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Freitag, 24. September 2010

Winterblues


Nach dem Herbstblues kommt der Winterblues. Das ist ganz normal. Zum Winterblues ist eigentlich schon alles gesagt. Trotzdem, er ist wieder da und will mitreden. Kann er haben.

Der Winterblues kommt, wenn es morgens dunkel ist und man genau spürt, dass es noch sehr lange dauern wird, bis es hell wird. Dieses Mehr an Eigenenergie, was aufgebracht werden muss, um wach zu bleiben, weil die natürliche Energie des Tageslichtes fehlt. Anstrengend ist das. Habe ich aber alles schon mal geschrieben.

Neu ist, dass ich neuerdings mit flutlichtähnlicher Beleuchtungsanlage am Fahrrad unterwegs bin. Es ist wie Nacht-Trekking mit Kaninchen- und Eichhörnchenjagd. Der potente Lichtkegel erlaubt es mir, meine Querfeldein-Lieblingsstrecke zu fahren, wo zu zwei Dritteln keine einzige Straßenlaterne steht. Flora und Fauna zuhauf. Die Kaninchen bleiben immer wie hypnotisiert mitten auf dem Weg sitzen, schauen mir schreckensstarr entgegen, um im letzten Moment ins Gebüsch wegzuflitzen. Die Eichhörnchen rasen kreuz und quer und machen sich einen Sport daraus, direkt vor meinem Vorderrad über den Weg zu huschen. Ich muss dann jedes Mal furchtbar laut stöhnen, zur Drosselung der Adrenalinspitzen. Passiert ist noch nichts.

Ja, und dann die Flora. Mein Suchscheinwerfer erfasst unvorstellbare Mengen von Laub auf dem Boden, viel zu früh für die Jahreszeit. Seit heute, wo das Wetter umgeschlagen hat, sagt jeder, mit dem ich rede, melancholisch: "Ach, es wird Herbst", und wenn ich dann antworte: "Nein, Winter", finden sie das übertrieben. Ich nicht. Mein Hund Blues auch nicht. Er schläft zwar, aber anders als sonst. Normalerweise liegt er der Länge nach unterm Sofa; als ich heute aufstand, lag er quer, so dass die Schnauze vorne herausschaute. Augenlider auf Halbmast. Unruhiges Schnaufen. Er kann es nicht leiden, wenn morgens elektrisches Licht brennt. Ich auch nicht.

Freitag, 11. Dezember 2009

Kaltfront


...wäre jetzt schön. Zumindest ein beheizter Balkon. Es wird nämlich ein längerer winterlicher Witterungsabschnitt eingeleitet, sagen sie in den Nachrichten, mit kalten Luftmassen aus Nordosten. Die strenge Jahreszeit beginnt. Das jüngste Mistwetter war nur ein Vorgeplänkel.
Zwar hege ich eine unverändert tiefe Abneigung gegen Heizpilze in Restaurant-Außenbereichen, hätte jedoch momentan gegen ein klitzekleines privates, natürlich ökostrom-biologisch-dynamisches, psst, Heizpilzchen nichts einzuwenden. Ohne wird es richtig ungemütlich werden. Und kein wärmender Clooney weit und breit. Ein Witterungsabschnitt zum auf die Palme gehen.


Donnerstag, 5. November 2009

Novemberkind



Ende des Laubfalls

Montag, 28. September 2009

The Day After


Endlich wieder Ruhe im Rahmen.

Und sonst?

Weiterleben nach dieser Devise.

Verkatert bin ich jetzt schon.

What a wonderful world.

Montag, 10. August 2009

Sonntag, 9. August 2009

Ungeschriebene Kommentare

Es gibt Dialoge, die gibt's gar nicht. Mit Leuten, die mein Blog lesen und das Gelesene gern kommentieren, allerdings nicht hier an Ort und Stelle, sondern lieber am Telefon. Wenn ich dann frage, weshalb sie das am Telefon machen - schließlich blogge ich ja auch nicht mit dem Telefonhörer in der Hand -, sagen sie über kurz oder lang, dass ihnen das am Telefon irgendwie lieber sei. Okay.

