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Freitag, 8. Februar 2013
Killer-Academy goes Greek
Lange nichts gehört von Blackwater, dem privaten Killerunternehmen eines gewissen George W. Bush, Einsatz im Kriegsgebiet Irak, gegründet von einem tief religiösen Rechtsaußen-Fanatiker.
Lange nichts gehört. Das liegt zum einen daran, dass sich Blackwater inzwischen den vertrauensbildenden, nach solider Intellektualität riechenden Namen "Academi" zu gelegt hat; sozusagen eine Akademie zum Training international disponibler Berufskiller überall dort, wo Polizei und Militär der wachsenden sozialen Unruhen nicht mehr Herr zu werden drohen.
Wieso soziale Unruhen? War Blackwater bislang mit seiner Mission als verlängerter Arm des Militärs nicht ausschließlich in Kriegsgebieten unterwegs? Ganz recht - war. Jedoch, die Bedrohungslagen haben sich verschärft. Zumindest das griechische Parlament fühlt sich immer heftiger bedroht von der es umgebenden "sozialen Instabilität", jener Instabilität, an deren Zustandekommen das griechische Parlament maßgeblich beteiligt ist.
Deshalb bedarf das griechische Parlament jetzt zusätzlichen Schutzes. Und befürchtet offenbar, dass die schlechtbezahlte, im Verbund mit der Neonazi-Partei Golden Dawn marodierende Polizei diesen Schutz nicht mehr ausreichend zu gewähren imstande ist. Und hat darum zur Aufstockung der parlamentarischen Schutzkräfte einen Vertrag mit der Killerfirma Blackwater alias Academi geschlossen. Bereits im vergangenen Jahr.
Lange nichts davon gehört. Obwohl der ehemalige Botschafter Leonidas Chrysanthopoulos bereits im Dezember 2012 in der kanadischen Zeitschrift Millstone darüber berichtete. Aus Athen wurden Stellungnahmen verweigert, allerdings erfolgten auch kein Dementis. Nur allmählich macht der vertraglich abgesicherte Einsatz von Blackwater-Söldnern im zivilen Kampfgebiet Griechenland die Runde und ist mittlerweile auch in deutschsprachigen Medien angekommen: mit einem überaus informativen Interview, in dem Chrysanthopoulos über die aktuelle Entwicklung und bedrohliche Lage in Griechenland spricht.
Bedroht sieht der Ex-Diplomat jedoch weniger die griechischen Parlamentarier als vielmehr das griechische Volk: bedroht von den Übergriffen der Regierung, der Troika und von Blackwater.
Lesen. Lesen. Lesen. Unbedingt.
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Samstag, 28. Juli 2012
Laune gut, Stimmung im Eimer
Es gibt Wörter, von denen kriege ich auf der Stelle und so rasant schlechte Laune, so schnell kann kein Fahrstuhl in den tiefsten Keller abstürzen. Das Wort heißt:
Kauflaune.
Kauflaune ist das, was der Wirtschaft gute Laune macht. Um die deutsche Wirtschaft bei Laune zu halten, vergewissert sich alljährlich ein deutsches Gute-Laune-Institut namens GfK Marktforschung, ob die Kauflaune noch hält, was sie letztes Jahr versprochen hat, und siehe da: Die Kauflaune der Deutschen hält Wort. Sie bleibt stabil auf hohem Niveau und lässt sich "trotz der Euro-Turbulenzen" die bombigen Werte nicht versauen:
Die Krise in Griechenland, die Probleme in Spanien und Italien - all das lässt die Verbraucher in Deutschland kalt. Die Kauflaune ist weiter gut.
Bombenstimmung also im stabilen Kernland des Euro? Nah, so darf man das mit der Kauflaune nicht interpretieren. Zu den wundersamen Qualitäten der guten Kauflaune gehört nämlich, dass sich der empirisch irgendwie erfasste Deutsche ihr extrem schlechtgelaunt hingibt. Das war schon letztes Jahr so -
Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist schlecht, dennoch steigt ihre Kauflaune.
- und ist dieses Jahr nicht anders. Übellaunig in den nächsten Kaufrausch. Krisenmeldungen wie diese (heute in sämtlichen Zeitungen nachzulesen) lassen mich keineswegs kalt, vielmehr meine Kauflaune signifikant ansteigen. Ich geh' jetzt zum Bäcker.
Gute-Laune-Brötchen kaufen.
