Dienstag, 8. Mai 2012

Testfall Griechenland


Meine Güte. Die lassen aber auch nichts anbrennen. Diese EU-Kraken. Pardon, diese EU-Technokraten, wollte ich sagen.

Kaum hat sich der Rauch über Griechenlands Wahlurnen verzogen, lässt sich die "EU-Task Force für Griechenland" unter deutscher Leitung (Horst Reichenbach, Prädikat: "beinhart") in Athen häuslich nieder: Noch in dieser Woche wird die Spezialeinheit der Europäischen Kommission ein provisorisches Quartier beziehen in der Athener Innenstadt. Wieso provisorisch? Keine Ahnung, vermutlich, weil es ihnen brandeilig ist.

Nun könnte man blauäugig dagegenhalten, dass es derzeit kaum einen Platz auf der Welt gibt mit mehr leerstehenden Büro- und Geschäftsgebäuden als im krisengeschüttelten Athen; es mithin ein Leichtes für die Brüsseler Eingreiftruppe sein dürfte, adäquate Büroräume für den dauerhaften Bezug zu finden. Schließlich will das EU-Einsatzkommando ja sesshaft werden in Athen, um die anstehenden "Reformmaßnahmen zu überwachen", weshalb geplant ist, die momentane Truppenstärke von zehn in kürzester Zeit auf 40 Task-Force-Funktionäre aufzustocken. Und da können die in Athen kein dauerhaftes Domizil für ihre Überwachungstätigkeit finden?

Falsch. Die wollen anscheinend keines finden. Zumindest nicht zum jetzigen, brandeiligen Zeitpunkt. Vielmehr hat sich die Task Force mal eben im Hauptquartier der griechischen Energieverwaltung (RAE) eingenistet. Vorübergehend, wie gesagt, angeblich.

Wie zu hören ist, sind die griechischen Angestellten der Energieregulierungs-Behörde über die neuen Mitbewohner not amused. Um genau zu sein, sie sind stinksauer ("vehement opposition"). Weil sie, erstens, nicht die geringste Lust haben, ihre Büros mit Repräsentanten der Auslandsgläubiger Griechenlands zu teilen; zweitens, weil sie befürchten, dass ihre griechischen - womöglich noch stinksaureren - Mitbürger in einer Aufwallung kollektiven Unmutes zum Angriff blasen und den ungebetenen EU-Logiergästen zuleibe rücken könnten. Handgreiflich, versteht sich. Was wiederum verständlich ist, denn von der deutschen Truppenleitung stammt das denkwürdige Statement (im Zusammenhang drastischer Haushaltskürzungen), in Griechenland "werden die Grenzen ausgetestet, wieviel die Leute bereit sind hinzunehmen". Und so einen Typen samt Tross hat man halt nicht so gern als Untermieter bei sich.

Nun könnte man blauäugig fragen, wieso die Truppenleitung so blauäugig ist, in ein Gebäude voller feindlich gesonnener Griechen zu ziehen? Und das Risiko eingeht, von noch feindlicher gesonnenen, wehrhaften griechischen Mitbürgern einen auf die Mütze zu kriegen? Tja, wieso bloß? Ich kenne mich mit taktischer Kriegsführung zwar nicht besonders gut aus, habe aber meine sieben Zwetschgen beieinander und kann zwei und zwei zusammenzählen. Antwort also: Eben drum.

Weil, die wären ja schön blöd, wenn sie ein leerstehendes Bürogebäude beziehen, ein Schild "EU-Task Force für Griechenland" an die Tür nageln und damit freie Angriffsfläche bieten würden. Sie wären dem inländischen Feind schutzlos ausgeliefert und würden spätestens am dritten Tag gnadenlos genagelt werden. Ist doch viel cleverer, inmitten der Tarnung einer griechischen Behörde zu operieren. Nicht umsonst haben feindliche Truppen seit jeher gern Quartier in Schulturnhallen und Krankenhäusern bezogen. Weil sich da keiner so schnell traut zuzuschlagen. Prinzip der Manndeckung, kennt man ja.

Mann Mann Mann. Und so was nennt sich Task Force.
Denen muss der Hintern ganz schön auf Grundeis gehen.

Montag, 7. Mai 2012

Tiefer sinken


Gestern haben die Griechen gewählt und ließen die sozialdemokratische PASOK Partei krachend im tiefen Keller verschwinden.

