Montag, 16. August 2010

White Rabbit


Willst du dir den Tag versau'n,
musst du in den Spiegel schau'n.

Was spricht das Spieglein an der Wand heute morgen? Dass meine Augen aussehen wie die eines gedopten Kaninchens nach drei Tagen Schlafentzug. Dabei habe ich immerhin drei Stunden geschlafen. Es hätte noch schlimmer kommen können - aber vor drei Stunden habe ich meine segensreiche Texterei beendet, einen fetten Punkt gemacht, und ich sah, dass mein Werk gut war. Ich habe es sogar noch geschafft, Korrektur zu lesen und dabei festgestellt, dass ich zweimal - es kann sich also um keinen Zufall handeln - das Wort Tiefkühltruhe ohne t geschrieben hatte. Also, nicht etwa am Anfang, sondern in der Mitte, Tiefkühlruhe. Wäre ich darüber nicht in hysterisches Kichern verfallen, hätte ich drei Stunden und zehn Minuten schlafen können.

Jetzt können die Millionen rollen.

Doch zunächst fährt die Millionärin wie jeden Morgen zum Putzen. Verrückt.
Am verrücktesten ist, dass ich es, gerade heute, gar nicht mal ungern tue. Verstehe ich selber nicht. Manchmal bin ich mir ein Rätsel.

Jetzt aber erst mal aufs Rad und dem System Frischluft zuführen. Jede Wette, dass die Kaninchen heute nicht vor mir weglaufen wie sonst.


Kommentare:

  1. Mach Dir keine Gedanken - das kenne ich auch: Selbst nach einem geistigen Orgasmus, wie man ihn noch aus früheren Zeiten kennt, kann es durchaus vorkommen, dass die Rückkehr in die gewohnte prekäre Umgebung sich gut anfühlt ... :-)

    Ich bin hier diskret und verrate nichts darüber, wie der Herr Journalist sich über Wasser hält (das wäre allzu peinlich), aber Deine Millionen seien Dir gegönnt. :-)

    Immerhin weißt Du jetzt, wie ich jeden Morgen aussehe. Nur die langen Ohren, die musst Du Dir wegdenken. ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Huh - das hast du jetzt gut auf den Punkt gebracht mit der "Rückkehr in die prekäre Umgebung" - ich dachte schon, bei mir ist eine frühmorgendliche Schraube locker :).

    Wie jetzt, ist deine Neben- oder Hauptmucke (je nachdem) soo peinlich? Peinlicher als Putzfrau? Kann ich mir schwer vorstellen. Bringt jetzt aber meine Phantasie schwer auf Trab...

    Sleep well, rabbit...;)

    AntwortenLöschen
  3. ...boah, zweimal hintereinander 'schwer'...das muss die postkoitale Schwäche nach dem geistigen Orgasmus sein, ach du Herr Jessas :)

    AntwortenLöschen
  4. Ich finde das Putzen nicht peinlich. Ich versuche mich zwar oft davor zu drücken, aber wenn man alleine lebt, geht das eben auf Dauer nicht. ;-) Und so stand auch das vergangene Wochenende ganz unter dem Zeichen des Wischlappens (einen Mop besitze ich nicht *g*) und Fensterabziehers.

    Deine Phantasie (schreibt man das nicht neuerdings mit "F"?) kann indes nicht prekär genug sein, um Dir wirklich auszumalen, woher das meiste Geld des Schreiberlings seit einiger Zeit stammt. Sei Du mal froh, dass Du Dich "nur" mit Frau Übermop & Co. auseinandersetzen musst ... mehr kann und darf und will ich öffentlich nicht sagen. :-)

    (Nicht der Arbeitgeber, wie bei Dir, dafür aber möglicherweise Freunde und Familie lesen mit.)

    AntwortenLöschen
  5. Hast du eine Ahnung, wie prekär meine Phantasie ist ;)!

    Eine "freie Kollegin" von mir turnt des Nachts um diese komischen Stangen rum, weißt schon, in einem jener Etablissements, wo sie (die Kollegin) dann nächtens inständig hofft, dass keiner ihrer ehemaligen Auftraggeber auf einen Drink vorbeikommt und sieht, womit sie neuerdings ihr Geld verdient. Sie verdient übrigens nicht schlecht dabei.

    Ich wär' ja auch nicht grade begeistert, wenn einer meiner Ex(Auftraggeber) morgens plötzlich um die Ecke biegt und Zeuge wird, wie ich leere Flaschen, sortiert nach Glasfarben, in den Container donnere.

    Vielleicht sollte ich umsatteln und einen gepflegten Escortservice für alleinreisende Ex-Auftraggeber anbieten, sie in besagte Etablissements führen, betrunken machen und dann mit dem Finger auf den Tresen zeigen und sagen: 'Gucken Sie mal, das ist der Barkeeper Charlie, den kennen Sie doch auch, oder? Und die Lady an der Stange nicht auch? Sehen Sie, nachts sind halt alle Katzen ziemlich bunt! Und jetzt her mit dem Trinkgeld!'

