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Samstag, 23. November 2013

Sag's doch gleich



Wenn ich auf etwas stehe, dann auf Komplexitätsreduktion.

Also die Fähigkeit, 
angeblich hochkomplizierte Zusammenhänge, 
die angeblich kein Normalsterblicher versteht, 
am allerwenigsten diejenigen,
die am allermeisten davon betroffen sind,
so prägnant einzudampfen, 
dass sie auf einen Bierdeckel passen.


Oder auf ein -Shirt.

"Austerity - The T-Shirt"

Samstag, 16. November 2013

Let them eat Wi-Fi


Nächste Woche kommt netter Besuch nach Deutschland. Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras wird erwartet.

Der griechische Staatschef ist ein ganz Netter, der es mag, wenn er nett behandelt wird. Er freut sich schon auf das gemeinsame Mittagessen mit Angela Merkel. Die nette Einladung, sagt er, habe ihn sehr ermutigt.

Außerdem, sagt der nette Samaras, habe neulich der Wolfgang Schäuble so nett über Griechenland gesprochen, beim Treffen der Eurogroup am Donnerstag. Auch das habe ihm Mut gemacht.

In diesen harten Zeiten brauche man netten Zuspruch, und deshalb, sagt Samaras, sei das Ziel seiner Deutschlandreise, "die trübselige Stimmung aufzumuntern, die sich über sein Land und dessen Zukunftperspektiven gesenkt" habe. Ein paar warme Worte der Kanzlerin sei genau das, wonach die trübseligen Griechen lechzen, mehr als nach Jobs, etwas zu essen und einem Dach über dem Kopf; darum "hoffe er, positive Äußerungen von Merkel könnten helfen, die Stimmung in Griechenland aufzuhellen".

Das griechische Volk ist schon voller Vorfreude und kann die netten, aufmunternden Worte der deutschen Kanzlerin kaum erwarten. Wird ja auch irgendwann langweilig, immer nur Trübsal zu blasen.

Der nette Ministerpräsident weiß das, weshalb er bereits im Vorfeld seiner Auslandsreise einen krachend netten Stimmungsaufheller unters arbeitslose Volk brachte, und zwar vornehmlich an die Adresse der jüngeren Generation; das sind diejenigen Griechen, die besonders heftig zum Trübsalblasen neigen:

Quelle: Eurostat via anticap

Denen hat der Ministerpräsident ein so tolles, ein so nettes Angebot gemacht zur Hebung ihres notorischen Trübsinns,
"Heute verspreche ich, dass es in ganz Griechenland kostenlosen Zugang zum Internet geben wird, freies kabelloses Wi-Fi-Internet. Bis nächstes Jahr. Wir machen das. Deshalb sage ich das. Es zeigt den jungen Leuten, dass sich jemand um sie kümmert. Dass Griechenland sich um diese Kids kümmert."
- dass die jüngere Generation in bodenlose Euphorie verfiel und sich seither nur noch schenkelklopfend am Boden wälzt, so großen Spass haben die jungen Leute mit dem Versprechen ihres netten Staatsoberhauptes. Wow!, krähten begeistert die Allerjüngsten der neuen, stets hungrigen griechischen Spassgeneration, da können wir uns ja ein leckeres Tsatsiki runterladen, oder ein schönes Gyros,


- oder, na ja, zur Not tut's auch Stückchen trockenes Brot zum Gratisdownload - hey, wie nett, die kümmern sich um uns! -, ein Zahn, der den naiven Kleinen ganz schnell gezogen wurde von der aufgeklärten Spassfraktion im studentischen Alter:

Psomi: Brot
Paideia: ethische Bildung mit dem Ziel eines mündigen Geistes
Eleftheria: Freiheit von Tyrannei und Unterdrückung

Dagegen erkannten die etwas Älteren, Erfahreneren unter den Griechen sofort den sättigenden Nährwert eines kostenlosen Internetzuganges:

"Verdammt, keine Knochen mehr in der ganzen Mülltonne, 
wo finde ich jetzt ein freies Wi-Fi?"

- während die ganz hartgesottenen Griechen es sich unter freiem Himmel, mit freiem Wi-Fi-Spot, bequem machten, zum ersten Mal seit langem in unbeschwerten Schlummer fielen und beim Einschlafen frohgemut dachten: Endlich kümmert sich jemand!