Wer in der letzten Zeit den selbstverschuldeten Niedergang der Partei nicht verfolgt hat und sich jetzt, nach dem verheerenden Wahlergebnis, fragt, wie es dazu kommen konnte, der muss sich nur anhören, was der Parteivorsitzende, ehemalige Finanzminister und als solcher am Troika-Marionettenfaden hampelnde Evangelos Venizelos aus dem tiefen Keller rief - jetzt, nach dem verheerenden Wahlergebnis:
"Wir haben das Volk verbittert, um die Zukunft der Nation zu schützen."
Das hat Größe. Das zeigt Einsicht. Das lässt tief blicken in den tiefen Keller. Das klingt nach "Wir mussten die Lebensgrundlage des Volkes zerstören, um das Land zu retten."

Neusprech-Altmeister Orwell lässt grüßen.

"Das Volk vergisst nicht, von wem es betrogen wurde."

Samstag, 5. Mai 2012

Schmale Lippenbekenntnisse


Die ganze Welt schaut am Sonntag auf Europa.

Am Sonntag finden in zwei europäischen Ländern wichtige Wahlen statt.

Die ganze Welt denkt, das seien die Länder Griechenland und Frankreich.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble belehrt die Welt eines Besseren. Mit gewohnt markigen Worten, unverkennbarer Drohgebärde und hart (noch härter als gewöhnlich) aufeinandergepressten Lippen zeigte er gestern - also kurz vor Öffnung der griechischen und französischen Wahllokale -, wo der Hammer hängt:
Neben weiteren Highlights erklärte Schäuble, dass die Wahlen in Griechenland und Frankreich "im Wesentlichen keinerlei Einfluss auf die deutsche Finanzpolitik haben werden".
Gut, dann wäre das schon mal geklärt. Soll sich bitte kein einziger wahlberechtigter Europäer einbilden, die harte Haltung deutscher Politiker sei durch irgendein läppisches demokratisches Wahlergebnis zu beeindrucken.

Weiter im Text, nächste Ansage von Schäuble, die Lippen werden schmaler:

Wer auch immer die Wahlen ins griechische Parlament gewinnen wird, kann sich eines schon mal abschminken: dass sich dadurch auch nur ein Jota am Status quo der Bail-out-Schraubzwinge, sprich Bankenrettungsmaßnahmen, ändern wird. Sollten die griechischen Bürger die falschen, nämlich eine oder mehrere der Troika-kritischen Parteien wählen, dann
"... wird Griechenland die Folgen tragen müssen."
Peng! Das hat gesessen, ihr Griechen, nicht wahr, jetzt schlottern euch die Hosen vor Angst? Ich weiß nicht, wieso ich das Gefühl nicht loswerde, dass der deutsche Finanzminister, wenn es nach ihm ginge, am liebsten mit einem Panzer in die griechischen Wahlkabinen reinfahren würde.

Weiter an die Adresse Griechenlands, die Lippen Schäubles nur noch ein einziger schmaler Strich:
"Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist eine freiwillige Entscheidung!"
Merkwürdigerweise vergaß er hinzuzufügen, "und zwar mit von uns vorgehaltener Knarre!".

Sage keiner, der Deutsche mit der Panzerrhetorik hätte kein Gespür für diplomatische Zwischentöne. Dem französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande hielt er einen völkerverständigenden Olivenzweig unter die Nase, den letzterer hoffentlich nicht verwechseln wird mit einer entsicherten Knarre:
Im Falle eines Wahlgewinnes wird die deutsche Regierung einem siegreichen Francois Hollande erlauben, "sein Gesicht zu wahren".
Da wird der (möglicherweise) künftige Staatspräsident Frankreichs sich bestimmt geehrt fühlen, dass die deutsche Regierung ihm erlaubt, sein Gesicht zu wahren, und sich obendrein erlaubt, ihm das auch noch ins Gesicht zu sagen.
"Jeder, der neu ins Amt gewählt wird, muss imstande sein, sein Gesicht zu wahren," sagte Schäuble. "Darum werden wir uns mit Hollande auf sehr freundliche Weise auseinandersetzen."
- was ja schon fast an rhetorischen Schmusekurs grenzt. Kaum zu glauben, dass ein derart wachsweiches Franzosenverstehertum dem harten deutschen Lippenstrich entwichen sein soll. Schäuble wäre aber nicht der, der er ist und sein will, fügte er nach so viel freundlichem Rumgesofte nicht mit gebotener Härte hinzu, dass
... man von Hollande erwarte, die Verpflichtungen gegenüber dem europäischen Fiskalpakt aufrechtzuerhalten. "Darum werden wir uns mit Hollande auf sehr freundliche Weise auseinandersetzen. Aber wir werden nicht von unseren Prinzipien abrücken."
Ich hätte da einen Vorschlag: Vielleicht wäre es zielführender im Sinne Schäubles, die griechischen und französischen Wahlen einfach in Deutschland abzuhalten? Oder, noch einfacher, die kommenden Regierungen Griechenlands und Frankreich kurzerhand und schmallippig von deutschen Politikern benennen zu lassen? Damit wäre doch allen gedient. Weil alle den deutschen Interessen dienten.

