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Freitag, 7. September 2012

Zur Sonne


Was tun, wenn eine politische Partei im freien Fall nach unten ist? Erst mal nachschauen, wie tief sie gefallen ist. Also, von welcher Höhe in welche Tiefe.

Das ist im vorliegenden freien Fall der griechischen PASOK - einer Partei, die sich ungeniert sozialistisch nennt und dabei stramm kapitalistisch agiert - eine Fallgeschwindigkeit von fast 50 Prozent, bezogen auf einen Zeitraum von gut zwei Monaten: von bereits lausigen 12 Prozent (Parlamentswahlen am 17. Juni) auf unterirdische 7,5 Prozent (6. September). Mit anderen Worten, die Partei fällt schneller in den Abgrund als ein nasser Zementsack.

Zeit zur Einkehr, zur Besinnung, zur Reflektion. Was tun? Für eine stramm kapitalistisch agierende Partei kann das nur heißen: ein Markenrelaunch mit auffrischender Imagepolitur, und darum - logo - muss ein neues Logo her:


Die neu gestylte Parteisonne leuchtet symbolstark in frühlingsfrischem Grün; dafür hat sie zwei ihrer Strahlen verloren (jetzt sieben statt früher neun) - vermutlich symbolischer Ausdruck für den Verlust an Strahlkraft, den die Partei nicht erlitten, sondern durch ihre Politik selbst verursacht hat: Sie dümpelte nach den Wahlen nur noch als drittstärkste Partei in den Niederungen der Wählerungunst und ist seit ein paar Tagen weiter abgesackt auf Platz vier; also ein in frischem Grün kolorierter Sonnenuntergang.

In launigen Worten halluzinierte Parteichef Venizelos bei der Enthüllung des neuen Parteilogos, bei "unserer Sonne" handele es sich um "das Universum unserer progressiven Werte", deren Anzahl auf magische Weise von neun auf sieben progressiv geschrumpft wurden, was sich möglicherweise abbildet in den schrumpfenden Sympathien für eine neoliberalistisch verstrahlte sozialistische Partei (die sich der Forderung nach einer Sechstagewoche bei gleichzeitigen Lohn- und Rentenkürzungen unterwirft) und die Frage aufwirft, wie zugedröhnt eine Partei sein muss, dass ihr, mitten im freien Fall befindlich, nichts anderes als ein neues strahlenreduziertes Logo einfällt.


War noch was? Ach ja, wie erwähnt ist PASOK auf Platz vier in der Parteienpositionierung abgestunken, weil es ihr - so wie allen anderen Parteien in Griechenland - nicht gelingt, gegen die erfolgreiche faschistische Neonazi-Partei Golden Dawn anzustinken (das sind die mit dem Hitlergruß und den Hetzjagden auf Ausländer). Die "goldene Morgenröte" hat in den letzten zwei Monaten einen steilen Sonnenaufgang hingelegt von 6,9 Prozent (17. Juni) auf 9,5 Prozent (6. September) und sich damit zur - demoskopisch gesehen - drittstärksten Partei gemausert.

War noch was? Eigentlich nicht, bis auf diese Grafik, die eine Korrelation zeigt zwischen dem Ansteigen von Arbeitslosigkeit und dem Ansteigen der Wählerstimmen für eine Nazi-Partei:

(zum Vergrößern auf Link klicken)

War sonst noch was? Ach so, bevor ich's vergesse: Die Arbeitslosigkeit in Griechenland ist im Verlauf nur eines Monats (Mai bis Juni 2012) um fast ein Prozent angestiegen (von 23,5 auf 24,4 Prozent).

Aber sonst war nichts. Absolut nichts.


Donnerstag, 2. August 2012

Morgenröte und Paradies



In Athen gibt es neuerdings ethnisch reine Lebensmittel-Almosen an bedürftige Griechen. Griechen, wohlgemerkt, nur an Griechen. Gegen Vorlage des griechischen Passes. Die Passkontrolle der schlangestehenden hungrigen Menschen erfolgte durch Organisatoren der rechtsextremen Partei Golden Dawn. Mit Kartoffeln, Nudeln, Milch und Olivenöl beschenkt wurden bevorzugt arbeitslose Menschen und kinderreiche Familien. Sofern sie ihre reinrassige griechische Herkunft nachweisen konnten.

Die wohltätigen Nationalsozialisten verteilten unter dem Signum 'Für Griechen von Griechen' ausschließlich Produkte griechischer Hersteller und griechischer Landwirte. Ob den griechischen Herrenmenschen von den Lebensmittelproduzenten ebenfalls Rassenachweise vorgelegt werden mussten, ist nicht bekannt, darf aber vermutet werden; immerhin war es bei vorausgegangenen Suppenküchen - veranstaltet von Golden Dawn für arme Menschen ausschließlich griechischer Herkunft - zu unliebsamen "Fehlern" gekommen, als unter den Zutaten Produkte entdeckt wurden, die in deutschen Supermärkten gekauft worden waren.

