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Freitag, 15. April 2011

Guggst du Eier oder was


Wer jetzt denkt, hier sei ein exterrestrischer, des Deutschen ebensowenig wie des Englischen mächtiger Ostereiersucher unterwegs, denkt falsch.


Rischdisch is', dass hier der Angestellte einer Stadtreinigung aus dem Hessischen auf Streife geht. Selbstauskunft: "Isch gugg in alle Egge, ob's uff de Gass auch rischdisch sauber is." Also Frühjahrsputz? "Naa, des nennt sisch Kwalidädssischerung."

Freitag, 19. November 2010

Land und Leute


Andere Länder, andere Sitten.

Heute fragte mich die spanische Putzfrau beim Kaffeetrinken nach dem Rezept für meinen Schokoladekuchen. Während wir über das ausgewogene Verhältnis von Schokostückchen, Kakao, Zucker und Vanille diskutierten, gesellte sich ihr Ehemann, der Hausmeister (immer dabei, wenn es nach Kaffee riecht) zu uns und wollte wissen, wieso ich gestern einen fast kompletten Kuchen mitgebracht habe. Also erzählte ich die Geschichte.

Er hörte aufmerksam zu. Als ich fertig war, fing er an zu lachen. Er amüsierte sich königlich. Als er fertig war mit Lachen, sagte er: "Deutschland!" Mehr nicht. Aber er sprach das Wort mit so viel Sarkasmus in der Stimme und im Gesicht aus, dass jedes weitere Wort überflüssig erschien. Seine Frau nickte heftig dabei. Dann fing sie an zu erzählen.

Das spanische Ehepaar war vor gut 30 Jahren nach Deutschland gekommen (und lebt seit über 20 Jahren im ersten Stock über dem Restaurant). Sie habe 16 Jahre lang in einer deutschen Schule geputzt, danach acht Jahre lang in einem deutschen Kindergarten. In beiden Arbeitsverträgen habe eine Berufsbezeichnung gestanden, die sie befremdet habe, denn, so sagte sie: "Ich war eine Putzfrau, also habe ich die gefragt: Ich bin doch Putzfrau von Beruf, warum schreiben Sie da was anderes rein?" Sie konnte sich an das befremdliche Wort nicht mehr erinnern, meinte, es sei so etwas ähnliches gewesen wie "Hausangestellte". Nein, rief ihr Mann, "es hieß anders, es hieß - warte mal - ah ja, Raumpflegerin hieß es. Raum-pfle-ge-rin!" Seine Stimme troff schon wieder vor Sarkasmus.

Seine Frau lachte: "So was Dummes - ich pflege doch keinen Raum, ich putze ihn!" Ja, konterte der Spanier, "aber dann müssten die Deutschen Raumputzerin sagen, und das geht nicht. In Deutschland geht das nicht. In Deutschland sagen sie nicht gern das, was sie meinen. Sie erfinden dauernd komische Wörter, um nicht das sagen zu müssen, was sie meinen."

Dann erzählte die Spanierin von ihrer Arbeit im deutschen Kindergarten: Jedes Mal, wenn ein Kind das Wort Putzfrau in den Mund genommen habe, sei es ihm von der Erzieherin "verboten" und stattdessen der Begriff Raumpflegerin verordnet worden. Sie habe das lange Zeit nicht verstanden, fuhr die spanische Putzfrau fort, aber sie habe deutlich wahrgenommen, dass 'Putzfrau' als "irgendwie böses Wort" gegolten habe. Ihr Mann ergänzte: "Im Deutschen ist es ein Wort der Erniedrigung."

In Spanien, fuhr seine Frau fort, heiße eine Putzfrau Limpiadora und werde auch so genannt:"Eine limpiadora ist bei uns eine limpiadora, fertig. Eine limpiadora ist ein ganz normaler Beruf. Eine Frau, die putzt, ist halt eine limpiadora - wo ist das Problem?" Im übrigen, setzte sie hinzu, gelte in ihrem Herkunftsbereich (der Süden Spaniens) jede Frau, die gerade am Putzen ist, als limpiadora, also auch jede x-beliebige Hausfrau, die gerade ihren Küchenboden wischt.

Irgendwie, meinte die spanische Frau, sei das eine "typisch deutsche" Geschichte, die ich da erlebt hätte. Was daran typisch deutsch sei, wollte ich wissen? "Weißt du", antwortete sie, "ich habe drei Kinder großgezogen, und alle drei habe ich so erzogen, jeden Menschen als das zu sehen, was er ist - als einen Menschen..." (Als die Spanierin dies sagte, wurde mir ganz komisch zumute; einerseits empfand ich eine berührende Wahrhaftigkeit in ihren Worten, andererseits meldete sich in mir so eine linkshemisphärisch-verzickte Stimme zu Wort, die mir zuraunte, das sei nun aber doch irgendwie ein Tick zu sentimental und naiv. Ich glaube, das war eine sehr deutsche Reaktion von mir gewesen.) "...als einen Menschen - egal, was er macht und wie er sein Geld verdient. Viele Deutsche erziehen ihre Kinder dazu, etwas Besseres als andere Menschen zu werden", ergänzte sie. "Werden zu wollen", wurde sie von ihrem Mann korrigiert.

