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Freitag, 13. Dezember 2013

Feierabend


Ich höre mit der Bloggerei auf.

Zum Abschied gibt es ein stimmungsvolles Video von dem wunderbaren, aus Puerto Rico stammenden, wunderbar frechen, wunderbar schrägen, wunderbar kratzbürstigen anarchistischen Filmemacher Frank Lopez alias The Simulator, der auf submedia.tv seine subversive "news show" produziert.

Hier kommt die neueste Folge von
"It's the End of the World as We Know It and I Feel Fine":

Front End Loader Dreams from the stimulator on Vimeo.

War noch was? Ja klar:
"Love and Tacos!"
(Frank Lopez)
Auf deutsch: Good bye!

Mittwoch, 13. Februar 2013

Box-Kampf


Heute komme ich aber auch aus dem Wiehern nicht heraus:

Outside the box

Was für ein Film läuft da ab? Ein ganz lustiger über zwei ambitionierte Über-den-Tellerrand-Gucker. Sagte ich lustig? Falsch. Sehr, sehr lustig.

Outside the Box from Sherbet on Vimeo.
gefunden bei The Reformed Broker

Freitag, 16. November 2012

Sleep well with Deutsche Bank



Der russische Dokumentarfilmer Victor Kossakovsky hat einen kleinen dreiminütigen Film gedreht.

Ort: eine Deutsche-Bank-Filiale in Berlin.
Handlung: Ein paar Menschen ohne Wohnsitz schlafen auf dem Boden des Geldautomaten-Vorraumes. Zwei Bankkunden betreten den Raum, steigen über die schlafenden Gestalten und ziehen Geld aus einem Automaten. Dann betritt eine Frau den Raum und bleibt zögernd in der Eingangstür stehen.
"...eine Frau öffnete die Tür zu den Geldautomaten, und als sie wahrnahm, dass drinnen Menschen schliefen, schloss sie langsam wieder die Tür und ging auf Zehenspitzen weg, während sie sagte, 'schlaft gut!'"
Victor Kossakovsky, NYTimes
Der Film heißt Lullaby (Schlaflied) und wird untermalt von dem träumerischen Lied Lullaby der udmurtischen Sängerin Nadezhda Utkina. Das Kunstwerk aus Film, Musik und Gesang ist so subtil, so melancholisch, so berührend und so verstörend, dass ich mich vor weiteren Worten scheue und lieber immer wieder den Film auf mich wirken lasse. Ich glaube, wenn Kunst so zu wirken vermag, dann - und nur dann - ist sie: Kunst.


Samstag, 13. Oktober 2012

Schwaben rockt


Ein fetter Soundtrack am Samstagabend ist nicht zu verachten. Voilà: 14 Minuten allerbeste Unterhaltung, zum Beinehochlegen und mit hohem Popcornfaktor und irgendwie sensationell. 14 Minuten lang, in allen Tonlagen! Diese Schwaben, unglaublich. Brüllen und buhen und stänkern mit anschwellender Lautstärke und wachsender Begeisterung stur durch bis zur letzten 14. Minute. Herrgottsakra, glaubsch des? Schier net.

Viel mehr als Brüllen und Buhen passiert eigentlich nicht, weil die Bundeskanzlerin nicht so recht zum Zug kommt - was soll sie machen, wenn die Leute eine geschlagene Viertelstunde lang Krach schlagen. Aber gerade das macht das Filmgucken so phänomenal entspannend. Es passiert sonst nichts weiter. Nur halt dieser fette Schwabensoundtrack.

Frau Merkel hat ja zwischenzeitlich - nachdem sie wieder auf sicherem deutschen Boden gelandet war - verlauten lassen, wie sehr sie sich "über den freundlichen Empfang in Athen gefreut" habe. Tja. Ob etwas freundlich rüberkommt oder nicht, ist halt immer eine Frage der Hör- und Sichtweite und somit der Wahrnehmungsstörungen. Wie es aussieht, hat sie sich heute in Stuttgart gar nicht gefreut. Also, wirklich überhaupt kein bisschen gefreut. Um genau zu sein, Merkel hat sich geschlagene 14 Minuten lang nicht ein einziges Mal kein allerkleinstes Bisschen gefreut.

Und deshalb, wie gesagt, gute Unterhaltung.



Mittwoch, 12. Oktober 2011

I am not moving



Das stärkste und politischste Video,
das ich seit Beginn der Bewegung #occupywallstreet gesehen habe:

"I am not moving"

Untertitel:

"Hypocrisy has its own elegant symmetry"
(Heuchelei verfügt über eine eigene elegante Symmetrie)

oder:

Wie in nur sieben Minuten die politische Klasse
bis auf die morschen Knochen entlarvt wird.

