Posts mit dem Label Dialekt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dialekt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 10. Februar 2013

Hinterm Horizont die Pizza


Mit dem Multitasking ist das so eine Sache. Nämlich keine. Die praktisch veranlagten Schwaben haben dies bereits vor langer Zeit erkannt:
I ka it Kraut hacka, scheißa ond gleichzeitig em Pfarrer d'Hand gäba. 
Äba drom erweist es sich als völlig sinnlos, wenn ich mir einbilde, parallel zum Pizzabacken im Internet ein bisschen kreuz und quer zu lesen würde meinen Horizont erweitern. Gut, die Pizza backt von allein, da lässt sich nebenher ein bisschen was für den Horizont tun, aber halt nur ein bisschen, nämlich genau so lange, bis der Horizont beim Lesen sich zu verdüstern und es aus dem Backofen komisch zu riechen beginnt.

Dieser Punkt ist erreicht, wenn die Pizzabeauftragte - minutenlang und ungläubig staunend - jene Erkenntnis zur Kenntnis nimmt, die ein sogenannter "Sonderbeauftragter der SPD für Griechenland" den krisengeschüttelten Griechen ans Herz legt, um ihnen mit wärmsten Empfehlungen den Weg aus der wirtschaftlichen Patsche zu weisen:
"Ihr müsst Maßnahmen für klarere Strukturen ergreifen. Die Gewerkschaften in Deutschland wirkten mit, als es nötig wurde, dass Reformen und Opfer erfolgen. Das fehlt in Griechenland."
Das hat gerade noch gefehlt: deutsches Erfolgsrezept, das siebenhundertdreiundachzigste, bereit zum Export. Da staunt der Grieche und die Pizza wölbt sich. Die Nasenflügel beben, der Magen knurrt und verlangt nach klaren Strukturen, und wieder mal bestätigt sich der kluge Aphorismus, wonach eine nur leicht verkohlte Pizza im Bauch besser ist als ein schwer horizontales Brett vor dem Kopf der SPD.

Mangiare. Kommen essen. Aber pronto.


Samstag, 19. Mai 2012

Dialektisch nachgeschoben


Der vorige Post schlug nicht nur Frankfurter Wellen, sondern ließ auch manch einheimisches Herz höher und wärmer schlagen.

Gerade erreichte ein fulminanter Solidaritätsbeitrag dieses Blog. Ein Beitrag zu Ehren Adornos, der jenem allerdings dialektisch die Leviten insofern liest, als er (der Beitrag) in Frankfurter Dialekt geschrieben wurde und damit überzeugend belegt, dass es durchaus ein rischdisches Lewwe im falsche geben kann, wenn man sich nur von den authentischen Wurzeln seiner Muttersprache leiten lässt.

Un jedzd uffgebasst, alle wascheschde Frankfodder Bloggupyer:
Hallo Mrs. Mop,

wollte eine kurze Meldung der weiteren Frankfurter Sicherheitszonen (mir werd ganz warm ums Herz dabei) vermelden.

Der gesamte Hauptfriedhof ist umstellt.

Etliche tausend Polis aus dem gesamten europäischen Raum haben den Hauptfriedhof umstellt, um kommunistische und anarchische Umtriebe auf dem Symbolacker Frankfurter Tüchtigkeit zu verhindern.

Hatte gerade (Freitag 23:30 Uhr) die gewandete Grabplatte meines alten Freundes Adorno mit schwarzem Trauerflor umkränzt (feinste chinesische Seide) und auf dem Kirschlorbeer ein klein wenig guten Bordeaux geträufelt (den Rest gab ich mir selber), wollte gerade mit meiner kleinen Ansprache beginnen, - wumm, wie früher beim Holger - paar auf die Ohren und dann im Polizeigriff auf die Erde resp. auf den Adornoschen Grünbewuchs.

War fast schon chaotisch (also, der Bulle war durchaus unter seiner Rambouniform als erheblich lecker einzustufen - OK, er war extrem doof), aber auf dem Bauch über meinen Adorno gezerrt zu werden - wer wiederholt das mit mir?

Dann die ganze Nacht im Warmen verbracht - Notevakuierung im Keller des Krematoriums - da kam doch ein film 1944... (hach, mei Gedange) - und dann habbe se misch behandeld - abber nur mit de Kamera und dem Fingerscanner (uffreschend - beim Holger gab's noch die eklische Stempelkisse für die Finger) und dann de Abgleisch in de Daadebank.

