Sonntag, 16. Mai 2010

Der Handtuchroboter


So ein Umzug zieht sich. Es irrt gewaltig, wer denkt: Tag X, Kisten rein in LKW, Kisten raus aus LKW, fertig ist der Umzug. Nix ist fertig. Chaos herrscht. Denn die Kistenware muss ja wieder ausgepackt und in die Schränke reingepackt werden. Es quellen mir unvorstellbare, nicht endende Wäsche- und Klamottenberge entgegen. Woher kommt das ganze Zeug? Von mir. Unfassbar. Noch dazu muss das meiste von dem Zeug neu zusammengelegt werden: Ich hatte es irrtümlich für eine gute Idee gehalten, zum Beispiel das Geschirr schützend in T-Shirts einzuwickeln. Jetzt ist das Geschirr heil und die T-Shirts mehr Kraut als Rüben. Also neu falten und zusammenlegen, was das Zeug hält; eine selten öde Beschäftigung. War eine schlechte Idee.

Dafür hat jemand anderes eine ausgeprochen gute Idee gehabt. Der hat einem kleinen gelenkigen Roboter Leben eingehaucht und ihn so programmiert, dass das Roböterchen Handtücher aller Art und Größe erkennt und penibel zu sauberen Rechtecken faltet. Es geht dabei durchaus sensibel zu Werke, betrachtet jedes Handtuch mit buddhistischer Geduld, dreht, wendet, dehnt es, wägt ab und entscheidet sich dann für die passgenaue Faltmethode. Ich könnte dem elektronischen Falter stundenlang zuschauen; bei ihm sieht das gar nicht öd aus. Am eindrucksvollsten finde ich das sorgfältige Glattstreichen jedes gefalteten Handtuches. Fast liebevoll und irgendwie mit Hingabe. Was ich von mir beim Falten nicht behaupten kann.

via kottke

Ach, wenn der Robot mir wenigstens meine Handtücher zusammenlegen würde. Und ich dürfte ihm dabei zuschauen. Das Leben wäre schön.

Samstag, 15. Mai 2010

Bürgermeisternähe



Es wohnt jetzt mächtig viel Lokalprominenz in meiner Nachbarschaft.

Freitag, 14. Mai 2010

Alles nach Plan


Volltreffer gestern abend.


Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.
Colonel John 'Hannibal' Smith

Donnerstag, 13. Mai 2010

Tagesvorschau


So eine Dachterrasse ist eine tolle Sache, trotz Schafskälte. Man trotzt der Schafskälte, indem man sich in ein paar warme Wolldecken wickelt, fühlt sich augenblicklich wie im Luftkurort, guckt ziellos in den verhangenen Himmel und denkt über den Tag nach.

Wie war der Tag bis jetzt? Anstrengend. "Ruhe", knurrt es vom Sofa, wo eine müde Mrs. Mop alle viere von sich streckt, "ich will davon nichts hören!" (verständlich, hat Feiertagsschicht geschoben).

Wie wird der Tag noch werden? Vermutlich weniger anstrengend, dafür unterhaltsamer und interessanter als der Morgen. Auf jeden Fall interessanter. Ein Abendessen mit einem guten alten Freund steht an. Seit knapp einem Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen. Zwei grundverschiedene Lebenswelten werden sich begegnen: Mittelgroßes Tier aus dem Verlagswesen meets Multijobberin aus dem Prekariat ('Putzfrau' wollte ich nicht aussprechen, sonst hätte das Sofa wieder geknurrt). Also auf jeden Fall interessant.

Ein Jahr ist eine lange Zeit. Da guckt man in den Himmel und fragt sich, was der andere wohl das ganze Jahr über getrieben hat? Umgekehrt ist die Frage einfacher zu beantworten, denn der andere kann ja vieles in meinem Blog lesen. Könnte. Wenn er es täte. Tut er aber nicht, sage ich zu der müden Mop, wollen wir wetten? "Jede Wette", knurrt das Sofa, "dem ist so ein kleines Blog viel zu popelig. Ist ja auch besser so." Wieso besser, frage ich. Das Sofa ächzt: "Na, stell dir vor, er würde ausnahmsweise heute nachmittag ins Blog schauen und das hier lesen - könnte Stress geben heute abend, oder?" Könnte. Wenn er es täte. Tut er aber nicht.

Vielmehr wird er mich fragen, was ich das ganze Jahr so getrieben habe. Ich werde von meinem Wohnungswechsel erzählen und er wird aus allen Wolken fallen, so als Blog-Nichtleser; erst recht wenn er erfährt, dass ich jetzt quasi bei ihm um die Ecke wohne. Und in weniger als fünf Minuten bei ihm vor der Tür stehen kann - Luxusimmobilie meets Mini-Mietwohnung.