Jetzt aber erst mal Waffenstillstand. Pistole ins Halfter, Panzer in die Garage, Ruhe an der Verbalfront. Mal sehen, welche Messer am Sonntagabend gewetzt werden. Falls die bis dahin nicht stumpf geworden sind.

Update:
Siehe auch: "Der Mann hat Nerven." (Keep Talking Greece)

Say "Grrrrreece!"

Freitag, 4. Mai 2012

Praktischer Schafskäse


Das mit der Jugendarbeitslosigkeit ist auch nicht mehr das, was es mal war. Inzwischen liegt sie in der gesamten Eurozone - den offiziellen(!) Zahlen zufolge - bei satten 22,6 Prozent, nähert sich also rapide dem Befund, dass ein Viertel der jungen - unter 25-jährigen - Europäer ohne Arbeit ist. Den Rekord halten die Länder Griechenland und Spanien mit jeweils 51 Prozent, gefolgt von Italien mit 35,9 Prozent arbeitsloser junger Menschen.

In Amerika - wo die Jugendarbeitslosigkeit bei knapp unter 50 Prozent liegt - wurde gestern ein kluger Blogger (of two minds, Charles Hugh Smith: "Future Economy, Future Stability, Future Careers") von einem besorgten Vater gefragt,
... mit welchem beruflichen Werdegang unsere Kinder überhaupt existenzfähig sein könnten?
sowie, angesichts sich stetig verdüsternder Zukunftaussichten,
... wo sehen Sie Chancen für irgendeine Art beruflicher Entwicklung und Stabilität?
- worauf dem fragenden Vater geraten wurde, seine Kinder zu "grundlegenden praktischen Fähigkeiten" zu erziehen oder sie zum Erlernen solcher Fähigkeiten zu ermuntern. Beispielhaft genannt wurden Fähigkeiten wie das Zähneputzen (nicht nur die eigenen), das Reparieren altersschwacher Fahrzeuge, Anbau und Zubereitung von Gemüse oder das Organisieren von Community-Aktivitäten. Lauter praktische Fähigkeiten also, die das Alltags- und Überleben in harten und noch härter werdenden Zeiten ermöglichen.

Dies las ich mit Interesse und dachte dabei, wie gut, dass du mittlerweile über die grundlegende praktische Fähigkeit verfügst, problemlos Kartoffelsalat für 120 Leute zuzubereiten. Oder wenig Schafskäse auf viel geröstetem altem Weißbrot so anzurichten, dass es aussieht wie viel Schafskäse auf wenig Weißbrot. Oder so.

Apropos Schafskäse:

Schafskäse wächst ja bekanntlich nicht auf Bäumen, sondern wird aus Schafen gewonnen, und die Schafe müssen erstmal gezüchtet, gehütet und gepflegt werden, bevor sie ihre Milch und ihren Käse rausrücken. Deshalb gibt es den Schäfer, dessen Berufsbild so umschrieben wird:
Schlechte Bezahlung und lange Arbeitszeiten, aber dafür Jobsicherheit, viel frische Luft und so viel Pecorinokäse zu essen, wie das Herz begehrt.

