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Freitag, 28. Juni 2013

Im Rohr krepiert


Put the shit back where it came from!

Ich liebe ihn, diesen uralten, großartigen Spruch, anwendbar auf eine Vielzahl von Konfliktlagen, wo man von irgendwelchen zänkischen, von ihrer scheinbar gottgegebenen Überlegenheit überzeugten Mitmenschen rüde angerempelt, unter Druck gesetzt und mit Dreck beworfen wird, und wo der mit Druck und Dreck Beworfene sich nervös fragt, wie er sich am effektivsten gegen derart übergriffiges Verhalten zur Wehr setzen kann.

Put the shit back where it came from!

Geht eigentlich ganz einfach. Da der Beworfene in der Regel weiß, aus welcher Richtung der Dreck geflogen kam und die Dreckschleuder leicht zu identifizieren ist, braucht er nichts weiter zu tun als das Stück Dreck aufzuheben, es kraftvoll zurückzuschleudern, sich die Hände abzuwischen, und schon ist der eigene Vorgarten samt Händen wieder sauber. Geht wirklich ganz einfach. Alles, was man dazu braucht, ist ein wenig Mut sowie ein eingefleischter Widerwillen, sich von jedem dahergelaufenen Großkotz mutwillig einschüchtern zu lassen. Funktioniert garantiert. Und fühlt sich großartig an.

Put the shit back where it came from!

- hat sich die konfliktfreudige Regierung von Ecuador gedacht und ist gerade dabei, sich die Hände abzuwischen. Der zänkischen Dreckschleuder aus dem Norden hat sie klipp und klar gemacht, dass sie auf Handelserleichterungen pfeift, ihr darum jegliches Drohen mit Entzug von Handelserleichterungen sonstwo vorbeigeht und sie im übrigen sich durch keinerlei Provokationen weder aus der Ruhe noch aus dem Konzept und schon gar nicht zum Abrücken von selbstverpflichtenden Prinzipien bringen lässt. So, who flung dung?

Nachzulesen ist die Sache mit dem zurückgeworfenen Fehdehandschuh hier. Was in dem Bericht leider fehlt, ist dieses exquisite Stück Dreck, das von dem ecuadoranischen Informationsminister in hohem Bogen in den dauervermüllten US-Vorgarten geschleudert wurde:



Obendrein möchten wir den USA eine Wirtschaftshilfe in Höhe von jährlich 23 Millionen Dollar anbieten - ein Betrag, der ungefähr den uns gewährten Handelserleichterungen entspricht - um ihnen ein Training zu verpassen in Sachen Menschenrechte, ein Training, das ihnen helfen wird, Attacken auf die Privatsphäre von Individuen ebenso zu unterlassen wie außergerichtliche Hinrichtungen und sonstige Handlungen, welche die Menschenwürde verletzen.
Bum. Perfekt abgeschmettert. Das zischende Geräusch des durch die Luft zurückfliegenden Stück Drecks ist förmlich zu hören. Wie eine virtuose einhändige Rückhand auf dem politischen Court. Ich liebe es. Und möchte wetten, der Minister fühlt sich großartig.


Sonntag, 17. März 2013

Angepisst


"Diese Aktion ermöglicht die Rettung von 8.000 Arbeitsplätzen in der Bankenindustrie und gewährleistet die Liquidität der Banken."
Nicos Anastasiades, Ministerpräsident von Zypern, 16. 03. 2013
Übersetzung:
Um die Banken zu retten, ziehen wir die Sparer über den Tisch und konfiszieren deren Bankguthaben. Fühlt euch angepisst.


* Der Manneken Pis, Brunnenfigur eines urinierenden Knaben, ist eines der Wahrzeichen von Brüssel. Ganz recht: ein Wahr-Zeichen.

Dienstag, 5. März 2013

Frische Luft schnappen


Luftverschmutzung verlangsamt das Wirtschaftswachstum in China
- ist aktuell zu erfahren. Vergessen wurde hinzuzufügen, dass das beschleunigte Wirtschaftswachstum in China die wachstumshemmende Luftverschmutzung auf dem Gewissen hat.


Schlechte Nachrichten. Doch die japsende Bevölkerung kann aufatmen: Frischluft ist bereits im Anzug, allerdings nur für den, der sie sich leisten kann. Zur Beschleunigung des chinesischen Wachstums und Verbesserung der individuellen Luftqualität verkauft ein findiger Millionär - und, laut Selbstauskunft: Umweltschützer und Philanthrop - frische zentralchinesische Bergluft, die er in Dosen mit praktischem Clipverschluss abgefüllt hat. Einfach aufreißen, das vertraute zischende Geräusch vernehmen und
"... drei tiefe Atemzüge verschaffen dir gute Stimmung und einen klaren Kopf."
Für 65 Cent die Dose. 

Der Tag ist nicht fern, wo in den Großstädten riesige Gasometer stehen werden zur Speicherung von Frischluft, die - von selbstverständlich privatisierten Frischluftversorgungsbetrieben - zu marktüblichen Tarifen an den Luftkonsumenten verkauft werden. Bis es so weit ist, warten wir schnappatmend auf die kommerzielle Einführung von portioniertem Tageslicht in praktischer Einwegverpackung. Oder vielleicht doch besser mit Pfandsystem. Ist umweltfreundlicher. 
Und beschleunigt das Wachstum.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Vermummungsgebot


Tja, dumm gelaufen. Irgendwie. Mitunter ist es halt kein Zuckerschlecken, Mitglied der herrschenden Klasse zu sein, jedenfalls nicht überall. Zum Beispiel in Athen. Dort darf sich derzeit keiner einbilden, er würde automatisch zum Sympthieträger beim gemeinen Volk, bloß weil er so gekleidet durch die Gegend rennt:

***
- denn es könnte sich ja um ein Exemplar jener zahlreichen Troika-Platzhirsche handeln, die durch die griechische Hauptstadt promenieren, um das Land Austerität und Mores zu lehren - im universal-bürokratischen Business-Habit. 

Und weil, erstens, diese Spezies sich beim Durchschnittsgriechen nicht allzu großer Beliebtheit erfreut und sich, zweitens, Bombenanschläge auf Troika-freundliche Institutionen in Athen häufen, musste dringend etwas getan werden - zum Schutze der gefährdeten Troika-Gehilfen. Also jener Antipathieträger, die sich herzlich wenig um den Schutz der Überlebensinteressen des durch Austeritätsreglementierung gefährdeten Durchschnittsgriechen scheren.