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Dienstag, 17. Juli 2012
Endlich Urlaub
Hat sich noch jemand gewundert, warum Griechenland in letzter Zeit aus den Schlagzeilen verschwunden ist? Da gibt es nichts zu wundern, denn: Seit der "Stabilisierung der politischen Lage in Griechenland" bedarf es auch keiner Schlagzeilen mehr. Außer dieser.
Wie, Sie wundern sich über die "Stabilisierung der politischen Lage in Griechenland"? Dann sind sie kein typischer Deutscher. Jedenfalls kein typischer deutscher Urlauber. Der präferiert nämlich für seine schönsten Wochen des Jahres Urlaubsziele mit stabilisierter politischer Lage. Drum hat sich dem deutschen Urlauber zuliebe die politische Lage in Griechenland stabilisiert, weshalb der erholungsbedürftige Deutsche auch nicht mehr durch beunruhigende Schlagzeilen beunruhigt wird.
Seit der Stabilisierung der politischen Lage in Griechenland wird eine deutliche Zunahme der Buchungen deutscher Touristen verzeichnet.
Nachdem Griechenland nach den Wahlen am 17. Juni 2012 nicht mehr auf den Titelseiten der Zeitungen erschienen sei, hätten die Buchungen für die griechischen Sommerressorts signifikant zugenommen:
"Die Tendenz der Buchungen steht im Einklang mit den Publikationen. Sind die Schlagzeilen negativ, sinken die Buchungen, gibt es keine Schlagzeilen, steigen sie wieder."
Koffer packen, Leute, durchatmen, und nix wie runter zu den faulen Griechen. Denen mal zeigen, wie bezahltes Faulenzen geht. Und kommt bloß nicht auf die Idee, euch über irgend etwas zu wundern. Schließlich wollt ihr euch erholen, oder? Bisschen mediterrane Lebensart genießen, bisschen deutsche Seele baumeln lassen, ausgeruht zurückkommen, doch, das Essen war sehr gut und das Hotel auch ganz nett und die Griechen sind ja sooo gastfreundlich und die politische Lage hat sich eh stabilisiert, nur, es gab halt weit und breit keine Bildzeitung. Schatz, pass du auf die Koffer auf, ich geh' mal schnell rüber zum Kiosk, hast du die Schlagzeile gesehen? Hier, "Faule Griechen..." und so, tja, da wundert man sich über nichts. Aber trotzdem, nächstes Jahr fahren wir da wieder hin, weil es dort so schön ist und man sich so gut erholen kann.
Natürlich nur, falls die politische Lage sich bis dahin weiterhin stabilisiert.
Mittwoch, 25. April 2012
Demokratie im Risikomanagement
Ach, die Finanzmärkte. Was täten wir bloß ohne die Finanzmärkte? Das Leben wäre stinklangweilig. Es wäre ein langer, ruhiger Fluss, unterbrochen nur von hier und dort mal zur Wahl gehen, so alle vier Jahre im Schnitt. Das würden wir dann Demokratie nennen. Zum Gähnen langweilig!
Gut, dass wir die Finanzmärkte haben. Die bringen ein wenig Kitzel in das reizarme demokratische Einerlei: ein wenig Nervosität hier, ein bisschen Panik da, eine angemessene Dosis Beunruhigung - und schon fängt die Demokratie an zu schlottern. Schließlich hat man ihr jahrelang eingebleut, gefälligst marktkonform zu funktionieren, und irgendwie hat sie das ja auch so leidlich hingekriegt, im Großen und Ganzen; und sobald das Ding mit der Marktkonformität nicht so recht auf Wunsch klappen wollte, haben die Finanzmärkte interveniert, den Politikern ihre Beunruhigung signalisiert, die Politiker haben dem Wahlvolk die Beunruhigung der Finanzmärkte signalisiert und alles war wieder in marktkonformer Butter. Diese routinemäßig durchgezogene Show wird Ihnen präsentiert vom inoffiziellen Ministerium für Propaganda, Angst- und Panikmache.
... an den Finanzmärkten hat man eine neue Gefahr ausgemacht: die Demokratie. "Die Wahlen in Frankreich und Griechenland wie auch die Volksbefragung in Irland", so Elge Bartsch von der US-Investmentbank Morgan Stanley, "lösen Sorgen bei den Investoren, Unternehmen und Konsumenten aus."
