Mittwoch, 9. November 2011

Korrupt? Na klar.


Jeden Samstagabend verwandelt sich das Camp in eine Kulturmeile. Bei lauter Musik wird viel, um nicht zu sagen exzessiv, gefeiert. Das machen wir extra so, damit tags darauf die Presse die Gelegenheit hat zu schreiben, dass bei #occupyfrankfurt viel und laut gefeiert und wenig ernstzunehmend über politische Sachverhalte diskutiert werde.

Diesen Samstagabend wird es zur allgemeinen Partystimmung ein eher ruhiges, aber hochkonzentriertes Kontrastprogramm geben: Der investigative Journalist und Buchautor Mathew D. Rose wird aus seinem neu erschienenen Buch Korrupt? (Heyne Verlag, Oktober 2011) lesen.


Darin beschreibt Mathew D. Rose, wie sich
"... in den vergangenen Jahren, in der Berliner Republik, die Lobbystrukturen und damit die Beeinflussung der Politik durch die Wirtschaft veränderte. ...

Rose betrachtet dabei - und das ist die Pointe von "Korrupt?" - die Parteien und die Politiker als ökonomische Akteure, die auch nach einer ökonomischen Logik agieren. Danach geht es den Politikern nur noch darum, ihren eigenen Marktwert zu steigern. Feste Überzeugungen sind da nur hinderlich. Trotzdem verblüfften die teilweise atemberaubend schnellen Wechsel von Politikern aus der rot-grünen Bundesregierung in die Wirtschaft. Da hatten grüne Politiker plötzlich keine Probleme mehr, für Atomenergiekonzerne und die Tabakindustrie zu arbeiten. ...

Gleichzeitig erlebte der Neoliberalismus seinen endgültigen Durchbruch. Der Glaube, dass der Markt Dinge besser als die Politik regeln könnte, war weit verbreitet und wurde von den Lobbyisten und Think Tanks gegenüber den Bundestagsabgeordneten entsprechend gepflegt.

Dieser Blick, der, wie Rose schon im Vorwort sagt, stark von Colin Crouchs "Postdemokratie" und John Dunns "Setting the People Free" beeinflusst ist, erklärt auch das aktuelle Geflecht von Politik, Lobbyismus und Medien ganz gut. Sowohl aus der analytischen Außenperspektive eines Historikers, als auch aus der Binnenperspektive der Politiker."
(zitiert nach: Kriminalakte)

Das Thema passt hervorragend in die politische Arbeit im Camp, denn Korruption und 'money and politics' gehören zu den am intensivsten diskutierten Problemstellungen in den Arbeitskreisen und Workshops. (Wenn wir ausnahmsweise mal nicht viel und laut feiern.)

Mathew D. Rose lädt zu seiner Samstagabend-Lesung ein mit den Worten:
Politik als Big Business
oder der Ausverkauf der Demokratie

Es geht den deutschen politischen Klassen nicht mehr um die Gestaltung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse im Sinne eines Gemeinwohls. Sie sind ein Wirtchaftszweig geworden, eine gewinnorientierte Dienstleistung, die einen Service anbietet: die Umsetzung von Partikularinteressen in Gesetze. Die Demokratie ist zur Ware geworden und gehört dem Meistbietenden und diese scheinen immer die Unternehmen und Wohlhabenden zu sein. Die Industrieländer nehmen soziale Strukturen an, die zunehmend an die Dritte Welt erinnern, eine kleine, extrem reiche Oberschicht und das verarmte Volk. Die jüngsten Ereignisse in Griechenland zeigen uns, wie eine Demokratie außer Kraft gesetzt wird, um dieses Ziel zu erreichen.
Empfehlenswert!

Samstag, 12. November 2011
20 Uhr
Schauspiel Frankfurt, Kantine
(gegenüber vom Camp #occupyfrankfurt)

Kommentare:

  1. Danke für den Hinweis, Frau Mop.
    Hab's mir im Kalender vorgemerkt.

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  2. Aus unerfindlichen Gründen hat es die occ-ffm-IT bisher nicht geschafft, die Lesung mit Mathew Rose auf der HP unter "Termine" anzukündigen.

    Die Veranstaltung mit M. Rose steht, definitiv.

    *seufz*

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  3. M. Rose hat auch damals in Berlin den bankenskandal recherchiert und damit ziemlich ganz alleine die regierung gestürzt;-)

    Gruß bel

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