Samstag, 31. Juli 2010

Positives Signal


Irgendwie kapiere ich die Mittelschicht nicht. Liegt vielleicht daran, dass ich mich dort nicht mehr so auskenne wie früher mal. Ich hör' da Sachen und les' da Sachen, da schlackere ich nur noch mit den Ohren. Schrumpft die Mittelschicht jetzt oder schrumpft sie nicht? Falls sie schrumpft, wo schrumpft sie dann hin? Hat sie Abstiegsängste oder hat sie keine? Macht sie sich gut oder macht sie sich was vor? Geht's ihr schlechter oder noch schlechter? Was denn jetzt? Gut geht's ihr, lese ich heute mal wieder:
Studien zeigen, dass die Polarisierung zwischen Arm und Reich weiter wächst. Die bestehende Mittelschicht hält sich aber recht gut. Sorgen bereitet eher die zunehmende Unterschicht.
und ich weiß auch nicht, warum es mir so vorkommt wie das Pfeifen im Walde; kann aber auch an meinem Kaffee liegen (kaufe neuerdings Unterschichtskaffee).

Doch, der Mittelschicht geht es gut, wirklich, also jedenfalls viel besser als man meinen könnte, gemessen daran, wie schlecht es der Unterschicht gehe, und das sei doch irgendwie beruhigend, vor allem deshalb, weil es der Unterschicht nicht nur schlecht, sondern immer schlechter gehe, und da sei es doch ein erfreuliches Zeichen, dass die Mittelschicht sich einer solchen Stabilität und Prosperität erfreue, nein, sie könne nicht klagen, die Mittelschicht, es hätte sie weit schlimmer treffen können, was heißt schlimm, es habe sie ja gar nicht schlimm getroffen, weit härter habe es die Unterschicht gebeutelt, also jetzt nicht bloß so armutstechnisch, sondern auch rein zahlenmäßig, weil die Unterschicht doch einigermaßen rasant anwachse und in immer kürzerer Zeit immer rasanter anwachse, und da sei es doch erstaunlich, wenn nicht nachgerade tröstlich, dass in der Mittelschicht keinerlei Schrumpfungsprozesse zu verzeichnen, demnach auch nicht zu befürchten seien, und wem das alles, so rein mengentheoretisch gesehen, nicht einleuchten wolle, der habe halt einen an der alarmistischen Waffel, und woher sich die gefräßige Krake Unterschicht letztendlich ihr Futter holt, auf dass sie stetig und womöglich bald exponentiell anwachse, ist uns doch so egal wie Nachbars Pisstopf. Was heißt uns - also denen, die so etwas verzapfen.

Also, ich weiß nicht, wenn ich Mittelschicht wäre, ich würde denen meinen Pisstopf vor die Tür kippen. Und würde vorher bei meinem Nachbarn klingeln und ihn fragen, ob er mitgeht.

Kommentare:

  1. Liebe Mrs. Mop,

    leider habe ich Sie - nämlich durch den Link bei Feynsinn - erst vor ein paar Wochen entdeckt, doch jetzt freue ich mich jeden Morgen auf Sie und wurde noch nie enttäuscht. Ach, was sage ich: Ich bin inzwischen süchtig!

    (Beim Nachlesen der verflossenen Einträge bin ich nun gerade beim Dezember 2009 angekommen).

    Ich hoffe, Sie machen so weiter - auch wenn ich Ihnen natürlich von Herzen wünsche, dass Sie eines Tages wieder in Ihrem richtigen Beruf arbeiten können... Gegen gutes Geld, versteht sich.

    Liebe Grüße und nochmals Danke für den vergnügten Start in den Tag!

    Saby

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  2. Liebe(r) Saby,

    da sprechen Sie einen wunden Punkt an, denn so sehr ich mir eine Auftragsschwemme alten Stils wünsche, so wenig kann ich mir vorstellen, ohne dieses Blog zu leben. Verrückt, nicht? Ich teile also gewissermaßen Ihr 'Drogenerlebnis', nur halt von der anderen Seite. Und darf gar nicht dran denken, was wäre, wenn ich tatsächlich...lassen wir das :).

    Danke.

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  3. Hallo Mrs. Mop!
    Mittelschicht?! oder Mediocrität? Das Bitte mal im nächsten Posting klären!
    Sonst so alles super
    alles Gute
    carlo

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  4. Wie kommst du denn auf Mediocrität? Wo ich doch den Begriff Mittelschicht so oft verwendet habe, dass es darauf fast eine Rüge von der Wortwiederholungspolizei setzen müsste?

    Aber danke für die Anregung; das Mittelmäßige an und für sich hat natürlich auch seine Reize, mal von allen Seiten aufgespießt zu werden. Ich geh' schon mal den Griffel spitzen ;).