Irre, oder? Jetzt werden bereits "die Konsumenten" in Stellung gebracht gegen "die Wähler" und "das befragte Volk". Und ich Schnarchnase dachte die ganze Zeit, das wählende oder befragte Volk bestünde - unter anderem - aus Konsumenten, auch wenn diesen Konsumenten das Geld und damit die Lust am Konsumieren immer mehr abhanden kommt, weshalb die Konsumenten ja so wählen, wie sie wählen, und so antworten, wie sie antworten, wenn sie denn befragt werden. Aber egal. Hauptsache, ordentlich Angst schüren. Wird schon was hängenbleiben in den verbohrten Wählerhirnen, wenn sie statt in die Einkaufsmeile an die Wahlurne schreiten.
Zurück zu den übersensiblen, nervösen Finanzmärkten. Statt ihnen den wohlverdienten langen, ruhigen Fluss ihrer Spekulationsgeschäfte zu gönnen, kommt ihnen dauernd diese lästige Demokratie in die Quere:
Das Volk wird zum StörfaktorIn regelmäßigen Abständen, so verlangen es die demokratischen Spielregeln, können die Krisenopfer in Wahlen über die (von den Finanzmärkten geforderten und von den Politikern verhängten Austeritäts-, vulgo: Verarmungs-)Maßnahmen abstimmen - und sie ablehnen. Diese Möglichkeit schafft Unsicherheit an den Finanzmärkten.
Sage keiner, dagegen sei kein Kraut gewachsen.
Daher hat die Politik in den vergangenen Monaten viel unternommen, um den Wählerwillen zu neutralisieren.
(Wer dafür - aus dem prallen undemokratischen Leben gegriffene - Beispiele sucht, findet sie hier.)
Aktuelles Beispiel Griechenland:
Anfang Mai wählen die Griechen ein neues Parlament. Um das Sparprogramm gegen den Wählerwillen zu immunisieren, mussten die voraussichtlichen Sieger - die Parteien Pasok und Nea Demokratie - sich bereits vorab verpflichten, den Reformkurs fortzusetzen.
Diese prophylaktische Zwangsverpflichtung dürfte die wählenden Krisenopfer einigermaßen beunruhigen, dient aber einem übergeordneten, die Mittel heiligenden Zweck, nämlich der demokratieresistenten Beruhigung der Finanzmärkte:
"Finanzmärkte wollen eine einige und starke Führung", erklärt Großinvestor George Soros.
So sieht's aus. Und damit nach Frankreich, wo der (noch nicht immunisierte) Wählerwillen für massiven Blutandrang in Investorenhirnen sorgt.
Seit am vergangenen Wochenende der Sozialist (deutsch: Sozialdemokrat) Francois Hollande das vorläufige Rennen um die Präsidentschaft gemacht hat, drehen die Finanzmärkte kollektiv am Rad und zeigen sich, gemeinsam mit den Medien, händeringend und höchst - na? - beunruhigt. Die europäischen Märkte rauschten bedrohlich in den Keller. Angst um Frankreich. Angst um den Euro. Angst um die Renditen. Angst vor Demokratie.
So richtig verstehe ich die ganze Aufregung um diesen Hollande allerdings nicht. Mal abgesehen davon, dass er nicht der erste Sozialdemokrat in Führungsposition wäre, der sich, geschmeidig wie ein Hosenverkäufer, dem nervösen Gefühlsleben der Finanzmärkte andient - wo ist das Problem? Sollte Hollande als Präsident, wider Erwarten, nicht in die Spur finden, Pfötchen geben und den Ball rapportieren, ja, mein Gott!, dann macht den Job halt ein anderer. Es wird sich schon einer finden. Technokraten gibt's schließlich überall. Speziell solche, die man ungewählt ins Amt setzen kann, falls der gewählte Volksvertreter nicht in die marktberuhigenden Puschen kommt.
Wäre ja nicht das erste Mal. Hat ja in Europa, seit der Absetzung von Papandreou und Berlusconi, schon bald eine so lange Tradition wie dieses Dorn-im-Auge-Dingens - wie hieß es nochmal? - richtig: Demokratie.
Dienstag, 24. April 2012
Schiff Ahoi

"You know, things are really not that bad in the eurozone,"
wusste Christine Lagarde
(vorne auf der Kommandobrücke)
gestern in Amerika zu berichten.
Zwar gebe es aktuell ein paar ungemütliche Turbulenzen; diese würden jedoch das Raumschiff nicht von seinem gewohnt sicheren, auf Stabilität abzielenden Kurs abbringen. Nach wie vor gelte es, mit ruhiger Hand das Steuer zu führen, stets eingedenk der richtungsweisenden Worte des Steuermannes Jean-Claude Juncker: "When it gets really serious, you have to lie. (Wenn es wirklich ernst wird, musst du lügen.)"