Neueste Anweisung von ganz oben (Hauptsitz Brüssel): Ab sofort wird Tarnkleidung angelegt! Ab sofort rennt keiner von euch mehr im verdachterregenden globalen Business-Outfit durch Athen! Ab sofort kehrt ihr eure missliebige Identität unter den Teppich und betreibt verdeckte Ermittlungen! 
Wie? So:
Tragt schäbige Klamotten, vermeidet teure Krawatten und Manschettenknöpfe. Sollten eure Haare auffällig getönt sein, tragt lieber Kappen oder Filzhüte.
Banggg! Was für ein herber Schlag gegen den Berufsstolz jener Euro-Handelsreisenden, die es bis zur mittleren Managementebene der oberen Klasse geschafft haben; jener Ebene, auf der bekanntlich Kleider Leute machen, der Designerschlips den erfolgreichen Status signalisiert und die blinkenden Manschettenknöpfe das aufgepumpte Ego liebkosen. 

Das soll jetzt alles eingemottet werden? Und das stromlinienförmige Ego - Gott erbarme sich seiner! - sich schäbig einkleiden auf gammeligen Flohmärkten und in ärmlichen Second-Hand-Läden? Filzhut auf die Fönfrisur? Schäbiger Schlabberlook als Täuschungsmanöver? Arme-Leute-Camouflage im Dienste der Austeritätsdiktates? 

Tja, dumm gelaufen, irgendwie. Harte Zeiten für harte Troika-Jungs. Da müsst ihr durch, und wenn euch die Steine reihenweise aus der Krone und die Manschettenknöpfe in die Gosse fallen. 

Ansonsten wünsche ich aus tiefstem solidarischem Herzen jedem verarmten Griechen in abgetragenen Klamotten, dass er künftig nicht unfreiwillig Opfer des Brüsseler Etikettenschwindels und mit einem Undercover-Troikaner verwechselt werden möge. Die bürgerkriegsähnlichen Folgen wären unabsehbar.


*** Bildquelle: 
Die sehr empfehlenswerte Website ECONOMY, "an exhibition project that aims to generate constructive public discussion on how the economy impacts upon life. It addresses issues that range from migration, labour, sexuality and the crisis of democracy to the quest for alternative futures."
via anticap

Mittwoch, 28. November 2012

Geh, wohin dein Hintern dich trägt


Mir wackelt der Hintern vor Lachen. Der Hintern, das ist jenes Gebilde, was irgendwo hinten am Körper angebracht ist. Daher der Name. An anderen Menschen nagen dahingehend leise Zweifel:
... nach einem Tag wie heute weiß ich nicht mal mehr, auf welcher Seite meines Körpers der Arsch angewachsen ist.
Ist das herrlich oder nicht? Es ist nicht herrlich, es ist oberherrlich. Eins steht fest: Der Mann, der dies bekennt, hat einen Arsch in der Hose, völlig wurscht, wie herum er seine Hose trägt. Aus letzterer lässt er zum Thema "Was ist Zivilisation?" ein "kurzes, eher tonloses WTF?" entweichen, welches sodann, sprachlich angereichert, den Raum mit herrlich dicker Luft füllt:
Einerseits möchte ich damit meiner Begeisterung über die Courage und Vernunft erheblicher Teile der ägyptischen Bevölkerung Ausdruck verleihen. Nachdem der von unserer (zivilisierten, westlichen) Seite viel beachtete Arabische Frühling den Ägyptern schlussendlich, wenn man die aktuellen Gesetzesinitiativen betrachtet, auch nur einen neuen GRÖFAZ-Kandidaten beschert hat, gehen die doch glatt wieder auf die Straße! Anstatt sich wie normale (zivilisierte, westliche) Menschen ins winterliche finstere Kämmerlein zurückzuziehen und ausgiebig die allgemeine Sinnlosigkeit jeden Protests zu beweinen, fangen die einfach an wieder zu protestieren. Wenn wir davon schon nichts lernen wollen, dann sollten wir uns wenigstens anständig schämen.
Genau dasselbe dachte ich heute, als ich das sah:



- hielt es jedoch nicht für nötig, etwas darüber zu schreiben, weil, ja, wieso eigentlich? Ich fürchte fast, in mir war so ein degenerierter westlich-zivilisierter Impuls am Werk nach dem Motto 'bringt ja eh nix, lass es bleiben'. Also ließ ich es bleiben, ohne weiteres Reflektieren, zu welchem mich jetzt - verspätet, aber immerhin - der Mann mit dem Arsch in der Hose angeregt hat. Schämen tu ich mich auch ein bisschen, um genau zu sein: anständig.

Gottlob verschafft dieser Kerl seinen ketzerischen Gedanken weiterhin Luft:
Bei uns (zivilisierten, westlichen) Staatsbürgern hingegen tobt ein Sturm im Wasserglas Furz im Schnapsglas, weil die Bundesregierung einen von ihr selbst in Auftrag gegebenen Bericht, in dem so oder so nichts steht, was nicht jeder seit Jahren wüsste - so es denn jemanden interessierte - so überarbeitet hat, dass er zum offiziellen Regierungsnarrativ passt. Welch vollkommen unvorstellbar ekelerregender Verrat an allen humanistischen Idealen der letzten 25.000 Jahre! Jemand gibt einen Bericht in Auftrag und verlangt dann, dass darin nur das formuliert wird, was er dort auch lesen will!
Was ist das für ein Land, in dem der Skandal nicht darin besteht, über Jahre hinweg und unter Mitwirkung aller Parteien, aktiv steuernd immer größere Teile der arbeitsfähigen Bevölkerung in immer schlechter bezahlte Niedrigstlohnarbeit zu drücken, währen die Vermögen und "Einkommen" der stetig abnehmenden Zahl der wirklich Wohlhabenden sich in immer exorbitantere Höhen aufschwingen, sondern absurderweise darin, dass jenes Gremium, das genau diese Entwicklung seit Jahren im vollen Licht der Öffentlichkeit mit allem Nachdruck betreibt, eine "kritische" Berichterstattung darüber nicht veröffentlichen mag.
Egal, auf welcher Seite seines Körpers dieses Mannes Arsch angewachsen ist, eins steht fest: Er hat das Herz auf dem rechten Fleck und das Gehirn dort, wo es hingehört. Und bringt mich mit beidem zum Lachen und gleichzeitig zum Schämen: ein Volltreffer.
Die Ägypter haben ein echtes Parlament und eine vernünftige, demokratisch agierende Regierung verdient.
Und wir?
Und wir haben schon, was wir verdienen.
Noch ein Volltreffer. Befund: Herz, Hirn und Hintern an genau der richtigen Stelle. Ohne jeden Zweifel. Herrlich, das.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Sturmwarnung


Vor der amerikanischen Nordostküste braut sich ein gewaltiger Hurrikan zusammen. Er hört auf den niedlichen Namen "Sandy", wird jedoch vom Volksmund - im folkloristischen Vorgriff auf die Halloweensaison, in die der Orkan volles Rohr hineindonnern wird - schaurigschön als "Frankenstorm" bezeichnet.