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  5. "Falls sie schrumpft, wo schrumpft sie dann hin?" Frei nach Loriot: "Wo schrumpfen sie denn? Wo Schrumpfen sie denn hin? Wenn die sich nur nicht verschrumpfen! ... Aaaah! ..." Sie hat Ängste, die Mittelschicht, ganz besonders, "gefühlte Ängste" als allgemeines Globalisierungsmerkmal! (Denk' z. B. an die Zeit um 1600 ff: Alle damals bekannten Strukturen lösten sich auf = 30-jähriger Krieg!) Globalisierung = billig bei ALIDLI = gutt; Globalisierung = Sonne, Strand, blaues Meer = gutt; Globalisierung = was will der denn hier?, wie sieht der denn aus?, was hat der für'n komischen Namen? = Angst = nix gutt! Und da geht die Mittelschicht schon ziemlich weit unten los!

    Deshalb: Was "... die Polarisierung zwischen Arm und Reich ..." angeht, bin ich anderer Meinung: Da polarisiert sich nix, da läuft 'was neben einander her und hat Angst vor einander.

    Freilich geht's "der Mittelschicht" relativ gut, aber gefüüühlt?? Und erst recht "eingeredet gefühlt"! Bah, kaum zum aushalten!

    Merke: Wer kein Geld hat, denk immer nur an Geld. Wer (etwas) Geld hat, denkt nur noch an Geld!

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  6. Spassvoochl :)

    Natürlich hat die Mittelschicht die Hosen gestrichen voll vor Angst, deshalb muss es ja sporadisch solche Artikel geben, wo es heißt "nein, liebe Mittelschicht, du brauchst keine Angst zu haben, bei DIR ist alles in Ordnung, nur bei DENEN da unten geht der Punk ab, aber solange du weiter schön lieb bist und den Kopf einziehst und zwei Stunden länger für lau im Büro hockst, wird DIR nix passieren" -

    - das nennt der Psychologe dann Beihilfe zur Angstabwehr, aber nur bis zum nächsten Artikel, in dem der Mittelschicht wieder die eigene Erosion um die Ohren gehauen wird, damit's dem Esel nicht zu wohl und die Angst am Köcheln gehalten wird, aber halt nur so viel Angst, wie grade noch in die Hose passt, weil, sonst wäre ja der Griff zum Pisstopf (s.o.) eine naheliegende Reaktion, und davor hätten wiederum die anderen Angst und das will ja dann auch keiner.

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  7. "nein, liebe Mittelschicht, du brauchst keine Angst zu haben ..." Hach wie lieb! "Rationalisieren" nennt man das, auch "vernünfteln"! Funst abber nich. Angst iss Angst, iss Angst ...
    Und: In dem: Angst voreinander! seh' ich schon 'ne besondere Qualität! ("Oje, jezz komme die zu uns! Jezz misse merr mid dene deile!" [vice versa!!])

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  8. Ha!, das Beste kommt immer zum Schluss..."vice versa", und das davor hat die Unterschicht zur Mittelschicht gesagt, richtig? Weil es bei denen "do unne" dann allmählich eng wird?

    Fröhlich sollst du deinen Tag beginnen...

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  9. Sach ma: Was bedeutet denn "vice versa" in dem Kontext? Isses denn nich vorstellbar, dass die Unterschicht - sry: das Prekariat - nich auch(?!!) unterschwellige Angst vorm Verteilen der, in der Höhe mit Blickrichtung nach unten umstrittenen, Transferleistungen auf mehr Köppe hat? Das das Elitariat - sry: die Mittelschicht - Angst vor Verlusten hat: Binse - das ist menschlich, Verlust mag keiner! Merke: Wer kein Geld ... (s.o.)

    Deshalb: Angst überall, auch v.v., gelle?

    PS.: Haste nich 'n anneres Wort für Transfernleistungen? Eklig, klingt (in meinen Ohren) nach INSM, UnSinn und Guy d'Eau. Auch so'n Neusprech zur Verdummung der Leute - oder lieg ich da schief? Iss dess am Ende doch neutral?

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  10. Sprach die O- zur M-Schicht:
    Seid ihr alle auch schön emsich?
    Weil, wenn ihr nicht emsich seid,
    ist die U-Schicht nicht mehr weit.

    Sprach die M- zur U-Schicht:
    Ei, bei euch ist's richtich urich.
    Los, macht Platz, jetzt kommen wir,
    gebt was ab von eurem Bier!

    Sprach die U- zur M-Schicht:
    Bier ist leider all', drum brems' dich.
    Mach kein' Stress, sonst fliegst du raus,
    gib gefälligst einen aus!

    Noch Fragen?

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  11. Ein Poet mit Mop! *lol*

    Gut gereimt! - Optimierung:
    Los, macht Platz, jetzt komme mir,
    gebt 'was ab von Euerm Bier!
    dess fließt besser, gell?

    Ich bleib dabei: Angst essen Seele auf! Alle Seelen! O, M & U

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  12. Du machst nicht gerade den Eindruck, als ob's deine Seele schon erwischt hat. Muss 'ne Spezialschicht sein, der du angehörst. Oder du hast 'ne Spezialbeschichtung auf der Seele ;).

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