Montag, 26. August 2013

Einstellungsoffensive für Zombies


Fachkräftemangel und kein Ende.

Jetzt hat es eine der wachstumsstärksten Branchen erwischt. Jene Industrie, die sich unermüdlich neue Märkte erschließt, die immer mehr ihrer Produkte in immer mehr Ländern an den Mann zu bringen bestrebt ist, oder vielmehr an die Männer, an möglichst viele Männer, also, an immer mehr Männer. Sonst wäre es ja keine Wachstumsindustrie. Wobei auch Frauen und Kinder als Endabnehmer durchaus gern gesehen sind - diese Industrie ist bezüglich ihrer Zielgruppe nicht besonders wählerisch.

Das Problem ist nur: Um die Zielgruppe wirklich zu erreichen, also zu treffen, bedarf es gut ausgebildeten Fachpersonals. Und daran hapert es:
Die U.S. Luftwaffe klagt, sie könne nicht genug Piloten finden, um ihre Drohnenflotte zu betreiben.
Es ist ein Jammer. Da werden immer mehr Drohnen gebaut und bestellt, die Nachfrage bricht alle Rekorde - ein Wachstumsmarkt wie aus dem Bilderbuch ("boomendes robotergesteuertes Geschwader") -, und dann das: eklatanter Fachkräftemangel. So viele Drohnen, so wenig Piloten!

Und das, obwohl es doch weiß Gott massenweise Kids und junge Erwachsene mit ausgereiften video gaming skills gibt heutzutage! Ja, wieso ist es dann so schwierig für das Militär, diesen hervorragend qualifizierten Nachwuchs zu rekrutieren? Fehlt dem Nachwuchs etwa die Motivation zum Langstrecken-Töten, ist der Killerinstinkt für ferngesteuertes Massakrieren ungenügend ausgeprägt? Oder sind die jungen Leute von heute zu verweichlicht - sprich: nicht feige genug -, um aus vollklimatisierten, komfortablen Militärbunkern heraus per Knopfdruck unschuldige Zivilisten (Männer, Frauen, Kinder) in Stücke zu zerreißen?

Jedenfalls muss der Oberste Heeresführer, Friedensnobelpreisträger und Verwalter von (für den Drohneneinsatz erstellten) "kill lists" sich bald etwas einfallen lassen; erst recht, wo er gerade im Begriff ist, wieder mal kriegslüstern die Krallen auszufahren. Da kann die Militärindustrie noch so bombig aufgestellt sein, mit zum Platzen vollem Drohnen-Auftragsvolumen und verheißungsvoll wachsenden Märkten, hm, Einsatzgebieten - irgendein rückgratloser, desensibilisierter, auf Dehumanisierung gedrillter Soziopath muss die ferngelenkten Killermaschinen bedienen.

Und weil Soziopathen nun mal nicht auf Bäumen wachsen, muss die Drohnen-Wahrnehmungs-Industrie - vulgo: Kriegs-PR - volle Kraft angeworfen werden:
Das Militär und die corporate media befinden sich voll im Übersteuerungsmodus, um die öffentliche Wahrnehmung des U.S. Drohnenprogrammes zu verbessern und Drohnenattacken in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Ein Teil des Wortgeklingels legt nahe, dass nicht nur auf die öffentliche Meinung abgezielt wird, sondern - noch wichtiger - auf die Meinung von potentiellen Drohnenpilot-Rekruten. Drohnenpiloten werden umdefiniert zu "sensor operators". Die Drohnenindustrie fährt eine Kampagne zur Abschaffung des Wortes Drohne. Und um Drohnenpiloten zu rekrutieren, setzt die Air Force verstärkt Videospiele ein und bezeichnet diese als "militainment".
MilitainmentJoin the army. Have fun.
Spiel' das Spiel deines Lebens, knall' sie alle ab, but let's play it safe,
du selbst bleibst stets in sicherer Entfernung.

Hey, Videospielfreak, schon mal was vom "double tap" gehört? Klar hast du das, bist ja ein Kenner der Materie!
Der Begriff double tap ist eine der Regeln aus dem populären Film Zombieland, der auch als ein Videospiel verfilmt wurde. Der Film basiert auf den Abenteuern eines jungen Mannes, während er durch eine Zombie-Apokalypse navigiert. Er lernt, auf bestimmte Überlebensregeln zu setzen. Double tap - auf jeden Zombie zweimal zu schießen, selbst wenn der bereits tot aussieht - ist eine der Regeln.
Siehst du, genau so machen wir das auch mit unseren Drohnen, hm, Sensoren. Es gibt bei uns im Militär eine Drohnentechnik, die nennen wir "double tap", und die geht so:
Eine Drohnenattacke wird durchgeführt, und nur wenige Augenblicke später werden die ersten Helfer, die am Schauplatz eintreffen, um die Opfer zu retten, von einer zweiten Drohnenattacke getroffen.
 - um wirklich ganz sicher zu gehen, you know. Weil, doppelt gekillt hält besser, aber wem sagen wir das, für dich, den geübten Videospieler, ist das ja nichts Neues - come on, join the army, join us playing, fire up your double tap, shoot them zombies, sie haben es nicht besser verdient, unsere Feinde, die Terroristen, all die Männer, Frauen und Kinder, die gerade eine Hochzeit feiern oder einem Begräbnis beiwohnen oder zum falschen Zeitpunkt sich am falschen Ort aufhalten - Zombies, alles Zombies.


Worauf wartest du noch? Komm spielen! Die Army braucht dich, sucht dich händeringend, sie wartet auf dich, dein Land wartet auf dich, ja, dein Land, denn dein Land bietet dir einen zukunftssicheren Job, denn in deinem Land werden bereits Zehntausende von Drohnen hergestellt für den Hausgebrauch, für den Einsatz in deinem Land - Zombieland, you know.

Es gibt viel zu tun. 
Join us. 
We are the real Zombies.
Wir wollen doch nur spielen.

Kommentare:

  1. Mögliche musikalische Untermalung: Spliff - Kill

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  2. Würde der Friedensnobelpreisträger sich höchstpersönlich an der Rekrutierung von Langstreckenkillern beteiligen, indem er nicht nur auf den Spaß, den der Job bringt verweist, sondern auch auf seinen moralischen Wert, dann könnte sich die Armee vermutlich nicht mehr retten vor Anwärtern. Denn wer möchte nicht zur Erhaltung des Weltfriedens beitragen?

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    1. Ich weiß nicht. Vielleicht sollten wir diese Gamer Kids nicht für weniger clever halten als sie sind? Möglicherweise können die ja, grade wegen ihrer Expertise an den Joysticks, sehr präzise unterscheiden zwischen echtem Spiel und sogenannten Krieg"spielen" und durchschauen darum diese täppischen Rekrutierungs-Anwerbeversuche samt der flankierenden Schmuserhetorik, ob mit oder ohne moralische Verbrämung. Jedenfalls würde ich das nicht ausschließen wollen.

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