Donnerstag, 25. August 2011

Muammar Oscar Gaddafi


Heute nur Geklautes zum Thema "Gaddafi auf der Flucht".
Hauptsache lustig.
Regie: Barack Obama
(bereits Oscar-nominiert für den besten Filmtitel aller Zeiten:
'Ein Krieg, der kein Krieg ist')
"...nähert sich seinem dramatischen Ende. Die libyschen Rebellen kämpfen gegen den bösen Tyrannen Gaddafi, der eigentlich böse ist, der aber für kurze Zeit mal gut war, um jetzt wieder böser als bös zu sein. Die tapferen Wüstenkrieger haben die Hauptstadt bereits erobert, die Residenz des Herrschers ist gefallen und Gaddafi ist auf der Flucht. Die Spannung steigt ins Unermessliche: wie wird das bzw. sein Ende sein? Wird ihn eine Bombe der NATO zerfetzen, werden ihn die Rebellen lynchen oder wird Barbara Salesch ihn zum Tode verurteilen? Bald werden wir es erfahren!"
Jawohl, sehr bald.
Noch heute, im Rahmen dieses Beitrages, versprochen.
"Bisher wurde die Menschenjagd auf Gaddafi grandios inszeniert."
Kein Wunder. Aus Fehlern lernen heißt inszenieren lernen:
"Nur ungern erinnern wir uns noch an die verkorkste irakische Epoche."
Wer lässt sich schon gern an peinliche Filmflops erinnern.
"Die Spannung wurde zwar gekonnt aufgebaut und auch gut gehalten, doch am Ende wurde gepatzt: Saddam kroch aus einem Erdloch - bäh, wie billig!"
Wir erinnern uns - das Produzententeam um den damaligen Regisseur Bush war stinksauer, haute mit der Faust auf den Schneidetisch und brüllte: Beim nächsten Mal läuft das professioneller, klar?

Beim nächsten Mal lief es besser, denn der nächste Regisseur ging die Sache geschmeidiger an:
"In Pakistan lief es besser. Die Liquidierung Osamas in einer Nacht und Nebel Aktion durch amerikanische Spezialeinheiten mit einer Live-Schaltung ins Weiße Haus war durchaus gelungen und machte da schon Lust auf mehr."
Mmmh, ja genau, gestiegene Erwartungshaltung des Publikums nennt man das, und die will bedient werden. Wie also lässt sich der Thriller 'Osama - ex, hopp, versenkt' (jetzt schon kultverdächtig aufgrund bombastisch hoher Einschaltquoten) Gaddafi-spannungstechnisch noch toppen?
"Wer weiß, vielleicht dürfen wir diesmal alle an Gaddafis Ende live teilhaben?"
Genau! Das wär's doch!

Die dazu notwendigen Vorkehrungen wurden bereits getroffen, was relativ wenig Kostenaufwand verursachte, denn die erforderliche Kulisse war bereits vorhanden:


Der Filmknaller des Jahres! Gaddafi, untergeschlüpft in der leerstehenden pakistanischen Bude von Osama - das riecht jetzt schon nach einem Oscar für den sparsamsten Low-Budget-Film aller Zeiten.

Aber - nörgelte das Produzententeam weiter - vielleicht geht es ja noch kostengünstiger? Ihr wisst schon, wir müssen das vom Regisseur soeben verordnete Haushaltssparprogramm - spending cuts - dramatisch glaubwürdig mit filmischen Mitteln kommunizieren, also: Lässt sich da noch irgendwas zusammenschneiden? Ohne große Kulissenschieberei, weil, das kostet ja bloß wieder?

No problem, kam es aus dem kreativen Schneideraum zurück: Es gibt da die Idee einer Wohngemeinschaft, bestehend aus Gaddafi, Mubarak und Assad! Das steigert die Action, multipliziert den Thrill und hält zugleich den Etat niedrig.

Genial!, schrie das Produzententeam und fuhr fort: Alles, was jetzt noch fehlt zum absoluten Abräumer, wäre ein gelungener regionaler special effect, habt ihr da vielleicht noch was im Rohr?

Null Problemo, kam es von der anderen Seite des Atlantiks zurück: Wir vergrößern einfach die WG um einen weiteren Bewohner, dann zieht das Filmding richtig gut durch:
Danke.

Mittwoch, 17. August 2011

Noch mehr Schönheit


Neulich hatte ich mich verliebt in eine Musik, der es gelingt, die "Schönheit" einer Unterschichtskultur in Worten und Noten auszudrücken, ohne dabei kitschig oder pathetisch zu werden:
Jeden Tag sehe ich die Schönheit
aus dem Nichts in einer hässlichen Welt.
Schönheit,
verlorener Abwassergraben im Latino-Slum der Welt.
Schönheit des Unkrauts.
Schau, der Mensch,
ein nie vergehendes Unkraut.
Schönheit,
die meine Seele tief berührt
und mein Leben füllt.
Wie der Wind, der alles berührt.


