Montag, 11. Juni 2012

Alles Banane


"Spanien ist nicht Uganda"
So viel Geographie muss sein. Hätten Sie's gewusst? Klar, spätestens seit IMF-Lagarde die hungernden Kinder im afrikanischen Niger an ihre Brust gedrückt und von selbiger die hungernden Kinder in Griechenland verstoßen hat.

Jetzt also Spanien, das sich als nicht-afrikanisches Land outet. Gilt auch im Umkehrschluss: Womöglich sind die Afrikaner seit diesem Wochenende ganz froh, dass Uganda nicht Spanien ist.

Jedenfalls, die Tageszeitung El Mundo wartet mit dem spanischen Uganda-Knaller auf: Unmittelbar vor den Verhandlungen zur "Bankenrettung" (psst!, darf man keinesfalls so nennen, auch wenn der Kaiser nackig dasteht) am Wochenende hat Ministerpräsident Rajoy seinem Finanzminister Guindos per Mobiltelefon eine Textnachricht geschickt des Inhalts: Stark bleiben! Na gut, hat er so nicht getextet, aber fast:
"Halte durch, wir sind die vierte Macht in der Eurozone. Spanien ist nicht Uganda."
Auf gut deutsch: Wir sind nicht irgendwer und schon gar keine vom IMF gebüttelte und gebeutelte Dritte-Welt-Bananenrepublik, selbst wenn's bei uns Bananen gibt, aber kein Geld.


Wie inzwischen bekannt, hat die dicke spanische Bugwelle gewirkt. Bail-out-technisch gesehen.

Selbstverständlich wirkt sie auch in anderen Ländern nach und wird dort weitere Wellen schlagen, zum Beispiel in Irland, Portugal, Griechenland; Ländern also, die sich nach der "bedingungslosen" Rettungsaktion für Spanien (von Rajoy lauthals als "Sieg für Spanien" gefeiert - nun ja, Don Quijote war halt ein Spanier) dezent in den Hintern gekniffen fühlen dürften insofern, als sie sich mit ihren eigenen, durchaus nicht bedingungslosen Bail-outs vergleichsweise die, pardon, Arschkarte eingehandelt haben.

Irland hat bereits die Rückgabe seiner Arschkarte, pardon, sein Verlangen nach Neuverhandlungen seiner Bail-out-Konditionen geäußert. Wetten, dass in der Kulisse bereits Portugal sitzt und seine Muskeln anspannt? Und - in Griechenland wird diese Woche gewählt.

Derweil kicken sie alle, als ob sie's bezahlt kriegen.
EM 2012 wie aus dem Bilderbuch.

Kommentare:

  1. Wenn Rajoy (von irgendetwas) Ahnung hätte und nicht bloß seine rassistischen Vorurteile los werden wollte, dann würde er sich für Spanien ugandische Verhältnisse wünschen. Die haben nämlich die "fastest growing economy in the world".
    Ein anderer schreibt auf twitter, daß Spanien nun Elefanten importieren und frei laufen lassen würde, damit der König sich wie in Uganda fühlte.

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  2. Die Antwort aus Uganda ließ nicht lange auf sich warten: "A nosotros no nos han tenido que rescatar ni hemos pedido un préstamos de 100.000 millones"

    Uns mußten sie weder retten, noch haben wir um Darlehen über 100 Milliarden gebeten

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  3. Richtigerweise müsste es natürlich heißen:

    "Uganda ist nicht Spanien."

    Schön ist auch der seit Samstag kursierende running gag auf Twitter:

    "No es un resquate es un saqueo"
    (Es ist keine Rettung, es ist Plünderung.)

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  4. Ja, und das korrespondierede "Manos arriba! Esto es un rescate." (Hände hoch! Das ist eine Rettung.) finde ich auch nicht schlecht.

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    1. Hier der neueste Brüller: Wir wissen jetzt endlich, wer's war. Vielmehr, wer dahintersteckt.

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  5. Und nutzen wird es alles nix, außer der Abgabe der Kontrolle. Telepolis -
    Auch Spanien wird nun von der Troika kontrolliert

    [..] Nachdem sogar Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz angesichts der Banken-Rettung in Spanien von einer "Voodoo-Ökonomie" sprach, die nicht funktionieren könne, wurden auch die Zweifel an den Finanzmärkten wieder größer. Das kurze Kursfeuerwerk vom Vormittag verebbte schnell wieder. Hohe Gewinne vom Vormittag schmolzen weg und der Ibex in Madrid drehte sogar zum Börsenschluss ins Minus. Der Risikoaufschlag für spanische Staatsanleihen stieg sogar auf die Marke von 520 Basispunkten, nachdem es am Freitag nur noch 489 Punkte waren.

    Von der zunächst herbeifabulierten Erleichterung nach der Rettung ist nichts zu spüren. Der Zinssatz liegt wieder über 6,5% und damit für die allgemeine Staatsfinanzierung für Spanien weiter zu hoch. Dabei hatte die Bankenrettungsaktion zum Ziel, die Zinsen für Spanien zu senken. "Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung", was nicht funktionieren könne, so Stiglitz. Deutschland halte aber weiter daran fest, dass die Stärkung durch Haushaltsdisziplin kommt, "aber das ist ein komplett falsche Diagnose", warnte Stiglitz. Das grundlegende Problem müsse angegangen werden, nämlich "Wachstum zu fördern".

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