Mittwoch, 22. September 2010

Text putzen


Heute war ein erfreulicher Tag. Denn heute nachmittag gab es einen kleinen Lektorier-Job, dem vielleicht noch weitere kleine Lektorier-Jobs folgen werden. Das erfreulichste daran war, dass der Job im Restaurant stattfand, denn bei dem Auftraggeber handelt es sich um einen der Geschäftsführer, der sich gerade ein zweites Standbein als Buchherausgeber und Verleger aufbaut. Auch er ein Multijobber, sozusagen. Wenn auch in einer etwas anderen Liga spielend als ich.

Ich schmiss also um 11:30 Uhr die roten Schuhe von den Füßen und die Schürze vom Leib, hockte mich rollenkonfliktfrei vors Laptop und wurde vom Geschäftsführer mit Speis' und Trank verwöhnt. Da dieser Geschäftsführer das Servicegeschäft leitet, weiß er, wie das geht (das mit dem Verwöhnen). Er gab den Vollprofi.

Ich aber auch. Hocherfreulich war es festzustellen, dass meine sprachfahnderischen Reflexe immer noch einwandfrei funktionieren; die Arbeit am Text ging mir leichter von der Hand denn je. Manchmal hielt ich inne, schaute zum Fenster hinaus und hatte das unbestimmte Gefühl, die nachmittägliche Leichtigkeit der Textarbeit könnte vielleicht irgend etwas zu tun haben mit der schweren körperlichen Arbeit am Vormittag. Vielleicht auch nicht. Ich glaube aber doch. Irgendwie jedenfalls.

Am allererfreulichsten war der Umstand, dass dieser Geschäftsführer als (verlegerischer) Auftraggeber ein pflegeleichter ist: Er zeigte sich durchweg einsichtig, fügte sich allen meinen Verbesserungsvorschlägen fast widerstandslos, und wenn ich anfing streng zu werden ("Das geht so nicht, basta!"), sagte er "okay", stand auf und kochte frischen Kaffee. Es war ein selten gemütlicher und dabei intellektuell herausfordernder Job. Als der Feinschliff am Text sich in die Länge zu ziehen begann - die Zeit drängt, die Buchmesse naht und der Flyer musste heute noch raus -, schaute er auf die Uhr und bemerkte: "Hoffentlich hast du heute nichts mehr vor", worauf ich ein vorwurfsvolles Gesicht aufsetzte und erwiderte: "Doch, ich muss noch bloggen", was sich ja auch irgendwie erfreulich anfühlt, wenn man seinem Auftraggeber gegenüber das einfach so erwähnen kann.

Interessant war es zu erleben, wie das Restaurant im Laufe des Nachmittags sein Gesicht und seine Energie verändert. Köche und Küchenhilfen werkelten lautstark in der Küche, gegen vier Uhr begann der Service zu wuseln, das Telefon ging immer öfter, der ganze Bienenstock fing an zu summen, die Zeit verstrich und aus dem Summen wurde eine Brummen, wie ein Organismus, der sich warm läuft und allmählich auf Hochtouren bringt. Auch war es interessant zu erleben, dass die weiblichen Servicekräfte und Küchenhilfen es hochinteressant fanden, dass da die Putzfrau am Laptop sitzt und dem Chef Vorträge über guten Schreibstil hält; während die männlichen Köche sich so verhielten, als komme ihnen die ganze Szenerie befremdlich und daher völlig uninteressant vor. Kann aber auch Einbildung gewesen sein. Glaube ich aber nicht. Irgendwie jedenfalls.

Doch, der Tag war gut. So ein Tag macht zufrieden.
Es könnte ruhig mehr solcher Tage geben.

Kommentare:

  1. daß du das einfach so erwähnen kannst, das bloggen, ist tatsächlich zu beneiden. aber wahrscheinlich auch nur eine sache der priorität. ich scheue mich immer noch. und möchte hier nochmal ausdrücklichst dein durchhaltevermögen, was die täglich-geschichte angeht, loben!!!1einself

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  2. Einerseits ja, es herrscht eine gewisse Transparenz bezüglich des Bloggens, die den Umgang miteinander entspannt. Führt aber andererseits dazu, dass ich im Blog um gewisse Themen einen Bogen mache oder mich ihnen nur indirekt nähere.

    Es hat halt alles seine zwei Seiten, auch die Transparenz ;).

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