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Sonntag, 13. Mai 2012

Street Life


Die Straße gehört uns.

Barcelona, 12. Mai 2012

Dienstag, 14. Februar 2012

Dem Valentin sein Tag


Statt Blumen:



Nein danke.


"No need to fire tear gas at protesters in Athens tonight ...
they are already crying with what is happening to Greece."


Bildquelle: rightnow.io, 12. Februar 2012
(Dank an R@iner)

Dienstag, 26. Juli 2011

How to respond to terrorism


"How to respond to terrorism"

200.000 Menschen versammelten sich gestern vor dem zerbombten Gebäude der Stadtverwaltung in Oslo. Was ursprünglich als Trauermarsch geplant, aber wegen der vielen Teilnehmer nicht durchzuführen war, wurde zu einer riesigen schweigsamen Trauerfeier,
...it became a silent and stationary memorial, especially moving when everyone held their flowers high and spontaneously and very mutedly sang Mordahl Grieg's "Til ungdommen".
There were speeches by many...but I actually thought the Mayor of Oslo, Fabian Stang, expressed it most cogently:
"Together, we will punish the murderer. The punishment will be more openness, more tolerance, and more democracy."

Montag, 5. Juli 2010

Auf den Putz gehauen


In der heutigen TAZ findet sich ein interessantes Porträt. Es besteht fast ausschließlich nur aus Originaltönen, verzichtet auf jedwedes interpretatorische Brimborium und macht dadurch die von sich erzählende Person äußerst lebendig. Dieses interessante Porträt einer interessanten Frau trägt den Titel "Drecksarbeit - zu Gast bei einer renitenten Putzfrau", und falls jetzt jemand denkt, die TAZ war zu Besuch bei mir, der irrt. Die TAZ war vielmehr in Gelsenkirchen bei der Putzfrau Susanne Neumann, die seit 30 Jahren für ein Gebäudereinigungsunternehmen putzt.

Frau Neumann kämpft für die Interessen der in Deutschland arbeitenden Putzfrauen, und wenn ich sage 'kämpft', dann meine ich das genauso und nicht etwa 'vertritt deren Interessen'. Im (medial völlig unterbelichteten) Gebäudereinigerstreik im Herbst 2009 riskierte die Rebellin aus dem Ruhrpott eine erfreulich dicke Lippe (das erste der dort verlinkten Videos); im TAZ-Interview ebenso:
Wenn du so einen Arbeitskampf hast, dann brauchst du Wut, Stärke, Hass und auch List. Die Weiber haben sich amüsiert über die Doofheit der Arbeitgeber, haben sich auch gegenseitig mitgezogen, wenn eine ängstlich war, grade bei den Befristeten. Das war wie so 'ne Welle. Das war ein Arbeitskampf der Frauen. 90 bis 95 Prozent waren Frauen. Also die haben die Arbeitgeber richtig vorgeführt. Du machst dir kein Bild da drüber.
Leider, muss man hinzufügen, konnte man sich nur schwer ein Bild machen, denn wie gesagt, verfuhr die öffentliche Berichterstattung über diesen Streik eher nach dem Motto: Wie können wir das Ding am besten hinten runter fallen lassen? Ich finde, Susanne Neumanns Idee mit dem Klobürstenweitwurf-Mehrkampf ("500, 600 Putzfrauen, du musst dir vorstellen, auf einmal war alles Ängstliche weg, alle waren selbstbewusst und haben gelacht") hätte es in die Tagesschau verdient gehabt.

