Donnerstag, 7. Januar 2010

Ach Daisy



Es ist ja nicht nur die Kälte. Auch nicht der viele Schnee. Und dass es morgen noch mehr schneien wird. Und übermorgen noch mehr. Und überübermorgen noch mehrmehr. Ach Daisy.
Warum hast du einen so niedlichen rosarot klingenden Namen und bist doch so grauweiß, bleischwer, starr vor Frost? Irgendwie hast du alles Lebendige unter deinem Starrsinn begraben. Überall herrscht Bewegungslosigkeit.
Mühsam schleppe ich mich durch die kurzen Tage und die endlos langen, lähmend kalten Nächte. Mein System fährt vegetativ auf Sparflamme und sendet deutliche Signale, dass es noch viel lieber im Standbymodus verharren würde, um sich einer glücklichen, traumlosen Winterstarre hinzugeben.

Weil alles so grauweiß und still und starr ist, macht sich dieses irrlichternde Gefühl breit: Das bleibt jetzt alles so, das hört nie mehr auf. Und schon werden die Schritte langsamer, die Beine schwerer, der Atem flacher, der Kopf träger.

Still und starr ruh'n die Seen.

Und jetzt, kurz vor Mitternacht, hängen dichte schwere grauweiße Wolken über den Dächern. Daisy rules.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Stadt voller Zeugs


Ein Wort gibt das andere.

Gestern ging es hier um eine besondere Art der Revolution: eine, wo nicht darum gekämpft wird, mehr zu bekommen, sondern wo darum gerungen wird, mit weniger klarzukommen. Heute im Zeitungsinterview spricht einer nicht von der Revolution, sondern von der Armut als zukünftigem Normalzustand, meint aber möglicherweise dasselbe.
"Bonos Kampagne heißt: Die Armut soll der Vergangenheit angehören. Meine heißt: Die Armut soll unsere Zukunft sein. Wenn etwas schief geht, dann sind wir es doch, die untergehen, weil unsere Bedürfnisse so hochgeschraubt sind. Wir sind zum Untergang verdammt, weil wir mit weniger nicht auskommen. Das ist mein Kommentar zu Louis Vuitton. Ich bin gerade durch München spaziert. Eine Stadt voller Zeugs. Wieviel Luxus braucht man denn?"
(Der britische Filmemacher Terry Gilliam, Monty Python, Brazil, Time Bandits)

München, eine Stadt voller Zeugs. Der Wahnsinn.


Dienstag, 5. Januar 2010

Schwarzes Wildschwein auf leeren Magen


The Recess Ends ist ein Dokumentarfilm über die Rezession in Amerika und wie die Menschen sich durchschlagen angesichts leergeräumter Häuser, leerer Konten und leerer Mägen.

Der Film beginnt martialisch mit der Jagd auf ein schwarzes Wildschwein. Das Tier wird im Dickicht von ein paar kräftigen Männern gefangen und von Hand erlegt, an allen vieren fortgetragen, an einen Baum gehängt und fachmännisch gehäutet und zerteilt. Dabei kommentiert der Schlachter - kein Profi, sondern einer, der Hunger hat und bei dem jeder Handgriff sitzt - sein Tun trocken mit "Was soll man machen, wenn die Wirtschaft nichts mehr hergibt?"

Und dann geht es durch alle fünfzig Staaten Amerikas. Die Filmreise hat mich erschüttert, verstört, bewegt und an vielen witzigen kleinen Stellen zum Lachen gebracht. Not gebiert Sinn für Komik. Und schafft Klarheit im Denken: Eine Bewohnerin Detroits sagt den folgenden, lange nachklingenden Satz,
"The American revolution is gonna be different from other revolutions. Because it's gonna require us giving up things rather than acquiring more things."
Und dann der Schluss. Man denkt ja immer, mit dem Abspann sei ein Film zu Ende. Von wegen. Da geht's erst richtig los mit dem schwarzen Wildschwein. Phantastisch gut.

Montag, 4. Januar 2010

Kalt wie Sau


Sagen alle.