Irgendwann wird er mich fragen, ob ich noch blogge, und ich werde antworten, na klar, kennst mich doch, was ich anfange, ziehe ich durch. Fände er großartig, wird er sagen, vermutlich ohne je eine gebloggte Zeile von mir gelesen zu haben. Hast du heute schon gebloggt?, wird er dann fragen, und ich werde antworten, na klar, kennst mich doch, so ein interessantes Abendtreffen wie mit dir lasse ich mir nicht durch die Lappen gehen. Darauf wird er mich vielleicht ein wenig schräg anschauen und dann mit ernstem Gesicht fragen: Und WAS bitte hast du darüber gebloggt? Ich werde freundlich schweigen, worauf er ziemlich flott aufstehen und dabei murmeln wird: Moment, ich geh' mal mein Laptop holen.

Ich bin mir fast sicher, dass ich diesen Moment still genießen werde. Stress wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen geben, infolge bereits fortgeschrittener Entspannung und einem erwartbar guten Rotwein. Doch, ich bin sicher, der Abend wird interessant und unterhaltsam werden. Sogar die auf dem Sofa knurrende Mrs. Mop kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Man muss sie nur bei Laune halten.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Nu, mir gomm


Gefunden in meiner neuen Nachbarschaft.
Und das obwohl, ich schwöre es,
ich nicht nach Sachsen gezogen bin.

Dienstag, 11. Mai 2010

Besuchszeit


Gestern fand ich es ja ganz nett, bei Mrs. Mop auf Besuch zu sein; also dachte ich, schaust du heute nochmal bei ihr vorbei. Sie hat mich gleich gefragt, ob ich immer noch fast glücklich sei, was ich ehrlichen Herzens bejahte. Wie es denn um ihr Wohlbefinden bestellt sei, wollte ich wissen. Mrs. Mop seufzte tief und antwortete, urlaubsreif sei sie. Überarbeitet. Müde. Schwere Beine. Kann ich gut verstehen, das mit den schweren Beinen. Trotzdem schien mir, als ob ich deutlich leichtfüßiger durchs Lebens gehe als die geplagte Mrs. Mop. Leider, fuhr sie fort, habe sie kein Geld für Urlaub. Kann ich auch gut verstehen, ich habe auch keines. Ist mir aber egal momentan.

Um sie aufzumuntern, fragte ich sie nach einer Anekdote aus ihrer Gastrowelt. Statt einer Antwort kam ein unwilliges Grunzen. Dazu hob sie den linken Mittelfinger senkrecht in die Höhe, was ich schon missverstehen wollte, aber sie brummte nur, sie habe sich heute im Kühlhaus den Finger an einer gefrorenen Gänsekeule verstaucht. Und überhaupt, brummte sie weiter, wenn sie schon jeden Tag arbeiten müsse wie ein Pferd, müsse sie nicht auch noch abends einen vom Pferd erzählen, sondern wolle ihre Ruhe haben. Kann ich sehr gut verstehen.

Ich könne aber gern jederzeit hier vorbeikommen, meinte Mrs. Mop dann, sie freue sich über meinen Besuch. Das bringe sie auf andere Gedanken. Na klar, habe ich gesagt, mache ich gern. Morgen komme ich wieder.

Montag, 10. Mai 2010

Blogurlaub


Eine Woche ohne Internet. Eine Woche ohne Blog. Erst Ärger, dann Resignation, dann Sichfügen ins Unvermeidliche. Schließlich entspannte ich mich. Dann halt ohne. Was soll man machen. Zwangsurlaub gewissermaßen.

Nun also wieder mit. Schon seit drei Tagen. Es ließ mich ungerührt. Ich hatte mich so schnell an die Zwangsentspannung gewöhnt, dass ich noch ein paar Tage Urlaub im Kistengebirge drangehängt habe. Völlig umzugsplatt. Ausgepowert. Schwere Beine, nur noch müde und bloglos zufrieden. Durch und durch unkommunikativ.

Heute bekam ich Lust etwas zu schreiben. Es fühlte sich an wie zu Besuch auf dem eigenen Blog. Ich setzte mich auf das rote Sofa von Mrs. Mop (die Gastgeberin hat eine Vorliebe für Rot) und wartete, dass mir etwas einfiel. Derweil kochte Mrs. Mop Kaffee und fragte mich, wie es mir in meinem neuen Leben ginge. Ich seufzte tief und antwortete: fast ein bisschen glücklich. Das, empfahl mir Mrs. Mop, sollte ich unbedingt im Blog festhalten. Sie stünde voll dahinter.