Mittwoch, 8. Juni 2011

Widerstand und Text und Freiheit


"Der Mensch schlägt in der Erde keine Wurzeln; er ist mit dem Boden nicht verwachsen. Der Mensch ist kein Feld, keine Wiese, kein Vieh; daher wird er auch nie Eigentum sein können. Der Mensch hat die innere Empfindung dieser heiligen Wahrheiten; daher wird man ihn nicht davon überzeugen können, dass seine Herren das Recht haben, ihn an die Scholle zu ketten."
Der spanische Schriftsteller, Widerstandskämpfer und Politiker
Jorge Semprún ist gestern im Alter von 88 Jahren gestorben. Semprún kämpfte in der französischen Résistance und gegen die Franco-Diktatur in Spanien; sein Leben lang kämpfte er für Freiheit und Menschenrechte.

Von Jorge Semprún stammt das Drehbuch zu dem französisch-algerischen Spielfilm "Z" aus dem Jahr 1969. Der Politthriller spielt in der Zeit kurz vor dem Putsch des Militärs in Griechenland und der folgenden Militärdiktatur 1967 bis 1974.


Die Musik zu "Z" schrieb der griechische Komponist, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis. Der 87-Jährige engagiert sich in der aktuellen griechischen Protestbewegung: Er ging auf die Straße, beteiligte sich an den Kundgebungen und dort stattfindenden Diskussionen und rief öffentlich zum Widerstand auf gegen die Unterwerfung griechischer Politiker unter die Institutionen des internationalen Finanzkapitals.


Das Video zeigt ein Gespräch mit Jorge Semprún während des Literaturfestivals Gutun Zuría 2009 in Bilbao.
"Politik ist aber im Grunde genommen vor allem eine Arbeit an der Sprache: am Diskurs, dem Sinn und dem Widersinn des Textes der Geschichte: seiner Textur, seiner Kontextualität."

Jorge Semprún: Federico Sánchez verabschiedet sich (1996)

Kommentare:

  1. Hallo Frau Mop. Ich habe noch ein Interview mit ihm in Deutsch gefunden - "Wir haben der Jugend Europas nichts zu bieten": http://www.youtube.com/watch?v=tKtryQrwSOc

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  2. Hei Mrs. Mop!
    Eine Flashcopy von "Z" in deutscher Sprache hab ich noch.....frag doch mal den Costa ob er uns die weitere Verbreitung in den Qualitätsblogs erlaubt. Übrigens, der Film "Die Axt" ist super, man sieht solche Filme ägerlicherweise weder in Programmkinos noch im Fernsehen. Da ich leider der griechischen Sprache nicht mächtig bin, tu Du mal was: Schreib dem Costa doch mal ne Mail!!!
    Salud
    carlo

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  3. Hallo Carlo,

    du bringst da was durcheinander - spanisch kann ich zwar, aber nicht griechisch - zu meinem großen Leidwesen, grade in diesen aufregenden Zeiten.

    Bin mir aber sicher, dass Costas Gavras des Englischen mächtig ist; warum schickst du ihm nicht einfach eine nette Anfage, und zwar dorthin?

    ¡Salud!

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  4. Hab ich eben gemacht, hoffentlich ist Dein Tip richtig und verweist auf den echten Costa...
    Warten wir's ab! Ich denk aber schon, daß er wie auch der englische Großmeister Ken Loach es für uns freigibt. Ich laß Dich das dann wissen.
    salud
    carlo

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  5. Eine unbedingt lesenswerte Ergänzung zum Post, beziehungsweise zum autobiografisch-literarischen Schaffen von Jorge Semprún, festgehalten von einem Blogger aus Trier, der Stadt, in der vor rund 70 Jahren ein Zug angehalten hat, ein Zug auf dem Weg nach Buchenwald. Einer der 'Reisenden' war Jorge Semprún.

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  6. Hallo Frau Mop. Bitte überprüfe den letzten Link. In dem von dir angegebenen Blog finde ich auch mittels dessen Suchfunktion keine Einträge, die 'Jorge' oder 'Semprun' beinhalten.
    Danke.

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  7. Verstehe ich nicht. Offenbar hat der Blogautor seine letzten beiden Beiträge gelöscht, denn die davor sind zugänglich.

    Ich kopiere den Beitrag direkt hier hinein und hoffe, Horatiorama hat nichts dagegen:

    “Auf der Fahrt aus dem besetzten Frankreich ins Konzentrationslager Buchenwald hält der Zug abends auf einem deutschen Bahnhof. Im fahlen Licht, das den alliierten Bombern kein Ziel bieten soll, und über die Köpfe der zusammengepferchten Deportierten hinweg entziffern Sie mühsam den Namen der Station: Trier. Ihre Freude könnte kaum größer sein, als wenn Sie sich auf einem Ferienausflug befänden, und nur mit Mühe können Sie einem Kameraden, einem Jungen aus Semur, der bei der Ankunft in Buchenwald schon tot sein wird, klarmachen, was sie so freudig erregt. Trier, das ist die Stadt von Karl Marx, und die frühen, in ihrer peitschenden Polemik und in ihrer mitfühlenden Gerechtigkeit so mitreißenden Artikel von Marx gegen das Holzdiebstahlsgesetz und zur Lage der Winzer an der Mosel kommen Ihnen in den Sinn, und wie eine Jugendfreundin begrüßen Sie daher die Mosel – das Unverständnis Ihrer gequälten Mitgefangenen noch steigernd. Um so mehr, als der Aufenthalt des Zuges von den deutschen Passanten nicht unbemerkt bleibt:

    (Zitat Semprún) "Auf dem Bahnsteig stehen Leute, und jetzt merken sie, daß wir kein gewöhnlicher Zug sind. Sie müssen gesehen haben, daß sich hinter den vergitterten Löchern Gestalten bewegen. Sie reden miteinander, zeigen mit den Fingern auf den Zug und gebärden sich ganz aufgeregt. Genau unserem Wagen gegenüber steht ein etwa zehnjähriger Junge mit seinen Eltern. Er horcht, was sie sagen, schaut zu uns herüber und nickt mit dem Kopf. Dann rennt er davon. Und kommt mit einem großen Stein in der Hand wieder angelaufen. Und nähert sich uns und schleudert mit aller Kraft den Stein gegen die Öffnung, neben der wir stehen. Blitzschnell werfen wir uns zurück, der Stein prallt vom Stacheldraht ab, um ein Haar hätte er den Jungen aus Semur ins Gesicht getroffen. ‘Und jetzt’, sagt dieser, ‘kennst du die Boches immer noch nicht?’ Ich antworte nicht. Eine ganz verflixte Schweinerei, denke ich, daß das ausgerechnet in Trier passieren mußte. Dabei gäbe es so viele andere deutsche Städte auf unserem Weg." (Zitat Semprún Ende)

    "Deutschland ist ein zweideutiges Land.”

    (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1994: Jorge Semprún, Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

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  8. Wolf Lepenies hat 1994 die Laudatio auf Jorge Semprún gehalten.

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  9. Mehr Info hier, bei einem weiteren Trierer Blogger. Horatiorama hat sich anscheinend dort inspirieren lassen und dort auch kommentiert.

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  10. Danke für den Link. Habe den Text vorläufig auf privat gesetzt, weil er nicht unter die Zitierfreiheit fiel... Und unter einer deutschen Domain hätte ich damit ja eine Abmahnung riskiert... :-( Herzlichst /h

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