Dienstag, 10. August 2010

Holzauge


Ich habe mal gelesen, dass es Tiere gibt, die mit offenen Augen schlafen, habe aber vergessen, welche Tiere das sein sollen. Hunde gehören aber nicht dazu, meine ich mich zu erinnern.

Aus diesem Grund macht es mich etwas nervös, dass mein Hund Blues zwar schläft und dabei weltmeisterlich schnarcht, jedoch neuerdings ein Auge dabei geöffnet hat. Nicht richtig offen, nur so halb, so transusig irgendwie, aber immerhin, das linke Auge ist eindeutig nicht völlig geschlossen.

Ich weiß jetzt nicht, soll ich meinem Gehör trauen (Geschnarche) oder dem Augenschein (linkes Auge auf Halbmast)? Eigentlich bin ich ja der Typ, der sich auf seine Ohren wesentlich mehr verlässt als auf seine Augen, und bin damit immer gut gefahren. Jemand, der mich gut kennt, hat mal zu mir gesagt: Du siehst mit den Ohren. Da ist was dran. Manchmal, wenn die Leute über irgend etwas reden, mache ich die Augen zu und kriege dann sehr viel besser mit, was gemeint ist, vor allem, wie es gemeint ist.

Andererseits gibt es diese Redensart, dass man bloß nicht die Augen verschließen sollte vor irgend etwas, und da ist ja nun auch was dran. Wenn also mein Hund seine Augen nicht verschließt, zumindest nicht sein linkes, sollte ich ihn vielleicht ebenfalls im Auge behalten. Weil, sonst rennt er am Ende noch laut schnarchend, aber mit weit aufgerissenen Augen durch mein Leben, so eyes-wide-shut-mäßig, und dann könnte es zu spät sein.

Kommentare:

  1. Also - es iss schon 'n Unterschied, betreffend eindringen ins (Langzeit-)Gedächtnis ob akstuisch (im allgemeinen: schwach), olfaktorisch, haptisch oder visuell (im allgemeinen: stark [letzteres am leichtesten zu täuschen]).
    Von Flora (12 Jahre alter Riesenschnäuzer) kenn' ich das aber auch, schlafen mit einem oder auch zwei offenen Augen - und seelig schnarchen.

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  2. Du spielst hier aber hoffentlich nicht auf das Alterswerk von Stanley Kubrick an, oder? Ich meine, ich bin zwar keine "Emanze", aber dieses letzte Werk eines ansonsten beachtlichen Regisseurs kann man doch wirklich nur noch als Altherrenfantasie bezeichnen (http://de.wikipedia.org/wiki/Eyes_Wide_Shut ). ;-)

    Mit offenen Augen schlafen übrigens die Menschen in Europa und der restlichen "zivilisierten" Welt. Sie tun das sogar mit großem Genuss und wähnen sich dabei auch noch in Sicherheit.

    Das hat nichts mit Deinem Posting zu tun, aber ich wollte es doch mal erwähnen. :-)

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  3. @Vogel
    Hab' ich jetzt nicht wirklich gerafft, liegt evtl. an der frühen Stunde.
    Oder daran, dass im Moment Ravel (sic!) akustisch eindringt und dies durchaus nicht "schwach".

    Das mit Flora find' ich jetzt ausgesprochen beruhigend.

    @Charlie
    Doch, doch, auf eben jenen Film. Vielmehr halt auf den Titel, weil mir der zu dem Hundeauge einfiel. Ich finde diesen Filmtitel ein schlechthin geniales Wortspiel (puh, was schlechtes Deutsch, sorry). Ansonsten geb' ich dir völlig recht.

    Auch für Teil 2 deines Kommentars. Oh Mann, wie recht du damit hast. Hoffentlich liest der Vogel das. Könnte glatt seinen transatlantischen Verriss (s. Kommentare 'Kultur der Armut') ein wenig relativieren.
    Ja, die schnarchen mit offenen Augen lauthals dem Großen Desaster entgegen...;)

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  4. Von Hunden lernen heißt siegen lernen. Selbst im Schaf trachtet er noch danach, das linke (!) Auge offen zu halten. ;-)

    Mein Hundi kann übrigens auch mit halb geschlossenen Augen auf dem Rücken liegend, schnarchen wie ein Schwein.

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  5. @Anonym
    "Von Hunden lernen heißt siegen lernen. Selbst im Schaf trachtet er noch danach, das linke (!) Auge offen zu halten. ;-)"
    Hunde sind halt die "besseren" Menschen :-D

    @ Mrs. Mop
    Chralie hat doch recht, so 'was von recht, rechter geht's gar nich!! Und: Ich hab' noch 'mal nachgeguggt - von transatlantischem Verriss keine Spur ... die Amis sinn Banane, ja - und wir auch - deshalb mein erster Gedanke (erstes Hauptanliegen) - aber die Amis sind Bananer als wir, deshalb dazu weitere Gedanken und Infos (ein Beispiel: Bob) - für den Transport meines zweiten Hauptanliegens ("gugg lieber aus'm Fenster") hab' ich dann Goethe bemüht; Goethe iss immer gut, oder? Ich kenn' sonst nix von dem Kerl außer noch'n berühmtes Zitat eines Ritters ;-)

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  6. @Anonym

    Toller Hinweis, danke! War mir noch gar nicht aufgefallen (außer anatomisch), dass es dem Blues sein LINKES Auge ist, mit dem er im Halbschlaf die Realität peilt...und dabei womöglich sogar mitkriegt, dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, oh Herr Jessas...

    @Vogel
    Ich mag zwar Schwächen im Genitiv haben, dafür liegt deine Stärke eindeutig im Komparativ..."die Amis sind Bananer als wir", sakradi, das hat Aussage *lol*

    Und dann das:

    Ihr glücklichen Augen,
    Was je ihr gesehn,
    Es sei wie es wolle,
    Es war doch so schön!

    Sprach mein Hund im Traum? Nee, sprach Goethe.

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  7. Ach, das macht nix, schlechtes Deutsch kann ich auch gut (ich bitte dieses Paradoxon zu würdigen). ;-) Wenn ich zählen müsste, wie oft ich schon Postings im Nachhinein korrigiert habe, käme ich in Bedrängnis.

    Möchtest Du wissen, was mein Blues unterdessen tut? Ich habe ihn in den Urlaub geschickt - er soll in Bolivien mal andere Horizonte kennen lernen. :-) Derweil stupse ich immer mal wieder meine Nachbarn an: "Hallo, Frau Schmidt? Glauben Sie wirklich immer noch daran, dass die CDU/FDP/SPD/Grünen Ihre Interessen vertritt?" Die Antwort ist meist griesgrämig, denn im Grunde weiß Frau Schmidt, dass dem nicht so ist - sie kann es bloß nicht zugeben. So vertreiben wir uns die Zeit, bis der große neue Knall kommt. :-)

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  8. Guter Tip. Vielleicht sollte ich den Blues auch mal auf Reisen schicken in ferne Länder, damit er kennenlernt, was "wirklicher" Blues ist. Obwohl, nee nee, das klingt ja dann schon wieder verdächtig nach: Was, du kommst mit vierhundertnochwas Euro im Monat nicht klar - geh mal nach Afrika, dann weißt du, was wirklicher Hunger ist.

    Du verstehst. Das Schlechte wird, nur weil's irgendwo noch schlechter ist, deshalb noch lange nicht gut. Oder so ;).

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