Montag, 16. April 2012

Schutzbedürftig


Gelesen und nach Luft geschnappt:
...die Mitarbeiter der Institution machen mit einem Vorstoß deutlich, dass sie am Erfolg der Bewältigung ihrer Kernaufgabe zweifeln: Für Geldwertstabilität zu sorgen. Die Personalvertretung der Notenbank fordert jetzt, die Pensionen der Mitarbeiter müssten gegen die Inflation geschützt werden. Sie verlangt damit eine Versicherung gegen das eigene Versagen.
Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Dieselben Leute, die immer drastischere Lohn- und Rentenkürzungen in Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien verlangen, wollen vor ihrer eigenen Politik geschützt werden und fordern daher einen Inflationsschutz für ihre eigenen, selbstverständlich ungekürzten und mit Sicherheit nicht zu knapp bemessenen Pensionen.

Ruhig bleiben, tief durchatmen.

Inflationsschutz gibt's natürlich nicht für lau, wer wüsste das besser als die Zielgruppe? Ihr schwant ihr vor,
"...die Risiken über geeignete Finanzinstrumente abzusichern - etwa inflationsindexierte Anleihen." Solche geschützten Anleihen bringen zwar in der Regel etwas weniger Rendite als normale Anleihen...
- es ist schon ein schweres Kreuz, was die Banker mit ihrer Gier auf Renditen zu tragen haben -
Aber selbst diesen Preis wären die EZB-Beschäftigten zu tragen bereit -
- hey, schließlich müssen wir alle den Gürtel ein bisschen enger schnallen, nicht wahr?
- so groß ist die Furcht der Eurohüter vor einem Geldwertverlust des Euro.
Angst essen Bankerseele auf.

Beim Weiterlesen nach Luft gerungen:
Der ganze Streit wäre vermutlich nicht bemerkenswert, wäre die Inflation, vor der sich die Mitarbeiter der EZB so fürchten, nicht genau jene Erscheinung, die zu verhindern oder zumindest gehörig einzudämmen der Sinn der ganzen Einrichtung ist.
Na, na. Inflation verhindern? Nicht doch. Nicht in Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien. Vielmehr schwerpunktmäßig im eigenen Portfolio.

In Frankfurt wird derweil gemunkelt, dass wegen der geplanten Blockade des Bankenviertels im Rahmen der sogenannten "Maifestspiele" vom 16. bis 19. Mai die Mitarbeiter der EZB - zu ihrem eigenen Schutz - für einen (Arbeits)Tag, nämlich den 17. Mai, freigestellt würden (daher der Name Freitag).

Gestern gehört und einen Lachanfall bekommen, gefolgt von akuter Atemnot.

Dürfen sich einen Tag frei nehmen! Zu ihrem eigenen Schutz! Bezahlt, selbstverständlich. Da sage noch einer, die EZB schütze ihre Mitarbeiter nicht angemessen.

Es halten sich (ungeschützte) Gerüchte, dass die Personalvertretung speziell für diesen freien Schutz-Tag - neben der regulären Gehaltsfortzahlung - die Konstruktion einer außerordentlichen Inflationsschutzmaßnahme einfordere. Weil, so heißt es, die EZB-Mitarbeiter an diesem Tag ja nicht zum Dienst antreten dürften, um ihrer "Kernaufgabe" der Inflationsverhinderung gebührend nachzukommen, somit der eintägigen inflationären Gefahr Tür und Tor geöffnet und ein nicht zu verantwortendes Loch ins EZB-Banker-Tagesbudget gerissen würde.

Daraufhin nur noch schutzlos auf dem Boden gerollt.
Atemmaske, bitte.

Kommentare:

  1. Deine Auswahl des tags "Selbstversorgung" ist tatsächlich sehr stimmig, auch wenn man sonst möglicherweise etwas anderes damit asoziiert.

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  2. 17. Mai ist ein Feiertag und Donnerstag. Freitag ist ergo Brückentag, an dem sowieso viele nicht zur Arbeit gehen werden.

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  3. Ein zusätzlicher, bezahlter, frier Arbeitstag für EZB-Mitarbeiter.

    Dank der sogenannten "Maifestspiele" vom „BLOCKUPY FRANKFURT“.

    Immerhin hat „BLOCKUPY“ etwas erreicht, wenngleich nur für die EZB-Mitarbeiter.

    Aber auf Erfolge kommt es nicht an.

    Hauptsache gut drauf sein. Und dabei sein.
    Das Event ist das Ziel!

    HAM

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  4. Jedes Jahr kann man erleben, wie Zürich im Rahmen einer Massenveranstaltung okkupiert wird, die sich „Street Parade“ nennt.

    Die erste Street Parade fand am 5. September 1992 statt, initiiert vom Mathematik-Studenten Marek Krynski und offiziell bewilligt als Demonstration für Liebe, Frieden, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz. […] Es nahmen damals um die 1'000 bis 2'000 Personen teil, die hinter den zwei Lovemobiles hertanzten. Heute zählt die Street Parade jeweils bis zu einer Million Menschen und ist für die Zwingli-Stadt ein massgeblicher Wirtschaftsfaktor geworden.


    „Demonstration für Liebe, Frieden, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz.“ Das müsst nur noch ergänzt werden mit: „für Wohlstand für alle und gegen Bankstertum“.

    Dann wäre es ideologisch mit „Occupy“ konform. Und es würde in Richtung der 99% gehen …

    HAM

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