Freitag, 30. Juli 2010

Textile Geschlechterforschung


Nichts ist mehr, wie es war. Kosmische Gesetze scheinen außer Kraft gesetzt: Seit das Fernsehen da war, trägt Frau Übermop schwarz. Schwarz!

Ich spreche von ihrer Schürze. Eine pechschwarze Schürze hat sie sich neuerdings um den Leib gebunden und sieht darin verdammt gut aus (Länge bis Mitte Schienbein, Bistroschürzen-Look). Unglaublich, was eine Änderung der Schürzenfarbe bewirken kann - Frau Übermop verkörpert pure Noblesse. Gravitätisch stolziert sie schwarzbeschürzt durchs Lokal und strahlt dabei eine unwiderstehliche Autorität aus, welchletzteres ihr zwar mit weißer Schürze auch stets gelungen ist, aber bei weitem nicht so elegant.

Ich selber war schon vor ein paar Monaten umgestiegen auf schwarze Schürzen, sehr zum Missfallen von Frau Übermop. Ich durfte mir wochenlanges Gelästere anhören, von wegen: Zu einer Putzfrau gehört nun mal eine weiße Schürze; man merke halt, dass ich kein Profi sei; einer guten Putzfrau gingen modische Aspekte sonstwo vorbei; eine gute Putzfrau sei nicht eitel, sondern fleißig, und dafür stünde, sozusagen symbolisch, die weiße Schürze. Punktum.

Beharrlich versuchte ich ihr klar zu machen, dass die Faktoren Fleiß und Eitelkeit in keiner Weise miteinander korrelierten, und falls sie anderer Meinung sei, möge sie das bitte nachweisen, qualitativ wie quantitativ, was ihr natürlich nie gelang, sie aber nicht vom Weiterlästern abhielt. Irgendwann hatte ich nichts mehr zu meiner Verteidigung vorzubringen, trug die schwarzen Schürzen aber weiter, und zwar bevorzugt die Kurzform (Mitte Oberschenkel), was Frau Übermop ein zweiter Dorn im Auge war (also früher, bevor das Fernsehen da war): Kurze Schürzen? Hast du sie noch alle? Geht überhaupt nicht. Wie sieht das denn aus? Du bist hier nicht im Service. Zieh dir eine anständige Schürze an. - Hat alles nichts genützt. Weil ich in puncto Sturheit der Frau Übermop mal locker das Wasser reichen kann.

Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Frau Übermop in den ersten Wochen meiner damals neuen Tätigkeit, da ging es um die Farbe Weiß bei Schürzen. Schon damals hatte ich nämlich ein begehrliches Auge geworfen auf die schwarzen und dunkelroten Bistroschürzen und -schürzchen, welche ich täglich nach dem Trocknen zusammenlegte. Dekorative Teile sind das - aber no way, ich wurde zu Putzfrauenweiß verdonnert.

Wie eine weiße Schürze nach einer halben Stunde Monsterputz aussieht, kann sich jeder vorstellen, ohne dass Eitelkeit groß zum Thema erhoben werden müsste, weil, es gibt ja auch noch so etwas wie Ästhetik. Und genau das war der Punkt: Während ich für dunkelfarbige Schürzen plädierte, weil sie schmutzresistenter oder flecken'schluckender' sind, vertrat Frau Übermop den Standpunkt, gerade weil die Flecken auf einer dunklen Schürze weniger zu sehen sind, käme für eine Putzfrau nur eine weiße Schürze in Frage. Eben weil der Schürze anzusehen sein müsse, dass die Putzfrau bereits fleißig gewesen ist. Oh du edle Einfalt, mit welch stiller Größe du dich schürzest! Da muss man dann als Novizin erst mal durch.

Aber inzwischen, wie schon gesagt, tragen beide Bräute schwarz. Seit das Fernsehen da war. Mir entwich ein spontanes Kompliment: Steht dir echt gut, die Schürze. Darauf die Übermop, betont beiläufig: Was denn für eine Schürze? Ich so: Na, die schwarze. Frau Übermop, völlig unbeteiligt: Ach - die, die trage ich nur, weil die weißen alle noch im Trockner sind.
Was natürlich ein Witz mit Ohren ist, denn es stapeln sich in der Waschküche die weißen Schürzen bis unter die Decke, und natürlich weiß die Übermop, dass ich das weiß, und trotzdem zieht sie diese Nummer durch mit einem Pokerface, dass ich mich wundere, warum sie Putzfrau und keine Pressesprecherin geworden ist.

Das war gestern. Heute hat sie wieder eine schwarze Schürze getragen. Der Wäschetrockner ist, so weit ich informiert bin, intakt. Also bitte. Ich sag' dazu nichts mehr. Nur so viel: Das Fernsehen ist an allem schuld. Ist aber auch keine besonders neue Erkenntnis.


Kommentare:

  1. Hallo Frau Übermop!
    Kommt vielleicht komisch an, aber ich bin grad dabei, alle Leser, die ich lese und wo ich was kommentiere, wo aber nichts zurück kommt, aus meiner Liste zu löschen. Heute sah ich, dass ich die roten Schuhe übersehen habe. Naja, wie gesagt, wenn nie was zurück kommt, packe ich dann meinen Koffer und meine rosa Gummischuhe und gehe...

    DG von Frau Bipp

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Frau Bipp,

    kein Problem, ich wünsche gute Reise und grüße herzlich die rosa Gummischuhe!

    Nur noch eins, zum Schluss: Hey, ich bin nicht die Frau Übermop, mein Name ist Mop, Mrs. Mop.

    AntwortenLöschen
  3. Wat iss dat dann für eine Schoiße? "Ich bei Dir - Du bei mir - ich bei Dir - ... dann geh' ich halt!"

    Sry, erster Eindruck: Okee! Hast Du außer Blinden auch Sehende (Leser)?

    Btw.: Was mich auch stört: Es gibt viel Mist im Netz - müssen deshalb die vielen Perlen unkommentiert bleiben? Mir zerreisst's jedes mal irgend'was, wenn ich seh' was sich Blogger für Mühe geben - und niemand sacht noch nich 'mal: "Eij, Klasse!" *seufz*
    Ich find' Dein "Schürzenfest" sehr gelungen!

    Gugg 'mal wieder rein, versprochen!

    Beste Grüße

    AntwortenLöschen
  4. Ich freue mich riesig über Deinen Kommentar. Und lache mich tot. Danke.

    AntwortenLöschen
  5. habe auch geschmunzelt... und @Vogel: hier!! sehend ;) - bloß manchmal/oft hetzend den neuen einträgen im feedreader auf den fersen!

    AntwortenLöschen
  6. @rebhuhn
    Jau, den feedreader kenn' ich auch, lästiger Kerl, dieser. Wenn ich doch nur mehr Disziplin und weniger Interessen hätte *seufz*
    "Dess Lebbe iss hadd, gell?"

    AntwortenLöschen
  7. guten morgen, Mrs. Mop :)!
    ... sitzt der pfogel etwa auch in der pfalz ;)?

    AntwortenLöschen
  8. Du meinst jetzt den Voochl? Ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung :)

    AntwortenLöschen