Mittwoch, 24. Juni 2009

Wer schweigt, lobt

Wer schweigt, lobt. Wer etwas zu bemängeln hat, macht den Mund auf. Mehr muss zum Thema 'Feedbackverhalten unter Putzfrauen' eigentlich nicht gesagt werden. In den ersten drei, vier Wochen hat Frau Übermop ziemlich viel mit mir geredet (gerüffelt); danach wurde es allmählich ruhiger (Lob). Bis ich das allerdings kapiert hatte, hat es mindestens nochmal vier Wochen gedauert.
Zu den Standardrüffeln gehörten: Hirn einschalten. Du bist zu langsam. Du bist nicht gründlich genug, wahlweise auch: Du bist zu gründlich. Manchmal tippte Frau Übermop nur noch in stummer Verzweiflung mehrmals auf die Uhr an ihrem Handgelenk, damit sowohl an mein Hirn appellierend wie an mein Arbeitstempo wie an meine Fähigkeit, Perfektionismus von Pragmatismus zu unterscheiden. Wie gesagt, nach ein paar Wochen ließ die Rüffelei nach. Sie hörte keineswegs auf, oh nein - so ganz en passant sorgt Frau Übermop schon weiterhin dafür, dass ich nicht übermütig werde (wenn ich nur an das Ein-Euro-Stück auf dem Küchenboden denke). Aber ansonsten herrscht weitgehend kommunikative Ruhe beim Arbeiten. Atmosphärisch durchaus entspannt und zugleich konzentriert, nur - es wurde und wird keine meiner Leistungen in irgendwie positivem Sinne kommentiert. Ist normal so. Musste ich mich dran gewöhnen. Geht aber.
Kommuniziert wird dafür umso mehr in den Pausen oder wenn sich ein Lieferantenschmäh ergibt, also mehrmals täglich. Heute hatten wir es von dem Übermop'schen Kartoffelsalat, selbergemacht natürlich, unter Hinzugabe von selbergemachter Mayonnaise. Die komplette Restaurantbelegschaft, von unten nach oben, schwärmt davon. Ich liebe guten Kartoffelsalat. Nächste Woche bringt die eine Mop der anderen Mop eine größere Kostprobe davon mit, hat sie versprochen, die eine Mop. Die andere Mop, also ich, hat sich gefreut und gedacht: Mensch, mit der Übermopschen kommst du gut klar, klasse ist das.
Als wir das Kartoffelsalatsujet gerade beendet und uns wieder unseren Pflichten zugewendet hatten, kam einer der Geschäftsführer vorbei, gutgelaunt, plauderte der Reihe nach mit allen Anwesenden in Küche und Lokal, machte sich einen Kaffee an der Maschine und fragte die am Tresen vorbeimarschierende Frau Übermop ganz locker: "Und, wie bist du mit unserer neuen Putzfrau zufrieden? Kommt ihr klar miteinander?" Nach einer kurzen Pause, ohne ihre Fortbewegung zu unterbrechen, brummte jene vor sich hin: "Wenigstens kann man Deutsch mit ihr reden." Klingt recht karg und knauserig, so als Kompliment. Für Frau Übermops Verhältnisse war das ein geradezu eruptives Sympathiebekenntnis.

Kommentare:

  1. :) cool. das kenne ich aus dem institut nur zu gut - no feedback <=> lob. leider ziemlich ätzend, finde ich - arrangieren fällt mir schwer.

    mögen Sie ganz grob eine wo-sind-Sie-in-deutschland-angabe machen? :) das würde mich freuen...

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  2. Eruptiv, hihihi..! Koplimente sind wie Schmierstreifen auf Glas: Mit einem WISCH sind sie wieder WEG!

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  3. @ rebhuhn
    Ja, fiel mir auch schwer, andererseits ertappte ich mich dabei, wie ein kleines Mädchen (bin ich nun wirklich nicht mehr) aufs Lob von der 'Mama' zu warten ;)...
    Und wo ich stecke in Deutschland: Als Newbie und, ehm, Berufsumschülerin gehe ich noch ein wenig auf Eiern, was das Öffentlichmachen solcher Infos betrifft - können Sie das verstehen? Vielleicht sehe ich das ja mit der Zeit noch lockerer...

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  4. @ Mary Malloy
    'Komplimente sind wie Schmierstreifen auf Glas', der war gut. Aber kennen Sie das, da entdecken Sie auf den geputzten Fenstern Schmierstreifen und Sie wischen und wischen und die Dinger bleiben irgendwie hartnäckig haften? ;)

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  5. kann ich verstehen. ich war anfangs zu offen [2007], ich hoffe, daß ich mittlerweile alles rausgeändert habe. aber sowas wie pfalz sage ich mittlerweile schon :)

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  6. Kenn ich, aber wenn die Komplimente bleiben (und Ernst gemeint sind), isses ja supi! :)

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