:
Bilder von griechischen Karikaturisten via When the Crisis hit the Fan)