Die jüngste Spendenaktion fand in Syntagma Square statt, direkt vor dem Gebäude des griechischen Parlamentes. Die Aufforderung (griechischer) Staats- und Polizeibeamter, "solcherart Aktionen" auf dem berühmtesten Platz Athens zu unterlassen, wurde von der Partei der aufziehenden Morgenröte ignoriert. Ilias Kasidiaris, Parlamentsmitglied von Golden Dawn,
bezeichnete den Bürgermeister von Athen als "Bürgermeister der illegalen Immigranten" und schloss in eindeutig beleidigenden Worten, dass Golden Dawn weiterhin die Entscheidungen griechischer Beamter missachten werde, genauso wie griechische Bürger dies täten.
Eine in der Warteschlange anstehende Frau gab gegenüber dem bei der Aktion anwesenden BBC channel an, diese Initiative mache "Golden Dawn um ein Vielfaches attraktiver". Betont wurde ferner von Partmitgliedern, das gespendete Essen werde aus "staatlichen Geldern" finanziert: "Unser Slogan heißt: Staatliches Geld zurück an die Bürger".

Mehr fällt mir im Moment nicht ein.

Oder doch, das hier:


Besonders interessant: ab etwa 9:30 min.
Noch interessanter:
die letzten 30 Sekunden:
Was hat er versprochen? Arbeit und Brot für die Massen, für die Millionen Arbeiter, die damals arbeitslos und hungrig waren. Heutzutage, in unserer Wohlstandsgesellschaft, haben Arbeit und Brot keine Bedeutung mehr, aber damals war es ein absolutes Grundbedürfnis. Dieses Versprechen würde heutzutage keinerlei Sinn haben, aber damals - damals klang es wie ein Versprechen aus dem Paradies.
Damals.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Prellungen


Es geht nichts über ein perfektes Timing.

Gestern meldete die FAZ (Print) aus SPD-Kreisen:
"Steinbrück hatte ... am Dienstagmorgen die Delegierten aufgefordert, nicht zu übertreiben. Die SPD müsse ein Bündnis zwischen den Starken und den Schwachen organisieren, dabei dürfe man die Starken nicht verprellen, warnte Steinbrück."
Ebenfalls gestern meldete sich einer der Starken zu Wort: Jamie Dimon, Chef der JP Morgan Chase Bank:
JP Morgan CEO Jamie Dimon: Stop Bashing the Rich

"Acting like everyone who's been successful is bad and that everyone who is rich is bad - I just don't get it,"
jammerte Dimon während einer Goldman Sachs Konferenz:
Big banks, and CEOs like Dimon, have come under fire from Occupy Wall Street and other protesters who are disgruntled about income inequality and feel that big corporations - financial institutions in particular - have undue influence on government. In fact, last month, the protesters in New York targeted Dimon specifically, marching to his apartment and the residences of other wealthy New Yorkers.
Kein Zweifel, dieser starke Typ fühlt sich "verprellt", wie es ein Steinbrück - der die Nähe zu starken Typen sucht und liebt - ausdrücken würde. Bashing the rich! Geht gar nicht! Steinbrück lässt grüßen.

Wie, die Starken darf man nicht verprellen? Stop bashing the rich? Okay, aber nur unter einer Bedingung: Stop trashing the world, the economy and the democracy, you financial terrorists! Occupy lässt grüßen.

Wie es der Zufall und das perfekte Timing wollen, meldete Reuters, ebenfalls gestern, ein weiterer starker Typ sei unter Beschuss geraten. Na ja, was heißt Beschuss. An Josef Ackermann, CEO der Deutschen Bank, wurde ein dubioses Päckchen möglicherweise explosiven Inhaltes geschickt. Die Sprengstoffexperten untersuchen noch, unter Hochdruck. Na ja, was heißt Hochdruck. Vielleicht das falsche Wort in diesem Kontext. Egal. Meinetwegen fieberhaft.

Sweet irony: Als Absender stand auf dem Päckchen wer drauf? Na? Nee, nee, Quatsch, nicht Occupy - nein, ein paar Etagen höher gelegen als #occupyfrankfurt, nämlich: die EZB. Echt jetzt. Versucht die EZB den Ackermann zu verprellen! Sachen gibt's.

Mal ehrlich, irgendwie ist es mir ganz recht, nicht zu den Starken zu gehören. Nicht bloß, dass man da in einer Tour verprellt wird - man muss auch noch um Leib und Leben fürchten! Weil, ich meine, einen Haufen Kohle zu machen ist die eine Sache. Die Sonne am nächsten Morgen aufgehen zu sehen, die andere.

Montag, 17. Oktober 2011

Kalt um den Hintern, warm ums Herz



Die ersten beiden Nächte sind überstanden.
Schon ziemlich rustikal.
Zu kalt.
Zu hart.
Zu eng.
Zu laut.
Irgendwo ein bisschen exterrestrisch und durchgeknallt das Ganze.
Alles in allem: Zum Drangewöhnen.
Sofern jemand dem gewissen Durchknallfaktor etwas abgewinnen kann.
Ich kann.