Na, was glaabsde, von wesche Daadelöschung! Widder emal dabei - un noch immer Volksfeind! - mer könnt fast schon stolz druff sei.

Un jedzd bin isch dehaam - hab mer schon die blaue Flegge eigschmiert und de Arm verbunne und die Klamodde gefliggt - die Bullebuube aus Mek-Pomm habbe sich aach endschuldischd - glaab isch - isch habs abber ned verstanne - weschem Dialeggd - mescht abber nix - bin durch die Konfrontation mit der Staatsmacht (die sinn des Volk - eedsch!) mindestens 20 Jahre jünger geworden - hach wie schee - des is e Geschefdsidee für alde 68er!

Andi-Edsching - brifaad geblescht! - un im Luxusbus von Demo zu Demo - mit schbanische Dabbas un Flamengo bei de Schpanientur - huch - was e Idee - un Raki und des ganz grischisch Zeusch im Luxusbus nach Athen - mir mache schnell Andi-Edsching-Reiseagendur uff!

Jedzd abber zurück zum Thema:

Isch hab des nur geschribbe, demit Se die aale Leut warne duhn, die uff de Friedhof wolle.

Ned schwarz abziehe wesche dem Vermummungsverdacht - un kaa Handdasche wesche de Waffe im Plasdigdeschje - un kaa Blumme - kennt mer ja aach als Waffe benudze - un net heule, die denge doch, die Omma heult übber die verlustisch Demogradie!

Un so en aale Gnoche is mit so em moderne Schlachschdock schnell gebroche!

Abber mer muss sisch kaa große Gedange mache - die Station Hauptfriedhof ist natürlich auch öffentlich gesperrt - da hält kei U-Bahn mehr - vielleischd nii mehr?!

Ich habe gemerkt, dass sich der alte Gööde immer mal wieder in meine Gedanken schleicht - der hed aach die Bulle geruffe, der aale Sack! - und meine Muttersprache übernimmt - das kommt von der Aufregung und ist keinesfalls Absicht.

So - das wollte ich Ihnen noch auf den Weg geben zu Ihrer hoffentlich stattfindenden Demo heute im Herzen der Stadt von Freiheit und Liberalität!

Es grüßt Sie herzlich
...
Ich danke dem Schreiber für die warmen Worte aus dem Herzen und der Babbelschnut Frankfurts, kriege vor Lachen immer noch kaum Luft und mach misch jedzd uff de Wesch, um zu gugge, wieviel in dieser Stadt noch an Freiheit und Liberalität übrig geblieben ist.

Ei, mer wern des Demoding schon gewubbt krieje, eschndwie, gelle.


Von falschen Gefahren im richtigen Leben


Wenn der Wahn sich organisiert, wird die Hysterie zur Methode.

Gestern spät abends ist es der Frankfurter Polizei endlich gelungen, den wahren - bislang nur im Verborgenen operierenden - Brennpunkt revolutionärer Umtriebe zu lokalisieren, einzukreisen und daraus das Recht abzuleiten, alle sich dort herumtreibenden verdächtigen Personen (also alle) zu durchsuchen: Die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität (alter Campus Bockenheim) wurde offiziell zur "Gefahrenzone" erklärt.

Mit Grausen soll der alte Herr sich abgewendet haben -


- nicht ohne vorher ein angemessenes Grußwort zu hinterlassen:

wie kann nor e Mensch so hysterisch sei?

Bereits in der Nacht war ein fernes unterirdisches Rumpeln zu vernehmen: Ein paar weitere alte Herrschaften sollen sich geräuschvoll im Grab umgedreht haben. Es wird gemunkelt, dabei handele es um die Herren Adorno und Horkheimer, die sich im Untergrund gezankt haben, ob das mit der "Gefahrenzone Frankfurter Universität" als Beleidigung oder als Auszeichnung zu verstehen sei. Immerhin ist der Bockenheimer Universitätscampus die geistige Heimat der berühmtesten Frankfurter Schule.

Während Adorno, leicht eingeschnappt, gemäkelt haben soll, die Frankfurter Polizei dürfe im Jahr 2012 nicht einfach auf der ehrwürdigen Tradition des magischen Geländes herumtrampeln (dabei großzügig ignorierend, dass er selbst, Adorno, bei einer studentischen Institutsbesetzung die Polizei zu Hilfe gerufen hatte), versuchte Horkheimer ihm gut zuzureden, alles nicht so eng zu sehen: Mensch, Adorno, bleib locker, 'Gefahrenzone Kritische Theorie', was Besseres kann uns posthum doch gar nicht widerfahren!

