Sonntag, 14. November 2010

Geschlaucht statt geschnürt


Sonntag ist Basteltag. Wer bastelt, sündigt nicht. Weil, wer bastelt, der versündigt sich nicht an seinem magersüchtigen Budget. Vorausgesetzt, der Bastler verpflichtet sich dem konsequenten Rezyklieren und verweigert alle Zutaten, die Geld kosten. Insofern ließe sich das Basteln zur Königsdisziplin des Frugalen adeln. Denn bei allem, was nichts kostet, kriegt der Frugale ganz schmale Schlitzaugen vor lauter Gier und fühlt sich wie King Louis persönlich.

Schlitzäugig blieb ich heute an einem kolossal cool ausschauenden Paar Turnschuhen hängen. Es waren uralte, ausgebeulte Turnschuhe (schon mal per se ganz hoher Coolnessfaktor) mit Do-it-Yourself-Schnürsenkeln, die die Welt noch nicht gesehen hat: Schnürsenkel, gebastelt aus einem alten Fahrradschlauch. Wobei Schnürsenkel das völlig falsche Wort ist, denn der Witz bei diesen innovativen Senkeln ist ja gerade, dass sie nicht geschnürt werden. Das Geniale an nicht zu schnürenden Schnürsenkeln ist, dass man nie mehr schnüren muss. Klingt jetzt saublöd redundant, trifft aber ins Schwarze: Alles Geschnürte hat die lästige Eigenschaft, dass es immer wieder aufgeht und man es erneut schnüren und sich dafür in den ungelegensten Momenten bücken muss.

Die allerungelegensten Momente ereilen mich regelmäßig beim Fahrradfahren, wenn sich wieder mal ein Schnürsenkel heimtückisch geöffnet hat und das Pedal sich anschickt, das lose Teil zu fressen. Was sich, bei voller Fahrt, unterm Fuß extrem ungemütlich anfühlt. Also bremsen, absteigen, bücken, schnüren, wieder aufsteigen, weiterfahren - die Prozedur kann einem gewaltig auf den Senkel gehen.


Schluss damit. Soeben habe ich mir ein Paar schnürungsfreie Turnschuhe gebastelt. Dazu war nichts weiter nötig als ein alter Fahrradschlauch und eine Schere. Und natürlich ein Paar alter Turnschuhe. War alles vorhanden, ging ruck-zuck. Die elastischen Schlauchsenkel haben die ehemals geschnürten Turnschuhe in bequeme Reinschlüpfschuhe verwandelt: Beim Anziehen geben sie nach (nicht zu stark); ist der Fuß einmal drin, kehren sie zu ihrer ursprünglichen Länge zurück und lassen den Schuh schön straff sitzen. Zum Ausziehen muss ich mich nicht mal bücken - der eine Fuß streift den Schuh mühelos vom anderen Fuß ab. Das nenne ich Komfort für lau.

Wer kommt auf solche Ideen? Natürlich nur ein Fahrradfreak. Bei instructables findet zur Zeit ein Do-it-Yourself-Gewinnspiel statt: Wer bastelt aus gebrauchten Fahrradschläuchen irgendetwas Witziges/Alltagspraktisches/Künstlerisches/Durchgeknalltes (natürlich mit Bastelanleitung)? Es existiert bereits eine hochinteressante Bildergalerie von schlauch-rezyklierten Objekten, mit leichter Schwerpunktsetzung auf der Kategorie 'Durchgeknallt'. Einsendeschluss ist heute, 14. November, samt Ermittlung des Gewinners. Die Spannung steigt. Ich bleibe am Schlauch.

Kommentare:

  1. Man kann sich ausgezeichnet ausmalen, welch überwältigende odorische Genüsse auf einen zukommen, ja einen praktisch hinterrücks ereilen, wenn du die Fahrradreifentreter dann mal unverblümt von deinen Füssen streifst.

    AntwortenLöschen
  2. Wieso das denn? Falls es der Fußschweiß ist, den du so dezent umschreibst - mit dem haben die Senkel ja gar keinen Kontakt, schließlich habe ich mir kein Fußbett aus Fahrradschläuchen gebastelt ;).

    AntwortenLöschen
  3. Nun, meine Erfahrung an mir und anderen ist, das diese Leinwandschuhe -mit und Socken, noch schneller jedoch ohne- nach kürzester Zeit einen unglaublichen Mief abgeben, es geldsparender und nasenschonender wäre, lieber minimum das 6-fache auszugeben, dafür seine Definition von Coolness upzudaten und dafür den Freundeskreis grössenmässig in etwa beibehalten zu können.

    *fg*

    AntwortenLöschen
  4. Und was hat das jetzt mit den Antischnürsenkeln zu tun?

    AntwortenLöschen