Experten sehen mit Sandy den "perfekten Sturm" im Jahrhundertmaßstab heraufziehen, weil er, Richtung Norden tobend, von einem extrem starken Tiefdrucksystem aus Kanada potenziert und obendrein von einem fetten Vollmond flankiert wird (Sturmflutrisiko).

Genug gefachsimpelt. Am meisten beschäftigt jetzt die Leute natürlich, an welcher Stelle der freakige Frankenstorm mit voller Breitseite zuschlagen wird. So viel steht fest: Sandy hat das Potential, ein "3,2-Milliarden-Dollar-Desaster" zu entfesseln. Die Frage ist nur: wo genau? Fest steht ebenfalls, dass der Süden Manhattans (New York City) besonders exponiert ist und als hochgefährdete Zone gilt, was wiederum die desaströse Phantasie des Künstlers Colonel Flick alias William Banzai entfesselt und zu einer schaurigschönen Sturmwarnung veranlasst hat:


Samstag, 13. Oktober 2012

Schwaben rockt


Ein fetter Soundtrack am Samstagabend ist nicht zu verachten. Voilà: 14 Minuten allerbeste Unterhaltung, zum Beinehochlegen und mit hohem Popcornfaktor und irgendwie sensationell. 14 Minuten lang, in allen Tonlagen! Diese Schwaben, unglaublich. Brüllen und buhen und stänkern mit anschwellender Lautstärke und wachsender Begeisterung stur durch bis zur letzten 14. Minute. Herrgottsakra, glaubsch des? Schier net.

Viel mehr als Brüllen und Buhen passiert eigentlich nicht, weil die Bundeskanzlerin nicht so recht zum Zug kommt - was soll sie machen, wenn die Leute eine geschlagene Viertelstunde lang Krach schlagen. Aber gerade das macht das Filmgucken so phänomenal entspannend. Es passiert sonst nichts weiter. Nur halt dieser fette Schwabensoundtrack.

Frau Merkel hat ja zwischenzeitlich - nachdem sie wieder auf sicherem deutschen Boden gelandet war - verlauten lassen, wie sehr sie sich "über den freundlichen Empfang in Athen gefreut" habe. Tja. Ob etwas freundlich rüberkommt oder nicht, ist halt immer eine Frage der Hör- und Sichtweite und somit der Wahrnehmungsstörungen. Wie es aussieht, hat sie sich heute in Stuttgart gar nicht gefreut. Also, wirklich überhaupt kein bisschen gefreut. Um genau zu sein, Merkel hat sich geschlagene 14 Minuten lang nicht ein einziges Mal kein allerkleinstes Bisschen gefreut.

Und deshalb, wie gesagt, gute Unterhaltung.



Mittwoch, 8. August 2012

Trag' den Müll raus


Mit jedem Tag füllt sich die Europa-Mülltonne schneller. Die schlechten Gerüche drohen zum Alltagsklima zu werden. Wenn das so weitergeht, werde ich künftig den Müll mehrmals täglich raustragen müssen, sonst helfen nur noch Mundschutz und zugehaltene Nase.

Jean-Claude Juncker, Chef des Eurogruppenfinanzminster-Klüngels, hat mal wieder zugeschlagen. Sein Thema war der zur Zeit allseits sehr populäre Grexit, also der Austritt Griechenlands aus der Eurozone:
"Aus heutiger Perspektive wäre er zu bewältigen, aber das bedeutet nicht, dass er zu wünschen ist," sagte Juncker dem Westdeutschen Rundfunk.
Schon klar. Kennt man ja. Wir könnten, wenn wir wollten, aber wir wollen nicht. Präpotentes Machogequassel, nicht zu verwechseln mit Impotenz-verschleierndem Drumherumgerede. Warum ist ein Grexit aus Sicht jenes Mannes, der einmal gesagt hat: "Wenn es ernst wird, muss man lügen", nicht wünschenswert? Darum:
"Weil er (der Grexit) besonders die normale Bevölkerung in Griechenland signifikanten Risiken aussetzen würde."
Ah. Schon wieder diese üblen Gerüche. Der alte Lügenbold hat, völlig überraschend, sein Herz für die normale Bevölkerung entdeckt. Das geht gewaltig ans Herz, aber noch strenger in die Nase.

Dann wurde er von den WDR-Reportern noch gefragt, ob er einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone kategorisch ausschließen könne? Da ließ sich der flunkernde Juncker nicht lumpen:
"Ja. Zumindest bis zum Ende des Herbstes."
Wenn das keine Perspektive ist! Bis Ende des Herbstes!
Und danach?
"Und danach auch."
Noch Fragen? Danke, nein. Juncker im gewohnt doppelzüngigen Sprechblasenmodus. Die Luft ist verpestet. Ich geh' mal eben den Müll raustragen.

Dienstag, 26. Juni 2012

Pfosten gegen Beton


Mann, ist das spannend. Dagegen kommt kein Fußballspiel
dieser Welt an.

Heute: Vorgezogenes Halbfinale Deutschland gegen Italien.
Die Teamchefs treten zum Duell an.

Merkel (D) so:
"Keine gesamtschuldnerische Haftung in Europa, solange ich lebe!"
Monti (I) so:
"Eurobonds, oder ich trete zurück!"
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der italienische Chefspieler hat das keinesfalls so gemeint, dass er sich von der deutschen Chefspielerin getreten fühlt und sie deshalb zurücktreten wolle. Wäre ja Foul mit Foul gekontert. Obwohl sich Merkels neuester Basta-Superlativ durchaus als "Keine Eurobonds, solange ich lebe!" lesen lässt, mit anderen Worten: Und wenn einer tritt, dann bin ich es.

Nein, gemeint war natürlich die Drohung, er werde den Stecker aus seiner Karriere als nichtgewählter Berufspolitiker ziehen, falls Merkel weiterhin einen auf 'Eurobonds - es geht um Leben und Tod' macht.

Mann, hat das Drama, sind das Auftritte! Die eine spekuliert auf ein frühes Ableben, der andere droht mit baldigem Rücktritt (wie geht das eigentlich, dass einer zurücktritt, der gar nicht gewählt wurde?). Monti zielt aufs gegnerische Tor, Merkel ruft "Pfosten!"

