Montag, 10. Januar 2011

Schirmherr


Hey, auf Jobsuche ist man immer dankbar für Impulse von außen; also Anregungen für Jobs - und seien diese noch so durchgeknallt -, auf die man selber nie im Leben gekommen wäre.

Walking in the rain: Claudia Schiffer

Hier ein besonders attraktives Beispiel aus der Kategorie: Was des einen Luxus, sei des andern Broterwerb. Bekanntlich ist den Reichen und Schönen dieser Welt nicht alles zuzumuten, was für den Normalsterblichen eine Selbstverständlichkeit ist, und dazu gehört nun mal das Tragen eines Regenschirmes. Ein Regenschirm? Gibt es Entwürdigenderes als sich selbst vor dem hässlichen Schmuddelwetter abzuschirmen? Wo es doch essentiell Wichtigeres zu tragen gibt als einen schnöden Regenschirm, beispielsweise die Handtasche im XL-It-Bag-Format und den Kaffeepappbecher im XL-Starbucks-Format, mit dem in der Hand sich der Umwelt so trefflich signalisieren lässt, dass man selbst auch zu denjenigen gehört, die, nun ja, ständig unterwegs und irgendwie busy sind.

Wem solcherart beladen die motorische Koordination fehlt, einen Schirm aufzuspannen und - Gott behüte - auch noch zu tragen, der braucht eben einen Schirmherrn. Und wenn er (oder sie, ist ja egal) findet, dass er damit immer noch nicht bescheuert genug aussieht, kann er sich ja problemlos einen zweiten Dienstboten anheuern zum Schleppen eines Kaffeebechers. Und sich drittens zugute halten: Schiffer schafft Arbeitsplätze. Ich geh' schon mal mich bewerben.

Samstag, 8. Januar 2011

Schillernde Zeit



Eins steht fest: Jobsuche essen Zeit auf.

Wenn es nur die Zeit wäre - nicht nur die Zeit, sondern auch das Zeitgefühl ist kurzzeitig auf der Strecke geblieben. Zu meinem großen Erstaunen habe ich grade eben festgestellt, dass bereits Samstag ist, und hätte doch beschwören können, dass heute Freitag ist. Wo ist bloß dieser eine Tag geblieben?

Wenn es nur der Tag wäre - nicht nur der Tag, sondern das Gefühl für Jahreszeiten hinkt gewaltig hinterher. Seit heute früh frage ich mich: Wo ist bloß der Winter geblieben? Ich saß auf dem Fahrrad und musste absteigen, um mir ein paar viel zu warme Klamotten vom Leib zu reißen, sonst hätte mich ein frühlingshafter Schweißausbruch ereilt. Stieg also ab, lehnte das Rad an eine gerade herumstehende Litfaßsäule, warf Mütze, Schal, Handschuhe sowie Anorak von mir und dabei einen Blick auf den dicken runden Werbeträger, wo in dicken bunten Farben ein Volksmusikkonzert angekündigt wurde.

Inmitten all der volkstümelnden Buntigkeit klebte, notdürftig drangepappt, ein ehemals weißes, inzwischen reichlich verschmuddeltes Din-A-4-Blatt. Auch dieses schien sich irgendwie ans Volk zu richten, wenn auch anders - je nachdem, wie man Volk definiert. Offenen Mundes blieb ich stehen und las. Las einmal, zweimal, dachte nach über das, was ich las, las ein drittes Mal, während die Zeit verstrich, ich sie vergaß, aus ihr herausfiel und vermutlich just zu diesem Zeitpunkt den Samstag zum Freitag machte, ohne es zu merken.

Nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit fing ich an, das Blatt von der Litfaßsäule abzupuhlen. Teils aus Mitleid, denn das Dokument mit dem Text aus einer anderen Zeit hätte den nächsten Regenguss bestimmt nicht überstanden, jedenfalls nicht so heil, dass irgend jemand aus dem vorbeilaufenden Volk es noch hätte entziffern können. Teils aber auch aus dem Bedürfnis, die Zeit für einen Augenblick anzuhalten, und sei es nur, um jenen Augenblick festzuhalten, in dem ich die Zeit aus den Augen verloren hatte.

Außerdem, so ein Blog ist ja auch eine Art Litfaßsäule, irgendwie. Passt.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Pinguin Rock



Das Pinguinthema hat mich nachhaltig im Griff und da trifft es sich gut, dass derzeit die Pinguine ihrerseits die Medien fest im Griff haben.