Was von Adorno - der schon immer schwer davon zu überzeugen gewesen war, es könne ein richtiges Leben im Falschen geben - mit kritisch-theoretischem Kopfwiegen beantwortet wurde, worauf es Horkheimer zu dumm wurde, er kurzen Prozess und eine Flasche Sekt auf machte, dem ewigen Zweifler an seiner Seite in die Rippen boxte und ihm zurief: Das müssen wir feiern!

Und das taten die beiden dann auch geräuschvoll heute Nacht und ließen es unterirdisch richtig krachen, nicht ohne den oberirdischen, sich in der Gefahrenzone des falschen Lebens befindlichen Frankfurter Aktivisten einen angemessenen Trinkspruch zu hinterlassen:
Ei es will uns net in de Kopp enei,
wie kann nor e Mensch net von Blockupy sei!

Dienstag, 8. November 2011

Am Hintern knapp vorbei


(*klickBild* macht groß)

Mit der Rechtschreibung ist das so eine Sache.
Mitunter erwischt sie einen voll von hinten.
Dann aber richtig.
Nur an der falschen Stelle.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Schnauze voll



So sagt der Frankfurter, wenn er die Schnauze gestrichen voll und das Gefühl hat, jetzt muss er endlich etwas tun gegen das, was ihn schon seit langem stört.

"Ebe grad langt's" - steht am Eingang zum Camp #occupyfrankfurt, neben unzähligen weiteren Slogans, auf Kartonpappen gepinselt, auf Wäscheleinen geklammert, an Zeltwände geklebt, auf T-Shirts gedruckt, um den Hals getragen, auf Bänke gestrickt, über Bankern hängend, an Müllcontainer gepappt, von Hunden geschleppt und und und:


"Ebe grad langt's" ist mit Abstand der beste aller Slogans. Weil er den Status quo des Camps ebenso treffend ausdrückt wie das Engagement der vielen Frankfurter Bürger, die mit Geld-, Lebensmittel- und Sachspenden ins Camp strömen, das Gespräch suchen, mit Nachdruck ihre Solidarität äußern, tatkräftig Hand anlegend Unterstützung anbieten und mit Vehemenz kundtun, dass sie die Schnauze gestrichen voll haben.

Von knallharter Systemkritik ("Mer mache des Scheißspiel net mehr mit!"), kristallklaren Positionierungen ("Wenn mer jetzt nix unnernemme, werd's bald zabbeduster!"), messerscharf reinen Tisch machenden Forderungen ("Des Finanzkabbidal geheert uff de Mond geschosse!") bis hin zu unmissverständlichen revolutionären Bekenntnissen ("Ei, mer gehe jetzt uff die Barrikade!") ist auf dem Platz alles zu hören, was so e rischdisch indigniertes Frankforder Schlappmaul alles in peddo hat.

Heute gab einer am Küchenzelt einen Kanister voll wärmespendenden Glühwein ab mit den kraftspendenden Worten: "Isch mescht, dass ihr denne ordentlisch einheize duht!", wobei er offen ließ, wen er mit "denne" meinte, aber wir haben ihn, glaube ich, verstanden. Beim Weggehen rief er: "Lasst eusch bloß net unnerkrieje, is des klar?", wir brüllten: "Klar!", er stapfte davon, drehte sich nochmal um und rief: "Morje bring isch e neue Kanistä!" und wir waren uns einig, dass Frankfurt nicht nur die Metropole des Finanzkabbidals, sondern auch die der Revolution sein wird. Ebe grad langt's.

Freitag, 15. April 2011

Guggst du Eier oder was


Wer jetzt denkt, hier sei ein exterrestrischer, des Deutschen ebensowenig wie des Englischen mächtiger Ostereiersucher unterwegs, denkt falsch.


Rischdisch is', dass hier der Angestellte einer Stadtreinigung aus dem Hessischen auf Streife geht. Selbstauskunft: "Isch gugg in alle Egge, ob's uff de Gass auch rischdisch sauber is." Also Frühjahrsputz? "Naa, des nennt sisch Kwalidädssischerung."

Sonntag, 6. März 2011

Zugluft



De Zoch kütt, sagen die in Köln um diese Jahreszeit, glaube ich.