"8 Hours in Brooklyn in Slow Motion"

Noch mehr Schönheit,
diesmal aus dem armen Teil Brooklyns, New York City.

Eine meisterhafte Zeitlupenstudie von
gelebten Sekundenbruchteilen
auf sommerlich aufgeheizten Straßen.

Schönheit, die meine Seele tief berührt.
Wie der Wind, der alles berührt.

Samstag, 4. Juni 2011

Widerstandsbewegung


Der Samstagabend-Film:



Prädikat: Wertvoll

Genre: "Turning reality into fiction and fiction into reality"

Musik: Herausragend

Kurzbeschreibung:
"Generation OS13 öffnet auf unsanfte Weise die Augen für den Großangriff auf die staatsbürgerliche Freiheit, der sich in den westlichen Demokratien abspielt. Künstler, Musiker, Journalisten und Schriftsteller ermutigen die Menschen, sich der Besatzungsmacht der Finanzindustrie zu widersetzen."

Mittwoch, 30. März 2011

Scharf geschossen


Nachdem ich gestern abend so bombig drauf war, begab ich mich heute auf die Suche nach Munition.

Gesucht, gefunden:


Lifting the Veil: Obama and the Failure of Capitalist 'Democracy'

Von Scott Noble.

Ein starker Film.

Sub-headed 'Barack Obama and the failure of capitalist democracy', this film explores the historical role of the Democratic party as the 'graveyard of social movements', the massive influence of corporate finance in elections, the absurd disparities of wealth in the United States, the continuity and escalation of neocon policies under Obama, the insufficiency of mere voting as a path to reform, and differing conceptions of democracy itself.

Dauert knapp zwei Stunden, davon ist keine einzige Minute verschenkt. Es wird Klartext gesprochen. Handverlesene, kluge Interviewpartner in angemessen sarkastischer Grundstimmung. Reichtum und Armut in Amerika. Ans Groteske grenzend: Obama vor und nach seiner Wahl. Ein paar unglaublich gute, scharfzüngige Kabarettisten, mein Favorit: George Carlin, Vollblut. Extrem gute Musik, extrem gut auf einzelne dokumentarische Filmsequenzen passend. Von Pink Floyd (Money) bis Bach (Erbarme dich). Überhaupt, Old Europe: Albert Camus wird zitiert. Ich könnte mich an lauter Superlativen aufhängen.

Sehenswert, absolut sehenswert.

Wer Lust auf mehr hat: Hier findet sich ein komplettes Munitionslager.


Sonntag, 5. Dezember 2010

Großes Kino


Fast sieht es so aus, als ob es zur Zeit keinen Grund gibt, ins Kino zu gehen. Es ist auch so genug los in der Welt. Und erst in Europa! Da fällt ja gerade so ziemlich alles auseinander, und als Europäer sitzt man in der ersten Reihe und bekommt die berüchtigte Genickstarre, weil man einfach zu nah dran sitzt und allmählich den Überblick verliert.

Etwas mehr Distanz tut da richtig gut, habe ich festgestellt; einfach mal nachschauen, wie das außereuropäische Ausland das hiesige Gerangel ums liebe Geld beobachtet, kommentiert und vergleicht - nämlich mit einem gewaltigen Dampfkochtopf:
"In der Gebrauchsanleitung steht, dass der Kochtopf explodieren wird, wenn der Druck zu groß wird...wieviel mehr an Druck der Topf noch aushält, sei dahingestellt, aber der Zeiger ist eindeutig im roten Bereich und der Topf droht jederzeit zu explodieren."

So kommt es mir auch vor. Nicht widersprechen würde ich auch dem Euro-Kommentar jenes Lesers bei Mish, der meint, "there is too much shit going on to even give a fuck any more. giving a fuck is becoming more difficult each day." Der Mann hat recht.

Wer nun als Europäer wirklich großes europäisches Kino sehen möchte, sollte unverzüglich seinen Blick über den Teich lenken. Von dort hat William Banzai das unselige Treiben in Euroland verfolgt - nicht nur verfolgt, sondern verfilmt. Herausgekommen ist eine furiose Reminiszenz an europäische Kinofilmklassiker; von Italowestern bis Deutscher Autorenfilm ist alles dabei. In der Hauptrolle: Angela Merkel.