"No job? No money? No problem: 
Antonis Samaras promises free wi-fi"
via flickr: Teacher Dude's BBQ

Zu guter Letzt kam die frohe Botschaft des Ministerpräsidenten auch bei der Generation der armen alten Griechen an. Die hatten vielleicht einen Spass mit dem freien Wi-Fi! Alle Sorgen waren mit einem Schlag vergessen, von Hunger und Not keine Rede mehr, nur noch fröhliche Gesichter und das feste Gelöbnis der vergnügten Vier, künftig keinen anderen mehr als den netten Ministerpräsidenten von der netten Nea Demokratia Partei zu wählen.


Geschafft!, dachte der nette Samaras, Alt und Jung, die ganze Nation ist gut drauf, der Trübsal wie weggeblasen, steigende Popularitätswerte, Krise gemeistert, alles wird gut!

Packte seinen Koffer, bestieg wohlgemut den Flieger nach Deutschland, nicht ohne ein nettes kleines Mitbringsel einzustecken: Das, frohlockte er insgeheim, das soll mir die olle Merkel erst mal nachmachen:

Moufanet via protagon.gr

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Strahlkraft


Aus unserer beliebten Reihe:
"Voll der Griff ins semantische Marketing-Klo"
stellen wir heute den jüngsten Rohrkrepierer der japanischen PR-Industrie vor:


Ein niedliches Überraschungsei mit Engelsflügeln! 
Ein kleiner Strahlemann aus dem Land 
der unbegrenzten Verstrahlungsmöglichkeiten! 
Don't worry, be happy
äh, huppy
öh, fukuppy
eh, what the fucky
Ich strahle, 
du strahlst, 
sind wir nicht alle ein bisschen verstrahlt?

War aber gar nicht so gemeint, ehrlich.

Weil, Fukushima Industries (obere Zeile) ist nicht etwa der Deckname für die japanische Nuklearindustrie Tepco, sondern ein harmloser Kühlschrankhersteller aus dem Land der nie untergehenden Sonnen- und sonstigen Strahlen. Der hatte sich ein neues, glücksstrahlendes Markenmaskottchen kreiert und dabei nicht bedacht, dass, wer Fuku heißt, für den Spott nicht zu sorgen braucht, denn der folgte dem fulminanten Fehlzünder auf dem Fuße:

auf Deutsch: Halt's Maul, verdammt nochmal!

Und weil sowieso viel zu viele Lügenmäuler dieser Welt endlich, endlich bitte mal die Klappe halten sollten, verdammt nochmal, und weil der gefiederte Fukuppy im Begriff ist, zum weltweit geflügelten Protest-Mem zu werden, gibt es den eiernden kleinen Troubleshooter mit den roten Schuhen (ha!) jetzt auch als Musterschablone zur freien Verfügung gemäß dem volkstümlich-revolutionären Prinzip:

Wem Sie schon immer mal 
übers dreckige Lügenmaul fahren wollten

Genial.

Wäre ich T-Shirt-Hersteller, wüsste ich, was zu tun wäre. Ich würde auf der Stelle in die Massenproduktion einsteigen und mit dem Ding an die Börse gehen, und zwar mit der - pardon - fucking  fluoreszierenden Variante. Slogan: Damit Sie Tag und Nacht kraftvoll strahlen können.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Wo der Spass aufhört und wo er anfängt


 Wasserwerfer. Auch so ein Wort, so ein weichgespültes. Seit wann wirft ein Wasserwerfer Wasser? Eben. Das monströse Panzergefährt, geschaffen zur Unterdrückung des Rechts auf Versammlungsfreiheit, heißt auf Englisch korrekt water cannon, also Wasserschusswaffe, und um nichts anderes geht es: Die Leute auf der Straße zu beschießen mit einem unter hohem Druck erzeugten Wasserstrahl. Damit dem Volk die Lust vergehe, sich mit seinesgleichen unter freiem Himmel zu versammeln und zu tun, wonach ihm der Sinn steht. Schon mal von einer Wasserkanone beschossen worden? Da hört der Spass auf. Wasserwerfer. Dass ich nicht lache.