Zwar habe bei den französischen Präsidentschaftswahlen Marine Le Pen von der rechten Fronte Nationale allen die Show gestohlen mit nationalistischen Anti-EU-Parolen; zwar sei infolgedessen der präsidiale Loser Sarkozy noch weiter als bereits zuvor nach rechts geschwenkt, indem er forderte, "Migrantenströme zu regulieren" und "Grenzen zu verteidigen".
Zwar sei soeben die niederländische Regierung kollabiert infolge der Weigerung des rechtsextremen Anti-Einwanderungs-Politikers Geert Wilders, sich dem Diktat des europäischen Fiskalpaktes zu beugen - ungeachtet des jüngsten heftigen Griechen- und Portugiesen-Bashings ("unfähig zur Haushaltsdisziplin") seitens holländischer Politiker.
Zwar gebe es beträchtliche politische Turbulenzen in den mitteleuropäischen EU-Ländern Österreich, der Slowakei, Kroatien und Tschechien - Turbulenzen, von denen man zwar kaum etwas höre, die aber nichtsdestotrotz am Toben seien, einschließlich sich dort anbahnender Regierungs-Kollapse.
Zwar rumore es zunehmend an der Basis in Ländern wie Griechenland und Italien, wo das Wahlvolk die Schnauze voll habe von ungewählten, von Troikas Gnaden ins Amt gehobenen Regierungen.
Zwar laufe in Spanien momentan so gut wie alles aus dem Ruder.
Zwar könne der Eindruck entstehen, in ganz Europa laufe momentan so gut wie alles aus dem Ruder.
Aber sonst?
Aber sonst ist heute wieder alles klarauf der Andrea Doria.
Don't panic, hieß es kommentierend seitens des IMF, Turbulenzen erforderten nun mal eine ruhige Hand und einen klaren Kurs, weshalb es dringend geboten sei, unbeirrbare Konstanz und Kontinuität zu demonstrieren, wenn schon alles andere ins Schlingern gerate und demnächst im EU-desintegrierten Chaos versinken werde. Darum werde der IMF sich auch weiterhin nicht aus dem Konzept bringen lassen, vielmehr immer mehr europäische Länder zu immer mehr Austerität, immer mehr Lohnkürzungen, immer mehr Arbeitslosigkeit und immer mehr Verarmung nötigen.
Volle Kraft voraus auf dem Krisentanker Europa.
Donnerstag, 5. Januar 2012
Sturm

"Dem Sturm entgegenzutreten, wie oft er uns auch zu Boden blasen mag, sollte uns lehren, dass wir nicht so stark sein müssen wie der Sturm, um ihm zu trotzen. Wir müssen nur stark genug sein, aufrecht zu stehen. Ob wir dabei nun vor Angst schlottern oder unsere Faust schütteln, wir sind so lange stark genug, wie wir aufrecht stehen."Bleib auf deinem Weg - Die Weisheit eines alten Indianers

Freitag, 23. September 2011
Lasst sie doch Verluste essen
Ach, das liebe Geld: Wo du nicht bist, Herr Jesus Christ. Das nur als Referenz an Gregor Gysi, der inmitten der gestrigen staatstragenden Aufwartung für den Papst mit sanfter Stimme anmahnte, der Katholikenführer hätte ruhig etwas zur wachsenden Armut sagen können, und mit noch sanfterer Stimme herumnölte: auch etwas zum wachsenden Reichtum hienieden auf Gottes Erden. Den einen gibt er, den anderen nimmt er - der Papst nimmt's hin. Hauptsache, von den Grünen gab's stehende Ovationen.
Also, das mit dem Geld. Und dem Reichtum. Es stehen ja immer noch jene sagenhaften 2,3 Milliarden Dollar im Raum, die neulich von einem Top-Mitarbeiter der Schweizer Investmentbank UBS ins Nirgendwo versenkt wurden - vielleicht war es auch die Bank (UBS, inoffiziell für: United BullShitters) selbst, wer weiß das schon so genau. Jedenfalls, die Kohle ist futsch. Überall haben sie danach gesucht - unterm Bett, im Schrank, in der Zuckerdose, in ihren Hosentaschen -, aber es nirgends gefunden. Seitdem ist das bankinterne Betriebsklima etwas verspannt, weil die angestellten Top-Herrschaften um ihre jährlichen Bonuszahlungen bangen müssen.