Das muss man sich so vorstellen: Man geht durch den Zug und denkt nichts Böses, und plötzlich kütt de Zoch an einem vorbei. Einfach so.

Dann kütt der nächste Zoch und dann noch ein Zoch, und vor lauter Züchen - oder sagen die im Rheinland Zöchen? - kommt man überhaupt nicht mehr zum Zug. Wenn sich das dann aufs Bloggen niederschlägt, spricht man von einem Entzuch.

Halt nein, in dem Fall muss es wohl Entzoch heißen. Oder so.

Freitag, 29. Oktober 2010

Aufs Brot geschmiert


"Und was kochst du heute?" werde ich oft von Frau Übermop gefragt.

Die Frage überfordert mich komplett, denn in aller Regel habe ich am Vormittag noch keinen blassen Schimmer, was ich nachmittags oder abends kochen werde. Anders Frau Übermop: Sie plant im voraus. Ich weiß seit vorgestern, dass es bei Übermops heute abend Kohlrouladen (legendär!) geben wird. Auch ist mir seit Tagen bekannt, was Frau Übermop am Samstagmittag auftischen wird, nämlich "nichts Besonderes, nur Kartoffelsalat (preisverdächtig!) mit Würstchen".

Ich selbst dagegen fange frühestens auf dem Fahrrad so gegen halb zwölf an, darüber nachzudenken, worauf ich heute Lust hätte. Was Frau Übermop in den Morgenstunden nicht davon abhält, mir die Frage stets aufs neue zu stellen. "Keine Ahnung", antworte ich dann stets aufs neue, und stets aufs neue schüttelt sie verständnislos den Kopf.

Heute fragte sie wieder. Statt "Keine Ahnung" sagte ich: "Nichts", weil mir sonnenklar war, dass ich heute bestimmt nichts kochen würde, denn gestern habe ich einen Wahnsinnslaib von einem Vollkornbrot gebacken, auf das ich mich schon den ganzen Morgen freute. Aha, meinte Frau Übermop, "also von hinten durch die kalte Küche", ein merkwürdiger Ausdruck, den ich weniger mit einer anständigen Brotzeit als vielmehr mit schwarzgelbem Getrickse assoziiere. Was ich aber für mich behielt. Erstens aus Prinzip und zweitens, weil das Telefon klingelte.

Frau Übermops Mann war dran. Wenn die beiden sich unterhalten, verstehe ich gemeinhin Bahnhof, weil Dialekt oder besser gesagt: Platt. Tiefstes, unkodierbares Platt. Fremdsprache mit sieben Siegeln. Satzkonstruktionen, die meine Ohren schlackern lassen, sofern ich überhaupt erfasse, worum es geht. Einen Satz verstehe ich inzwischen, weil er regelmäßig am Ende jedes Telefonates erfolgt; dann sagt Frau Übermop nämlich zu ihrem Mann: "Bring was für zum Kaffee mit!" Alles klar? Was. Für. Zum. Kaffee. Was sonst. Ein paar Stück Kuchen eben oder sonst irgendwas für zum Kaffee.

Auch heute trug sie, bevor sie den Hörer auflegte, ihrem Mann auf, was für zum Kaffee zu besorgen, und automatisch fing ich an zu überlegen, was ich noch besorgen könnte, um was für aufs Brot zu haben. Denn darum geht es ja: Wer ein gutes Brot hat, braucht was Gutes für aufs Brot. Versteht doch jeder. Ich stellte mir vor, wie ich an der Käsetheke stehen und zur Verkäuferin sagen würde: Ich brauch' was für aufs Brot. Kein Problem, würde die Verkäuferin erwidern, brauchen Sie vielleicht auch noch was für untern Käse, ein Brot zum Beispiel? Oder so.

Später fragte mich Frau Übermop in astreinem, fast steril klingendem Deutsch: "Und, was gibt es aufs Brot?" Keine Ahnung, gab ich bedauernd zurück - wo ich mich doch eben erst an das folkloristische Was für aufs Brot gewöhnt hatte. Es sollte aber noch besser kommen. Als ich um elf Uhr meine Sachen zusammengepackt hatte und bereits unter der Tür stand, rief sie mir nach: "Vergiss nicht, du brauchst noch was für zum aufs Brot!" Genau. Was, zum Teufel, brauche ich? Was für zum aufs Brot. Werde ich mein Lebtag nicht vergessen.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Waka Waka


War nix mit Wodka Wodka. Es muss heißen Waka Waka. Ein übellauniger Zeitungskommentar hat mich zur Feinrecherche angetrieben.

