Dienstag, 11. Mai 2010

Besuchszeit


Gestern fand ich es ja ganz nett, bei Mrs. Mop auf Besuch zu sein; also dachte ich, schaust du heute nochmal bei ihr vorbei. Sie hat mich gleich gefragt, ob ich immer noch fast glücklich sei, was ich ehrlichen Herzens bejahte. Wie es denn um ihr Wohlbefinden bestellt sei, wollte ich wissen. Mrs. Mop seufzte tief und antwortete, urlaubsreif sei sie. Überarbeitet. Müde. Schwere Beine. Kann ich gut verstehen, das mit den schweren Beinen. Trotzdem schien mir, als ob ich deutlich leichtfüßiger durchs Lebens gehe als die geplagte Mrs. Mop. Leider, fuhr sie fort, habe sie kein Geld für Urlaub. Kann ich auch gut verstehen, ich habe auch keines. Ist mir aber egal momentan.

Um sie aufzumuntern, fragte ich sie nach einer Anekdote aus ihrer Gastrowelt. Statt einer Antwort kam ein unwilliges Grunzen. Dazu hob sie den linken Mittelfinger senkrecht in die Höhe, was ich schon missverstehen wollte, aber sie brummte nur, sie habe sich heute im Kühlhaus den Finger an einer gefrorenen Gänsekeule verstaucht. Und überhaupt, brummte sie weiter, wenn sie schon jeden Tag arbeiten müsse wie ein Pferd, müsse sie nicht auch noch abends einen vom Pferd erzählen, sondern wolle ihre Ruhe haben. Kann ich sehr gut verstehen.

Ich könne aber gern jederzeit hier vorbeikommen, meinte Mrs. Mop dann, sie freue sich über meinen Besuch. Das bringe sie auf andere Gedanken. Na klar, habe ich gesagt, mache ich gern. Morgen komme ich wieder.

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