Mittwoch, 31. März 2010

Fußnote


Was ist das?

Sieht man doch.
Mein Fuß natürlich, was denn sonst.

Zum Vergleich:

Mein Fuß, sag' ich doch. Ruhig gestellt und hoch gelegt. Auf der Krankmeldung steht "Zehenprellung", was alle furchtbar lustig finden, weil alle im ersten Moment "Zechenprellung" lesen. Typisch Gastronomie. Denken alle nur an das eine.

Jetzt also Fuß hoch und ruhig und nicht belasten und viel trinken, "und zwar Wasser", wie der Röntgenologe meinte mir einschärfen zu müssen, nachdem er erfuhr, dass der dicke Zeh durch einen beherzten Tritt gegen eine (volle) Weinkiste verursacht worden war.

Und weil Fuß hoch und ruhig und viel Wasser auf Dauer ein wenig eintönig wird, fängt man halt an rumzudaddeln und sich mit solchen unterhaltsamen Sachen zu beschäftigen. Flame heißt dieses wundervolle Zeichenprogramm. Es ist nicht nur kreativ, sondern unerhört praktisch, weil ja der Fuß als Modell auf dem Tisch liegt, direkt neben der Maus. Unwillkürlich wackeln die Zehen bei jeder Zeichenbewegung mit, was sich dann anfühlt wie mit dem Fuße gemalt.

Doch, macht Spass. Und süchtig, irgendwie.


Dienstag, 30. März 2010

Schoßhund






Herr und Herrchen

Montag, 29. März 2010

Rattenschreck


Ratten in der Gastronomie - ein heikles Thema. Alle kennen es, keiner spricht gern drüber. Ich mache mal den Anfang und breche das Schweigen. Immerhin wurde mein gewohntes frühmorgendliches Schweigen auch jäh unterbrochen, als ich um sechs Uhr das Restaurant betrat und mir im Zwielicht eine fette graue Ratte entgegengrinste. Ich brüllte.

Muss man sich so vorstellen: Links von der Ratte ist die Tür vom Treppenhaus ins Restaurant. Man betritt das Lokal, wendet sich automatisch nach links, eben weil dort das Lokal ist und wird zwangsläufig frontal vom frechen Blick der Ratte erwischt. Also, ich brüllte.

Verschärfend kommt natürlich hinzu, dass mich blogtechnisch in den letzten Tagen das Rattenthema eh beschäftigt hat, ich heute früh um sechs also gewissermaßen sensibilisiert war für Außenreize dieser Art. Was blieb mir anderes als zu brüllen.

Frau Übermop schwor bei allen gastronomischen Säulenheiligen, dass sie es nicht gewesen sei, die die graue Ratte so effektvoll platziert habe. Im Gegenteil, als sie (Frau Übermop; von der Ratte wissen wir nichts näheres) um halb sechs das Restaurant betreten habe, da habe sie auch erst mal gebrüllt wie am Spieß. Und sich dann so etwas Ähnliches gedacht wie: mal gucken, was in einer halben Stunde passieren wird.

Gut gebrüllt.

Sonntag, 28. März 2010

Problemlos


Die vielen Probleme an sich wären ja nicht das Problem. Vielmehr sind es die unzureichenden Problemlösungen, die ein Problem erst zum Problem und aus wenigen Problemen viele werden lassen. Ich persönlich finde solche Problemlösungen am problematischsten, die mit Geldausgeben verbunden sind. Regelrecht begeistern kann ich mich hingegen für coole Ideen, die nichts kosten:



Kampf dem Lianengestrüpp hinterm Computer! Zwei, drei kleine Handgriffe und ein Problem ist gelöst - zwar nicht das größte von allen, aber immerhin eines, was mich bisher vom Saubermachen meines Schreibtisches abgehalten hat.

Ah, wie gut sich das anfühlt: ein Problem weniger zu haben. Noch dazu im Handumdrehen. Und das zum Nulltarif. Und gut aussehen tut es auch noch. Es fühlt sich, ohne alle enthusiastische Übertreibung, an wie zehn gelöste Probleme auf einmal.

Samstag, 27. März 2010

Ratpack


Ratte ist nicht gleich Ratte, so viel steht fest. Bloß weil ein Tier 'Ratte' genannt wird, muss es noch lange keine sein. Ist ja auch nicht jeder Mensch eine Ratte, der von irgendwem aus irgendwelchen Gründen so genannt wird. Sehn Sie. Im Tierreich verhält es sich genauso. Ein Bisam ist ein Bisam und keine Ratte und steht außerdem in diesem Blog unter Artenschutz.

Jetzt aber zu den richtigen Ratten. Also, bei diesen kleinen (im Einzelfall auch großen fetten) Flitzern, die immer in dunklen U-Bahnschächten die Gleise entlanghuschen, handelt es sich mit Sicherheit um echte Ratten. Wenn dann wieder mal keine U-Bahn kommt, der Fahrgast stieren Blickes an der Bahnsteigkante harrt und der verhuschten Bewegungsvielfalt im Gleisbett gewahr wird, kann es schon mal vorkommen, dass er sich fragt: Wie kommunizieren eigentlich U-Bahnratten untereinander? Wie zum Teufel verständigen die sich?

Erwartungsgemäß haben die erfahrenen New Yorker U-Bahnratten die Nase vorn, wenn es ums Vernetzen geht. Sie sind das altmodische Gepiepse und Gefiepse leid; ist denen viel zu anstrengend und kräftezehrend, weshalb sie sich nach einer stimmschonenden modernen Methode umgeschaut haben. Nun ist es so weit: Seit Sonntag sind die New Yorker U-Bahnratten am Twittern. Jedenfalls die Ratten von der Linie L.


