Freitag, 21. Juni 2013

Aufrüstungsspirale


"The more you spray, the bigger we get"


Je mehr ihr uns mit Tränengas besprüht, desto größer und stärker werden wir - so lautete die entschlossene Antwort türkischer Aktivisten auf den Flächeneinsatz mit chemischem Reizgas der Polizei. Und so kam es ja dann auch.

Diese Reaktion wiederum ruft das entschlossene Handeln der türkischen Polizei auf den Plan. Nach dem Motto The bigger you get, the more we spray - deutsch: immer feste druff! - haben die Terroristenbekämpfer von Erdogans Gnaden jetzt eine Inventur ihrer Kampfmaterialbestände vorgenommen und panisch festgestellt, dass ihr Vorrat an Tränengas zur Neige geht. Kein Wunder, wurden doch innerhalb von nur 20 Tagen über 130.000 - hundertdreißigtausend! - Tränengaspatronen verballert, was ebenfalls kein Wunder ist in einem Land mit einer beängstigend hohen Terroristendichte. Noch dazu solchen in raffiniert-hinterlistiger Zivilvermummung (siehe Bild).

Dringender Handlungsbedarf also. Deshalb greift die türkische Polizei jetzt in die Vollen: Im Rahmen einer "außerplanmäßigen Angebotsausschreibung" wurden 100.000 neue Tränengaspatronen geordert sowie 60 nagelneue gepanzerte Wasserwerfer (für den personalsparenden Großeinsatz von Tränengas bei kommenden Großterroristenaufläufen).

Es wurde an alles gedacht: Sollte das Finanzministerium knausern und kein "außerplanmäßiges" Budget zum Kauf von zusätzlichen Kampfmitteln bereitstellen, darf aus dem persönlichen Geldtopf des Ministerpräsidenten geschöpft werden; das ist jener Topf für frei verfügbare Mittel ("discretionary fund"), der alles Geld der Welt bereithält für Sondereinsätze unter dem Codenamen 'immer feste druff'.

Bislang unbestätigt blieb die Anschaffung sonstiger Waffen zur Terrorismusbekämpfung, wie zum Beispiel mindestens 500.000 dringend benötigte neue, verbesserte Schlagstöcke der Premium-Marke 'noch fester druff'. Es heißt, Polizeiknüppel konventioneller Machart hätten sich im täglichen Einsatz als nicht effektiv genug erwiesen. Weil sich Terroristen in Zivil von der Standardversion 'immer feste druff' einfach nicht abschrecken ließen.

The more we beat them ...

Kommentare:

  1. Hass ist ein Gefühl, das mich sehr selten heimsucht.
    Wenn ich das hier lese und sehe, platze ich fast vor Wut und Hass!
    Wer liefert eigentlich die Gaspatronen? Wer verdient Geld mit dieser Schweinerei?

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    1. Die Gaspatronenindustrie natürlich. Auf "türkischen" Gaspatronen, die leergeschossen auf der Straße herumlagen, waren als Herstellerländer die USA und - no shit, Sherlock! - Brasilien aufgedruckt. Teils übrigens Patronen, deren 'Haltbarkeitsdatum' schon jahrelang abgelaufen war. Nun ja, immerhin kriegen durch die Neubestellung die türkischen Aktivisten jetzt frisches statt abgelaufenes Giftgas auf die Schleimhäute geballert.

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  2. Μην κλαις ;~)

    'How to handle' verballerte Tränengaspatronen

    http://youtu.be/4gsBxjoTDVo

    Vorsicht: Die Dinger sind verdammt heiß, möglichst feuerfeste Handschuhe tragen.

    'Know your enemy:
    Sollte jeder mal gelesen haben (auch Nichtdemonstranten!):
    http://radiochiflado.blogsport.de/2011/12/26/selbstschutz-bei-traenengas-und-pfefferspray-und-gummischrot/
    ~~~
    Falsch ist der Tipp, dass auf ein Mundtuch oder um die Augen geträufelter Zitronensaft Tränengas vor Atemwegen und Augen fernhalten soll. In zitronenbefeuchteten, erfrischenden Tüchern steigt die Konzentration von Tränengas an. Bei den Augen dasselbe, so gelangt zusätzlich Zitronensaft ins Auge und auf die Haut, ohne dass die CN/CS-Teilchen herausgespült oder unschädlich gemacht werden. Also: Zitronen ganz schnell vergessen!
    ~~~
    Die Athener schwören drauf:
    "Maalox is a must."
    Mehr Info über Maalox und Rezeptur:
    http://www.dazwischengehen.org/blog/2009/03/hilft-bei-traenengas
    ~~~
    Flier's info bekannt aus Occupy WallStreet Tagen
    http://i.imgur.com/5cVgH.jpg
    ~~~
    και μην λυπάσα ...

    Sag nicht, es gäbe keine Hoffnung ...
    via Radio Chiflada | digitalresist.blogspot.de

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    1. Habe mal vor einigen Jahren ne ordentliche Ladung Trainengas ins Gesicht bekommen.

      Eine Restaurentbesitzerin, in deren Restaurent ich mich geflüchtet hatte empfahl mir, mein Gesicht mit Wasser abzuwaschen, was ich auch tat.

      Mein Zustand wurde nicht besser. Nach einigen Tagen konnte ich mir die Haut vom Gesicht abziehen.

      Gibt es überhaupt eine Möglichkeit sich zu schützen oder die Folgen zu lindern?

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    2. Ja, Maalox, eine Art Magenschleinhautmedikament, siehe Link oben von Mitzerl.

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