Donnerstag, 15. September 2011

Härte gegen den harten Kern


Neue Studien sind immer gut, besonders früh morgens zum Wachwerden.
"Die Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass der Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit schwieriger wird."
Schwieriger als wann?
"In einer Studie kommt sie zu dem Schluss, dass mit dem Aufschwung..."
Welchem Aufschwung?
"...die besser qualifizierten Arbeitslosen zwar wieder Stellen bekämen."
Aber?
"In den Jobcentern blieben aber jene zurück, bei denen sich eine Integration in den Arbeitsmarkt selbst in weiter Zukunft nicht abzeichne."
Jene? Etwa die sogenannten schwer vermittelbaren Arbeitslosen? Sind das nicht jene, die schon immer zurückblieben? Dumpf entsinne ich mich einer nicht mehr ganzen neuen, jedoch nicht wirklich alten Studie aus demselben Haus, die zu dem Befund gekommen war,
"...Arbeitsagenturen und Jobcenter konzentrierten sich auf die Betreuung leicht vermittelbarer Arbeitsloser und vernachlässigten Jobsucher mit geringeren Chancen am Arbeitsmarkt."
Ein Befund, der das für Hartz-IV zuständige Bundesagentur-Vorstandsmitglied Heinrich Alt seinerzeit "erstaunt" und weshalb er den "Vorwürfen" widersprochen hat.

Zurück zur neuen Studie. Was machen wir jetzt mit "jenen"? Jenen "Zurückgebliebenen"? Den vernachlässigten Sorgenkindern der Bundesagentur? Jenen, die sich partout nicht integrieren lassen (wollen), obwohl doch zu ihrer Integration so viele Mittel aufgewendet werden, doch leider vergeblich! Was machen wir mit denen?

Ganz einfach: Wir machen "jene Zurückgebliebenen" schon mal vorsorglich ein bisschen schlecht. Wozu haben wir eine neue Studie? Also geben wir "jenen" erst mal einen neuen, leicht despektierlich klingenden Namen: "dieser harte Kern". Alles weitere fügt sich dann von selbst:
"Das BA-Vorstandsmitglied Alt sagte der 'Süddeutschen Zeitung', dieser harte Kern mache etwa 20 Prozent der rund zwei Millionen Arbeitslosen im Hartz-IV-System aus..."
20 Prozent, aha, eigentlich eine noch überschaubare Zahl, wo ist das Problem? Hier:
"...benötige aber 80 Prozent der Mittel."
Kommt uns ziemlich teuer, dieser "harte Kern".

Geht da vielleicht noch was?


Nicht dass es nachher wieder heißt, die seien vernachlässigt worden.

Kommentare:

  1. "Geht da vielleicht noch was?"
    bestimmt geht da noch was. Man sollte immer 100% geben! Ob das dann geht? Oder einfach mal darüber nachdenken, ob der ganze Unsinn mit den nicht vorhandenen Arbeitsplätzen vielleicht doch nur Geschäftemacherei ist... 80% ist auch ne Menge Holz!

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  2. OT: Für die südamerikabegeisterte Frau Mop gibt es eine Arte+7-Doku zum Thema Journalist gegen Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien.
    "Zeugen unerwünscht"

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  3. Aus der "Zeit"
    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/arbeitsagentur-hartz4-langzeitarbeitslose

    "... Vor allem der Anteil der älteren, schlechter qualifizierten und längeren Arbeitslosen nehme weiter zu..."

    Ich frag mich, was ist mit den kürzeren arbeitlosen? Warum sind die vermittelbarer als die längeren arbeitslosen? Und was ist mit den schwereren und leichteren arbeitslosen? Liegt vermittelbarkeit wirklich nur an der länge, oder vielleicht doch auch am halsdurchmessermalgewichtdurchgehirnvolumenimquadratmultipliziertmitderdreierpotzenzvonbacksoda?

    Hat das jemand mal den Alt gefragt?

    bel

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  4. @bel
    Stichwort Langzeitarbeitslose:

    Seit einiger Zeit gehört es in Amerika zum Normalbild, dass in (den wenigen überhaupt existierenden) Stellenausschreibungen "unemployed persons" explizit unerwünscht sind - die brauchen sich erst gar nicht zu bewerben. Übrigens unabhängig von Alter, Qualifikation und Bildung. So viel zu der Karriereleiter eines "längeren Arbeitslosen".

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  5. Entschuldigung, aber ein längerer arbeitsloser ist für mich ein mensch der länger ist, als ein mensch der kurz ist. Körpergröße sozusagen.
    Anders wäre es, wenn ein mensch länger arbeitslos wäre. Das könnte er auch, wenn er ein kürzerer arbeitsloser als ein längerer arbeitsloser wäre.

    Ok, dit is jezze dippelschisserei. Aber amüsiert hats mich trotzdem.


    bel, zur zeit länger arbeitslos.

    PS. Die verfahren sind hier die gleichen wie in USA, es steht nur nirgends explizit drauf, wegen dem AGG.

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