Weiter im Klartext:
Du bist 'ne Ware und wirst verkauft! ... oder auch die Lohnbezuschussung für Arbeitslose, 50 Prozent kriegen die Firmen für die Eingliederung eines Langzeitarbeitslosen. Aber sie gliedern ihn nicht ein. Nach einem Jahr holen sie sich einen Neuen zum 'Eingliedern'. Das sind alles diese Schindludersysteme. Besonders übel ist die Sache mit der Leiharbeit ... Leiharbeit ist die größte Schweinerei, die's gibt.
Beim Thema Leiharbeit kommt Susanne Neumann richtig in Fahrt, knöpft sich einen Hartz-IV-Protagonisten aus der Rot-Grün-Ära vor und nimmt kein Blatt vor den Mund:
Mein schönstes Erlebnis war, als ich eingeladen war zur Polit-Talk-Show von Maybrit Illner. Da habe ich diesem arroganten Schweinepriester Clement ein paar vor den Bug geschossen. Nach der Sendung hat er zu Illner gesagt, das lass ich mir nicht bieten, in Ihre Sendung komme ich nicht noch mal. Und sie hat gesagt: Ach wissen Sie, Herr Clement, Sie sind ja jetzt aus dem politischen Geschehen raus, wir hatten gar nicht vor, Sie noch mal einzuladen. Der ist fast geplatzt, hat seine vier Leibwächter gerufen, damit sie seinen Mantel holen, und ist abgerauscht. Dieser feine Herr, der hat als Superminister unter Rot-Grün die Leihsklaverei als sogenannte 'Zeitarbeit' gesellschaftsfähig gemacht und sie auch noch als Bestandteil von Hartz IV reingedrückt! Was der für ein Lobbyist war, der Schweinepriester, das hat er gezeigt nach seinem Ausscheiden aus dem Amt. Er hat sich, wie Schröder und wie viele, als Politiker sein Standbein für die Zukunft geschaffen. Jetzt sitzt er bei Adecco, einer der größten Leiharbeitsfirmen der Welt, in der obersten Etage im Aufsichtsrat. Die haben 500.000 Leiharbeitskräfte täglich im Angebot. Er leitet für die irgendein Institut für Arbeitsforschung und macht da so richtig Knete.
Sie erzählt, dass in ihrer Firma viele ältere Frauen arbeiten, die eigentlich Ansprüche hätten
...auf diese Dingsbumsrente da, die Grundsicherung-Sozialhilfe. Die wollen nicht, die schämen sich! Es wird ja auch überall Stimmung gemacht, wer Hartz IV bezieht, ist eine faule Sau. Das ist die Masche. Nee, so nicht, so kann's einfach nicht weitergehen!
Irgendwann knurrt der Hund und dann wird er bissig.*

*(Könnte von mir sein, der letzte Satz, stammt aber von der kampflustigen Politputzfrau aus dem Pott. Ehre, wem Ehre gebührt.)

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Oktobergedicht



Schokoweihnachtsmänner im September hatten wir schon. Alles Nervensache. Jetzt also Christstollen im Oktober. Der erste wurde heute frisch angeliefert, und ich wollte schon anfangen zu lästern; schien doch draußen die Sonne, die Luft war mild, die Bäume trugen noch jede Menge Laub und ich ein T-Shirt. Und dann kommt da so ein Christstollen. Hundert Prozent biologisch, organisch und wahrscheinlich auch dynamisch. Vom Allerfeinsten. Trotzdem, zum Christstollenessen muss man einen Rollkragenpullover anhaben, finde ich.

Fand ich. Bis das Trumm ausgepackt wurde. Ein Produkttest war angesagt. Kaum war der Stollen angeschnitten, durchzog ein unwiderstehlicher Duft den Raum: voller Süße und doch irgendwie herb, würzig und zugleich fruchtig; ein zartes, dabei nachhaltig verlockendes Aroma. Augenblicklich waren mir der Oktober, die Sonne, das T-Shirt völlig wurscht. Mir war auch wurscht, dass ein frischer Christstollen eigentlich mehrere Wochen gelagert gehört, damit sich die feinen Aromen und Geschmäcker in Ruhe entfalten können. Ich kann beschwören: Auch ein frischer, unabgehangener Christstollen ist ein Gedicht, geschmacklich gesehen. Halt anders, meinetwegen. Aber sündhaft gut.

Doch, Christstollen im Oktober geht. Geht hervorragend.

Freitag, 25. September 2009

Verblüht



Altweibersommer im Hinterhof.