Das Volk selbst ist da erfrischend artikulierter. Verspürt das Volk Lust, sich unter freiem Himmel zu versammeln und zu tun, wonach ihm bei 33 Grad (Celsius) der Sinn steht - nämlich sich zu erfrischen -, dann nennt der Volksmund die Dinge beim Namen: shooting the pump. Das ist zwar ziemlich mehrdeutig, aber so ist das Volk nun mal. Lieber eindeutig mehrdeutig als weichgespült rumgesoftet.


Und wenn das Volk mehr will als mit Wasser nur beworfen zu werden, wenn es also mehr Druck wünscht, dann braucht es dazu nichts als einen Universalschraubenschlüssel -


- und eine Konservendose ohne Boden. Und natürlich einen Hydranten.


Versammlungsfreiheit?  Hände hoch!


Oder halt so.


Und dann alle so.

J.Walter Negro and The Loose Jointz singen Shoot The Pump:

Eine musikalische old school Liebeserklärung an alle New Yorker Wasserkanonen und deren Inbesitznahme durch das Volk - irgendwas Wildes zwischen 80er Latin und Funk aus einer Zeit, als der Hip Hop noch im Brutkasten döste und mit Rap abenteuerlich tolle Geschichten erzählt wurden: Occupy hydrants! oder so ähnlich. Mitten im Song kreuzt plötzlich die Polizei auf ("Get away from that fire hydrant, ya punk!" - "You better just shoot the punk!"), Sirenengeheul, es folgt ein Schusswechsel, vom Schraubenschlüssel-Kid nur knapp überlebt dank einer schussicheren Weste: "I'm gonna live forever or die tryin'". Was den Gute-Laune-Song mit seiner sommerlichen Großstadtenergie auf ein völlig anderes, damals wie heute aktuelles Level hebt.

Keep shooting the pump. Forever.




Bilder: Clayton Cubitt via BoingBoing

Sonntag, 9. Juni 2013

The beat goes on


Ich bin ja ein großer Freund des revolutionären Topfschlagens (cacerolada) und des damit verbundenen lustvollen Lärms.

Zahlreiche Experimente haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass kaum ein Küchenutensil einen besseren Soundtrack liefert als ein Wok-Topf (Metall), geschlagen mit einem Kochlöffel aus Holz - voller warmer Klang mit nachhaltig schwingendem Echoeffekt. Andere schwören auf Metall gegen Metall (z.B. Esslöffel gegen Kochtopfdeckel oder Dosenöffner gegen Bratpfanne) oder hauen gleich Kochtopfdeckel gegen Kochtopfdeckel, was mir persönlich zu tschingderrassabum-mäßig klingt, aber so hat halt jeder seine perkussiven Vorlieben.

Von den Türken lernen heißt siegen lernen, jedenfalls in musikalischer Hinsicht. Die setzen sich einfach an den Straßenrand mit Töpfen, Tellern, Gläsern, Löffel und Gabel, los geht's und heraus kommt nicht nur ein wunderschöner, folkloristisch angehauchter Revolutionssong, sondern ein so zauberhaft lustig-melancholischer Film, dass ich vom Gucken und Hören gar nicht genug kriegen kann:



Die machen wirklich mit allem Rhythmus, was ihnen in die Finger kommt, sogar mit einer zum Schrapidiophon (kein Scherz, heißt so, weil es so klingt) umfunktionierten klobigen Küchenreibe. Und mit Eierlöffeln aus Plastik und Fingerhüten aus Blech und einem Waffeleisen und einer Guglhupf-Backform und noch viel mehr Kücheninstrumenten. Und mit intelligenten, poetischen Texten, gesungen voller Schmelz und Hingabe.

Und mit einer durch die Gasse streunenden Katze, die von der spontanen Session mindestens genauso fasziniert ist wie ich.

Sowie mit sehr, sehr vielen Pinguinen. Solchen, die die Schnauze gestrichen voll haben. Die eine Bauchlandung nach der anderen hinlegen. Die immer wieder aufstehen und weitermachen und nur so vorankommen. So läuft das. The beat goes on.

Montag, 13. Mai 2013

Gut gebrüllt


Aus Anlass des zweijährigen Geburtstages 
der spanischen Indignado-Bewegung 15-M 
gab es gestern in Madrid 
einen riesigen kollektiven stummen Schrei:


Ab etwa 1:00 min entlädt der Schrei sich zu lautstarkem Jubel.