Ein paar Kostproben:
"The Good, The Bad, and Italy"

"Angela Merkel in Greecarraldo...der Film von Werner Herzog...starring: Klaus Kinski, Claudia Cardinale, Nicolas Sarkozy"

"The Bailout Hack of Notre Dame"
Mein absoluter Favorit:
"Merkel on the Disoriented Express" (in Anlehnung an die Verfilmung des Kriminalromans 'Mord im Orient-Express' von Agatha Christie)
Muss man gesehen haben. Prädikat: wertvoll.


Freitag, 22. Oktober 2010

The Bugs Strike Back


Product of Taiwan muss nicht Schlechtes bedeuten. Im Gegenteil. In diesem kleinen 3D-Horrorfilm macht sich die taiwanesische Next Media Animation ein wenig lustig über die derzeitige Wanzeninvasion in Amerika.


Zockende Wanzen beim Kartenspiel. Als Bettgenossen im Waldorf Astoria Hotel. Zu Besuch in den Büros des Wall Street Journals. Als Gesprächspartner in Börsen-TV-Talkrunden.

Tierisch gut.

Dienstag, 27. Juli 2010

Lokalfernsehen


Das Leben schreibt Geschichten, die glaubt kein Mensch.
Sind aber wahr, ich schwöre es.

Wie ich heute früh unausgeschlafen (die gestrigen Aufwallungen haben mich senkrecht im Bett stehen lassen) aufs Restaurant zu radle, trifft mich fast der Schlag: Das Fernsehen ist da. Mit mal locker 15 bis 20 Mann (und Frau), Kameras, so weit das Auge reicht, das Lokal von außen grell von Scheinwerfern angestrahlt - bitte, um sechs Uhr morgens! -, der Wahnsinn, und zwar der helle. Es riecht nach action, so was gefällt mir immer. Ich bin wach.

Drinnen eine noch wuseligere Szenerie: Kameras, Scheinwerfer, Kabelrollen, Leinwände und Menschen, Menschen, Menschen, von denen ich nur einen einzigen kannte, nämlich Frau Übermop, und die erkannte ich sofort an ihrer wadenlangen weißen Schürze, weil beim Fernsehen offenbar konsequent schwarz getragen wird.

Beim Betreten des Restaurants steuerte mich ein wichtig aussehender TV-ler - schwarze Jeans, schwarzes Polo - an und fragte mich höflich, ob ich die Geschäftsführerin sei, was ich zu meinem Leidwesen verneinen musste, worauf er leicht schwerenöterisch weiterfragte, ob ich die Frau des Geschäftsführers sei, was ich wiederum verneinte, wenn auch nicht zu meinem Leidwesen. Daraufhin verlor das schwarze Polo das Interesse an mir. Ich strebte weiter Richtung Küche.

Auf dem Weg dorthin fing mich eine wichtig aussehende Frau mit schwarzem Jackett und schwarzer Hornbrille ab und fragte mich, ob ich die Schauspielerin sei. Da ich inzwischen, wie gesagt, hellwach war, haben mich augenblicklich meine gestrigen Bühnenphobien eingeholt und ich konnte nicht anders als zu antworten: Ja, aber ich glaube nicht die, die Sie suchen. Die Hornbrille guckte irritiert. Mir war es für einen Moment lang wurscht. Dann meinte die Hornbrille verwirrt: "Wieso, Sie sind doch genau der Typ, den wir besetzt haben", eine Bemerkung, die mir keine Spur aus meinem Hangover herausgeholfen, vielmehr mich noch tiefer in die kurze Wahnvorstellung getrieben hat, dass ja eigentlich das Fernsehen ruhig mal einen Film über eine akademische Putzfrau drehen könnte, besetzt mit einer akademischen Putzfrau.

Na ja. Lange lässt sich so eine Halluzination nicht aufrechterhalten. Ich drückte mein grundehrliches Bedauern hinsichtlich der Verwechslung aus und strebte weiter Richtung Küche. Stieg wie ein Storch über Kabelsalate. Fast hatte ich es bis zum Kücheneingang geschafft, da empfing mich hinterm Tresen eine dreiviertelwichtig aussehende Frau mit schwarzem T-Shirt, einem schwarzen Klemmbrett in der einen sowie einem - ich kann nichts dafür - schwarzen Kugelschreiber in der anderen Hand. "Sie gehören zu den Komparsen, richtig!" Richtig - sie fragte nicht, sie stellte fest.

Es half nichts, auch von dieser meiner letzten Castingchance musste ich mich verabschieden. Hach, wäre ich gern Komparse gewesen; wenigstens Komparse. Es hat nicht sollen sein. Stattdessen quetschte ich das schwarze Klemmbrett aus, was hier eigentlich abginge.