Der Dialog heute am Telefon ging so:
(A = Anruferin, M = Mrs. Mop)

A: Auf deinem Blog fühlt man sich wie im tiefsten Winter.
M: Wie das?
A: Ja, weil es auf deinem Blog morgens immer so dunkel ist.
M: Bitte, es ist morgens dunkel, überall, nicht bloß auf meinem Blog.
A: Es hat halt so was Unrealistisches, findest du nicht?
M: Ich finde, es gibt kaum was Realistischeres als die verdammte Dunkelheit morgens.
A: Ja schon, aber wer kriegt die schon mit?
M: Ich zum Beispiel.
A: Ja eben, aber für die meisten Leute ist es im Sommer morgens hell.
M: Genau. Und wenn es im Sommer morgens nicht mehr hell ist, weiß man, der Sommer geht zu Ende. Und was danach kommt, kennt man ja.
A: Bei dir holt man sich ja den Winterblues. Und das Anfang August!

Winterblues. Was für ein wunderschönes Wort. Augenblicklich erkannte ich mich darin wieder. Es war früher Nachmittag, freundlich sonnig, schwülwarm aber noch angenehm, die Luft roch schwer sommerlich, und die Lust am Sommer paarte sich mit der melancholischen Gewissheit, morgen früh erneut dem Winterblues zum Opfer zu fallen.
Was lag näher als dem Winterblues hinterherzugoogeln. Um festzustellen, dass meine neu entdeckte Wortkreation längst in aller Munde ist. Alle reden vom Winterblues, alle haben ihn, nur keiner hat ihn Anfang August. Vermutlich weil sie, genau wie A, morgens um halb fünf noch im Bett liegen.
Am interessantesten fand ich diesen Artikel samt Editorial über den sogenannten manifesten Winterblues; liefert eine blitzsaubere Diagnose dessen, was mir widerfährt. Zum Beispiel erkennen Tiere die Wechsel der Jahreszeiten anhand der Tageslänge, was bei Fledermäusen, Siebenschläfern, Hamstern und Murmeltieren (klingen alle schon so verschnarcht) ein notwendiger Signalgeber für den Winterschlaf zu sein scheint. Genau wie bei mir: Keine Lust, mitten in der Nacht das Schlafen abzubrechen, bloß weil angeblich Morgen ist.
Sobald die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen auf die Netzhaut fallen, senden spezielle Photorezeptoren Signale zu den Neuronen des SCN (Nervenzellbündel über der Kreuzung der Sehnerven), die daraufhin schneller und anhaltend feuern - wie ein Wecker, der den ganzen Tag nicht mehr aufhört zu bimmeln.
Eben, weswegen in dunkler Herrgottsfrühe nichts bimmelt noch feuert; mein Organismus zieht es vor, im Nachtmodus zu bleiben. Dies, so lese ich,
quittiert ihre (meine) Zirbeldrüse prompt mit einer verlängerten Melatoninfreisetzung am Morgen, was dann wiederum zu Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit führt.
Wissenschaftlich aufgebrezelt heißt das Ganze Seasonal Affective Disorder (SAD), vulgo Winterblues. Und wer wissen will, wie sich die affektive Unordnung frühmorgens anfühlt, braucht nur an seinen letzten Langstreckenflug zu denken:
Menschen mit saisonalen Depressionen erleben so etwas wie einen ständigen Jetlag. Sie wachen auf und fühlen sich, als wäre es mitten in der Nacht. Und wie verschiedene Studien zeigen, ist es für sie physiologisch gesehen wirklich mitten in der Nacht.
Genau so fühlt es sich an. Jeden Morgen mache ich einen kleinen Jetlag durch. Der wie per Knopfdruck endet, sobald die ersten Lichtstrahlen auf die Netzhaut treffen. Ab dann wird gefeuert und die Lebensgeister kommen in Fahrt. Davor ist es zappenduster im System. Müsste A jetzt eigentlich auch verstehen. Bestimmt ruft sie die nächsten Tage wieder an. Ich kann sie ja auch verstehen, von wegen Winterblues im August. Ich weiß, wie Schokoladennikoläuse im September nerven.