Freitag, 10. September 2010

Im Schwitzkasten


Wie geht das schöne Sprichwort? Aus Dummheit wird man klug. Oder so ähnlich. Ist ja auch logisch, denn es kommt kein Mensch klug auf die Welt. Vor allem in den ersten Lebensjahren machen wir ziemlich viele Dummheiten, lernen daraus und werden immer klüger. Oder so ähnlich. Irgendwann sind wir groß und klug und machen keine Dummheiten mehr, außer manchmal, wenn wir Schnupfen haben.

Zeit, um vom Plural in den selbstkritischen Singular zu wechseln. Ich ging also gestern mit blühendem Schnupfen putzen und tat dies heute erneut, weil ich unfähig war zu lernen, dass ich mir nach dem gestrigen Arbeitstag keinen Gefallen tue, wenn ich heute noch einen draufsetze. Das nenne ich dumm. Denn während ich gestern früh einen ganz normalen Schnupfen hatte, bin ich jetzt krank. Jedenfalls fühle ich mich richtig krank statt bloß verschnupft.

Lernen hätte ich zum Beispiel können, dass die typischen Bewegungsabläufe beim Putzen - das ständige Bücken - sich fatal auswirken auf den Druck im eh schon brummenden Schädel; dass die in Reinigungsmitteln enthaltenen Chemikalien und Aromastoffe die eh schon gereizten Schleimhäute zu bösartiger Blüte bringen können; dass eingeatmeter Staub den eh schon kratzenden Hals nicht beruhigt, sondern aggressiv herausfordert; kurzum, dass Putzen bei Schnupfen nicht gesünder macht, sondern kränker.

Nach zwei Tagen habe ich es gelernt. Auf die harte Tour.

Wäre ich gestern zuhause geblieben, hätte ich zwar nichts verdient (mein Arbeitsverhältnis beinhaltet keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall), wäre jedoch durch einen Tag Bettruhe und Bravsein heute wieder frontbereit gewesen. Wieso blieb ich nicht zuhause? Weil ich einem eingefleischten Reflex gefolgt bin, der besagt: Kranksein darf nicht zu Arbeits-, sprich Verdienstausfall führen - der typische Reflex des Freiberuflers, der ich ja mein Leben lang war und bin. Ein harmloser Schnupfen? Ein kratzender Hals? Waren in meinem bisherigen Selbständigendasein nie ein Thema. Da ich sowieso meist von zuhause aus operierte, weil dort meine Basisstation war, machte ich in meinem Arbeitsstil einfach weiter, zwar hustend und schniefend, aber dabei die Freiheit genießend, stetig zwischen Bett, Badewanne und Schreibtisch zu pendeln und eben irgendwann Überstunden zu machen, wenn mein Gesamtzustand dies erlaubte. Alles in allem hat das ganz gut funktioniert.

Nur, eine Kneipe ist halt kein Home Office. Und ein Feudel ist kein Manuskript, das man zum Korrekturlesen auch mal mit ins Bett nehmen kann. Und eine Putzfrau, möge sie noch so freischaffend sein, kann nicht zwischen Küche und Keller mal eben ein heißes Bad zur Entspannung nehmen. Obendrein sollte sie es vermeiden, in gemütlich ausgefransten Jogginghosen, ungebügelten Schlabber-T-Shirts und XXL-Stricksocken durch die Gegend zu schlurfen, ganz zu schweigen von rotkarierten Pyjamahosen mit blauweiß gestreiften Pyjamaoberteilen. Zuhause kann einem all das egal sein, was erheblich zur allgemeinen Entspannung beiträgt und die Leistungsfähigkeit trotz Krankheit unterstützen kann.

Leider kam von Frau Übermop statt eines moralischen Beistandes die Bemerkung, sie habe, seit sie in diesem Restaurant arbeite, "noch nie krankgemacht". Meinen Einwand, hier ginge es nicht ums Krankmachen, sondern ums Kranksein, überging sie großzügig, indem sie fortfuhr, sie habe es sich nie leisten können "krankzumachen", weil ihr das Geldverdienen stets wichtiger gewesen sei. Was ich selbstverständlich nachvollziehen kann, sonst wäre ich ja nicht gestern und heute wie niesendes Falschgeld durch Küche und Keller getapert.

