Dienstag, 9. März 2010

Dem Frühling auflauern


"Hach, Frühling", seufzte ich verzückt, als gegen neun Uhr die ersten wärmenden Sonnenstrahlen schräg ins Restaurant fielen. Solange die Sonne noch so flach steht wie jetzt, wirkt das Lokal urplötzlich wie lichtdurchflutet. "Hach, Frühling", seufzte ich, blieb im breitesten der Strahlen stehen, schloss die Augen und genoss. "Ach was, wir sind noch mitten im Winter", brummte Frau Übermop, wie immer unerbittlich realitätsnah. Pff, machte ich und ging nach draußen, wo der Flaschenboy samt klirrender Kälte wartete.

Heute war der erste Tag, wo der Weg zum Glascontainer völlig frei war von Schnee- und Eiskrusten. Stattdessen rumpelte der Flaschenboy über endlose Geröllhalden (Rollsplitt) und machte dabei sehr hässliche Geräusche. Egal, die Sonne schien. Sie schien auch direkt auf den großen Glascontainer, zumindest auf zwei Drittel von ihm, nämlich die beiden Einwurföffnungen für weißes und braunes Glas. Rechts daneben die Öffnung für grünes Glas lag in tiefem, eiskaltem Schatten.

Aus Gewohnheit nehme ich immer die grünen Leerflaschen in die rechte Hand, die braunen und weißen in die linke. So geht das Verteilen am schnellsten: links weiß, Mitte braun, rechts grün. Als der Flaschenboy halbleer war, begann ich links zu schwitzen und rechts vor Kälte zu zittern. Die linke Gesichtshälfte glühte, die rechte fühlte sich wie tiefgefroren an. Links war ich Frühling, rechts war ich Winter.

Ja, ich liege dem Frühling auf der Lauer. Frühmorgens erwische ich ihn auf frischer Tat. Die Dämmerung beginnt um halb sieben, und dann wird es in Windeseile hell. Zur Zeit kann man dem rasanten Übergang von der Nacht zum Tag buchstäblich zuschauen; nicht so ein ewiges verhuschtes Halbdunkel wie im Januar und Februar. Jeden Morgen nimmt die Dämmerung noch an Fahrt auf, jeden Morgen wird es schneller heller, jeden Morgen fühlt sich das Gemüt angesteckt vom flotten Tempo des beginnenden Tages.
Das muss, das kann nur der Frühling sein.


Kommentare:

  1. Sie sprechen mir aus der Seele, Frau Mop. Das ist wirklich nicht mehr schön, diese Kälte. Mitte März noch jeden Morgen die Windschutzscheibe freikratzen, wo gibts denn sowas.

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  2. Ah, das wärmt von innen, liebe Lily, so ein Gutenmorgengruß, bei draußen stockdunkel und kalt, minus drei Grad und von Frühlingsaufbruch keine Spur. Ich wünsche frohes Kratzen und einen sonnigen Tag ;).

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