LTrainRat ist ein Twitter Feed, geschrieben aus der Perspektive einer Ratte, die auf dem Gleisbett der Linie L in New York lebt. Nun kennt man ja das Sozialverhalten von Ratten, weiß, dass eine Ratte selten allein bleibt und wundert sich deshalb nicht über die vielen Follower, die der LTrainRat bereits hinterherrennen. Sogar eine Katze namens Leonarda mischt mit (siehe Tweet): Ihr Revier ist die Linie G. Insidern ist die Linie G bekannt durch konsequentes Nichterscheinen bzw. stundenlange Zugverspätungen, will sagen: Bahn frei für Ratten wie Katzen.

Die vernetzten Ratten tauschen Tipps, zum Beispiel unter welchem Gleisabschnitt wieviele Krümel von welcher Keksmarke zu finden sind.
Oder berichten aufgeregt vom Fund einer Softdrinkflasche mit Restinhalt:
  1. blegh only made it to 3rd ave. and now i'm licking crumbs inside a dorito bag. i suck.
  2. too fat to fit inside bottle :( should probably go on a run to 8th ave.
  3. found leftover gatorade on the track what what
Oder kommentieren die Garderobe der am Bahnsteig wartenden Menschen:
either i'm seeing some strange outfits this morning or i'm partially color blind
Oder liefern einen beinharten Augenzeugenbericht von der Hungerfront:
  1. oh god no she just ate them all
  2. omg my friend just had babies!! 8 beautiful young ones :)
Hart, wie gesagt. Echter Rattentwitter halt. Da wird keiner geschont.
Bin gespannt, wann die Bisams das Bloggen anfangen.

Freitag, 26. März 2010

Abkühlung


Was soll das denn? Eben noch, also heute nachmittag, eitel Sonnenschein, 20 Gräder, T-Shirt, und dann, von einem Moment auf den anderen, urplötzlich rabenschwarze Wolkenwand, leere Mülltonnen fliegen scheppernd durch die Straßen, Sturm kommt auf, Regen prasselt. Die Temperaturen sacken auf vergangen geglaubte zehn Grad. Es fallen Wörter wie Schneefallgrenze, Meereskaltluft, Nachtfrost, atlantische Tiefdruckströmungen. Jetzt also schon wieder Herbst oder was.

Zum Abtauchen.

Aber so was von.

Donnerstag, 25. März 2010

Oh wie schön ist Kanada


Es gibt coole Jungs, und es gibt extrem coole Jungs. Dann gibt es noch die echt coolen Jungs.
Die echt coolen Jungs sitzen zu dritt auf einer Bank an einem Weiher, füttern Tiere - Enten, Schwäne, Bisamratten - mit altem Brot, schauen übers Wasser bis hinüber in den Wald und unterhalten sich über Kanada. Nicht weil sie gern nach Kanada wollen, sondern weil das hier für sie wie Kanada ist.
Echt coole Jungs halten einem die Tüte mit dem alten Brot hin, wenn man selbst keines dabei hat zum Verfüttern, rücken auf der Bank näher zusammen, bieten höflich einen Platz an und freuen sich riesig, wenn ihr Angebot angenommen wird.
Dann sagen sie, ich sei die erste, die sich getraut hätte, neben ihnen Platz zu nehmen, obwohl schon viele Spaziergänger am Weiher verweilt, aber das Angebot ausgeschlagen hätten. Tja, die Leute seien halt komisch, meint der Große, auf dessen T-Shirt Produzier' mich net steht. Tja, ich bin manchmal auch komisch, denke ich mir: Auch ich habe einen winzigen, unerklärlichen Moment lang gezögert, bevor ich die Einladung angenommen habe. Jetzt, wo ich neben ihnen sitze, spüre ich überhaupt keine Lust, über diesen Augenblick des Zögerns nachzudenken, sondern bin nur froh, dass ich ihm nicht gefolgt bin. Aber vergessen habe ich mein kurzes Zögern nicht.
Die Jungs kommen jeden Nachmittag nach der Arbeit hierher, "wenn das Wetter mitmacht". Immer mit einer Tüte voll altem Brot. Alle Tiere haben einen Namen: Die Bisamratten heißen Waltraud, Gina, Ursula, Hildegunde, Karin, Gisela...(mehr konnte ich mir nicht merken); eine braunweiße Ente nennen sie 'Hannelörchen', den Erpel 'Merkel'.
Auf die Schwäne sind die Jungs nicht besonders gut zu sprechen - verfressen und herrschsüchtig seien sie, die Schwäne, schnappten mit ihren langen Hälsen immer den jungen Bisamratten das Brot weg und zischten eifersüchtig, sobald sie nicht im Mittelpunkt des Spaziergängerinteresses stünden.
"Darf man denen nicht durchgehen lassen", kommentiert der mit der Sonnenbrille und wirft nur selten ein Stück Brot weit ins Wasser hinaus, so dass der gefräßige Schwan vom Ufer abdrehen muss. "Fordern statt fördern nennt sich das", ergänzt der mit dem Schnauzbart und lacht. Die meiste Aufmerksamkeit und das meiste Brot bekommen die Bisamratten.
Ich dagegen bekomme ein Bier spendiert.
Oh wie schön ist Kanada.