¡Felicidades, amigos indignados!

Mittwoch, 17. April 2013

Abspann


"There is no such thing as society" - Margaret Thatcher, 1988
"There is no such thing as Margaret Thatcher" - Society, 2013 
via Sabotage Times
Letzte Worte:


Samstag, 13. April 2013

They do it her way


Orwell im Vollcheck:

Bei Zensur handelt es sich dann um keine Zensur, wenn zensiert wird und die zensierende Instanz behauptet, es handele sich "definitiv um keine Zensur". 

Um was dann? Um einen, so die britische BBC, "nach hartem Ringen" gefundenen "schwierigen Kompromiss"

Nachdem das zum Anti-Thatcher-Protestsong umfunktionierte Lied Ding Dong The Witch is Dead die Charts gestürmt, die Top Ten erreicht hat und sich nunmehr anschickt, Platz Eins zu erobern, traf die BBC nach hartem Ringen sowie unter starkem Druck seitens einiger Parlamentarier der Tories die Entscheidung, den Song trotz hoher Beliebtheit beim Hörerpublikum nicht in seinem Programm zu spielen.

Jedenfalls nicht in voller Länge. In einem nach hartem Ringen gefundenen schwierigen Kompromiss wird der Rundfunksender einen höchstens fünf Sekunden dauernden Clip aus dem einschlägigen Song präsentieren; dies allerdings nicht im Rahmen der gewohnten Hitparade, sondern "im Nachrichtensegment":
"Mit Nachrichtensegment meine ich, ein Nachrichtensprecher wird Ihnen etwas zu der Tatsache erklären, dass diese Aufnahme einen gewissen Rang in den Charts erreicht hat, was er mit einem kurzen Clip dokumentieren wird."
- womit bewiesen wäre, dass es sich "definitiv um keine Zensur" handelt. Sondern, um das mal klarzustellen (Moment, muss kurz kopfrechnen), bei einem höchstens fünf Sekunden dauernden Clip eines knapp einminütigen Songs um eine allerhöchstens 90-prozentige Zensur. 

Eine 90-prozentige hat gegenüber einer 100-prozentigen Zensur den Vorteil, dass sie als "Kompromiss" durchgeht und keiner sie als Zensur bezeichnen darf und obendrein (glaubt man bei der BBC) der unliebsamen Anti-Thatcher-"Kampagne" der Wind aus den Segeln genommen werden könne:
"Den Song komplett auf den Index zu setzen würde riskieren, der Kampagne den Sauerstoff von noch mehr Publicity zu liefern und eine bereits delikate Situation weiter anzuheizen."
Das hätte der Leiter von BBC Radio 1 nun wirklich nicht delikater formulieren können. "The oxygen of publicity" - an ihren delikaten Metaphern sollt ihr sie erkennen: Zu Lebzeiten war "the oxygen of publicity" eine gern gebrauchte rhetorische Figur von Margaret Thacher, um der Presse einen Maulkorb zu verpassen. Und nein, dabei hatte es sich definitiv um keine Zensur gehandelt, sondern lediglich um einen stinknormalen Maulkorb.

Musik ab. In voller Länge. Ohne Maulkorb.


Donnerstag, 28. März 2013

Souveräne Gesprächsführung


Alles ruhig an der zypriotischen Bank-Run-Front. Noch.

Der einzige Run, der momentan stattfindet, ist der Run der versammelten gaffenden Medienmeute auf die geduldig wartenden Kontoinhaber, unter diesen eine schlangestehende alte Dame.
Es entspinnt sich folgender Dialog (via Twitter):
Hack (deutsch: Schmierfink) to old lady:
"Versuchen Sie an Ihr Geld ranzukommen?"
Old Lady to hack: 
"Das geht Sie einen Dreck an."
Formvollendet. Keep on running, old lady.

Update:



Sonntag, 17. März 2013

Angepisst


"Diese Aktion ermöglicht die Rettung von 8.000 Arbeitsplätzen in der Bankenindustrie und gewährleistet die Liquidität der Banken."
Nicos Anastasiades, Ministerpräsident von Zypern, 16. 03. 2013
Übersetzung:
Um die Banken zu retten, ziehen wir die Sparer über den Tisch und konfiszieren deren Bankguthaben. Fühlt euch angepisst.


