Mittwoch, 8. Juli 2009

Sanitäre Geschlechterforschung

Alle zwei Wochen ist mittwochs Fensterputztag. Heute wären also wieder die Restaurantfenster fällig gewesen, jedoch, der Dauerregen warf den Putzplan über den Haufen. Weil Regen jedes geputzte Fenster auf der Stelle in ein ungeputztes verwandelt. "Immer schön flexibel bleiben", meinte Frau Übermop, als ich meinen Dienst antrat: Statt der Fenster bekam ich die Toiletten zugeteilt. Keine Frage, ich putze zehnmal lieber Fenster als Toiletten, was insofern günstig ist für mich, als Frau Übermop hundertmal lieber die Toiletten putzt als die Fenster. Zumal die Toiletten vierzehnmal so oft geputzt werden müssen wie die Fenster, ist ja klar.
Es wurde heute also umdisponiert, zum einen wetterbedingt, zum andern aus, nun ja, sagen wir 'erzieherischen' Gründen, oder wie die Große Mop-Vorsitzende es ausdrückte, "damit du nicht aus der Übung kommst". Denn selbstverständlich hatte ich in den ersten Tagen meiner Putztätigkeit ein Allroundtraining verpasst bekommen, zu welchem auch die Toilettenreinigung gehört. "Überall mal reinschnuppern", hatte das damals auf Übermop-Deutsch geheißen, was im Falle der Toiletten sprachlich vielleicht nicht ganz erste Wahl, andererseits durchaus treffend ist, schließlich kann man sich beim Putzen ja nicht die Nase zuhalten. (Allmählich wird, so hoffe ich, meine Vorliebe für Lindenblüten- und Kamilledüfte nachvollziehbar.)
Jedenfalls wusste ich heute, was auf mich zukommt: Ich mache 'es' nicht gern, aber es macht mir auch nicht übermäßig viel aus, und da ich es schon ein paar Mal gemacht hatte, schnappte ich mir meine Utensilien - Eimer, Desinfektionsmittel, WC-Ente und so - und legte los.
In Ermangelung erwähnenswerter subjektiver Ekelkomponenten schien es mir angemessen, die Sache aus soziologischer Sicht zu betrachten, denn nicht zum ersten Mal stand die Frage im sanitären Raum: Wieso werden Herrentoiletten von ihren Benutzern signifikant sauberer hinterlassen als Damentoiletten? Nun ist zwar so ein Blog nicht das passende Örtchen, um unappetitliche Details aufzulisten, aber so viel sei immerhin gesagt: In jedem öffentlich zugänglichen Klo pflegt ein Eimer zu stehen, in welchen hinein der Benutzer/die Benutzerin all das entsorgen kann, was nicht in die Toilette gehört. Gut, da haben die Herren womöglich weniger zu entsorgen als die Damen, weshalb der Herreneimer fast immer leer ist; nur ist der Dameneimer ebenfalls meistens leer, nicht aber das unmittelbare Umfeld des Dameneimers, sprich der Boden. Können die Mädels nicht zielen oder fangen sie auf dem WC an zu schielen oder was ist da los?
Auch heute war der Damentoiletteneimer wieder mal fast inhaltsfrei, bis auf ein paar kaum nennenswerte Partikelchen. Drumherum sah es aus wie bei Hempels unterm Sofa, wiewohl ich damit den Hempels höchstwahrscheinlich Unrecht tue, denn vermutlich wird es selbst bei Hempels unterm Sofa manierlicher aussehen. Nun gut. Ich tat, was zu tun war. Dann leerte ich den Eimer. Wollte ihn leeren, ging aber nicht. Weil das, was drin war, am Boden des Eimers festklebte. Hartnäckig. So dass mir der Griff in den Eimer - gesegnet sei die Erfindung der Latexhandschuhe - nicht erspart blieb. Nach einiger Mühe hatte ich endlich die fünf alten Kaugummiknuddel entfernt: fünf ausgekaute Kaugummiknuddel, allesamt fein säuberlich zu kugelrunden adretten Bällchen gerollt und von fünf Damen (eine allein wird's ja wohl nicht gewesen sein) so zielsicher wie präzise ins Eimerchen geschnickst. Na bitte, dachte ich, geht doch. Wieso schaffen die das mit winzigkleinen Kaugummikügelchen, nicht aber mit größeren Objekten? Und warum schmeißen sie ihre Kaugummis nicht gleich in die Toilette, wo sie (die Kaugummis) keine Chance haben festzukleben? Und weshalb verwechseln sie eine Gastronomietoilette mit einer Sanitärmülldeponie?
Ja, ich weiß, über so etwas spricht man nicht, aber so etwas macht man auch nicht. Würde so etwas nicht gemacht werden, müsste auch nicht darüber gesprochen werden. Gut, dass man mit Frau Übermop über derlei Genierliches ganz ungeniert sprechen kann; ich kam aus der Toilette, schimpfte wie ein Rohrspatz und fragte sie, wieso das so sei mit den Mädels und den Jungs und den geschlechtsspezifischen Hygieneunterschieden. "Wusstest du das nicht?", fragte sie zurück, "das war schon immer so", und nach einer Pause, "bei sich zuhause auf der Toilette machen sie so was nicht", woraus wir beide im gleichen Atemzug schlussfolgerten, "da haben sie ja auch keine Putzfrau." Und weil Frau Übermop gern das letzte Wort hat, setzte sie noch einen drauf, "... und wenn sie eine hätten, dann würden sie sich vor der Putzfrau schämen, so etwas zu machen."
Sozialpsychologisch astrein auf den Punkt gebracht. Gezielt, getroffen, versenkt. Eins-Null für Frau Übermop. Na ja. In diesem speziellen Fall wohl doch eher Null-Null.