Dreharbeiten zu einem Spielfilm, erfuhr ich. Aha, deswegen waren die ganzen Brauereilogos verhängt und Sonnenschirme entfernt worden. Von wegen Schleichwerbung, Product Placement, pfui. Etwa Tatort?, fragte ich hellauf begeistert, weil, das hätte mir schon gefallen, einen regional verdichteten Krimi an meinem Arbeitsplatz zu drehen, mit so bisschen Gastrofolklore. Ich weiß von gußeisernen Pfannen, denen das Potential fliegender Untertassen nachgesagt wird.

Nein, erklärte das Klemmbrett, es handle sich um einen eher leichten Filmstoff, zwar mit Problemhintergrund, aber am Ende werde alles gut. Die Hauptfigur, eine Frau, durchlaufe ein schweres Schicksal und habe es nicht leicht im Leben (wieso ist der Stoff dann leicht?), komme am Schluss aber mit heiler Haut davon (ach so). Mehr denn je interessierte ich mich für die Rolle der Hauptdarstellerin. Hielt natürlich den Mund. Frau Übermop guckte schon, wieso die ganzen TV-ler mich anquatschten. Wahrscheinlich weil ich keine weiße Schürze trug.

Weil die Küche zu einem völlig fachfremden Kabel- und Gerätelager umfunktioniert worden war, beließ ich dort alles im Urzustand und widmete mich der Kellerreinigung. Im Keller wird man von keinem TV-ler angequatscht, kann sich vielmehr so ungestört wie methodisch dem Wahn hingeben - das entspannt.

Kurz nach acht kam der italienische Feinkostlieferant stoßatmend die Kellertreppe herunter, beladen mit dreimal so vielen Gemüsekisten wie sonst. "Muss leise sein auf der Treppe, haben die Leute vom Fernsehen gesagt", keuchte er beim Absetzen der Kisten. Kurz darauf erschien der deutsche Hähnchenmann (so nennt Frau Übermop den Geflügellieferanten), auch er ein Opfer der Lärmschutzmaßnahmen, gefolgt vom Ehemann der spanischen Putzfrau aus dem ersten Stock, der vor dem "Wahnsinnskrach dieser Fernsehleute" geflohen war. Nur wenig später kam Frau Übermop die Treppe herunter, brummte kopfschüttelnd "...die haben doch alle ein Rad ab", und hockte sich auf die unterste Kellerstufe - etwas, was Frau Übermop sonst niemals machen würde.

Der Keller füllte sich. Zehn vor neun stand die senegalesische Küchenhilfe auf der Treppe: Die Fernsehfuzzis hätten ihr gesagt, sie dürfe die nächsten zwei Stunden keine Kartoffelgratins in der Küche zubereiten, weil der Backofen dringend als Zwischenlager für Spezialkabel benötigt werde und die beiden Spülen von Ersatzstativen blockiert seien. Mit genervtem Augenaufschlag ließ sie sich längs auf der zweituntersten Kellerstufe nieder, schlug graziös die unglaublich langen Beine übereinander, stützte das Kinn in die Hand und sagte gedehnt unter schweren Lidern: "Je m'ennuie." Ich langweile mich. (Französisch ist Landessprache in Senegal.)

Ich bekam erneut einen leichten halluzinatorischen Schub und fragte sie, ob sie Marlene Dietrich kenne. Moi, je m'ennuie. Sie fragte, wer Marlene Dietrich sei. Ich antwortete: So eine wie du, bloß in weiß. Sie lachte und meinte, sie könne sich nicht vorstellen, dass "cette Marlène" sich ihr Geld mit Gemüseschneiden in einer Restaurantküche verdiene.
Da war ich wieder im richtigen Film.

Sonntag, 14. März 2010

Alles Zebra


Mir ist heute schon den ganzen Tag so zebramäßig zumute. So mal so, mal so. Also ziemlich kontrastreich, ständig vom Hellen ins Dunkle wechselnd und dann wieder retour. Manchmal sind das Helle und das Dunkle sogar gleichzeitig da, was mich irgendwie verwirrt. Weil, wie kann das gehen, entweder es ist dunkel oder es ist hell, beides zusammen kann ja gar nicht, aber offensichtlich doch. Wie die Existenz des Zebras beweist.