Sie auch.

Sonntag, 3. Januar 2010

Perlen aus Polen


Oh hättest du geschwiegen, polnische Perle.
Und deine schäbige kleine Erfolgsstory für dich behalten.
Stattdessen lässt du dich von der FAZ als heroische Schwarz- und Wanderarbeiterin feiern.
Ich lese. Ich schnappe nach Luft. Bekomme pechschwarze hässliche Gedanken. Es schäumt in mir. Die Galle steigt. Mein Organismus droht zu übersäuern.

Wie gut, dass ich ein Blog habe, zum mal-kurz-Durchwischen.
Liebe polnische Putzfrau Anita,

tu mir einen Gefallen, halte den Mund und mache ihn erst wieder auf, wenn du gründlich nachgedacht hast. Schließlich hast du einen Abitur-IQ, also mache gefälligst Gebrauch davon. Unsere polnische Küchenhilfe ist keine ausgebildete Köchin wie du, ist halb so alt wie du, hat kein Abitur, und trotzdem redet sie nicht so einen Schwachsinn wie du. Vielleicht liegt das daran, dass unsere polnische Küchenhilfe in Deutschland lebt, in Deutschland Miete und (jawohl!) Steuern sowie Sozialabgaben bezahlt, in Deutschland ihre Lebensmittel kauft und das alles für weniger als zehn Euro die Stunde versucht auf die Reihe zu kriegen.

Ich übrigens auch. Deutsche Putzfrau, du weißt schon. Eine von denen, über die du dich so gern mokierst, und das, obwohl du nach Feierabend ausschließlich deine Landsleute triffst - wieviele deutsche Putzfrauen hast du kennengelernt? Oder plapperst du nur nach, was deine Schwarzauftraggeber über die faulen deutschen Putzfrauen abgelästert haben? Und warum tust du das so prahlerisch, so großmäulig, so peinlich?

Weißt du, Anita, ich finde, als Putzfrauen mit Abitur sollten wir uns ein wenig zusammenreißen und es vermeiden, in der Öffentlichkeit allzu viel Stuss zu quatschen. Das tut dem eh miserablen Image nicht gut: weder dem der Putzfrau, noch dem des Abiturs. Dem des polnischen Schwarzarbeiters übrigens auch nicht.

Viele Grüße

Mrs. Mop
Danke, jetzt geht's mir besser.

Samstag, 2. Januar 2010

Gute Gefühle


Geschenkgutscheine werden immer beliebter, sowohl beim Schenkenden als auch beim Beschenkten. Der eine fühlt sich auf der sicheren Seite; der andere kann sich nach Herzenslust in der Shopping-Dimension verwirklichen. Kurzum, Geschenkgutscheine machen ein gutes Gefühl.

Warum also nicht gleich Gutscheine für gute Gefühle? Die Idee ist bestechend, scheint aber nicht so gut anzukommen, denn irgendjemand hat den Wohlfühlgutschein gefühlskalt im Altpapiercontainer versenkt.

Wenn ich das richtig verstehe, bekommt der Kunde bei dieser Versicherungsgesellschaft zusätzlich zur Versicherungsleistung noch ein gutes Gefühl obendrauf. Vorausgesetzt, er löst den Gutschein ein. Sonst gibt es zwar die Leistung, aber kein gutes Gefühl.

Fand ich einigermaßen befremdlich, und wie ich das so fand, während ich dort stand, trat plötzlich ein Nachbar neben mich, wollte seinen Papiermüll entsorgen und verfolgte mit großen Augen mein Treiben an der Tonne. Es fühlte sich an wie auf frischer Tat beim Containern erwischt. Ungutes Gefühl, irgendwie. Wir versenkten beide unser Altpapier und wünschten uns ein gutes Neues Jahr.

Ich könnte jetzt einen Gutschein für ein gutes Gefühl gut gebrauchen.

Freitag, 1. Januar 2010

Fängt ja gut an



Der erste Kulturschock des neuen Jahres hat einen Namen.