Mittwoch, 14. September 2011

The Bank is on Fire


Es gibt nichts, was sich nicht vermarkten, sprich: zu Kohle machen ließe. Das gilt für den Kunstmarkt genau wie für alle anderen Märkte. Man - also, der Künstler - muss nur den richtigen Zeitgeist treffen, und schon rollen die Dollars.

Wie trifft einer nun den richtigen Zeitgeist? So:

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Was auf den ersten Blick aussieht wie eine brennende Tankstelle, ist in Wirklichkeit eine brennende Filiale der Chase Bank in Los Angeles (Öl auf Leinwand). Also, nicht dass die Chase Bank wirklich in Brand gesetzt worden wäre - das wäre ja ein Akt des Terrorismus oder zumindest der politischen Brandstiftung; vielmehr hat der kalifornische Künstler Alex Schaefer sich eines Tages gegenüber der Chase Bank hingesetzt und angefangen zu malen. Dabei muss ihn der Götterfunke der Inspiration angefacht haben, und er fing an zu zündeln. Bis die Bank lichterloh brannte. Auf der Leinwand, versteht sich.

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Es dauerte nicht lange, da kam die Polizei, beäugte misstrauisch Schaefers verdächtiges Treiben und stellte die in solchen Momenten einzig korrekte Frage: "Sind Sie ein Terrorist?" Weil der Befragte sich nur im künstlerischen Sinne als Brandstifter verstand, antwortete er wahrheitsgmäß: "Nö." Und weil Polizisten es lieben, wenn Verdächtige die Wahrheit sprechen, ließen sie ihn in Ruhe weiter malen. Gedacht hat er sich: Wenn hier einer des Terrorismus verdächtig ist, dann ja wohl die quasi-kriminelle Bank mit ihren betrügerischen Finanzgeschäften. Gesagt hat er das natürlich nicht. Wer will sich schon unnötigen Ärger aufhalsen durch lautes Aussprechen von Wahrheiten? Dann schon lieber ein visuelles Statement in Gestalt eines Ölbildes, denn, so Schaefer, "it's a long way from painting a visual metaphor of the banks to actual terrorism".

Da auch Künstler nicht von Luft, Liebe und der Kunst leben, sondern allenfalls vom Verkauf ihrer Kunst, bot Schaefer seine brennende Bank auf Ebay feil. Und damit niemand auf die Idee käme, er sähe die Chase Bank als Einzeltäter an, stellte der schaffensfrohe Künstler bei Ebay gleich noch eine zweite Bank in Flammen ein, die Bank of America. Und war gespannt, was jetzt passieren würde.

Es passierte dies:

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In kürzester Zeit schnellten die Kaufgebote von 920 Dollar nach oben - Verkaufspreis nach beendeter Auktion: 25.200 Dollar ("Chase Burning", 28x22). Die abgefackelte "Bank of America" (8x6) brachte es nur auf 3.601 Dollar, ist aber auch viel kleinformatiger gehalten, so dass sich die Versteigerungserlöse - als Preise umgerechnet auf bemalte Quadratzentimeter - die Waage halten und der Künstler sich über seine beiden Verkaufsschlager freuen kann.

Neidlos freue ich mich mit dem geschäftstüchtigen Künstler, muss allerdings zugeben, dass ich "Chase Burning" gern bei mir an der Wand hängen hätte, mir dies aber bei solchen Mörderpreisen nicht leisten kann. Also warte ich geduldig, bis Schaefer auf den Merchandising-Trip kommt (tun sie ja früher oder später alle) und in die Kleinkunst-Produktion geht, sprich: preiswerte T-Shirts mit brennenden Banken bedruckt. Auf diese Weise könnte er - dem herrschenden Zeitgeist hinterhermalend - zum Millionär werden und ich hätte mein kleines Scherflein beigetragen.

Obwohl, wenn ich mir's recht überlege (schließlich will ich ja auch mal zu Geld kommen): Der Künstler könnte mir die Weiterbearbeitungsrechte an seinem Oeuvre abtreten, und dann nehme ich Pinsel und Ölfarbe und male in das Bild eine Menschenkette hinein, alle bewaffnet mit Wassereimern, um den Brandherd ein für allemal zu löschen. Einen Titel für das neugeschaffene Kunstwerk hätte ich bereits: 'Bail-out für Banken - die freiwillige Feuerwehr lässt grüßen'. Frühe Kaufangebote nehme ich ab sofort entgegen.

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