Freitag, 24. Juli 2009

Hofhund

Hab ich's nicht gestern prophezeit? Dass die Schanigärten bald das ganze Viertel überwuchern werden? Nun, es scheint so weit zu sein: Die gastronomische Außenstelle auf der Straße wird durch eine zweite bereichert, nämlich einen Mini-Schanigarten im Hof. Um genau zu sein, in der Hofeinfahrt. Da, wo vormittags die Lieferanten ein- und ausfahren und momentan noch allerlei herumsteht.
Letzteres muss sich bis Montag ändern. Dann kann das fast idyllisch werden.
Es wird also einen Straßenschanigarten und einen Hofschanigarten geben. Es wird brummen, ich schwöre es. Hat jemand was von Krise gesagt? Gürtel enger schnallen und so? Nicht an diesem umsatzgesegneten Ort der Einkehr; hier wird jedes freie aushäusige Fleckchen auf seine Schanigartentauglichkeit untersucht.
Kann man das lesen? 'Hund' steht da auf der weißen Schale. Es ist an alles gedacht worden. Das wäre dann quasi der dritte provisorische Schanigarten.

Sonntag, 19. Juli 2009

Durch die Blume

Womit man nicht alles seinen Sonntag verplempert. Nach einer kleinen privaten Putzattacke blieb ich vor einem knallbunten Blumensträußchen stehen, einem zehn Tage alten Geschenk. Das charakteristische Müffeln war nicht zu überriechen, dieses Angemoderte, leicht Morbide, ins Jenseits Hinüberkippende. Ich beschloss, meinen anfallartigen Putzrappel mit der Entsorgung des Stinkers zu krönen.
Statt zum Mülleimer lenkten mich jedoch meine Schritte auf den Balkon, wo dem Strauß ein Gnadenbrot zuteil wurde. Von weitem sah er immer noch hübsch aus, gemüffelt hat er nur im Nahbereich, welchen ich mied. Nette Außendeko, fand ich; dann kam nach endlos langem Regen endlich die Sonne heraus. Also Socken ausziehen, Relaxposition einnehmen, Kaffee trinken, Lesen.
Plötzlich beschlich mich das unangenehme Gefühl, angestarrt zu werden.
Ich schaute vom Buch hoch und direkt in die Augen meines neuen Balkonbewohners. Er schaute zurück, und das mit einem Blick, welcher dem Buch keine Chance mehr ließ. Ein paar Mal versuchte ich, in die Lesestrecke zurückzufinden, ging aber nicht. Dieser Blick. Irgendwie so durchdringend und erwartungsvoll. Als ob er etwas von mir wollte.
Eine ganze Zeitlang saß ich da und wir guckten einander an. Einfach so. Passiert ist weiter nichts, aber nach einer Weile fühlte es sich so an wie bei Mogli, der zu lange der Schlange Kaa in die spiraligen Augen geschaut hat. Mir wurde so trancemäßig zumute. Schwer klappten die Augendeckel zu, ich nickte ein. Aber nur kurz, vor allem unruhig.
Beim Öffnen der Augen kreuzten sich wieder unsere Blicke, jetzt guckte der bunte Aussiedler fast vorwurfsvoll, so schräg von der Seite.
Fotografieren soll ja helfen, böse Geister zu bannen. Also draufgehalten. Dann verzog sich die Sonne hinter den Wolken und ich mich vom Balkon. Was soll man auch tun, wenn weder Lesen noch Schlafen möglich sind. Bloggen könnte ich noch, dachte ich mir. Also gut. Fing eh grade wieder zu regnen an.
Eben hat der Regen aufgehört, die Balkontür stand offen, es roch schön frisch herein. Ich ging hinaus, draußen roch es überhaupt nicht frisch, sondern fortgeschritten moderig. Oh mein Gott.
Er sah mich an. Ich sah ihn an. Ich sah, dass er weinte. Er hatte genug. Er wollte nicht mehr. Es war zum Herzerweichen. Endlich verstand ich. Und erlöste ihn. Dann setzte ich mich auf den Balkon und schlug mein Buch wieder auf. Ging nicht. Mein Kopf drehte sich dauernd nach der Stelle, wo der Kleine gestanden hatte. Nicht dass ich den Blickkontakt vermissen würde. Aber irgendwas fehlt.