Wir bangen mit ihnen. Wissen wir doch seit spätestens 2008/2009, dass der internationale Finanzpfusch mit großzügigen Boni honoriert werden muss, weil sonst der Rest der Welt nicht mehr ruhig und fest schlafen kann. Haben wir gelernt: Wenn die ihre millionenschweren Weihnachtsgelder nicht kriegen, verliert die Bevölkerung das Vertrauen in die Stabilität der Finanzmärkte und alles bricht auseinander. Also wurde ihnen der Rachen gestopft - weil nun mal völlig undenkbar, nachgerade tabu ist, dass die wenigen Reichen die vielen Armen unterstützen; viel mehr Sinn macht es doch, aus jedem Armen jährlich ein paar Piepen mehr auszuquetschen, um damit ein Wohlfahrtsprogramm für die Reichen zu finanzieren, falls deren Portfolio mal wieder am Absacken ist.
Bereits neulich wurde die Bevölkerung prophylaktisch-sanft hirnmassiert, als es geheißen hatte: "Die Bonuszahlungen bei der UBS sind möglicherweise in Gefahr (at risk), nachdem das Unternehmen einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar hinnehmen musste." Klang schon wieder übel angstmachend nach Weltuntergang, aber gemach: Es hatte ja nur geheißen "möglicherweise in Gefahr", und wo Gefahr lauert, da gibt es Rettung ("where there's a risk there's always a way").
Und damit in die Vollen:
"Was die UBS Banker jetzt brauchen, ist ein Plan, der sicherstellt, dass der Verlust von anderen Leuten getragen wird als von ihnen selbst."
Wir sahen es kommen. Und ahnen, was auf uns zukommen wird:
"Zum Glück habe ich so einen Plan vorbereitet. Um den UBS Bonuspool zu retten, muss die Führungsspitze der UBS die Schweizer Bevölkerung davon überzeugen, dass sie, die Bevölkerung, für diese Unternehmensverluste gradezustehen (to eat the losses) hat, und dass sie, die Bevölkerung, dies mit großer Herzensfreude tun möge."
Ah, genial! Let them eat losses! Gut, ganz neu ist der Plan nicht; er hat, wie gesagt, schon 2008/2009 funktioniert - aber das ist ja das Geniale, deshalb wird er 2011 erst recht funktionieren! Sogar noch besser, denn es bedarf nur des Aufwärmens der ollen Kamellen - vulgo: Argumente -, und schon wird die Schweizer Bevölkerung Gewehr bei Fuß stehen. Oder sagen wir: das Schweizer Klappmesser stecken lassen. Denn sonst wäre ihr ja bereits vor drei Jahren das Messer in der Hose aufgegangen, bei folgendem Sachverhalt:
"Um die UBS über Wasser zu halten, hatte die Schweizer Regierung 6 Milliarden Franken Bailout-Stutz (Stutz: Schweizer Slang für Knete) locker gemacht und für fast 40 Milliarden Franken faule Vermögenswerte aus den Bankbilanzen gezogen."
Learning für 2011:
"Eine Rückerstattung der 2,3 Milliarden an die UBS wäre eine Investition in die Zukunft des Landes."
Loggisch, oddr? Weiter:
"Falls die Banker ihre Bonuszahlungen nicht kassieren dürfen, würden die besten und brilliantesten UBS-Leute zur Konkurrenz abwandern."
Geht gar nicht. Schweizer, ihr müsst euch entscheiden: Wollt ihr wirklich, dass die größten UBS-Talente abwandern zur National Bank of Greece? Oder noch schlimmer, zur Deutschen Bank? Was unausweichlich zu noch viel größeren Verlusten führen würde? Wollt ihr nicht! Als besonnene Schweizer seht ihr ein: Je besser dran eure Besserverdienenden sind, desto vertrauenswürdiger wird die UBS vor der ganzen Welt dastehen. Weil:
"Also, wenn die Schweizer Bevölkerung die UBS Bonuszahlungen rettet, wird sie damit effektiv das Verlustpolster der Verlustverursacher wiederherstellen, und zwar in seinem rechtmäßig aufgeblähtem Umfang. Und indem die Schweizer Bevölkerung dies tut, rettet sie sich selbst."