Die, rein logisch resultierende, alles entscheidende Frage: Wird Monti zurücktreten, bevor Merkel, nun, ähm, abtritt? Oder wird der einen Abtritt dem Rücktritt des anderen zuvorkommen?

Unter der Hand werden schon Wetten abgeschlossen, wer als erste(r) tritt, sei es ab oder zurück. Es wird wie wild rauf und runter spekuliert, und wie es heißt, sind die Kurse bereits in Bewegung gekommen. Ein Schiedsrichter muss her. Ein kompetenter. Einer mit Erfahrung und Überblick. Wer könnte für das Amt taugen?

Dumme Frage. Natürlich die, die den Job schon dauernd verrichten:
die Finanzmärkte, wer sonst.

Diplomatie ausgeschlossen


Kennt man ja:

Einladung zu einer flashigen Promi-Party, angesagt sind lauter VIPs, tolle Typen, die Creme der Reichen und Mächtigen, wer wollte da nicht mitfeiern? - und dann stellt sich raus, dass die angeblich ganz große Sause nur von öden, langweiligen Durchschnittspappnasen bevölkert sein wird, statt poppiger Prominenz nur dröge Dutzendware, kurz: die Party ist nicht halb so flashig wie angekündigt, sondern droht zu einer biederen Veranstaltung des Mittelmaßes zu werden. Wie, Flaschen statt flashig? Da kann es dem geladenen Gast, der sich selbst für was Besseres hält, schon mal vergehen, und ihm kommt der Gedanke, dass ein gemütlicher Abend im Kreise der Familie eigentlich auch ganz nett wäre.

Problem nur: Was tun, wenn dieser Gast bereits zugesagt hat? Wie zieht er seinen Kopf aus der Schlinge, wenn alle mit seinem Kommen rechnen, obwohl er selbst gar keine Lust auf Feiern hat? Lösung: krankfeiern, ganz einfach. Kennt man ja. Dafür hat jeder Verständnis. Wer krank ist, feiert nicht. Sondern bleibt zuhause.

Problem nur: dieses Wort, 'krankfeiern'! Wie das schon klingt! Nach Schwänzen, nach Blaumachen, nach 'hey, ich hab' schlicht keinen Bock auf euch!' - irgendwie undiplomatisch. Lösung: Man zieht sich eine "diplomatische Erkrankung" zu. Das klingt doch gleich viel besser, jedenfalls in den besseren Kreisen.
Der Bankier Vasilis Rapanos, der zum Finanzminister der neuen Regierung in Griechenland designiert war, hat seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen erklärt.
Rapanos, das ist dieser griechische Banker, der rechtzeitig vor seiner Vereidigung als Minister an Ort und Stelle, nämlich im Ministerium, spontan in Ohnmacht fiel, vermutlich weil ihm die Lust auf die Macht oder aufs Feiern vergangen war. Seinen Rücktritt gestern abend begründete er mit seiner angeschlagenen Gesundheit, sowie, natürlich, dem fachkundigen Rat seiner Ärzte, er bedürfe dringend der Ruhe und der Schonung.

Und jetzt kommt's:
Eine "diplomatische" Erkrankung ist auf jeden Fall ausgeschlossen,
- ey, dass ihr bloß nicht denkt, der macht einfach blau und hat keinen Bock! Der ist echt krank, drum macht ihr bitte keine undiplomatischen Witze,
zumal die chronischen Gesundheitsprobleme des Bankiers kein Geheimnis darstellten.
- sondern stellt euch lediglich die Frage, wieso der Bankier unbedingt Finanzminister werden wollte, wo er doch über seine chronischen Gesundheitsprobleme bereits im Vorfeld im Bild gewesen war/sein musste/sein müsste/sein hätte sollen?, wie auch immer, wir wollen das jetzt nicht auf die Goldwaage legen, denn in Korinth kackt einer leicht daneben.

Also, wieso blieb er nicht von vorneherein der Party fern? Siehe oben: weil er sich die Party anders vorgestellt hatte. Bisschen illustrer. Bisschen mehr hochkarätige Gäste von seiner hochkarätigen Art:
Kabinettsmitglieder gestehen allerdings ein, die bekannt gegebene Zusammensetzung der Regierung habe Vasilis Rapanos überrascht und verstimmt, da er die Zusagen bezüglich der Berufung konkreter Personen bzw. "hochkarätiger" Technokraten wie Georgios Zanias, Giannis Strournaris und Tasos Giannitsis in den Wirtschaftsstab der neuen Regierung erhalten haben soll, von denen jedoch schließlich niemand eingesetzt wurde.
Verständlich, dass dem Ex-Finanzminister-in-spe das Fernbleiben seiner hochkarätigen Technokraten-Buddies auf den gesundheitlich eh schon angeschlagenen Magen geschlagen, ihn also "überrascht und verstimmt" hat.

Daher ja auch der medizinisch eindeutige, diplomatisch korrekte Fachbegriff Magenverstimmung. Bekanntlich eine der häufigsten psychosomatischen Erkrankungen. Darauf einen diplomatischen Ouzo zur Verdauung.

Dienstag, 19. Juni 2012

Wir wollen Blut sehen


Man könnte ja denken, jetzt sei erst mal für ein paar Tage Ruhe. Jetzt, wo die Wogen sich geglättet haben. Jetzt, wo die blutsaugende europäische (also deutsche) Führungselite sich beruhigt zurücklehnen könnte, weil sie weiß, dass die alte griechische Garde (Nea Democratia) wieder am Ruder sitzen wird und sie diesen linken Störenfried namens Syriza endlich vom Hals hat. Vorerst zumindest.

Also denkt man, jetzt ist erst mal Verschnaufpause an der Front. Einfach mal Ruhe. Nur für ein paar Tage. Oder wenigstens für einen Tag, einen einzigen Tag! Ist das zu viel verlangt? Ja, das ist zu viel verlangt. Denn Blutsauger geben niemals Ruhe. Solange das Tier noch zuckt, gibt es noch etwas zu saugen, da darf keine Zeit verloren werden. Wo doch jetzt schon so viel Zeit mit diesen lästigen demokratischen Prozeduren, sprich Wahlen, verplempert wurde.
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sagt, Griechenland müsse jetzt die Verzögerungen infolge der Wahlen wiedergutmachen.
"Es liegt auf der Hand, dass wir während dieser Wahlkampagne Zeit verloren haben. Darum ist es umso dringlicher, nun schnell eine Regierung zu bilden."
Und zwar dalli, Herr Samaras, glauben Sie bloß nicht, Sie hätten bei uns einen Stein im Brett, nur weil Sie so ein willfähriger Typ sind. Woher wir das wissen? Na, aus Erfahrung, Sie wissen schon. Also kommen Sie mal schleunigst in die Puschen und tun Sie, was wir Ihnen sagen, klar?