Traumberuf Schäfer. Für wen? Für immer mehr junge Menschen. Wo? Im Traumland Italien, wo die Jugendarbeitslosigkeit sich der 40-Prozent-Marke nähert und wo
... junge Leute scharenweise Schäfer werden wollen. Zwar ist der Beruf traditionell die Domäne alter Männer, zieht aber seit neuestem 3.000 junge Italiener an.
Deren "naturnahe" Berufswahl verdanke sich dem Umstand, dass
... ihre Berufsziele Arzt, Rechtsanwalt oder Ingenieur vereitelt werden durch Italiens geringfügiges Wirtschaftswachstum, das sich noch verschlechtert hat durch zermürbende Sparprogramme.
Der 25-jährige Davide Bortoluzzi beispielsweise hat einen Abschluss als technischer Gutachter, konnte jedoch keinen Job finden, hütet jetzt in den norditalienischen Dolomiten eine Herde von 400 Schafen und sagt, er sei zufrieden:
"Ich bin zufrieden mit meiner (Berufs)Wahl. Angefangen habe ich, indem ich mich anderen Schäfern anschloss und mich bei ihnen eingearbeitet habe. Leicht war es nicht. Aber ich machte jeden Tag Fortschritte, ohne mich allzu sehr entmutigen zu lassen davon, manchmal in strömendem Regen oder unter brennender Sonne zu arbeiten."
Ebenfalls zufrieden über die jüngste Entwicklung, sprich: die "Verjüngung eines Sektors der italienischen Landwirtschaft", äußerte sich ein Bericht des italienischen Landwirtschaftsverbandes Coldiretti, denn in den meisten Fällen hätten
... die jungen Schäfer die Qualität des produzierten Fleisches, der Wolle und des Käses verbessert.
Auch dies las ich mit Interesse und dachte, na also, alles in Butter. Der Käse reift. Die Milch macht's. Das Frischfleisch bringt's. Für wenig Geld.

Apropos Geld:

Geld wächst ja bekanntlich auch nicht auf den Bäumen, sondern wird...ja, wo kommt eigentlich das Geld her? Vor allem, wenn man keines hat und dringend welches braucht? Böse Zungen behaupten, Geld werde aus Schafen gewonnen. Weil, wenn die Schafe ordentlich gemolken werden, rücken sie die Knete raus, die von den obersten Schafhirten dann verprasst wird. Diesen Vorgang nennen die obersten Schafhirten gern 'Sparprogramm'. Die Schafe finden das (siehe oben) zermürbend, aber das ist den Schafhirten egal.

Inzwischen sind die obersten Schafhirten - also, die tonangebenden Finanzmanager - Europas am Überlegen, wie sie sonst noch an Geld rankommen könnten. Weil sie nämlich inzwischen denken: Jetzt, wo wir so ein tolles Sparprogramm haben, brauchen wir unbedingt noch ein tolles Wachstumsprogramm; nicht etwa, damit die ausgemergelten Schafe besser wachsen und gedeihen - Gott bewahre -, sondern damit das, was die Schafhirten 'Wirtschaft' nennen, besser wachsen und gedeihen kann. Und um Wirtschaftswachstum zu generieren, muss Geld generiert werden. Aber wie? Vielleicht am besten mit einer Gelddruckmaschine?

Während Europas Herrscherkaste darüber debattiert, ob es vernünftig sei, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, indem die Europäische Zentralbank die Gelddruckmaschine ankurbelt, haben einige unternehmerisch denkende Leute im städtisch-ländlichen Nordwesten von Neapel eigenständig die Initiative ergriffen, indem sie stapelweise gefälschte Euros drucken.
Porca miseria! Da behaupte noch einer, die eurotechnokratischen Schafhirten hätten keine Leitbildfunktion! Von wegen.


Während die Euro-Schafhirten noch am Debattieren sind, sind die süditalienischen Schafe - Herdenzentrum: Giugliano bei Neapel - bereits am Drucken. Nicht am Drucksen, sondern am Drucken, nicht am Kleckern, sondern am Klotzen, denn mehr als die Hälfte aller im Umlauf befindlichen gefälschten Eurobanknoten kommen aus jenem gesegneten Landstrich nordwestlich von Neapel. Es handelt sich um professionell generiertes Falschgeld allerfeinster Qualität, vor dem sogar die zuständige Polizeibehörde den Hut zieht:
"In Italien gibt es von altersher eine großartige, majestätische Traditon: Von hier kommt Falschgeld in allerbester Qualität," sagt Col. Alessandr Gentili, Leiter der italienischen Anti-Falschgeld-Währungs-Polizeieinheit in Rom. "Giugliano ist immer noch die Metropole. Dort gibt es die besten Profis."
Mit "Metropole" ist natürlich die Falschgeld-Finanzmetropole Giugliano gemeint, der Polizeichef Gentili seinen Respekt bezeugt. Und er fährt fort, dass die majestätische Tradition des Gelddruckens - ähnlich der Tradition des Winzertums, der Töpferkunst und anderer "schöner Künste" (unzweifelhaft eine Anspielung auf die Kunst der Schafskäseherstellung), für die Italien berühmt sei - traditionellerweise von den Vätern an die Söhne weitergegeben werde.

