Mittwoch, 16. November 2011

Wir kämpfen weiter


Dorli Rainey,
Aktivistin in Seattle,
84 Jahre alt,
nach einem Pfefferspray-Angriff der Polizei
während der Zwangsräumung von Occupy Seattle
am 15. November in Westlake Park
(zum Vergrößern auf Bild klicken)

"This is what can happen to you and your body if you just show up, place your body somewhere that freaks out the establishment, and actively protest the problems inherent and rampant in the system. This type of over-reaction by the authorities is something that people of color and minorities face all the time simply for being, let's remember. But seriously, Holy Fuck.

We owe it to this woman to look in her eyes, to SEE her. We owe it to her to hold her gaze, to not move our eyes away because it is hard to look. We need to keep looking at her specifically BECAUSE it is hard to look." (keepyourboehneroutofmyuterus)

Kommentar des Polizeisprechers von Seattle:
"Pfefferspray kam ausschließlich zum Einsatz gegen Subjekte(!), die sich entweder einem gesetzlichen Befehl zur Auflösung widersetzten oder durch übergriffiges Verhalten gegenüber Polizeibeamten auffielen."
Gegen Subjekte! Nicht etwa gegen 'Bürger', die von ihrem Recht auf Rede- und Versammlungsfreiheit Gebrauch machten - nein, es ist die Rede von Subjekten. Man fragt sich, durch welches übergriffiges Verhalten gegenüber den Ordnungskräften das 84-jährige weibliche 'Subjekt' wohl aufgefallen sein mag?

Die Suche nach einer Antwort ist müßig; denn der Einsatz von Pfefferspray gegen 'Subjekte', die für ihre Bürgerrechte kämpfen, erfolgt inzwischen großflächig - es wird aus allen Rohren geschossen. Demnächst dürften zur wirkungsvolleren Bekämpfung der flächendeckenden Protestbewegung in Amerika wahrscheinlich Sprinkleranlagen mit Pfefferspray gefüllt werden.


Es wird nichts nützen. Sie kehren alle zurück, die Occupier in Seattle, in Berkeley, in Portland, in Oakland, in New York City. Sie nehmen sich den öffentlichen Raum, weil er ihnen zusteht. Weil sie gelernt haben, dass es ihre physische Präsenz im öffentlichen Raum ist, die die herrschende Macht nervös und übergriffig werden lässt.

"They're here to stay!":
Großartige Berichterstattung von Rachel Maddow zu den jüngsten polizeilichen Übergriffen auf die Occupy-Bewegung - mit einem meisterhaft eleganten, historischen Rückgriff auf das Jahr 1964, als in Berkeley um das Recht auf freie Rede im öffentlichen Raum gekämpft wurde:



Update:

Dorli Rainey antwortet im Interview auf Keith Olbermanns Frage nach ihrem Befinden:
"I feel great. I feel so energized. It's so amazing the effect a little pepper spray can have on you."
Die 84-jährige Occupy-Aktivistin stammt aus Deutschland. Der aktuelle Status quo in Amerika ruft Erinnerungen in ihr wach:
"I remember Goebbels. I grew up over there. I remember the shrinking of the print media. We had one newspaper, and it was called the Völkische Beobachter, Peoples' Observer. It was the same from North Germany to South Austria, the same propaganda ... and I see the same thing happening here where we have really no more free media that will bring you the issues instead of the soft, fluff entertainment."

Dorli Raineys Empfehlung an alle, die zuhause sitzenbleiben:
"Whatever you do, take one more step out of your comfort zone, and that is what I do: I take a step out of my comfort zone. It would be so easy to say, 'well, I'm going to retire, I'm going to sit around, watch television or eat bonbons,' but somebody's got to keep 'em awake and let 'em know what is really going on in this world."
Sehr empfehlenswerte Empfehlung.

Kommentare:

  1. Großartige Videos. Danke. I fell in love with this great woman. She has become one of my heroes too.

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  2. Na, da kann ich doch auch mein Scherflein mit beisteuern. Mit meinem "Lieblingsthema", weil man damit die Machthabenden so wunderschön entlarven kann.

    Es ist mir nicht erinnerlich, dass während der Demonstrationen 1989 84-jährige oder auch "nur" 67-jährige Teilnehmer durch die Polizei mutwillig verletzt wurden. (Man darf auch getrost davon ausgehen, wenn dies geschehen wäre, würde dies heutzutage ausreichend ausgeschlachtet, sodass man davon wüsste.) Von der Polizei übrigens, die laut offizieller Lesart der heute Herrschenden, einem Unrechtsstaat gedient haben.

    Während also Polizisten eines Unrechtsstaates ältere, gebrechliche Teilnehmer friedlicher Demonstrationen nicht verletzten, verletzen Polizisten von Rechtsstaaten ältere, gebrechliche Teilnehmer friedlicher Demonstrationen.

    Was muss man nun aus der Kombination dieser beiden Tatsachen schlussfolgern? :-)

    q.e.d.

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