Sonntag, 11. Oktober 2009

Und was machst du so?


Früher oder später ist sie ja regelmäßig fällig, die allseits beliebte Frage: "Und was machst du so?". Jeder versteht sofort, was gemeint ist, nämlich: was man denn so beruflich mache.
Nun ist es in meinem Fall mit der ehrlichen Beantwortung dieser Frage so eine Sache. Sie, die ehrliche Antwort, gerät schnell zum Konversationskiller. Feststellbar immer daran, wenn beim Gegenüber ein Wimpernzucken stattfindet und sich die Augenlider für einen Augenblick verengen, die Lippen sich straffen und leicht nach innen gezogen werden, so als ob er/sie sich auf die Lippen beißt. Und dann weiß ich schon, ab jetzt wird's anstrengend.

Es geht auch anders. Um zu vermeiden, dass der Smalltalk übers Berufliche kommunikativ nach hinten losgeht, reichen schon ein, zwei simple Maßnahmen, damit der Gesprächskontakt locker weiterplätschern kann. Habe ich heute festgestellt.

Bei einem Essen wurde ich gefragt: "Und was machst du so beruflich?", worauf ich der Fragenden für einen Moment eindringlich in die Augen blickte und sie dann zurückfragte: "Willst du das wirklich wissen?"
"Klar", sagte sie, "deshalb frage ich doch, weil's mich interessiert, was du beruflich so machst."
"Also gut - Putzfrau."
"Nee jetzt, im Ernst mal. Interessiert mich wirklich."
"Wieso, traust du mir das nicht zu, Putzfrau?"
"Ja doch, oder nee, ja also eigentlich wollte ich..."
Ich halte den Blickkontakt. Eben war gegenüber schon die erste Wimper am Zucken. Ich frage:
"Tut's dir jetzt leid, dass du die Frage gestellt hast?"
und lächle dabei breit, woraus fälschlich der Schluss gezogen wird, ich habe bloss Spass gemacht. Sie grinst, beugt sich etwas nach vorne und fragt mit abgesenkter Stimme:
"Jetzt sag doch mal, was machst du wirklich beruflich?"
Ich schaue mich nach allen Seiten um und antworte leise hinter vorgehaltener Hand:
"Drogendealerin."
Großer Heiterkeitserfolg. Wiehernd trabte die Fragende in Richtung Buffet.

Als ich später selbst am Buffet nachschöpfte, hörte ich neben mir erneut ihre Stimme. Sie ließ nicht locker. Sie war von zäher Neugierde und setzte zum dritten Landeanflug an:
"Sag mal, warum machst du eigentlich so ein Geheimnis aus deinem Job?"
Da war ich platt. Da fiel mir nichts mehr ein. Außer dass ich das Ganze saukomisch fand. Ich musste laut lachen. Sie gab Ruhe. Gerne hätte ich noch etwas Passendes draufgesetzt, aber leider fiel mir für diese verzwickte Situation nichts Passendes ein, erst auf dem Heimweg:
"Weißt du, unter uns, in Wirklichkeit gehe ich auf den Strich."
Sahnehaubenmäßig. Muss ich mir fürs nächste Mal merken.

Kommentare:

  1. das kenne ich - aber, weil ich halbtaub bin.
    ich: 'könntest du bitte an meine linke seite gehen, auf dem rechten ohr bin ich taub.. '
    er/sie: '??'
    ich: 'ja, wirklich, kein scheiß, komplett taub, ich höre da nix!'
    er/sie: 'aha.. ' *ungläubig auf die linke seite gehend...

    ^^ nimm' es als kompliment von einer überheblichen. auch was.

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  2. Sorry Rebhuhn, irgendwas raff' ich jetzt nicht ganz. Wieso 'überheblich'?

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  3. das war das resumée Ihres posts - eine bezeichnung für die frau, die Ihnen 'nicht geglaubt' hat, daß Sie putzfrau sind.
    [denn ich zumindest finde es überheblich, zu denken, daß diesen job z.b. Sie ja nunmal nicht machen werden, 'so schlecht, wie der ist'!]

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  4. Verstehe, danke für die Erklärung.
    Über das 'überheblich' war ich gestolpert, weil mir selbst inzwischen die beschriebene Reaktion schon fast normal vorkommt. Normal im Sinne von 'häufig', nicht im Sinne von 'okay'. Verstehen Sie?

    Übrigens, ich würde gerne Du zu Ihnen sagen. Wie wär's?

    ;)

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  5. verstehe - ich kann's mir gut vorstellen.
    und gern ab sofort 'du'. das ist mir da oben ja auch schon rausgerutscht ;)...

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  6. Sehr schönes Beispiel für die Prioritäten unserer Mitmenschen. Früher fragte man wenigstens noch:
    "NA? WIE GEHT`S?" Obwohl das auch niemanden interessiert hat.
    Nett wäre noch gewesen, wenn tatsächlich eine Diskussion über den Beruf der Putzfrau diskutiert entstanden wäre, aber das ist wahrscheinlich zuviel verlangt... von unseren Mitmenschen!
    Grüße vom Kellner

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  7. Ich glaube, so eine Diskussion wäre tatsächlich zu viel verlangt, ganz im Ernst. Wir leben nun mal in einem beruflichen Wertesystem, wo Putzfrau/Müllabfuhr als 'unterste Schublade' gilt.
    Daher ja auch die 'Schockstarre', wenn einem plötzlich am Buffet eine leibhaftige Putzfrau in Zivil gegenübersteht. Huch, äh, tja, ehm...hm. Keine gute Grundlage zum Diskutieren. ;)

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