Allein schon deshalb.

Aber auch deshalb:
morgens aufwachen und Zelte entdecken,
die am Abend vorher noch nicht dort gestanden sind.
Es sind inzwischen über dreißig Zelte.

Und natürlich deshalb...

...und deshalb:
sich wundern, wie schnell es geht, sich heimisch in einer kleinen, improvisierten Parallelwelt zu fühlen; alles nicht mehr so eng sehen (obwohl alles ziemlich eng ist, siehe oben); sich irgendwie durchwurschteln; auf Gewohntes verzichten; hinnehmen, dass das alles mit Veilchen und Lavendel wenig zu tun hat.

...und - damit in Zusammenhang - deshalb:
So erstaunlich leicht einerseits der Abschied von gewissen Standards fällt, die gemeinhin unter das Stichwort "Zivilisation" fallen - und dann andererseits entdecken, dass die guten alten Spießerreflexe nach wie vor aus der zwei Tage alten Wäsche und dem Zelt rausgucken: In der Nachbarschaft des eigenen Zeltes wird es immer enger, die fremden Zelte kommen näher, zwei Meter entfernt baut schon wieder ein Neuankömmling auf - abchecken, sprich: geiern&gaffen! Ist der Neue okay? Ist der in unmittelbarer physischer Nähe zu ertragen? Wie, auch noch mit Hund? Was, wenn die Töle nachts am Bellen ist? Jessas, der Köter wird sich doch nicht etwa im Zeltumkreis entleeren? Mann, könnte der sein Zelt nicht irgendwo anders, bitte, nur nicht grade hier?

Mitkriegen, dass der Neue schwer in Ordnung, sein Hund ein toller Aufpasser (die Zelt-Nachtwache funktioniert noch nicht so hundertprozentig) und sein Campingstühlchen erste Sahne ist.

Und dann diese verdammte Kälte. Abends. Nachts. Frühmorgens.
Kalt, so kalt kalt kalt.

Leere Tonne auftreiben.
Holz hacken. Palettenholz.
Alle zwei Minuten der Ausruf:
Hurra, schon wieder eine Europalette in der Tonne!

Ofen anwerfen.

Wärme. Abends. Morgens. Nachts.
So schön warm, warm, warm.

Keiner muss frieren. Irgendwann steht jeder mal an der Tonne und hält andächtig die Hände ans Feuer. Abends und nachts stehen alle dichtgedrängt - entweder tiefsinnig in die Flammen starrend oder politisierend, meistens beides. Das fabelhafte Wärmefässchen ist zu unserer Dorfkneipe 'Zur Tonne' geworden: Hier erfährt man alle Neuigkeiten, lernt die interessantesten und komischsten Leute kennen, hört zu, mischt sich ein, diskutiert engagiert, macht Platz für halberfrorene Neuankömmlinge, steht noch dichter, spürt, wie Bauch und Hände wohlig warm werden, dreht sich um, lässt den Hintern rösten, diskutiert dabei weiter - skurrile Bilder sind das, die ich nie vergesse: Zwei Stammgäste debattieren hitzig, der Tonne zugewandt, drehen sich um, wärmen sich die Körperrückseite, gebückte Haltung (Po friert am empfindlichsten), debattieren dabei ungebremst weiter, aber ohne Blickkontakt, weil das sonst mit dem Poaufheizen nicht mehr funktionieren würde. Ich liebe so etwas.

Wenn's um die Tonne zu voll wird und Bauch&Po aufgewärmt sind, wird auf den Rasen ausgewichen. Überall bilden sich Grüppchen mit sich wildfremden Menschen, die wie ausgehungert anfangen, miteinander zu reden und konzentriert zuzuhören.


Und ruckzuck machen Themenvielfalt und Gesprächsbedarf aus einer Gruppe zwei Gruppen:

Es pulsiert hier. Etwas vibriert.

Gegenüber vom Camp ist das Frankfurter Schauspiel (viertes Bild von oben). Nach der Abendvorstellung strömen Theaterbesucher heraus und schauen sich verdutzt das Camptreiben an. Die meisten bleiben am Rand stehen. Einer im feinen Zwirn meint mit spöttischem Lächeln und Blick auf die lodernde Dorftonne: "Wie, und soo wollt ihr den Kapitalismus besiegen?" Er findet keinen rechten Anschluss. Die Leute sind vollauf mit Händewärmen und Diskutieren beschäftigt. Der im Zwirn beobachtet längere Zeit die Tonne. Dann wendet er sich ab und verschwindet.

Wärmste Empfehlung an verdutzte Theatergänger: Der beste Gesprächseinstieg, um mit den Campern in Kontakt zu kommen (wenn es denn wirklich gewünscht wird), wäre der hier: "Kann ich dir ein warmes Getränk spendieren?", und dann: einfach sich an die Tonne stellen. Ohne große Umstände. Ohne Berührungsängste. Ohne distanzierende Sottisen. Ohne näselnde Besserwisserei. Und gut aufpassen, dass der Zwirn nicht Feuer fängt.