Empfindlich reagierte ich erst, als ich einen gewissen heroischen Stolz aus ihren Worten heraushörte. Ich finde, es ist das eine, trotz Krankheit arbeiten zu gehen, weil man das Geld braucht, und ein gänzlich anderes, sich damit zu brüsten. Mir war in dem Moment so, als würde mir ein geballtes Stück zutiefst verinnerlichter Leistungsideologie präsentiert, und ich nahm deutlich wahr, dass diese ideologisch unterfütterte Heldenpose meiner angeschlagenen Gesundheit überhaupt nicht zuträglich war. (Übrigens, der Gesundheit von Frau Übermop genauso wenig, deren gesundheitlicher, namentlich orthopädischer Gesamtzustand sich durchaus als chronisch angeschlagen bezeichnen lässt. Deshalb bin ich ihr ja vor anderthalb Jahren zur Seite gestellt worden.)

Heute mittag habe ich einen nicht geringen Teil des Geldes, was ich gestern und heute verdient habe, investiert in eine große Flasche Eukalyptusbad, eine Familienpackung Papiertaschentücher, Nasensalbe, Brustbalsam, Halstabletten, Erkältungstee, Inhalationskonzentrat sowie eine Wärmflasche mit Kuschelbezug. Bin im Drogeriemarkt an der Kasse Schlange gestanden, hatte dabei genügend Muße, über den tieferen Zusammenhang zwischen Geldverdienen, Geldausgeben und Dummheit zu sinnieren. Lasse mir gerade eine Badewanne mit Eukalyptus einlaufen, habe die Wärmflasche ins Bett gelegt, den Tee daneben gestellt und werde mich sogleich einer ausgiebigen Schwitz- und Schlafkur unterziehen.

Übers Wochenende wird sich das Leiden schon auskurieren lassen, damit ich am Montagmorgen wieder schön gesund bin und wieder schön Geld verdienen kann. Ich glaube, eine Kneippsche Spezialkur mit Doppelaufguss wäre nicht verkehrt: als erstes die Erkältung, danach die Dummheit ausschwitzen.

Kommentare:

  1. Du musst Dir kein schlechtes Gewissen machen. Es ist nicht gesagt, dass Du heute weniger krank wärst, wenn Du gestern eben NICHT arbeiten gegangen wärst. Denn manchmal kommt so ein Schnupfen, im heutigen Fall dann schon ein leichter grippaler Infekt, eben nicht von jetzt auf gleich, sondern schleicht sich auch schon mal langsam an. Egal, ob man arbeitet oder es lässt.
    Wenn ich leicht krank arbeiten gehe (also es mir noch gut genug geht, dass ich dazu in der Lage bin), kriege ich höchstens zu hören, ich wäre eine Gefahr für die Allgemeinheit, wegen der hohen Ansteckungsgefahr.
    Aber gleichzeitig lästern sie über andere Kollegen, die gerade "nur wegen eines Schnupfens" nicht zum Dienst erscheinen...
    Du siehst, wie man es auch macht, man macht es eh falsch!

    Gute Besserung!

    AntwortenLöschen
  2. oh man. gute besserung, nochmal, lauter! [und ist doch auch 'ne erfahrung, das. erfahrungen sind immer gut, finde ich.]

    AntwortenLöschen
  3. Ach ja, über das Thema könnte ich auch so manche Anekdote zum Besten geben ... z.B. wie es sich auswirkt, wenn man sich als Freiberufler plötzlich im Krankenhaus wiederfindet und das schöne Home Office, in dem man auch mit Fieber und Schnupfen noch "gemütlich" arbeiten kann, außer Reichweite ist ... aber das würde zu weit führen.

    Nach meinem Dafürhalten machst Du hier einen grundsätzlichen Denkfehler, denn nicht Du bist "verantwortlich" dafür, dass Du krank geworden bist. Das kann jedem von uns passieren - egal, in welchem Beschäftigungsverhältnis er oder sie sich befindet. Zu beklagen ist hier einmal mehr das System, das Arbeitsverhältnisse ermöglicht, die genau diese soziale Errungenschaft der Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle nicht mehr abdecken. Es ist schlicht absurd, dass es so etwas in Bezug auf Putzjobs wirklich gibt!!