Derweil treffen sich die G-7 zu einem entspannten (aufatmen, Griechenland hat gewählt!) Meeting im mexikanischen Badeort Los Cabos.
Die Finanzchefs der 'Group of Seven' begrüßten die europäische Unterstützung für die nächste griechische Regierung. Das G-7-Kommuniqué erfolgte im Vorfeld des G-20-Gipfeltreffens im mexikanischen Badeort Los Cabos, wo sich die Weltführer (world leaders) treffen, spürbar erleichtert darüber, dass die Befürworter eines IMF- und EU-Bailouts eine entscheidende griechische Wahl gewonnen haben.
Ah ja. Wer hat noch mal die griechische Wahl gewonnen? Richtig, die Befürworter, oder sagen wir doch gleich: die EU und der IMF, und zwar wohlverdient, haben ja schließlich genug in ihre Propagandafeldzüge investiert, da muss dann am Ende schon was rumkommen, man will sich ja nicht umsonst in die Hysteriekurve gelegt haben, und jetzt hat man die Marionette Samaras da, wo man sie haben wollte. Am Schlafittchen. Weiterhin kommuniziert das Kommuniqué:
"Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der nächsten Regierung von Griechenland und glauben, es ist in unser aller Interesse, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, solange es seine Verpflichtungen respektiert."
Interessant. Griechenland darf bleiben, "solange es seine Verpflichtungen respektiert". Moment mal, hatte nicht die Marionette es zum zentralen Gegenstand ihres Wahlprogrammes erklärt, die Bailout-Richtlinien neu verhandeln zu wollen? Und genau deshalb Wählerstimmen gewonnen? Oder wie war das? Egal. Marionette bleibt Marionette, Führer bleiben Führer.
Die Eurogruppe der Finanzminister unter Vorsitz von Juncker "freut sich auf eine rasche neue griechische Regierungsbildung, die Verantwortung zeigt gegenüber dem Regulierungsprogramm, zu dem sich Griechenland und die Eurogruppe zu Anfang des Jahres verpflichtet haben."
Neu verhandeln? Ach was. Was schert uns das Geschwätz der gestrigen Wahlkampagne, heute ist ein neuer Tag, und da wollen wir Ergebnisse sehen.
"Die Eurogruppe erwartet die Rückkehr der Troika-Institutionen nach Athen, sobald eine neue Regierung in Kraft gesetzt ist", fügte Juncker hinzu. Ziel dieses Besuches sei "ein Meinungsaustausch mit der neuen Regierung auf dem Weg nach vorne sowie eine erste Überprüfung des zweiten Regulierungsprogrammes."
Klingt weniger nach Neuverhandeln, eher nach Krallenausfahren. Dabei gab sich die Eiserne Kanzlerin zunächst ganz schmusig, als sie die Marionette an der Strippe hatte, gestern abend, bevor sie in den mexikanischen Badeort jettete. Herzlichen Glückwunsch für das gute Wahlergebnis!, hat sie in den Hörer gesäuselt, bevor sie hinzusetzte:
"Gleichzeitig sagte sie, sie erwarte, dass Griechenland an seinen europäischen Verpflichtungen festhalte."
- und ergänzte, sich freue sich bereits jetzt auf den Meinungsaustausch.


Freitag, 8. Juni 2012

Frischluftzufuhr


Tut mir leid, ich greife jetzt zur Selbsthilfe. Aus blanker Notwehr.

Gegen all diese abgetakelten Polit-PR-Kracher, diese luschigen Feuerwerkskörper, die mit großen Geheul starten und irgendwann pfrrt! machen, diese lärmenden Verbalgeschosse, die mit zunehmender Geschwindigkeit und in exponentiell wuchernder Frequenz Umwelt wie Lebensqualität mutwillig verpesten, diese hyperventilierend abgehusteten Schlammbrocken, in alle Himmelsrichtungen geschleudert; und während all diese verschossenen Schadstoffrhetorikhülsen mitsamt ihrem kontaminierenden Restinhalt am Boden herumgammeln und sich türmen und stapeln und haufenweise zum Himmel stinken, kommt von oben unverdrossen Nachschub, wird täglich neu fabrizierter Wortdung durch die Luft geschickt, wird geblaht und gebläht ohne Ende und weit und breit kein Rettungsschirm gegen frei herumfliegende Dungbrocken und nie war der Wunsch nach freien Radikalen stärker.

Zum Frühstück gab's gequirlten rechtsdrehenden Merkelquark von unbegrenzter Haltbarkeit, gestreckt mit kuhäugig dreinblickendem Schafskäse zur leichteren Verdaulichkeit; der kommt ab sofort jeden Morgen auf den Tisch und wird dem Eurovolk so lange in den Hals gewürgt, bis er darin steckenbleibt und keiner mehr papp sagen kann oder will oder darf.
Wir sagen, wir brauchen mehr Europa. Wir brauchen nicht nur eine Währungsunion, sondern wir brauchen auch eine so genannte Fiskalunion, also mehr gemeinsame Haushaltspolitik. Wir brauchen vor allen Dingen auch eine politische Union. Das heißt, wir müssen Schritt für Schritt im weiteren Verlauf doch auch Kompetenzen an Europa abgeben, Europa auch Kontrollmöglichkeiten einräumen.
Teller leer essen, Kinder, und Kompetenzen abgeben. Weil sonst - ihr wisst ja! - sonst die Mutter blicket stumm um den ganzen Tisch herum, und dann wird's uncool beim Frühstücken. Also rein mit dem geblahten Blähstoff, zum Pupsen könnt ihr raus auf den Balkon gehen, weil, in unserem Haus herrscht ein sauberer deutscher Haushalt mit einer ordentlichen deutschen Haushaltspolitik, an der sich alle - alle! - eine Scheibe abschneiden können oder vielmehr dürfen, und wenn sie nicht wollen, dann müssen sie halt. Basta.