* Der Manneken Pis, Brunnenfigur eines urinierenden Knaben, ist eines der Wahrzeichen von Brüssel. Ganz recht: ein Wahr-Zeichen.

Montag, 4. März 2013

Talking German Wahlgetöse


Die Woche fängt gut an:



by Michel Montecrossa
"The Golden Voice and Artist of Peace, Power, Love and Happiness"

Was erlaube italienische Musicista?
Mache mir grosse Lachgetöse.
Habe fertig.

Sonntag, 3. März 2013

Protestsong


Protest hat viele Gesichter.

Eines der eindrucksvollsten ist das lange Gesicht von Passos Coelho, ehemaliger Finanzmanager im Investmentsektor und heutiger Premierminister Portugals.

Im portugiesischen Parlament wurde nämlich gesungen, und je länger gesungen wurde, desto länger wurde Coelhos Gesicht. Von der Publikumstribüne herab schmetterte - aus Protest gegen die alles strangulierende Austeritätspolitik - eine selbstorganisierte Bürgerversammlung das Revolutionslied Grândola, Vila Morena.



Grândola, Vila Morena war das Lied zur portugiesischen Nelkenrevolution.
In der Nacht zum 25. April 1974 ging ein Lied über den katholischen Rundfunk in Lissabon: Grândola, Vila Morena. Es war das verabredete Signal zur Erhebung der Bewegung der Streitkräfte, der Anfang vom Ende des portugiesischen Faschismus.
Franz Josef Degenhardt
Gesungen auf deutsch von Franz Josef Degenhardt:



Mittwoch, 20. Februar 2013

Hosen runter


Wie, dir wurde das letzte Hemd bereits ausgezogen? Ist dem Austeritätswahn doch egal. Dann geht er dir halt an die Unterwäsche.

Generalstreik in Kalamata, Griechenland:


"Wollt ihr uns die auch noch ausziehen?"

Mittwoch, 13. Februar 2013

Neues vom Lasagneflüsterer


Allgemein bekannt ist jene etwas altmodische umgangssprachliche Redewendung - gern laut ausgerufen im Zustand überwältigten Staunens - mit dem Hund, der sich in einer Pfanne aufhält und dort plemplem wird.

Wir dagegen sind modern und wiehern laut:
Ja, da wird doch das Pferd in der Lasagne verrückt!
- beim Studium dieser "Infografik" zum Thema "horsegate supply chain" (= die Versorgungskette zum Pferdefleischskandal):


"horsegate supply chain"

- sowie, durchaus passend, des momentanen Status der horsegate-Krisen-PR:
"Wir sind Opfer einer internationalen kriminellen Verschwörung!" 
- gern mit eindringlich beteuernder Stimme und in gebetsmühlenartiger Wiederholungsschleife vorgetragen. Wenn ich die wäre, wäre ich mit so etwas vorsichtig. Weil, wenn die so weitermachen, kann ich mir gut vorstellen, dass die irgendwann demnächst mal unter ihrer Bettdecke eine gefrorene Pferdelasagne (ab min 2:00) finden. Vielleicht sogar eine aufgetaute. Man weiß nie.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Himmelherrgottsakramentkruzifixhalleluja


Holy shit.

Fluchen ist unschicklich. Befand unlängst die katholische Kirche. In dem Fall eine katholische Highschool im amerikanischen New Jersey (via BoingBoing), die im Auftrag des Herrn unterwegs ist und sich deshalb -

No shit!

- "Queen of Peace High School" nennt. Ab sofort wird in den heiligen Hallen der Friedenskönigin - per eidesstattlicher Selbstverpflichtung - nicht mehr geflucht. Begründung: weil Fluchen unschicklich ist.

Who the hell gives a fuck?

Okay, könnte man so stehenlassen wie einen Sack Reis im katholischen Hinterland von New Jersey, ob der nun umgefallen oder stehengelassen worden ist ...

So, WTF?

... allerdings gilt der Anti-Fluch-Bannstrahl nur für die eine Hälfte der Schülerschaft. Denn siehe, es sind vor Gott nicht alle fluchenden Schandmäuler gleich. Dem gotteslästerlichen Gefluche für alle Zukunft feierlich abzuschwören ("I swear not to swear!") wurde ausschließlich dem weiblichen Teil des Schülerkörpers abverlangt.