Ist doch am ersten Tag des neuen Jahres ein Pinguinwinzling (drei Monate alt) aus dem Pinguingehege des Münsteraner Zoos ausgebüxt - einfach so, war halt neugierig, immer nur Pinguine ist ja auch langweilig, hat er sich gedacht, geh' ich mal ein bisschen bummeln. Schlenderte über das Zoogelände, hielt sich zunächst brav an die Besucherwege, bis ihn auch dies langweilte, schlug sich querfeldein und landete nach einigen sportlichen Sprüngen über aufgetürmte Schneeberge auf dem Eis des Löwengrabens, was die dort ansässigen Löwen allerdings kalt ließ, weil es ihnen an dem Tag zu kalt war, ihr gemütlich beheiztes Löwenhaus zu verlassen. Na gut, dachte sich der Pinguin, bleib' ich halt im Löwengraben hocken und warte, ob was Interessantes passiert.

Einen Tag lang passierte gar nichts, aber Pinguine sind ja bekanntlich geduldige Tiere und verstehen etwas von sturem Aussitzen und siehe, am zweiten Tag des neuen Jahres passierte etwas höchst Interessantes: Von einem Tierpfleger wurde eine größere Menge Heringe auf den zugefrorenen Löwengraben geworfen, und zwar so interessant drapiert, dass der verfressene kleine Pinguin mampfend den Weg zurück in seine heimatlichen Gefilde fand.

Dort wurde er mit großem Hallo von seinen Kollegen empfangen und alsdann gebührend gefeiert. Die legten nämlich eine ordentlich krachende Musik auf und riefen: Los, erzähl uns, was du bei den Löwen drüben erlebt hast! Das ließ sich der Heimkehrer nicht zweimal sagen, rockte einen ab, dass die Eisschollen nur so wackelten und alle Pinguine waren sich einig, dass sie etwas so Interessantes noch nie erlebt hatten.



Mittwoch, 5. Januar 2011

Olé


Neulich an Weihnachten ist ja in einer Nacht- und Nebelaktion der New Yorker Wallstreetbulle mit buntem Neongarn behäkelt worden und präsentierte sich etwa zwei Stunden lang in einem etwas, hm, entmännlicht wirkenden Look. Wer das Vieh in derselben Nacht wieder entblättert hat, ist bis heute ungeklärt.

Dafür gibt es nun ein Video der in New York lebenden polnischen Straßenkünstlerin Agata Oleksiak (alias "Crocheted Olek", soviel wie "Häkel-Olek"). Es zeigt - in Kurzform - die etwa zweistündige nächtliche Verkleidungsprozedur des charging bull. Olé.


Montag, 3. Januar 2011

Pinguin Hop


Darf ja wohl nicht wahr sein. Grade gehe ich auf meinen frisch geschippten Megabalkon und was ist? Es fängt schon wieder an zu schneien. Oh, wie mich das nervt. Oh, was würde ich mich freuen, wenn es mich nicht so nerven täte. Oh, was würde ich mich freuen, wenn ich ein kleiner Pinguin wäre, der sich über tanzende Schneeflocken freut. Doch ach, weil ich kein kleiner Pinguin bin, denke ich: Mist verdammter, wieso hast du vor zwei Stunden die Schneeschippe in den Keller getragen?


Wie ich das Video so angucke, zum aber-x-ten Mal, steigt aus dem Morast meines Unbewussten ein altes Kinderlied empor, und das geht so:
Pinguine, Frau und Mann,
haben Frack und Hosen an,
darum, ohne Unterschied,
gilt für alle dieses Lied.
Weiter weiß ich leider nicht mehr. Nur, dass ich gerade einer Art Pinguin-Job auf der Spur bin. Statt nur dumm rumzustehen, sollten die übrigen dumm rumstehenden Pinguine mir gefälligst die Daumen drücken. Finde ich. Obwohl ich natürlich weiß, dass Pinguine keine Daumen haben. Bin ja schon groß. Trotzdem.

Sonntag, 2. Januar 2011

Lebkuchen-Slums



Jetzt, wo allmählich der Appetit auf Stollen, Spekulatius und Co. vergangen sein dürfte,


...der Christbaum zu nadeln anfängt und die neue Digitalwaage zum Einsatz kommt,


...kann man ja mal einen Blick in die weniger appetitlichen Wohngegenden riskieren.


Samstag, 1. Januar 2011

Neujahrspurzelbäume


In diesen Tagen kann ich mich freuen wie ein Kind, wenn aus dem Nichts plötzlich Neujahrswünsche hereingepurzelt kommen, die so ganz anders sind als...die gängigen Neujahrswünsche eben.
"The kids love to dance. And the only thing they love more than dancing is showing off their dancing skills. Enjoy this video of the kids busting some moves and wishing everyone a very happy holiday."
Der beste Wunsch kommt ganz am Schluss dahergepurzelt.


Shanti Bhavan is a home and an exceptional school for economically and socially disadvantaged children. It is located near the village of Baliganapalli in rural Tamil Nadu, one hour outside of Bangalore.

The mission of Shanti Bhavan is unique and amitious - to develop children of deprived backgrounds into leaders of society through excellence in education and their holistic personal development.