Anders kann ich mir nicht erklären, wieso mich ein kleiner Film derart in Bann gezogen hat, dass ich ihn seit heute früh bestimmt schon an die zehn Mal angeschaut habe. So: Trägst du mal den Müll runter, aber vorher guckst du nochmal schnell das Video. Oder so: Klingelt das Telefon, während du zum schätzungsweise siebten Mal das Video anschaust, und du denkst, lass klingeln, erst musst du zu Ende gucken. Ja doch, zum siebten Mal. Beim achten Mal dachte ich, komisch, wieso bist du nur so junkiehaft drauf, dass du den Finger nicht von der Replay-Taste weg kriegst? Tja. Antwort: Das Zebra-Syndrom.

via Bugsierer

Das Zebrahaus heißt so, weil in diesem Haus alles zebra ist. Alles. Konsequent bis ins letzte Detail. Sogar die Sauna namens 'Kenia', die einen Zebra-Pool beherbergt samt Zebrapolstern auf den Saunaliegen und wahrscheinlich zebragestreifter Seife aus dem zebragestreiften Seifenspender. Nein, wohnen möchte ich in dem Zebrahaus nicht; man ist ja nicht aller Tage in Zebrastimmung - wäre ja noch schöner, oder vielmehr schlimmer -, aber zauberhaft ist das Haus trotzdem. Mich bezaubert, wenn ein Mensch seinen persönlichen Vorlieben hemmungslos freien Lauf lässt und dabei zu einer ganz eigenen Gestalt und Formsprache findet. Und sich einen Teufel drum schert, ob sein Umfeld ihn schrullig oder genial findet.

Nun ist das Zebrahaus das eine, der Film darüber das andere. Das Zebrahaus steht nämlich nicht in Afrika, sondern im allerhintersten Winkel des Schweizer Emmentals. Dort herrscht tiefster Winter. Die hügelige Landschaft ist schneevermummt, überall liegen fette weiße Polster, auch auf dem Dach des Zebrahauses. Aus den weißen Polstern ragen schwarz und markant Kirchtürme, Schlote, mächtige Tannen und kahle Bäume. Zebrahaus vor Schweizer Zebra-Winterlandschaft, an einem sonnigen Wintertag gefilmt unter einem Himmel, wie er blauer in Afrika nicht sein könnte.
Nichts ist drinnen, nicht ist draußen,
Denn was innen, das ist außen,
was von Goethe, fast möchte ich es beschwören, auf diesen Film gemünzt war. Gedreht hat ihn der Bugsierer aka Christian Röthlisberger. Er muss von einer ähnlichen Liebe zum gestalterischen Detail besessen sein wie der Zebrahausbauer Erich Fankhauser: Dort, wo sich Drinnen und Draußen berühren - also an den Fenstern des Hauses - ruht sich die Kamera kurz auf den beschlagenen Scheiben mit den hellen Gardinen aus, die mit ihren dunklen Schattenwürfen das winterliche Schwarzweiß ebenso einfangen wie das helldunkle Interieur. Meisterhaft. Der Blick auf die schwarzweißgetupften Außenwände und Gehwege vor dem Haus ist grade lang genug, um den Zuschauer zu verwirren, aber zu kurz, als dass jener klar erkennen könnte: Sind das jetzt echte Fußabdrücke im Schnee von braven Menschen und wilden Tieren, oder gehören die Tupfen zum Zebra-Look? (Gut, beim fünften, sechsten Anschauen wird's klarer, aber dieses zauberhafte Verwirrtsein bleibt.)

Seine starke Sogkraft entwickelt das Video aus der Musik: zwei Akkordeonstücke, zwei grundverschiedene Stimmungen. Das Zebra-Prinzip eben.
Zuerst spielt Richard Galliano verhangen-verträumt die Gnossienne No. 1 von Erik Satie; ein wenig müde schleppt sich sein Instrument dahin, schwer atmend (oder ist es der kalte Wind?), sich manchmal an der Nähe zum Tango verschluckend, hier und da dunkel im Moll hängen bleibend.
Dann hüpft Michel Besson wild drauflos. Alle Wehmut ist wie weggeatmet. Sein 'Örgeli', wie die Schweizer dieses Verzauberungsinstrument nennen, schnauft und tanzt und will sich kaum bändigen lassen, schnappt nach Luft, überspringt mal eine Note, um sich schräg auf die nächste draufzusetzen, und man erfährt, dass der Zebrahausbesitzer ein virtuoser Akkordeonspieler und -bauer war, der sein Örgeli auch mal im Sitzen hinter den eigenen Knien gespielt hat, vor lauter Übermut.

Jetzt lass' ich mich zum elften Mal verzaubern.

Mittwoch, 4. November 2009

Schmodder allerorten


Seit gestern liegt unten eindeutig mehr Laub

als oben noch hängt.

Seit heute, nach dem vielen Regen, liegt unten eine einzige Schlickschicht. Das nasse Laub hat sich in eine zähe Schmoddermasse verwandelt und überzieht die Radwege flächendeckend mit einem glibberigen, unberechenbaren Film. Es ist ein halsbrecherisches Radfahren. Es ist wie Radfahren über Haferschleim.