Freitag, 8. Juli 2011

Kanarischer Revolutionswecker


Positiv sollst du deinen Tag beginnen.


Dactah Chando.
Der Doktor aus Tenerifa.
Spanischer Rap.
Kanarischer Reggae.
Supertyp. Zum Kennenlernen.

Montag, 1. November 2010

Zweiter Frühling


Das Herbstwetter ist großartig zur Zeit, sagen alle. Ich auch. Reinstes Biergartenwetter. Ein strahlend warmer Nachmittag, die Sonne scheint zur weit geöffneten Balkontür herein, T-Shirt-Time, und die Temperaturen machen Lust auf einen entspannten Grillabend, wenn nicht die früh einsetzende Dunkelheit so verwirrend wäre. Wer hat schon Lust, den Grill gegen 17 Uhr wieder zusammenzupacken und eine Stunde später Heizkissen zu verteilen? Tagsüber Frühling, abends Herbst. Gestern Oktober, heute November.

Seit gestern wird es verdammt früh dunkel. Das kann ans Gemüt gehen, muss aber nicht, denn andererseits wird es verdammt früh hell. Also, morgens. Als ich heute um zwanzig nach sechs aufs Rad stieg, war es deutlich heller als sonst: Es dämmerte bereits vielversprechend; wenig später waren die Kaninchen mit bloßem Auge, ohne Fahrradflutlicht und auf zehn Meter Entfernung gut zu erkennen. Toll. Dann wurde es schnell immer heller. Kurz vor sieben deutliche Anzeichen von Sonnenaufgang. Am ersten November. Den ganzen Oktober bin ich um diese Uhrzeit durch stockdunkle Nacht gefahren. Darum hat sich das heute morgen angefühlt wie ein astreiner Frühlingsschub und mich urplötzlich in ein merkwürdiges Stimmungshoch katapultiert, das jeglicher lebensrealistischen Basis entbehrte, aber trotzdem sehr real und dem gegenüber ich machtlos war. Ich fing doch glatt an auf dem Fahrrad zu singen. Zweiter Frühling, sozusagen.

Mal sehen, was so gegen 17 Uhr passiert.

Dienstag, 7. September 2010

Haben wollen


Es gibt Dinge, gegen die stumpft man niemals ab, selbst wenn man sie fast täglich erlebt. Zum Beispiel Sonnenaufgänge. Zum Beispiel heute morgen - das war das Wildeste, was mir je an Sonnenaufgang begegnet ist: eine feuerrote Glut über den gesamten Horizont, wie der Widerschein eines gigantischen, gefräßigen Waldbrandes. Zu atemberaubend, um es mit Worten zu beschreiben.

Es gab mal eine Zeit, da habe ich Fotos von Sonnenaufgängen fast serienmäßig ins Blog gestellt, und dann kam eine Zeit, wo ich dachte, jetzt ist aber mal gut; wo ich überhaupt kein Bedürfnis mehr danach hatte, Sonnenaufgänge zu fotografieren und ins Blog zu stellen, und nachdem eine ganze Zeit das Bedürfnis weg gewesen war, brach die Zeit an, wo die Kamera weg war, weil ich sie eines Nachts dem Regen preisgegeben hatte. Kein Bedürfnis, keine Kamera - ein bedürfnisloses Leben wäre an dieser Stelle zu preisen, gäbe es nicht jene Augenblicke, wo meine Hand immer noch instinktiv an die Fotoinnentasche meines Anoraks fährt, um dann frustriert innezuhalten. So ein Augenblick war heute morgen.

Während der Fahrt ins lodernde Feuer hinein - ich fahre von Westen nach Osten - dachte ich über den dringend erforderlichen Neukauf einer Kamera nach. Nach meinem letzten Millionencoup hatte ich nämlich beschlossen, mich mit etwas Schönem zu belohnen. Schön heißt für mich: praktisch, funktional, Freude bereitend, mein Leben bereichernd und damit verschönernd. Also eine neue Kamera, was sonst. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass mich momentan nichts glücklicher machen würde als eine neue Kamera. Das irrsinnige Naturspektakel am Himmel tat sein übriges, um meine subjektive Bedürfnispyramide vollends zu manipulieren.

Zehn Minuten vor Erreichen meines Arbeitsplatzes fing es an zu regnen. Es hörte nicht mehr auf zu regnen. Es hat bis zum jetzigen Augenblick nicht aufgehört zu regnen. Es regnet in einer Tour. Es macht sich äußerst unangenehm bemerkbar, dass mein Fahrradrucksack nicht mehr so wasserdicht ist, wie er es mal war. Es war mir unsäglich lästig, nach Feierabend den Rucksack trickreich in zwei riesige Plastiktüten zu verhüllen, um seinen Inhalt vor Aufweichen zu schützen. Es soll die nächsten Tage weiterhin Hunde und Katzen regnen. Es war sonnenaufgangsklar, dass es mich nach Feierabend mit meinem weißen Plastik-Pixiklo auf dem Rücken in das nahegelegene Fahrradfachgeschäft meines Vertrauens ziehen würde. Es kam, wie es kommen musste: Nach längerem Fachpalaver und Erfahrungsaustausch mit Kunze kaufte ich einen großen Kurier-Rucksack - absolut wasserdicht, gut durchdachter Tragekomfort und so robust verarbeitet, dass der Rucksack mit großer Wahrscheinlichkeit mein kleines Leben überdauern wird.