Derart schlüssig argumentiert müssten - so der schlaue Plan - die Schweizer eigentlich rumzukriegen sein für die dringend anstehende nächste Banken-Bailout-Runde. Falls das nicht reicht - stur sind sie ja, die Schweizer - könnte noch ein wenig auf der moralisch-sentimentalen Schiene nachgeholfen werden:
"Es geht hier um Fairness! Wenn arme Leute ihr Geld verlieren, ist das eine Tragödie, denn es gibt so viele arme Leute, dass die Regierung nicht viel dagegen tun kann. Anders bei den Reichen! Richtig gestellt muss die Frage also lauten: Ist es wirklich fair, Hunderte von schwervermögenden UBS-Profis für die Sünden eines einzigen 31-jährigen ghanaischen Traders zahlen zu lassen, nur weil sie kollektiv vergessen haben, ihn zu kontrollieren?"
Natürlich wäre das nicht fair, leuchtet jedem ein, war ja auch nur eine rhetorische Frage zum Zwecke der Bauernfängerei, die jedoch bei der sprichwörtlichen Bauernschläue der Schweizer sich eigentlich erübrigt hätte.
Abgerundet wird der geniale Plan mit einem bewährten Rundumschlag-Geschoss aus den Jahren 2008/2009; ein Griff in die argumentative Mottenkiste - nur leicht rezyklisiert - genügt:
"Die Grundlagen des Kapitalismus stehen auf dem Spiel ... Eine Pleite des UBS Bonuspools in einer Zeit größerer globaler und wirtschaftlicher Instabilität würde in verschärftem Maße das angeschlagene Verbrauchervertrauen gefährden ... Ein Zerstören der Finanzindustrie hätte weitreichende und dramatische Folgen."
Chunsch druus? Häsch dees? Was, nonig? Guet, letzschder Versuch:
"Die Botschaft an die Schweiz ist simpel: Bevor ihr an dem UBS Bonussystem irgend etwas ändert, müsst ihr es erst mal retten. Ich vertraue fest auf die Schweizer, dass sie das Richtige tun werden."
Zusätzliche freiwillige Spenden aus der Schweizer Bevölkerung sind übrigens hochwillkommen. Irgendwie muss eine Bank ja zusehen, wie sie zu ihrem Geld kommt.
PS.:
Ein Blick in den Kommentarbereich von Bloomberg.com lehrt, dass Wall Street Banker noch schlichteren Gemütes sind als gemeinhin vermutet. Mehr als der Hälfte der Kommentatoren entgeht der Premium-Sarkasmus-Charakter des Artikels von Jonathan Weil; sie nehmen die boshaften Botschaften des Autors 1:1. Andererseits ist ihnen das kaum zu verargen, denn die Trennlinie zwischen Satire und Realität ist in diesem Fall hauchdünn: Sämtliche "Argumente" zur "geplanten" UBS-Bonus-Rettung wurden 1:1 aus den Jahren 2008/2009 übernommen, als es um die Rechtfertigung von Banken-Bailouts und gigantischen Bonuszahlungen in den USA ging.
Da lacht der Rest der Wall Street.

(Bild: Julia La Roche via BusinessInsider)
Montag, 8. August 2011
We need some money

(zum Vergrößern anklicken)
Grade kam der aktuelle Börsenbericht im Radio. Wörtlich hieß es, die Händler an den Börsen hätten in diesen Tagen "ziemlich feuchte Hände". Was ich für eine glatte Untertreibung halte. Feuchte Hände, wenn es nur das wäre! Ich halte es für wahrscheinlicher, dass die in diesen Tagen alle mit solchen Inkontinenzwindeln für Erwachsene herumlaufen, weil sie die Hosen gestrichen voll haben.
War noch was? Ja klar, die G-7-Finanzminister haben ihre "abschließenden Statements" abgegeben. Wobei, "abschließend" ist auch für einen Lacher gut, denn aus diesen Statements leckt und tropft es dermaßen, dass man befürchten muss, die Windelhersteller stehen bald vor akuten Lieferschwierigkeiten. Weil, man kennt das ja inzwischen - je wortreicher der Sprechdurchfall, mit dem sie ihre nächtlichen Telefonkonferenzen abschließen, desto sicherer darf man sich sein, dass sie bis zum Hals in der Gülle stehen.
Alles, sagen sie, wirklich alles wollen sie unternehmen, um für Beruhigung an den Finanzmärkten zu sorgen und diese zu stabilisieren und deren Liquidität abzusichern.
"We, the Finance Ministers and Central Bank Governors of the G-7, affirm our commitment to take all necessary measures to support financial stability and growth in a spirit of close cooperation and confidence."