Figlio mio! In Giugliano sind es die Väter, die ihre Söhne zu grundlegenden praktischen Fähigkeiten wie der des Gelddruckens erziehen! Solche Väter bedürfen selbstverständlich keiner externen Berufsberatung für ihre Söhne.


Leider konnte ich keine regionalen Statistiken zur Jugendarbeitslosigkeit im Nordwesten Neapels ausfindig machen, möchte aber fast wetten, dass sie um einiges unter 35,9 Prozent liegt. Wobei übrigens auch die italienischen Falschgeldproduzenten alle mal klein angefangen haben, nämlich mit popeligen home-office-Tintenstrahldruckern, bevor sie ihre praktischen Fähigkeiten mit ausgereiftem technologischem Knowhow zur lukrativen Handwerkskunst professionalisierten.

All dies las ich mit großem Interesse und muss zugeben, dass ich dabei längere Zeit gedankenverloren auf meinen ollen Tintenstrahldrucker starrte; eine Art meditativer Versenkung, die mich womöglich aus alten, festgefahrenen Denkmustern befreien und mir neue, traumhafte Karrierewege erschließen wird. Einstweilen bin ich noch am Schafezählen, spüre aber, wie sich mein rechter Daumen - wenn auch nur fiktiv - zu emanzipieren beginnt.


Donnerstag, 3. Mai 2012

Zum Schreien


Edvard Munch: "Der Schrei"
Die alptraumhafte Hauptfigur und der schreiende Farbenstrudel des Bildes symbolisieren die existentielle Angst und Verzweiflung des modernen Zeitalters.
Gestern wurde "Der Schrei" unter den Hammer gebracht: Nach einer aufgeheizten Bieterkonkurrenz wurde das Bild für rund 120 Millionen Dollar bei Sotheby's in New York verkauft - "ein Weltrekord", wie der Auktionär jubelnd vermerkte.

"Wir sind erfreut mitteilen zu können, dass dieses großartige Gemälde - nicht nur eines der bedeutendsten Bilder unserer Geschichte, sondern auch der bildhafte Schlüssel für das moderne Bewusstsein - einen Weltrekord geschafft hat."

"Person of the Decade"

Mittwoch, 2. Mai 2012

Explosionsgefahr


... und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt:


Die irische Volksabstimmung zum europäischen Fiskalpakt naht mit Riesenschritten (Ende Mai). Proportional dazu steigt die Angst in Regierungskreisen vor einem mehrheitlichen Nein des abstimmenden Volkes. Was tun Regierungen, wenn sie es mit der Angst zu tun kriegen? Das, was sie in solchen Fällen immer tun: Sie machen dem Volk Angst. Mit seismographischer Sicherheit kann man sich darauf verlassen: Wird eine Angstkampagne gefahren, hat die Regierung die Hosen voll. Und zwar gestrichen.

Um einen Blick in den Füllstand der irischen Regierungsbeinkleider zu werfen, genügt ein Blick in die irische Tageszeitung Independent, die sich mit der Kampagnenstrategie der Regierungspartei beschäftigt und deren Kampagnendirektor zitiert:
"Der Regierung wäre es lieber, das Referendum zu gewinnen, indem sie nett zu den Wählern ist; aber nötigenfalls können wir auch eine andere Gangart einlegen."
Andere Gangart?
"Sollte sich herausstellen, dass die Kampagne nach der ersten Woche nicht gut funktioniert, werden wir die Angst-Einjager ("the frighteners") auf die Öffentlichkeit loslassen und so richtig Klartext reden."
Klartext: Leute, wir machen einen auf nett, aber wir können auch anders - wenn ihr bis Ende dieser Woche nicht auf unseren Zug aufgesprungen seid, werden wir nächste Woche richtig fies!

Was bezüglich des Hosenfüllstandes der Regierung nur den Befund zulässt: gestrichen voll. Mit anderen Worten:
... eine Schlüsselstrategie bei der Kampagne von Fine Gael (Regierungspartei in Irland) wird darin bestehen, die Angst-Einjager auf die Wähler anzusetzen, sollte sie (die Partei) eine reale Gefahr befürchten, dass das Referendum verloren wird.
Man weiß nicht recht, wovor man mehr Angst haben soll: Davor, dass Europa in die Luft oder die zum Bersten vollen Hosen der europäischen Regierungen uns demnächst um die Ohren fliegen.

Explosive Zeiten. Und kein Schutzbunker, nirgends.

Dienstag, 1. Mai 2012

Erster Mai



Zum Davonlaufen.