Dienstag, 24. April 2012

Schiff Ahoi



"You know, things are really not that bad in the eurozone,"
wusste Christine Lagarde
(vorne auf der Kommandobrücke)
gestern in Amerika zu berichten.

Zwar gebe es aktuell ein paar ungemütliche Turbulenzen; diese würden jedoch das Raumschiff nicht von seinem gewohnt sicheren, auf Stabilität abzielenden Kurs abbringen. Nach wie vor gelte es, mit ruhiger Hand das Steuer zu führen, stets eingedenk der richtungsweisenden Worte des Steuermannes Jean-Claude Juncker: "When it gets really serious, you have to lie. (Wenn es wirklich ernst wird, musst du lügen.)"

Zwar habe bei den französischen Präsidentschaftswahlen Marine Le Pen von der rechten Fronte Nationale allen die Show gestohlen mit nationalistischen Anti-EU-Parolen; zwar sei infolgedessen der präsidiale Loser Sarkozy noch weiter als bereits zuvor nach rechts geschwenkt, indem er forderte, "Migrantenströme zu regulieren" und "Grenzen zu verteidigen".

Zwar sei soeben die niederländische Regierung kollabiert infolge der Weigerung des rechtsextremen Anti-Einwanderungs-Politikers Geert Wilders, sich dem Diktat des europäischen Fiskalpaktes zu beugen - ungeachtet des jüngsten heftigen Griechen- und Portugiesen-Bashings ("unfähig zur Haushaltsdisziplin") seitens holländischer Politiker.

Zwar gebe es beträchtliche politische Turbulenzen in den mitteleuropäischen EU-Ländern Österreich, der Slowakei, Kroatien und Tschechien - Turbulenzen, von denen man zwar kaum etwas höre, die aber nichtsdestotrotz am Toben seien, einschließlich sich dort anbahnender Regierungs-Kollapse.

Zwar rumore es zunehmend an der Basis in Ländern wie Griechenland und Italien, wo das Wahlvolk die Schnauze voll habe von ungewählten, von Troikas Gnaden ins Amt gehobenen Regierungen.

Zwar laufe in Spanien momentan so gut wie alles aus dem Ruder.

Zwar könne der Eindruck entstehen, in ganz Europa laufe momentan so gut wie alles aus dem Ruder.

Aber sonst?
Aber sonst ist heute wieder alles klar
auf der Andrea Doria.
Don't panic, hieß es kommentierend seitens des IMF, Turbulenzen erforderten nun mal eine ruhige Hand und einen klaren Kurs, weshalb es dringend geboten sei, unbeirrbare Konstanz und Kontinuität zu demonstrieren, wenn schon alles andere ins Schlingern gerate und demnächst im EU-desintegrierten Chaos versinken werde. Darum werde der IMF sich auch weiterhin nicht aus dem Konzept bringen lassen, vielmehr immer mehr europäische Länder zu immer mehr Austerität, immer mehr Lohnkürzungen, immer mehr Arbeitslosigkeit und immer mehr Verarmung nötigen.

Volle Kraft voraus auf dem Krisentanker Europa.

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Drum hat Merkel sich auch schon die Taucherbrille aufgesetzt (s.o.).

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    2. Nee, noch besser. Der Typ mit dieser Brille in der Serie ist eigentlich blind.

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    3. @ Blogwart: Der Film kam kürzlich im Fernsehen, die Stelle fand ich auch recht aktuell.

      @ Mrs Mop: In welchem Zusammenhang hat der Juncker denn den glorreichen Spruch über das Lügen gebracht?

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    4. @Amike

      Das war vor etwa einem Jahr, als man sich über die Umschuldung Griechenlands gezackert hat. Damals hat J. auch den Spruch abgelassen, Europolitik müsse in "dunklen, geheimen Räumen diskutiert werden".

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    5. Juncker hat noch mehr tolle Sprüche auf Lager, z.B. den folgenden zum grundsätzlichen politischen Vorgehen in der EU:
      "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." (Juncker 1999)

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    6. "...weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde":

      Das ist der Knackpunkt. Darum wird ja das Beschlossene so komplex aufbereitet und präsentiert, dass die meisten es gar nicht begreifen, will sagen: damit sie es nicht begreifen.

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  2. Juncker im Video, bei ca. 0:20 min kommt die Schote. Schwer zu verstehen, weil er ein oller Nuschler ist. Wurde danach rauf und runter zitiert.

    Spiegel Artikel, in dem von Junckers Vorliebe fürs Flunkern die Rede ist, und dass der Juncker das Flunkern für völlig normal hält. (Auf Englisch halt)

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