Mittwoch, 11. Juli 2012

Von Panzern und Waffen


Gerade eben hat es mich dreimal umgehauen.

Die ersten beiden Male haute es mich um, als ich auf dieses kurze Video gestoßen bin: Spanische Minenarbeiter demonstrierten gestern abend in Madrid, nachdem über 8.000 von ihnen seit Ende Mai streiken. Viele von ihnen sind zu Fuß fast drei Wochen lang von ihren Bergwerken nach Madrid über 450 Kilometer gewandert ("Schwarzer Marsch"), um sich dort zu treffen und gemeinsam zu protestieren. Was in dem Film an rebellischer Kraft und Entschlossenheit zu erleben ist, hat mich umgehauen; ebenso die Solidarität tausender Sympathisanten am Straßenrand, von denen die Mineros begrüßt und bejubelt wurden:


Ein drittes Mal haute es mich um, diesmal vor Entsetzen, bei diesem Bild, aufgenommen ebenfalls gestern in Madrid, als von Spaniens Ministerpräsident Rajoy die neuesten Kürzungsprogramme bekanntgegeben wurden. Dagegen wurde protestiert, und dagegen schlug die spanische Polizei erbarmungslos zu:


Eigentlich hätte es mich danach ein weiteres, viertes Mal umhauen müssen beim Lesen dieses Satzes:
Die Europäische Kommission begrüßte diese Maßnahmen und sagte, sie seien ein "wichtiger Schritt" Spaniens zur Bekämpfung seines Defizits.
Eigentlich. Aber man ist ja inzwischen mit Zynismus bis an die Zähne bewaffnet und gepanzert und ergänzt die zitierte Meldung mit Gedanken wie:
Infolgedessen begrüßte die Europäische Kommission die harten polizeilichen Maßnahmen und sagte, sie seien ein wichtiger Schritt Spaniens zur Bekämpfung seiner notleidenden Bevölkerung und zur Rettung seiner Banken.
Nur, manchmal denke ich, was für eine stumpfe Waffe der Zynismus doch ist. Solange mich Solidarität, Entschlossenheit und rebellische Kraft noch umzuhauen vermögen, ist Zynismus womöglich nicht das Mittel der Wahl, um Abscheu und Widerstand einen angemessenen Ausdruck zu verleihen. Es muss noch andere Waffen geben. Ich bin auf der Suche.

Kommentare:

  1. Es ist wie Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Und nein, Spanien ist nicht Griechenland. Es sieht nur so aus.

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  2. "Unser Marsch endet hier, aber der Krieg hat erst begonnen."
    Kommentar eines Bergarbeiters in Madrid.

    Video bei Euronews

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  3. "Die angekündigten Maßnahmen sind nicht erfreulich, aber sie sind notwendig, sie sind alternativlos."

    Wer hat's gesagt?
    Merkel? Falsch.
    Der Mann, der vermutlich aus einer Rippe Merkels geschnitzt wurde: Mariano Rajoy, spanischer Ministerpräsident.

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  4. Antworten
    1. "Streicht das Wort “Angst” und die Phrase “wofür denn, es wird ja doch nichts ändern” aus euren Gedanken und nehmt eure Zukunft in die eigenen Hände."

      Ja. Das größte Hindernis, das es zu überwinden gilt, um etwas zu verändern.

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  5. Tolle Zusammenstellung von Videos und Bilder zu #marchanegra (Schwarzer Marsch) bei spainrevolution.

    Mein Favorit: Gelebte Solidarität.
    Sí se puede. Yes we can. Geht doch.

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  6. Ein extrem gut gemachter, informativer Film über Leben, Arbeit und Kampf der spanischen Bergarbeiter von einem Journalisten des englischen Guardian.

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  7. Mariano Rajoy unter Beschuss, via The Telegraph (englische Tageszeitung).

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