Donnerstag, 6. Dezember 2012

Das große Arbeitslos gezogen


Immer diese Arbeitslosigkeit! Dabei wäre das Problem mit der Arbeitslosigkeit gar nicht so schlimm, wenn nur die vielen Arbeitslosen nicht wären. Darum will jetzt - in einem ersten Schritt - die EU die hohe Arbeitslosigkeit verbieten. Nächste, weit wirksamere - weil das Übel an der Wurzel packende - Maßnahmen sollen folgen: Wie verlautet, will die EU demnächst die Arbeitslosen selbst verbieten. Dann wird endlich Schluss sein mit der Unzufriedenheit der arbeitslosen europäischen Bevölkerung, und die EU kann sich in aller Ruhe ihrer eigentlichen Aufgabe - der Integration aller von den Arbeitslosen befreiten Länder, Völker und Wirtschaften - widmen.

Bis dahin ist allerdings noch der eine oder andere arbeitslose Mensch unauffällig zum Verschwinden zu bringen. Wie das gehen soll? Ganz einfach - mit Arbeitslosen! Eine italienische Supermarktkette macht es vor: Dort gibt es nämlich Arbeitslose zu gewinnen. Teilnahmeberechtigt ist im Prinzip jeder, wobei es sich natürlich in erster Linie um Arbeitslose handelt, die an Arbeitslosen interessiert sind, ist ja klar, denn wer sonst sollte auf ein Arbeitslos scharf sein?

Ganz leicht wird es jedoch den Arbeitslosen in Italien nicht gemacht, an ein Arbeitslos ranzukommen. Wäre ja auch zu einfach! Etwas Mühe müssen die sich schon geben, bisschen Eigeninitiative zeigen und in Vorleistung gehen: Mit einem Minimumbeitrag von 30 Euro (Einkauf von Lebensmitteln) sind sie dabei, die Arbeitslosen, und dafür bekommen sie ein Arbeitslos aus der Supermarkt-Lotterie, und wenn sie Glück haben, gewinnen sie mit ihrem 30-Euro-Arbeitslos einen Arbeitsplatz im Supermarkt und sind dann mit einem Schlag ihre Arbeitslosigkeit los. Hey, wenn das keine coole Arbeitsbeschaffungs-, ähm, Arbeitslosenbeseitigungsmaßnahme ist!

Man nennt so etwas übrigens 'win-win', weil ja alle Beteiligten an der Maßnahme gewinnen: Der Arbeitslose gewinnt einen Arbeitsplatz (okay, nur einen befristeten Aushilfs-Teilzeit-Job, aber immerhin als Lagerarbeiter oder Gabelstapelfahrer, das ist doch schon mal was), und der Supermarkt gewinnt einen Haufen Geld aus dem Erlös der Losverkäufe. Übrigens auch aus dem Verkauf der Nieten, wie das halt so ist bei einer Lotterie.

Im Rahmen ihres ehrgeizigen Programmes zur restlosen Beseitigung der Arbeitslosen zeigt sich die EU  begeistert von der cleveren Übergangsmaßnahme der italienischen Händler und hat letzteren - im Gegenzug - versprochen, ihnen ein Stückchen vom EU-Friedensnobelpreiskuchen abzugeben; schließlich wird auf diese Weise in Bälde Frieden an der europäischen Arbeitslosenfront herrschen.

Bis es so weit ist, hat die EU auf ihrem jüngsten Gipfeltreffen einstimmig beschlossen, das Unwort 'arbeitslos' (sofern es nicht großgeschrieben wird) ein für alle mal auszumerzen, also zu verbieten. Wer das Unwort trotzdem weiterhin verwendet, muss zur Strafe alle europäischen Arbeitslosen auf einem (von der europäischen Kommission DIN-normierten) Gabelstapler die nächsten zehn Jahre im Kreis durch die Eurozone fahren und darf nur in solchen EU-Ländern anhalten, wo gerade mal wieder ein Fachkräftemangel™ herausposaunt wurde.

Wie berichtet, wurde in den Fuhrpark an EU-normierten Gabelstaplern bereits kräftig investiert; dieser wurde - bedarfsgerecht - um prophylaktische 11,9 Prozent ausgebaut und mit der harmonisierenden Aufschrift versehen: "Bei uns bleibt keiner auf der Strecke!"

Kommentare:

  1. Absolut brillanter Text. Chapeau!

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  2. Sehr gut geschrieben, Mrs. Mop. Ich hatte das gar nicht mitbekommen mit den Arbeitslosen in Italien.
    Ich vermute, der Staat verdient dann an den Lotterieeinnahmen und holt sich auf diese Art wenigstens etwas von seinem Arbeitslosen-Einsatz zurück.
    Schämt sich eigentlich irgendwo noch irgendjemand?
    s Fröschle

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  3. Das muss einfach eine Ente sein. Ich kann nicht glauben, dass es schon so zynische Formen angenommen hat. Nicht zu verdauen an diesem Samstagmorgen... meine Güte.

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