Sonntag, 18. August 2013

Klare Ansage


Eigentlich war zu dem Thema bereits alles gesagt. Dachte ich.

Denn was gibt es noch zu sagen, wenn die griechische Regierung sich damit brüstet, immer mehr Obdachlosenheime aus dem Boden zu stampfen, während sie im Begriff ist, immer mehr Menschen in die Obdachlosigkeit zu treiben?

Doch, da gibt es durchaus noch etwas zu sagen. Das letzte Wort hat der griechische Finanzminister Yannis Stournaras.
"Wenn wir die Menschen nicht in die Obdachlosigkeit treiben, kollabieren die Banken."
Hat er so natürlich nicht gesagt.
"Wir müssen die Menschen aus ihren Häusern vertreiben, sonst kollabieren die Banken."
Schon eher so. War aber auch nicht der exakte Wortlaut.
"Wenn wir nicht wollen, dass die Banken sterben, müssen wir die Menschen in den Suizid treiben."
Kommt der Wahrheit schon näher. Kommt aber irgendwie nicht gut.
"Um zu verhindern, dass die Banken zusammenbrechen, müssen wir zulassen, dass die Menschen zusammenbrechen."
Trifft den Kern der Sache. Klingt nur so unangenehm melodramatisch. Dann doch lieber so:
"Lieber die Menschen in den Ruin treiben als die Banken."
Ja, das hat was. Das hat fast Sloganqualität. Schön griffig, schön kurz, knackig auf den Punkt gebracht. Nur immer noch viel zu menschelnd. Geht's nicht ein bisschen versachlichter? Doch:
"Wenn wir keine Zwangsvollstreckungen erlauben, werden die Banken kollabieren."
Genau. Jetzt ist der Faktor Menschlichkeit dort, wo er hingehört:
bei den Banken. Das weckt Mitgefühl, das geht ans Herz. Obwohl,
na ja, vielleicht noch einen Extraschuss entmenschlichender Sprachkosmetik? Einen Tick technokratischer formuliert? Unmissverständlich Prioritäten setzend? Geht da noch was? Bitte sehr:
"Wenn Hausversteigerungen nicht liberalisiert werden, werden die Banken kollabieren."
Damit wäre nun wirklich alles gesagt.

Kommentare:

  1. ώπα, ώπα ... den besten Spruch übersiehst Du mal wieder! ;~)

    « Die Menschen werden ihre Schrotflinten nehmen ... ein zusammenbrechender Immobilienmarkt ist besser als ein Bürgerkrieg »
    [ Sofia Voultepsi - Nea Dimokratia ( Νέα Δημοκρατία ) ]

    Da bestände ja noch Hoffnung ...
    Tja, wenn die gute Frau es nicht mit Waffen im Besonderen
    und auch ansonsten im Allgemeinen einen fürchterlich an der Waffel hätte:

    "Unsere Verfassung und die geltenden Strafgesetze sind mehr als ausreichend, um Rassismus und Ausländerfeindlichkeit wirksam entgegentreten zu können, es fehlt uns nicht an Gesetzen", behauptet die konservative Politikerin. Außerdem sei ja nicht der Rassismus das größte Problem Griechenlands, sondern die bereits sieben Jahre andauernde Wirtschaftsmisere. Darum müsse sich die Regierung kümmern, mahnt Voultepsi.

    Streit um Anti-Rassismus-Gesetz in Griechenland | via dw.de

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  2. Auch wenn die Hausversteigerungen liberalisiert werden, werden die Banken trotzdem kollabieren.

    OT: Anscheinend blicken einige Leute von außerhalb .de mit Bangen auf unsere BT-Wahl - vor allem, dass es danach "kein Halten mehr gibt" - von was auch immer.

    Sowohl bei "Ökonomie" als auch "Ökologie" hängt mittlerweile soviel Sch... in der Pipeline - hoffentlich werden wir nicht wieder alle zu Multimilliardären wie letztes Jhdt. Schließlich gibt es heute kaum noch Öfen, wo man es sinnvoll verwenden könnte, das Papier.

    cu
    renée

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    1. Ob die Banken kollabieren oder nicht - die "Liberalisierung" führt dazu, dass Menschenleben kollabieren. Darum ging es mir. Um nichts anderes.

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