Die Deutschen seien kompliziert, resümierte der Spanier, "sie verachten den Beruf Putzfrau, wollen aber ihre Verachtung verbergen. Also denken sie sich ein neues, umständliches Wort aus, hinter dem sie ihre Verachtung verstecken können. Was die sich alles für neue Wörter ausdenken!", lachte er, "dabei wäre es doch so einfach: Wenn sie die Putzfrauen nicht verachten würden, bräuchten sie auch kein neues Wort." Darüber musste ich auch lachen und sagte ihm, das klänge viel zu unkompliziert, um wahr zu sein. "Siehste", grinste der Hausmeister ('siehste' ist eins seiner deutschen Lieblingswörter), "nur ein Deutscher kann über etwas Unkompliziertes sagen, es sei zu unkompliziert." Das saß. Ich seufzte und wäre gern eine unkomplizierte Spanierin gewesen.

"Ach," dachte ich laut, "warum machen wir Deutschen uns das Leben so schwer?" Da fing der Spanier wieder an, spöttisch zu grinsen und gab zurück: "Was fragst du mich das? Ich denke, du hast studiert?"

Ts.

Samstag, 10. Oktober 2009

Kopflos


Worum handelt es sich hier? Um das, was man ein schönes Paar nennt?

Ein Herr, der seiner kopflosen Dame ritterlich das Täschchen trägt. Könnte auch seine frühreife Tochter sein, nach der Körpergröße. Arme hat sie auch keine, die Arme, weder fürs Täschchentragen noch für andere Aktivitäten. Ein echter Fall von Schwerstbehinderung.
Was zum Teufel will uns das Deutsche Rote Kreuz damit sagen?
Die DRK-Sozialarbeit wendet sich an Menschen jeden Alters. Sie verhindert, betreut und versorgt soziale Einschränkungen aufgrund von Erkrankungen und Notfällen.
Könnte hinkommen. Ohne zu dramatisieren, lässt sich hier von einem Notfall sprechen, rundum gut betreut. Wo bloß der Kopf geblieben sein mag? Vielleicht hier.

(Gesehen an einem Informationsstand des Deutschen Roten Kreuzes)

Montag, 7. September 2009

Rad ab

Der hat wohl ein Rad ab, geht eine gebräuchliche Redensart. Gemeint natürlich im übertragenen Sinne, etwa wie Bei ihm ist eine Schraube locker, um in der maschinell-technischen Metaphorik zu bleiben, oder auch Sie hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, eine Redensart traditionell-häuslicher Provenienz. Beim Googeln nach dem metaphorischen Umfeld von Rad ab stieß ich auf die Universität Oldenburg, Fachbereich Psychologie, und habe viel gelernt und gelacht.
Dort findet sich nämlich zum Thema Metaphernanalyse ein so erhellendes wie erheiterndes Referat. Es geht um die metaphorische Alltagsumschreibung von Krisen- und anderen seelischen Zuständen, wo 'die gesuchten psychischen Extremzustände in Bildern von beschädigten Werkzeugen oder Maschinen benannt werden'. Kennt man ja: Beim einen rappelt es, der zweite dreht durch, der dritte tickt nicht richtig und wird ebendrum in Bälde wohl ein Rad ab haben. Ich kann mir die Heiterkeit vorstellen, welche die Studentin beim Vortragen ihres Referates ausgelöst haben dürfte:
A hat ein Rad ab,
B hat 'ne Panne,
bei C ist die Luft raus,
D ist überdreht,
E hat überhaupt nicht geschaltet,
F ist ins Schleudern gekommen,
G stand unter Dampf, den er aber nicht ablassen konnte,
H hat Gas gegeben,
I kriegt die Kurve nicht.
Zuweilen ist man ganz überrascht, wenn einem bei all dem gewohnheitsmäßigen Metageschwurbel mal ein wortwörtlicher Sinnzusammenhang unterkommt. Wenn beispielsweise infolge eines abben Rades eine Panne sich ereignet, das Fahrzeug ins Schleudern kommt und aus der Kurve fliegt und somit die Luft aus allem raus ist. Es ist nämlich so: Der Flaschenboy hat ein Rad ab, und zwar tatsächlich. Ich meine, gesponnen hat er schon immer, der Flaschenboy, aber jetzt hat er, ganz unmetaphorisch, die Grätsche gemacht. Einseitiger Radbruch. Materialschwäche. Maroder Kunststoff, fürs Kaputtgehen konstruiert. Dummheit auf Rädern.
Ohne Räder sieht der Taugenichts noch dümmer aus. Ein Flaschenboy ohne Räder ist wie ein Ackergaul ohne Hufe, sprich zu nichts zu gebrauchen. Beide fressen sich voll, der eine mit Heu, der andere mit leeren Flaschen, dann stehen sie vollgefressen rum und rühren sich nicht vom Fleck; Luft raus, sozusagen. Währenddessen Mrs. Mop mächtig unter Dampf stand, den sie aber nicht ablassen konnte.
Als Problemlöser in der Not erwies sich ein solider Sackkarren alter Schule: Stahlrohrgestell, Vollkautschukräder, null Kunststoff. Der wuppt das dumme Ding auf seine Schaufel, bringt es in stabile Schräglage, der Rest ist bequemes Schieben. Wobei, aus der Perspektive des Flaschenboys ist es Geschobenwerden - er hockt halt radlos da vorne drauf und lässt sich von mir wie im Rollstuhl durch die Gegend kutschieren. Das Ganze sieht ziemlich von der Rolle aus, um im Bild zu bleiben, funktioniert aber gut. Über den Anblick haben sich die Jungs von der Müllabfuhr prächtig amüsiert; "Mülltonnentaxi", meinte der eine, der andere sagte was von "Pflegestufe", während der dritte nur den Kopf schüttelte und ein paar Mal "krrrass!" hervorstieß. Ich gab dann Gas, kriegte gerade noch die Kurve und konnte so doch noch ein bisschen Dampf ablassen.