Um genau zu sein, ich habe den Rucksack nicht gekauft, sondern bestellt. Jetzt fiebere ich ihm voller Vorfreude entgegen. Wenn ich Glück habe, ist er am Freitag da. Was gibt es Schöneres als einen soliden Kurier-Rucksack, allzeit verlässlich wie ein guter Kumpel? Ich kann es kaum erwarten.

Wie, eine Kamera? Hätte ich vor lauter Überschwang fast vergessen. Eine Kamera möchte ich haben, brauche sie aber nicht. Einen Fahrradrucksack brauche ich und möchte ihn haben. Einsnull für den Rucksack. Natürlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass die gute Qualität des Rucksacks ihren stolzen Preis hat; bei 79 Euro werde ich einige Putzüberstunden Zeit haben, um diese Investition wieder reinzuholen. Auf der anderen Seite ist der Rucksack nur halb so teuer wie die Kamera. Also habe ich doch, nach Lieschenmüllerhochrechnung, etwas gespart, oder nicht? Jetzt ertappe ich mich schon bei Überlegungen, wie ich die andere Hälfte sinnvoll verprassen könnte. Nieder mit dem Konsumwahn.

Sonntag, 22. August 2010

Versklavt


Irgendwann (war es früh? war es spät?) bin ich dann doch auf allen Vieren nach Hause geschlichen, um mir eine Mütze Schlaf zu besorgen. Jetzt sitze ich auf dem Balkon und meditiere über die Farbe Rosa. Mit der Farbe Rosa kann man mich in allen Lebenslagen bis zum Nordpol jagen - in fast allen. Nur, wenn die Sonne gerade aufgeht und die paar hellgrauen Wolkenfetzen am Himmel von unten rosarot anstrahlt, werde ich all meinen Prinzipien untreu.


I'm a slave to the rhythm.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Hund unter


So richtig gefallen ist der Groschen erst heute morgen, also jetzt.

Zur üblichen Morgenstund' - Sonnenaufgang, Kaffee auf Dachterrasse, Sauerstoffschock - fällt es mir wie Schuppen vor die Augen: Da hat doch glatt eine notorische Frühaufsteherin von einem passionierten Spätaufsteher einen Preis verliehen bekommen. Ja. Einen Preis! Also, keinen Preis fürs Frühaufstehen natürlich - wo wäre da der Sinn? -, sondern einen Preis dafür, dass die Frühaufsteherin übers frühe Aufstehen und verwandte Themen bloggt. Nehme ich jetzt mal an, zu meinen Gunsten, weil, wieso den Preis ausgerechnet ich bekomme, hat der Spätaufsteher nicht verraten, aber vielleicht muss er nochmal drüber schlafen.


Der Preis trägt einen Namen: Underdog. Finde ich gut. Passt. Sitzt. Hat Luft. Bekanntlich liegt ja unter meinem roten Sofa ein dauerschnarchender Hirtenhund, der auf den Namen Blues hört, aber nur dann, wenn er wach wird, was selten vorkommt (zum Verlinken darauf ist es mir leider noch zu früh). Irgendwie muss der Hund das mit dem Underdog im Traum aufgeschnappt haben, denn er hat tierisch gefiept und mit dem Schwanz über den Boden gewedelt und danach ein Wellness-Schnauf-und-Schnarchprogramm abgeliefert vom Feinsten.

Vom Feinsten, das ist mein Stichwort, denn vom Feinsten ist auch das Blog des Preisverleihers: Feynsinn. Ich fühle mich geehrt. Vor längerer Zeit habe ich mal einen Shout auf Feynsinn getrompetet, man kann ruhig sagen: eine Fanfare, weil ich ihn nämlich aus guten Gründen bereits auf meiner Blogrolle hatte, als ich noch gar nicht wusste, was eine Blogrolle ist. Nur, wie in aller Welt soll ich um diese Uhrzeit den Shout verlinken, der, um verlinkt zu werden, ja erst mal gefunden werden muss? Ich bin mir sicher, Flatter wird dafür Verständnis haben, wenn er die Uhrzeit dieses Postings sieht.

Ich glaube, damals hatte ich irgend so etwas geschrieben wie: Der Typ hat Haare auf den Zähnen vom Allerfeinsten. Also, nicht dass ich das genau so formuliert hätte, damals, auf keinen Fall; bestimmt habe ich mich gewählter ausgedrückt. Aber gemeint habe ich es so. Und tue es noch heute.

