Mittwoch, 14. Dezember 2011

Blinder Systemeifer


Eins muss man der britischen Polizei zugestehen: Die lassen nichts anbrennen. Kaum haben sie das wahre inländische Terroristenpotential identifiziert, schon kümmern sie sich darum, sich waffentechnisch entsprechend aufzurüsten. Nach dem Motto: Die werden noch dumm gucken, diese systembedrohenden Occupy-Terroristen.

Vielmehr, die werden überhaupt nicht mehr gucken. Weil sie nämlich einfach blindgeschossen werden - mit einem "neu entwickelten" Lasergeschütz namens SMU 100, Kostenpunkt pro Stück 25.000 Pfund.
"Ein neu entwickeltes Lasergeschütz, das zur vorübergehenden Erblindung von Menschen führt, wird von der Polizei getestet werden. ...(das Geschütz) schießt eine drei Meter hohe Lichtwand ("wall of light"), die jeden, der von ihr getroffen wird, kurzzeitig sehunfähig hinterlässt."
So ganz neu scheint die hochwirksame Breitbandwaffe nicht zu sein, denn sie ist von einem ehemaligen Royal Marine Commando entwickelt worden, und zwar
"...ursprünglich, um sie gegen somalische Piraten einzusetzen",
was - rein kriegstechnisch - Neusprech vom Feinsten ist, denn die Formulierung lässt großzügig offen, ob das blindmachende Lasergewehr tatsächlich je in Somalia zum Einsatz gekommen ist. Höchstwahrscheinlich schon, schließlich wurde es ja "ursprünglich" genau zu diesem Zweck entwickelt. Insofern ist zu schlussfolgern, dass die Waffe bereits hinlänglich im feindlichen Ausland getestet worden ist und nunmehr getrost im feindlichen Inland eingesetzt werden kann.

Aber, wie gesagt, dessenungeachtet ist die britische Polizei der Meinung, das scharfe Teil müsse getestet werden:
"Die Hersteller behaupten, eine namentlich nicht genannte Polizeieinheit sei angehalten, die Waffe, die gegen Aufständische einsetzbar wäre, zu testen."
Wohlgemerkt, gegen inländische Aufständische.

Jetzt gucke und frage ich mal ganz dumm: Wie läuft so ein Waffentest eigentlich ab? Stellen sich dafür, ähnlich einem Medikamententest, Freiwillige zur Verfügung? Denen dafür eine Art Risiko-Aufwandsentschädigung angeboten wird? Oder kriegen die Testpersonen nur dann eine Entschädigung gezahlt, wenn der Test danebengeht und sie versehentlich dauerhaft erblinden? Was, wenn von hundert Testpersonen zwei dauerhaft erblinden? Gilt das Testergebnis dann immer noch als positiv, weil - bitte! - was sind schon zwei dauerhaft Erblindete gegen 98 erfolgreich kurzzeitig Erblindete? Und ganz nebenbei, jetzt würde mich doch die jüngste (dauerhafte) Erblindungsrate in einem Land wie Somalia interessieren.

Alles dumme Fragen, ich weiß. BBC gibt dumme Antworten:
"Zwar ist der Erblindungseffekt nur temporärer Natur, dennoch wird Bestandteil des Tests sein, dass Wissenschaftler weitere Forschungen bezüglich etwaiger möglicher Nebenwirkungen durchführen."
Ah, Nebenwirkungen. Mögliche. Etwaige. Forschungen. Wissenschaftler. Yeah. Und dann?
"Erst wenn (für die Laserwaffe) Entwarnung gegeben wird, wird sie dem Innenministerium vorgelegt werden, der sie dann zum Gebrauch freigibt."
Nach so viel angekündigten - wohlige Sicherheit verströmenden - intensiven Testläufen und wissenschaftlich flankierenden Forschungsmaßnahmen sollten eigentlich alle dummen Fragen hinlänglich beantwortet sein.

Nur - dann lese ich am Schluss des Artikels:
"Es ist nicht das erste Mal, dass ein Lasergeschütz eingesetzt wurde zur vorübergehenden Erblindung von Menschen."
Wie jetzt? Also doch bereits ein erfolgreich erfolgter Testlauf in Somalia? Warum sagt ihr das nicht gleich?

Alles falsch:
"Vergleichbare Waffen wurden bereits von britischen und amerikanischen Truppen in Afghanistan eingesetzt, um Konvois vor Angriffen zu schützen."
Aha. Leider weiß ich über die jüngste Erblindungsrate in Afghanistan genauso wenig wie über die in Somalia. Jedenfalls scheinen reichhaltige Testergebnisse, äh, Erfahrungswerte mit dem altbewährten, neuentwickelten Lasergeschütz SMU 100 bereits vorzuliegen.

Friends of Occupy, setzt schon mal eure Sonnenbrillen auf!

Kommentare:

  1. Mann, wie krank ist das denn? Wahrscheinlich darf man kein Brillenträger sein, sonst fräst einem das Ding das Hirn aus dem Schädel.

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