Montag, 20. Juli 2009

Pflegeleicht

Es wäre aber auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Dieses Wort. Diese Überschrift. Jetzt ist sie weg. Statt der ursprünglichen trägt dieser Beitrag nun eine neue Überschrift, nämlich 'Krankenschwester'. Wer in den Kommentaren liest, ahnt schon, wie es dazu kommen konnte. Mir jedenfalls schwante beim Lesen so etwas, ohne genau zu wissen, was es sein könnte. Klingt das jetzt hinreichend konfus? Einfach weiterlesen (rote Hervorhebung von mir):

Betreff: CARE-Paket

Liebe Mrs. Mop,

vielen Dank für das konstruktive Telefonat. Wie telefonisch besprochen, möchte ich Sie bitten den geschützten Begriff „CARE-Paket“ nicht in Ihrem Blog zu verwenden.

Zum Hintergrund: CARE wurde 1945 in den USA gegründet, um Hunger und Verzweiflung in Europa mit mehr als 100 Millionen CARE-Paketen zu lindern. Heute greift CARE auf die Erfahrung und die Ressourcen einer modernen, internationalen Hilfsorganisation zurück. Unabhängig von politischer Anschauung, religiösem Bekenntnis oder ethnischer Herkunft setzen wir uns weltweit für Not leidende, arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein. Unsere Zielsetzung: Not lindern. Armut bekämpfen. Würde verteidigen. Mehr zum CARE-Paket (http://www.care.de/care-paket.html) und unserer Arbeit weltweit (http://www.care.de/projekt-hilfsprojekte.html) erfahren Sie auf unserer Homepage und/ oder bei unseren Gruppen bei facebook und Co.: http://www.care.de/social-media.html.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und liebe Grüße

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Stephanie Timpernagel

Referentin Online-Marketing und Werbung
CARE Deutschland-Luxemburg e.V.
www.care.de


Selbstverständlich will ich mich keinesfalls an geschützten Begriffen vergreifen, zumal es eine traditionsreiche, historisch bedeutsame internationale Hilfsorganisation ist, die über jenen Begriff ihre schützende Hand hält. Die Organisation tut dies ausgesprochen unbürokratisch: Ein Anruf, ein paar Fragen und Antworten, eine nette Plauderei, und der Fall war gelöst, noch bevor er zu einem wurde. Es hätte mir auch anderes blühen können. Gerade bei Blogs wird ja gern mal mit rabiateren Methoden gearbeitet. Mit Frau Timpernagel war es ein Vergnügen.

Trotzdem blutet mir natürlich das Herz, weil die tolle Überschrift jetzt weg ist. Solche Wortspielereien, sind sie mir erst einmal eingefallen, gebe ich nur höchst ungern wieder her. Krankenschwester, okay, geht so. Aber dieses andere Wort, dieses, naja, Pflege-Packerl, das war schon Kirschsahnetorte. Und das bei dem Fotomodell. Ach ja. Zu schön um wahr zu werden.

Samstag, 18. Juli 2009

Krankenschwester

Weibliche Dienstleistung ist ja ein beliebtes Sujet auf Schwulenfesten. Was die Kunst der Straßenperformance angeht, stehen die Putz- und Pflegeberufe ganz hoch im Kurs. Beide Sparten sind sich ja auch eng verwandt: Die Putzfrau pflegt einen Raum, darum wird sie gern Raumpflegerin genannt; die Pflegekraft putzt einen Patientenhintern und heißt dessenungeachtet Pflegekraft, nicht etwa Putzkraft. Das nur so am Rande.
Zum heutigen Höhepunkt der Feiersaison wurden wieder mal blühende Dienstleistungsphantasien ausgelebt.
Der Pflegesektor war darstellerisch stark vertreten,
also, wirklich stark,
auch von hinten. Obwohl hier 'stark' weniger angemessen erscheint, wobei 'schwach' gänzlich unzutreffend wäre. Mir ist das passende Wort noch nicht eingefallen.