Now fuck that shit.

Die andere, männliche Hälfte darf weiterhin ihrem Herzen mit Kraftausdrücken aller Art Luft machen und sonstwem sonstwas an den Hals wünschen. Fluchen sei nämlich, laut der katholischen Schulleitung, unweiblich -

Don't gimme that stupid bullshit.

- Magengeschwüre hingegen, im Umkehrschluss, ein urweibliches Privileg (... drum fluche, wem Gesundheit teuer, dafür meine Hand ins Fegefeuer!). Damit dies auch so bliebe und Gottes Wille geschehe, fügte die Schulleitung erläuternd hinzu: "We want ladies to act like ladies" -

What a piece of seriously fucked up stupid double standard horseshit.

- and boys like boys. Schließlich spielen Jungs Baseball und "können gar nicht anders als Obszönitäten auszustoßen, wenn ihnen ein Aufschlag danebengeht, und daran wird sich auch nichts ändern", während Mädels - pardon: ladies -, die beim Topflappenstricken eine Masche fallen oder am Herd die Suppe anbrennen lassen, gar nicht anders können als charmant mit den Zähnen zu knirschen und sich alles übrige zu verkneifen ...

Jesus, stop it, this is just fucked up as fuck.

... und daran wird sich auch nichts ändern, denn so ein Magengeschwür fällt nun mal niemandem in den Schoß, darauf muss frühzeitig, zielstrebig und mit Gottes Hilfe hingearbeitet werden. Und Gott sprach (oder war es ein 16-jähriger männlicher Schüler kurz vor dem Aufschlag?): "Es ist unattraktiv, wenn Mädchen ein loses Mundwerk haben."

Boy, now you have fucked that one up, too.

Als Belohnung für ihr gottgefälliges Lippenbekenntnis bekamen die fluchabstinenten Mädels je einen -

No shit, Sherlock!

- Lollipop geschenkt, um das schmutzige Mäulchen ein für allemal süßklebrig zu verstopfen, sowie als Zugabe eine Anstecknadel mit einem roten Verbots-Schrägstrich über zwei fest geschlossenen pink(!)farbenen Lippen -

Oh sweet Lord, please shut the fuck up.

- wohingegen die Jungs von der Schulleitung "gebeten" wurden, sich in Gegenwart von Mädels, pardon: ladies, mit der notorischen Flucherei doch bitte ein wenig zurückzunehmen. Schwören mussten die angehenden gentlemen dies allerdings nicht.

Now ladies and gentlemen, would you please fuck off?

Hier stehe ich - Gott helfe mir - und kann nicht anders als Obszönitäten auszustoßen, wenn ich einen solchen gequirlten Kuhfladen vor dem Herrn lese.

Fuck them all.


Sonntag, 28. Oktober 2012

Sturmwarnung


Vor der amerikanischen Nordostküste braut sich ein gewaltiger Hurrikan zusammen. Er hört auf den niedlichen Namen "Sandy", wird jedoch vom Volksmund - im folkloristischen Vorgriff auf die Halloweensaison, in die der Orkan volles Rohr hineindonnern wird - schaurigschön als "Frankenstorm" bezeichnet.

Experten sehen mit Sandy den "perfekten Sturm" im Jahrhundertmaßstab heraufziehen, weil er, Richtung Norden tobend, von einem extrem starken Tiefdrucksystem aus Kanada potenziert und obendrein von einem fetten Vollmond flankiert wird (Sturmflutrisiko).

Genug gefachsimpelt. Am meisten beschäftigt jetzt die Leute natürlich, an welcher Stelle der freakige Frankenstorm mit voller Breitseite zuschlagen wird. So viel steht fest: Sandy hat das Potential, ein "3,2-Milliarden-Dollar-Desaster" zu entfesseln. Die Frage ist nur: wo genau? Fest steht ebenfalls, dass der Süden Manhattans (New York City) besonders exponiert ist und als hochgefährdete Zone gilt, was wiederum die desaströse Phantasie des Künstlers Colonel Flick alias William Banzai entfesselt und zu einer schaurigschönen Sturmwarnung veranlasst hat:


Samstag, 13. Oktober 2012

Schwaben rockt


Ein fetter Soundtrack am Samstagabend ist nicht zu verachten. Voilà: 14 Minuten allerbeste Unterhaltung, zum Beinehochlegen und mit hohem Popcornfaktor und irgendwie sensationell. 14 Minuten lang, in allen Tonlagen! Diese Schwaben, unglaublich. Brüllen und buhen und stänkern mit anschwellender Lautstärke und wachsender Begeisterung stur durch bis zur letzten 14. Minute. Herrgottsakra, glaubsch des? Schier net.