Der Kommentator lässt an nichts ein gutes Haar, weder an Sängerin Shakira (wird als hüftwackelnde Jodeltante gedisst), noch an WM-Maskottchen Zakumi (mit "shakirahaftem" Grinsen, schon mal disqualifiziert), noch an Zakumis Hose (was braucht der eine Hose, "unser Goleo" hatte doch auch nichts an, und überhaupt, wieso ist es in Afrika so kalt?), noch an dem afrikanischen Text des Songs (wieso wird einem der nicht kaufertig übersetzt serviert? Zumutung!), noch an der kriegerischen Tradition des Liedes (kamerunische Scharfschützen! Haben so was Ähnliches im Weltkrieg gesungen! Geht gar nicht!), und dann auch noch "geklaut" bei dubiosem militärischem Liedgut (geklaut - ja, dürfen die das?).

Mann, hat da einer miese Laune. Muss wohl an letztem Freitag liegen. Oder an heute Abend. Welchen ich in einem ghanaischen Biergarten verbringen werde, auf deutschem Boden, versteht sich.

Es gibt eine kenntnisreiche Seite im Netz mit allem Wissenswerten rund um den Song, die Lyrics sowie den beteiligten Dialekten, einschließlich detaillierten Übersetzungsvorschlägen. Am umwerfendsten finde ich das Kapitel über die Herkunft des Songs aus dem kamerunischen Militär: Anscheinend diente das Lied parodistischen Zwecken, indem es gewisse militärische Protagonisten verarschte, weswegen es über viele afrikanische Ländergrenzen hinweg überaus popoulär war. Sehr, sehr lustig. Der sauertöpfische Zeitungskommentator hätte das mal lesen sollen, bevor ihn die Nörgelei übermannte.

Waka Waka heißt übrigens so viel wie Just do it. Man möchte ja wissen, was man da den ganzen Tag so singt.

Update 23:14 Uhr:
Unfassbar. Die verlieren und feiern Party wie die Wilden. Viel Reggae, gemäßigter Vuvuzelaeinsatz, Diski Dance im Hinterhof. Bombenstimmung. Und ich ohne Kamera.
In meinem Stadtteil feiern sie auch, aber eher nicht wie die Wilden. Da sitzen fast alle in ihren Autos und fahren mit gedrückter Hupe. Mächtig was aufs Ohr. Die nicht in ihren Autos sitzen, stehen auf ihren Balkonen und blasen Vuvuzela. Was fast ein bisschen schweizerisch-alphornmäßig aussieht und das geplagte Gehör noch mehr herausfordert. Sie feiern den Sieg der deutschen Mannschaft.
Was haben die Ghanaer eigentlich gefeiert? Keine Ahnung, Party halt.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Bubble Trouble


Keine Ahnung, was zur Zeit los ist, vielleicht liegt es auch am Wetter, jedenfalls geht es Schlag auf Schlag mit den kreativen Wortverdrehern. "Am Tresen ist Bubligum für dich!" Publikum? Am Tresen? Für Mrs. Mop? Lässt die sich - rampensaumäßig drauf, wie sie ist - nicht zweimal sagen und wetzt zum Tresen, bereit zum Bad in der Menge. Unterwegs wundert sie sich noch über Frau Übermops merkwürdige Phonetik, denn dass Frau Übermop nicht aus Sachsen stammt, so viel steht fest. Sollten etwa unbekannte Fans aus Sachsen angereist sein? Bubligum am Dreesn. Nu. Mol guggn.

Dann am Tresen nix gewesen, außer Kaugummi.

Mitunter kann so ein Tresen - entgegen seiner natürlichen Bestimmung - ganz schön ernüchternd sein.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Nu, mir gomm


Gefunden in meiner neuen Nachbarschaft.
Und das obwohl, ich schwöre es,
ich nicht nach Sachsen gezogen bin.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Müllabfuhr unplugged


Wer bringt den Müll raus? Natürlich Mrs. Mop. Wer haut dabei im Hof gern auf die Deckel der leeren Mülltonnen, weil dann so ein schön dumpf-dunkles Wummm erklingt in der unschön dunkel-dumpfen Morgenfinsternis? Mrs. Mop, wer sonst. Wenn nun sage und schreibe vier Müllträger auf vier Mülltonnen dumpf-dunkel rumwummern, dann, na klar, freut sich Mrs. Mop einen ab.