Es fliegt, von allen Seiten, der Dung frontal entgegen, pfeift übelriechend um die Ohren, fällt mit hässlichem Platschen auf den Kopf und man weiß nicht recht, warum der Begriff 'Fäkalunion' sich nachhaltig im vegetativen Gedächtnis einnisten möchte. Während die eine Hand schützend vors Gesicht gehalten wird, greift intuitiv die andere zur neuerdings im stand-by bereitliegenden Verdauungshilfe und fängt schon mal an zu übersetzen:
Wir sagen, wir brauchen mehr Deutschland. Wir brauchen nicht nur eine Währungsunion, sondern wir brauchen auch eine so genannte Fiskalunion, also mehr gemeinsame Haushaltspolitik. Wir brauchen vor allen Dingen auch eine politische Union. Das heißt, wir müssen Schritt für Schritt im weiteren Verlauf doch auch Kompetenzen an Deutschland abgeben, Deutschland auch Kontrollmöglichkeiten einräumen.
Na bitte, geht doch. Bisschen unsanft, aber dafür völlig flatulenzfrei. Und jetzt raus auf den Balkon. An die frische Luft.

Montag, 28. Mai 2012

Katzenjammer


Ich bin ja sonst nicht so der Katzencontenter.
Aber der muss sein:


Donnerstag, 24. Mai 2012

Dr. rer. nat. No


Ein Lacher am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen:
BRÜSSEL - Der französische Präsident Francois Hollande glaubt, eine Lösung für die Eurokrise gefunden zu haben:
Der Name ist Bonds. Euro Bonds.

Aber Angela Merkel spielt weiterhin Dr. No.
Ha ha ha.

Vorläufiges Fazit: Merkel bleibt ungerührt. Wird aber geschüttelt.

Kleine Referenz an den Plot:
(Der fanatische Wissenschaftler) Dr. No bietet Bond, von dessen Fähigkeiten er beeindruckt ist, an, in seiner Verbrecherorganisation mitzuarbeiten.
Ha ha.

No no.

Mais oui.


Mittwoch, 16. Mai 2012

Spiel mir den Apocalypso


Eine alte Politikerweisheit besagt, dass es nichts gibt, was nicht noch steigerungsfähig wäre.

Zwar haben sich alle maßgeblichen Schwallköpfe der Euro-Elite schon gegenseitig übertroffen beim Ausmalen der unvorstellbar verheerenden Apokalypse, die ein Austreten Griechenlands aus der Eurozone (kurz und griffig: Grexit) unweigerlich nach sich ziehen würde. Jedoch, wie jeder echte Politiker weiß, muss das Volk, um es gefügig zu machen, mit allen Mitteln im Zustand akuter Panik gehalten und darum mit stets neuen Horrorszenarien bombardiert werden.

Ich finde, allmählich ist es Zeit für ein Apocalypso-Rating:
Wer wird auf *AAA* hochgestuft?
Wer zieht die *Alarmierendste Apokalyptische Angstvision* aus dem Hut?
Wer macht das Rennen?

Auftritt Michalis Chrysohoidis.
Der griechische Politiker ist derzeit mächtig auf der Apocalypso-Gewinnerspur. Als Minister für Zivilschutz hat er erst jüngst Furore gemacht mit seinen neuen Internierungslagern für illegale Immigranten. Als Minister für Zivilschutz zeigt er jetzt, dass er sein Amt ernst nimmt, er seine Bürger auf Teufelkommraus schützt, indem er sie zu Tode ängstigt, und was er so drauf hat in Sachen *AAA* - im Falle eines Grexit sieht der Zivilschützer sein Land im düsteren Schlund eines Bürgerkrieges versinken:
"Mit Kalashnikovs bewaffnete Banden werden die Oberhand gewinnen, und am Ende gewinnt derjenige, der die meisten Kalashnikovs besitzt ... wir werden im Bürgerkrieg enden."
Auch dieser Horrortrip (*AAA*, pfft, peanuts) lässt sich noch toppen (wozu gibt es das Vier-Sterne-System *AAAA*? Alarmierendste Apokalyptische Angst- und Alptraumvision!): Möglicherweise wird, im Falle eines Grexit, der Planet Erde sich wie ein einziger gigantischer, rächender Vulkankrater öffnen, glühend heiße Lava und mit rhetorischen Kalashnikovs bewaffnete Politiker ausspucken, die Griechen allesamt verschlingen und sie eines grausigen Todes sterben lassen.

Und das mit dem Bürgerkrieg - na ja, auszuschließen ist der nicht. Nur weiß ich nicht, ob es dazu eines Grexit bedarf. Vielmehr neige ich fast zu dem Eindruck, das Gegenteilige - nämlich das krampf- und zwanghafte Aufrechterhalten des zerstörerischen Status quo in Griechenland - könnte dazu taugen, einen zünftigen Bürgerkrieg zu triggern. Es bleibt spannend.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Leberwurst-Sortiment


Wenn alle Koalitionsverhandlungs-Stricke reißen, spielen Beteiligte gern die beleidigte Leberwurst.



Nein, damit ist nicht der rechts auf dem griechischen Koalitionsverhandluns-Sofa thronende, verknautscht wirkende PASOK-Parteichef Venizelos (links: Alexis Tsipras, der wohlgemut wirkende Vorsitzende der Koalition der Radikalen Linken Syriza) gemeint.

Vielmehr hat die derzeit deutlich verstimmte Troika aus EU, EZB und IMF gestern ihren für Mitte Mai angekündigten Besuch in Athen schmollend abgesagt. "Es wurden keine neuen Verabredungen getroffen." Aus der Schmollecke ließ "man" säuerlich verlauten, "man müsse wohl die politischen Entwicklungen in Griechenland abwarten".

Getretene Schlipse, wohin man schaut: Der rechts-konservative ND-Parteichef Samaras brach die Verhandlungen mit Tsipras bereits nach rekordverdächtigen 15 Minuten ab. Mit den vergrätzten Worten, er würde ja großzügig über eine Regierungsbildung verhandeln - schließlich ginge es um die "nationale Sicherheit" -, aber nur, wenn sich alle Beteiligten weiterhin der Troika an den Hals würfen, beziehungsweise sich deren Forderungen unterwürfen (also exakt das Gegenteil von Tsipras' politischer Verhandlungsposition), machte Samaras sich vom Sofa, dabei leberwurstelnd: "Mit mir nicht!"

Nicht fehlen durften die gebetsmühlenhaft wiederholten Mantras der im Dauer-B.L.(Beleidigte-Leberwurst)-Modus befindlichen deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die mal wieder "betonte", an ihrer Haltung gegenüber Griechenland habe sich nichts geändert: Das Land dürfe ja ihretwegen gern in der Eurozone verbleiben, müsse aber, komme was wolle, an den strengen Auflagen der Troika festhalten und damit basta. Je starrer sich die deutsche Dompteuse an ihrer Haltung festklammert, desto elastischer scheinen die Griechen das mit dem Festhalten zu sehen. Und damit noch lange nicht basta, Frau Merkel.