Insofern war das hier eine krasse Übertreibung.

Insofern musste ich heute früh in der Dunkelheit so konzentriert fahren, dass ich nur einen ganz schnellen Seitenblick in die vorbeifahrende U-Bahn werfen konnte. Aber es hat gereicht. Ich schnaufte ein paarmal laut und tief durch. Der Regen trommelte mir ins Gesicht. Das Laub am Boden wurde immer breiiger. Das Rad hat seit gestern einen nagelneuen Vorderreifen mit Extremprofil. Das Rad machte seine Sache gut. Die U-Bahn fuhr weiter. Ich auch. Um nichts in der Welt hätte ich tauschen mögen.

Montag, 14. September 2009

Von Puppen und Putzlappen


Putzlappen gibt es ja viele. Aber beseelte Putzlappen? Gibt es nur einen, vielmehr zwei, und nein, das ist jetzt keine Anspielung auf das hier, sondern auf das hier. Hää?, würde spätestens jetzt der groovig durchgeknallte Maulwurf fragen, der von René Mariks rechter Hand beseelt wird. (Tipp: zuerst das Maulwurf&Frosch-Video anschauen, danach den Trailer zur DVD von René Marik.)
Also: Der Künstler gibt skurrilen Puppenfiguren einen Charakter, eine Stimme, einen typischen Bewegungsstil. Und lässt sie dann aufeinander losgehen. Das ist unglaublich witzig und intelligent gemacht. Das ist durchtrieben, boshaft und liebevoll zugleich.
Als vor kurzem der Trailer zur DVD erschien, war ich noch begeisterter: Der Schauspieler Marik gibt den Fahrer eines Tourbusses, der genervt die ganze abgedrehte Puppenmeute von einem Theater zum nächsten fährt. Mit an Bord sind auch zwei Putzlappen in Puppengestalt, die nicht so recht etwas miteinander anzufangen wissen. Der eine Putzlappen stellt sich vor 'Hallo, ich bin der Dominik', worauf der andere eine sehr spitze, zickige Putzlappenschnute zieht und gar nichts sagt. Leider ist die Szene im Trailer geschnitten, so dass die beiden beseelten Putzlappen nur ganz kurz zu sehen sind. Zu meinem großen Bedauern, denn ich liebe diese zwei Viecher und wollte die ganze Zeit schon dringend wissen, was die wohl in voller Länge so treiben.
Umso mehr freute es mich heute, als ich dies zu lesen bekam:
Wie gut das Skizzenhafte bei ihm funktioniert, zeigt der Teil von René Mariks Programm, in dem die Lappen auftauchen. Es sind einfach nur zwei Putzlumpen, in die er seine Hände steckt, so daß sie spitze Schnauzen bekommen und zu seltsamen Lebewesen werden. "Also die Parteien sind ja auch alle gleich", sagt der eine Lappen. "Wem sagen Sie das", antwortet der zweite. "Weiß nicht", sagt der erste.
Ah. Wunderbar. Putzlappen und politische Meinungsbildung.

Sonntag, 13. September 2009

Zum Schießen


"Kommst du heute abend zum Duell-Gucken?", wurde ich am Telefon eingeladen, "es gibt Schnittchen und Bier." Alle Welt scheint dem TV-Politgeharke entgegenzufiebern, Stullen werden geschmiert, Salate kreiert, Bier kaltgestellt. Morgen wird alle Welt darüber diskutieren wollen, und wer da nicht mithalten kann, ist selbst schuld, weil er am Abend davor die Simpsons geguckt hat statt dem staatstragenden Showdown beizuwohnen. "Danke", lehnte ich höflich ab, "aber bei mir gibt's heute abend eine Simpsons-Session mit Pflaumenmus und Mirabellenkompott, jemand bringt Vanilleeis mit." Ich erntete Unverständnis - womöglich wegen des fehlenden Bieres? -, aber das macht nichts.
Und selbst wenn die gesamte Nation sich heute um 20:15 Uhr ums Lagerfeuer setzt, um Wahlkrampf live zu erleben: Spätestens um halb neun werden die ersten abwandern zu dem, glaube ich, einzigen großen Sender, der programmatisch aus der Reihe tanzt. Weil sie bei Steinmeiermerkel eingeschlafene Füße bekommen haben. So gegen neun werden die Schnittchen zu Ende sein, nicht jedoch die endlose Schwadronade der beiden Duellanten; ab dann wird sich die verzweifelte Wanderbewegung auf die Einschaltquote der Simpsons nachhaltig auswirken. Möchte ich drauf wetten.
Umgekehrt glaube ich kaum, dass eine nennenswerte Wanderung weg von den Simpsons stattfinden wird, warum sollten die Leute auch. In meinem Fall wäre ein Umschalten aufs Duell schon deshalb unverantwortlich, weil die Gefahr viel zu groß wäre, dass eine ärgergesteuerte Ladung Pflaumenmus auf den Bildschirm träfe. Trüfe? Egal. Jedenfalls ist mir mein selbstgemachtes Pflaumenmus dafür zu schade. Mein oller Fernseher ebenfalls.