    Die wenigsten Freiberufler, die ich kenne (mich eingeschlossen), haben es sich freiwillig ausgesucht, "selbstständig" zu sein. Sie wurden einfach dazu gezwungen, weil die Alternative nur das Arbeitsamt war. Und was daraus folgt, kann man wunderbar in einem Tagesspiegel-Artikel nachlesen, der mir aus der Seele spricht: http://www.tagesspiegel.de/berlin/trotz-traumjobs-an-der-armutsgrenze/1636710.html

    Um aber zu Dir, Mrs. Mop, zurückzukommen: Du gehst der neoliberalen Bande auf den Leim, wenn Du die "Schuld" im aktuellen Fall zuerst bei Dir selber suchst. Schuld ist Dein Arbeitsverhältnis, das solche Selbstverständlichkeiten wie Lohnefortzahlung im Krankheitsfall nicht mehr abdeckt. DA muss man sich aufregen und dafür sorgen, dass das zukünftig wieder anders wird ... es macht doch keinen Sinn, sich da selber anzuklagen, solange man in einem System gefangen ist, das auch prekär "freiberuflich" beschäftigten Menschen in allen möglichen Berufen das Notwendigste vorenthält, wenn sie krank werden.

    Also, werde schnell wieder gesund - und sprich dann mal mit dem Restaurantchef, ob er Dir nicht endlich einen vernünftigen Arbeitsvertrag anbieten will, in dem solche elementaren Dinge wie (bezahlter) Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall enthalten sind. Andere Angestellte in der Gastronomie haben das doch auch (so kenne ich das zumindest von einem befreundeten Koch). Es kann doch nicht ausschließlich nur noch Ausbeuter unter den Arbeitgebern in Deutschland geben ...

    AntwortenLöschen
  4. In dem Zusammenhang könnte man auch noch mal darauf hinweisen, wie die Arbeitslosenzahlen hierzulande so oft "geschönt" wird, in dem Geringverdiener, 400€-Jobber, Arbeiter in Zeitarbeitsfirmen und andere sich unterhalb der Armutsgrenze mit Arbeit über Wasser haltende eben nicht in der Statistk vorkommen....
    Ich war auch mal Freiberufler. Gab auch keine Kohle, gab da teilweise auch keine Kohle, wenn ich krank oder anderweitig verhindert war. Nette Sache :-(. Aber wenn man bei solchen Jobs anfängt, Ansprüche zu stellen, ist man auch ganz schnell weg vom Fenster - unter Umständen!

    AntwortenLöschen
  5. Mist, sorry für die Fehler... nächstes Mal lese ich mir noch mal durch, was ich getippselt habe....

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Mrs. Mop,
    bitte gräm Dich nicht noch, jede/r kann krank werden, und es passiert immer zur Unzeit, weil es den richtigen Moment zum kranksein einfach nicht gibt. Wie Du schon schreibst, es sind halt die schlechten Erfahrungen, aus denen frau lernt! Also schon Dich und achte gut auf Dich.
    Ich wünsche Dir gute Besserung! Mein bestes Mittel gegen Erkältungen ist immer die gute alte heiße Zitrone - Zitronensaft und heißes Wasser 1:2 - mit viiiel Honig.
    Herzliche Grüße und alle guten Wünsche!
    Saby

    AntwortenLöschen
  7. Hihi, ich bin auch krank. (Eigentlich gar nicht lustig, ist nur ein lustiger Zufall)

    Hab mich auch am Freitag noch zur Berufsschule geschleift und häng jetzt voll in den Seilen. Liegt bei mir zwar nicht an fehlenden Lohnfortzahlungen, wenn ich allerdings mehr als 60 Tage in 3 Jahren versäume, kann ich meine Ausbildung nicht beenden. Da das den anderen nicht anders geht, schleppt sich jeder mit seiner jeweiligen Seuche noch zur Arbeit bzw. Berufsschule und steckt alle anderen an. Würde schätzen, dass locker unsere halbe Klasse krank ist. Erschwerend kommt dazu, dass mein Arbeitgeber Zuschläge nicht zahlt, wenn's ihm nicht passt und wenn jemand krank ist, dann passt es ihm halt nicht. Und diese Zuschläge sichern mir nicht meinen alljährlichen Karibikurlaub oder meinen Porsche, sondern dass mir von meinem Gehalt nach Abzug der Fixkosten noch Geld für Essen und andere unwichtige Dinge bleibt... schon ärgerlich, das Ganze.