Das klingt nicht gut und doch so vertraut, klang es nicht ähnlich in den guten alten Tagen des Jahres 2008? Wo bleibt die wirklich gute Nachricht, zum Beispiel so eine:
Wir unterbrechen unsere Sendung für eine brandaktuelle Meldung:Wie soeben berichtet, haben die Organisationen zur internationalen Verbrechensbekämpfung, darunter Interpol, davor gewarnt, dass die G-7 (Gang of 7) an diesem Wochenende den bislang umfangreichsten Steuerzahler-Raubüberfall ausgeheckt hätten. Die G-7, so hieß es, sei eine berüchtigte Bande von internationalen Finanzbetrügern, Fälschern, Kredithaien, Ponzi-Schwindlern, Wechselgeld-Unterschlagern, illegalen Spekulanten und Rentenklau-Gangstern. Es liegen detaillierte Pläne vor, aus denen hervorgeht, mit welchen betrügerisch-propagandistischen Maßnahmen die Regierungen dieser Welt erpresst werden, um ihren Bankerkumpels Hunderte von Milliarden* Dollar und Euro zuzuschieben, und zwar als Lösegeld dafür, dass sie andernfalls mit der völligen Zerstörung des internationalen Finanzsystems und damit der weltweiten Wirtschaft zu rechnen hätten.*(es könnte sich auch um Billionen handeln)
Komplett euphorisiert von so viel Realitätsverlust starten wir nun den Tag mit angemessener Rock'n-Rubel-Roll-Musik:
Samstag, 31. Juli 2010
Positives Signal
Irgendwie kapiere ich die Mittelschicht nicht. Liegt vielleicht daran, dass ich mich dort nicht mehr so auskenne wie früher mal. Ich hör' da Sachen und les' da Sachen, da schlackere ich nur noch mit den Ohren. Schrumpft die Mittelschicht jetzt oder schrumpft sie nicht? Falls sie schrumpft, wo schrumpft sie dann hin? Hat sie Abstiegsängste oder hat sie keine? Macht sie sich gut oder macht sie sich was vor? Geht's ihr schlechter oder noch schlechter? Was denn jetzt? Gut geht's ihr, lese ich heute mal wieder:
Studien zeigen, dass die Polarisierung zwischen Arm und Reich weiter wächst. Die bestehende Mittelschicht hält sich aber recht gut. Sorgen bereitet eher die zunehmende Unterschicht.und ich weiß auch nicht, warum es mir so vorkommt wie das Pfeifen im Walde; kann aber auch an meinem Kaffee liegen (kaufe neuerdings Unterschichtskaffee).
Doch, der Mittelschicht geht es gut, wirklich, also jedenfalls viel besser als man meinen könnte, gemessen daran, wie schlecht es der Unterschicht gehe, und das sei doch irgendwie beruhigend, vor allem deshalb, weil es der Unterschicht nicht nur schlecht, sondern immer schlechter gehe, und da sei es doch ein erfreuliches Zeichen, dass die Mittelschicht sich einer solchen Stabilität und Prosperität erfreue, nein, sie könne nicht klagen, die Mittelschicht, es hätte sie weit schlimmer treffen können, was heißt schlimm, es habe sie ja gar nicht schlimm getroffen, weit härter habe es die Unterschicht gebeutelt, also jetzt nicht bloß so armutstechnisch, sondern auch rein zahlenmäßig, weil die Unterschicht doch einigermaßen rasant anwachse und in immer kürzerer Zeit immer rasanter anwachse, und da sei es doch erstaunlich, wenn nicht nachgerade tröstlich, dass in der Mittelschicht keinerlei Schrumpfungsprozesse zu verzeichnen, demnach auch nicht zu befürchten seien, und wem das alles, so rein mengentheoretisch gesehen, nicht einleuchten wolle, der habe halt einen an der alarmistischen Waffel, und woher sich die gefräßige Krake Unterschicht letztendlich ihr Futter holt, auf dass sie stetig und womöglich bald exponentiell anwachse, ist uns doch so egal wie Nachbars Pisstopf. Was heißt uns - also denen, die so etwas verzapfen.
Also, ich weiß nicht, wenn ich Mittelschicht wäre, ich würde denen meinen Pisstopf vor die Tür kippen. Und würde vorher bei meinem Nachbarn klingeln und ihn fragen, ob er mitgeht.
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Dienstag, 16. Juni 2009
Dummheit auf Rädern
Katastrophe. Der neue Flaschenboy ist da. Der alte (links) wendet sich mit Grausen.