Wenn, dann müssten die Berliner Darsteller - am besten live und ungeschützt - mit etwas Effektivem beschossen werden, worauf der Schütze selbst leichten Herzens verzichten kann. Was könnte man da nehmen? Mir fiel nichts ein, zumindest nichts Jugendfreies. Ich las dann ein wenig Zeitung im Netz, um auf andere Gedanken zu kommen. Mit dem Ergebnis, dass ich immerfort nur noch an das eine dachte. Weil nämlich der Sänger Funny van Dannen sich ebenfalls einschlägige Gedanken gemacht hat zur Praxistauglichkeit von Munitionen, abgefeuert auf
das ganze unsympathische Personal, das sich in der Wirtschaft und Politik tummelt.
Diese Unsympathen, lässt van Dannen uns in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau wissen, sollten am wirkungsvollsten mithilfe einer Katzenpissepistole niedergestreckt werden. Ganz richtig, Katzen-pisse-pistole. Sagt Funny van Dannen. Sagt er nicht nur, singt sogar ein Lied drüber. Mit so ganz sanfter Stimme und musikalisch entspannt, fast schläfrig dahinplätschernd - aber der Text, oh la la, ich meine, auf Katzenpisse als Kampfstoff muss man erst mal kommen. Grandios, die Idee.
Überhaupt hat der Mann interessante Ansichten. Vor Jahren gab es einen Song von ihm mit dem aussagestarken Titel Ich will den Kapitalismus lieben, aber ich schaffe es einfach nicht. Auch so ganz verträumt dahingeträllert, aber ein Bolzen von Text. Gegen Ende des Interviews antwortet er auf die Frage, ob er als Liedermacher die Krise spüre:
Vielleicht gibt es bald Liedermacher-Konzerne mit angestellten Textern und Komponisten, die dann für Hunderte von Liedermachern Texte und Melodien schreiben.
Ich kann mir förmlich seine sanfte, unaufgeregte Stimme vorstellen, mit der er dieses Inferno ausmalte.

Ach ja: Auf van Dannens neuer CD fand sich ein Song mit dem Titel Simpsonsplakat. Potzdonnerdreifachtausend. Zufälle gibt's. Gesungen wieder mit dieser melancholisch-beiläufigen, fast schüchternen Stimme. Er singt davon, wie er seine Freundin mit einem Simpsonsplakat als Geschenk überraschen will und sie beim Fremdgehen erwischt. Oh je. Wenn ich könnte, wie ich wöllte, täte ich den Funny van Dannen am liebsten anrufen und ihn fragen: "Kommst du heute abend zum Simpsons-Gucken? Es gibt Vanilleeis mit Pflaumenmus."

Samstag, 8. August 2009

Moondance

Es muss der Einfluss des Vollmondes gewesen sein. Wie sonst finde ich zu dem Blog einer New Yorker Animationsfilmerin, ohne je danach gesucht zu haben? Die Künstlerin Nina Paley hat ein grandioses Werk geschaffen mit dem Titel Sita Sings The Blues, einen Kinofilm von 72 Minuten Länge, von denen ich jede einzelne geliebt habe.
Laut Filmbeschreibung (es ist unmöglich, diesen Film zu beschreiben) handelt es sich um eine 'animated interpretation of the Indian epic Ramayana' - irgendwie nicht wirklich euphorisierend, so als Text; der Film ist es dafür umso mehr. Unglaublich schlau, witzig, mit viel Tempo und irrsinnig komischen Charakteren, allesamt irreal und sonderbar. Kein Wunder, dass der Mond eine tragende Rolle im Filmgeschehen spielt, mal voll, mal halb, mal zu, mal ab. Als bei 27:50 Minuten nicht etwa der Bär, sondern der Mond rampensaumäßig zu steppen anfing, da wusste ich: Ich bin im richtigen Film.
Eigentlich wusste ich das bereits nach zwanzig Sekunden. Da ritzt nämlich ein männlicher Pfau in vollem Ornat die Schellackplatte auf dem Grammophon, bleibt mit dem spitzen Schnabel in der Rille hängen, lässt dadurch die Musik durchhängen und halst sich jede Menge Stress mit der schönen Sita auf, die gerade am Playbacksingen war. Meisterhaft durchgeknallt. Muss man gesehen haben. Unbeschreiblich.