Hochgradig beleidigt auch die Reaktion aus dem deutschen Kanzleramt auf den von Alexis Tsipras geäußerten Wunsch, sich mal mit der dortigen Amtsinhaberin zu treffen: Das vermessene Ansinnen des kontaktfreudigen Jungpolitikers wurde in den Staub getreten mit der vor Leberwurstfett triefenden Absage: "Die Kanzlerin trifft sich nur mit Staatsoberhäuptern und Regierungschefs." Wie heißt es immer? Beleidigte Leberwürste soll man so lange im eigenen Saft schmoren lassen, bis sie von allein platzen. Oder so.

War noch irgendwer beleidigt? Ach ja, richtig, die Finanzmärkte natürlich, aber das ist nun wahrlich nichts Neues. Das Eingeschnapptsein ist bei denen bekanntlich zum Dauerzustand geworden: Anders als bösartig zu knurren und mit gefletschten Zähnen nach demokratisch gewählten griechischen Hosenbeinen zu schnappen können die ja gar nicht mehr.

Gibt es eigentlich noch jemanden, der nicht beleidigt ist? Ich glaube fast, ja. Weil, wenn nicht alles täuscht und kein intriganter photoshoppender Anti-Euro-Bösewicht am Werk war, macht der Linke auf der linken Bildseite einen erfrischend unbeleidigten Eindruck. Während eines Päuschens inmitten des Verhandlungsmarathons hat er mal eben vom Sofa runter kurz getwittert:
"Die beiden (bisherigen) Koalitionsparteien prügeln unablässig auf uns ein mit der Gefahr, die uns drohe, wenn wir aus dem Euro aussteigen - ohne zu erwähnen, dass ihre Politik uns 75 Milliarden Euro gekostet hat!"
Heute geht's weiter auf dem Sofa. In Echtzeit zu verfolgen auf dem Athens News Live Blog, so informativ wie unterhaltsam.

Dienstag, 8. Mai 2012

Testfall Griechenland


Meine Güte. Die lassen aber auch nichts anbrennen. Diese EU-Kraken. Pardon, diese EU-Technokraten, wollte ich sagen.

Kaum hat sich der Rauch über Griechenlands Wahlurnen verzogen, lässt sich die "EU-Task Force für Griechenland" unter deutscher Leitung (Horst Reichenbach, Prädikat: "beinhart") in Athen häuslich nieder: Noch in dieser Woche wird die Spezialeinheit der Europäischen Kommission ein provisorisches Quartier beziehen in der Athener Innenstadt. Wieso provisorisch? Keine Ahnung, vermutlich, weil es ihnen brandeilig ist.

Nun könnte man blauäugig dagegenhalten, dass es derzeit kaum einen Platz auf der Welt gibt mit mehr leerstehenden Büro- und Geschäftsgebäuden als im krisengeschüttelten Athen; es mithin ein Leichtes für die Brüsseler Eingreiftruppe sein dürfte, adäquate Büroräume für den dauerhaften Bezug zu finden. Schließlich will das EU-Einsatzkommando ja sesshaft werden in Athen, um die anstehenden "Reformmaßnahmen zu überwachen", weshalb geplant ist, die momentane Truppenstärke von zehn in kürzester Zeit auf 40 Task-Force-Funktionäre aufzustocken. Und da können die in Athen kein dauerhaftes Domizil für ihre Überwachungstätigkeit finden?

Falsch. Die wollen anscheinend keines finden. Zumindest nicht zum jetzigen, brandeiligen Zeitpunkt. Vielmehr hat sich die Task Force mal eben im Hauptquartier der griechischen Energieverwaltung (RAE) eingenistet. Vorübergehend, wie gesagt, angeblich.

Wie zu hören ist, sind die griechischen Angestellten der Energieregulierungs-Behörde über die neuen Mitbewohner not amused. Um genau zu sein, sie sind stinksauer ("vehement opposition"). Weil sie, erstens, nicht die geringste Lust haben, ihre Büros mit Repräsentanten der Auslandsgläubiger Griechenlands zu teilen; zweitens, weil sie befürchten, dass ihre griechischen - womöglich noch stinksaureren - Mitbürger in einer Aufwallung kollektiven Unmutes zum Angriff blasen und den ungebetenen EU-Logiergästen zuleibe rücken könnten. Handgreiflich, versteht sich. Was wiederum verständlich ist, denn von der deutschen Truppenleitung stammt das denkwürdige Statement (im Zusammenhang drastischer Haushaltskürzungen), in Griechenland "werden die Grenzen ausgetestet, wieviel die Leute bereit sind hinzunehmen". Und so einen Typen samt Tross hat man halt nicht so gern als Untermieter bei sich.

Nun könnte man blauäugig fragen, wieso die Truppenleitung so blauäugig ist, in ein Gebäude voller feindlich gesonnener Griechen zu ziehen? Und das Risiko eingeht, von noch feindlicher gesonnenen, wehrhaften griechischen Mitbürgern einen auf die Mütze zu kriegen? Tja, wieso bloß? Ich kenne mich mit taktischer Kriegsführung zwar nicht besonders gut aus, habe aber meine sieben Zwetschgen beieinander und kann zwei und zwei zusammenzählen. Antwort also: Eben drum.

Weil, die wären ja schön blöd, wenn sie ein leerstehendes Bürogebäude beziehen, ein Schild "EU-Task Force für Griechenland" an die Tür nageln und damit freie Angriffsfläche bieten würden. Sie wären dem inländischen Feind schutzlos ausgeliefert und würden spätestens am dritten Tag gnadenlos genagelt werden. Ist doch viel cleverer, inmitten der Tarnung einer griechischen Behörde zu operieren. Nicht umsonst haben feindliche Truppen seit jeher gern Quartier in Schulturnhallen und Krankenhäusern bezogen. Weil sich da keiner so schnell traut zuzuschlagen. Prinzip der Manndeckung, kennt man ja.

Mann Mann Mann. Und so was nennt sich Task Force.
Denen muss der Hintern ganz schön auf Grundeis gehen.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Explosionsgefahr


... und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt:


Die irische Volksabstimmung zum europäischen Fiskalpakt naht mit Riesenschritten (Ende Mai). Proportional dazu steigt die Angst in Regierungskreisen vor einem mehrheitlichen Nein des abstimmenden Volkes. Was tun Regierungen, wenn sie es mit der Angst zu tun kriegen? Das, was sie in solchen Fällen immer tun: Sie machen dem Volk Angst. Mit seismographischer Sicherheit kann man sich darauf verlassen: Wird eine Angstkampagne gefahren, hat die Regierung die Hosen voll. Und zwar gestrichen.