Viel mehr als Brüllen und Buhen passiert eigentlich nicht, weil die Bundeskanzlerin nicht so recht zum Zug kommt - was soll sie machen, wenn die Leute eine geschlagene Viertelstunde lang Krach schlagen. Aber gerade das macht das Filmgucken so phänomenal entspannend. Es passiert sonst nichts weiter. Nur halt dieser fette Schwabensoundtrack.

Frau Merkel hat ja zwischenzeitlich - nachdem sie wieder auf sicherem deutschen Boden gelandet war - verlauten lassen, wie sehr sie sich "über den freundlichen Empfang in Athen gefreut" habe. Tja. Ob etwas freundlich rüberkommt oder nicht, ist halt immer eine Frage der Hör- und Sichtweite und somit der Wahrnehmungsstörungen. Wie es aussieht, hat sie sich heute in Stuttgart gar nicht gefreut. Also, wirklich überhaupt kein bisschen gefreut. Um genau zu sein, Merkel hat sich geschlagene 14 Minuten lang nicht ein einziges Mal kein allerkleinstes Bisschen gefreut.

Und deshalb, wie gesagt, gute Unterhaltung.



Gut gebrüllt


Viel wird im Internet geschrieben über den frischgebackenen Friedensnobelpreisträger. Viel Gescheites, Brilliantes, Kritisches, Analytisches, Beißendes, Satirisches.

Mir persönlich fehlt die weniger elaborierte Stimme des gemeinen Volkes. Unverblümt und freiheraus, rauh und dabei keinesfalls herzlich, trotz oder gerade wegen eines überschaubaren Wortschatzes ausgesprochen artikulationsfähig.

The Artist Taxi Driver aus London macht seinem Unmut so rauh wie herzlos Luft. Weil, wer will schon sein Herz zur Mördergrube umfunktionieren? Was raus will, muss raus. Alles andere macht krank.

Fire it up, fella.



Dienstag, 28. August 2012

Sumpfblüten aus Amsterdam


Nein, keine Tulpen, auch kein Falschgeld, vielmehr blühender Blödsinn, gepflückt in Amsterdam, wo "viele niederländische Bürger entsetzt mitansehen, dass Länder an der Peripherie Europas ihre Finanzen herunterwirtschaften und riesige Rettungspakete erhalten":
"Echt, ich habe die Nase voll von dieser Regierung, die unsere Steuergelder an diese korrupten Griechen verschenkt," sagte der Besitzer eines Haustiergeschäftes in Amsterdam, der namentlich nicht genannt werden wollte, weil er einen Teil seines Einkommens dem Finanzamt verschweigt.
Korrupte, faule, steuerhinterziehende Griechen unterstützen? Wäre ja noch schöner! Nicht mit sauer verdienten holländischen Steuergeldern!
"Aus dem Grund akzeptiere ich in meinem Laden nur Barbezahlung. Weil ich nicht will, dass die mit meinem Geld finanziert werden, erst recht nicht, wenn sie die Renten und die Gesundheitsversorgung kürzen."
Offen ließ der Haustierhändler, ob er mit "sie" die holländische oder die griechische Regierung meinte. Ist ja auch egal, eigentlich. Wie ähnlich sich doch die Völker Europas sind.

Nur schade, dass sie es nicht merken.

Freitag, 20. Juli 2012

Kürzungen auf Spanisch


"Auch das Volk kürzt"
Spanien, 19. Juli 2012

Irgendwie scheint die Schneidemaschine grenzüberschreitend
sich immer größerer Beliebtheit zu erfreuen.
Am Ende wächst Europa doch noch zusammen.
Nur halt anders als gedacht.
Wer auch immer
sich
was auch immer
dabei
gedacht hat.