Um ehrlich zu sein, ich kann vor Stolz kaum laufen.

Dienstag, 29. Juni 2010

Problemlösung


Problem gelöst. Draußen geschlafen - wie ein glücklicher Stein. Von der kühlen Morgenluft wach geworden. Dem Sonnenaufgang entgegengeblinzelt. Erfrischt und ausgeruht.

Und erst das Internet. Läuft wie geschmiert um diese Uhrzeit. Muss wohl damit zusammenhängen, dass es um sechs Uhr früh keine WM gibt. Bitte lieber Gott, lass es immer sechs Uhr früh sein.

Positiv sollst du den Tag beginnen.

Dienstag, 25. Mai 2010

Flügelschlag


Ikarus lässt grüßen.
Sonnenaufgang 5:28 Uhr.

Montag, 24. Mai 2010

Wie die Karnickel


Sommerschnee, dritter Teil. Einer geht noch.

Zu Sonnenaufgang erwartet uns eine nahezu geschlossene Schneedecke bei sommerlichen 22 Grad. Die Wissenschaftler sprechen von einem Phänomen.
Die Kaninchen auch.

Ende der Pappelsamen-Trilogie.

Donnerstag, 22. April 2010

Einfahrt freihalten



Der Ton wird rauher.
Die Drohungen handfester.
Es ist sozusagen die Kacke am Dampfen.

Mittwoch, 17. März 2010

Märzschmerz


Heute früh um zehn vor sechs war der Himmel noch ein wenig blauer als gestern, was kein Wunder ist, denn die Morgendämmerung beginnt ja jeden Tag zwei bis drei Minuten früher. Zwei bis drei Minuten früher, das sind täglich Riesensprünge, wenn man bedenkt, dass es im Januar gerade mal eine schwache halbe Minute pro Tag war. Außerdem wird die Gesamtdauer der Morgendämmerung immer kürzer werden (zur Zeit 33 Minuten), aber nur noch wenige Tage lang, nämlich bis zur Tagnachtgleiche am 21. März (Ende April wird die Dämmerungszeit bereits 37 Minuten betragen).
So weit, so trocken.

Ich hätte nie gedacht, dass so etwas wie ein Sonnenstandrechner mich jemals auch nur die Bohne interessieren könnte. Aber das war zu Zeiten gewesen, als ich mich morgens um halb sechs für anderes zu interessieren pflegte als für die Frage, wann es beginnt hell zu werden. Ob der Himmel nun um 5:50 Uhr oder um 5:47 Uhr anfängt blau anzulaufen, geht dem Schlafenden ja völlig an der Bettwurst vorbei. Der frühe Wachmensch dagegen lädt sich einen Sonnenstandrechner herunter und vertieft sich in die Märzdaten. Weil er, der Wachmensch, gar nicht genug bekommen kann von dem blauen Morgenhimmel, welcher jeden Tag hoch über ihm, dem Wachmenschen, ein paar Minuten früher aufbricht. Nach Datenlage müsste der 29. März eigentlich der Tag sein, an dem ich um 5:18 Uhr aufs Rad steige und zeitgleich der Himmel blau wird. Nur noch wenige Tage also. Das könnten stimmungshebende Aussichten sein, wenn...

...tja, wenn der Konjunktiv nicht wäre. Als mein Finger die kommenden Märztage herunterscrollt, stelle ich mit Entsetzen fest, dass Ende des Monats wieder alles stockdunkel sein wird: die verfluchte Sommerzeit. Augenblicklich beginne ich sie zu hassen; ihretwegen gibt es blauen Himmel um 5:18 Uhr erst wieder am 26. April. Ihretwegen geht das öde Strampeln im Dunkeln also von vorne los. Meine himmelblauen Frühlingsgefühle gehen schnurstracks in den allerschwärzesten Keller.

Wie ich mich so meinem sommerzeitbedingten Frust hingebe, bemerke ich, dass selbiger mir irgendwie bekannt vorkommt. War da nicht was? Doch, da war was. Den Jahreskalender 2009 aufgeklappt, den März runtergescrollt, und siehe da, der 24. März 2009 bringt es an den Tag, an welchem ich zum ersten Mal um 5:20 Uhr aufs Rad gestiegen bin, um meiner neuen prekären Beschäftigung nachzugehen. Ich erinnere mich noch gut, wie grauenhaft ich Uhrzeit und Dunkelheit empfand; an den darauffolgenden Tage ebenso. Damals war ich völlig außerstande, Nuancen in der Dunkelheit wahrzunehmen, Blautöne, Aufhellungen, Veränderungen. Ich sah nur schwarz.