    Frühmorgens ist meine Phantasie immer am prekärsten :).

    AntwortenLöschen
  6. *räusper* - Den Barkeeper würde ich ja sogar gerne geben ... allerdings vermute ich mal, dass in solchen Etablissements doch eher weibliche Fachkräfte auch hinterm Thresen stehen sollen. ;-) Für mich wäre da vermutlich nur an der Eingangstüre oder aber in der Putzkolonne ein Plätzchen frei. - Deine Geschäftsidee hat aber was ... allerdings bräuchtest Du dann dringend einen neuen Namen, denn "Mrs. Mop" geht dann gar nicht. ;-)

    Beim Lesen Deines Kommentars ist mir spontan aufgefallen, dass es tatsächlich auch einen Vorteil meiner Hauptbeschäftigung gegenüber der Deinen gibt: Es kann nämlich durchaus passieren, dass ich (Ex-)Bekannte oder ehemalige Auftraggeber erkenne, wenn sie meine Dienste in Anspruch nehmen - umgekehrt ist das jedoch ausgeschlossen. :-)

    (Sicherlich geht jetzt wieder das muntere Rätselraten los ["Was zur Hölle treibt der Kerl bloß ..."], aber ich kann nunmal hier in der Öffentlichkeit nicht mehr dazu sagen. *g*)

    AntwortenLöschen
  7. Charlie, so was darfst du frühmorgens nicht schreiben, weil, dann knallt meine prekäre Phantasie vollends durch. Sprachen wir hier nicht neulich von dem Film 'Eyes Wide Shut'? Wo die Protagonisten nur Gesichtsmasken am Alabasterleib tragen und sonst nichts?

    Perfekte Camouflage...du erkennst deine Kunden und bleibst selber inkognito. Und machst vermutlich einen unanständigen Haufen Kohle damit.

    Werde mir demnächst als Niedriglöhnerin einen Feudel vors Gesicht hängen, zwecks Unkenntlichmachung. Ach, was sag' ich - ich bastele mir eine Feudel-Burka, dann bin ich endlich auf der sicheren Seite.

    AntwortenLöschen
  8. Den "unanständigen Haufen Kohle" weise ich strikt von mir, ansonsten hast Du aber recht. :-) Die Analogie zu "Eyes Wide Shut" ist nicht von der Hand zu weisen ...

    Die Idee der Feudel-Burka ist aber auch sehr hübsch. Ich stelle mir das gerade bildlich vor und höre im geistigen Ohr sogar schon den entsetzten Kommentar der Frau Übermop ... ;-)

    AntwortenLöschen
  9. Mir schwante so etwas. Die Grübelei hat ein Ende ;). Schon an die passende Altersvorsorge gedacht? Weil, auch den knackigsten Revuekörper ereilt es irgendwann...:)

    "So gehst du mir nicht vor die Tür!", wird sie wettern und damit quasi den Grundgedanken der Burka auf den Kopf stellen.

    AntwortenLöschen
  10. Ja toll, kaum komm ich mal vor lauter Arbeit nicht zum Bloglesen, schon geht's hier runder als im besten Spionageroman.

    Mrs. Mop in der Feudelburka und ein mysteriöser Fremder mit noch mysteriöserer Beschäftigung... ich warte auf die Fortsetzung!

    Wo fängt eigentlich prekäre Beschäftigung an? Gibt es da Kriterien?

    AntwortenLöschen
  11. Ja Mensch, irgendwie kommt hier eins zum andern ;).

    So mysteriös ist der Charlie gar nicht. Ein Klick und du erfährst mehr über ihn...

    Ach ja - wo fängt prekäre Beschäftigung an?
    Ich würde sagen: da, wo es sich für das Individuum prekär anfühlt. Da, wo der Mensch von früh bis spät (im Falle Charlies von spät bis früh) dem Geld hinterher springt. Da, wo er nicht weiß, ob er nächsten Monat einen seiner momentanen Jobs noch hat. Da, wo er aufhört, an nächstes Jahr zu denken. Da, wo er sich abgewöhnt hat, über Urlaub, Krankheit und Alter nachzudenken, weil ihn das Hier und Jetzt genug in Schach hält. Da, wo mit der Ruhelosigkeit im Alltag gleichzeitig die Gedankenklarheit, Schärfe und Kompromisslosigkeit wächst.

    (Das letzte Kriterium kann ich nur für mich selbst in Anspruch nehmen. Wie das bei anderen Prekären ist, müsstest du die anderen Prekären fragen.)

    AntwortenLöschen