    Ich helfe dir bei Gelegenheit mal dein Wohnzimmer zu putzen, wenn ich mir hier so auskotze, wird's bald nötig sein. Aber da kann man sich ja schon mal ärgern, wenn's einem eh schon beschissen geht und dann sowas noch dazu kommt.

    Lass dich nicht unterkriegen und kurier dich schön aus! Auf dass es uns am Montag wieder bessergeht und uns die Tretmühle wiederhat!

    AntwortenLöschen
  8. @Charlie
    Die "neoliberale Bande" mag ja an vielem schuld sein, aber dafür, dass ich kränker als krank geworden bin, trage ich selbst die Verantwortung. Sicherlich ist es nicht verkehrt, sich über Arbeitsverhältnisse ohne Krankheitsabsicherung aufzuregen, aber anstatt mich diesem Druck zu beugen, hätte ich mich spätestens gestern ihm einfach entziehen können. Einfach Nein sagen! Selbst in "Systemgefangenschaft" kann man aufstehen und Nein sagen! Man muss es nur tun.

    Leider liegst du mit deiner Einschätzung der Gastronomie ein wenig daneben. Du vergisst die Hierarchien. Ein Koch würde es sich verbitten, mit einer Putzfrau auf eine Ebene gestellt zu werden. Der Koch gilt als Aushängeschild eines Betriebes, wird oft als "Seele der Gastronomie" bezeichnet und deshalb mit besseren Konditionen 'belohnt' als eine Putzfrau, die als austauschbar gilt. Ist übrigens in allen gastronomischen (Einzel)Betrieben so, die ich kenne.

    Übrigens, mit "Selbstanklage" oder gar mit "schlechtem Gewissen" (@Klari) hat mein Post nichts zu tun. Es handelte sich um nichts weiter als ein Stück Selbsterkenntnis, die, um wirksam zu sein, nun mal selten schmerzfrei zu haben ist. Insofern hat Rebhuhn recht, wenn sie von "Erfahrung" spricht: DIE Erfahrung mache ich bestimmt so schnell nicht wieder. Ein klares Nein im Krankheitsfall kommt nicht nur für den Betroffenen im Endeffekt gesünder, sondern hat eine deutliche Signalwirkung gegenüber dem Arbeitgeber: bis hierher und nicht weiter.

    Wenn ich das Neinsagen nicht in solch kleinen Konflikten einübe - wie soll es je im 'großen Stil' funktionieren? Wenn ich mich immer nur als Opfer der neoliberalen Zwänge wahrnehme, wie soll ich je zur selbstverantwortlich (oder gar wehrhaft) Handelnden werden?

    AntwortenLöschen
  9. @Saby
    Heiße Zitrone mit Honig ist nur noch zu toppen mit heißer Zitrone plus Honig plus frisch geriebenem Ingwer - ein ultimativer Rachenputzer, wie er in keinem Lehrbuch steht.

    @Amike
    Oh ja, bitte - krankheitsbedingt hat hier im Wohnzimmer schon eine feindliche Übernahme durch Wollmäuse stattgefunden ;).

    AntwortenLöschen
  10. @ Mrs. Mop:

    Du hast ja recht, was Du bezüglich des Neinsagens schreibst. Dennoch ist es nach meiner Meinung ganz falsch, eine Krankheit in die eigene Verantwortung zu verlagern, denn damit tust Du genau das, was die Apologeten der totalen Eigenverantwortung uns seit Jahren einzureden versuchen. Wenn Du so argumentierst, wirst Du auch bald in die Felder vorstoßen, die Rösler und seine Spießgesellen aus der Versicherungswirtschaft anstreben: Bald ist der Raucher selber schuld, falls er irgendwann Lungenkrebs (oder eine andere x-beliebige Krankheit, die man irgendwie lose mit dem Rauchen in Verbindung bringen kann) bekommt und darf die Behandlungskosten selber tragen. Das kann man beliebig weit ausdehnen auf alle möglichen Bereiche und Krankheiten. Dahin geht der aktuelle, angestrebte Weg - das sollte Dir klar sein.