Dann kam der 29. März 2009 und mit ihm die Umstellung auf Sommerzeit, und am Montagmorgen, den 30. März, wurde mir schlagartig und schmerzhaft klar, wie sich wirkliche Dunkelheit anfühlt. Erst im Nachhinein wurde mir an jenem Montagmorgen bewusst, dass ich in den Tagen davor ein paar wundervolle tiefblaue Stunden ignoriert hatte. So etwas wird mir im Jahr 2010 nicht wieder passieren - bis zum 28. März werde ich täglich blaue Wolken zählen, sie mir von allen Seiten anschauen, abmessen und dann die kleinste von ihnen vom Himmel klauen, in meinen Rucksack packen, davonfahren, und wenn mit der Sommerzeit die Dunkelheit zurückkommt (ist das nicht pervers?), wird die blaue Wolke in den schwarzen Himmel gebeamt und dort bleibt sie dann und wird die Stellung halten, bis die anderen blauen Wolken endlich zurückkommen werden, und die dumme Sommerzeit, die kann uns dann mal.

Dienstag, 16. März 2010

Blaues Wunder


Heute früh halb sechs Uhr, stockdunkel wie immer. Wie immer. War es jemals hell gewesen um halb sechs Uhr früh? Ich kann mich nicht erinnern. Der lange kalte Winter hat mein Gedächtnis eingefroren und verdüstert. Und diese nicht endende tägliche frühmorgendliche Dunkelheit ist so unglaublich öd, dass der einzige Weg, sie auszuhalten, darin liegt, sich einfach an sie zu gewöhnen. Was heißt einfach. Ja doch, einfach - es blieb mir ja nichts anderes übrig, als mich an die täglich draußen aufwartende Ödnis zu gewöhnen, obwohl ich mich lange gesträubt hatte, und dann habe ich mich halt irgendwann gefügt und irgendwie gewöhnt und fertig. Was soll man machen.

So gegen zehn vor sechs radle ich immer über eine dieser hochgeschwungenen, steilen Autobahnbrücken. Raus aus dem Sattel, hochkneten, Backen spüren, keuchen, angenehme Adrenalindurchflutung, wach bis in die Fingerspitzen. Auf halber Höhe schaue ich himmelwärts, wie man das so macht bei Aufstiegen. Auch daran habe ich mich gewöhnt: An genau dieser Stelle während des Hochfahrens in die schwarze Unendlichkeit zu schauen, ohne mich vom Gefühl der endlosen Öde überwältigen zu lassen; mein pumpender, pulsierender Organismus hilft mir dabei.

Jetzt kommt's. Heute früh um zehn vor sechs sah es hoch oben über der Autobahnbrücke weder schwarz noch öd aus: Vielmehr war da eine weiche Wolkenlandschaft aus tiefdunklen Blautönen. Irgendwo sehr weit hinter den nachtblauen Wolken schimmerte schemenhaft ein helleres, leuchtenderes Blau hervor. Es war so wunderschön und traf mich so überraschend, dass mir, schnaufend überm Sattel stehend, ein lautstarkes Boah! entfuhr und ich am höchsten Punkt der Brücke abstieg, um dieses unglaubliche Blau in mich hineinzusaufen.

Dann fuhr ich die steile Brücke hinunter, und alles war wieder schwarz wie immer. Als ob nichts gewesen wäre. Aber der Himmel kann so schwarz sein wie er will - dort über der Autobahnbrücke hat er sich verraten. Da gibt es kein Zurück. Da ist etwas im Kommen. Wird Zeit, dass meine Gewohnheiten sich umgewöhnen.

Sonntag, 27. September 2009

Gewählt


Früh aufgestanden.

Himmlische Rauchzeichen gelesen.

Wählen gegangen.

Stimme an der richtigen Stelle versenkt.

Jetzt aber auch wirklich Schnauze voll,

und zwar gestrichen.

Blick nach oben.

Erste Hochrechnungen abwarten.

Sonntag, 9. August 2009

Ungeschriebene Kommentare

Es gibt Dialoge, die gibt's gar nicht. Mit Leuten, die mein Blog lesen und das Gelesene gern kommentieren, allerdings nicht hier an Ort und Stelle, sondern lieber am Telefon. Wenn ich dann frage, weshalb sie das am Telefon machen - schließlich blogge ich ja auch nicht mit dem Telefonhörer in der Hand -, sagen sie über kurz oder lang, dass ihnen das am Telefon irgendwie lieber sei. Okay.

Der Dialog heute am Telefon ging so:
(A = Anruferin, M = Mrs. Mop)

A: Auf deinem Blog fühlt man sich wie im tiefsten Winter.
M: Wie das?
A: Ja, weil es auf deinem Blog morgens immer so dunkel ist.
M: Bitte, es ist morgens dunkel, überall, nicht bloß auf meinem Blog.
A: Es hat halt so was Unrealistisches, findest du nicht?
M: Ich finde, es gibt kaum was Realistischeres als die verdammte Dunkelheit morgens.
A: Ja schon, aber wer kriegt die schon mit?
M: Ich zum Beispiel.
A: Ja eben, aber für die meisten Leute ist es im Sommer morgens hell.
M: Genau. Und wenn es im Sommer morgens nicht mehr hell ist, weiß man, der Sommer geht zu Ende. Und was danach kommt, kennt man ja.
A: Bei dir holt man sich ja den Winterblues. Und das Anfang August!