Um einen Blick in den Füllstand der irischen Regierungsbeinkleider zu werfen, genügt ein Blick in die irische Tageszeitung Independent, die sich mit der Kampagnenstrategie der Regierungspartei beschäftigt und deren Kampagnendirektor zitiert:
"Der Regierung wäre es lieber, das Referendum zu gewinnen, indem sie nett zu den Wählern ist; aber nötigenfalls können wir auch eine andere Gangart einlegen."
Andere Gangart?
"Sollte sich herausstellen, dass die Kampagne nach der ersten Woche nicht gut funktioniert, werden wir die Angst-Einjager ("the frighteners") auf die Öffentlichkeit loslassen und so richtig Klartext reden."
Klartext: Leute, wir machen einen auf nett, aber wir können auch anders - wenn ihr bis Ende dieser Woche nicht auf unseren Zug aufgesprungen seid, werden wir nächste Woche richtig fies!

Was bezüglich des Hosenfüllstandes der Regierung nur den Befund zulässt: gestrichen voll. Mit anderen Worten:
... eine Schlüsselstrategie bei der Kampagne von Fine Gael (Regierungspartei in Irland) wird darin bestehen, die Angst-Einjager auf die Wähler anzusetzen, sollte sie (die Partei) eine reale Gefahr befürchten, dass das Referendum verloren wird.
Man weiß nicht recht, wovor man mehr Angst haben soll: Davor, dass Europa in die Luft oder die zum Bersten vollen Hosen der europäischen Regierungen uns demnächst um die Ohren fliegen.

Explosive Zeiten. Und kein Schutzbunker, nirgends.

Freitag, 6. April 2012

Durchgeknallt



Bisschen Easy Jazz zum Entspannen.

Und dabei Polizisten zugucken beim Entspannen.

Oder beim Anspannen.

Oder, verflixt noch mal, wie heißt das gleich?

Ja richtig: beim Gewehrspannen.

Oder wie?

Nee, eigentlich: beim Abknallen.

Oder halt - kann man so nicht direkt sagen, oder?

Ha! Jetzt hab ich's: beim Durchknallen.

Also: Polizisten beim Durchknallen.

Kann man doch so sagen, oder?

Ich meine, die brauchen ja auch irgendwas zur Unterhaltung.

Eben.

Wollen doch bloß bisschen spielen.

Und Schuss.

Und noch einer.

Bummbummbumm.

Aus purer Freude am Durchknallen.


(Aufgenommen am 29. März 2012
in Barcelona während des Generalstreiks)

Montag, 24. Oktober 2011

Auf der Hut


Gestern abend war das Fernsehen da, was nichts Besonderes ist. ARD. Auch nichts Weltbewegendes. Die ARD hat die komplette gestrige (öffentliche) Abend-Vollversammlung von #occupyfrankfurt gefilmt. So weit auch nichts besonders Weltbewegendes. Aber:

Das, was die ARD gestern abend gefilmt hat, war keine normale, typische Vollversammlung, wie sie seit gut einer Woche (meist mehrmals täglich) auf dem Campgelände stattfindet. Bei dem, was gestern abend öffentlich stattfand, gefilmt wurde und demnächst in irgendeiner aufgezeichneten Form ausgestrahlt wird, handelt es sich - zumindest zu 80 Prozent - um einen Fake. Ein Konstrukt. Eine Inszenierung.

Wie ich zu dieser Behauptung komme?

Gestern abend saß ich zusammen mit drei anderen Dauercampern der ersten Stunde in einem Zelt. Wir hatten vor, später gemeinsam zur Vollversammlung zu gehen, und haben uns solange angeregt unterhalten. Dass das Fernsehen aufschlagen würde, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Irgendwann hörten wir, wie die Versammlung startete. Als wir zum Zelt herauslugten und den Versammlungsplatz in vollem TV-Scheinwerferlicht sahen, beschlossen wir (vier Camp-Medien'geschädigte') spontan, sitzen zu bleiben und die Diskussion nur akustisch zu verfolgen.

Manchmal hören Ohren mehr als Augen sehen.

Was wir hörten, war keine Versammlung, wie wir sie gewohnt waren. Keine einzige der Stimmen, die zu Beginn relativ lange Redebeiträge lieferten, war uns vertraut. Sowohl Inhalte als auch Tonfall dieser Redner haben uns befremdet. So redet keiner von uns. Wir hörten eine aalglatt-routinierte, irgendwie an PR erinnernde Sprechweise mit agitatorischem Einschlag. Es waren fremde Leute, die bisher noch keiner von uns am Mikrofon/Megaphon erlebt hat, vor allem noch nie in dieser prägnanten Wortführerpose. Später erfuhren wir, dass einigen altgedienten '#occupyfrankfurtern' verweigert wurde, sich auf die Rednerliste setzen zu lassen.

Wir sind alarmiert (nicht erst seit gestern abend, aber besonders seit gestern abend).

Im Moment nur so viel:
Das, was von der ARD von der gestrigen Abendversammlung gesendet werden wird, bitte ich alle, die es sehen werden, mit äußerster Vorsicht zu genießen. Das waren nicht wir von #occupyfrankfurt - das waren, zu gut 80 Prozent, gezinkte Karten.

Das, was hier im Camp an Unterwanderungs- und Manipulationsversuchen geschieht, ist bei der momentanen - extrem offenen, in vielen Bereichen nur provisorisch funktionierenden - Organisationsstruktur von #occupyfrankfurt äußerst schwer unter Kontrolle zu bekommen. Es sind unerfreuliche Phänomene, die uns beunruhigen. Aber wir bieten die Stirn. Nach Kräften.

Dies ist keine über einen langen Zeitraum gewachsene, gereifte Bewegung; #occupyfrankfurt ist ein extrem dynamisches, schwer überschaubares Geschehen, das sich innerhalb von nur einer Woche in einem Mördertempo von Null auf 180 beschleunigt hat. Es ist - im sozialen wie politischen Sinne - ein Experiment. Ein Prozess. Ein Prozess, der unsere Energien auffrisst, sie ausspuckt, uns auslaugt und ständig mit neuer Energie versorgt. Oft fühlen wir uns ratlos, ausgebrannt, überfordert. Gehört dazu. Ständig passieren und entwickeln sich Dinge, die uns mit frischen Energieschüben versorgen. Daran haben wir uns gewöhnt. Wir sind fest entschlossen, das Beste daraus zu machen.