Der neue hat den Namen Flaschenboy nicht verdient. Kein Mensch nennt ihn so, alle sagen "das Ding" zu ihm. Bei Frau Übermop heißt er "das komische Ding", für Mrs. Mop ist er "das dumme Ding". Frau Übermop findet, er sieht komisch aus. Mich interessiert die Optik weniger als die Funktion, schließlich muss ich mit dem dummen Ding durch die Gegend eiern. Anders kann man es nicht nennen. Apropos, das mit den Eierkartons zum Abdichten des (alten) Flaschenboy-Bodens ging natürlich voll in die Hose, um im Bild zu bleiben. Oder halb, um korrekt zu sein: Statt eines gleichmäßigen Rinnsals ließ der Gebrechliche nun lauter unregelmäßige Pfützchen hinter sich. Es war nicht mehr vertretbar. Er musste aufs Altenteil.
Der neue hat den Namen Flaschenboy nicht verdient. Kein Mensch nennt ihn so, alle sagen "das Ding" zu ihm. Bei Frau Übermop heißt er "das komische Ding", für Mrs. Mop ist er "das dumme Ding". Frau Übermop findet, er sieht komisch aus. Mich interessiert die Optik weniger als die Funktion, schließlich muss ich mit dem dummen Ding durch die Gegend eiern. Anders kann man es nicht nennen. Apropos, das mit den Eierkartons zum Abdichten des (alten) Flaschenboy-Bodens ging natürlich voll in die Hose, um im Bild zu bleiben. Oder halb, um korrekt zu sein: Statt eines gleichmäßigen Rinnsals ließ der Gebrechliche nun lauter unregelmäßige Pfützchen hinter sich. Es war nicht mehr vertretbar. Er musste aufs Altenteil.Jetzt also ein neuer. Er ist das Dümmste, was mir je über den Weg gelaufen ist. Er ist ein taumelndes Nichts. Weil er nämlich kein Eigengewicht hat. Oder so gut wie keines. Und damit keine Persönlichkeit. Klingt jetzt für Uneingeweihte vielleicht ein wenig haarsträubend, ist aber so. Ich meine, wenn ich einen (gescheiten) Flaschenboy hinter mir her ziehe, will ich sein Gewicht spüren; ich will nicht spüren, dass da nichts ist. Er kriegt einen kleinen Tritt, dadurch neigt er sein Gewicht meiner Hand entgegen und lässt sich mühelos ziehen (wir reden jetzt nicht von Vulkankratern auf der Straße). Prinzip Hackenporsche eben.
Bei dem neuen spürt man gar nichts. Als ich ihn das erste Mal unten leicht angekickt habe, fiel er einfach um. Rollte nach hinten weg und peng. Ihm fehlt jegliche Statik, oder nennt man das dann schlechte Statik? Während der alte Flaschenboy sich aus jedweder labilen Position immer wieder von selbst zurechtgeruckelt hat (gut, ich musste halt immer so lange warten, aber es hat funktioniert), reagiert das neue Ding in egal was für einer labilen Position immer nur mit einem: Es fällt um. Der alte blieb dauernd stehen, der neue fällt dauernd um. Keine gute Entwicklung.
Wozu der vielen Worte, das Bild oben sagt alles: Man betrachte (links) die breite Radachse und bekommt ein Gefühl für die Stabilität und den tiefliegenden Schwerpunkt des Good Old Boys. Seine Räder liegen weit auseinander und seitlich des Containerbodens. Bei dem neuen Ding stehen die Räder viel enger und unterhalb des Bodens. Kann ja nicht gut gehen. Von der Radqualität selbst will ich gar nicht erst anfangen - ich sage nur: Massivgummi versus irgendein obskurer Hartkunststoff. Letzterer mit null Dämpfungsvermögen beim Rollen über Stock und Stein; obendrein ein krasser Sound, so kratzig-schabend-schauerlich und irgendwie nicht von dieser Welt. Mit welcher ich für heute fertig bin. Weil aus dem bisher so fidelen Flaschen-Rumgekarre ein ganz und gar freudloses Gehampel geworden ist. Aus dem gemütlichen Haustier ein überreaktiver Fremdkörper. Ich hör ja schon auf.
Einer geht noch. Irgendwie sieht man seiner Physis

die Dummheit an, finde ich. Frau Übermop hat wieder mal recht. Architektonisch nachgerade komisch, oder? Ein Riesenkorpus auf zwei winzigen Füßchen. Unsicher auf den Beinen. Erkennbare Tendenz zur Schlagseite. Kann ja nicht gut gehen. Dummes Ding.
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