Winterblues. Was für ein wunderschönes Wort. Augenblicklich erkannte ich mich darin wieder. Es war früher Nachmittag, freundlich sonnig, schwülwarm aber noch angenehm, die Luft roch schwer sommerlich, und die Lust am Sommer paarte sich mit der melancholischen Gewissheit, morgen früh erneut dem Winterblues zum Opfer zu fallen.
Was lag näher als dem Winterblues hinterherzugoogeln. Um festzustellen, dass meine neu entdeckte Wortkreation längst in aller Munde ist. Alle reden vom Winterblues, alle haben ihn, nur keiner hat ihn Anfang August. Vermutlich weil sie, genau wie A, morgens um halb fünf noch im Bett liegen.
Am interessantesten fand ich diesen Artikel samt Editorial über den sogenannten manifesten Winterblues; liefert eine blitzsaubere Diagnose dessen, was mir widerfährt. Zum Beispiel erkennen Tiere die Wechsel der Jahreszeiten anhand der Tageslänge, was bei Fledermäusen, Siebenschläfern, Hamstern und Murmeltieren (klingen alle schon so verschnarcht) ein notwendiger Signalgeber für den Winterschlaf zu sein scheint. Genau wie bei mir: Keine Lust, mitten in der Nacht das Schlafen abzubrechen, bloß weil angeblich Morgen ist.
Sobald die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen auf die Netzhaut fallen, senden spezielle Photorezeptoren Signale zu den Neuronen des SCN (Nervenzellbündel über der Kreuzung der Sehnerven), die daraufhin schneller und anhaltend feuern - wie ein Wecker, der den ganzen Tag nicht mehr aufhört zu bimmeln.
Eben, weswegen in dunkler Herrgottsfrühe nichts bimmelt noch feuert; mein Organismus zieht es vor, im Nachtmodus zu bleiben. Dies, so lese ich,
quittiert ihre (meine) Zirbeldrüse prompt mit einer verlängerten Melatoninfreisetzung am Morgen, was dann wiederum zu Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit führt.
Wissenschaftlich aufgebrezelt heißt das Ganze Seasonal Affective Disorder (SAD), vulgo Winterblues. Und wer wissen will, wie sich die affektive Unordnung frühmorgens anfühlt, braucht nur an seinen letzten Langstreckenflug zu denken:
Menschen mit saisonalen Depressionen erleben so etwas wie einen ständigen Jetlag. Sie wachen auf und fühlen sich, als wäre es mitten in der Nacht. Und wie verschiedene Studien zeigen, ist es für sie physiologisch gesehen wirklich mitten in der Nacht.
Genau so fühlt es sich an. Jeden Morgen mache ich einen kleinen Jetlag durch. Der wie per Knopfdruck endet, sobald die ersten Lichtstrahlen auf die Netzhaut treffen. Ab dann wird gefeuert und die Lebensgeister kommen in Fahrt. Davor ist es zappenduster im System. Müsste A jetzt eigentlich auch verstehen. Bestimmt ruft sie die nächsten Tage wieder an. Ich kann sie ja auch verstehen, von wegen Winterblues im August. Ich weiß, wie Schokoladennikoläuse im September nerven.

Freitag, 7. August 2009

Mondscheintarif



Noch weit und breit kein Sonnenaufgang heute früh um halb sechs. Dennoch ungewöhnlich hell für die Jahres- und Uhrzeit. Ein sonderbares, irreales Licht. Zum ersten Mal seit den vergangenen fünf Monaten kam ich auf die Idee, mich umzudrehen und einen Blick nach Westen zu werfen, von wo ich jeden Morgen aufbreche. Und dort hing die übernächtigte Lichtquelle. Ich wurde auf der Stelle vollmondsüchtig. Vollmondsüchtig heißt, stundenlang den Mond anzuschauen, dabei sonderbare, irreale Sachen zu denken und darüber die Zeit zu vergessen. Gefährlich. Schnell wieder aufsteigen. Wie gut, dass ich nach Osten fahre und den Vollmond stets im Rücken habe.

Freitag, 31. Juli 2009

Sinneswandel

Die Tage werden merklich kürzer. Zum Zeitpunkt der Sonnenwende war mir davor etwas bang gewesen. Und tatsächlich, es gibt Tage, da schlägt mir nicht nur die morgendliche Dreivierteldunkelheit um halb sechs aufs Gemüt, sondern - mehr noch - das Gewahrwerden, dass es von nun an jeden Morgen noch dunkler sein wird. An solchen Tagen grantle ich auf dem Fahrrad rum, bis ich urplötzlich feststelle, dass es dafür überhaupt keinen Grund gibt:

Gute Tage sind das.

Montag, 22. Juni 2009

Hokuspokus


Einen Tag nach der Sommersonnenwende, gleiche Stelle, gleiche Uhrzeit. Trotzdem steht die Sonne heute höher als gestern. It's magic. Ich habe die Sonne überlistet.