    Eine Krankheit (egal, wodurch sie im Einzelfall auch entstanden sein mag, wobei sich das sowieso niemals eindeutig klären lässt) muss in einem Land, das sich selbst "zivilisiert" nennt, abgedeckt sein - nicht nur für diejenigen, die genug Geld haben! Und wenn Du dich in der Lage siehst, eine möglicherweise auch längere Krankheit einfach durch Neinsagen aussitzen zu können, indem Du eben einfach nicht arbeiten gehst und kein Geld verdienst, dann musst Du sehr privilegiert sein. Ich kann mir das nicht leisten. Und musste es schon selbst erleben.

    Ich halte diese Situation für vollkommen untragbar. Und es ist schade, dass Du in diesem Zusammenhang davon sprichst, dass Du dich nicht nur als "Opfer des neoliberalen Systems" begreifen möchtest. Schön und gut. Was bist Du dann? Ein Mensch, der freiwillig und frohen Herzens so lebt und dieser Beschäftigung in Unsicherheit nachgeht?

    Wer, wenn nicht wir Prekären, soll mit dem Aufschrei beginnen, dass es so nicht weitergehen darf? Wenn die so genannte Mittelschicht es merkt, dass man ihr die Gurgel langsam zudrückt, ist es lange zu spät.

    AntwortenLöschen
  11. Ach Charlie, irgendwie geht das grade haarscharf aneinander vorbei ;).

    Mein Punkt war folgender: Wenn ich mich selbst NUR als Opfer wahrnehme (sei es von Neolibs oder von sonstwem), binde ich mir selbst die Hände und mache mich handlungsunfähig. Bitte beachte - das ist nicht allein im politischen, sondern auch im psychologischen Sinne gemeint.

    Du magst mit deinen Ausführungen zu Rösler & Gesundheitssystem etc. völlig recht haben - nur bitte, mein Post war weder gemeint als 'großer Rundumschlag' gegen das System noch als verallgemeinernde Aussage bezüglich kurzer, längerer oder chronischer Krankheiten. Ich kochte auf viel kleinerer Flamme: Du wachst morgens auf, hast Schnupfen und fühlst dich elend. Was tun? Immer schön dem Geld hinterher. Welches du dann für Erkältungsmittel wieder ausgibst, weil dir die zwei Tage Arbeit den Rest gegeben haben. Um diese Absurdität ging es mir.

    "Wer, wenn nicht wir Prekären, soll mit dem Aufschrei beginnen, dass es so nicht weitergehen darf?" Korrekt, wir sind uns einig. Und jetzt pass auf: Könntest du dir vorstellen, dass für MICH in MEINER Situation "mit dem Aufschrei beginnen" bedeutet, erst mal Nein zu sagen? Wie andere das halten, ist deren Sache.

    Und lass bitte mal, nur für einen Moment, all die großen kämpferischen Lohnfortzahlungsargumente (ist ja alles richtig...) beiseite und folge mir in meine kleine Putzfrauenwelt: Wenn alle Putzfrauen - seien es lediglich eine Frau Übermop und eine Mrs. Mop - bei Schnupfen konsequent die Hände in den Schoß und den Körper ins Bett legten, und niemand da ist, der den Dreck weg macht - was glaubst du wohl, was für eine wundersame Aufwertung der niederen Putzarbeit widerfahren würde? Kannst du mir folgen? Richtig: Obwohl 'nur' krankheitsbedingt, glichen die Folgen unseres Arbeitsausfalles denen eines Streiks.

    Wollen wir jetzt über Sinn und Zweck von streikähnlichen Zuständen weiterdiskutieren? Gerne, ich bin dabei ;)!

    AntwortenLöschen