He du da heißt das afrikanisch inspirierte Stück. Die perkussive Begleitung kommt ausschließlich aus der Tonne. Jede Tonne klingt anders. Jeder Trommler trommelt seinen eigenen Rhythmus. Alle vier zusammen wummern und grooven, dass es einen aus der Tonne hüpfen lässt.
Der Song handelt - wovon wohl - von der Müllentsorgung. Und zwar von der kompletten Prozesskette oder: wie die häusliche in die öffentliche Müllhalde überführt wird. In einfachen Worten, leicht verständlich. Beim ersten Hören der zweiten Strophe verstand ich folgendes:
Hey Mama!
Hey Mama!
Hey Mama!
Mülleimer voll, Mama, Müll in die Tonne.
Mülleimer leer, geht er wieder zurück.
Nanu, dachte ich mir, schnöselt sich da einer durchs Hotel Mama? Lässt sich durchpäppeln, bringt noch nicht mal den Müll raus und singt darüber auch noch? Es stellte sich dann aber als ein dialektbedingter Hörfehler heraus; wenn ein Sänger aus dem norddeutschen Kiel ma ma singt, muss nicht unbedingt die Herbergsmutter gemeint sein. Vielmehr will uns die Müllcombo sagen: 'Mach mal Müll in die Tonne'. Wenn man es erst einmal versteht, ist der Song sehr witzig. Die bunten Klangkörper sind es sowieso. Müllabfuhr unplugged. Zum Abfahren.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Auf dem Lokus sitzt ein Jokus


Ja, ist denn das die Möglichkeit? Die Brombeeren reifen!
Wieso tun die das? Die dürfen das doch noch gar nicht, jetzt, Anfang Juli. Sondern frühestens im August. Als relativer Brombeerbanause habe ich mich bei Experten rückversichert; tatsächlich, es heißt, die Früchte könne man von August bis Oktober ernten.
Ich erntete heute, am 9. Juli: reif, süß und vollmundig, mit leicht pelzigem Abgang.
Immer noch erstaunt über die frühreifen Früchtchen, kam ich auf den Recherchetrip. Man glaubt es kaum, wieviele unterschiedliche Dialektausdrücke es für die Brombeere gibt. Der beste von allen kommt unzweifelhaft aus Schlesien. Die Leute dort sagen statt 'Brombeere' ein Wort, das man in meiner Region höchstens zur Bezeichnung eines hirnamputierten Vollkoffers verwendet: Brombeere heißt auf schlesisch - echt jetzt, ohne Scherz - 'Arschbeere'. Arschbeere! Hat man Töne? Hat man keene. Ich rief einen Freund mit ausgewiesener Dialektobsession an und fragte ihn, was er, ohne nachzudenken oder nachzuschlagen, unter Arschbeere verstünde. Er wollte sich vor Lachen gar nicht mehr einkriegen und antwortete: Ganz klarer Fall, das müsse ein umgangssprachlicher Ausdruck für 'Hasenköttel' sein. Der Freund ist Hamburger und sprach das Fremdwort aus wie 'Hasenköddl', was mich an 'Brunsbüddl' erinnerte, wo der Freund längere Zeit gelebt hat. Wie, Köddl?, fragte ich, was das denn sein solle? Er klärte mich über die etymologische Verwandlung von 'Kot' in 'Köttel' auf. Aha. Wieder was gelernt. Ich meinerseits nenne die fragliche Absonderung 'Hasenknödel'.
Wie das dann so ist, der schlesische Arschknödel ließ mir keine Ruhe, ich graste das Guugel-Universum genauso systematisch nach Brombeeren ab wie heute mittag die wildwuchernde Hecke. Und wurde abermals fündig, ausgerechnet bei einem bekannten Onlinewarenversender. Der bietet allen Ernstes einen Klosettsitz namens 'Brombeere' an für schlappe 37,95 Euro, mit der Produktbeschreibung 'sehr kratzfest'. Ich betrachtete melancholisch meine Unterarme, die von der Brombeerhecke sehr feste zerkratzt worden waren. Dachte an die schlesische Arschbeere, wie sie sich wohl auf dem Brombeer-WC-Sitz machen würde. Und kam zu dem Schluss, dass etwaige Analogien mit dem gestrigen Blogbeitrag rein zufälliger Natur wären.