Kommentare:

  1. Also auf den Punkt gebracht sind Frauen also per natura größere Schweine als Männer, nur nicht dann, wenn man sie direkt erwischen könnte?

    Das verlogene Geschlecht, meine Rede.

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  2. Nicht per natura, mein Lieber, vielmehr per cultura.

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  3. ^^
    [hier im institut ist es übrigens anders herum: männer dreckiger und unordentlicher als frauen. dafür machen frauen immer die energiesparlampen aus, wenn sie aus dem klo gehen :(...]

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  4. Aha. Da haben wir sie, die Antithese. Was machen wir jetzt? Abstimmen? *g*

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  5. Doch per natura. Wer schwächer ist, muss tricksen. Geht garnicht anders.

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  6. "Wer schwächer ist, muss tricksen."

    Schon, schon - aber doch nicht auf dem Klo. Weil, wen trickst die schwache Frau da aus? Doch höchstens die ebenfalls weibliche (in meinem Fall weniger schwache) Putzfrau. Derweil sich das, ähm, starke Geschlecht an den Urinalen trifft und von nix was mitkriegt.
    Außerdem, Du kennst doch bestimmt den Auch-Dresdner Peter Richter? Der erzählt in seiner heutigen Videokolumne etwas von '...heterosexueller Mario-Barth-Haftigkeit, wo man immer die Klobrille vollpinkeln muss, um seine Freundin zu ärgern'.

    http://www.faz.net/s/Rub28EF38B483C94193A70B58D41ADA26A4/Doc~EBEB2C600674D4C9C92E080265E9FD280~ATpl~Ecommon~SM

    Schwachheit, dein Name sei...tja, wie denn nun?

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  7. [OT tip: verlinkungen in html gehen so , siehe 'beispiele zu verweisen' unten :)]

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  8. Huch ja, sieht grauslich aus da oben, hab das heute mittag gar nicht mehr gecheckt. Vielen Dank für Link + Tip ;)

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  9. hm, hat er nicht exakt so ausgeführt wie ich wollte. Link führt auf faz.net, dort in die Suche 'Richterspruch' eingeben, führt direkt zur aktuellen Videokolumne.

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