Dienstag, 5. Juli 2011

Buhmann trifft Buhmann


"Bundesregierung und Deutsche geraten insgesamt immer mehr in die Rolle des bei vielen Griechen verhassten Buhmann", analysiert Bild online (heute) messerscharf und vergisst die eigene Rolle dabei großzügig,
schreibt das Simablog und vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass die zitierte Zeitung erst gestern einen altvertrauten Buhmann für das deutsche Renten-Desaster gefunden hat: Laut Bild seien daran - na? - richtig: die Griechen schuld. "Die Griechen fressen den Deutschen die Rente weg" - alles andere hätte uns auch überrascht.
Schön, dass ein Schuldiger gefunden wurde. Denn das deutsche Rentensystem ist so oder so kurz vor dem Exitus, und Außerirdische als Schuldige konnten bislang nicht gefunden werden. Nehmen wir also die Griechen.
Bild auf der Suche nach dem Buhmann, seit Wochen fündig im Land der Griechen.
In der deutschen Geschichte gibt es leider Beispiele, dass die Suche nach Sündenböcken nie gut ausgegangen ist.
- ein Sachverhalt, um den sich die Bildzeitung in ihrer deutschen Geschichte noch nie groß geschert hat, denn 'immer feste druff' verkauft sich einfach besser. Auch wenn es eigentlich um etwas ganz anderes geht, wie das Simablog gestern schrieb:
Das ist Theaterdonner nach innen, mit dem kommende Kürzungen in Deutschland vorbereitet werden. Und mit dem die Übernahme lukrativer Betriebe in Griechenland zum Schnäppchenpreis durch deutsche Konzerne gerechtfertigt werden soll.
Doch das war Schnee von gestern. Heute landet, in weinerlichem Ton, Bild den theatralischen Coup des deutschen, "bei vielen Griechen verhassten" Buhmannes: Wir armen Deutschen! Die mögen uns nicht, die bösen Griechen! Weshalb sich flugs ein deutscher Staatsmann in die propagandistische Retourkutsche setzen und den griechischen Hassbürgern erklären möge, wie sympathisch und hilfsbereit wir ungeliebten Deutschen doch seien.

Auftritt Bundespräsident Wulff.
Die Lösung: Bundespräsident Wulff soll im Athener Parlament eine Rede halten...Das wäre ein wichtiges Signal in der derzeit so hitzig geführten Debatte, zitiert Bild nicht näher genannte und damit auch nicht überprüfbare griechische "Regierungskreise". Wenn die "notwendigen Entscheidungen" getroffen "und umgesetzt" würden, sei der richtige Zeitpunkt gekommen.
Wie wir aus nicht näher genannten und damit nicht überprüfbaren griechischen Indignado-Kreisen erfahren haben, soll Bundespräsident Wulff nach seiner Verteidigungsrede im griechischen Parlament nach draußen auf den Syntagma Square treten und sich dort der empörten griechischen Bevölkerung stellen.

Wenn - anlässlich dieser Begegnung auf Augenhöhe - der richtige Zeitpunkt gekommen sei, so heißt es in der Syntagma Bürgerversammlung, würden unverzüglich die notwendigen Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. Sollte also der deutsche Buhmann, äh, Bundespräsident von seiner griechischen Goodwill-Tour nicht zurückkehren, wissen wir, wer daran schuld gewesen sein wird: die griechischen Buhmänner und -frauen.

Alles andere hätte uns auch überrascht.

Kommentare:

  1. Griechenland und Portugal lassen die Hosen runter, wenn ich das mal frei übersetze: Grèce et Portugale dépouillés, ein Videogespräch im Mai 2011 mit Max Keiser und einem extrem aufgeweckten Moderator, der sich schief lacht über die Absurdität der Finanzmärkte und der Märkte überhaupt, der Lebensmittel- und der Goldpreise und vieles mehr.

    Gespräch ist auf französisch, Max radebrecht englisch-französisch, der Aufnahmeleiter klappert mit den Augendeckeln und grinst sich einen, der Moderator wiehert und ich fühle mich bestens unterhalten und ebenso gut informiert.

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  2. "Sharing the Arab Spring", AlJazeera.

    "On January 14, Tunisians kicked out their president and inspired uprisings across the region.

    On June 30, over six months later, Arab youth from across the region gathered in Tunis for the Creative Commons Arab regional meeting, an annual gathering of the Creative Commons (CC) communities from across the Arab world.

    Creative Commons is a non-profit organisation that oversees the creation and evangelising of the licensing scheme used by Al Jazeera, the White House, Wikipedia and Flickr, among others.

    Also at the meeting were Arab musicians and artists who created and remixed music and visual art in a celebration of "openness, creativity and innovation".

    Joi Ito, co-founder of Creative Commons, told Al Jazeera that while the core of organisation was technical and legal tools to enable sharing, the purpose of the Tunis meet was to enable the community and creators of content.

    "It's good to see our meetings evolve from technical and legal discussions to the creation of content, and also to the see the region's understanding and acceptance of Creative Commons," Ito said.

    "We started working with a small group of people in 2007, and now we have a broad and diverse community in the Middle East. The co-incidence of the Arab Spring and the freedom that it symbolises, which is also the core message of Creative Commons, worked really well."

    Creating and Sharing:

    "The music created at the meeting will be made into a CD and licensed under CC - this will "encourage Arab youth to share music legally and also produce their own, through peer-collaboration and remix".

    Yasser Shoukry, an Egyptian folk musician who performed at the concert, said that because the Arab world is so big, people don't generally know what others are doing.

    "It's important to bring people from all over the region together, to try and present something together that was related to the revolutions," he said.

    "And also to send a message to people around the world - we are all Arabs, and we are together and things are changing."

    Gute Nachrichten, brought to you by AlJazeera.

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  3. ...mit ein paar wunderschönen Fotos von jungen Musikern des Arabischen Frühlings.

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  4. http://www.youtube.com/watch?v=I5YiI1qerW4&feature=player_embedded
    Von Keny Arkana

    Bitte unbedingt ansehen, ist super schön,(wahrscheinlich kennst Du es schon...)

    :-)

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  5. Groß. Ich kannte Keny Arkana noch nicht.

    Vielen Dank.

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